Wunsch und Wirklichkeit

Wir leben in einer Welt, die, so wie sie ist, uns nur teilweise gefällt. Sonst müssten wir nicht dauernd die Welt verbessern, müssten nicht dauernd nach Veränderung rufen und sie selbst verändern, müssten nicht um die Wette Innovationen erfinden etc. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite lieben wir die Natur und die Natur ist Aufenthaltsort, Ruheort, Erholungsort, Ort für unsere Entspannung. Soweit wir sie nicht schon kennen und uns untertan gemacht haben bzw. ausgebeutet haben, ist sie auch spannend und interessant.

Wenn unsere Welt, unsere Umwelt, die Natur so ist, wie wir sie uns wünschen, dann lieben wir sie. Zum Beispiel in unserem Garten, den wir gepflanzt haben, den wir pflegen und gestalten nach unseren Wünschen. Wenn dort aber das „Unkraut“ wächst und „Ungeziefer“ unsere Wünsche durchkreuzt, dann beginnen wir den Kampf gegen die Natur und benutzen immer einschneidendere Mittel, bis wir endlich gesiegt haben. „Unkraut ex“, „Insektizide“. Wenn die Natur anders ist, als wir sie uns wünschen, wenn sie uns mit Stürmen und Gewalten Gewalt antut, dann lieben wir sie plötzlich nicht mehr. Spätestens dann müssen wir sie unbedingt verändern, nach unseren Wünschen gestalten.

So haben wir uns in den letzten 500 Jahren die Natur nach unseren Vorstellungen geformt und verändert und müssen heute feststellen: Das Gelbe vom Ei ist sie noch immer nicht. Wir haben uns zwar eine Menge Annehmlichkeiten, Lebensverlängerung, Sicherheiten geschaffen, aber auf der anderen Seite hat uns das eine ausufernde Bürokratie, unablässig wachsende Kosten, eine riesige Menge menschlicher Bauwerke (die die Natur unter sich begruben bis zerstör(t)en), eine Flut von einschneidenden Gesetzen und mit hoher Wahrscheinlichkeit an Anzahl und Schwere zunehmende Nebenwirkungen wie den Klimawandel etc. beschert. Trotz zunehmender Kreislaufwirtschaft mit Recycling haben wir ein Problem mit unserer Versorgung und Entsorgung mit allerlei Stoffen. Inzwischen sind wir in vielerlei Hinsicht an Grenzen gestossen, die unseren Fortbestand als Menschheit auf der Erde (und damit auch im Weltall) in Frage stellen. Es ist ja längst nicht nur der Klimawandel!

Wir leiden zunehmend unter unseren eigenen Erfolgen. Wir müssen uns klar machen, dass wir als Menschheit und als Menschen in einer Symbiose mit unserer Umwelt leben, sowohl der materiellen Umwelt als auch der lebenden Umwelt. Wenn wir es zu weit treiben, schaffen wir uns selber ab, nicht Andere.

Wir kämpfen um unsere Freiheit, erlassen aber Gesetze im Akkord.

Wir ächzen unter Bürokratie und Regelungsbedarf, aber erlassen weiter ein Gesetz nach dem anderen, dessen Durchführung, Kontrolle und bei fehlender Einhaltung Bestrafung in den meisten Fällen neue Bürokratie und Regelungsbedarf auslöst.

Wir kämpfen gegen Zersiedelung, bauen aber um die Wette weiter und merken gar nicht, dass wir auch mit Konzentration in Städten an Grenzen kommen und selbst Grenzen schaffen, deren Überschreitung uns nur weiter in die Falle treibt.

Wir müssen jetzt darum kämpfen, die Auswirkungen unseres Lebens und Schaffens zu begrenzen. Wir bemerken immer mehr unserer Grenzen. Da brauchen wir eigentlich gar nicht zu kämpfen. Wir bräuchten einfach nicht so weiter zu machen, wie wir es bisher taten. Kampf hilft da gar nichts. Da hilft nur nachdenken, Einsicht, umdenken, umkehren und danach handeln. Selbst diskutieren und informieren helfen da nichts, denn wir sind ja seit dem 3. Lebensjahr, seit unserem Trotzalter, sowieso der Ansicht, dass wir Recht haben, völlig egal, welcher Ansicht oder Meinung wir sind und Jeder wieder mit einer anderen Ansicht. Dagegen sind diskutieren und informieren völlig hilflos.

Da uns unser Erfolg zum Misserfolg wird, sind es interessanterweise auch nicht die Schwachen und Armen, die den Misserfolg verursachen, sondern die Starken, die Schlauen, die Cleveren, die Erfolgreichen, die mit den grossen Gewinnen und meist auch die mit der grossen Klappe, inzwischen nicht nur Männer, sondern auch Möchte-gern-Männer.

Die Algorithmen unserer digitalen Systeme, die wir für „künstliche Intelligenz“ halten, fragen uns heute, was wir mögen und welcher Ansicht wir sind, damit sie uns nun nur noch mit uns bestätigenden Informationen versorgen, die wir gerne hätten und haben, damit wir ja in unserer Wohlfühloase keine uns widersprechenden Gefühle, Ideen und Gedanken bekommen. Wir Menschen in unserem Ei, hoffentlich mit sehr dicker Wand gegen alles von aussen. Aber wir leben ja in Symbiose mit unserer Umwelt. Ohne den Austausch mit „aussen“ können wir einzeln und zusammen gar nicht leben, schon gar nicht in Wohlstand.

Egal, welchem Weltbild wir anhängen, ob wir glauben, dass sich unsere menschliche Gesellschaft im Rahmen der Evolution der Natur so entwickelt hat, wie sie heute mit uns ist oder ob wir an eine Art Schöpfung oder Entwicklung durch ein lebloses allgemeines Sein (eine Gottheit) glauben oder die Schöpfung und Entwicklung durch den lebenden Gott glauben, wir werden davon ausgehen müssen, dass unsere Welt, unsere Natur mit uns in einem ökologischen Gleichgewicht zwischen materieller Umwelt und lebender Umwelt die optimale Struktur aufweist. Weniger war für die Gesamtheit unserer Welt weniger und mehr Polarisierung durch uns Menschen zu unserem Vorteil bedeutet für die Gesamtheit unserer Welt auch wieder weniger.

Wir Männer haben in den zurückliegenden 3000 Jahren bewiesen, dass wir nicht in der Lage sind, in dem Spannungsfeld zwischen der evolutionären Natur auf der einen Seite und uns Menschen als Gesamtheit, als Menschheit und als Einzelne, als Individualisten auf der anderen Seite einen angemessenen Weg zu finden. Oder hatten wir ihn in den letzten 500 Jahren doch irgendwann, nur wir haben gar nicht gemerkt, dass das Optimum erreicht war und überschritten wurde? Wann könnte das gewesen sein?

Die Veränderung der Natur zu unseren Gunsten (was immer das sein mag), kostet Ideen, kostet Kraft, kostet Energie, kostet Zeit, kostet viel Arbeit und kostet natürlich Natur. Da ist nicht nur überbaute und versiegelte Fläche zu nennen, sondern sehr viel mehr. Da wir am liebsten nur noch gegen Geld arbeiten, kostet alles viel Geld (das wir gar nicht haben oder nur nicht dafür ausgeben wollen). Interessanterweise nützt und schadet Geld gar nichts, denn Geld schafft keine Veränderungen, keine Werte und auch keine Schäden. Oder haben Sie schon einmal irgendwo Geld arbeiten, verändern oder Überflutungen anrichten sehen, weil zu viel davon floss? Nein, Geld ist nur ein Ersatz für Ware oder Dienstleistungen und die Erfolge und Schäden verursachen einzig und allein wir Menschen. Wir Menschen sind dann vom vielen winkenden finanziellen Gewinn geblendet und schaffen und zerstören im gleichen Vorgang. Schaffen und zerstören, gewinnen und verlieren lassen sich gar nicht voneinander trennen.

Egal wie, warum und wann wir Männer die Fehler gemacht haben, wir haben versagt. Da haben unsere Frauen völlig Recht. Dieser Ansicht haben wir Männer nichts entgegenzusetzen. Deshalb ist es völlig folgerichtig, dass es jetzt die Frauen richten müssen und wollen, dass sie in die Leitungsfunktionen gehören, dass sie Karriere machen müssen, dass sie die Welt vor uns bösen und erfolglosen Männern beschützen müssen und dass sie die Welt endlich besser machen müssen als wir Männer es geschafft haben. Und da Möchte-gern-Männer, die Frauen, die nun an Stelle von uns Männern die Weltverbesserung leisten wollen und die es jetzt natürlich besser als wir Männer machen wollen, intuitiv Recht haben, bestehen da natürlich auch gar keine Selbstzweifel, keine Selbstkritik. So, wie wir Möchte-gern-Männer, wir Frauen das wollen, so ist das richtig.

Vorher hatten die Frauen und wir Männer das an uns Männern kritisiert. Sicher war das ein Grund, warum wir Männer keinen Erfolg haben konnten. Zweifel an uns selbst, Selbstkritik ist nicht unsere Stärke. Da haben Sie völlig Recht. Aber wie ist es dann mit den Frauen, mit den Möchte-gern-Männern in dieser Position? Dabei lese ich in (a)sozialen und anderen Medien durchaus den Rat von Frauen, dass Frauen in Leitungspositionen nicht rechthaberisch, sondern kooperativ auftreten sollten. Offensichtlich ist das nötig, das auch den Frauen in dieser Position zu raten und wir lesen ja inzwischen auch von genug Frauen, die aus solchen Positionen wieder entfernt wurden und werden oder selbst gingen und gehen, weil das offenbar so nicht funktioniert, wie sie sich das von sich selber denken, aus welchen Gründen auch immer.

Frauen haben intuitiver Recht als wir Männer. Männer (wie auch ich einer), legen sich Theorien und Ansichten zurecht, wie die Gesellschaft und die Erde um uns herum funktionieren sollten. Mehr können wir ja nicht, denn die Realität können wir in unserem kleinen Hirn nicht unterbringen. Es bleibt bei unseren Ideen in Form von Gedanken und Bildern, manchmal noch Formeln etc.

Frauen und Möchte-gern-Männer denken und handeln da anders. Sie gehen davon aus, dass sie als Frau, die dem Leben viel näher steht als wir als Mann, das sowieso viel besser beurteilen können als wir Männer. Da muss eine Frau nicht nachdenken. Das hat sie im „Gefühl“, was immer das Gefühl sein mag. Das kann ich als Mann nicht beurteilen und nur mit diesen ungenügenden Worten andeuten.

Frauen haben also im Gefühl, dass sie das, was wir Männer können, auch können. Das ist sogar der Originalton einer Frau, die sich im Frühjahr 2023 zur Wahl stellen wollte für den Schweizer Bundesrat (die Schweizer Regierung), es aber nicht wurde und deshalb später gleich wieder versuchte. Leider hat sie aber nicht bedacht, dass wir Männer gescheitert sind. „Das kann ich auch“ war ihr Motto. So, so? Hat sie weit genug nachgedacht? Ich fürchte „ja“ (und „nein“), wenn ich heute so die Arbeit der Frauen in den Leitungspositionen betrachte. Ja gut, da sind ja leider noch Männer mit in solchen Positionen und wir machen natürlich den Frauen den Erfolg kaputt.

Das ist ja eigentlich noch gar nicht genug. Haben unsere Frauen nicht eigentlich im Gefühl, dass sie die politische und wirtschaftliche Arbeit besser als wir Männer bewältigen könnten? Sie und wir müssten und dürften von unseren Möchte-gern-Männern also mehr und bessere Ergebnisse erwarten als zur Zeit des Patriarchats. Danke, sehr gerne erwarte ich das. Aber wenn unser Erfolg zu unserem Misserfolg wird, dann ist das vielleicht gar nicht sinnvoll?

Spätestens seit dem 15. Jahrhundert (wahrscheinlich schon seit mindestens 3000 Jahren) träumten und träumen wir Menschen von einer Heimat in dieser Welt, in der wir sicher sind und in der wir einfach frei leben können, wie wir wollen und in der wir alles haben, was wir brauchen, lieber aber, was wir uns wünschen oder gar, wovon wir träumen. Da sind ja unserer Fantasie offenbar keine Grenzen gesetzt. Nein, wir treiben uns noch beim Suchen nach Innovationen und Verbesserungen gegenseitig dazu an, die Träume möglichst schnell weiter zu entwickeln. Wir suchen in unseren Träumen die Trauben immer noch ein bisschen höher, um dafür hinterher mehr arbeiten und uns mehr anstrengen zu müssen und mehr klagen zu können, dass wir sie nicht erreichen.

Seit 3000 Jahren haben wir unser Ziel nicht erreicht, obwohl wir unsere Welt nun doch so viel verändert (verbessert?) haben. Was ist los mit uns?

Gehen wir nach der Entwicklung der Natur in einer Evolution, wie wir sie seit den Entdeckungen und Ideen von Herrn Charles Darwin glauben, dann fürchte ich, wird die Menschheit langsam an ihrem eigenen Erfolg zugrunde gehen, weil wir einfach das ökologische Gleichgewicht auf der Erde und um die Erde zu weit zu unseren Gunsten aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Glauben wir eine Schöpfung oder Entwicklung durch ein lebloses allgemeines Sein (eine Gottheit) (was mir schon schwerfällt, weil ich nicht glauben kann, dass eine leblose Gottheit Leben (lebende Menschen) entwickeln kann), dann fällt mir keine Idee zu einer Prognose ein. Glauben wir an die Schöpfung und Weiterentwicklung durch den lebenden Gott, dann haben wir zumindest die Bibel, in der wir Antworten suchen können auf unsere drängenden Fragen angesichts einer uns begrenzenden und womöglich vernichtenden Entwicklung auf der Erde und im nahen Kosmos.

Wir werden entgegen unserer bisherigen Ansicht und Erwartung wohl doch davon ausgehen müssen, dass nicht wir die Chefs oder Cheffinnen der Welt sind, sondern umgekehrt, dass die Welt uns Menschen begrenzt. Wir haben Freiheit und Möglichkeit der Veränderung innerhalb unserer menschlichen und erdlichen Grenzen, innerhalb der uns unbekannten Toleranzgrenzen unseres ökologischen Gleichgewichtes auf der Erde. Wir werden also unsere Forschung und Wissenschaft und technische Entwicklung nicht stur einfach immer weiter vorantreiben können und dürfen (immer mehr, immer schneller, immer genauer, immer gesünder, immer länger, immer komplexer, …), sondern wir werden beim Forschen und Untersuchen zunächst einmal unsere Grenzen erforschen müssen, bevor wir dann anfangen können, innerhalb dieser im Nebel liegenden Grenzen zu forschen und zu entwickeln. Dabei werden wir ganz klar damit rechnen müssen, dass es nicht im bisherigen Sinne voran geht, sondern dass es zurück geht. Unsere Zukunft ist offen. Leben ist Versuch und es geht gar nicht anders. Vorsicht und Zurückhaltung muss unsere erste Bürgerpflicht sein, nicht die schnellstmögliche Maximierung unseres Gewinnes an vermeintlicher Lebensqualität und allem, was dem dient. Welcher Teufel hat uns eigentlich bisher geritten und reitet uns immer noch?

Interessant ist auch die Feststellung, dass wir mit Gesetzen und Regeln nur innerhalb dieser genannten Grenzen etwas erreichen, so wie wir es als unseren Wunsch ins Gesetz geschrieben haben. Jenseits dieser Grenzen haben wir Glück, wenn das Gesetz keine wesentliche Wirkung erreicht. Meist wird es eher langfristigen Schaden anrichten z.B. in Form von Bürokratiemaximierung, Kostensteigerung, Freiheitsreduktion, etc. Wir sollten sehr vorsichtig sein mit dem Formulieren und in Kraft setzen von Gesetzen und für Alle gültige Regeln. Der Grund für diese Tatsache ist unsere menschliche Relativität, die uns ungefähr so fest anhaftet, wie uns das Gehirn im Kopf festgewachsen ist. Natürlich wird es in nicht allzu langer Zeit das Angebot des Hirnaustausches geben gegen eine Festplatte mit „Künstlicher Intelligenz“. Ich möchte Ihnen als ernsthafter Kunde empfehlen, vorher einen genauen Vertrag mit dem Anbieter für den Schadensfall mit Schadensersatzleistung zu vereinbaren, damit auch ja nichts schief gehen kann. Sie wären dann bereits Hybrid 2.0, wo wir jetzt schon so viele Hybride 1.0 haben.

Sich etwas wünschen und es bekommen sind selbst heute noch so zwei verschiedene Dinge wie in vielen Märchen der letzten Jahrhunderte. Oft liegt zwischen Wunsch und Wirklichkeit nur etwas mehr Zeit als in den Märchen.

5 September 2026
wf