Schmerzen im Brustkorb

Schmerzen im Brustkorb(11/2020)

Im Brustkorb haben wir oft Schmerzen, haben viele Leute Schmerzen, sind Schmerzen sehr vielfältig, können Schmerzen sehr gefährlich und tödlich sein, andererseits völlig harmlos, leicht und damit gut erträglich, aber auch dauerhaft nervenaufreibend, beängstigend und schlafstörend sein.
Eine vollständige Abhandlung über Schmerzen im Brustkorb schreiben zu wollen, würde daher ein ganzes Lehrbuch füllen. Das werde ich nicht tun.
Trotzdem gibt es ganz hilfreiche Betrachtungen aus dem täglichen Umgang mit Betroffenen, die uns Schmerzen verstehen lehren, die uns manche Angst nehmen können, die uns den Umgang mit Schmerzen erleichtern können, die uns mit etwas Glück auch helfen, die Schmerzen zu beseitigen und ohne Schmerzen im Brustkorb leben zu können.

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In diesem Sinne sind die kommenden Betrachtungen gedacht.
Herz:
Die wichtigsten Schmerzen im Brustkorb sind natürlich die, die vom Herzen verursacht werden. Sie ängstigen uns am meisten und das aus gutem Grund, weil sie Zeichen eines Herzinfarktes sein können und damit kurzfristig unserem Leben ein Ende setzen können. Deshalb wollen wir mit diesen Schmerzen auch beginnen.
Durch das Herz verursacht werden Schmerzen vor allem bei Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, Verkalkungen oder Verengungen von Herzkranzgefässen zu erleiden und die damit ein erhöhtes Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleben. Eine Frage in die engste Verwandtschaft, wer in welchem Alter bereits Herzerkrankungen und da insbesondere Herzinfarkte oder deren Vorstufen erlitt, ist sehr aufschlussreich. Wenn Sie selbst Schmerzen im Brustkorb haben und sie sind unter 30 Jahre alt, dann ist es höchst unwahrscheinlich, dass Sie gefährliche Herzschmerzen als Ursache haben. Für die mit engen Verwandten mit Herzerkrankungen kann es schon mit 30 Jahren losgehen, bei denen ohne Herzerkrankungen in der Familie erst ab 40 oder sogar 50 Jahren. Je älter Sie sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit herzbedingter Schmerzen, je jünger Sie sind desto niedriger die Wahrscheinlichkeit, unter 30 Jahren praktisch 0.
Die Schmerzen treten oft bei Stress oder/und körperlicher Belastung auf, in Ruhe selten. Sie sind meist linksseitig (in der Herzgegend) gelagert, können aber auch Magenschmerzen im oberen Mittelbauch imitieren, können in die Mitte des Brustkorbes ausstrahlen, können nach hinten in den Rücken strahlen und auch in die linke Schulter. Herzbedingte Schmerzen treten kaum rechts auf. Wenn Sie bei den Schmerzen Übelkeit oder Erbrechen bekommen oder den Schmerz als vernichtend empfinden, rufen Sie am besten gleich den Notarzt. Oft ist dann Eile geboten.
Blutgefässe:
Blutgefässe machen sehr selten Schmerzen. Die Schmerzen sind meist sehr heftig, andauernd und von uns ohne medizinische Hilfsmittel nicht zu klären. Diese Schmerzen werden am häufigsten in der Mittellinie des Brustkorbes liegen, eher in der oberen Hälfte als in der unteren und sie können in den Hals ausstrahlen. Bitte den Notarzt rufen. Es eilt.
Lunge:
In der Lunge haben wir kaum Schmerznerven. Deshalb können Menschen recht grosse Tumore in der Lunge haben, ohne dass sie sie fühlen. Das ist ein Grund, warum so viele Menschen mit Lungentumoren erst spät zum Arzt kommen.
Lungenschmerzen sind nur sehr wenig möglich, aber sie kommen doch vor. Am häufigsten höre ich von Schmerzen oder Brennen in der Lunge relativ diffus im Zentrum des Brustkorbes ohne bestimmten Ort. Meistens tritt es auf im Zusammenhang mit Belastung und einatmen von feuchtkalter Luft (z.B. im Winter draussen joggen), bei Husten mit schnellem Einatmen, bei anderen inhalativen Reizen (möglicherweise auch Passivrauch), bei leichten Infekten. Im Lungengewebe fehlen uns Schmerznerven vollständig, aber in der Schleimhaut der Bronchien haben wir offenbar ein Nervengeflecht, das uns diese Art von diffusen Schmerzen und Brennen signalisieren kann. Asthma verursacht eigentlich keine Schmerzen, aber diese Form von Schmerzen oder Brennen höre ich oft von Asthmakranken, gelegentlich auch und geringer von Menschen mit chronischer Bronchitis (COPD). Diese Schmerzen und Empfindungen sind zwar lästig und störend, aber nicht gefährlich. Wir können sie auch behandeln, aber nicht mit Schmerzmitteln.
Rippenfell:
Die Lunge ist ein Gewebe, das äusserlich vom Rippenfell wie von einer Haut bedeckt wird. Dieses Rippenfell gibt es in zwei Lagen, eine auf dem Organ Lunge als äussere Haut, eine als innere Haut dem Brustkorb innen anliegend. Zwischen beiden Häuten ist ein schmaler hauchdünner, flüssigkeitsgeschmierter Spalt, mit dem die Lunge innen bei jedem Atemzug ohne Reibung an der Brustwand entlanggleiten kann.
Das Rippenfell ist wahnsinnig gut mit Schmerznerven versorgt. Kleine Veränderungen oder Entzündungen bereiten gleich heftige Schmerzen. Da in dem Spalt zwischen den beiden Rippenfellblättern alles mit der Schwerkraft nach unten sinken kann, sammeln sich krankhafte Prozesse in der Regel unten zwischen Bauch und Brustkorb und verursachen auch dort die Schmerzen. Diese Schmerzen treten meistens in den Seiten oder hinten-seitlich auf. Man kann sie mit Nierenschmerzen verwechseln.
Rippenfellschmerzen sind typischerweise atemabhängig. In Ruhe schmerzt es nicht oder kaum. Atmen wir ein oder aus, treten die Schmerzen auf. Auch Bewegungen mit dem Brustkorb (Drehen, Beugen, zur Seite biegen etc.) verschlimmern den Schmerz teilweise. Solche Schmerzen haben wir bei Rippenfellentzündungen, evtl. auch bei Lungenentzündungen (wenn das Rippenfell mit betroffen ist) oder bei Rippenbrüchen, gelegentlich auch einmal bei Lungenembolien.
Andere Organe im Brustkorb:
Der Thymus, die Lymphknoten und andere Strukturen in der Lunge schmerzen fast nie.
Brustwand und Rücken:
Weitaus am häufigsten suchen mich Patienten mit Schmerzen im Brustkorb auf, wenn sie gar nicht im Brustkorb verursacht sind. Die häufigsten Schmerzen im oder am Brustkorb sind durch die Muskeln verursacht, z.B. durch die heute allgegenwärtigen Verspannungen der Muskeln im Rücken. Am häufigsten treten die Schmerzen zwischen den Schulterblättern und im Schultergürtel auf, seltener auch auf halber Höhe der Wirbelsäule oder im Bereich des unteren Endes der Wirbelsäule. Unterhalb jedes Wirbelkörpers der Wirbelsäule treten links und rechts jeweils ein Nerv aus, die jeweils unter der Rippe um den ganzen Brustkorb herum nach vorne bis kurz vor das Brustbein verlaufen und dort enden. Wenn diese Nerven durch Entzündung, durch Druck, durch Spannung und Verspannung oder anderes zu schmerzen beginnen, dann tun sie meist irgendwo im Verlauf des Nerven weh. Das kann dann hinten neben der Wirbelsäule sein, aber auch vorne neben dem Brustbein oder irgendwo dazwischen im Verlauf unter der Rippe. Die Schmerzen können sehr schlimm sein, sind aber in aller Regel nicht akut gefährlich und nicht Ausdruck einer akuten Bedrohung. Ärzte können untersuchen, was sie wollen. Meistens finden sie nichts. Die beste Vorbeugung und Therapie zugleich ist Gymnastik des Halses, des Schultergürtels, der Arme, der Rückenmuskeln und der Bauchmuskeln. Kurzfristig kann Wärme durch eine Wärmflasche oder Rotlicht oder ein Wärmekissen lindernd wirken. Natürlich kann man Schmerzmittel nehmen, aber sie helfen nur kurz, helfen nicht nachhaltig und verhindern nicht das Neuauftreten der Schmerzen. Gymnastik des Oberkörpers ist die wichtigste Massnahme und am besten langfristig regelmässig. Viele Menschen versuchen heute einen Trainingszustand ihrer Muskulatur zu erhalten und fahren dann Velo oder joggen oder tun ähnliches im Fittness-Center. Für die Beinmuskulatur und deren Training ist das gut. Für den Brustkorb, den Rücken, die Atemmuskulatur etc. ist Gymnastik viel wichtiger. Die Lunge selbst können wir praktisch nicht trainieren.
Echte Bandscheibenschäden, Knochenauswüchse an den Wirbelkörpern oder ähnliche Schäden an der Wirbelsäule verursachen Schmerzen im Bereich des Brustkorbes sehr selten. Das sind die Probleme vor allem der Lendenwirbelsäule und der Halswirbelsäule. Die Osteoporose überwiegend bei älteren Frauen kann im Bereich der Brustwirbelsäule zu Zusammenbrüchen der Wirbelkörper führen. Das kann dann wie andere Knochenbrüche auch für drei Monate zu Dauerschmerzen führen, die ziemlich örtlich begrenzt sind an einem Ort der Brustwirbelsäule. Hinterher sind diese Frauen oft 2 bis 3 cm kleiner und etwas mehr nach vornüber gebeugt. Eine fortgeschrittene Osteoporose verursacht oft viel Dauerschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule.
Magen:
Magenschmerzen fühlen wir meist in der Mitte im Winkel unter dem Brustbein und etwas links davon. Auch Magenkrämpfe kommen dort vor. Häufiger ist das Sod- oder Magenbrennen, das wir von dieser Gegend aufsteigend hinter dem Brustbein, unter Umständen sogar bis zum Hals hinauf fühlen. Es tritt häufiger im Liegen auf oder wenn wir uns bücken oder schwer heben oder husten, immer wenn die Bauchmuskeln zusammengezogen werden oder wenn der Bauch eingeklemmt wird. Manche Patienten spüren es auch im Zusammenhang mit dem Essen bestimmter Speisen oder Trinken bestimmter Getränke. Es kann auch zu einem Säuregefühl im Hals kommen.
Diese Schmerzen treten oft chronisch auf und sind daher sehr nervend. Sie sind aber nicht akut gefährlich. Man kann sie in Ruhe abklären und behandeln lassen.
Kehlkopf und Hals:
Beide Mandeln (Tonsillen) und die Lymphknoten schmerzen in der Regel zu beiden Seiten des Halses, nicht in der Mitte.
Schmerzen zu beiden Seiten des Halses können auch auftreten bei einer Entzündung der Schilddrüse.
Schmerzen in der Mitte des Halses sind oft am Kehlkopf. Eine Stimmbandentzündung kann sie verursachen, meist zusammen mit Heiserkeit oder sogar einer fehlenden Stimme. Das tritt akut auf, ist störend, aber nicht gefährlich. Bei kleinen Kindern kann das gefährlich sein im Rahmen eines (Pseudo-)Krupp-Hustens mit akuter Atemnot.
Chronisch leiden viele Menschen mit Asthma oder chronischer Bronchitis oder COPD an einem Chrott im Hals, der auch Schmerzen verursachen kann, in der Mitte, meist chronisch und nicht gefährlich.

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