Die Botschaft eines Staus

Wer Geld verdienen will, muss meistens dafür arbeiten, ja, viel arbeiten. Also morgens früh auf zur Arbeit. Schnell die Morgentoilette erledigt, kurz gegessen und dann ins Auto (vielleicht auch in den Bus oder die Bahn). Die Zeit für den Arbeitsweg ist im Grunde vertane Zeit, zu nichts nütze. Mancher versucht, sie trotzdem durch eine Zweittätigkeit am Telefon oder Handy (Natel) oder Tablet oder sonst wie zu nutzen, was nicht ganz ohne Folgen bleibt.

Und dann findet diese Fahrt auch noch zur Rush-hour statt. Stop-and-go oder gar Stau.

Nun gibt es ja verschiedene Staus. Der Stau wegen Überfüllung. Es wollen einfach zu Viele zur gleichen Zeit auf der gleichen Strasse fahren. Kann man das nicht ändern?

Na klar, können wir das! Wir bauen mehr Strassen, haben dann allerdings mehr Flächen verbraucht, mehr Flächen versiegelt, mehr Krach und mehr Flächen mit Krach entlang der Strassen. Also müssen wir Lärmschutzwände bauen. Zeitweise fahren wir schon wie in alten Hohlwegen, links und rechts hohe Wände. Zusätzliche Kosten zur Verringerung der Nebenwirkungen unseres Verkehrs. Mehr Verschmutzung durch Reifenabrieb, Bremsabrieb, CO2 und andere Produkte im Abgas, mehr Energieabgabe in die Umgebung (Ich habe mal gelernt, dass Energie grossteils Wärme bedeutet.) ...

Auch wenn wir glauben, dass wir gemeinsam unsere Welt immer besser machen, müssen wir feststellen, dass erstens schon das „besser machen“ sehr fraglich ist, da die Summe der Nebenwirkungen, die uns teilweise nicht bekannt sind oder an die wir nur jetzt nicht denken, ähnlich wie bei den Medikamenten, nicht selten eine Negativbilanz bedeuten. Wir aber halten am Vorteil fest und haben dann später oder sogar gleich auch das Nachsehen oder sogar mehr Nachsehen als Vorteil. Oft sind es Andere, die den Nachteil haben und tragen müssen. Zum Anderen bedeutet die Nutzung von Dingen oder Infrastruktur meist nur innerhalb enger Grenzen eine freie Nutzung ohne Konkurrenz. Darüber hinaus ist es eine Konkurrenzsituation. Entweder Du oder ich können jetzt auf dieser Spur der Strasse fahren oder diesen Weg nehmen oder diesen Sitzplatz im Bus einnehmen oder den Kubikmeter Luft verschmutzen … Wir sind begrenzt und unsere enge Umwelt mit Mitmenschen ist begrenzt und unser Globus auch.

Natürlich können wir die Strassen fernab der Städte und Dörfer bauen. Dann ist der Krach im Dorf und in der Stadt geringer. Aber wenn wir in die Umgebung zur Naherholung gehen, wandern, radeln oder auf andere Art und Weise fahren, dann haben wir schon wieder mehr Verkehr (nicht unbedingt mehr Lärm) und das Gebiet der Umgehungsstrasse ist lärmbelastet oder die Lärmschutzwände sind eben auch Wände, selbst wenn sie begrünt sind. Haben wir nicht schon genug Wände in unserem Leben? Wir wollen doch Freiheit, auch Freiheit von den Grenzen durch Wände aller Art.

Interessanterweise ist das nicht auf die Schweiz und Deutschland begrenzt. Wir finden diese Tatsachen auch in allen entwickelten und weniger entwickelten Ländern, in Kampala (Uganda), in Lagos (Nigeria), in Bangkok (Thailand), in Tokio (Japan), in Hongkong (China), in New York (USA), in Paris (Frankreich), in London (GB), …

Dieselbe Bedeutung haben Schlangen vor Kassen oder vor Essensausgaben oder vor Bahnstationen oder vor Pass-, Gepäck- und Leibeskontrollen. Schlangen gab es in dieser Art schon vor mehr als hundert Jahren. All die Gesetze und Regelungen, die Bürokratie, die schnelle Information per Leitung (Telefon und andere), Welle (Radio und Fernsehen), die Digitalisierung und die künstliche Dummheit haben bisher nichts daran geändert, dass wir immer wieder an unsere persönlichen und technischen Grenzen kommen und im Stau oder in der Warteschlange landen.

Wir sind Menschen mit einem biologischen Körper. Eine zunehmende Anzahl von uns können wir gar nicht mehr als „Menschen bezeichnen“. Zunehmend werden und teilweise sind wir schon „Hybride“. Vieles spricht dafür, dass die Zahl der Hybride in den nächsten Jahren schnell zunimmt. Aber das ist jetzt nicht unser Thema. Statt dessen wollen wir mit unserem biologischen Körper, den wir für nicht gesund halten, zur Ärztin oder zum Arzt. Es muss uns geholfen werden, damit schnell unser biologischer Körper wieder so funktioniert, wie wir uns das wünschen. Aber dort sind auch schon so viele Andere, dass der nächste Termin erst lange im Voraus möglich ist. Als Kranker noch so lange warten? Das kann doch nicht sein. Mit Atemnot, Schmerzen aller Art oder Fieber oder Blutungen und vielem mehr kann ich doch nicht noch Wochen oder Monate auf einen Termin bei der Ärztin oder dem Arzt warten. Das muss sich ändern. Also macht unsere Regierung Gesetze, die das ändern. Die Ärzte wollen zwar immer mehr frei haben, weil sie ja überarbeitet sind und wir heute weniger arbeiten wollen, müssen jetzt aber immer mehr Termine anbieten, also mehr arbeiten. Man muss sie halt zwingen. Erst wollte man ihnen mehr Geld geben, aber Geld haben wir nicht mehr. Die Ärzte müssen halt ohne mehr Geld mehr arbeiten, aber mehr frei haben sollen sie auch (laut Wunschliste der Ärzte und wir Anderen wollen ihnen das ja auch gönnen). Wenn die Ärzte nicht freiwillig mehr arbeiten, dann muss man sie eben mit Gesetzen, Bürokratie und anderen Massnahmen zwingen (weshalb die dann wieder um ihre Freiheit und ihre Rechte kämpfen). In den letzten Jahrzehnten sollte die Medizin immer besser werden. Also wurde das von der Regierung und den nachgeordneten Stellen so verordnet. Da wir die maximal mögliche Medizin haben wollen, wurden in den letzten Jahrzehnten meist die Spitäler und Krankenhäuser mit mehr Geld und Technik, inzwischen sogar neuen Häusern, ausgestattet. Da nicht genug Geld da ist, wurde bei den ambulant tätigen Ärzten auf dem Wege fehlender Lohnerhöhungen trotz Qualitätssteigerungen immer mehr gespart. Die ambulante Medizin ist zwar die Breitenmedizin und daher für uns als Volk wichtig, aber wir können nicht alles haben. Wenn wir die Spitäler und Krankenhäuser der hochspezialisierten Medizin wegen weiter ausbauen, dann können wir es mit der ambulanten Medizin nicht auch. Wir müssen verzichten und für eine ausgeglichene Steigerung sorgen (Soweit Steigerung überhaupt noch bezahlbar und daher möglich ist). Schon als Kleinkind lernten wir von den Eltern „Du kannst nicht alles haben!“ Als Erwachsener gilt das natürlich nicht mehr. Wir sind ja jetzt erwachsen. Wir können ohne Begrenzung alles haben. Glauben Sie das wirklich? Immerwährendes Wachstum.

Wir sind nun so wissend und fähig und modern … Was ist mit uns los, dass uns das selbst mit all diesen Mitteln bisher nicht gelungen ist? Sind das womöglich Grenzen, die wir gar nicht überwinden können können? Was dann?

Wir sind so viele Menschen und sehr viele wollen in die Städte. Da hilft nur verdichten. Verdichten bedeutet aber auch dichteren Verkehr, egal ob Individualverkehr oder öffentlicher Verkehr. Je dichter wie bauen und damit auch leben, desto dichter der Verkehr und um so höher die Wahrscheinlichkeit von neuen Staus. Unsere Erholungsräume werden immer kleiner und enger und wenn wir doch welche finden, dann sind sie immer weiter weg und immer mehr von Anderen schon bevölkert.

Unsere Reviere werden immer kleiner und immer enger. Die Wohnung innerhalb unserer Aussenwände wurde zwar in den letzten Jahren pro Kopf etwas grösser, aber wir leben in Wohnsilos wie Tiere in ihren Boxen im Stall, nur luxuriöser. Viele Reviere überschneiden sich zunehmend, was in der Tierwelt meist durch Stress und Kampf eher vermieden wird. Eindringling, hau ab! Sind wir Menschen da nicht wie Tiere? Auch wir haben gerne ein eigenes Zimmer ohne Fremdbesuch, oft nicht einmal der Eltern. Natürlich zeigen nur die Anderen solches kleinliches Reviergehabe, wir doch nicht? Sind Sie da so sicher? Der Unterschied zwischen „Ich“ und ein „Anderer“ ist nur die Sichtweise, einmal von mir heraus, einmal vom Anderen auf mich. Keine personelle Veränderung bei dem Vorgang. Wenn uns eine versteckte Kamera filmen würde, würden wir schnell staunen. Wir selbst leben mit einem ausgeprägten Reviergehabe, nicht einmal nur wir Männer.

Inzwischen haben wir das Reviergehabe sogar politisch eingeordnet auf eine Seite und nun versuchen wir, diesen dort eingeordneten Menschen das Existenzrecht abzusprechen. Bekämpfen auf Leben und Tod. Sind wir noch bei Trost, wenn wir da mitmachen beim Einordnen und Bekämpfen und Verbieten? Das ist doch einfach nur menschlich, tierisches Menschsein. Können wir Menschsein verbieten? Wir müssten selbst toleranter werden, auch gegenüber dem Dichtestress und Stau, natürlich auch gegenüber der anderen Ansicht der Anderen, aber auch dem Anderssein des Anderen in jeder Hinsicht. Wer kämpft oder bekämpft (egal wofür oder wogegen), zeigt seine eigene Intoleranz.

Was den Verkehr anbelangt haben wir da noch eine Idee: Wir setzen jetzt auf Flugtaxis, auf Drohnen. So sind wir nicht mehr an Strassen auf der Erde gebunden. Wir können Korridore benutzen oder völlig frei herumfliegen, wo wir wollen. Automatisch fliegende Flugtaxis wären doch die Lösung, oder? Den Krach der Rotoren und Motoren haben wir dann überall. Die Geschwindigkeit könnte gross sein, weil wir schnell fliegen könnten, aber das uns immer Jemand von links oder rechts, von vorne oder hinten oder von oben oder unten in die Quere kommen könnte, zwingt uns zum verringern der Geschwindigkeit. Die Unfallgefahr wäre auf dem weiten Lande fast ohne Drohnen und Flugtaxis gering, aber je konzentrierter wir wohnten, desto häufiger würden Unfälle vermutlich werden oder wir wären zu einer extremen technischen Vernetzung genötigt mit hohen Kosten und erhöhten Unfall- und Zufälligkeitszahlen, die wir gar nicht vorausberechnen könnten. Den zunehmenden Krach könnten wir verringern, indem wir die Lärmschutzwände nicht nur an den Seiten, sondern auch nach oben als Dach bauen. Wir leben im dauernden mauerummantelten Raum ohne Sonnenlicht, denn die Sonne wäre mit nach draussen verbannt.

In den letzten Jahrzehnten haben wir uns immer mehr Geld von den National- und Internationalbanken (EZB und andere) denken und in Verkehr bringen lassen. So konnten wir wenigstens die Grenze des fehlenden Geldes hinausschieben. Es spricht aber viel dafür, dass unser Märchen vom Goldesel bald ein Ende nimmt. Was dann?

Ein anderer Stau ist der Stau nach einem Ereignis wie einem Unfall. Im Grunde ist das aber ein Spezialfall der Überfüllung. Ein Zufall und in diesem Fall ein Unfall hat sich ereignet und konkurriert nun noch zusätzlich mit uns um die Fahrfreiheit. Niemand hat ihn vorhergesehen. Sonst hätten die Betroffenen ihn sicher verhindert. Schon wieder eine Grenze, die uns der Stau anzeigt.

Da Zufälle und Unfälle unvorhersehbar auf uns zukommen und nicht voraus berechnet werden können (selbst mit KI (oder AI) nicht), sonst würden wir sie ja verhindern, entziehen sie sich auch unserer Gesetzeswut, unserer Bürokratie, unseren Regelungen und selbst unseren Vorsichtsmassnahmen. Manche können wir verhindern, aber immer noch zu viele eben auch nicht. Sie passieren auch in unserer fortschrittlichen und modernen Zeit.

Ein ganz besonderer Stau ist der Reformstau in unserer Politik. Das ist doch ein komischer Stau, oder? Was hat es mit dem auf sich? Wir haben doch nun schon seit mehr als hundert Jahren Gesetze in Hülle und Fülle für jede Kleinigkeit und Situation erdacht und erlassen, damit auch ja alles gut funktioniert und dann muss dauernd reformiert werden? Wir kommen gar nicht hinterher mit dem reformieren, weshalb dort ein Stau entsteht.

Das haben Gesetze bei uns Menschen so an sich. Wir haben es mit der verdrängten und dann vergessenen 0 zu tun. 2+2 ist nicht einfach 4, sondern 2+2 ist 4+0. Diese 0 ist unser grosses Problem. Wenn wir aus Unzufriedenheit dem Einen zu seinen 2 noch 2 dazu tun, müssen wir die woanders wegnehmen. Dann ärgert Derjenige sich, wo wir die 2 weggenommen haben und dann muss das Gesetz reformiert werden, damit er auch 2 wieder bekommt (die wir dann woanders wegnehmen müssen und dann ärgert sich Derjenige und dann brauchen wir wieder eine Reform, damit auch Derjenige wieder etwas hat). Der Reformstau ist gar nicht auflösbar. Wir können unsere Gesetzemacherei im Akkord getrost beenden. Aber wenn Sie wegen dieser unsinnigen Gesetzerei diese abschaffen wollen, dann bitte ganz vorsichtig, denn dann werden die Ersteren sich wieder beklagen, weil sie nicht mehr 4 haben, sondern nur noch 2.

Wir erleben hier Grenzen in Hülle und Fülle. Nur wahrnehmen und wahrhaben wollen wir sie nicht. Erst wenn wir uns Beulen oder sogar den Tod an der unsichtbaren Grenze holen, dann werden wir zwangsweise wach. Nur, dann ist es oft zu spät … Unsere eigenen Grenzen bedingen die Grenzen unseres gemeinsamen möglichen Wohlstands (oder gar Reichtums). Da nützt auch unser Optimismus nichts.

Ist es nicht völlig einsichtig, dass immerwährendes Wirtschaftswachstum gar nicht möglich sein kann, weil wir selbst an unsere Grenzen kommen und dann natürlich auch an die Grenzen unserer Erde? Viel früher aber erreichen wir unsere eigenen Grenzen, nur unbewusst oder verdrängt. Wenn wir Enttäuschungen erleben in Wirtschaft, Politik und Privatleben, dann liegt das auch daran, dass wir, optimistisch, wie wir sind, unsere eigenen Grenzen nicht rechtzeitig wahrnahmen.

Verstehen kann ich den Wunsch nach immer währendem Wirtschaftswachstum, nach staatlicher und männlicher Grösse, aber... Es ist gar nicht möglich. Bitte verzeihen Sie mir. Ist „MAGA“ nicht GAGA? Nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Teilen der Welt, auch in der Schweiz und in Deutschland und in unserer kleinen Welt?

Wenn ich länger über diese Zusammenhänge nachsinne, dann frage ich mich zunehmend, wie es sein konnte, dass auch ich Jahrzehnte lang an immer währendes Wirtschaftswachstum geglaubt habe. Da wir Menschen Wirtschaftende und Handelnde sind, kann das gar nicht gehen. Für uns Menschen auf der Erde (in unserer Welt einschliesslich Kosmos) ist unser Leben und Wirken eng begrenzt. Wir haben nur nicht tief und lange genug nachgedacht, haben nicht unsere eigenen Ansichten hinterfragt.

Da wir spätestens seit 1971 (Bretton-Wood) unsere Nationalstaaten finanziell überfordern, merken wir unsere eigenen Begrenzungen sehr viel weniger. Die Realität wird uns das aber nicht durchgehen lassen. Wir werden die Folgen aushalten müssen, auch wenn wir alles versuchen werden, sie zu entschärfen oder aus dem Weg zu räumen.

Der Stau wirkt noch auf eine ganz andere Weise. Wir Menschen können selten mehr als einen Vorgang, eine Arbeit, eine Lerneinheit, eine Kommunikation zur gleichen Zeit angemessen leben. Meist konkurrieren beide Tätigkeiten um unsere Aufmerksamkeit, sodass eine zurückgedrängt wird und früher war deshalb im Auto das Telefonieren während des Fahrens verboten. Heute ist das Telefonieren oder anderes während des Autofahrens fast Pflicht, weil wir sonst unsere Arbeit bzw. Steigerung der Arbeitsintensität (und damit Wirtschaftswachstum) anders gar nicht bewältigen können.

Bis zu einer gewissen unsichtbaren Grenze können wir so leben. Dann werden wir krank, müde, ausgebrannt und vieles andere mehr, was unsere Leistung einschränkt. Wir haben unser Optimum, unsere Grenze der Leistungsfähigkeit, überschritten. Dadurch entstehen Ausfallkosten und Gesundheitskosten und andere Kosten. Wir haben uns heute angewöhnt, diese Zustände als „Krankheiten“ zu bezeichnen und auch entsprechend zu behandeln. Sind diese betroffenen Menschen nicht eigentlich gesund? Sie haben sich und wir haben sie nur einfach überfordert und das ist dem Menschsein gar nicht angemessen? Falsch gelebt? Nicht die eigenen Ansichten hinterfragt? Nicht ausreichend die Situation durchdacht? Nicht auf andere Ideen gekommen. Das etwas „alternativlos“ ist, ist eine sehr fragwürdige Aussage. Da wir nicht wissen, was wir nicht wissen, könnte es auch sein, dass wir nur nicht auf andere Ideen gekommen sind und deshalb keine andere Möglichkeit sahen. Zu eng gedacht.

„Clever“ ist, wer vor Erreichen dieser unsichtbaren Grenze Halt macht. Aber diese Grenze zeigt auch „Mehr geht nachhaltig nicht!“.

Diese Grenze bewirkt bei unseren Frauen z.B. auch, dass sie weniger Kinder bekommen, als für die ausgeglichene Demographie unseres Volkes notwendig wäre. Das sehen wir inzwischen bei vielen (allen?) Völkern, die einen gewissen Lebensstandard erreicht haben. Wir werden also weniger. Keine weitere Bevölkerungsexplosion, sondern eine Bevölkerungsimplosion. Das ist nicht weiter schlimm, hat aber einige Folgen:

Da wir im gleichen Zug immer älter werden, werden immer weniger Junge für immer mehr Ältere die Arbeit erledigen müssen. Die sind ja jetzt in Rente, wenn nicht sogar im Pflegeheim, was viel Leistung der Jungen und damit auch Geld der Alten erfordert. Diese Grenze werden wir nicht sinnvoll entschärfen können (Es sei denn, wir liessen uns in Zukunft nur von Robotern pflegen und würden auch nur noch mit Robotern kommunizieren. Das klingt sehr menschlich und verheissungsvoll, oder?).

Seit mindestens 500 Jahren verbessern wir also unsere Welt und am Ende werden wir die Hölle errichtet haben. Wie konnte denn das passieren? Der lebende Gott und/oder das leblose allgemeine Sein und/oder die evolutionäre Natur hatten uns offenbar in einem Gleichgewicht der Lebewesen (bei denen, die an den lebenden Gott glauben, unter dessen Einschluss) entwickelt oder geschaffen. Solange dieses Gleichgewicht bestand, war gemeinsames Leben auf dieser Erde möglich. Erst unsere Verbesserung dieser Welt nach unseren Vorstellungen hat das geändert.

In der Wirtschaft aber gelten Regeln, wonach eine grössere Anzahl eines produzierten Dings in der Fabrik meist die Herstellungspreise senkt. Wenn von der geringeren Anzahl Menschen gar nicht mehr so viel gebraucht wird oder verbraucht werden kann und dann sogar mehrere Hersteller darum konkurrieren, dann werden die Herstellungspreise wieder steigen. Gleichgerichtet gibt es noch etliche andere Folgen.

Jeder Stau, nicht nur auf der Autobahn, zeigt uns unsere Begrenztheit, die wir nur in engen Grenzen sinnvoll hinausschieben können, aber nicht entfernen können, schon gar nicht, wenn wir auch noch auf ein nachhaltiges und damit langfristig ausgeglichenes Finanzsystem achten wollen.

Mit Gesetzen haben unsere Regierenden, Diktatoren oder Demokraten spielt da gar keine Rolle, unsere Welt immer besser gemacht und uns dazu gezwungen. Heute sehen wir, was dabei herausgekommen ist. Wir haben uns die Vielzahl von Gesetzen gemacht, deretwegen wir um unsere Freiheit kämpfen müssen. Das war offenbar nicht der gangbare Weg, war nicht die wegweisende Lösung. Wir müssen uns selbst freiwillig, allein durch Einsicht ändern. Wir werden uns freiwillig ändern, ohne Gesetzgebung.

„Ich kenne meine Grenzen!“ höre ich von nicht Wenigen um mich herum. Das würde ich inzwischen bei sehr Vielen und selbst bei mir bezweifeln. Da ich nicht weiss, was ich nicht weiss, weiss ich auch nicht, was meiner Ansicht über meine Grenzen entgegen stehen könnte. Das begrenzt meine Kenntnis und die Möglichkeit meines „Wissens“ generell und natürlich auch in Bezug auf meine eigenen Grenzen.

Unsere Begrenztheit im Leben zwingt uns offenbar, uns den Regeln des lebenden Gottes und/oder des leblosen allgemeinen Seins und/oder der evolutionären Natur zu unterordnen, nicht umgekehrt.

Für uns heute Lebende heisst das mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rückgang unserer finanziellen Reserven, einen Rückgang unserer Einkommen, einen Rückgang unserer finanziellen Profite, aber auch unserer realen Gewinne. Wer nicht freiwillig verzichtet, den wird die Realität (oder der Realität?) auflaufen lassen, also indirekt zwingen.


1 March 2026
wf