Woran messen wir eigentlich, ob wir als Person, als Familie, als Volk und als Gesellschaft Erfolg haben? Womöglich ist oder wird unser Erfolg das Gegenteil?
Bisher sind wir da ziemlich einfach vorgegangen: Immer mehr, immer bequemer, immer stärker, immer sicherer, immer billiger, immer mehr Qualität, immer selbstständiger, immer weiter, immer mehr … „Immer mehr“ ist doch Erfolg, oder?
Das einfache Weltbild in dieser Form hat den riesigen Vorteil, dass es so schön einfach ist. Wir können fast intuitiv Entscheidungen fällen, können mathematisch und interessanterweise auch gedanklich einfach addieren, multiplizieren oder sogar potenzieren. Es geht einfach immer weiter, ohne Begrenzung. Nachdenken ist unnötig. Das können sogar die Dummköpfe, wie wir sie sind. Nachdenken, selbstkritisch seine eigenen Ansichten überprüfen, ist kaum nötig. Stur und mental eingeschränkt einfach immer weiter und fertig. Da hilft sogar maschinelle Datenverarbeitung und möglicherweise kann da sogar das, was wir heute unter „künstlicher Intelligenz“ verstehen, noch ein bisschen beschleunigend und erleichternd hilfreich sein.
Was aber, wenn unsere menschlichen Begrenzungen die „Immer weiter“-Denkweise gar nicht unendlich möglich machen? Dann könnte ja eine Grenze für unseren Erfolg kommen, die uns weiteren Erfolg unmöglich macht. Was passiert, wenn wir diese Grenze doch überschreiten? Möglicherweise ist sie gar nicht einfach sichtbar und messbar, sodass unsere wissenschaftliche Arbeitsweise gar nicht zum Erfolg führen kann oder nach einem Erfolg zum Unheil wird? Wir müssten plötzlich unsere „wissenschaftliche Arbeitsweise“ und unsere wissenschaftlichen Prinzipien in Frage stellen und womöglich ändern? Das wollen wir doch als Forscher und Wissenschaftler gar nicht, oder? Forscher und Wissenschaftler haben doch sowieso Recht, in ihrer eigenen Vorstellung und auch in unserer Vorstellung von ihnen.
In unserer Wirtschaft gehen wir doch davon aus, dass wir Erfolg haben, wenn wir durch immer grössere Stückzahlen in der Produktion, durch immer mehr Automatisation (also Ersatz von Menschenarbeit), die Preise immer weiter reduzieren können. Das müsste ja dazu führen, dass wir als Akteure in unserer Gesellschaft, in unseren Nationalstaaten und in unseren übergeordneten Staatenbünden immer mehr Waren zu immer günstigeren Preisen bekommen können. In der Folge müsste das dazu führen, dass unsere Nationalstaaten und unsere Bünde von Staaten wie die EU und all die anderen Verbünde am Jahresende immer mehr Geld übrig haben, obwohl sie die gleichen Mengen an Dienstleistungen für ihre Bewohner und Partner erbracht haben und immer mehr Waren zur Verfügung stehen.
Wieso steigen dann aber die nominalen Staatshaushalte und die nominalen Verschuldungen unserer Nationalstaaten in immer unermesslichere Höhen? Das widerspricht doch glatt unseren Vorurteilen, unseren Erwartungen, unseren Deutungen. Immer steigende Preise sind Ausdruck von Inflation, Teuerung und anderen Faktoren. Immer steigende Preise sind für uns Kunden Ausdruck von Misserfolg des Produzenten. Der aber hält es nicht selten für einen Erfolg, wenn er höhere Preise am Markt durchsetzen oder erzielen kann. Das ist nur die Sicht von einer anderen Seite. Der erzielte höhere Preis beim Produzenten ist aus seiner Sicht ein Erfolg, aus unserer Sicht als Kunden aber ein Misserfolg. Der höhere Preis ist also beides zugleich in einem Vorgang. Der Eine hat mehr Geld, der Andere entsprechend weniger Geld (kann jetzt aber das Brot essen, das er gerade gekauft hat).
Unsere Staatshaushalte wachsen immer mehr und ihre Verschuldungen wegen Geldmangels wachsen immer mehr. Warum haben unsere Staaten eigentlich so wenig Geld, wenn wir doch so viele Steuern bezahlen (müssen)? Ein ausgeglichener Staatshaushalt würde eine ausgeglichene Bilanz zwischen Einnahmen und Ausgaben bedingen. Wir einzelnen Bürger auf der anderen Seite müssten eine ausgeglichene Bilanz in umgekehrter Richtung haben. Wir müssten so viel Erfolg haben, dass wir gar keine staatliche Unterstützung in irgendeiner Form brauchen. Wer staatliche Unterstützung mehr als einmal braucht (sozusagen staatliche Hilfe als Versicherungsfall), arbeitet nicht erfolgreich. Wer staatliche Unterstützung länger oder häufiger braucht, hat ein unausgeglichenes Preis-Leistungsverhältnis. In Kunst- und Kulturbetrieben ist das Verhältnis offenbar oft nicht ausgeglichen. Die Preise sind für die erbrachte Leistung zu niedrig. Deshalb brauchen diese Einrichtungen Zuschüsse vom Staat und Anderen, meist nicht nur einmal. Kultur für Jedermann müsste auch „Jedermann“ selbst angemessen bezahlen, kann und will es nur gar nicht. Dann soll es der Staat tun, aber in einer Demokratie gehört der Staat „Jedermann“ und Jedermann ist verantwortlich, dass der Staat ein ausgeglichenes Budget hat. Wer einmal etwas braucht, wie in einem Versicherungsfall, der ist in relativ engen Grenzen kein Problem, aber wer immer wieder etwas braucht? Den müssen wir sterben lassen, denn er überfordert unsere Firma, unsere Gesellschaft, unsere Gemeinschaft, unseren Nationalstaat. „Geld soll keine Rolle spielen“ (z.B. in der Gesundheit, in der Bildung und Kultur und in vielen anderen Bereichen) heisst, wir wollen jetzt mal die Realität, dass Geld immer eine Rolle spielt, ausser Kraft setzen. Das ist natürlich schön und gut gedacht, aber da wir ja als Empfänger der Hilfe Miteigentümer des Gebers, des Staates sind, spielt uns die relative Mathematik, die Realitätsmathematik einen Streich, den Viele offenbar gar nicht wahrnehmen. Wir leben in einer Relativitätsökonomie, glauben aber, in einer Märchenökonomie zu leben. „Geld soll keine Rolle spielen“ kann nur Jemand sagen, der selbst bereit ist, Leistung ohne Lohn zu erbringen oder Jemand, der zuvor sich oder Andere so weit ausgebeutet hat, dass er „reich“ ist, also viel Geld hat oder Jemand, der sich Geld denken kann, der es also später wieder zurückbekommen und wieder wegdenken muss (z.B. Nationalbanken).
Universitäten und Einrichtungen unserer führenden Menschen, unserer Eliten in der Gesellschaft, müssten daher in der Summe nicht Leistungen vom Staat bekommen, sondern müssten finanzielle Leistungen an den Staat erbringen, denn sie sind ja erfolgreich, nehmen also mehr Geld ein als sie ausgeben. Sonst sind sie ja gar nicht erfolgreich. Ausgerechnet unsere Eliten kosten unsere Staaten eine Menge Geld, das sie gar nicht wieder einbringen. Ein langes Studium hat unsere Gesellschaft viel Geld gekostet, also Waren und Dienstleistungen als Balancewert zum Geld. Hinterher arbeiten diese Menschen in einem 150 %-Job, denn sie wollen ja verdienen, müssen aber dem Staat, unserer Gemeinschaft von Demokraten, die Kosten für ihre Ausbildung wieder ersetzen. Das kann natürlich in Form von Steuern geschehen oder als Darlehensrückzahlung oder in anderer Form (z.B. finanziell erfolgreiche Forschung ohne Kosten zu verursachen, also auf eigene Kosten). Den Feminismus müssten wir in diesem Zusammenhang noch einmal ganz neu denken. Dass ausgerechnet die Eliten, die bereits von unserer Gemeinschaft von Demokraten ein Studium finanziert bekommen haben, nun auch noch einen Arbeitsplatz in der Forschung finanziert bekommen wollen, ist doch ein Witz, oder? Wenn unsere Nationalstaaten realistisch finanziell funktionieren sollen, dann müssen die Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen in der Summe am Jahresende Geld erbringen, also Geld einnehmen und an den Staat abführen, statt Forschungsgelder in Form von allen möglichen Zuschüssen zu bekommen. „Geld regiert die Welt“ können wir nicht einfach ausser Kraft setzen. Nicht einmal Gesetzgeber (egal, welche Partei gerade die Regierung stellt) können das. Solche Gesetze brauchen wir gar nicht erst zu erlassen. Sie haben Folgen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit andere, als wir sie uns wünschen und als Ziel der Gesetzgebung dachten.
Wie ist es auf der anderen Seite der Gesellschaft, auf der Seite Derer, die wenig oder nichts haben und auch wenig oder nichts verdienen? Wenn wir Denen Geld geben aus unserer Staatskasse (z.B. als bedingungsloses Grundeinkommen, Sozialhilfe, Wohnungsgeld, Verdienstersatzleistung, Krankenkassenbeitragszuschuss und und und), dann müssen wir das auch in diese Staatskasse hineingelegt haben. Sonst läuft unser Staatshaushalt in die roten Zahlen und das neu gedachte Geld auf dem Markt ohne entsprechende Schaffung von Waren oder Dienstleistungen führt zu höherer Gesamt-Inflation. Wir können uns nicht einfach immer mehr Geld denken und glauben, dass das ohne Verlust an anderer Stelle aufgehen könnte. Die Realität gleicht das locker durch die vielen unsichtbaren kommunizierenden Röhren in der Wirtschaft wieder aus, z.B. in Form geringerer oder sogar negativer Verzinsung (was dann Kosten statt Zinsen sind) unserer Rentenersparnisse oder anderer Mängel.
Herr John-Maynard Keynes lässt grüssen. Wir haben ihm nicht geglaubt, dass nach einer heissen Wirtschaftskonjunktur auf Schulden wieder die Krise kommt. Wir wollten es ihm nicht glauben, weil das gegen unseren Optimismus läuft, dass wir die Welt besser machen könnten. Unsere realitätsferne Einstellung macht uns die Realität der evolutionären Natur nicht mit Worten klar, sondern mit Anprall an die unsichtbare Grenze. Der Anprall tut weh und führt zu Verletzten und sogar Toten. Das können wir gar nicht ändern, weder mit Gesetzen, noch mit Wissen und Technik. Wenn wir mit unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsphilosophie nicht realistisch waren, dann hat das z.B. zu Hungersnöten geführt, die insgesamt im 20. Jahrhundert sogar mehr Tote verursacht haben als unsere beiden Weltkriege zusammen. Da mussten nicht einmal die Waffen donnern. Das ging sehr leise. Wir haben das gar nicht gemerkt.
Interessant ist auch, dass man in diesem Zusammenhang Waren und Dienstleistungen gar nicht im gleichen Atemzug nennen darf. Sie bilden zwar zusammen den Gegenwert zum Geld, der unseren Geldwert bestimmt. Sie funktionieren aber beide völlig unterschiedlich. Das soll uns hier nicht länger aufhalten, macht aber die Wertbestimmung in realen Zahlen auf beiden Seiten nahezu unmöglich.
Unsere Eliten in den Regierungen, den Führungen von Firmen, Wirtschafts-Vereinen, Organisationen, Banken, Spitälern und vielen mehr sind ja unsere Eliten, unsere Vordenker, unsere „Gebildeten“, unsere geistigen (und geistlichen) Führer und Vorbilder, unsere zivilisiertesten Menschen in der Gesellschaft. Sie werden in Zukunft auf Zuschüsse und Subventionen, hohe Löhne und andere staatliche Vergünstigungen verzichten, völlig freiwillig. Denn wer sollte unsere Staatshaushalte wieder in die Balance von Einnahmen und Ausgaben bringen, wenn nicht sie? Das werden unsere Eliten nicht per Gesetz vollbringen, denn sie brauchen sich selbst ja nicht durch selbst formulierte und dann erlassene Gesetze zu zwingen etwas zu tun, was sie auch ohne Gesetz ganz freiwillig tun können. Da kann man sich den Aufwand von Gesetzen sparen. Wir als dummes Volk werden es dann unseren Eliten nachmachen, denn die Elite ist ja unser gutes Vorbild. Auch bisher haben wir unseren Eliten nachgeeifert und sie uns als Vorbild genommen und sind damit im heutigen Zustand angekommen (von dem Viele sagen, dass er sich unbedingt ändern muss).