Wir sind Menschen, Jede und Jeder ein Ich. Wir leben und leben miteinander. So denken, reden und handeln wir miteinander und „handeln“ nicht nur im Sinne von „miteinander etwas tun“, sondern auch im „austauschen von Waren und Dienstleistungen“, also „handeln“ im Sinne von wirtschaften.
Denken wir uns uns Menschen einmal kurz weg. Wir denken mal: „Es gibt uns nicht.“ Gäbe es dann so etwas wie „Wirtschaft“? Schon bei den Tieren scheint es Wirtschaft kaum zu geben, obwohl es einen gewissen Austausch zumindest von Dienstleistungen, nein, auch von Waren, schon gibt. Wenn eine Vogelmutter ihrem Jungen Nahrung in den Schnabel schiebt, geschieht beides, auch wenn die Vögel das wahrscheinlich gar nicht so denken und benennen. Ohne Lebewesen gäbe es „Wirtschaft“ jedoch wohl nicht.
Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass es eine theoretische Wirtschaft gibt und eine „Theorie der Wirtschaft“ gibt es wahrscheinlich auch nicht. Es gibt nur Menschen, die miteinander handeln, hier im Sinne von „Handel treiben“ oder Waren und Dienstleistungen austauschen und wir müssen uns unser menschliches miteinander handeln ansehen, um „Wirtschaft“ zu verstehen. (Interessant, dass es „miteinander handeln“ und nicht „zu meinem Vorteil oder meinem finanziellen Gewinn handeln“ oder gar „gegeneinander handeln“ heisst.) Es gibt also sehr wahrscheinlich keine Wirtschaft, sondern nur Handelnde, die sich vor allem der Produktion und dem Handel widmen und als dritter Gruppe uns, die Kunden. Vielleicht gibt es noch eine vierte Gruppe, die der Unbeteiligten, sozusagen der Einzelgänger, der Eremiten, wohl eine sehr kleine und eher unbedeutende Gruppe. Da wir nicht wissen, was wir nicht wissen, könnte es noch weitere Teilnehmer an der „Wirtschaft“ geben, aber die kenne ich (oder vielleicht sogar wir?) nicht. Ich warte also auch schon lange und immer noch darauf, dass mir Einer den Motor der Wirtschaft zeigt, der anspringen soll und dann aus eigener Kraft die Wirtschaft immer weiter in Schwung bringen soll (sozusagen ein „Perpetuum oeconomiae“), sodass wir selbst dann bald die Hände in den Schoss legen können und die Früchte dieses Wirtschaftsmotors geniessen können. Schlaraffenland! Himmlisch! Aber leider nicht Realität, selbst wenn uns Wissenschaftler und Ökonomen (oder Politiker oder Unternehmensberater oder CEOs) von diesem Motor erzählen. Genauso warte ich noch immer darauf, dass mir Jemand „Arbeitendes Geld“ zeigt. Früher waren die Menschen schlauer. Sie kannten noch den Unterschied zwischen der Realität und dem Schlaraffenland, dem Paradies oder dem Himmel sowie unseren Wünschen und Träumen.
Bitte, wie immer, wenn Sie einen Text von mir lesen, denken Sie daran, dass ich ein alter, dummer, weisser Mann bin und inzwischen ein erfolgloser Lungenfacharzt a.D. dazu. Glauben Sie nichts, was ich so schreibe, sondern denken Sie bitte, bitte alles erst nach und überzeugen Sie sich selbst, ob meine beschriebene Sichtweise der Realität entsprechen könnte oder wie nahe sie die Realität beschreiben könnte. Ich schildere Ihnen hier kein „Wissen“, sondern meine derzeitige Ansicht.
Die Bauern auf den Feldern oder die Fischer auf den Seen oder dem Meer und die vielen anderen Produzenten von Früchten, Gemüse, Getreide, Fleisch, Fisch und was wir sonst noch zum leben gerne verzehren, arbeiten, damit diese Waren überhaupt entstehen und auf unseren Esstisch kommen können. Auch sie brauchen diese Waren, um leben zu können. Wenn wir Nichtproduzenten auch solche Waren zum leben haben wollen, dann können wir nur etwas bekommen, wenn diese Produzenten mehr schaffen, als sie selbst verbrauchen. Das geht mit Hilfsmitteln (Dünger, Maschinen und etlichem anderen Material und gewusst-wie) besser, effektiver als ohne.
Diese sehr erfolgreichen Produzenten geben diese überzähligen Waren oder Produkte nun an Händler weiter, manchmal auch direkt an Kunden. Wenn es nur ein weitergeben wäre, dann wären die Produzenten sehr schnell leer, kraftlos, maschinenlos etc. Handel kann nur kurz in einer Richtung stattfinden. Sonst ist der Vorgang schon am Ende. Es braucht einen Tausch und den auch auf Dauer. Dafür ist „Geld“ ein wunderbares Mittel, weil es einen Tausch von Waren oder/und Dienstleistungen gegen ein universales Tauschmittel ermöglicht, mit dem wir an anderer Stelle wieder universal Dinge des (täglichen) Bedarfs und sogar Luxus eintauschen können.
Die Menschen im VW-Werk produzieren Autos. Der Vorgang ist schon deutlich komplexer als die „einfache“ Produktion von Lebensmitteln. Es braucht Rohstoffe verschiedener Art. Es braucht ein komplexes Miteinander von Menschen mit Ideen und Menschen, die diese Ideen in tatsächliche Werksprozesse umsetzen. Es braucht Menschen, die die Maschinen dafür entwickeln, dann auch bedienen, warten, reparieren und am Ende Menschen, die die Gleichförmigkeit der Produkte kontrollieren (genannt „Qualitätskontrolle“). Auch diese Menschen übergeben ihre Produkte dann Händlern im Tausch gegen Geld, das Universaltauschmittel.
Die Händler haben eigentlich kein Interesse an diesen Waren oder Produkten. Sie können diese Waren und Produkte ja gar nicht alle selbst verbrauchen. Dafür hätten sie wahrscheinlich auch gar nicht genug Geld, weil sie ja selbst nichts herstellen oder produzieren, was sie eintauschen könnten. Und wir Endkunden dürfen froh sein, dass es so ist. Die Händler geben diese Waren also an uns Kunden weiter, die diese Waren gerne essen, gebrauchen oder geniessen. Diese Kunden, jetzt Endverbraucher, tauschen die Waren und Produkte wieder gegen Geld, das sie ja aber irgendwie bekommen haben müssen. Also mussten auch sie sich irgendwo (selbstständig oder abhängig tätig) darum mühen, Waren herzustellen, die sie gegen Geld eintauschen können oder Dienstleistungen im Tausch gegen Geld zu erbringen. So entsteht ein Wirtschaftskreislauf in einer Stadt, in einem Land oder einer Ländergemeinschaft wie der EU und letztlich auf der ganzen Welt. Wir haben ja inzwischen global handelnde Menschen.
Diese Wirtschaftsvorgänge bewirken also genaugenommen zwei Wirtschaftskreisläufe: einen vom Produzenten bis zum Endverbraucher mit Waren und Dienstleistungen und einen entgegengesetzt mit dem Gegenwert in Geld.
Das führt dazu, dass ich in der Arbeit für mich selbst Waren oder Dienstleistungen schaffe, die ich selbst ohne den notwendigen Tausch gegen Geld benutzen oder sogar geniessen kann. Im miteinander leben kann ich meine Waren oder Dienstleistungen verschenken. Dann trage ich selbst die Kosten für die Herstellung oder/und den Aufwand, z.B. an Zeit, die ich nicht für etwas anderes nutzen konnte. Ich könnte dieses Geschenk also auch in einen Geldwert umrechnen. Im miteinander handeln brauche ich Geld zum Tauschen (oder andere Waren etwa im Gegenwert). Dinge, die in der Natur schon da sind, kosten nichts, aber in der Konkurrenz mit anderen Menschen oder Tieren können doch plötzlich Kosten entstehen, weil mehrere zugleich etwas haben wollen, was es aber nur einmal gibt. Die Konkurrenz kann sogar zu Teuerung, zu steigenden Preisen führen und bei Überangebot umgekehrt. Jedes Produkt hat seinen Herstellungs- und Tauschpreis, auch wenn ich es vielleicht geschenkt oder auf anderem Wege bekomme oder bekommen habe. Kosten entstehen und damit muss auch Jemand zahlen. Das ist eine Seite der Relativität von mit einander Handel treiben. Kostenlos ist fast nichts auf dieser Welt, auch wenn ich nicht die Kosten bezahlen muss. Dann fallen die Kosten nur woanders an und ein Anderer oder eine Andere muss die Kosten bezahlen (oder beim Staat und bei Versicherungen wir gemeinsam).
Diebstahl oder Unterschlagung, unbemerktes Wegnehmen oder bei Verhandlungen und Verträgen den eigenen Gewinn etwas höher herausschlagen als die Anderen bekommen, reduziert meine Kosten. So habe ich mehr Gewinn, der aber beim Vertragspartner wieder Verlust ist. Die Kosten für Waren oder Dienstleistungen können wir nicht gesetzlich reduzieren. Da ist die Realität stärker als unsere Gesetze. Über die unsichtbaren kommunizierenden Röhren kompensiert die Realität die Wirkung unserer Gesetze. Nicht selten überkompensiert sie diese sogar, was dann als Verschlimmerung endet gegenüber dem Vorzustand.
Eine Frage wäre nun „Wie kommt das Geld in den Wirtschaftskreislauf?“ Diese Frage lassen wir heute mal offen, weil wir nicht alles zugleich durchdenken und verstehen können. Eines aber müssen wir uns an dieser Stelle schon klar machen. Die Geldmenge steht in einer Balance, in einem Gleichgewicht zur Menge der Waren und Dienstleistungen. Der Wert der Waren und Dienstleistungen bestimmt den „Wert“ des Geldes. Wenn wir wenig Geld im Kreislauf haben, dann ist das Geld einfach mehr wert (Die Zahlen auf den Geldstücken oder Geldscheinen sind kleiner) oder das Geld ist weniger wert (dann sind die Zahlen auf den Geldstücken und Geldscheinen grösser). Geld ohne Menschen und ohne Waren und Dienstleistungen wäre nichts wert. Weil wir das Geld als Tauschmittel akzeptieren und die Anderen auch, bekommt Geld diesen (gedachten) Wert, der sich an der Menge vorhandener Waren und Dienstleistungen ausrichtet.
Was passiert mit Menschen, die aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage dazu sind, zu arbeiten und Geld zu verdienen oder solche, die für die Produkte ihrer Arbeit oder Dienstleistungen nur wenig Geld bekommen? Sie haben keine Lebensgrundlage oder keine ausreichende Lebensgrundlage, sind also arm dran.
Woher kommt nun der (finanzielle) „Gewinn“, der unsere Wirtschaft (nein, unsere Produzenten und Händler) so ölt, weil wir fanatisch gewinnorientiert sind? Das betrifft nicht nur hohe Profite bei Produzenten und Händlern, sondern auch hohe Löhne bei Arbeitnehmern aller Art. Stellen wir uns unsere Produzenten und Händler ohne Profite und uns Arbeitnehmer ohne hohe Löhne vor. Das ist eine spannende Frage. In unseren Gesellschaften, interessanterweise sowohl im Kapitalismus wie im Kommunismus und sogar in den anderen Gesellschaften wächst der finanzielle Gewinn, also Profit, auf den Bäumen oder in unseren (Wunsch)-Träumen. Bei wem das nicht so ist, dort verursacht mein finanzieller Gewinn oder Profit einen finanziellen Verlust bei meinem Tausch- oder Handelspartner in etwa gleicher Höhe, der im Handel oder Tausch mit mir zwar hoffentlich einen Gebrauchs- oder sogar Genusswert an der von mir gelieferten Ware oder Dienstleistung hat, dafür mir aber nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch einen (saftigen?) Gewinn geben muss (der in seiner Buchführung ein finanzieller Verlust ist).
Gewinn hat mindestens zwei Seiten. Die eine Seite ist der Nutzen, den wir aus dem Gebrauch der Waren und Dienstleistungen haben. Wenn ich etwas zu essen gekauft habe, dann habe ich Geld dafür hingegeben und esse jetzt die Ware. Mein Gewinn ist, dass ich davon einige Stunden leben kann, aber dann sind das Geld weg und die Speisen sind verdaut. Hunger setzt ein. Wer nicht arbeiten kann oder nicht genug Geld bekommt, ist jetzt in Not. Sterben oder zumindest darben und hungern... Die Zahl Derer in unseren Gemeinschaften oder Staaten, die sich kein oder nicht genug Geld erarbeiten können, ist erstaunlich gross. Wenn wir Kinder, Alte und Kranke zusammenzählen, dann kommen wir auf einen Anteil, der mehr oder weniger um die Hälfte variiert. Das hängt von verschiedenen demographischen und anderen Faktoren ab. Immigranten, Wohnungslose und Andere sind da noch gar nicht mitgezählt. Es gibt also einen erstaunlich grossen Anteil an der Bevölkerung, der sich seinen guten Lebensunterhalt nicht selbst verdienen kann oder soll (keine Kinderarbeit und Rentner mit geringer Rente z.B.).
Auf der anderen Seite gibt es den finanziellen Nutzen, den finanziellen Gewinn oder den finanziellen Profit. Wer Waren oder Dienstleistungen anbietet, die häufiger gewünscht sind oder seltener angeboten werden oder die uns Menschen als wertvoller erscheinen, der kann höhere Preise verlangen und bekommt sie meist auch (Der Preis ist der, den der Kunde zahlt.). Diese grössere Menge Geld (Gewinn noch dazu) muss aber der Händler und später der Kunde als Endverbraucher auch zahlen. Dort ist er finanzieller Verlust. So verursacht zunehmender Handel mit immer wertvolleren Dingen oder Dienstleistungen nicht etwa höheren Lebensstandard für alle, sondern für die Anbieter, aber für die Konsumenten nicht, denn das Geld wandert in die Gegenrichtung und fehlt dann bei den Konsumenten, meist den Endverbrauchern.
Im Falle von Wertgleichheit von Waren und Dienstleistungen auf der einen Seite und Geld auf der anderen Seite über lange Zeiträume (also weder De- noch Inflation) bliebe das System lange stabil. Es gäbe keine finanziellen Gewinne und keine finanziellen Verluste. Es wäre ein System, das für zunehmende Gleichheit sorgen würde und die Spanne zwischen reich und arm verringern würde. Es würde aber auch dazu führen, dass die Firma Forbes sinkende Zahlen für die Reichen veröffentlichen müsste und die Reichen müssten das freiwillig als Gewinn (natürlich nicht als finanziellen Gewinn) ansehen, dass ihre finanziellen Gewinne und ihre Eigentumswerte in Geldwert umgerechnet zurückgingen. Sie ahnen sicher, was passieren würde?
Nun möchten wir ja mehr haben, uns mehr leisten können, die Dinge, die uns noch fehlen oder in Zukunft noch fehlen werden, auch haben. Dafür haben wir zwei Möglichkeiten: Wir schaffen sie uns selbst, arbeiten also selbst mehr dafür oder wir kaufen sie uns von Anderen, müssen Denen aber dafür die Herstellungskosten und den von Ihnen gewünschten Gewinn bezahlen, der dann bei uns zusätzlicher finanzieller Verlust ist neben den gezahlten Herstellungskosten. Dritte Möglichkeit: Stehlen auf jede nur mögliche, am besten unbemerkte Art und stehlen lassen. Dazu gehört auch die Weise, dass man sich wählen lässt, als Gewählter dann die Gesetze so formuliert, dass sie uns selbst bevorteilen, was dann gleichfalls bedeutet, Andere zu benachteiligen und damit für die eigenen Vorteile bezahlen oder in anderer Weise bluten zu lassen.
Sehr beliebt ist auch die Art und Weise, Andere physisch, psychisch oder vertraglich abhängig zu machen von Rauschmitteln aller Art, von Geld, von Anerkennung und Liebe etc. Damit lässt sich gut Profit oder Gewinn machen, der aber bei den Anderen finanzieller und anderer Verlust ist.
Nebenbei: Technik und andere Hilfsmittel erleichtern uns zwar oft die Herstellung dieser Waren und Dienstleistungen, aber sie ändern die menschlichen bzw. wirtschaftlichen Regeln gar nicht. Wir erreichen oder überwinden die unsichtbare, aber sehr harte Grenze zwischen arbeiten und geniessen gar nicht.
Was nun? Wir wollen doch gar nicht nur mehr Waren und Dienstleistungen. Wir wollen auch mehr Geld. Wo soll das herkommen? Früher gab es dafür die Landesfürsten und andere Regierende, die das Recht zur Münzprägung (oder einfacher) zur Geldausgabe hatten. Heute haben wir dieses Recht den National- (und International-)Banken (z.B. EZB) gegeben und eigenartigerweise auch Schürfern von digitalen und anderen Währungen. In Zukunft bringt am besten Jede und Jeder seine eigene (digitale?) Währung in den Markt, was die National- und Internationalbanken umgeht und auch ihre Regulationsfähigkeit nach und nach aushebelt.
Mit Geld können wir Anreize schaffen. Arbeit soll sich ja lohnen. Da wir uns sehr darauf verlassen können und selbst dazu gehören, wollen wir Alle mehr und mehr Geld. Wir wollen schliesslich uns mehr kaufen können bzw. unsere Zukunft absichern. Dafür kann immer mehr Geld doch nur gut sein, oder? Dieses Prinzip haben sich unsere Nationalstaaten vor allem seit der Demokratisierung sehr angewöhnt. Unsere Regierenden erreichen das mit Zuckerbrot und Peitsche, wie früher unter anderen Regierungsformen auch schon. Die Peitsche sind die Gesetze und die Organe wie Polizei, Ordnungsämter, Gerichte und Gefängnisse und andere Organe, die die Durchsetzung der Gesetze überwachen. Wir als Betroffene ärgern uns über die gesetzlichen Einschränkungen und suchen nach Möglichkeiten, diese Gesetze zu umgehen. Dafür gibt es eine ganze Armee von Rechtsanwälten (oder Rechtsverdrehern?), Beratern vielerlei Art, Vorbildern und Nachmachern. Wer Geld oder Vitamin B in grösserer Menge hat (oder wie wir heute sagen „Wer gut vernetzt ist“), ist da im Vorteil. Wer wenig oder kein Geld und kein Vitamin B (Beziehungen) hat, ist da im Nachteil. So schaffen unsere Regierenden im Akkord immer mehr Gesetze, damit es endlich funktioniert und wir fühlen uns immer mehr gefangen und kämpfen um unsere Freiheit mit den genannten Hilfspersonen und anderen Mitteln und wundern uns, dass wir gar nicht freier werden. Wir müssen doch „dumm“ sein, oder? Wir kämpfen um unsere Freiheit bis auf Leben oder Tod und wählen unsere Vertreter, die dann im Akkord laufend neue Gesetze erlassen. Mit uns kann doch etwas nicht stimmen, oder?
Fast noch beliebter ist die Schaffung von Anreizen mit finanziellen Mitteln. Damit wir Bürger dies und das für die Umwelt, für andere Menschen und für uns selbst tun, werden Steuererleichterungen, Subventionen, finanzielle Hilfen und vieles mehr vom (National-)staat oder Staatenbund (z.B. EU) gezahlt, damit wir Bürger so handeln, wie sich das unsere gewählten Parlamentarier und Regierungen so wünschen oder es für nötig halten.
Das Dumme daran ist nur, dass wir alle noch dumm sind, ich sowieso, aber auch wir Bürger und zugleich Wähler und wir gewählten, also Parlamentarier und Regierende. In unseren Vorurteilen oder übernommenen Vorstellungen leben wir noch immer im Zeitalter der Diktatoren und Herren aller Art. Die Regierung reguliert, also begrenzt uns (was mindestens Einschränkung, wenn nicht sogar Ausbeutung bedeutet, die wir Untergebenen bekämpfen), wir aber erwarten in der Demokratie, dass die Regierung uns beschenkt und unsere Wünsche erfüllt. Dann müssten ja die Regierenden in die Betriebe und auf die Felder gehen und hart für uns arbeiten. Früher gehörte das Geld überwiegend dem Herrscher und wir Bürger waren arm. (Sie kennen: „Der Staat? Das bin ich!“) Also mussten wir Bürger uns gegen die Obrigkeit verteidigen und die Kosten möglichst an den Herrscher schieben (der sie sowieso z.B. durch höhere Steuern wieder uns Bürgern zuschob). Heute aber sind wir freier Bürger und Regierender zugleich. Wir wählen ja Abgeordnete und Regierende aus unserer Mitte als Vertreter für uns selbst. Auf diese Weise sind wir jetzt Bürger und Regierung zugleich. Wir alle zusammen sind Eigentümer des Staates. Jetzt gilt: „Der Staat? Das sind wir!“ Wenn wir also langfristig nachhaltig mit und in unseren Staaten wirtschaften wollen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als langfristig die Kosten in unserem Staat und die Einnahmen in unserem Staat im Ausgleich, in der Balance, etwa bei der schwarzen 0 zu halten. Im Sinne von Versicherung mal kurzfristig davon abzuweichen, dürfte kein Problem sein, aber nach drei Jahren muss die schwarze 0 im Staatshaushalt und allen Schattenhaushalten zusammen wieder erreicht sein. Sonst sägen wir uns alle zusammen den Ast ab, auf dem wir sitzen. Wenn wir die Organisation, in der wir wohnen und leben, in den finanziellen Ruin treiben, nur weil wir selbst mehr haben wollten, als dieser Ausgleich ermöglicht, dann demonstrieren wir Alle unsere Dummheit, die wir selbst gar nicht fühlen. Seit dem dritten Lebensjahr haben wir doch Recht, egal, welcher Ansicht wir sind, oder? Der Erfolg ist uns doch sicher, oder? Wir müssen nur langfristig die schwarze 0 in unseren demokratischen Staaten einhalten, auch wenn das weniger Wohlstand bedeutet, wahrscheinlich sogar deutlich weniger.
Wenn wir Demokraten sein wollen, dann müssen wir auf Ausgewogenheit zwischen zu zahlenden Steuern und eingeräumten oder ausgezahlten Vergünstigungen achten. Nur wenn uns das gelungen ist, dürfen wir uns überhaupt „Demokraten“ und erfolgreich nennen. Sonst müssen wir uns „Egoisten“ nennen, sowohl die Reichen wie die Armen. Auch das ist hoch interessant und nachdenkenswert.
Nun haben wir ja Alle in den letzten 500 Jahren Moral gelernt. Wir sollen alle gleich sein und wir wollen (was interessanterweise allerdings das Gegenteil von „moralisch“ bedeutet) auch Alle gleich sein. Deshalb geben wir in unseren Staaten jede Menge Geld an die Armen und Bedürftigen in unserem Staat. Die Sozialausgaben unserer demokratischen Staaten sind jeweils die höchsten oder nahezu höchsten Posten in den Staatshaushalten.
Das hat mindestens zwei Folgen. Die eine Folge ist, dass unsere Armen und Bedürftigen immer wieder Geld haben, damit sie sich Waren und Dienstleistungen zum täglichen leben kaufen können. Davon leben sie. Damit halten sie unsere Wirtschaftskreisläufe auch in Schwung, denn ohne das immer wieder nachkommende Geld von „unten“ würde unsere wirtschaftliche Aktivität sehr schnell erlahmen. Ohne finanziellen Gewinn, also hohen Lohn oder betrieblichen Gewinn, habe ich doch keine Lust zu arbeiten (ausser, wenn mir die Arbeit Spass macht, was wieder einen neuen relativen Kreislauf in Gang setzt). Arbeit soll und muss sich doch lohnen. Es entsteht aber trotzdem kein Perpetuum oeconomiae, sondern die Gewinne müssen schon so hoch sein, dass wir Menschen bereit werden, so viel zu arbeiten, dass wir die Produkte gebrauchen oder sogar geniessen können. Ein bisschen Gewinn reicht da meist nicht. Es muss schon viel finanzieller Gewinn sein, damit wir bereit sind, jede nötige Arbeit zu erledigen, auch die, die uns keinen Spass macht.
Die andere Folge ist die zunehmende Verschuldung unserer Staatshaushalte, die seit Anfang dieses Jahrhunderts gar nicht mehr rückführbar ist und damit ein Zeichen von „Pleite“ ist, auch wenn wir das Alle noch gar nicht wahr haben (wollen). Nur deshalb sind unsere Staaten ja noch zahlungsfähig, obwohl sie längst pleite sind. Und diese Unterstützung der Armen und Bedürftigen hebelt den Wunsch „Arbeit soll sich lohnen!“ aus. Wir können nur eins von beiden oder beide nur teilweise, Armen und Bedürftigen Unterstützung zukommen lassen oder Arbeit lohnend bezahlen. Beides gleichzeitig geht nicht.
Nun sind wir Menschen ja clever. Zumindest halten wir uns selbst für clever. Da wir nicht selbst so viel Geld an Arme und Bedürftige verteilen wollten und wollen (obwohl wir ja moralisch ganz gut sind und genau das wollen und tun), so haben wir diese Aufgabe an unsere Staaten delegiert, an unsere Regierungen, offenbar nicht daran denkend, dass wir ja selbst zusammen der demokratische Staat sind, also doch für die ausreichende Finanzierung sorgen müssen.
Die Folge unseres handelns in den Jahrzehnten seit dem zweiten (eigentlich ja schon dritten) Weltkrieg und ganz besonders seit Bretton-Wood 1971 (dort wurde der Geldwert vom Warenwert (in diesem Fall Gold) getrennt und seitdem variieren diese beiden Werte in der Balance zueinander ohne Festlegungen) ist die stetige Vergrösserung der Geldmengen auf unserem Globus unabhängig von der Entwicklung der Menge an Waren und Dienstleistungen, sondern abhängig von unseren Wünschen und Träumen. Die Realität wandelt das sofort in Inflation um, die nun wieder auf unserem Globus sehr ungleichmässig verteilt ist zwischen den Völkern, zwischen den Armen und Reichen, zwischen den verschiedenen Wirtschaftsbereichen, zwischen verschiedenen Gruppen von Produzenten und Konsumenten, zwischen Digital- und Realwirtschaft... und natürlich auch in dem Warenkorb, in dem unsere Statistiker die dort herrschende Inflation messen und an die Medien und die Politik weiter geben.
Wir haben Waren und Dienstleistungen zusammen in eine Waagschale gelegt und das Geld in die andere und eine Balance zwischen beiden als Bestimmung für den Wert des Geldes festgestellt. Das führt dazu, dass wir Waren oder Stückgut und Dienstleistungen bzw. Arbeitsstunden als gleichgerichtet in ihrer Wirkung annehmen. Dem ist aber gar nicht so.
Bei Waren oder Stückgut können wir Maschinen ersinnen, bauen und an unserer Stelle einsetzen und arbeiten lassen. Je grösser die Zahl der produzierten und von Verbrauchern auch abgenommenen Stücke ist, desto geringer der Preis pro Stück in gewissen Grenzen und unter gewissen Bedingungen. Unsere persönlichen Grenzen und die unserer Umgebung bewirken aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass das keine unendliche Linie oder Kurve ist, sondern eine S-Kurve, die unter der Bedingung von erforderlichem finanziellen Gewinn (Profit), zur verbeulten Gausskurve wird. Der Gewinn oder finanzielle Profit gehen gegen 0.
Dienstleistungen oder Arbeitsstunden unterliegen aber dem Einfluss unserer persönlichen Wünsche und Träume in Beziehung zur Realität. Wenn wir also über unser Leben hinweg eine stetige Steigerung unseres Stundenlohnes oder aber immer mehr Freizeit von unserer Arbeit als Dienstleister haben wollen, dann steigert das stetig den Preis für die Dienstleistung (oder wir müssen die gleichen Leistungen in immer kürzerer Zeit erbringen, was immer mehr Stress bis zum Burn out bedeutet und damit nur begrenzt möglich ist). Solange eine Zunahme der Produktivität eines Arbeiters den Stückgutpreis reduziert und die Steigerung des Stundenlohnes die Reduktion nicht überkompensiert, ergibt das für die Kunden meist kein Problem. Der Preis der Ware sinkt ja. Ist aber der Stückgutpreis bereits am unteren Ende angelangt und wir steigern den Stundenlohn weiter, dann schlägt das voll auf die Preise durch. Der höhere Preis verringert die Verkaufswahrscheinlichkeit und heizt die Inflation an, wenn von aussen versucht wird, mit Einschuss von Geld (geringere Steuern oder staatliche Zuschüsse), den Betrieb zu retten. Die Realität steht der Verwirklichung unserer Wünsche und Träume entgegen und sie ist stärker als wir! Die Realität rechnet knallhart. Sie ist absolut und wir Menschen sind abhängig von ihr, sind relativ. Wir träumen uns lieber optimistisch in eine bessere Welt. Schliesslich haben doch wir Recht, sind stärker und gut und gewinnen jeden Kampf (bis uns die Realität das Gegenteil beweist). Unsere Vorfahren wussten noch, dass das Märchen sind.
Mit der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung versuchen wir, dieses Manko auszuschalten und uns Menschen im Arbeitsprozess zu ersetzen. Das klingt zunächst gut. Wenn wir aber den Lohn und erst recht den Gewinn an menschliche Arbeit koppeln, dann bekommen wir Menschen wieder ein Problem. Die Digitalisierer scheffeln die Gewinne. Die Verbraucher haben die finanziellen Verluste zu tragen und die ersetzten Arbeitnehmer sind ihren Job los. Wir könnten sie im Gesundheitswesen oder in der Gastronomie einsetzen, aber dort werden sie weniger Gewinn oder Profit machen, weil sie wieder in der Klemme zwischen höheren Löhnen und damit höheren Preisen sitzen, die aber die Kunden nicht bezahlen wollen und/oder nicht können.
Wie ich am Anfang schrieb „wir sind Menschen“, so müssen wir jetzt am Ende auch feststellen: Wir sind Menschen mit vielen Begrenzungen, die durch unser Menschsein bedingt sind. Das ist nicht Schuld irgendwelcher Wähler oder Gewählter, nicht einmal von Diktatoren schlimmster Art. Gestalten können wir langfristig unsere Welt, unsere Gesellschaft, unsere Gruppe oder Familie nur innerhalb der unsichtbaren, aber sehr harten Grenzen, die uns die Entwicklung oder Evolution der Natur, das leblose allgemeine Sein oder der lebende Gott gegeben haben. Egal was wir glauben, die Realität und damit unsere Grenzen sind für alle vorhanden, wenn auch nicht für alle gleich und wir können auch ihr vorhanden Sein gar nicht ändern. Wer sich nicht an diese Grenzen hält, erlebt und erleidet selbst die Begrenzung oder fügt über unsichtbare kommunizierende Röhren dieses Leid Anderen zu, oft den eigenen Kindern und Kindeskindern bzw. Nachkommen, aber nicht selten auch den eigenen Familienmitgliedern und Mitgliedern des eigenen Volkes.
Lassen Sie uns sehr vorsichtig sein in unserem tun und handeln. Wir wissen nicht, was wir nicht wissen und damit wissen wir auch nicht, ob oder wie weit unsere Ansichten überhaupt „Wissen“ sind. Wir können nicht eine Minute in die Zukunft schauen und wissen daher nicht, ob wir nicht schon morgen unser tun und handeln von heute als „dumm“ ansehen müssen. Wir haben von allen Drei keine Baupläne unserer Realität, sodass wir nachschauen könnten und feststellen: Ja, so wie ich mir das denke, so ist es „richtig“. Wir wissen selbst als Wissenschaftler nicht, ob oder wann wir ein Rätsel gelöst haben. Wir sind und leben in einer geheimnisvollen Welt.
Seit Jahrhunderten treiben wir Wissenschaft, auch ich. Je nach unserem Weltbild, also abhängig von unseren Vorurteilen oder Prämissen oder übernommenen Vorstellungen, finden selbst unsere Wissenschaftler unterschiedliche Resultate. Auch Wissenschaftler sind relativ und Wissenschaft an sich gibt es genauso wenig wie Wirtschaft an sich. Wir haben Ökonomen und Wissenschaftler, die uns unterschiedliche Ergebnisse präsentieren. Welche glauben wir? Erstaunlicherweise meist die, die uns besser gefallen, die besser in unser Weltbild passen, die eher unsere Wünsche und Träume erfüllen. Frauen mehr als Männer gehen nach ihrem Gefühl: Was sich besser anfühlt, das nehmen wir. Da gehört Verzicht z.B. nicht dazu. Auch meine Einsicht, etwas nicht zu können, gehört nicht dazu. So haben wir Herrn John Maynard Keynes gerne geglaubt, wenn es um das Ankurbeln der Wirtschaft und den Aufschwung ging. Dass er uns danach die Wirtschaftskrise gleich mit vorhersagte, haben wir schon gar nicht mehr gelesen bzw. mit bedacht. Seinen Gegenspieler, Herrn Friedrich von Hayeks Versuche, diese Krise zu umgehen, was Verzicht bedeutet hätte, haben wir gar nicht erst wahrgenommen oder zumindest wieder vergessen, auf jeden Fall nicht befolgt.
Ist es mit unserer Wirtschaft und Technik heute anders? Es gibt Wissenschaftler und Techniker, die uns das Blaue vom Himmel herunter versprechen, wenn wir ihren Ergebnissen und Lösungen weiter folgen und es gibt andere, die zu anderen Ergebnissen kommen, z.B. Klimaforscher und Umweltforscher. Welchen Wissenschaftlern und Technikern glauben wir? Sie dürfen selbst raten.
Wir sind es als Menschen zusammen und einzeln selbst, die wir uns die Falle stellen, in die wir später tappen. Das ist das Gütezeichen für die Qualität unserer menschlichen „Intelligenz“ oder/und unseres menschlichen Verstandes.