Vereinte Atemwege – COPD und Asthma der Nase

Vereinte Atemwege. Das Asthma der Nase: Heuschnupfen und nicht allergische Rhinitis. (3/2015)

Die Atemwege beginnen an der Nasenspitze und ziehen sich durch die Nase, Rachen, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien bis in die Lungenbläschen hin. Im Prinzip können wir davon ausgehen, dass es sich um ein Organ handelt. Das hiesse auch, dass sich die Teile des Organs ähnlich bzw. im Zusammenspiel verhalten. Es handelt sich um obere Atemwege (oberhalb des Kehlkopfes) und untere Atemwege (unterhalb des Kehlkopfes, Bronchien bzw. Lunge).

English

Wir kennen Patienten, die nur unter Heuschnupfen leiden. Bronchiale Reaktionen finden bei ihnen nicht statt. Dann sind tatsächlich nur die oberen Atemwege betroffen. Und wir kennen Patienten mit reinem Asthma, die an den oberen Atemwegen gar nicht reagieren. Es sind dann nur die unteren Atemwege betroffen. Aber bei sehr vielen ist es nur eine Frage der Zeit. Die Erkrankung beginnt z.B. als Pollenallergie der oberen Atemwege. Einige Jahre später dehnen sich die Beschwerden aus und es kommt z.B. zu einem milbenallergischen Asthma bronchiale. Dann tritt der sogenannte „Etagenwechsel“ ein, eher eine Ausweitung der Erkrankung auch auf die jeweils andere Atemwegsetage. Dann sind eben beide betroffen. Entsprechend bedürfen dann beide der Abklärung und eventuell auch der Therapie.
Beim Heuschnupfen und allergischen Asthma sind diese Zusammenhänge offensichtlich und allgemein recht anerkannt. Schwieriger wird es bei Patienten mit einem Asthma, das nicht allergisch bedingt ist. Das Fehlen von Allergien lässt sich schwer mit einem Test beweisen. Wir finden keine und ziehen dann daraus den Umkehrschluss, dass da wohl keine sind. Sicher sein können wir nicht. Es handelt sich dann um ein nicht allergisch bedingtes Asthma. Und auch dies kann die obere Atemwegsetage mit einbeziehen. Dann handelt es sich um die Kombination von nicht allergisch bedingtem Asthma und nicht allergisch bedingter chronischer Rhinitis. Die Augen sind meist weniger heftig betroffen. Etwas umstritten, aber durchaus sinnvoll, ist dafür der Begriff „nicht allergisch bedingtes sinubronchiales Syndrom“. Bei dieser Form der Erkrankung ist es nicht selten, dass die gemessenen Befunde erstaunlich nahe an normal oder sogar normal sind. Das trifft für beide Atemwegsetagen zu. Dann werden diese Patienten oft fälschlicherweise als gesund betrachtet oder als Hypochonder oder als „funktionell“ Kranke oder als psychisch Kranke.
Die HNO(ORL)-Ärzte finden nicht viel. Die Schleimhäute sind vielleicht ein wenig geschwollen, ein wenig entzündet. Manchmal ist es auch doch mehr (z.B. chronische Nasennebenhöhlenentzündung). Hinten am Rachen läuft vielleicht eine Schleim-(Eiter)-Strasse in den Hals hinunter. Danach hat die Erkrankung in den letzten Jahren den Begriff (Post-nasal-drip-Syndrom) erhalten. Dieser Begriff ist jedoch völlig irreführend, weil er keine Krankheit, auch kein Syndrom, sondern einfach ein Symptom beschreibt. Dann könnte man auch Husten als Syndrom oder Krankheit auffassen.
Und noch schlimmer ist es, wenn man aus diesem Begriff das Naheliegende ableitet: Der Schleim oder Eiter laufen hinten den Rachen hinunter und nehmen die Bronchien und die Lunge in Mitleidenschaft. Denn bei vielen bestehen auch Husten und sogar Atemnot. Der Weg ist nämlich nicht dieser. Der Schleim/Eiter, der hinten den Rachen hinunterläuft, reizt im Bereich des Kehlkopfes zum Schlucken und dann landet der Schleim in der Speiseröhre und im Magen (wo beides harmlos ist, weil die Magensäure desinfizierend wirkt). Der Schleim wird verdaut und ist weg. Auf diesem Wege passiert an der Lunge nichts. Sonst würden wir uns bei jedem Abwärtsgang von Schleim verschlucken und wahnsinnig anfangen, zu husten. Das ist aber kaum häufiger der Fall als bei Anderen auch. Der Schleim/Eiter im Rachen sind gar nicht besonders schlimm, aber sie sind natürlich Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung der Atemwege und der Schleim ist natürlich störend.
Die Zugrunde liegende Erkrankung ist eine entzündliche Erkrankung der Atemwege. In den Bronchien führt sie im Wesentlichen zu Schleimbildung, Husten und Atemnot. In der Nase führt sie im Wesentlichen zu verstopfter Nase wegen Schleimhautschwellung und Schleimbildung, meist wässrig bis dickflüssig, glasig bis grau, kaum verfärbt. Dieser Schleim wird beim Naseputzen nach vorne entleert oder/und läuft hinten im Rachen hinunter und wird verschluckt.
Dann werden die Patienten beim HNO(ORL)-Arzt untersucht. Ausser der Schleimstrasse im Rachen (oft nicht einmal die) findet er ein wenig Entzündung und sonst nichts. Die Nasenscheidewand ist selten gerade. Also wird sie als Ursache verdächtigt und vielleicht sogar operativ begradigt. In über 50 % der Fälle ist das Ergebnis, was die Beschwerden betrifft, sehr ähnlich dem Zustand vorher. Das ist allgemein bekannt. Ich denke, das liegt einfach an der falschen Interpretation der Verhältnisse als Voraussetzung. Wie so oft in der Medizin (zumindest der Atemwege) heisst „Ich finde nichts“ noch lange nicht „Da ist nichts“. Dieser Schluss ist nicht zulässig, wird aber sehr oft so gezogen.
Hier ist ein Umdenken nötig, sowohl was die Art zu Schlussfolgern anbetrifft wie auch das Verständnis der Art und des Mechanismus´ der Erkrankung. Die Art der Erkrankung gehört in den oft vererbten Formenkreis der entzündlich obstruktiven (oft, aber eben nicht immer, auch allergischen) Atemwegserkrankungen!

Die „COPD der Nase“: Der chronische Schnupfen bei chronischer Bronchitis.(3/2015)

Heuschnupfen ist in der Regel eine Erkrankung der jungen Menschen. Mit zunehmendem Alter lassen die Beschwerden nach. Neuer Heuschnupfen im Alter ist selten. Die nicht allergisch bedingte Form tritt etwas häufiger auch im Alter auf.
Die chronische Bronchitis ist eine Erkrankung der zweiten Lebenshälfte. Sie beginnt langsam und sie schreitet langsam fort. Raucher sind oft früher und schlimmer betroffen. Bei den einfachen Formen oder im infektfreien Zustand findet der Pathologe nicht viel. Er beschreibt aus Gewebsproben etwas chronische Bronchitis, wie im späteren Alter sehr viele Menschen das haben.
So ist es auch mit der COPD-assoziierten Erkrankung der Nase. Sie ist in der Regel nicht akut. Bei Infekten reagiert die Nase mit durch verstärkten Schnupfen, teils gefärbtes Sekret, manchmal auch mit blutigem Sekret.
Im infektfreien Intervall handelt es sich bei den Beschwerden oft nur um wässrigen Schnupfen morgens nach dem Aufstehen. Oft tritt er auch auf beim Frühstücken. Der Kaffee dampft oder der heisse Tee steht vor dem Patienten. Das Brot ist getoastet. Es läuft im Mund das Wasser zusammen. Die Nase reagiert mit. Plötzlich fängt auch die Nase an zu laufen, wie Wasser und im Schwall läuft es heraus. Das Nastuch darf nicht weit sein. Plötzlich tropft es auf den Tisch oder sogar den Teller. O, wie peinlich.
Nach dem Essen beruhigen sich die Speicheldrüsen. Auch die Nase ist wieder zur Ruhe gekommen. Der Weg zur Arbeit führt durch kalte Luft. Es muss etwas schneller gehen. Die Zeit drängt. Die Atmung wird etwas schneller, aber weil es im Hals sonst etwas reizt, dann doch besser durch die Nase atmen. Wieder tropft es wie Wasser aus der Nase, plötzlich und heftig. Schnell das Nastuch… Mit der Zeit beruhigt sich die Nase wieder etwas. Es dauert aber nicht selten bis in die Wärme am Arbeitsplatz und dann auch noch eine Viertel- bis halbe Stunde.
Am Mittagstisch: Dasselbe Lied wie am Frühstückstisch, nachmittags zum Kaffee und zum Nachtessen wieder. Selbst nach dem Ins-Bett-Gehen in der Wärme und Wohligkeit des Bettes kommt es noch einmal zu einer solchen Episode. Über Nacht dann ist meistens Ruhe.
Manch einer neigt zu gehäuften nasalen Infekten oder Nasennebenhöhlenentzündungen, viele aber auch nicht.
Was sehen die Ärzte? Ein wenig entzündete oder als trocken interpretierte Schleimhaut, manchmal etwas Schleim, vielleicht ein wenig Schleimhautschwellung, also „nichts“. Proben für den Pathologen werden selten entnommen, würden wahrscheinlich auch nur ein bisschen chronische Entzündung zeigen (fast etwas „normales“ in der zweiten Lebenshälfte). Die etwas veränderte Funktion der Schleimdrüsen sehen wir weder mit blossem Auge noch im Mikroskop. Wie kommt diese veränderte Funktion der Schleimdrüsen zustande? Ist es eine Form von Verschleiss? Degeneration? Alterung?
Die nicht allergisch bedingte Rhinitis beim Asthmatiker und die chronische Rhinitis bei chronischer Bronchitis sind heute noch schwer zu unterscheiden. Uns fehlen einfach die angemessenen Untersuchungsmethoden. Beim Asthma werden wir wohl von mehr Entzündung ausgehen müssen, bei der chronischen Bronchitis mehr von Funktionsänderung der Schleimdrüsen. Vielleicht sind die Unterschiede auch nur graduell?
Die Benennung dieser Erkrankung mit „Post-nasal-drip-Syndrom“ oder meines Erachtens doch etwas besser mit dem Begriff „Sinubronchiales Syndrom“ gilt wie beim Asthma (siehe oben). Allergien spielen bei der chronischen Rhinitis in Begleitung der chronischen Bronchitis keine Rolle.

Der Kehlkopf als Drehkreuz der Verkehrswege im Hals. (3/2015)

Dort im Hals, wo wir von vorne schauend beim Schlucken das Hinauf- und Herunterziehen einer derben Vorwölbung sehen, sitzt der Kehlkopf. Der Kehlkopf ist der Eingang zur Luftröhre. Im Eingang sind links und rechts die zwei Stimmbänder (besser Stimmlippen, denn sie sind keine Fäden, sondern Segel mit einer bandartigen Verdickung am Rand). Mit diesen Stimmlippen sprechen und singen wir. Beim Atmen gehen sie weiter auf. Beim Husten verschliessen sie sich.
Die Anatomie im Hals bewirkt, dass vorne die Luftröhre mit dem Kehlkopf als Eingang liegt, parallel dazu hinten die Speiseröhre, damit unsere Nahrung in den Magen gelangen kann. Der Mund aber ist vorne unten und die Nase, durch die wir normalerweise atmen ist oben bzw. weiter hinten. Im Rachen hinter der Zunge haben Luft und Nahrung den gleichen Weg. Über dem Kehlkopf muss entschieden werden, was wohin geht. Der Schwerkraft nach würde alles in die Luftröhre fliessen bzw. wandern.
Damit Luft in die Luftröhre, Nahrung und Flüssigkeiten aber nicht in die Luftröhre, sondern dahinter in die Speiseröhren fliessen, gibt es über dem Kehlkopf einen Kehldeckel. Dieser Deckel verschliesst beim Schlucken durch Absenken den Kehlkopf. Nach dem Schlucken und beim Atmen geht er wieder auf. Die Wege der Luft und der Nahrung überkreuzen sich also beim Menschen.
Gehört nun der Kehlkopf zum Magen-Darm-Trakt oder zu den Atemwegen? Anatomisch markiert er den Eingang zur Luftröhre. Er gehört daher zu den Luftwegen. Aber er liegt natürlich auch im Wege der Nahrung zwischen Mund und Speiseröhre.
Viele lungenkranke Menschen haben ein „Globusgefühl“, ein Fremdkörpergefühl im Bereich des Kehlkopfes. Es schmerzt vielleicht sogar ein wenig. Die Menschen werden recht schnell heiser, weil die Stimmlippen an den Rändern etwas schwellen und sich damit anders bewegen als sonst. Wenn es etwas schlimmer wird, dann treten ein Räuspern oder sogar leichter Husten auf. Auch ein wenig Schleim ist dann nicht selten herauszubefördern. So interpretieren wir das Gefühl als Schleim, der heraus muss. Es kommt aber oft nur sehr wenig. Offenbar sitzt der Schleim sehr fest. Wir müssen ihn also lösen. Dazu bekommen wir in der Apotheke oder beim Arzt schleimlösende Mittel. Der wirksamste Effekt ist jedoch meist nicht der medizinisch gewünschte (Schleimlösung), sondern der entgegengesetzte Effekt auf zwei Portemonnaies. Manche Patienten leiden chronisch über viele Jahre oder Jahrzehnte an diesen Beschwerden. Sie selbst gewöhnen sich daran. Eltern, Ehepartner und enge Freunde sind meist mehr davon gestört.
Der Weg zum HNO-Arzt bringt oft normale Befunde oder ein wenig Rötung an der hintersten Stelle des Kehlkopfes. Da diese Stelle dem Eingang zur Speiseröhre am nächsten liegt, folgt daraus die Schlussfolgerung, dass Magensäure die Ursache sein müsse. Man geht davon aus, dass die Magensäure durch den nicht fest schliessenden Mageneingang im Liegen zurück in die Speiseröhre fliesst und dort zu Entzündung führt. Das ist eine relativ häufige Erkrankung und sollte behandelt werden. Wenn wir jedoch diese Magensäure als Ursache für die Gefühle am Kehlkopf glauben wollten, dann müsste die Magensäure die ganze Speiseröhre hinauf laufen (was zu entsprechender Entzündung führen würde) und dann auch noch im Liegen gegen die Schwerkraft nach oben zum Kehlkopf, so dass es dort zu Entzündung kommt. In sehr schweren Fällen mag dieser Mechanismus tatsächlich so ablaufen. In den meisten Fällen ist er nicht glaubhaft. Man kann einen Therapieversuch mit Magensäureblockern durchführen. Tritt nicht innerhalb von vier Wochen dauerhafte Besserung ein, kann man aufgeben.
Stellen wir uns vor, der Kehlkopf ist der Eingang in die Luftröhre. Diese teilt sich am unteren Ende in die beiden Hauptäste und verzweigt sich dann in Form der Bronchien wie das Astwerk eines Baumes. Dieser Raum in Luftröhre und Bronchien ist damit ein Raum. Entzündung durch Allergien oder andere Ursachen wird den ganzen Raum umfassen. Die Auswirkungen sind teilweise unterschiedlich, aber es kommt zu einer leichten Entzündung der Schleimhaut im gesamten Bereich. Am meisten bemerkbar macht sich diese Entzündung in den kleinen Atemwegen durch Schwellung der Schleimhaut, vielleicht auch etwas Schleimbildung, möglicherweise auch etwas muskuläre Verengung. Dann sind diese Bronchien sehr schnell enger. Die zweite sehr feine Struktur sind die Stimmlippen. Schon eine feine Schwellung führt zu anderer Schwingungsfähigkeit und damit zur Heiserkeit. Häufig gehören diese Beschwerden am Kehlkopf also zu den bronchialen oder Atemwegsbeschwerden und nicht zu denen der Speiseröhre.
Nun kann man fragen, warum wir diese Gefühle oder Beschwerden dann nicht in der Lunge oder in den Bronchien merken.
Das hat wiederum mit der Anatomie zu tun. Die inneren Organe (Lungen, Leber, Niere, Milz und andere) sind nicht von Schmerznerven durchzogen. Die Schmerznerven befinden sich in der Umhüllung der Organe, dem Rippenfell, der Nierenkapsel etc. Ein faustgrosser Tumor in der Lunge bereitet oft keine Schmerzen, auch in der Leber nicht. Trifft der Tumor auf die Haut um das Organ oder schwillt das Organ an, so dass das Organ grösser wird und die Kapsel gedehnt wird, dann spüren wir dadurch Schmerzen. Im Inneren des Organes aber spüren wir es nicht.
Zur Lunge: Die Schmerznerven fangen im Bereich des Kehlkopfes an. Deshalb können wir die Beschwerden dort fühlen. Weiter unten fühlen wir sie nicht, weil uns dort die entsprechenden Fühler fehlen. Wir fühlen also die Beschwerden im Bereich des Kehlkopfes obwohl das Hauptproblem viel tiefer, im Bereich der Bronchien liegt. Das einfache in Beziehung setzen von Gefühl und Realität führt uns also in die Irre.
Dazu kommt noch, dass wir das, was wir dann fühlen, als Fremdkörper, vor allem als Schleim interpretieren. Ein wenig Schleim kommt auch heraus, aber das Gefühl ändert sich nur wenig. Also husten wir aktiv, damit alles herauskommt. Und so reizen wir die Schleimhaut umso mehr, was zu mehr Entzündung, Schleim und Fremdkörpergefühl führt. Das aber wollten wir doch gar nicht, sondern das Gegenteil.
Oder das Gefühl wird als Trockenheit interpretiert.
Wieder die Frage: Stimmt unsere Interpretation des Gefühles? Wie fühlt sich eigentlich entzündete Schleimhaut an? Ich habe das meine Patienten oft gefragt. Antwort: Woher soll ich das wissen? Stimmt. Nach vielen Jahren Umgang mit Lungenkranken bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieses Gefühl die entzündete Schleimhaut ist. Und die ist festgewachsen. Wenn wir husten, kommt der wenige vorhandene Schleim heraus. Dann kommt nichts mehr. Bewusst den Husten zu verstärken ist dann völlig unsinnig. Ich kann das Gefühl nicht ändern.
Stimmt aber nicht. Das Gefühl kann ich ändern. Indem ich häufig etwas trinke oder lutsche. Beides führt dazu, dass ich häufiger schlucken muss. Viele glauben, dass die Schleimhäute zu trocken seien (viele HNO-Ärzte sind auch der Ansicht und erzählen das oft). Ich habe fast allen meinen Patienten auch hinten in den Rachen geschaut. Es gibt einige wenige, die wirklich trockene Schleimhäute haben. Bei den allermeisten sind sie feucht und spiegelnd. Nicht die Feuchtigkeit ist das Entscheidende. Wir können das Gefühl vergleichen mit Juckreiz auf der Haut. Wenn wir drüber streichen oder gar kratzen, geht der Juckreiz weg, kommt aber je nach Ursache wieder. Wir ändern an der Ursache nichts. Das Entscheidende beim Schlucken ist nicht, was wir schlucken, sondern dass wir schlucken. Durch den Schluckakt berühren sich die Schleimhäute alle einmal, so das das Gefühl geändert wird. Dann ist es endlich besser. Ein halbe Stunde später ist alles wie vorher, denn wirklich geändert haben wir nichts. Trinken oder Lutschen ändern das Gefühl und bedingen daher Linderung. Der Effekt ist aber nur von kurzer Dauer. Eine tatsächliche Besserung dadurch tritt nicht ein.
Ein Satz auch noch einmal zum „Schleimlösen“, was ja viele Lungenkranke sehr beschäftigt. Ich habe nie verstanden, warum das Schleimlösen so wichtig sei (das ist es auch). Wichtiger wäre doch, die Schleimproduktion zu dämpfen, etwa durch Besserung der Entzündung oder Dämpfung der Aktivität der Schleimdrüsen. Schleim, der nicht gebildet wird, muss auch nicht gelöst werden. Deshalb sind die beiden Therapieformen (Entzündungshemmung und Schleimdrüsendämpfung) so wichtig.
Halten wir also fest: Unsere Gefühle und die Vorgänge, die sich abspielen, sind oft nicht 1:1 interpretierbar. Es braucht mehr Wissen um die Hintergründe.
Schleimgefühl ist nicht unbedingt durch Schleim verursacht.
Viele Lungenkranke fühlen etwas im Bereich des Kehlkopfes, sind leicht etwas heiser oder husten ein wenig, eher trocken als mit Schleim.
Der Magen ist viel seltener Ursache von Beschwerden am Kehlkopf als die Lunge.
Lutschen und Trinken lindern den Reiz am Kehlkopf. Wirklich ändern tun sie nichts.
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12 Gedanken zu “Vereinte Atemwege – COPD und Asthma der Nase

    1. Armi Bütler

      Sehr guter Artikel, bringt Licht für meine jahrelangen Beschwerden – aber wo/wie finde ich einen HNO-Arzt (in ungefährer Nähe), der den Inhalt des Artikels auch beherrscht und mir hilft? LG Greta

  1. Janine Bosshardt

    Sehr interessant. Entspricht genau meinem Kranheitsbild. Aber was nun? Was kann ich tun gegen Schleimhautschwellung und Schleimbildung?

  2. Heike BERGMANN

    Die Artikel entsprechen zum Teil meiner Krankheit . Ich leide wohl seit 30 Jahren an chron. Pansinusitis .Den Schleim aus den Kieferhöhlen muss ich seit Jahren schlucken bzw. herauswürgen. , da die Schleimhäute von den ständigen Entzündungen kapput sind. Mein Hals ist schon sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Und ich hab Angst , bald zu daran ersticken. Die Beschwerden werden von mal zumal heftiger . Bin deshalb seit 9Jahren Rentner . Habe kein Leben mehr .

  3. Böttinger

    Mein Mann hat seit längerem sehr starke Atemnot, verbunden mit starkem Husten und tropfender Nase wie Wasser. Er hat sich vor einem Jahr einen Mercedes Diesel gekauft. Übers Wochenende haben wir eine 5-stündige Reise nach Th. gemacht. Er konnte anschließend nicht mehr seinen Koffer tragen, bekam keine Luft, die Nacht war fürchterlich, nur Husten. Bisher war ich davon verschon, doch nun habe ich genau die gleichen Symptome und mir geht es richtig schlecht, bekomme kaum Luft, huste ununterbrochen, das der Rachen schon schlimm weh tut und die Nase tropf Wasser unaufhörlich. Kann das mit dem Auto zusammen hängen?

    1. T. Bertotti

      Perfekte Schilderung meines Krankheitsbildes….Loch in Nasenscheidewand auf Grund missglückter Septum-Operation (198)….gegenwärtig mit heftiger Atemnot und lähmendem Hustenattacken kämpfend. Medikamente momentan Spiriva, Flixotide, Berodual….habe nicht das Gefühl, dass tatsächliche Besserung eintritt. Zum Thema Diesel—es geht mir stets besser wenn ich nicht der Stadt und dem enormen (Diesel)-Feinstaub ausgesetzt bin…..wäre für Hinweise und/oder Tipps sehr dankbar!
      Im Übrigen seit fünf Monaten absolute Nichtraucherin und die Symptome haben sich wirklich merkbar verschlechtert (was nicht gerade glücklich macht)…

      1. Sehr geehrte Frau Böttinger

        Interessanterweise ist dieser Text derjenige, auf den ich bei Weitem die meisten Kommentare bekomme. Und alle sind in der gleichen Weise geschrieben, wie Ihrer. Das ist also ein grosses Problem für eine grössere Gruppe von Menschen.
        Meines Erachtens spiegelt sich die Wichtigkeit dieser Beschwerden in der Medizin der HNO-Ärzte und der Pneumologen nicht wieder.
        Das Problem ist erstens, dass viele HNO-Ärzte gar nicht erkennen, dass hier ein medizinisches Problem vorliegt und kein chirurgisches. Es wird fröhlich das Messer gezückt, aber danach hat man nur freie Atemwege geschaffen (was manchmal auch schon eine Menge bedeutet), aber das Problem ist nicht gelöst. Nur die meisten wissen dann nicht weiter.
        Das zweite Problem ist, dass mit dem blossen Auge meist nicht viel zu sehen ist. Da kann man dann halt nichts machen… Ein bisschen spülen oder befeuchten etc. Aber das ist keine Therapie.
        Das dritte Problem ist, dass die Verbindung von oberen und unteren Atemwegen nicht ausreichend einkalkuliert wird. Man muss wirklich beide konsequent behandeln. Nur dann hat man eine Chance auf Besserung.
        Das vierte Problem ist, dass alle Angst vor dem Cortison haben und deshalb oft zu niedrige Dosen angewendet werden oder dass es ganz vermieden wird. Richtig angewendet ist es gefahrlos!!!!!!!!!!!!!!!
        Das fünfte Problem ist die fehlende Geduld oder fehlende Konsequenz oder fehlende Ausdauer. Wir heilen Sie nicht. Man muss am Ball bleiben, auch wenn es besser wurde.
        Und dann stellt sich noch die Frage, ob Ihre Erkrankung mehr in den asthmatischen Formenkreis gehört oder mehr in den der chronischen Bronchitis (COPD).
        Sie merken, es wird kompliziert.
        Ich habe viele Patienten mit diesen Problemen behandelt. Manchen konnte ich gut helfen, aber manchen auch kaum. Natürlich könnte ich Ihnen anbieten, dass ich Sie behandele, aber aus Deutschland ist das kaum möglich, weil Ihre Versicherung nicht bezahlen wird. Und die Medizin ist leider in beiden Ländern so organisiert, dass jeder möglichst nur sein Fachgebiet beackert, damit er mit Niemandem kollidiert, in Deutschland ja auch noch, damit man nicht mit dem Budget kollidiert. In Österreich ist das meines Wissens nicht viel besser. Ich habe mich frecherweise über Beides hinweggesetzt, habe aber auch eine Menge Blessuren davon erlitten. Man tut das nicht ungestraft.
        Ich wünsche Ihnen eine wirksame Behandlung, gute Wirkung, ordentliche Besserung und dann eine deutlich bessere Lebensqualität als jetzt.
        Freundliche Grüsse
        W. Flade

      2. Zur Anwendung von Cortison sollte man vielleicht einige Dinge wissen. Dann fällt der Umgang damit leichter.
        1. Cortison ist sehr gesund, denn es ist ja ein Hormon und unser Körper bildet es selbst. Unsere grundsätzliche Angst vor Cortison kann also irgendwie nicht stimmen. Unser Körper braucht Cortison.
        Die Nebenniere bildet das Cortison und das auch sehr abhängig von unserer körperlichen Belastung, von Stress und anderen Faktoren. Das ist ein sehr fein geregelter und sehr schnell sich anpassender Regelkreislauf. Und die Menge von Cortison, die unser Körper selber bildet, ist auch gar nicht so wenig.
        2. Cortison hat eine entzündungshemmende Wirkung. Dazu braucht es aber eine höhere Konzentration von Cortison als der Körper normalerweise produziert. Sonst hätte ja kein Mensch mehr Entzündungen. Cortison wirkt also bei vielen (nicht bei allen) Entzündungen sehr gut (z.B. bei Rheuma, Asthma, manchen Darmentzündungen und vielen anderen). Wir können dafür das Cortison einnehmen als Tabletten oder als Zäpfchen einführen oder gespritzt bekommen. Für einige Tage kann man das auch relativ komplikationsarm mal nehmen (allerdings kann es auch innerhalb weniger Tage schon Magengeschwüre, erhöhten Blutzucker, innere Unruhe, erhöhten Pulsschlag etc.) verursachen. Das geht aber relativ schnell wieder weg. Wenn wir aber Cortison über Wochen, Monate oder gar Jahre einnehmen, dann führt es oft zu Gewichtszunahme, Knochenentkalkung, Hautverdünnung, kann richtig Diabetes dauerhaft verursachen und anderes mehr. Das müssen(!) wir nun wirklich vermeiden, denn diese Nebenwirkungen sind nicht oder kaum reversibel. Diese letzteren Nebenwirkungen gelten also für eine Anwendung im ganzen Körper und vor allem bei längerer Anwendung.
        3. Man hat dann nach Wegen gesucht, wie man die Nebenwirkungen reduzieren kann. Eine Möglichkeit ist die örtliche Anwendung. Eine zweite Möglichkeit ist der schnellere Abbau des Hormons. Deshalb hat man das Cortison etwas verändert. Wir benutzen nicht das körpereigene Cortisonmolekül, sondern etwas abgewandelte.
        Für uns an der Lunge oder an der Nase ist das Cortison zum Inhalieren interessant. Damit bringen wir eine höhere Dosis in die Lunge oder besser gesagt auf die Schleimhaut der Bronchien oder der Nase. Dort haben wir eine höhere Dosis, die auch eine kleine entzündungshemmende Wirkung erzielt. Aber im Verhältnis zur Cortisonmenge im Körper ist diese Dosis gering. Und da wir es ja mit einem Regelkreislauf zu tun haben, kann die Nebenniere reagieren indem sie weniger produziert. Sie kann also diese Differenz ausgleichen.
        Um die Wirkung im übrigen Körper zu reduzieren, hat man den Abbau in der Leber beschleunigt. Wenn das Hormon aus der Lunge resorbiert wird und ins Blut wandert (was in kleinen Mengen natürlich passiert), dann fliesst es relativ schnell danach auch durch die Leber und die fängt den Stoff ab und baut das Molekül schnell ab. Damit ist es ausserhalb der Lunge oder Nase schnell unwirksam.
        Das jüngste Cortison zum Inhalieren wird auch erst in der Lunge aktiv, nach dem ein dort immer vorhandenes Enzym die inhalierte Vorstufe zum eigentlich wirksamen Medikament umwandelt.

        Und dann sollte man noch wissen, dass ein Unterschied zwischen der äusseren Haut und den Schleimhäuten besteht. Lange Anwendung an der äusseren Haut schadet der Haut und macht sie dünn und brüchig (also Vorsicht bei Anwendung von Salben und Lotionen). An der Schleimhaut passiert das nicht. An der Schleimhaut regeneriert sich die Oberfläche langsam nach Reduktion der Entzündung. Dieser Unterschied ist sehr wichtig!

        Einen sehr wesentlichen Nachteil hat diese örtliche Anwendung an den Schleimhäuten allerdings doch: Die Wirkung ist nur ganz gering! Wer mal eine Woche Cortison inhaliert, erreicht nichts. Wenn es „in dieser Zeit gewirkt hat“, dann dürfen wir mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Beschwerden auch ohne zurückgegangen wären. Also umsonst inhaliert.
        In günstigen Fällen tritt eine Wirkung bereits nach 4 Wochen ein, oft erst viel später. Bei einem Infekt die Dosis von inhaliertem Cortison zu steigern oder es gar nur dafür zu benutzen, nützt kaum etwas. Wenn man Cortison dafür braucht, dann braucht man es als Tabletten oder man braucht es gar nicht. Wenn man aber das Cortison regelmässig und konsequent in wirksamer Dosis inhaliert, dann hat man langfristig oft (nicht immer!) sehr gute Effekte. Das kommt aber sehr auf die Erkrankung und auch auf den Einzelfall an. Ein sehr häufiger Fehler ist, dass die Cortison-Inhalation viel zu kurz angewendet wird. Und da die entsprechenden Erkrankungen nicht selten wellenförmig verlaufen, darf man auch nicht glauben, jede Besserung der Beschwerden sei gleich die Wirkung vom inhalierten Cortison gewesen. Auch für eine wirklichkeitsnahe Beurteilung braucht es einfach längere Zeiträume.

        Facit: Cortison als Tabletten wirkt oft gut, aber bitte wegen der Nebenwirkungen wenn immer möglich, nur kurz und hochdosiert!
        Cortison zum Inhalieren ist im Grunde harmlos (auch über Jahrzehnte), aber leider nur sehr schwach wirksam. Es ist fast nur für chronische Erkrankungen geeignet und auch nur zur langfristigen Anwendung. Konsequente inhalative Anwendung verringert aber nicht selten langfristig die benutzte Cortisonmenge, weil Cortisontabletten viel seltener gebraucht werden! Dieser Effekt ist wichtig.
        W. Flade

      3. Janine Bosshardt

        Darf ich kurz zusammenfassen, um zu schauen, ob ich alles richtig verstanden habe? Sie empfehlen die langfristige Anwendung von lokalen Cortisonprodukte wie Inhalation von z.B. Symbicort für die Lunge und Nasenspray für chronische/allergische Sinusitis und höchstens für kurze Zeit Cortisontabletten. Was ist nun wenn eine langfristige Anwendung (über Jahre hinweg) von lokalen Cortisonprodukten nicht die erhoffte Besserung bringt? Die Therapie mit niedrig dosierten Cortisontabletten aber Erfolg verspricht? Können Sie in einem solchen Fall, Tabletten Therapie gutheissen? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

      4. Ja, nun geht es eben ans Eingemachte. In der Schweiz erlebe ich zu über 90 %, dass die Dosierungen für die lokale Therapie viel zu niedrig gewählt sind. Hier gibt es nur Kinderdosierungen, fast keine Erwachsenen. Das hilft oft nicht. Aber es gibt Fälle, wo auch eine sinnvolle Dosis nicht hilft. Da muss ich jeden Fall einzeln genau ergründen. Manchmal findet man doch noch einen Grund, manchmal auch nicht.
        Der Therapiewechsel, wie Sie ihn vorschlagen ist oft nur frommer Wunsch. Wenn die inhalative Therapie mit dem Cortison nicht wirkt, wirkt die niedrige Dosis von Tabletten auch nur in Einzelfällen. Dann braucht es schon höhere Dosen und dann hat man doch die Risiken wieder.
        Also, jetzt wird es ernst und da kann ich nicht globale Richtlinien aufstellen. Dann muss ich wirklich den Einzelfall richtig aufarbeiten. Aber genau solche Patienten habe ich jeden Monat.
        In Einzelfällen helfen ja auch mal ganz andere Therapien, aber auch da muss ich genauer nachsehen. Cortison ist ja zum Glück nicht unser einziges Medikament und leider auch kein Allheilmittel.
        Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit und Weisheit und Erfahrung für Ihre Ärzte.

  4. Bianca Valier

    Sehr geehrter Herr Dr.Flade,
    seit über 17 Jahre leide ich an Hashimoto bzw. den Symptomen, meine Mutter, Schwester und vor allem meine sechsjährige Tochter sind betroffen. Die jahrelangen Fehldiagnosen, das mich Niedermachen da ja alles “ psychisch“, haben nach all den Jahren mein Selbstwertgefühl komplett zerstört. Seit 9 Jahren quält mich zusätzlich eine Nebenhöhlen-Entzündung, der nie mit einer Therapie beigekommen wurde …irgendwann gesellte sich eine Atemnot hinzu. Dadurch verursachte Panikattacken führten dazu, dass ich sechs Monate zwischen Krankenhäusern hin und her geschubbst wurde und am Ende den Psychoschienen-Stempel erneut aufgesetzt bekam! Was jedoch für mich noch schlimmer ist, ist dass meine kleine Tochter, die wirklich mit Schnupfen geboren wurde, nach unzähligen Arztbesuchen auch hier ohne Therapieansatz, mittlerweile dieselben Symptome aufweist wie ich…der chronische Schnupfen, mehrfache Lungeninfekte, die mit Antibiotika behandelt wurden. Doch nun hat sie zu diesem Schnupfen seit 7 Monaten einen Husten der mit Prospan und Ibuflam 40 mg versucht wurde, zu behandeln! Ich gebe Ihr Sinupret Tropfen für Kinder, lasse sie inhalieren und versuche mit einem für Kinder geeigneten Nasenspray die Schleimhäute zu befeuchten. Meine große Angst ist, dass mein Kind über kurz oder lange ebenfalls diese Atemnot kennenlernen muss!! Hätten Sie einen Therapie-Vorschlag für mich? Vielen Dank
    Mit freundlichen Grüßen
    B.Valier

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