Was ist besonderes an diesem Verhältnis der Juden bzw. Israels zu seinen Nachbarn? Es gibt Streit und vor allem um das Wohn- bzw. Besitzrecht in Palästina. Ist das wirklich etwas besonderes?
Meist kommt es auf unsere Vorurteile, auf unsere Prämissen an, unter denen wir etwas beobachten oder untersuchen. Entsprechend interpretieren wir dann daraus die Ergebnisse. Das führt zu unterschiedlichen Ansichten. Ich möchte daher auch dieses Verhältnis von verschiedenen Seiten betrachten.
Wir können das Verhältnis betrachten aus einer Perspektive der Entwicklung der Natur entsprechend der „Evolutionstheorie“, die sich in den letzten fünftausend Jahren im Bereich des östlichen Mittelmeeres ereignet hat. Dann werden wir davon ausgehen können und müssen, dass sich dort verschiedene Clans, Stämme und Völker entwickelt haben, die zahlenmässig langsam und später schneller zugenommen haben. Im Bereich von Palästina ist es dazu gekommen, dass sich mehrere Völker um das gleiche Stück Land streiten. Mehrere Stämme oder Völker wollten und wollen dort wohnen. Auch an anderen Orten dieser Welt gibt es das. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man das spannungsarm oder spannungsreich miteinander vereinbaren kann. Schon vor mehr als 2000 Jahren gab es Streit darum. Es gab aber schliesslich Jahrhunderte, in denen Angehörige verschiedener Völker in Palästina relativ friedlich miteinander zusammen wohnten. Warum ist das jetzt nicht mehr möglich?
Es ist auf dieser Erde so, wie es schon zu etwa gleicher Zeit im alten China Herr Konfuzius fand und lehrte: Absolute Freiheit gibt es nicht. Meine Freiheit begrenzt Deine Freiheit und mein Eigentum begrenzt Dein Eigentum und meine Rechte begrenzen Deine Rechte. Wir konkurrieren um fast alles und haben nur selten etwas konkurrenzlos gemeinsam, wie finanziellen Profit, Fortschritt oder Land. Wir müssen uns einigen, Kompromisse schliessen und selbst Anderen und unseren Nachbarn gegenüber äusserste Toleranz üben (nicht nur die Anderen uns gegenüber). Das tat schon damals weh und heute ist das noch nicht anders.
Das Volk der Juden und Israelis war über viele Jahrhunderte in viele Länder dieser Welt ausgewandert. Nur eine geringe Anzahl war in Palästina zurückgeblieben. Das erleichterte vermutlich das Zusammenleben? Erst als im 20. Jahrhundert zunehmend Juden und Israelis unter dem Eindruck des Holocaustes in Europa nach Palästina zurückkehrten, nahmen die Spannungen dramatisch zu. In der Fremde waren Juden und Israelis ja immer wieder Pogromen und Feindseligkeiten der jeweils eingeborenen Völker ausgesetzt gewesen. In der Fremde sind wir nicht automatisch willkommen und wir heissen Fremde auch nicht automatisch bei uns willkommen. Das haben nicht nur Juden am eigenen Leibe erfahren. Das ist unter uns Menschen weit verbreitet, auch wenn sich manche Völker Gesetze geben, die das verhindern sollen. Wir als Menschen haben uns ja nicht verändert und auch Gesetze verändern uns nicht, wecken eher unseren Widerspruch.
Wir Menschen sind nicht nur in der Kindheit kleine Kinder. Auch als Erwachsene sind wir es noch immer. Wir stritten uns um Spielzeug, um Essen und andere Genüsse, um Anerkennung und Freiheit, um Achtung, Positionen und vieles mehr. Wir sind zwar älter geworden, aber die Häufigkeit und die Bereitschaft zum Streit haben mit dem Alter kaum abgenommen. Selbst die Gründe für den Streit haben sich nur unwesentlich geändert. Das sehen wir nicht nur im Bereich des östlichen Mittelmeeres, nein auch in der Umgebung um Russland auf dem Gebiet des früheren sowjetischen Einflussgebietes, in und um China, im Mittel-Europa der letzten 400 Jahre, auf dem afrikanischen Kontinent, auf dem Balkan und wenn wir in unsere kleinen Leben in der Familie und im Wohnort und am Arbeitsplatz schauen, ist das auch nicht anders. Das ist also einfach menschlich, nichts besonderes, Kinderei von uns Erwachsenen. Natürlich sind nur die Anderen so, wir selbst nicht und damit natürlich auch Sie nicht.
Schon zu Zeiten des Herrn Konfuzius vor fast 2500 Jahren waren Menschen zu der Einsicht gekommen, dass unbegrenzte Freiheit auf dieser Erde nicht zu haben ist. Meine Freiheit engt Deine Freiheit ein und umgekehrt. Wir sind also zu einer Einigung gezwungen, ob wir das wollen oder nicht. Natürlich kann man das barbarisch einfach mit Kraftanwendung lösen (wie bei den Kindern, nur mit tödlicheren Waffen). Der Stärkere siegt. Mit ein bisschen mehr Hirn im Kopf wäre vielleicht auch eine gütliche Einigung möglich? Oder liegt das gar nicht an unserem Hirn? Hat unser Streit vielleicht auch andere Gründe? Egal, nun muss eine Einigung gefunden werden, die von Allen anerkannt und dann auch gelebt wird, von Kindern wie von uns erwachsenen Kindern.
Eine Zwei-Staaten-Lösung auf dem Gebiet des kleinen Palästinas mit den jetzt dort lebenden Bewohnern nach den Auseinandersetzungen im 20. und 21. Jahrhundert folgt zwar einer gewissen Logik, halte ich aber für unmöglich. Solche übermenschlichen Einigungskräfte kann ich dort nirgends wahrnehmen. Ich weiss nicht, ob ich dort fähig dazu wäre. Ich bin ja auch ein erwachsenes Kind. Zu viele Tote und Verletzte auf beiden Seiten, zu viel Leid auf beiden Seiten, Trauer, Scham, Angst, Rachegelüste … Das muss uns doch die Geschichte lehren, dass wir das gar nicht schaffen?
Ich bin in diesen Ländern gewesen, habe auch mit Personen verschiedener Völker Austausch gehabt, aber ich bin kein intimer Kenner dieser Völker. Aber egal wie, mindestens eine Lösung muss her. Ich schlage vor, das kleine Palästina den Israelis zu überlassen. Die ursprünglich in Palästina lebenden Menschen sind zu einem grossen Teil nach Jordanien geflüchtet und leben dort bereits mehr als ein halbes Jahrhundert lang. Andere Flüchtlingsströme auf dieser Erde, auch in Deutschland, waren nach 50 Jahren erledigt, völlig integriert, wenn auch nicht völlig vergessen. Da kommt es auch auf die persönliche Bereitschaft an. In den Jahrhunderten zuvor waren die arabischen Gebiete kaum in Staatsgebiete aufgeteilt. Die Umsiedlung der arabisch-stämmigen Bevölkerung aus Palästina einschliesslich dem Gaza-Streifen ist keine schmerzlose Lösung. Keine Frage, wird das den Betroffenen weh tun. Aber eine Umsiedlung innerhalb des eigenen Kulturkreises, der eigenen Sprache, der eigenen Völkergemeinschaft, ist möglich. Dafür gibt es viele erfolgreiche Beispiele. Wir stehen einfach vor der Frage, ob es Schrecken ohne Ende oder ein Ende mit Schrecken werden soll. Das haben die Bewohner in und um Palästina selbst in der Hand. Vielleicht sollten wir anderen uns eher etwas heraushalten?
Natürlich können wir uns, wie die Kinder um ihr Spielzeug und andere Dinge streiten, auch als Erwachsene immer weiter streiten. Vielleicht könnten wir ja unser kleines Spatzenhirn, das wir für ein vernünftiges menschliches Hirn halten, benutzen? Leider würde das Verzicht und Selbstbeherrschung bedeuten. Wahrscheinlich geht es nicht anders. Die Bereitschaft dazu ist die eigentliche Mangelware. Auch das ist schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt.
Nun glauben ja viele Menschen an eine Art lebloses allgemeines Sein, einen Gott oder eine Form von Gott in dieser Weise. Ich kenne keine Empfehlungen dieser Art von Gott für unser Handeln, die wesentlich von der erstgenannten Empfehlung abweichen würde. Wir müssen uns menschlich miteinander arrangieren. Anders geht es kaum. Was dem nützt, müssen wir pflegen. Was dem schadet, müssen wir meiden. Das lehrte auch Herr Konfuzius schon.
Die arabischen Völker hängen überwiegend dem Islam an, dem Glauben an Allah. Der Islam ist eine Religion, die mit Andersdenkenden und Andersgläubigen, als „Ungläubige“ bezeichnet, nicht zimperlich umgeht. Da gibt es aber verschiedene Strömungen, kompromissbereitere, die eher eine praktische Lebensweise wir Herr Konfuzius vorziehen, lehren und praktizieren. Mit ihnen ist zusammenleben als Andersdenkende und Andersgläubige vergleichsweise einfach. Mit den kompromisslosen Strömungen, die den Ungläubigen den Tod nicht nur wünschen, sondern das Töten selbst ausführen, ist ein zusammenleben kaum möglich. Dieses Spannungsverhältnis wird Israel und seine Nachbarn, aber auch uns alle anderen im Verhältnis mit kompromisslosen Allah-Gläubigen noch intensiv und lange beschäftigen. Eine Lösungsmöglichkeit durch uns Menschen sehe ich in diesem Spannungsverhältnis derzeit nicht.
Wenn wir an den lebenden Gott glauben, werden wir wahrscheinlich an den Gott der Juden und Israelis glauben, selbst wenn wir uns Christen nennen oder uns als Christen auffassen. Von ihm haben wir ja in Form der jüdischen Thora und der christlichen Bibel doch Hinweise und Zeugnisse, wie er sich das Zusammenleben miteinander mit ihm und dem Volk Israel und Juda mit seinen damaligen Geschwisterfamilien, dann Geschwisterclans und schliesslich Geschwistervölkern vorstellte.
Er wählte sich Abraham, Isaak und Jakob und in der Folge ihre Familie, dann ihre Clans und schliesslich ihr Volk aus. Er verhiess ihnen das Land, das wir heute "Palästina" nennen, als Stammland, als Wohnland und er ging davon aus, dass die zuvor dort wohnenden Völker das Land hergaben oder sie wurden enteignet, nicht selten sogar gottgewollt ihres Lebens enteignet. Der lebende Gott ist auch nicht zimperlich und war es auch damals nicht. Von dieser Seite her gesehen, haben wir es auch heute möglicherweise mit dem lebenden Gott zu tun, der dort in die Auseinandersetzungen eingreift oder auch nicht und so menschliche Geschichte geschehen lässt oder sogar lenkt.
Wegen des immer wiederkehrenden Ungehorsams des Volkes Israel und des Volkes der Juden und ihrer Abkehr vom Zusammenleben mit ihrem Gott nach dessen Wünschen, wurden Israel und Juda teilweise vernichtet, als Gefangene ins Exil geführt und nach längerer Zeit wieder in ihr Land zurückgeführt und rekultiviert. Das wiederholte sich über die Jahrhunderte mehrmals.
Schliesslich sandte der lebende Gott seinen Sohn Jesus auf die Erde. Durch sein Kommen auf unsere Erde, durch sein Leiden und seinen Tod und seine Auferstehung schuf er uns einen Weg zu dem lebenden Gott, denn wir Menschen, selbst die Völker Israel und Juda hatten durch unseren Ungehorsam (dem 1. menschlichen Ungehorsamsfall von und mit Eva und Adam und in der Folge vielen) und unsere Abkehr vom lebenden Gott jedes Recht auf weiteres Leben vollständig verwirkt. Eigentlich hätte er unsere Welt mit uns, seine Schöpfung, wieder vernichten können, seine Schöpfung wieder rückgängig machen können. Warum er das bis heute nicht tat, weiss ich nicht. Da wir noch leben, ist es aber so, dass er seine Schöpfung und damit uns bisher nicht vernichtete. Wir sind alle rechtlos und totgeweiht. Natürlich glauben wir von uns genau das Gegenteil. Wir haben nach unserer Ansicht Menschenwürde, Menschenrechte und jede Menge weiterer Rechte nach unseren eigenen Vorstellungen. Da unterscheiden sich offenbar des lebenden Gottes Ansicht und unsere Ansichten.
Weit gefehlt also.
Der lebende Gott hatte sein Volk oder seine beiden Völker selbst in die Fremde geschickt und für lange Zeit verdammt und verbannt. Aber er hatte ihnen auch eine neue Zukunft versprochen und vorhergesagt.
Die Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert könnte auch seine bewusste Rückführung seiner beiden Völker aus der Fremde nach Hause sein. In diesem Falle steckte der lebende Gott selbst hinter dieser Entwicklung. Dann sollten wir uns nicht gegen die von ihm eingeleitete Entwicklung stellen, sondern … Mit dem lebenden Gott müssen wir rechnen, nicht nur im liebenden, uns zugewandten Falle, sondern auch im abrechnenden Falle für unseren Ungehorsam ihm gegenüber und unsere Abkehr von ihm. Darauf steht unser Tod. Da können wir uns im Recht halten. Gegenüber diesem lebenden Gott werden wir Menschen wohl den Kürzeren ziehen, also rechtlos sein. Achtung!
Unter diesen Umständen dürften und müssten wir damit rechnen, dass der lebende Gott zu seinem Volk der Israelis und Juden steht und dass er ihnen langfristig ihr Land wiedergeben wird. Damals hat er zeitweise für sein Volk gestritten und er wird es möglicherweise auch jetzt wieder tun. Dann braucht Israel vielleicht gar keine Verbündeten, vielleicht nicht einmal Waffen und es käme doch zum Sieg Israels über seine Feinde? Allerdings hat der lebende Gott im Alten Testament auch immer wieder klarmachen lassen, dass seine Hinwendung zu seinem Volk die Hinwendung seines Volkes zu ihm voraussetzt. Gewiss gibt es eine grosse Gruppe von Haredim, von Rechtgläubigen im alten Sinne, im Volke Israel. Aber ob das im Sinne des lebenden Gottes als Hinwendung des Volkes Israel zu seinem Gott ausreicht, da bin ich mir nicht so sicher. Das kann ich nicht beurteilen. Ein grosser Teil des Volkes Israel kann ja auch im 21. Jahrhundert mit seinem Gott und seiner Erwählung durch diesen Gott und seiner Bündnisbildung mit der Volk Israel gar nichts anfangen.
In Jesus Christus hat der lebende Gott sein Volk der Israelis und Juden wie uns alle anderen Menschen auch und damit sowohl die Palästinenser, wie alle arabischen Völker und uns anderen Völker auch in seine neue Welt eingeladen. Im Glauben an diesen gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus als Weg in Gottes neue Welt könnte es natürlich auch sein, dass ein neues Palästina in seiner neuen Welt gemeint ist und nicht das alte auf dieser Erde vorhandene Palästina. Es könnte sein, dass der lebende Gott seinem auserwählten Volk Israel das Palästina in seiner neuen Welt zugedacht hat und das alte Palästina auf unserer jetzigen Erde seinen Feinden. Das alte Palästina liegt auf der Erde, die wir ungehorsamen Menschen langsam, aber zielstrebig, zu unserer „Hölle“ verbessert haben. Ich bin nicht sicher, ob es erstrebenswert ist, auf dieser „Höllenerde“ dauerhaft um Wohnrecht zu kämpfen. Womöglich werden wir das bereuen, Juden, Israelis, Araber, Palästinenser und wir alle?
Natürlich können wir uns auch weiter im Kampf um das Wohnrecht im alten, im erdlichen Palästina, gegenseitig die Köpfe einschlagen. Das ist eine Art und Weise, auf der „Höllenerde“ zu leben. Da kann ich Ihnen nur vollen Erfolg wünschen. Womöglich wäre der Erfolg die Niederlage?
Noch einmal als Wiederholung: Der lebende Gott der Juden, Israelis und Christen hat alle Menschen ohne Ausnahme in seine neue Welt eingeladen, ohne Ausnahme. Bedingung? Glauben an das Geschenk unserer Erlösung von Jesus Christus und durch ihn in Gottes neuer Welt so zu leben, wie er das will, nicht wie wir das wollen. Er ist Gott.
Es gibt keinen Grund für Judenhass, aber auch keinen Grund für Palästinenserhass oder Hass auf irgendwelche anderen Menschen. Und doch erleben wir diesen Hass oft, hassen vielleicht sogar selbst? Warum eigentlich? Nun gut, neidisch auf das, was Andere haben, sind wir schon seit frühester Kindheit, als Erwachsene erst recht. Dass der lebende Gott Israel und die Juden auserwählte, haben schon damals viele Verwandte und Nachbarn den Juden geneidet. Die konnten nicht einmal etwas dafür, denn sie haben sich ja nicht selbst auserwählt. Rache für von Anderen verursachtes Leid an uns, haben wir schnell geschworen, Erwachsene nicht weniger als Kinder. Haben wollen beschäftigt uns von früh bis spät. Sonst bräuchten wir gar kein Geld zu verdienen. Welcher Teufel treibt uns da? Offenbar kommen wir gegen den in uns nicht an? Deshalb das Geschenk des lebenden Gottes der Juden, Israelis und schliesslich uns allen Menschen an uns. Seine Einladung ...
Wie immer: Ich weiss nicht, was ich nicht weiss und daher weiss ich nicht, ob meiner Ansicht etwas entgegen steht, sodass meine Ansicht nicht realitätsnah ist. Es könnte sein, dass ich falsch liege. Weder der lebende Gott noch das leblose allgemeine Sein noch die evolutionäre Natur haben mir ihre Baupläne überreicht, so dass ich nachprüfen könnte, ob meine Ansichten damit übereinstimmen und „richtig“ sind. Sie, ich und unsere Welt sind nicht nur rätselhaft. Wir sind jeweils Geheimnis (ohne Überprüfungsmöglichkeit). Deshalb bitte ich Sie, erst lange nachzudenken über diese Zusammenhänge, manches vielleicht auch erst nachzulesen, das Hin und Her gegeneinander abzuwägen und sich erst dann für eine tolerante Lebens- und Handlungsweise zu entscheiden, die uns allen wenigstens ein Minimum an Heimat und Frieden auf Erden ermöglicht. Denken Sie an die Einladung ...