Wie leben? Wissenschaft und Medizin und Technik

Wie können wir leben?

15 Wissenschaft und Medizin und Technik: (01.05.2020)

Philosophie, Wissenschaft und Religion in einem Boot:

Hinter den Grenzen unseres Denkens und Nachdenkens beginnt bereits das „Jenseits“. Das „Jenseits“ ist also durchaus bereits im „Diesseits“, im „Hier und jetzt“. Beide Sphären überlagern sich in dieser Welt und bestimmen sich in der Beziehung zu mir. In gewissem Sinne bestimme auch ich sie.
Es ist relativ einfach zu verstehen, dass wir über das Jenseits kaum etwas wirklich wissen können. Das ist auch ein Grund, warum ich mich da sehr zurückhalte.
Wie aber ist es mit dem Diesseits? Wir sind Teil der Erde, leben in ihr, verändern uns mit ihr. Und doch sind wir in unserer Persönlichkeit, ja auch mit unserem Körper und seinen Strukturen der Erde oder der Welt gegenüber gestellt. Wir sind also Teil des Diesseits und auch wieder nicht Teil, sind fremd.
Nur was wir einerseits wissen und andererseits aus unserem Erleben heraus glauben können, dass ist für uns wahr im wahrsten Sinne. Wir Menschen neigen sehr dazu, was wir nicht erleben und nicht kennen, als nicht existent zu halten. So glauben wir es nicht. Wenn uns aber jemand gefühlsmässig so richtig mitnimmt, dann glauben wir ihm undurchdacht alles, auch den dümmsten Unsinn. Wir brauchen beides, Wissen und (Er-)leben. Das ist ganz einfach menschlich. Dazu brauchen wir ausgeprägte Kritikfähigkeit unseren eigenen Gefühlen gegenüber. Das Jenseits ist uns viel näher als uns lieb ist. Es beginnt bereits „hinter der nächsten Strassenecke“. In der Medizin kann das mitunter sehr fatal sein.
Sie werden das berühmte Höhlengleichnis von Platon kennen? Falls nicht, möchte ich Sie bitten, einmal z.B. bei Wikipedia kurz nachzulesen. Es dauert nicht lange, aber ein bisschen Zeit lohnt sich auch, dem nachzudenken. Es hilft uns, manche der kommenden Gedanken leichter nachvollziehen zu können.
Wir stellen fest, dass wir in unserer Position als Ich eine Vorstellung haben wollen und müssen von unserer Umgebung. Da gibt es das Diesseits. Als Instrument haben wir in den letzten gut zwei Jahrtausenden dafür die Wissenschaft entwickelt. Eigenartigerweise bereits viel früher hat der Mensch die Religion entwickelt im Bemühen um Kenntnisse über das Jenseits, das ja in gewissem Masse weiter entfernt erscheint und schwerer zu ergründen sein dürfte. Ob es auf diese Frage eine Antwort gibt?
Die Wissenschaft ist der Teil in unserer Gesellschaft, „der Wissen schafft“. Das klingt sehr gut und sehr positiv. Weiteres Nachdenken erübrigt sich. Es stellt sich nur die Frage, was für Wissen das denn ist. Ist es eine richtige Beschreibung von Realität? Ist es eine zutreffende Beschreibung vom Umgang mit Realität? Was ist eigentlich unsere reale Umwelt? Können wir sie so einfach erkennen, beschreiben und benutzen? Gibt es vielleicht Hinderungsfaktoren für Wissen, die die Wissenschaft kennen und umgehen muss oder gibt es womöglich andere Faktoren, die die Wissenschaft gar nicht umgehen kann?
Bevor wir uns wissenschaftliche Gedanken machen, müssen wir eine religiös-philosophische Frage klären, die von 1 und 2. Wollen wir die Welt als eines betrachten? Dann sind wir eins mit der lebenden und der toten Welt. Ich bin die Welt und die Welt bin ich. Dann gibt es nur Sein und keinen Schein. Dann ist die Welt wie ich sie wahrnehme. Dann kann ich auch nicht getrennt von etwas (der Welt) oder jemandem sein oder durch etwas. Dann gibt es kein „gut“ und kein „böse“. Dann gibt es keine Schuld. Dann bedarf es keiner Versöhnung, keiner Einheit. Es gibt ja nur eins. Dann gibt es auch keinen Gott, jedenfalls keinen Gott, der nicht ich ist und ich in ihm. Und ausser diesem Einen, und sei es das riesige Universum, gibt es dann nichts. Alles um mich herum wäre dann sehr unpersönlich und ich müsste mich fragen, warum ausgerechnet ich eine Persönlichkeit, ein Ich bin. Woher sollte ich dann gekommen sein, wohin wieder gehen? Zum Glück gibt es andere Menschen. Aus welchem Grunde und auf welchem Wege sollte ein unpersönliches Es oder sogar Nichts Menschen, Persönlichkeiten, geschaffen oder über den Umweg der Evolution entwickelt haben?
Die heute oft vertretene Ansicht, es gebe keinen Gott, unterscheidet sich von der unpersönlichen, rein materiellen Seinsform des Kosmos, eines grossen allgemeinen Seins (wie auch immer man das dann in religiösen Begriffen z.B. östlicher Religionen nennen will) im Grunde nicht. Der Unterschied ist die Persönlichkeit in mir und ausserhalb von mir.
Nun können wir das Eine oder das Andere glauben. Es ist immer eine Welt- und Menschenanschauung, ein Glaube. Mehr ist gar nicht möglich. Die Wissenschaft kann zu dieser Frage weder positiv (als Beweis) noch negativ (als Ausschluss) etwas beitragen.
Wichtig ist diese Unterscheidung deshalb, weil auf dieser Weltanschauung alles Folgende beruht: Was will ich wissen oder erkennen? Wie kann ich meine Umwelt untersuchen, um Wissen zu bekommen? Wieweit ist wissen eigentlich möglich? Was kann ich mit diesem Wissen anfangen und was fange ich tatsächlich damit an? Verändere ich mich dabei? Was ist Leben? Kann ich überhaupt eine Antwort auf diese Frage bekommen? Wie fasse ich den Menschen und Persönlichkeit auf? Gibt es Beziehung zu anderen Menschen und wenn ja, wie gestalte ich die sinnvoll? Was ist sinnvoll? …
Gibt es Leben, Persönlichkeit, Gott in meiner Weltanschauung, in meinem Denken und Nachdenken, werden die Antworten anders lauten, als wenn es das bei mir nicht gibt. Unsere Antworten auf diese Fragen müssen wir immer im Hinterkopf behalten, wenn wir die Richtigkeit von Theorien, von Annahmen, von Ergebnissen an der Realität überprüfen. Alle folgenden Ergebnisse werden abhängig davon unterschiedlich ausfallen.
Gott und/oder die Evolution haben eine Realität erschaffen und/oder entwickelt. Bei der Wissensermittlung, bei der Erforschung und Beschreibung unserer Umgebung, müssen wir uns immer klar sein darüber, dass die Welt real ist, nicht unsere Theorien, Definitionen, Beschreibungen, Ansichten. Die Theorien und Definitionen schaffen wir Männer. Sie sind daher immer bezogen auf Realität, aber sie sind nicht die Realität an sich. Die Realität ist immer real, richtig, absolut. Wer oder/und was ist Realität? Wenn etwas nicht stimmig ist, dann sind immer unsere Theorien und Definitionen falsch, niemals umgekehrt.
Wissen braucht Sprache, also einen Begriff, einen Namen. In der Medizin kommt irgendein Arzt auf die Idee, eine Kombination von Beschwerden als Krankheit aufzufassen. Er gibt ihr einen Namen (früher benutzte man dazu oft den Namen dieses Arztes) und dann wusste man, worüber man redet, auch wenn man von der Krankheit eigentlich noch gar nichts wusste. Im Laufe der Zeit fand man weitere Zusammenhänge und Besonderheiten. Man fand Mechanismen, vielleicht sogar Therapiemöglichkeiten. Alles wird mit diesem Begriff verbunden. Ab wann dürfen wir sagen, dieses Wissen ist sicher, ist richtig, ist „evidenzbasiert“?
Gibt es ein absolutes Wissen oder ist Wissen immer nur relativ, im Verhältnis vom Betrachter zum Objekt? Die Frage können wir jetzt schon beantworten.
Wenn Wissenschaftler auf Grund physikalischer, mathematischer, chemischer und vieler anderer Naturgesetze die Welt für ein Ganzes in Allem halten, dann folgt nicht zwingend daraus, dass die Naturgesetze immer gelten und somit zum Beispiel kein Platz für Gott wäre. Das kann man daraus nicht schliessen. Man kann nicht eine Voraussetzung, die man vorher festlegt, hinterher als Beweis für eine Tatsache nehmen. Wir wissen nicht, ob Naturgesetze immer gelten, ohne Ausnahme. Die Wissenschaftler haben nur keine Ausnahme gefunden und benutzen diese Tatsache, um eine einheitliche Beschreibung unseres Universums zu erstellen. Wenn wir bisher keine Ausnahme gefunden haben, besteht in Zukunft für jedes Ereignis wieder die Wahrscheinlichkeit von 50 zu 50, dass ja oder nein, rechts oder links oder gar noch viel mehr Möglichkeiten eintreten können. Naturgesetze können wir nur als Naturgesetze erkennen, wenn wir zuvor die religiöse Entscheidung getroffen haben: Alles ist eins. Dann wären auch Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft eins. Unter diesen Voraussetzungen können theoretische Physiker auf die Entwicklung der Vergangenheit bis zu einem Urknall schliessen und auch in die Zukunft bis zu einer Ex- oder Implosion oder was auch immer. Sie durchforschen das Universum. Eigentlich müssten wir genauer sagen: Sie durchdenken das Universum. Sie schaffen Theorien. Theorien sind aber nicht die Wirklichkeit. Viele Wissenschaftler denken mit dem (Vor?)urteil, vielleicht ja Fehler, dass sie alles als eins auffassen, bereits die Theorie, den Schein als Sein. Woher wollen Wissenschaftler immanent Hinweise für Transzendenz finden oder umgekehrt aus dem Fehlen von Hinweisen auf das Fehlen von Transzendenz schliessen? Wahrscheinlich müssen wir uns die Begrenzung des Universums wie die Übergangszone zwischen „Schwarzem Loch“ und Umgebung vorstellen? Die Umgebung zieht mit maximaler Kraft alles, was uns Information geben könnte, in die Transzendenz ab? Oder sind die „Schwarzen Löcher“ vielleicht Ausdruck von Transzendenz? Wer will die Frage denn beantworten? Zu Beginn aller Wissenschaft, aller Technik, allen bewussten Lebens steht die philosophisch-religiöse Entscheidung: Eins oder zwei? Wenn Decartes gesagt hat „Ich denke, also bin ich“, dann würde ich ein wenig weiter gehen: Ich denke nach und finde mich damit in Abgrenzung zu allem Anderen, zur Welt, zu den anderen Menschen und auch zu Gott. Wenn ich mir aber selbst bewusst werde, dann ist die eine Möglichkeit, die von 1, schon gestorben. Wenn wir die Gottesfrage beantworten wollten, dann müssten wir sie eher mit „ja“ als mit „nein“ beantworten, da wir uns selbst ja bewusst geworden sind. Folgen wir also Platon. Fieserweise müssten wir umgekehrt folgern: Diese Wissenschaftler sind gar keine Persönlichkeiten. Sie sind reines „Es“. Ich wünsche Ihnen, dass Sie jetzt heftig gegen mich revoltieren.
Platon geht von Sein und Schein aus, also von 2. Ich bin ich und nicht Du. Ich bin allein, getrennt und versuche nun die Welt, die Menschen, Gott um mich herum zu erkennen, zu verstehen, mich mit ihnen zu versöhnen, irgendwie Einheit zu schaffen. Aber was ich auch denke, es bleibt immer eine Lücke, ein „missing link“ zwischen mir und Gott, mir und der Umwelt, mir und Dir. Die religiös-philosophische Entscheidung heisst: Alles ist nicht eins (mindestens 2 oder sogar mehr).
Die Frage: Eins oder nichteins ist die Grundfrage. Erst danach kommen Wissenschaft, kommen Religion, kommen Beziehungen, kommt Politik und alles weitere. Diese Frage ist eine Glaubensfrage und egal welche Antwort ich glaube, es ist Glaube. Diese Frage kann die Wissenschaft nicht klären, auch Genies wie Stephen Hawking oder Einstein und viele Andere nicht. Die wissenschaftliche Erkenntnis und geniale Erforschung des Universums von Stephen Hawking und Kollegen und ihre Schlussfolgerungen setzen die religiöse Entscheidung voraus „Alles ist eins.“
Das Höhlengleichnis können wir auch gleich noch auf eine zweite Frage anwenden. Können wir die Welt einfach so benutzen (nicht nur erkennen), als wäre sie eins, als würde sie (zu) uns gehören? Viele Beobachtungen sprechen eher dagegen.
Wir müssen leben, als wenn Naturgesetze immer gelten (zumindest materielle), aber wir müssen auch immer offen lassen, dass Prozesse plötzlich anders verlaufen, einmal oder immer. Der wissenschaftliche Glaube an die ausschliessliche Gültigkeit von Naturgesetzen ist ein Glaube, den die Naturwissenschaft nicht beweisen kann. Im uns überschaubaren (kleinen) Rahmen gelten sie. Das haben Wissenschaftler immer wieder festgestellt und das dürfen, ja das sollten wir besser glauben, wenn wir nicht eines plötzlichen Todes durch Sturz oder anderes sterben wollen. Die Wissenschaftler haben aber die Zukunft nicht schon in der Tasche, nicht einmal die Vergangenheit. Zukunft ist offen und nur offen denkbar. Wissenschaftler können nur daran glauben, dass sie mittels der Naturgesetze die Zukunft vorhersagen können. Der freie Wille versucht, in die biologischen Naturgesetze immer wieder einzugreifen, und schafft damit Chaos. Neben dem freien Willen gibt es ja auch noch den Zufall, der immer wieder Störfeuer in der Naturgesetzlichkeit darstellt. Mittels Naturgesetzlichkeit und der Annahme ihrer Wirksamkeit bis in alle Zeit zurück haben Wissenschaftler auf den Urknall geschlossen. Das kann man so tun und es klingt etliches sehr plausibel. Da aber die erste Entscheidung eine Glaubensentscheidung war, müssen wir auch bei der Evolution des Universums von einem Glauben, von einer Theorie sprechen. Wir können oder müssen sie glauben. Wissen haben wir jedoch nicht.
Gibt es überhaupt Naturgesetze? Sind tote Materie und lebende Wesen mit den gleichen Methoden untersuchbar mit dem Ziel zutreffender Wissensermittlung? Gibt es da Unterschiede? Ist vielleicht ein physikalisches Grundgesetz wie die Gravitation einfach auf die biologische Welt übertragbar oder die Gesetze der Statistik oder eben doch nicht? Gilt in der belebten Welt in gleicher Weise wie in der Mathematik der Grundsatz, dass ein Rechensatz in der Umkehr genauso stimmt? Gibt es doch Unterschiede zwischen belebt und unbelebt in dieser Hinsicht? Solange wir nicht wissen, was Leben (oder auch Seele und Geist) oder Menschsein ausmacht, wissen wir doch gar nicht, welche Untersuchungsmethoden am lebenden Objekt angemessen sind. Alle unsere Untersuchungsergebnisse können nur vorläufig sein.
Wir sollten Naturgesetze vielleicht besser nur als „Naturregeln“ auffassen und bezeichnen. Gesetze schaffen einen Absolutheitsanspruch, den sie nicht einhalten können, selbst wenn sie milliardenfach gegolten haben. Wir lassen sie mal als „materielle Naturgesetze“ so gelten, wohl wissend, dass diese Annahme nur näherungsweise gilt, nicht aber absolut. Zumindest Leben ist widersprüchlich und straft damit alle Gesetze Hohn. Leben spielt sich ab in und mit Regeln und Regellosigkeit (Freiheit und Zufall), im Schein und im Sein. Deshalb nenne ich diese Form „biologische Naturregeln“. Sie können gar keinen Anspruch auf Absolutheit erheben. Leben ist immer relativ, ist immer widersprüchlich. Die biologischen Naturregeln gelten sehr häufig und immer sollten wir erst einmal von deren Geltung ausgehen. Im zweiten Satz müssen wir uns aber immer damit beschäftigen, dass für diese Regeln auch Ausnahmen gelten, die wir anders verstehen und anders zu behandeln haben.
Albert Einstein stellte die Relativitätstheorie auf, die in der Welt der Atome und derer Teile funktioniert, im Mikrokosmos. Stark vereinfacht gesagt, kann man ein Teil nicht beobachten, ohne seinen Ort und/oder seine Geschwindigkeit zu verändern. Damit hat man durch die Beobachtung die Eigenschaften des Teilchens verändert. Der Beobachter kann einem Teilchen nicht ohne Einfluss auf das Teilchen zuschauen.
In ähnlicher Weise kann man für den Makrokosmos Regeln aufstellen, vor allem für den lebenden Teil:
Vor 500 Jahren zogen unsere männlichen Ahnen in die Welt hinaus, um die Welt zu erkunden. Fortan war aber dieser Teil der Welt nicht mehr der, der er vorher war. Die Folgen beschäftigen uns noch heute.
Wird ein Kind in eine Familie adoptiert, ändert sich die Architektur der Familie. Wollen ein paar Menschen eine Sehenswürdigkeit sehen, ist das kein Problem. Überschreitet die Zahl derer ein gewisses, vorher meist unbekanntes Limit, dann wird die Sehenswürdigkeit oft so verändert, dass sie keine mehr ist. Es kommt auf die Relationen an.
Leben auf diesem Globus die verschiedenen Arten in einer relativ konstanten Verteilung zu einander, herrscht nicht unbedingt Frieden, aber es gibt eine langfristige gemeinsame Zukunft. Beginnt eine Spezies durch plötzlichen Gewinn von Mitteln, sich über alle anderen Arten hinaus zu entwickeln, zu vermehren und zu herrschen, gerät das Gleichgewicht aus dem Gefüge und die gemeinsame Zukunft wird fragwürdig. Für alle ausgestorbenen Arten ist sie schon dahin.
Auch der Makrokosmos ist sehr relativ, nur auf andere Weise.
Der Mensch ist immer relativ, in Bezogenheit zur Umgebung, nur gegenüber sich selbst nicht. Uns selbst sind wir absolut. Wenn der Mensch sich aber absolut macht (vor allem eine männliche Handlungsweise), dann wird er unmenschlich, damit aber leider nicht automatisch göttlich (was ja eine Möglichkeit wäre und früher haben die Herrscher sich deshalb als Gottheiten verehren lassen. Heute tun es die Nachfolger nicht viel anders). Deshalb Männer, meidet den Wahrheitsanspruch. Wer selbst den Anspruch stellt, die Wahrheit auf seiner Seite zu haben, sie zu vertreten, im Recht zu sein, der liegt meistens falsch, auch wenn er Kaiser, Sultan, Revolutionsführer, Wirtschaftskapitän oder Religionsführer ist.
Wenn wir realistischer werden wollen, dann müssen wir kritischer werden und vor allem selbstkritischer werden, Wissenschaftler, Politiker, Führer. Gutes wollen alle, aber die Realität? Letztere entscheidet über richtig und falsch.

 

Wissenschaft und Technik und Mathematik:

Nun wollen wir Wissenschaft treiben. Wir wollen unsere Umwelt kennenlernen, verstehen und in ihr leben. Was tun wir also?
Wir sehen uns um und erfassen jedes Detail, beschreiben es, definieren es, lernen den Umgang mit ihm. Bei der Beschreibung gibt es mehrere Möglichkeiten. Wir benutzen unsere Sprache dazu und können uns auf diese Weise der Umgebung bewusst werden, uns ihrer erinnern, sie anderen beschreiben, die Beschreibung speichern. Eine andere Sprache ist die Mathematik. Wir können viele Details und vor allem Prozesse mit mathematischen Formeln, Zahlen und mathematischen Bildern besser beschreiben als mit sprachlichen Begriffen. Die Physik hat sich ihre eigene Darstellungsweise entwickelt, die Chemie und andere Fachgebiete ebenso.
Jedes Detail lösen wir aus dem Kontext, aus dem Zusammenhang, aus dem zeitlichen Prozess heraus, um eine möglichst genaue Darstellung zu bekommen. Hinterher müssen wir das Detail auch wieder in den Kontext eingliedern und die Beschreibung neu aufnehmen. Das erfordert viel Feinarbeit und Abstimmung. Je mehr solcher Arbeiten wir erledigt haben, desto klarer wird uns der Sinn von Wikipedia oder früher von dicken Lexika.
In der leblosen, rein materiellen Welt sind diese Vorgänge noch recht einfach. Die detaillierte Forschung erscheint machbar. Ob wir wirklich die Beschreibungen und Formeln als mehr als nur Theorie (als Schein) bewerten dürfen, ist trotzdem sehr fragwürdig. Formeln und Beschreibungen sind Theorien, damit wir sie besser handhaben können, meist sogar möglichst einfache Theorien. In der materiellen Welt werden auf diese Weise Schein und Sein wohl relativ deckungsgleich oder nahe beieinander sein können. Forscher schliessen gerne aus einem abgeschlossenen, in sich mathematisch stimmigen Abbild, dass es der Realität entspreche. Denken wir wieder an die Vorentscheidung von 1 und 2. Im ersten Falle kann man das so tun, im zweiten nicht. Das wissenschaftliche Ergebnis hängt also von der religionsphilosophischen Entscheidung vorher ab. Da es einen Forscher und Wissenschaftler gibt, der ja wahrscheinlich sich selbst als Persönlichkeit wahrnimmt und versteht, spricht die Wahrscheinlichkeit eher gegen seine Vorentscheidung von 1. Dass der Forscher aber mit seinen Beschreibungen wirklich Recht hat, können wir nicht überprüfen. Das muss er glauben (oder auch nicht) und das müssen wir ihm glauben (oder auch nicht).
Aktuell gibt es dazu ein wunderschönes, spannendes, bekanntes Beispiel: Das „Schwarze Loch“ im Weltall. Finden wir doch derzeit als Ergebnis einer Forschungsgruppe Aufnahmen von dem „Schwarzen Loch“ in Zeitschriften, Zeitungen, dem Internet und anderen Medien. Haben Sie mal so eine Aufnahme gesehen? Googeln Sie einfach fix einmal. Ich bin ziemlich blind. Das weiss ich, wenn meine Frau und ich vergleichen, was wir so sehen. Ich sehe da einen schwarzen Fleck, kein Loch. Und warum sehe ich den schwarzen Fleck? Weil es darum herum heller ist. Ohne die Abgrenzung zur Andersartigkeit um diesen Fleck herum, würde ich ihn gar nicht wahrnehmen. Wie kommt man nun auf die Idee, diesen schwarzen, recht unspektakulären Fleck als das „Schwarze Loch“ zu bezeichnen?
Die Verbindung bringt uns eine Story, die uns dazu erzählt wird: Das Licht um das „Schwarze Loch“ sei mit Lichtgeschwindigkeit zwischen 400 und 500 Jahre lang geflogen, um die Erde zu erreichen. Was wir da sehen, ist also schon mal fast 500 Jahre her. Um diese Lichtstrahlen so anzuordnen, dass daraus ein der Story entsprechender Fleck entstehen konnte, brauchte man eine Reihe gut zusammenarbeitender Observatorien rund um den Globus mit feinster Abstimmung der Messanordnungen aufeinander. Sehr vereinfacht gesagt, der gleiche Grund, warum wir mit zwei Augen sehen und nicht nur mit einem (Räumliches Sehen). Es besteht also für die Darstellung ein Verhältnis von über 400 Lichtjahren Distanz zu etwas mehr als 10000km Entfernung zwischen den einzelnen Beobachterstationen auf unserer Beobachterkugel. Da bedarf es schon wirklich hochpräziser Geräte und Anordnungen, um diese kleinen Winkeldifferenzen, Zeitdifferenzen etc. überhaupt wahrzunehmen. Auf der Erde würden ja Wind und Wetter stören, aber im Weltall? Wind und Wetter gibt es dort nicht, aber Gravitationen, Magnetströme und andere Störfaktoren ja doch. Alles im Griff und herausgerechnet, über jeden Zweifel erhaben. Wir glauben die Story mal einfach so.
Nun wird es ja eigentlich erst richtig spannend: Schwarzes Loch? Also nichts drin. Leer. Eben schwarz. Die Wissenschaftler sagen aber das Gegenteil. Da drinnen ist so viel Masse, dass die Gravitation alle anderen Kräfte übertrifft und nichts, nicht einmal mehr Licht heraus kommt. Daher: Schwarz. Woher wissen die Wissenschaftler das denn dann alles? Ich habe nicht gehört, dass ein chinesisches Raumschiff gerade von dort zurückgekehrt sei und berichtet habe. Das wäre ja auch noch einmal eine Story. Es wird sicher bald solche Berichte geben, denn Geschichten erzählen uns viele und Geschichten umdeuten ist noch beliebter.
Die Wissenschaftler haben das berechnet, berechnet aus physikalischen und mathematischen Ableitungen, berechnet über Naturgesetze der Mathematik. Schon die Entfernung wird ja mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür sorgen, dass in den nächsten tausend Jahren kein Mensch dort nach der Realität schauen wird. Selbst wenn ein Mensch sich in das schwarze Loch ziehen lassen würde, um zu erkunden, was dort wirklich los ist, würden wir von ihm nichts erfahren. Es ist eine Grenze, die dem Tode irgendwie gleicht, hin, aber kein zurück, tauchen ins Ungewisse. Zählen wir dieses „Schwarze Loch“, so es nicht nur ein mathematisches Hirngespinst ist, denn zur Immanenz oder zur Transzendenz, zu unserer erfahrbaren Welt oder zum Jenseits? Wir haben doch gar keine Ahnung! Und dann gibt es Wissenschaftler, die unter all diesen Erkenntnissen sagen, sie hätten herausgefunden, dass es keinen Gott gebe. Also, sie werden diesbezüglich Recht haben, dass das „Schwarze Loch“ sicher nicht Gott ist, jedenfalls sicher nicht der, an den ich glaube. Aber eine Aussage über Gott und die Realität und Materie und Leben angesichts so vieler Annahmen, die wir doch gar nicht überprüfen können? Klingt eher nach Glauben als nach Wissenschaft, oder?
Trotzdem, in der materiellen (leblosen) Welt könnte die Übereinstimmung von Schein und Sein relativ gross sein. Das muss aber immer wieder an der Realität überprüft werden. Das ist bei der Materie nicht so schwierig, weil sie sich ohne lebende Prozesse relativ langsam verändert. Da braucht es dann Millionen Jahre, bei schnellen Prozessen wie der Erosion durch Wind und Wetter auch mal nur Jahrzehnte. Schnelle Veränderungen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche etc. sind selten. Das zu verstehen und zu bearbeiten, reicht unsere menschliche Hirnkapazität noch einigermassen aus. Wissenschaftler benutzen trotzdem gerne die automatisierte Datenverarbeitung.
Wissenschaft versucht mit ihrer Methodik, klare, detaillierte Strukturen und Prozesse zu erfassen und zu beschreiben. Das ist ein Wesensmerkmal der Wissenschaft und das ist auch unverzichtbar und in Ihrem Wert ist die Wissenschaft kaum zu überschätzen. Die Vielfalt des Lebens steht dem jedoch konträr entgegen. Die Wissenschaft muss diese Vielfältigkeit bestmöglich ausklammern (nur bestimmte Bedingungen, das ist Methode im positiven Sinne). Die Ergebnisse stimmen dann aber auch nur unter den gegebenen Bedingungen. Es ist von vorne herein klar, dass Theorie und Wirklichkeit in der Wissenschaft am Leben auf diese Art und Weise weit auseinanderklaffen. Um so wichtiger ist nach Schaffen der Theorie, der Beschreibung und Erfassung, der erneute Abgleich mit der Realität. Können wir nicht fast schon vorhersagen, welches Ergebnis wir finden werden? Das wird uns später noch in der Medizin mehr beschäftigen. In der Regel werden wohl die Theorien mehr oder weniger von der Realität abweichen.
Unter der Annahme, dass das mathematische System in sich geschlossen stimmt und Realität ist, kann man theoretisch vieles berechnen und dann als existent glauben. Mathematik ist eine Zwitterstruktur, Realität und Theorie zugleich. Ich bin gar nicht sicher, ob wir das auseinander halten können. Vielleicht kommt es auf die Beziehungen an? Mathematik als System ist reine Theorie. Ist die Stimmigkeit von Formeln, Ableitungen, Konstanten, Gleichungen etc. in der Mathematik wirklich ein Realitätsbeweis? Mathematik in Anwendung ist Mittel zum Zweck, ist Sprache, ist Theorie in Bezug auf Realität. Mathematik ist teilweise auch selbst Realität (z.B. im uns erfahrbaren Makrokosmos ist 2+2=4. Da wird es sehr, sehr selten Ausnahmen geben). Das können Sie selbst überprüfen.
In der Statistik (einer Sonderform von Mathematik) werden verschiedene Grössen benutzt, um Wahrscheinlichkeiten und Grenzwerte zu bestimmen. Standardabweichung, Varianz, Signifikanz etc. sind solche Begriffe. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass diese Grössen reine statistische Grössen sind. Sie geben Wahrscheinlichkeiten innerhalb der Theorie, innerhalb der Berechnungen an. Es gibt keine statistische Grösse, die uns die Übereinstimmung von Theorie und Praxis, von Beschreibung und Realität, von Berechnung und Wirklichkeit, von Schein und Sein angibt. Das geht schon rein gedanklich, rein technisch gar nicht. Sie können die Richtigkeit von Theorien nur selbst mit ihrem eigenen Körper oder anderen Körpern in der Wirklichkeit überprüfen. Das heisst aber auch, dass Sie am besten mit ihrem Körper, mit und auf beiden Beinen und mit Ihrem (kühlen) Kopf im Leben stehen und wach die Diskrepanzen und Übereinstimmungen wahrnehmen, vor allem die eigenen.
Jede noch so wunderbar berechnete Wahrscheinlichkeit ist Theorie. Das können wir uns nicht klar genug machen. Real ist nur die Realität. „Proven evidence“ mit Studien? Geht das überhaupt? In der Medizin wird heute zwar in grossem Stil mit Studien nach Beweisen für die Richtigkeit von Annahmen und von Theorien gesucht. Beweisen können Studien überhaupt nichts! In der Realität können sie manche Annahmen für wahrscheinlich richtig ausweisen. Mehr geht nicht. Das ist die Folge von 1 und 2 als philosophischer Grundentscheidung. Das liegt an der Trennung von Theorie und Praxis.
Als kleiner Abstecher: Das gilt übrigens auch für die Geisteswissenschaften resp. die Wissenschaft am Menschen wie Psychologie, Wirtschaftslehre, Staatslehre, Politik, Moral, Philosophie etc. Alle diese heeren Theorien müssen am real existierenden Menschen erst einmal auf ihre Angemessenheit überprüft werden.
Sowohl in der Geisteswissenschaft wie in der Naturwissenschaft haben wir viele Wissenschaftler, die herzlich gerne die wunderschönsten Theorien und Formeln und Beweise kreieren. Dann werden sie möglichst schnell verkauft, damit sie möglichst schnell und viel Geld einbringen. Wie nützlich sie in der Realität sind, wissen sie und wir nicht. Damit wir glauben, dass sie den Preis wert sind, haben viele dieser schlauen Leute bereits vorher unser Wunschdenken so beeinflusst, dass wir gar nicht mehr merken, wie wir ihren Ideen gehorchen. Werden Sie wachsam, denken Sie selbst nach. In der zweiten wissenschaftlichen Phase, in der Überprüfung der Theorien an der Realität werden leider viele Wissenschaftler zu Religionsführern. Plötzlich sollen wir ihre Theorien glauben und per Guidelines und später Gesetzen werden sie auch noch durchgedrückt. An der Anzahl von Toten, Verletzten und Gefangenen können Sie in etwa abschätzen, wie realitätsnah eine Denkweise, eine Gesellschaftstheorie, eine Religion, eine Lebensphilosophie etc sind oder waren. Können wir mit unseren Theorien Realität überhaupt angemessen erfassen und abbilden? Geht das überhaupt?
Logik ist auch eine Form von Theorie. Wir wollen und müssen logisch denken, dürfen nur nicht erwarten, das das Ergebnis realitätsnah wäre. Logik an sich braucht ihre realitätsnahen Prämissen und ihre immer wiederkehrende Ausrichtung oder Korrektur an der Realität, sonst ist sie Fantasie. Wir instrumentalisieren nicht nur „gut und böse“ für uns, sondern auch die Logik. Logisch ist für uns immer, was wir selber denken. Es gibt auch eine äussere Logik (Mathematik). Dass Andere logisch denken, ist doch eher die Ausnahme, wenn überhaupt, oder?
Logik empfinden wir als objektiv, wie Mathematik auch. Beide haben aber Charakteristika von Theorie. Sie sind gewissermassen Zwitter, einerseits beschreibende Sprache, Mittel zum Zweck, andererseits ein unabhängiges System, das zur Realität gehört. Eine Übereinstimmung der Sprache „Mathematik“ und des Mittels „Logik“ mit der Realität dürfen wir vielleicht für unbelebte Materie relativ weitgehend annehmen, aber für Lebewesen? Wohl kaum?
Wenn ein Kausalzusammenhang in eine Richtung funktioniert, heisst das noch lange nicht, dass die Gegenrichtung auch funktionieren muss, zumindest nicht in der belebten Welt, vielleicht in der Mathematik und Physik? Selbst dort muss es in jedem kleinen Detail erst an der Realität überprüft werden und erst danach gilt es.
In der Theorie können die Mathematiker und Physiker alles (voraus)berechnen. Ob das Resultat mit der Realität übereinstimmt, können wir oft nur glauben, nicht aber beweisen. So bleibt die Lücke zwischen Theorie und Praxis unüberwindbar erhalten. Unsere Wissenschaftler sind viel zu wenig wissenschaftlich und unsere Religionsführer sind viel zu wenig wahrheitsliebend.
Nicht unser Wissen verdoppelt sich alle paar Jahre, sondern unsere Vorstellungen von Realität. Sehr viel davon ist Schein, denn unsere Vorstellungen sind ja nur Theorie. Man nahm in den 1980iger Jahren an, dass sich das Wissen alle 8 Jahre verdoppele, derzeit dann sicher noch viel schneller. Das ist eine Frage der Philosophie, der Sichtweise. Ich würde eher davon ausgehen, dass die Zeit der Wissensverdoppelung mehr als eine Generation beträgt. Der Rest, weit mehr als 50 % von dem, was wir für „Wissen“ halten, ist eben Unsinn, Schein, Lüge, Selbstbetrug und ähnliches!
Noch schlimmer ist es mit der Datenflut. Sehr viele der Daten, sind gar kein Wissen. Zu Wissen und nutzbar werden sie erst durch den Realitätsbezug. Sammeln Sie nicht wie wild Daten, sondern sammeln sie Realitätsbezüge. Die dazu nutzbaren Daten sind es wert, gesammelt zu werden.
Wissenschaftler und Techniker in unbelebter und belebter Materie, die erfinden und verändern, müssen sich in Zukunft vorher überlegen, welche negativen Folgen ihre Ergebnisse neben den paar positiven haben. Nicht einfach drauf los, wie die Erfinder der Kernspaltung in den 1930iger Jahren. Selbst nachdenken, vor und auch ohne Gesetzgebung. Ein Nachdenken hat es damals gegeben, aber die äusseren Umstände verleiteten allzu leicht dazu, alle Zweifel beiseite zu schieben. So ist das dann eben in der Realität. Der Mensch hat kein Bescheidenheitsgen, vor allem die Männer nicht! Frauen haben es vielleicht rezessiv geerbt? Männer, hier müsst Ihr erst nachdenken und falls es danach noch sinnvoll erscheint, dann erst handeln, wenn überhaupt noch.
Die Trennung von Natur- und Geisteswissenschaft ist tödlich für die Wissenschaft, für den Menschen und für die Erde. Jeder Naturwissenschaftler muss vor der Forschung seinen Geist gebraucht haben. Philosophieren, nicht philosophische Ansichten lernen und lehren, nein, selber philosophieren. An diesen Wissenschaftlern besteht ein eklatanter Mangel. Kopflose Wissenschaftler dagegen gibt es in Hülle und Fülle.
Menschen, vor allem Männer, haben sich in den letzten Jahrhunderten immer wieder die Naturgesetze, die Ressourcen dieser Erde, die Erkenntnisse zunutze gemacht, um durch technische Nutzung Leben bequemer zu machen. In den ersten Jahrhunderten wurde nicht ersichtlich, dass jede technische Errungenschaft ihren Preis auf anderen Gebieten hat. Inzwischen sehen wir das. Technik ist Mittel des Menschen zur Beherrschung und Nutzbarmachung dieser Erde oder dieser Welt. Damit wird auch die Begrenzung dieses menschlichen Handelns klar. Damit wird die Welt auch zur beherrschten Welt und die Natur nicht nur zu einer gebrauchten (das sowieso), nein auch zu einer verbrauchten. Männer, erst wolltet Ihr die Natur besiegen. Nun habt Ihr sie besiegt.
Fortentwicklung, Wissenschaft, Technik, Globalisierung werden ja sehr oft nicht zur Erkenntnis der Welt, zur Verbesserung der Welt vorangetrieben, sondern im Wettkampf um die Ehre, um den Erfolg, um die Macht und um das Geld, um das gute Gefühl, um die Bequemlichkeit. In diesen Sphären menschlichen Lebens und Handelns ist „Nachdenken“ meist nicht einmal als Fremdwort bekannt.
In diesem Zusammenhang müssen wir auch feststellen, dass die Technik im Wesen ein verlängerter Arm des Menschen ist. Alle Widersprüchlichkeit des Menschen, alle Begrenztheit des Menschen wird sich in der Entwicklung der Technik fortsetzen. Davon ist keine technische Richtung ausgenommen, auch nicht die der modernen IT-Branche. Das Internet ist nur eine neue Plattform für den Ausdruck menschlichen Lebens. Daten können sehr schnell transportiert und verarbeitet werden, aber eben nur digital. Die reale Welt bleibt draussen davor. Und drinnen ist es nicht sicherer, schöner, dem menschlichen Körper oder Geist näher…, sondern sehr viel eintöniger, unrealistischer, unkörperlicher. Die Nachteile wiegen die Vorteile auf und nur mit viel Glück ist es vielleicht auch mal umgekehrt. Wer das noch nicht mitbekommen hat, hat nur einen zu kleinen Gesichtskreis. Ein qualitativer Sprung im Bewusstsein des Menschen ist das Internet jedenfalls bisher nicht und nichts spricht dafür, dass sich das in den nächsten zehntausend Jahren ändern wird. Vieles spricht dafür, dass es eher schwieriger wird für die meisten Menschen, sich der Macht der Menschen zu entziehen, die das Internet und die neuen technischen Möglichkeiten ganz egoistisch für ihre Zwecke nutzen. Vor vierzig Jahren sind wir vor den Stasiabhörtechniken in der DDR aufs freie Feld gegangen, um ungestört und ungehört miteinander reden zu können. Heute ist ziemlich sicher, dass es kaum noch Orte auf dieser Welt gibt, wohin wir uns zu diesem Zwecke verkriechen könnten.
Als vor hunderten von Jahren das Schiesspulver entdeckt wurde und später immer präzisere Schusswaffen hergestellt wurden, schien das ein Segen zu sein. Kein Jäger musste mehr im Nahkampf ein Tier erlegen, um es essen zu können und seine Familie damit zu versorgen. Das Leben war sicherer geworden. Der Gebrauch im Streit mit den anderen Menschen machte das Leben aber noch viel unsicherer, weil die Schusswaffe auch andere Menschen leicht und auf Entfernung ohne Risiko niederstreckte. Die Kolonialisierung der aussereuropäischen Kontinente ohne das Vorhandensein von Schusswaffen wäre womöglich völlig anders gelaufen oder gar misslungen? Der Gebrauch von Atombomben hat sogar das Potential, die Menschheit insgesamt innerhalb kurzem auszulöschen. Drohnen, Raketen und andere Lenkwaffen werden jeden Punkt auf dieser Erde angreifbar machen. Ruhe oder Sicherheit wird es nirgendwo mehr geben, auch dort nicht, wo es vorher zumindest relativ sicher war. Bessere Welt? Wir legen doch immer nur einen schönen Schein über die nackte Realität, damit wir den realen Wahnsinn nicht wahrnehmen müssen. Selbstbetrug, bewusster Selbstbetrug. Bewusste Schönfärberei, damit wir uns nicht ändern müssen, damit wir vor uns selbst Recht behalten.
Immer treibt der Egoismus zur Nutzung der neuen Techniken im eigenen Interesse (bzw. zu dem, was wir für unser eigenes Interesse halten) und damit wird jeder Fortschritt entweiht und in ein „-“ für den anderen Menschen umgemünzt. Die Waffe oder das Internet oder vieles Andere in meiner Hand ist gut für mich, aber eben schlecht für Dich. Dass da auch einige Win-win-Situationen dabei herausspringen, ist sehr schön und angenehm, bedingt aber leider keinen qualitativen Unterschied. Die Fortentwicklung wird win-win doch immer wieder zu Gewinn-Verlust verschieben. Das lässt sich gar nicht verhindern, ist eine biologische Naturregel. Es bleibt nur kurzfristig bei win-win. Nachhaltigkeit für win-win-Situationen ist eine Illusion.
Wissenschaft ist heute gar keine Wissenschaft mehr, sondern Technikvoraussetzung, Wissensermittlung, dem Zweck der Technik unterworfen. Sie ist nicht mehr Erkenntnissuche, sondern Veränderungshilfe. Die schnelle Weitergabe von Forschungsresultaten an die Techniker, Architekten, Ingenieure, Ärzte und Genossen zur schnellen Verwendung verhindert reifliche Überprüfung auf die Übereinstimmung mit der Realität, auf Sinn und Unsinn. Und wir wundern uns, wenn wir die Erde und uns dann verändert haben und das nicht gerade in lebensförderlicher Weise? Sind wir nicht dumm?
Architektur ist oft zu Stein gewordene Theorie, Philosophie. Praktische Architekten haben keine Chance, berühmt und erfolgreich zu werden. Wir bestaunen immer die zu Stein gewordenen Theorien, leben aber lieber in den praktischen und lebensnahen Häusern. Da könnte man doch glatt mal drüber nachdenken?
Roboter, Drohnen, automatisch fahrende Autos? Für all die Menschen, die nicht zu geistigen Höchstleistungen fähig sind, wären diese Arbeitsplätze wichtig. Aber sie werden schon jetzt und demnächst noch viel mehr von leblosen Arbeitern erledigt. Sie werden viel zusätzlichen Platz auf der Strasse und in der Luft brauchen, Platz, der jetzt schon für die Menschen gar nicht ausreicht. Energieverbrauch, wo die Energie jetzt schon nicht ausreicht. Und die Menschen werden zunehmende Fitness-Center-Sportler, um die Energie zu verbrauchen, die sie sonst bei der regulären Arbeit und im Leben verbraucht hätten. Denn das Essen, so es noch welches gibt, wird ihnen weiter schmecken. Verrückte Welt. Und die Zahl arbeitsloser, überflüssiger Menschen auf der Erde wird rasant steigen, weil die Arbeit von Maschinen erledigt wird, vor allem die einfacheren Arbeiten. Damit wir Menschen auch wirklich verblöden können, nutzen wir digitale Denk- und Erinnerungshilfsmittel in Hülle und Fülle. Erst wollten wir nur blöde werden, dann liess es sich gar nicht mehr verhindern.
Realität ist aber auch, dass die, die nun gar keine Arbeit mehr bekommen können, von uns nicht mit finanziert werden sollen. Nein, die sollen doch mal schön arbeiten, so wie wir auch und sich ihr Geld verdienen. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Arbeitslose zum Sozialschmarotzer würde? Hat da mal jemand unter den Effizienztechnikern, Roboterentwicklern und Technikfreaks nachgedacht? Warum setzen wir denn dann Sozialdetektive ein, wenn wir diejenigen, die keine Arbeit mehr bekommen, weil die Roboter ihre Arbeit machen, nicht mit Freuden mit finanzieren wollen?
Stellen Sie sich doch nur den Drohnenmarkt in dreissig Jahren vor. Jeder wird seine Drohne hinter einer kleinen Luke im Dach geparkt haben und sie wird für viele Kleinigkeiten durch die Lüfte fliegen, millionen- wenn nicht milliardenfach. Spazierengehen auf der Wiese, im Wald, am See oder sonst wo ohne Drohnengesurre in den Ohren und Beobachtung von irgendwelchen Nachbarn oder Fremden wird Seltenheit werden. Das wird eine bessere Welt, nach der wir uns alle sehnen, Sie sicher auch, nicht wahr?
Liebe Techniker und Erfinder, vergessen Sie bitte den Menschen nicht, den real existierenden. Wir sind kein Prinzip Mensch. Diese Bitte geht vor allem an Männer und Möchte-gern-Männer. Warum versuchen Wissenschaft und Technik immer mehr, den Menschen los zu werden (übrigens genauso wie die Religionen, nur mit anderen Mitteln)? Wir werden nicht menschlicher, sondern immer maschinlicher!
So wenig wie möglich Technik unabhängig vom Menschen! Der Mensch ersetzt sich selbst. Das ist unmenschlich. Wir brauchen auch nicht lauter unbemannte Autos und Flugobjekte. Die sind menschlicher Unsinn.
Wie viel schaden die Wissenschaft und Technik heute der Umwelt? Nutzen sie mehr, als dass sie schaden? Was bringen uns Umweltstudien und Gesetze, die uns zur Nachhaltigkeit zwingen? Wollen wir bald aufhören zu leben? Dann geht nur noch Opposition, also das Gegenteil von dem, was wir erreichen wollen.
Wir haben nun Genies von Astrophysikern und verwandten Disziplinen. Sie haben massive und diffizile Technik entwickelt und eingesetzt, um Leben und lebensförderliche Bedingungen im Kosmos zu finden. Offenbar müssen sie schon ziemlich weit entfernt suchen. In unserer Nähe auf Leben oder lebensförderliche Bedingungen zu stossen, ist inzwischen extrem unwahrscheinlich. Was wollen wir dann im Weltraum? Mit Lichtgeschwindigkeit jahrelang durch das All jagen in kleinen festen Blechbüchsen ohne Baum und Strauch, ohne Wind und Wetter, ohne Tiere und andere Abwechslungen? Liebe Forscher und tollkühne Techniker, welchen Sinn soll das haben? Müssen wir nicht die Armen, die dann und dort leben müssen, weil sie entsprechend geboren wurden und keine Chance zur Flucht in frühere Zeiten hatten, heute schon bemitleiden?
Zum Leben ist der Weltraum ungeeignet. Dann lieber den Krieg in den Weltraum tragen? Muss das sein, liebe Herrscher? Wer ist hier eigentlich der Teufel? Muss Elon Musk in den Weltraum? Was will er dort? Mal nachgedacht? Und natürlich nicht nur er.
Der Mensch im Weltraum ist weder menschlich noch erdlich.
Wir haben unsere Erde in so vielen Dingen bis relativ nahe ans Ende der Verfügbarkeit genutzt oder bereits übernutzt. Selbst wenn wir die CO2-Menge auf dieser Kugel wieder relevant reduzieren könnten (was ich uns allen sehr wünsche und wofür es zu sorgen sich lohnt), würden wir nicht bei so vielen anderen Ressourcen ebenso ans Limit stossen, dass wir gar nicht mehr wissen, wo zuerst anfangen?
Wird die mit Solarzellen vollgestopfte Erde wirklich abkühlen?
Klimawandel haben wir, aber nicht nur vom CO2. Das ist allenfalls ein Mechanismus unter vielen. Überall Sonnenkollektoren würden das Gleiche verursachen. Dem Globus wird zu heiß unter uns Menschen. Wir müssten uns fortbewegen ohne Wärmeabgabe, müssten in der Welt leben, ohne sie verändert gehabt zu haben und weiter zu verändern.
Womöglich sind unsere Nachfahren in zweihundert Jahren noch sehr froh, wenn die Erde vorübergehend deutlich aufgeheizt wurde. Der zunehmende Raumverkehr mit Starts und Landungen und wachsendem Masseverlust der Erde führt womöglich zu einer Änderung der Erdumlaufbahn auf eine sonnenentferntere und damit deutlich kältere Bahn? Ob unsere Nachfahren die Erde dann an die Sonne ketten können, um die angenehme Durchschnittstemperatur auf der Erde zu erhalten? Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Wer zuletzt weint, ist nicht selten der Letzte, der weint!
Wer übertreibt, redet zwar anschaulich, aber nicht wissenschaftlich, nicht realitätsnah. Ich wünsche uns, dass wir zurückfinden von unserem vielfältigen Selbstbetrug durch Übertreibung, durch Missbrauch von „gut und böse“ zu unseren Gunsten, durch Ausnutzung anderer Menschen und Übernutzung unserer Erde zu Realitätsnähe.

 

Wissenschaft und Leben:

Wir dachten schon über Materie, deren Herkunft, Gesetzmässigkeiten und unsere wissenschaftlichen Möglichkeiten ihr gegenüber nach. Nun kommen wir zum Leben.
Was unterscheidet Leben von Nichtleben, von tot, von Nochnichtleben?
Die Evolutionstheorie ist da bemerkenswert sparsam in genauen Vorstellungen oder gar Aussagen. Erst sind da chemische Elemente, die in lebenden Zellen vorkommen und offenbar gebraucht werden. Dann kommen Moleküle, und Molekülstrukturen, die in lebenden Zellen vorhanden sind. Sie entstanden mehr oder weniger zufällig. Dann kommt eine Lücke an Zeit und Prozess und Verständnis und siehe da: Dann ist es plötzlich da, das Leben. Die Zelle lebt.
Was hat sich geändert gegenüber vorher? Ist diese Entwicklung wirklich nur durch ein unbelebtes Es oder sogar noch weniger, durch „nichts“ bedingt?
Die Evolutionstheorie stellt sich selbst durch die Aussage, dass es keinen Gott zu dieser Zeit gab in die gleiche Reihe wie die Religionen mit Schöpfungsglauben. Ob mit oder ohne Gott, alle drücken eine Glaubensaussage aus. Das ist gar nicht verwunderlich, denn Religion ist eine Anschauung von Gott, der Welt und dem Menschen und jedwede andere Philosophie ist das auch (auch wenn sie einen Gott nicht glaubt). Weltanschauung (und Religion) sind lebensnotwendig, es sei denn, man wollte seinen vorhandenen Kopf nicht gebrauchen. Philosophie lernen und lehren ist etwas völlig anderes, als selbst philosophieren.
Wir kennen die Entropie als bestimmte Kraft in eine Richtung und jetzt ist plötzlich ein Prozess entgegen der Entropie in Gang, der eine ganze Entwicklung über Millionen Jahre von Einzellern bis zum Menschen in Gang setzt? Wer soll denn das glauben? Auch an dieser Stelle bleibt uns nur übrig, zu glauben, dass es eine persönliche Kraft, einen Willen gibt, ein unbestimmtes „Es“ oder „nichts“. Glauben Sie, was Sie mögen oder können. Zuvor denken wir darüber nach.
Leben bedeutet entgegen der Entropie Spannung, eine Spannung von in der Zelle gegenüber draussen. Leben bedeutet chemische und physikalische Prozesse, bedeutet Integrität, Abgrenzung nach aussen und einiges mehr. Schon in der lebenden einzelnen Zelle sind die meisten Charakteristika für höhere Lebensformen im Grundsatz angelegt. Nun entwickelt das Leben eine neue Qualität nach der anderen entgegen der Entropie.
Man kann Leben mit einer transzendenten Kraft in Verbindung bringen, die die Spannung aufbaut, die Leben braucht. Man muss solch eine Kraft aber nicht denken. Leben unterscheidet sich schon in so vielen immanenten Facetten von Nichtleben, dass es für wissenschaftliche Neugier ein breites Feld gibt. Wir können das ja mal in Angriff nehmen.
Leben ist Spannung. Man kann die Spannung sogar messen. Es ist ein elektrisches Spannungspotenzial. Auf einer höheren Ebene bedeutet die Spannung Widerspruch. Das gilt für Einzeller, für höhere Organismen und auch für jede interindividuelle Verbindung, Ehe, Verein, Gesprächskreis, Diskussion, ja auch für homosexuelle Verbindungen, für Geheimdienste, für Mafiaorganisationen und vieles mehr.
Menschliches Leben verbraucht meist mehr Einsatz als es Glück bringt. Wer es anders versucht oder durchdrückt, der schmarotzt. Wir schmarotzen alle, so gut und so versteckt wir nur können.
Menschlich leben oder Mensch sein heisst: Ich schaffe Spannung und ich lebe in Spannung und ich bin bereit, mehr zu geben als zu nehmen.
Leben gehört zur Realität unserer Erde. Nun wollen wir Leben und leben erforschen, wollen uns bewusst werden, was Leben ist. Was können wir tun? Was müssen oder wollen wir beachten?
Können wir lebende Strukturen einfach so mit den gleichen Mitteln untersuchen wie die leblose Materie?
Können wir lebende Organismen mit den selben Mitteln untersuchen wie wir das mit lebloser Materie taten? Werden, wenn wir das tun, die Ergebnisse genauso sinnvoll und realitätsnah sein, wie bei leblosen Systemen? Braucht es andere Untersuchungstechniken als in der Physik, Chemie oder Astronomie?
Wissenschaftliche Forschung setzt sich zum Ziel, Wissen zu gewinnen. Dazu müssen Forscher die Dinge und Prozesse beschreiben und definieren. Das kann man auf verschiedene Art tun.
Zum Beschreiben von lebenden Systemen benutzen wir auch Mathematik als Sprache. Diese Sprache wird das Leben nie erfassen, aber wir brauchen die Sprache zur Bewusstwerdung. Deshalb nutzen wir sie und es geht auch nicht ohne. Künstliche Intelligenz wird eine mathematische Intelligenz und damit lebende, menschliche Intelligenz (falls es die gibt) nie erreichen oder ersetzen. Da gibt es den Quantensprung „leben und ohne leben“. Es stellt sich sogar die Frage, ob es sinnvoll ist, neben der lebenden Intelligenz noch eine Konkurrenz in künstlicher Form zu entwickeln. Es ist wie mit der Erfindung von Waffen. Damals waren manche Menschen froh, Waffen zu haben. Heute hätten wir sie besser nicht. Sie bringen uns um.
Mathematik (auch Informatik) ist eine Sprache, eine Denk- und Vorstellungsweise. Mathematische Logik ist nicht automatisch geeignet, Leben zu beschreiben und zu erklären, jedenfalls nicht umfassend, allenfalls ausschnittsweise. Diesbezüglich müssen wir sehr vorsichtig sein.
Gewohnt sind wir seit vielen Jahrzehnten bis Jahrhunderten die Definition nach dem Säulenmodell. Es gibt eine dünne Säule zwischen den definierten Grenzen rechts und links. Was im dünnen Feld in der Mitte ist, gehört in die Definition. Rechts und links ausserhalb des Feldes oder der Säule bedeutet ausgeschlossen, abgegrenzt, entfernt. So definieren wir Gruppen in der Gesellschaft, Arten von Tieren, Tiere mit … und Tiere ohne …, Menschen, die zu unserem Volk gehören und solche, die nicht zu unserem Volk gehören, solche, die in unsere Gruppe, unseren Verein, unsere Familie und was immer sonst gehören und solche, die nicht. Was nun machen mit solchen, die nicht dazu gehören? Sie existieren ja noch. Sie sind da. In manchen Definitionen spielt das draussen sein nicht eine solche Rolle, aber in vielen eben doch. Schauen wir uns Beispielsweise die Geschlechter an. Weiblich und männlich. Ja, nun gibt es typische Individuen des jeweiligen Geschlechtes. Aber an den Rändern, nahe der Grenzziehung gibt es nur wenige Individuen, aber die Merkmale passen nicht mehr ganz. Wo sollen wir jetzt die Grenze ziehen? Wissenschaft wäre nicht Wissenschaft, wenn sie jetzt nicht immer penibler, immer genauer, immer differenzierter erforschen würde, was zur Definition erforderlich ist und dann tatsächlich eine klare Grenzziehung möglich machte. Die Frage, was ist mit denen draussen, bleibt aber bestehen. Also muss man ein drittes Geschlecht einführen, womöglich noch mehr? Lebewesen wollen beides, dazu gehören und sich abgrenzen. So verbiegen oder verstecken sich manche oder spiegeln andere Tatsachen vor, um noch dazuzugehören oder auch auch nicht. Das ist menschlich, hat mit Moral nichts zu tun. Andere drinnen, stellen fest, dass jemand drinnen eigentlich nach draussen gehört und fälschlicherweise eingeordnet wurde. Ich brauche das Hickhack und hin und her nicht weiter zu beschreiben. Sie kennen das menschliche Leben besser als ich.
Grenzziehung in und an lebenden Organismen oder Systemen führt wohl fast zwangsläufig zu mehr oder weniger Gewaltanwendung.
Wenden wir die Gauss’sche Glockenkurve auf lebende Organismen und unsere Gesellschaften an, dann zeigt sie, dass wir um die Mitte herum eine Vielzahl von Organismen haben mit zentralen Kombinationen von Eigenschaften. In diesem Bereich wird kaum einer Fragen stellen. Die Nähe zur zentralen Mitte ist so eindeutig, dass die Frage zur Dazugehörigkeit gar nicht in den Sinn kommt. Zum Rande hin wird es immer spannender. Die Anzahl der Individuen nimmt ab. Die Zusammengehörigkeitsmerkmale werden weniger. Wer klare Grenzziehungen will, kommt jetzt ins Grübeln. Dazu oder nicht dazu? Die Gausskurve kennt am Rande keine Grenzziehung. Sie läuft irgendwann in die 0-Linie aus, weil es dort keine solchen Exemplare mehr gibt. Die Natur der Bedingungen sorgt dafür, dass es solche Exemplare gar nicht mehr gibt. Die Gewalt der Grenzziehung entfällt.
Es lohnt sich einmal, viele Mechanismen in lebenden Organismen genauso wie in Gesellschaften in dieser geänderten Weise zu betrachten. Es lohnt sich einmal, die Notwendigkeit von Grenzziehungen zu betrachten und zu hinterfragen. Es wird wahrscheinlich viele Bereiche geben, wo sogar beide Bilder, das Säulendiagramm mit klaren Grenzen und die Gaussche Kurve ohne Grenzen zur Beschreibung gewisser Eigenschaften und Verteilungen geeignet sind oder sogar gebraucht werden. Leben ist Widersprüchlichkeit, ist Spannung und dann sicher nicht mit einem Prinzip sinnvoll zu erfassen, nicht mit einer einlinigen Beschreibung, Theorie, Ideologie oder Definition treffend zu erfassen, sondern das seiner Komplexität wegen immer viele Ansichten, Formulierungen und vielleicht sogar eine Kombination von Grenzziehung und Nichtgrenzziehung braucht? Wissenschaftliche Vereinfachung zur Erkenntnisgewinnung genauso wie populistische Vereinfachung auf wenige Grundsätze sind nötig, aber zugleich wirklichkeitsfremd. Erst die Bezugnahme zur Realität des Lebens bringt beide wieder auf den Boden der Tatsachen und die sind wieder viel komplexer. Lassen Sie uns also keine wissenschaftliche Theorie, keine philosophische Theorie, keine religiöse Wahrheit, keine populistische Auffassung und Grenzziehung undurchdacht übernehmen.
Mit der Gaussschen Verteilungskurve können wir auch die gesellschaftliche, die industrielle oder andere Entwicklungen betrachten. Sie zeigen zum Beispiel, dass zu Beginn mit wenig Einsatz viel Wirkung erzielt wird. In der Mitte der Kurve stellt sich ein relativ ausgeglichenes Verhältnis ein. Gegen Ende der Kurve kehrt sich das Verhältnis um. Für kleine Veränderungen bedarf es dann grosser Einsätze. Die letzten Verbesserungen werden mit riesigen Einsätzen erkauft. Wer immer der Erste, der Beste, der Schlauste, der Fortschrittlichste … sein will, erkauft das mit den höchsten Kosten. Loslassen! Freiheit zur Lücke gewähren, sich selbst und den Anderen.
Sehr oft ist das Leben besser beschrieben mit einer Gauss-Kurve als mit einem Säulendiagramm. Es gibt nicht: Alle oder keiner, viele drin und wenige draussen. Abgrenzung nach innen und aussen. Es gibt meist mehr oder weniger, mehr in der Mitte, weniger am Rand, manchmal auch umgekehrt. Manches beschreibt auch eine doppelte Gausskurve besser, manches die entgegengesetzte Kurve. Überall, wo wir „keiner oder alle“ festlegen, Bürokratie, Gesetze…, werden wir an der Rändern unmenschlich.
Definitionen im lebenden Bereich sollten wir überwiegend als Gausskurve verstehen und nur wenig als Säulendiagramm und als Beobachter, nicht als Richter. Wenn wir das täten, würde das jedoch unser ganzes Lebensgefühl, unsere gesamte Gesellschaftsordnung, unsere Beziehungen zueinander verändern. Warum nicht?
Liebe Wissenschaftler, die Sie das Leben verlängern wollen, am liebsten bis in die Unendlichkeit. Helfen Sie uns doch bitte, das Leben des Menschen zu verkürzen, ohne dass das mit unseren Moralvorstellungen kollidiert. Ewig leben, oh wie furchtbar. Denken wir doch besser erst einmal nach.
Liebe Wissenschaftler, erforschen Sie nicht, wie wir Menschen die Erde am besten ausnutzen können, sondern wie wir uns am besten der Erde und den anderen Menschen anpassen können. Das wäre doch viel wichtiger, viel menschlicher, viel mehr Klima- und Erdschutz.

 

Vorentscheidungen in der Medizin:

Wie überall im Leben gibt es Vorentscheidungen in der Medizin, die uns in der Art und Weise, Medizin zu betreiben, leiten.
Eine sehr beliebte Vorentscheidung ist: Ich sehe nichts, also ist da nichts! Blinder Arzt sei vorsichtig. Womöglich ist das nur Deinem Unwissen oder Deiner eingeengten Sichtweise geschuldet. Die sogenannte „Ausschlussdiagnostik“ müssen wir betreiben, aber im Reiche der belebten Wesen ist das sehr viel unsicherer als in der unbelebten Materie und selbst dort lauern Fallen.
Der Mensch als Maschine. Eine beliebte Sichtweise für den Menschen oder den menschlichen Körper in den letzten beiden Jahrhunderten und je mehr wir uns Bilder vom menschlichen Körper apparativ sichtbar machen und Funktionen vermessen konnten, desto mehr verfielen wir der Illusion, der menschliche Körper, ja der Mensch sei eine Maschine.
Auch für den heute wissenschaftlich denkenden Mann ist der Mensch einschliesslich Seele und Geist eine Maschine. Er erforscht und behandelt den Menschen wie eine Maschine. Zahlen, Messergebnisse, metrisch fixierte Definitionen sind für ihn „objektiv“. Zahlen lügen nicht. Wenn er Zahlen anders als als „richtig“, als „objektiv“ auffassen oder benutzen soll, dann glaubt er, zu lügen. Dass der Mensch aber tagtäglich seinen Gefühlen ausgesetzt ist und mit seinen Gefühlen leben muss, ja von diesen grösstenteils sogar bestimmt wird, dass sie ihm Grenzen und Möglichkeiten setzen (Schmerz, Atemnot, Lust, Unlust …), blendet das wissenschaftliche Maschinenmenschenbild weitgehend aus. Der Mensch aber ist nicht Maschine, sondern Mensch, zu einem sehr wesentlichen Anteil Gefühl, Frauen mehr als Männer. Die Gefühle sind aber in der Wissenschaft vom Menschen eher störend. Also hat man sie möglichst ausgeklammert. So ist die medizinische Wissenschaft meistens relativ fern der Realität, wenn sie mit Zahlen kommt. Den Menschen selbst erfasst die Medizin auf diese Weise gar nicht. Selbst Psyche wird als Statistik und Zahlensalat aufgefasst, definiert durch zahlendefinierte Schweregrade oder Differenzierungen. Auf Frauen trifft diese Fehleinschätzung auch noch viel weniger zu als auf Männer, sowohl im Umgang mit den Menschen als auch mit der Wissenschaft. Was Lüge ist und was nicht, entscheidet sich an unserem Weltbild. Wissenschaftlerinnen haben weitgehend das männliche Weltbild übernommen, anstatt ihr eigenes weibliches Weltbild zu entwickeln.
In das Maschinenbild passt die Widersprüchlichkeit des Menschen schlecht oder gar nicht. Wissenschaft, die den Menschen als Maschine auffasst, entfernt sich vom Menschen, von der Realität. Bestimmte Vorgänge im Menschen gleichen durchaus Vorgängen in Maschinen. Doch wenn man die Rückwärtsprobe aufs Exempel machen will, wird es schwierig. Der Vorgang ist vielleicht eindeutig im Ergebnis, aber eben nicht eineindeutig, nicht auch eindeutig rückwärts. Kommt man beim Zurückverfolgen auch sicher wieder am Ausgangspunkt an? Und ich meine nicht die Psychologie. Die ist noch einmal ein Kapitel höherer Komplexität für sich. Allein die somatische Medizin bietet genug Widersprüchlichkeiten, die dazu führen, dass Gleiches oft doch nicht gleich ist und dass man beim Versuch der Rückkehr zum Ursprung plötzlich ganz woanders landet als am Startpunkt von vorher. Diese Erkenntnis ist wichtig für die Verwendung von wissenschaftlichen Studienergebnissen. Vorsicht!
Das Maschinen-Menschenbild verleitet uns auch dazu, alles als machbar anzusehen. Geht eine Maschine kaputt, reparieren wir sie und übergeben sie wieder ihrer Bestimmung. Auch Maschinen werden alt und es wird unrentabel, sie zu reparieren. Aber dann wird es erst recht spannend, sie wieder aufzubauen, dann eben als Oldtimer, dann eben als Liebhaber (weil unrentabel).
„Alles ist machbar!“ Stimmt das? Nach der Entscheidung „Alles ist 1“ könnte man ja diese Auffassung vertreten. Aber stimmt sie deswegen? Können wir wirklich in der unbelebten Welt, in der Welt der Maschinen einfach alles ändern und uns genehm machen? Ich fürchte, wir finden viele Beispiele, wo die Realität uns widerlegt. Nach der Entscheidung „Alles ist mindestens 2“ ist nicht mehr alles machbar. Ich bin gezwungen, mit den Anderen und mit dem Anderen Beziehung aufzubauen. Jeder bleibt Subjekt und Objekt zugleich. Es braucht feiner Abstimmung miteinander. Es braucht den Kompromiss, schenken oder abtrotzen.
Sehr geehrte Wissenschaftler, sehr geehrte Menschenbegutachter! Der Mensch als Maschine, als reines chemisch-physikalisches Forschungs- und Veränderungsprojekt, in dem die menschlichen Gefühle und so manches mehr ausgeschlossen werden, ist unmenschlich, ist gar nicht der Mensch. Werden Sie menschlicher. Denken Sie daran, dass der Mensch ein Lebewesen ist, noch dazu ein relativ hoch entwickeltes, keine Maschine. Danken Sie den Frauen, die uns das Leben immer wieder neu zeigen. Erforschen Sie das Leben, nicht die Maschine „Mensch“, die natürlich auch, aber die Maschine „Mensch“ ist nie Realität, wirklich nie, nicht einmal nach dem Tod.
Wenn das Menschenbild der Wissenschaftler nicht stimmt (Maschinen-Menschenbild) oder realitätsfern ist, dann sind auch die Forschungsergebnisse zumindest teilweise realitätsfern. Männer sind mehr Maschine, Frauen mehr Mensch. Schulmedizin ist mehr männlich, Alternativmedizin mehr weiblich dominiert. Das hat seine Gründe. Man kann wissenschaftliche Untersuchungsmethoden nicht einfach aus unbelebter in belebte und erst recht nicht in menschliche Natur übertragen. Leben ist komplexer. Der Mensch als Person, als „ich“ noch mehr. Wissenschaft lebt von der Vereinfachung. Bei der Anwendung von Wissenschaft im Leben sind Wissenschaftler erstaunlich unsensibel.
Kürzlich sah ich einen Vortrag eines Mediziners, der nach einer Studie über Qualitätssicherung mittels Checklisten glaubte, die Medizin heilen zu können. Eine Studie hatte ein Ergebnis erbracht, was nicht verwunderlich ist. Das Ergebnis war nun so markant, dass er sich überzeugt davon hinstellte und verkündete, dieses Ergebnis müsse nun in der ganzen Medizin angewandt werden und dann sei die Medizin genesen.
Checklisten sind nichts neues und in bestimmten Fachbereichen, so zum Beispiel in der Fliegerei vor jedem Start oder in Fertigungsbetrieben mit Fertigung immer des gleichen Produktes in gleicher Form und Qualität oder bei bestimmten immer gleichen Abläufen in Labors etc. wunderbar und sehr erfolgreich. In anderen Bereichen sind sie sinnlos oder sogar kontraproduktiv, kostentreibend, qualitätsmindernd. Die Millionen Qualitätssicherer heutiger Zeit in Form von Gesetzgebern, Beratern und Prinzipienreitern sorgen an manchen Stellen für Qualität, an manchen Stellen nur für unnötige Bürokratie und Kosten und an anderen Stellen für Qualitätsminderung. Haben Sie gemerkt, was ich da gerade geschrieben habe? Kein Protest Ihrerseits?
Der Wissenschaftler macht eine Studie und hat ein Ergebnis. Er hält das Ergebnis für universal gültig und predigt es nun allen. Seine wissenschaftliche Aufgabe wäre es eigentlich, zu überprüfen, wo gilt dieses Ergebnis und wo nicht. Z.B. Checklisten. Wo Flexibilität und Fantasie gefragt sind, passen sie kaum. Sie funktionieren nur an wenigen Orten in der Medizin. Sie verursachen viel Arbeit, viel Diagnostik, hohe Kosten … Der Wissenschaftler mutiert zum Gläubigen und Prediger von Wahrheit (seiner gepachteten Wahrheit) und zeigt sich damit als Dummkopf. Politiker und Juristen tun das oft erst Recht.
Was ist passiert? Der Wissenschaftler hat eine einfache Theorie aufgestellt. Er hat eine Untersuchung gemacht, hat ein Ergebnis und ist nun hoch erfreut, denn das Ergebnis unterstützt auch noch seine Auffassung, in diesem Fall haushoch. Zur wissenschaftlichen Arbeitsweise gehört aber auch, dass nach Erhalt des Resultates dieses an der Realität überprüft werden muss. Passt es oder passt es nicht, wenn ja, wo passt es und wo vielleicht auch nicht. Diese Nacharbeit erfordert nicht selten mehr Aufwand und Zeit als die Arbeit vor dem Resultat. Die Nacharbeit macht wissenschaftliches Arbeiten so mühevoll, so zeitaufwendig, so teuer. Zeit und Geld haben wir heute nicht mehr (was definitiv leicht zu widerlegen ist). Also wird mit dem Resultat die neue Hypothese verbunden: Dieses Resultat gilt nun universal, überall. Diese Hypothese der allgemeinen Gültigkeit wird aber nicht überprüft.
Studien in der Medizin müssen stark vereinfachen. Mit den Studienergebnissen muss man dann aber erst in der Realität prüfen, in welchen Teilgebieten sie anwendbar, realitätsnah und wirksam sind und in welchen nicht. Das braucht Zeit und Energie. Man kann nicht gleich mit den Ergebnissen hausieren gehen, predigen und Gesetze machen. Da baut man schnell viele Vorurteile auf und baut auch seine Arbeit, seine Studien, sein Verhalten, sein Leben auf Vorurteilen auf.
Studien in der Medizin funktionieren so, dass eine Gruppe von Menschen zu einer Einheit von Gleichen gemacht wird. Die Gruppe wird möglichst präzise nach Alter, Geschlecht, Zahlenwerten, die die Krankheit beschreiben etc., also Einschluss- und Ausschlusskriterien, bestimmt. Dann kommen Ergebnisse heraus. Die aber werden auch auf viele Andere angewandt, die vielleicht gar nicht gleich sind? Wir haben ja nur definiert. Wie weit die Definitionen der Realität entsprechen, wissen wir ja gar nicht. Studiendesigner machen sich darum meist gar keine Gedanken. Sie haben beschlossen, eine Studie zu machen oder das Gesetz verpflichtet sie sogar dazu. Also los geht’s. „Individuelle“ oder gar, wie heute breit propagiert, „personalisierte“ Medizin ist so gar nicht möglich. Ich bin gespannt, wie individualisierte Medizin im Bereich Risikominimierung und Sicherheit medizinischer Anwendungen funktionieren soll. „Personalisierte Medizin“ ist nur Suggestion im Sinne von Werbung (oder sogar Dummheit) in der Medizin.
Theorien und maschinelle und mathematische Denk- und Arbeitsweisen neigen zur Einlinigkeit und können wohl sogar nur das. Wie sollten dann Theorien oder Mathematik und Maschinen menschliches Leben angemessen abbilden? Sie werden immer eine Verkürzung dessen oder gar falsch sein.
Viele wissenschaftliche Mediziner oder überhaupt Wissenschaftler wollen gar keine Wissenschaft machen, sondern Karriere, wollen Geld, wollen Macht, wollen Recht haben, wollen Achtung, Einfluss, Anerkennung, aber nicht Erkenntnis. Für Geld kann man sich fast alles kaufen, für Erkenntnis schwerlich.
Wir glauben heute den Wissenschaftlern blind. Wir überschauen es ja auch gar nicht mehr. Seien Sie sicher, weniger als 50 % dessen, was uns da präsentiert wird, stimmt und mehr als 50 % sind Unsinn, unzutreffend, falsch oder sogar bewusst gelogen und zwar auch von dem, was nicht von anderen abgeschrieben wurde. Das Dumme ist, dass wir richtig von falsch, realitätsnah von realitätsfern, sinnvoll von sinnlos, Gebrauch von Missbrauch oft gar nicht von einander trennen können, weil beide so ineinander verwoben sind, dass keine Grenzen sichtbar werden. Es ist eben nicht alles einfach machbar.
Anderes Beispiel: Fragebögen sind ungeeignet zur Realitätserfragung, aber Umfragen werden heute in vielen Gebieten des öffentlichen und wissenschaftlichen Interesses sehr gerne zur Statusermittlung und Wissenserfassung verwendet. Ihre Vorteile sind die leichte Durchführbarkeit und Verfügbarkeit, also geringe Kosten und schnelle Ergebnisse. Mit ihnen kann man sehr gut Gefühle und Vorurteile abfragen. „Antworten Sie nur schnell und kurz, also intuitiv. Dann kostet es sie nur 10 Minuten und sie haben es geschafft. Die Zeit haben Sie doch mal schnell für uns? Die Umfrage dient einem guten Zweck!“ Rein intuitive Antworten, stark gefühlsbetonte Antworten, immer im Sinne von „Ich habe Recht“, reine Abfrage von Vorurteilen also. Wer wissen will, was Menschen empfinden, muss menschliche Gefühle in Bezug auf den Körper, das Verhalten und die Beziehungen nach aussen ergründen. Das geht in Fragebögen, braucht aber eigentlich keine intuitive Antwort, sondern ein sich bewusst werden über Gefühle und deren Botschaft. Das braucht vielleicht einen Fragebogen, aber dazu ein erforschendes Gespräch und damit zumindest sehr viel mehr Zeit. Wer äussere Fakten, Verteilungen, Mengen, zählbare Fakten ergründen will, darf keine Umfragen benutzen, denn die Umfragen erfragen keine gemessenen Quantitäten (das wäre jedem Befragten viel zu aufwendig. Keiner würde mitmachen), schon gar nicht in Studiendesigns. Der Frager bekäme „gefühlte“ Zahlen, gefühlte Quantitäten, die je nach Gefühlsfärbung von der Realität enorm abweichen können. Oft braucht es die gezielte Messung durch den Untersucher und bei komplexeren Fragestellungen die gezielte Erfragung, Untersuchung, Nachdenken, vielleicht Statistik und mehr durch den Untersucher. In dieser Hinsicht wird in der Wissenschaft am Menschen heute sehr oft sehr unsauber unterschieden, gearbeitet und geforscht. Hier geschieht Vorurteilswissenschaft im Dienste der knappen Zeit und des knappen Geldes, aber schneller Resultate. In der Wahlforschung können Sie kurze Umfragen benutzen, denn da wollen Sie die Vorurteile der Wähler wissen, nach denen diese dann Personen wählen. Auch darüber lohnte es sich, gut nachzudenken.
Jede Studie erbringt ein Ergebnis, jede! Nicht selten hängt es von der Sichtweise ab, ob es sinnvoll ist oder nicht und in wessen Interesse es genutzt werden kann. Und diese Entscheidung fällt sehr oft sehr intuitiv. Man kann also auch hier die Relativität gezielt im eigenen Interesse nutzen und natürlich vor sich selbst und nach aussen verschleiern, dass man es so tut. Vielen Wissenschaftlern wird das gar nicht bewusst. Sie denken und reden darüber, werfen es den anderen vor. Nur sie selbst sind nie betroffen.
Gefühl verändert nachdenken (Relativitätstheorie). Einsteins Relativitätstheorie gilt auch in der Biologie, noch stärker beim Menschen, vielleicht nicht immer, aber doch erstaunlich oft. Wir müssen das wohl als biologische Naturregel einstufen.
Leben und Gefühl stechen Theorie und Denken immer, wenn Differenzen bestehen, vor allem bei Frauen. Ärzte, Politiker, Forscher, Techniker, bedenkt das immer. Das ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Naturregel.
Wissenschaft schafft genau genommen nie sicheres Wissen, sondern immer nur aktuell beste relative Kenntnisse von Vorgängen in der Welt. Wissenschaft schafft mit dem Wissen zusammen auch viel Unwissen oder Falschwissen und es hängt oft von unserer eigenen Einstellung und Interessenslage ab, ob wir das Wissen schätzen oder nicht, nutzen oder nicht, verwerfen oder nicht. Nicht nur bewusste Betrüger schaffen eine Menge Fake-News, sondern „rechtschaffene“ Wissenschaftler auch, und das können wir ihnen gar nicht vorwerfen. Denn wer will entscheiden, was fake und was realitätsnah ist, wenn wir gar nicht erfassen, was Realität ist? Das bedarf einer intensiven Beschäftigung mit der Materie und einer Bewusstwerdung der Interessenslage mit entsprechenden Folgen. Selbst Teams von hochrangigen Wissenschaftlern, die für Qualität bürgen, entschieden fehlerhaft bei der Überprüfung, welche Studien in renommierten medizinischen Zeitschriften veröffentlicht werden dürfen und welche nicht. Gesetzliche Regelungen sind an dieser Stelle völlig ohnmächtig, so differenziert Sie sie auch formulieren und so genau Sie sie auch durchsetzen.
Unser Gaube an die Wissenschaft oder besser an die Richtigkeit der wissenschaftlichen Aussagen ist so begründet oder unbegründet wie der Glaube an irgendeinen Gott oder eben daran, dass es keinen Gott gibt! Glauben Sie der Wissenschaft weitgehend, aber übernehmen Sie nicht ihre systematischen Fehler. Oft wurde nicht genügend nachgedacht über Unterschiede zwischen „lebendig und tot“, über „Mensch und Materie“, über „menschlich und idealistisch“, über „Schein und Sein“, … Nicht wenige Wissenschaftler schauen verächtlich auf die Geisteswissenschaften als die unpräzisen Fantasien im luftleeren Raum. Sie verweigern das Nachdenken und widerlegen damit sich selbst. Erst müssen wir für uns selbst die religiös-philosophische Frage von 1 und 2 klären. Dann können wir leben (und arbeiten, lieben, forschen etc.) und werden alle unsere Erkenntnisse und Taten als Folge dieser ersten Entscheidung bekommen. Auch das ist eine biologische Naturregel, die die Wissenschaft nicht umgehen kann und die Politik mit Gesetzen nicht ausser Kraft setzen kann.
Die meisten treiben Wissenschaft in dem Glauben, damit objektives Wissen zu schaffen. Sie merken gar nicht, dass sie sich irren und dass das auch gar nicht geht.
In der Wissenschaft und Medizin glauben viele, dass ihre Theorie die Wirklichkeit sei, auch die Politiker. Das ist ein Irrtum und auch die gesamte IT-Branche ist dem Irrtum verfallen. Das hat enorme Folgen für die Wahrheit.
Die Wissenschaft geht heute zunehmend davon aus, dass ihre Theorie mit der Wirklichkeit völlig übereinstimme. Der Irrtum muss auch noch gesetzlich zementiert werden. Dabei würde nachdenken uns realitätsnäher machen können.
Über unser Wissen täuschen wir uns sehr. Wir glauben, alles zu wissen und viele meinen sogar, zu wissen, dass sie alles wissen. Wir wissen nicht nur nicht, was wir nicht wissen, sondern wir wissen auch nicht, was wir wissen. Wir glauben nur, was wir glauben zu wissen. Das Wissen ist weder objektiv, auch wenn es mathematisch ausgedrückt ist, noch wissen wir, was und wie viel davon der Realität entspricht und wie viel nicht.
Vieles in der Wissenschaft, technischer Entwicklung und Formung von gesellschaftlichem Leben ist typisch männlich. „Es gibt nur mich. Alles um mich herum ist Sache, ist leblos.“ Das können nur Männer. Frauen denken da völlig anders. Sie denken beziehungshaft. Sie leiden an Männern, die Frauen zu einer Sache degradieren. Ein Mann, der nachdenkt, wird es schwer haben, Frauen zu einem Ding zu degradieren, egal in welcher Kultur, egal in welcher Religion, egal in welcher Lebenssituation. Frauen sind wertvolle „Ichs“! Jede Beziehung ist auch ein religiöser Akt, die Ehe, auch die Homo-Beziehung, genauso wie der Betrug (ich nehme jemandem etwas weg und schaffe damit eine Beziehung) und sogar der Krieg (die absolute Antibeziehung).
Noch hinkt die Wissenschaft hinterher, aber wenn sie es geschafft hat, dann wird sie das Wissensmonopol beanspruchen, macht sie ja schon jetzt. Und die Politik wird dieses Monopol durchsetzen und deren Erkenntnisse umsetzen. Wissenschaft funktioniert wie andere Organe in Politik und Wirtschaft auch. Deshalb gibt es Rankings, Budgets, Streben nach Ansehen und Macht, Missbrauch, Egoismus, Betrug genauso wie ehrliche, überlegte, unabhängige, wirklichkeitsnahe Forschung und Wissensermittlung. Das Problem ist, dass diese Wissenschaft relativ ist, menschlich, von Menschen betrieben und so durchzieht die Wissenschaft die gleiche Widersprüchlichkeit, die wir schon vom Menschen kennen. Richtig und Falsch sind auch in der Wissenschaft oft nicht zu trennen. Es besteht ein mehr oder weniger breiter Graubereich. Und es erfordert intimer Kenntnisse, Nachdenkens und innerer Freiheit, um solche Faktoren realitätsnah gewichten und bewerten zu können. Und doch brauchen wir die Wissenschaft wie das tägliche Brot, denn sie ist es oft, die das verlässlichste Wissen schafft.
Biologisches Klonen, ideologisches Klonen, wie auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz sind natürlich sehr spannende Felder. Was gibt es sonst für Männer? Das ist ihre Welt (ausser den Frauen). Und sie frönen dem Egoismus, Ruhm, Ehre oder Gewinn zu vermehren. Geht es hintergründig nicht um die Fragen „Wie weit können wir den Menschen auch biologisch neu schaffen?“ und „Können wir mit künstlicher Intelligenz im Grunde einen neuen Menschen, ein Gegenüber zum Menschen schaffen?“ „Was unterscheidet „lebende Körper“ von „toter Materie“?“ Spannend!
Wir Menschen forschen, denken, denken nach, handeln, verändern sehr relativ und es fehlt uns ein Koordinatensystem. Das von „gut und böse“ hilft uns nicht, weil auch dieses System durch unsere Umnutzung in „für mich“ und „gegen mich“ von uns relativiert wird. Denken Sie gross! Denken Sie in 1 und 2 und nicht beengt, wie viele Wissenschaftler, nur in 1. Wir leben jetzt und wir können keine absoluten Aussagen über die Zukunft, nicht einmal über die Vergangenheit treffen. Denken Sie frei…
Viele Philosophen und Lehrer haben sich schon daran die Zähne ausgebissen, Leben in Theorien oder Lehren zu giessen und zu glauben, dass sie damit dem Menschen gerecht würden. Meist endete es unmenschlich. Die Informatiker versuchen das Gleiche. Lassen Sie es lieber bleiben. Warum immer erfolglos sein?
Uns prägt ein unerschütterlicher Glaube an Zahlen. Zahlen haben immer Recht und lügen nie. Zahlen kannst Du glauben. Warum ist das so?
Zahlen sind wie Worte der Mathematik. Sprache ist ein sehr offenes und veränderliches System, das Geist braucht. Mathematik ist ein theoretisches System von logischem Zusammenhang, in sich geschlossen, Theorie eben. Mathematik muss zu stimmigen Ergebnissen führen. Dann passt alles. Das mathematische System führt zu Absolutheit der Zahlen. Es passt alles, wenn nicht, dann ist etwas falsch.
Mathematik ist aber ein in sich abgeschlossenes System, das keine Freiheiten kennt, absolut keine. Leben ist nur möglich mit Freiheit. Leben kennt Freiheitsgrade und wir alle kämpfen um unsere Freiheit mit allen Mitteln. Jetzt können wir Zustände oder Prozesse im Leben mit Zahlen ausdrücken, aber die Bezogenheit der lebenden Prozesse aufeinander bedingt, dass wir immer mit bedenken müssen, unter welchen Umständen die Beschreibung mit einer Zahl zustande kam und welche Beziehungen diese Zahl zu anderen Dingen oder Personen hat. Die Zahl alleine ist Theorie, ist absolut. Ihren realen Bezug erhält die Zahl erst durch die reale Grösse, mit der sie verbunden ist. Deshalb sind benutzte Zahlen im wissenschaftlichen oder technischen Prozess immer relativ, abhängig von … Das führt sogar dazu, dass Zahlen sinnvoll oder sinnlos werden je nach dem entsprechenden Bezug, dass sie genauer oder ungenauer werden und die Genauigkeit bemisst sich nicht an der Anzahl der Zahlen hinter dem Komma, sondern an der Nähe zur Realität.
Zahlen und Skalierungen und Einteilungen in Medizin und Wissenschaft, die genauer sind als die realen Strukturen oder Prozesse hergeben, sind dann schon wieder ungenauer, sind Pseudogenauigkeit. Zahlen in der Theorie sind schön und faszinierend, aber sie werden sehr relativ, sobald sie mit Praxis zu tun bekommen. Theorie und Praxis. Das Leben ist relativ, nicht objektiv und die Zahlen als Beschreibungen sind abhängig von der Realität, also noch relativer.
Das Leben kennt kaum Kommastellen; Prognosen, Schätzungen, Statistiken etc. sowieso nicht.
Für manche Krankheiten sind Zahlen relativ gut zur Beschreibung zu gebrauchen, für andere wieder gar nicht. Jede Krankheit, nicht nur jeden Menschen müssen wir individuell betrachten. Die adäquaten Methoden zur Untersuchung sind je nach medizinischem Fachgebiet, je nach Krankheit unterschiedlich.
Kaum eine Forschungsrichtung kommt heute ohne Statistik aus. Wir sollten uns aber vor dem Gebrauch von Statistik einiges klar machen:
Wenn heute in der Wissenschaft am Menschen, dazu gehören viele Disziplinen von Medizin bis Ökonomie, Statistik die probate und vorherrschende Methode ist (das ist zweifellos so und vielerorts gesetzlich sogar so vorgeschrieben), dann haben wir eine Fülle von Zahlen, die erhoben wurden, mit denen heute ganze Glaubenskriege geführt werden, nur im täglichen Leben funktionieren sie zweifelhaft. Wir benutzen Zahlen aus Statistiken zum Definieren, machen Definitionen wie Säulendiagramme (Du gehörst dazu, bist in der Mitte, in der Säule. Andere sind am Rand oder gleich ganz ausserhalb rechts oder links und damit ausgestossen.). Menschliches Leben funktioniert aber gar nicht so, weibliches noch viel weniger als männliches. Menschliches Leben können Sie so nicht in ihrer Vielfalt erfassen, nicht beschreiben, nicht regeln (z.B. gesetzlich). Menschliches Leben unterscheidet sich von lebloser Materie.
Die Wahrheitsnähe der statistischen Ergebnisse hängt natürlich zunächst einmal von der Richtigkeit der zuvor festgelegten Bedingungen und der erhobenen Messwerte ab. Es bedarf klarer Definitionen der zu messenden Objekte. Trotzdem müssen diese Objekte gut vergleichbar sein mit den Objekten, auf die später die Beschreibungen, die Resultate, die Messergebnisse angewandt werden sollen. Ohne klare Definition keine verlässlichen Messwerte. Dann lieber gleich darauf verzichten. Eine Statistik kann ungenaue oder gar falsche Messwerte nicht realitätsnaher machen. Die statistischen Resultate werden nur unzuverlässiger (was wir Menschen oft gar nicht merken und was die nackten Zahlen uns nicht preisgeben). Zahlen sind entgegen unserer allgemeinen Vorstellung bei Weitem nicht absolut, jedenfalls nicht in der belebten Welt. Sie in Definitionen zu benutzen, schützt nicht vor Ungenauigkeit, nicht einmal vor Fehlern, auch wenn die Zahlen messtechnisch richtig sind. In der belebten Welt sind Zahlen sehr relativ. In weit über 90 % der Fälle sind statistische Angaben für lebende Systeme mit Zahlen hinter dem Komma nur scheingenau. Wer ein bisschen nachdenkt, merkt das sehr schnell.
Noch viel wichtiger: Statistik kann das missing link zwischen Beobachter (Forscher, Mitarbeiter Kontrolleur und seinen Ergebnissen) sowie der Realität nicht liefern. Die statistischen Ergebnisse liefern schöne Zahlen. Inwieweit diese Zahlen dann auch die Realität abbilden, kann die Statistik nicht beantworten. Da helfen auch keine Signifikanzberechnungen, Standardabweichungen etc. Zumindest in belebten Systemen kann man Zahlen und Realität nicht gleichsetzen. Der Einfachheit halber wird das aber oft so gemacht und da wir ja auch Glück haben, gibt es eine ganze Reihe von Tatsachen und Prozessen, wo die Gleichsetzung zu annehmbaren Ergebnissen führt. Wir dürfen das nur nicht für ohne Ausnahme richtig oder als Beweis für die Richtigkeit annehmen. Kausalzusammenhänge statistisch zu sichern ist eine sehr heikle Angelegenheit und birgt viele Fehlerquellen. In der Medizin ist diese Erkenntnis sehr wichtig. Bei der Nutzung statistischer Ergebnisse lauern viele Fallen, deren sich viele Wissenschaftler gar nicht bewusst sind. Medizin ist nicht Mathematik und Statistik ist nur ein Mittel, in der Medizin Zahlen zu produzieren, wo wir sonst gar keine hätten.
Statistik kann nur Wahrscheinlichkeiten erfassen und Parallelitäten abschätzen. Statistik produziert Zahlen, aber wir dürfen die Zahlen nie glauben, nicht verallgemeinern. Sie sind nur Näherungen. Je nach geändertem Probandenkollektiv variieren sie. Kommastellen sind da völlig fehl am Platz, es sei denn, es stünde eine 0 vor dem Komma. Statistik kann Parallelitäten erkennen, nicht aber Zusammenhänge. Zusammenhänge können wir nur durch zusammensetzen feststellen, also überprüfen der statistischen Ergebnisse im Lebenszusammenhang. Da spielt wieder das Weltbild eine Rolle. Das aber können wir nicht wieder mit statistischen Mitteln erfassen. Das können wir nur durch Nutzung menschlicher Intelligenz, durch Nachdenken.
Statistische Studien können statistische Parallelitäten abschätzen, aber sie können keine kausalen Zusammenhänge beweisen. Da braucht es das nachdenkliche Zusammensetzen von Zusammenhängen. Statistik wird heute wahnsinnig überbewertet. Wir sind geradezu statistikbesoffen.
Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet heute peinliches Achten auf geistiges Eigentum Anderer. Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört heute, dass man möglichst viele (eigentlich alle) Veröffentlichungen zum Thema gelesen und verarbeitet hat und daher natürlich zitiert. Jedoch nicht das Lesen und Zitieren möglichst vieler Anderer, sondern das Erfassen der Realität, die Realitätsnähe schaffen Realitätsnähe. Reale Darstellungskurven kennen keine mathematische Gleichung, weil sie das komplexe Leben abbilden. Reine mathematische Gleichungen und Kurven, IT-mässig verwendete mathematische Systeme bilden das Leben nicht real ab, weil das Leben vielfältiger ist. Da stellt auch die Gausssche Verteilungskurve keine Ausnahme dar. Real hat sie Täler und Berge, für jeden dargestellten Fakt wieder anders.
Es sieht so aus, als wenn die Masse in der Regel keine realitätsnahe Auffassung hat, z.B. die Masse der medizinischen Schreiberlinge. Aber auch die Masse ist eine Realität.
Es gibt kein „wissenschaftlich gesichert“. Wer so etwas sagt oder schreibt, zeigt, dass er Wissenschaft gar nicht verstanden hat. In der Wissenschaft an der Materie können wir das näherungsweise durchgehen lassen. Die Ungenauigkeit ist zwar nicht wissenschaftlich, aber in der Realität tolerabel. In der Wissenschaft am lebenden Subjekt, am Menschen, ist diese Dummheit wirklich schlichtweg Dummheit und nicht tolerabel. Der Mediziner will nur seine Unsicherheit oder die seiner Kunden (Patienten) abschütteln, in dem er sein Vorurteil zum Urteil erklärt und für der Realität entsprechend hält. Gleich zwei Fehler in einer Handlung.
Messtechnisch wird die Wissenschaft das Leben und damit auch Krankheit wohl nie voll erfassen, hoffentlich aber immer detaillierter und wirklichkeitsnäher. Unsere Apparate messen und erbringen Ergebnisse. Um die Ergebnisse nutzbar zu machen, werden sie in mathematische Regeln gepackt, aus denen dann Normwerte tabellarisch konstruiert werden. Allein die Glockenkurve der Normalverteilung führt dazu, dass am Rand eine Gruppe abgesonderter Messergebnisse oder/und Menschen übrig bleibt, die nur sehr eingeschränkt in den „Normalfall“ passen. Nicht die Messwerte sind die Realität und auch nicht die mathematischen Formeln. Real sind die Menschen mit ihrem jeweils mehr oder weniger annehmbaren Körperzustand.
Je mehr wir vom menschlichen Körper sehen und messen, desto mehr Informationen haben wir, was das Denksystem und die Medizin immer komplexer macht. Glücklicherweise haben wir heute die Computertechnik zur Verarbeitung all der Informationen. Sonst könnten wir mit den Datenmengen gar nicht mehr umgehen. Aber einordnen, sinnvoll zusammensetzen, dem Menschen gemäss und dienlich einsetzen, wird wohl doch überwiegend menschliche Aufgabe bleiben. Künstliche Intelligenz werden wir brauchen, wenn wir weiter dem Datenwachstum gewachsen sein wollen, aber eben nicht als Ersatz, sondern als Hilfe für den Menschen. Hoffentlich wird die künstliche Intelligenz intelligenter als die menschliche. Sonst wird sie die menschliche Tragödie nur beschleunigen.
Die Digitalisierung macht unser Leben mathematischer, formalisierter, eintöniger, jedoch sicher nicht menschlicher, nicht dem menschlichen Körper, der menschlichen Seele und dem menschlichen Geist entsprechender, allenfalls dem menschlichen Egoismus.
Das Leben ist eine Existenzmöglichkeit. Andere sind denkbar. Das Leben an sich ist in der uns bekannten Form verwirklicht. Die Möglichkeiten der einzelnen Leben sind viele, offenbar unbegrenzt. Das Ende des Lebens ist von vorn herein genauso wie der Beginn ins Leben eingeschlossen. Und die Verletzlichkeit und Endlichkeit des Lebens führt zur Existenz von Risiken. Diese Tatsachen sind lebensimmanent. Wir können sie nicht ausschalten, auch mit Versicherungen nicht. Wir können uns nur an sie anpassen.
Da gibt es wohlwollende Menschen, die für die Pharmaindustrie und Medizin Tierversuche und Menschenversuche abschaffen wollen. Das ist sehr löblich und ich kann das nur unterstützen. Nur, die ganze belebte Welt und auch der Mensch ist nur ein Verwirklichungsversuch der Evolution und/oder Gottes. Ob er letztlich gelingt, steht noch offen. Letztlich zeigt immer die Anwendung am Menschen in der realen Situation, ob es Risiken gibt und wenn ja, welche. Manche Risiken kann man bereits im Tierversuch erkennen. Also sind die Tierversuche der Anwendung am Menschen vorgeschaltet. Und ein bisschen Grips im Kopf haben Wissenschaftler auch. Also schalten sie vor die Tierversuche die Aktivität ihrer Hirnwindungen. Das ist eine sinnvolle Verfahrensweise. Es gibt keine Möglichkeit, etwas am Menschen zu benutzen, als es zu versuchen und die ersten sind die Versuchskaninchen, bei gut durchdachter Versuchsanordnung sicher nur mit geringen Risiken, aber eben nicht ohne. Das geht nicht auch anders. Wieder ein biologisches Naturgesetz. Daher: Das Verbieten von Tier- oder Menschenversuchen ist völlig sinnlos, weil nicht durchführbar. Es würde die Anwendung von Medikamenten in Zukunft unmöglich machen, Neuerungen erst recht.
Beobachtungen aus der Praxis:
Kommt ein Patient in die Praxis, hustet und raucht. Bei der Befragung nach den Beschwerden kommt der Husten zufällig mit zum Vorschein neben anderen Beschwerden. Sofort kommt vom rauchenden Patienten die Erklärung: „Der Husten kommt ja vom Rauchen. Deshalb wundert er mich nicht und er wäre auch nicht der Grund zur Konsultation gewesen.“ Ein Schuldiger ist in unserem Denken und Handeln immer sofort gefunden. Als wir später herausfinden, dass mein Patient an einem Asthma leidet, schon vor dem Beginn mit dem Rauchen solchen Husten hatte und dass der Husten vom Asthma kommt, ist das Erstaunen gross. Noch grösser ist das Erstaunen, wenn wir feststellen, dass trotz des seit der Kindheit bestehenden Asthmas das Rauchen erstaunlich gut vertragen wurde. Früher wurde es ja sogar als Medizin genutzt und es wirkt so auch heute noch.
Ähnliches passiert sehr oft bei Vorliegen von Übergewicht und Kurzatmigkeit bei Belastung. Der Schuldige ist schon gefunden bevor wir überhaupt eine einzige Untersuchung oder Befragung gestartet haben. Unsere Intuition „Für alles gibt es einen Schuldigen“ und das Naheliegende ist es am häufigsten, hat uns gleich schon einmal in die Falle gelockt.
Immer wieder kommen Menschen in die Praxis wegen Beschwerden. Ich befrage sie und untersuche sie. Am Ende stelle ich eine Diagnose und empfehle Therapie. Das Erstaunen ist gross. „Ich bin krank? Damit habe ich ja gar nicht gerechnet.“ Das Stellen einer Diagnose ist für so manchen dieser Patienten eine Beleidigung. Ja, stimmt natürlich. „Sie wollen natürlich nicht krank sein.“ Erstaunt oder gar beleidigt zu sein, wenn man mit Beschwerden zum Arzt geht und der dann eine Diagnose stellt? Müsste es nicht eher eine Freude sein, nun klarer zu sehen? Eine Falle der Intuition. Ich als Arzt habe meine Pflicht getan, weshalb Sie ja zu mir gekommen sind. Beleidigen wollte ich Sie wirklich nicht.
Der Patient hat eine Lungenentzündung und bekommt ein Antibiotikum. Bei der Kontrolle nach einer Woche erzählt er: „Mir ging es so schlecht. Ich war ganz schwach und habe viel geschwitzt und gehustet. Ich habe das Antibiotikum ganz schlecht vertragen.“ Alle diese Beschwerden verursacht eine Lungenentzündung. Früher ist die Hälfte der Kranken an der Krankheit gestorben. Nein, aber sie ist nicht Schuld an den Beschwerden, sondern das Antibiotikum, das bis auf eine Allergieneigung und vielleicht Verursachen leichter Durchfälle völlig harmlos ist. Tödlich ist es ja nur für die Bakterien, hoffentlich. Unsere Intuition ist bereits so falsch gepolt, dass sie uns ohne Überlegung aufs völlig falsche Gleis führt und wir merken es nicht einmal. Ja, wenn uns ein Arzt darauf hinweist, dass wir falsch liegen, dann misstrauen wir ihm und halten erst Recht an unserem (falschen) Vorurteil fest. Nicht selten verteidigen wir unsere falsche Ansicht auch noch, weil wir sie ja für richtig halten. Sie erinnern sich? „Ich habe Recht!“
In der Schweiz (in Deutschland auch) glauben sehr viele Menschen, die Medikamente und Impfungen seien gefährlich, die Krankheiten aber nicht. Dann gehen Sie bitte nicht zum Arzt, sondern legen Sie sich ins Bett. Da Sie ein gut funktionierendes Immunsystem haben (auch heute noch zur Zeit moderner Medizin), werden zum Glück viele deshalb gesund auch ohne Arzt oder Apotheke.
Wir finden in der Bevölkerung eine erstaunliche Impfmüdigkeit. Wenn wir das Thema dieser Erkrankungen durchgehen, die Beschwerden, die Risiken, schwere Verlaufsformen mit irreversiblen Folgen und manchmal sogar Todesfällen und diese Fakten den Nebenwirkungen und Kosten und Nutzen der Impfungen gegenüberstellen, dann ist das Ergebnis dieser Gegenüberstellung meist sehr eindeutig (zugunsten der Impfung). Trotzdem ist die Einstellung in der Bevölkerung und auch in gebildeten Kreisen oft festgelegt und unverrückbar dagegen. Auch Impfinformationskampagnen helfen da nicht weiter. Der Grund dafür wird sein, dass bei Frauen mehr als bei Männern negative Gefühle zur Impfproblematik geweckt wurden. Diese negativen Gefühle sind aber sehr schwer wieder zu revidieren. Es müssten enorme positive Gefühle dazu geweckt werden. Argumente, Gedanken, Diskussionen reichen dafür nicht und eben Informationskampagnen, die ja nur Information sind und über den Verstand laufen, auch nicht. Das intuitiv über Gefühle erzeugte Vorurteil ist ausser durch ein Übergewicht positiver Gefühle nicht wieder zu ändern. Informationskampagnen können wir uns getrost sparen.
Auf Grund von (falschen?) Vorentscheidungen geht es heute in der westlichen Medizin und Lebensführung erstaunlich irrational zu (obwohl wir selbst genau vom Gegenteil überzeugt sind, erst recht, wenn wir auch noch Beteiligte oder Betroffene sind).
Unsere Philosophie beeinflusst unsere Gesundheitskosten. Das gilt landesweit, aber auch für jeden einzelnen Bürger. Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen. Das kann enorme Kosten sparen. Ein Globalbudget oder auch jedes andere Budget können richtig sein. Man kann nur soviel im Gesundheitssystem oder im kleinen Bereich ausgeben, wie man Geld zur Verfügung hat. Der Westen hat sich jahrzehntelang über seinen Reichtum (oder besser seine Armut) belogen, weil er in der Regel hohe Staatsschulden aufgehäuft hat. Unsere Ansprüche, auch die an Gesundheitsleistungen sind daher unrealistisch geworden. Die Gesundheitskosten steigen, weil wir immer unmenschlicher leben. Am Ende der Gausskurve wird ganz geringer Nutzen mit immensen Kosten erkauft. Wen wundert’s?
Studien werden in der Medizin oft benutzt wie in der Religion Bibelferse oder Suren oder andere Zitate. Man greift sich das heraus, was einem selbst gefällt, einem selbst nützt, gedanklich oder wirtschaftlich, zur Selbstbestätigung. Hauptsache: Es nützt uns. Dann ist das doch gut! Und dann hauen wir diese Ferse oder Studienergebnisse dem Konkurrenten um die Ohren bis er aufgibt. Das Problem der Wissenschaft in der Medizin ist nicht ihre Verfahrensweise, sondern dass sie mit ihren Theorien den Menschen verliert. Männer eben!
Hören wir besser nicht auf die argumentierenden „Ich habe doch Recht-Männer“. Hören wir besser auf die Frauen (soweit sie nicht schon den Männern gleichgeschaltet sind, denn davon gibt es inzwischen ja genug).
Die Schulmedizin kümmert sich nicht um die Gefühle der Patienten, sondern um die Anwendung der Prinzipien von Gesundheit und Krankheit, um die Regeln, nach denen Krankheiten festgestellt oder ausgeschlossen werden. Sie bestimmt, wer als krank und gesund gilt etc. Die Paramedizin kümmert sich vor allem um die Gefühle nach völlig fadenscheinigen Prinzipien. Deshalb beherbergt sie auch so viel Wellness. Aber die Gefühle siegen in Beurteilungen (Das Fleisch, das Gefühl, sind stark, der Verstand, das Denken sind schwach).
Heute einigen wir uns alle auf gewisse Festlegungen und dann legen wir die als Guidelines oder wirksamer gleich als Gesetze fest und glauben, dass das dann unserer Realität entspricht, unsere Realität verändert. Dumm, was?
Die Wissenschaft hat schon eine ganze Menge Realität erkannt. Es gibt auch keine Alternative zur Wissenschaft. Aber dieses Wissen, diese Theorien, sind nicht die Realität und deshalb mehr oder weniger richtig und mehr oder weniger fake. Das finden wir auch im Internet so. Wer unterscheiden will, muss theoretisch wie praktisch vertraut sein mit der Frage und Antwort. Wer damit nicht vertraut ist, kann nur glauben, beides, Fake und Wahrheit und lebt damit auf dünnem Eis, je theoretischer, je dünner.
Wir machen Medizin und nicht Mathematik. Wir wenden Mathematik an, aber es muss uns klar sein, dass Mathematik meist nach Säule funktioniert, nicht nach Gauss. Wenn Sie Künstliche Intelligenz programmieren wollen, dann programmieren Sie nach Gauss, nicht nach Säule. Da werden Sie aber wohl Probleme haben? Dafür gibt es Gründe, die wir sehr dringend beherzigen sollten.

 

„Subjektiv“ und „Objektiv“, Nachweis und Ausschluss:

Krankheit gibt es nur subjektiv. Wo kein Mensch ist, gibt es auch keine Krankheit, jedenfalls keine Menschen befallende Krankheit. Auch Gesundheit gibt es nur subjektiv. Wer also sich mit Krankheit beschäftigt, wird es immer mit gesunden und kranken Menschen zu tun haben. Heute gibt es natürlich nicht wenige Menschen, die auch mit Krankheit zu tun haben ohne Menschenkontakt, im Büro, in der Bürokratie, in Versicherungen, in der Gesetzgebung… Sie sind auf menschliche Definitionen und Beschreibungen von Krankheiten angewiesen. Und ihnen fehlt das Korrektiv, die Erprobung des Gemessenen, Gesehenen, Gehörten am echten Menschen. So werden oft Krankheitsbeschreibungen vorgenommen auf Grund von sekundären Informationen und ohne eigene Erfahrungen. Heutigen Tages werden sie auch noch umgewandelt in Zahlen. Diese Zahlen (z.B. Laborwerte) legen dann Grenzen fest. Drüber ist gesund, drunter ist krank. Aber meist ist die Grenze nicht ein Strich, sondern eine Grauzone. In diesem Bereich ist beides möglich. Und was ist bei Krankheiten, die vor allem unter gewissen Umständen zu spüren sind und unter anderen nicht? Und wenn diese Krankheiten genetisch bedingt sind (und unsere Gene haben wir vom ersten bis zum letzten Tag), ist man dann in beschwerdefreien Zeiten gesund oder merkt man nur nichts? Was hat die unterschiedliche Betrachtungsweise für eine Bedeutung?
Wenn eine Krankheit durch Verengung einer Röhre bedingt ist und die Röhre ist nicht verengt, heisst das, dass die Krankheit ausgeschlossen ist? Könnte es sein, dass zu der Krankheit noch andere Mechanismen zusätzlich gehören, die wir nicht gemessen haben oder an die wir nicht auch gedacht haben oder die die Wissenschaft, eben weil sie nur bestimmte Messungen macht, noch gar nicht entdeckt hat (oder zwar entdeckt, aber wieder vergessen hat oder für unbedeutend hält?). Oder sind bestimmte Beschwerden nur deshalb ohne Bedeutung, weil deren Erfragung uns zu viel Zeit kosten würde, die im medizinischen Alltag nicht vorhanden ist oder nicht bezahlt wird? Das Sprechen von Objektivität in der Medizin führt auf sehr dünnes Eis. Das hält nicht einmal das Gewicht eines Arztes aus, geschweige denn von vielen oder gar der Mehrheit. Auch die Mehrheit von Wissenschaftlern rennt einigen wenigen Leithammeln hinterher und plappert deren Lehren ungeprüft nach. Guidelines verstärken diesen Mechanismus massiv und unter dem Deckmantel von Qualitätssicherung auch noch bewusst gewollt. Unser Blick (einschliesslich der technischen Hilfsmittel) ist sehr eingeengt und trotz der vielen Zahlen und Experten sehr relativ.
Da werden in der Medizin Begriffe wie „objektiv“ und „subjektiv“ benutzt. Wenn ich das richtig begriffen habe, soll mit dem Begriff „objektiv“ an dieser Stelle ausgedrückt werden „von aussen nachvollziehbar, gemessen und in einer Tabelle einordenbar, scalierbar.“ Dem gegenüber steht der Begriff „subjektiv“, was wohl bedeuten soll „nicht von aussen nachvollziehbar, nicht messbar oder nicht verlässlich und reproduzierbar messbar, nicht glaubbar“. Diese Begriffsbestimmung führt in der Welt der Mediziner bei vielen dazu, dass nur das zur Diagnostik und Therapie geglaubt und verwendet wird, was messbar oder bildlich darstellbar ist. Vergessen wird, dass die bildliche Darstellung und die Messung sehr abhängig von der angewandten Technik sind und somit bei Weitem keine objektive Beschreibung des menschlichen Körpers bieten, sondern eine sehr relative, methodenabhängige. Und umgekehrt wird alles, was nicht messbar, nicht bildlich darstellbar ist, als ausgeschlossen oder inexistent deklariert oder, wenn man offensichtlich eine Diskrepanz zwischen Beschwerden und Ergebnissen anerkennen muss, wird diese in den Bereich der Psyche verschoben und damit in den Verantwortungsbereich des Patienten verlegt. „Bei dem Patienten besteht eine ausgesprochene psychische Überlagerung“ oder so ähnlich steht dann im Arztbericht. Gemeint ist meist „Der Patient verursacht das auf irgendeine Art und Weise selbst. Er ist selbst Schuld.“ Damit ist der Arzt das Problem los. Er muss es nicht mehr verstehen, denn er hat eine Erklärung und einen Verursacher oder Schuldigen und er muss sich auch keine Mühe mehr geben, es zu behandeln und für den Patienten erträglicher zu machen, denn der hat es ja selbst verursacht. Der ist ja Schuld. Der hat auch selbst den Schlüssel zur Besserung (ist selbst Schuld, wenn er ihn nicht findet).
Die Wissenschaft versucht derzeit, subjektive Fakten objektiv in falsch und richtig zu identifizieren. In der Regel wendet sie dabei Methoden aus der unbelebten Welt an. Das ist durchaus möglich, so vorzugehen. Nur bei der anschliessenden Interpretation von Untersuchungsergebnissen in der belebten Welt muss man sich darüber klar sein, das belebte Systeme viel weniger eindeutig definiert sind (z.B. Krankheiten) und dass auch die Vielzahl der Einflussfaktoren kaum zu eliminieren ist und oft unüberschaubar ist. Ergebnisse sind also viel öfter durch Störfaktoren beeinflusst, die die Statistik nicht einfach sinnvoll herausrechnen kann. Und selbst wenn alle Störfaktoren eliminiert werden konnten, stellt sich die Frage hinterher, ob das Ergebnis auf die lebenden Menschen in und mit all ihren Störfaktoren tatsächlich übertragbar ist. Je nach Forschungsgegenstand oder technischem Problem variiert die Übereinstimmung der Messwerte und statistischen Ergebnisse mit der Realität in weitem Masse und schwer bestimmbar.
Objektiv“ in der Wissenschaft ist wie „gut“ im Leben. Jeder reklamiert es für sich und seine Ansicht, doch beides gibt es gar nicht. Warum sind beide dann solche Atombomben?
Vor einigen Tagen berichtete mir ein Patient, der wegen chronischem wirklich heftigem Husten sich in einer renommierten Zürcher Privatklinik mit allen Raffinessen untersuchen liess, dass der Kollege, nachdem am Ende alle Befunde normal ausgefallen waren, gesagt habe, dass er gesund sei. Er solle doch einfach aufhören zu husten. Der Husten sei psychisch.
Wenn wir die Begriffe „objektiv“ und „subjektiv“ im medizinischen Rahmen überhaupt verwenden wollen (besser nicht!), dann müssten wir die Beschwerden des Patienten als „objektiv“, als „gegeben“ hinnehmen und bezeichnen. Alles, was die Medizin bieten kann, ist davon abgeleitete Erkenntnis und Behandlung. Leider kann die Medizin meist das, was wirklich da ist und den Patienten ärgert, nur ansatzweise versuchen, zu verstehen und zu behandeln, gar wieder wegzubekommen. Die medizinische Erkenntnis wäre somit „subjektiv“.
Der Mediziner lernt jedoch im Studium und bekommt es während seines gesamten Medizinerlebens in Form von Pflichtfortbildungen immer wieder eingetrichtert, dass die wissenschaftliche Medizin mit ihren Festlegungen von Diagnosen und Therapien das „Objektive“, das „Gültige“ sei, dass er sich mit seinen Erklärungsversuchen und Festlegungen an die medizinische Systematik zu halten habe und dem muss sich auch der Patient mit seinen Beschwerden unterordnen. Die Beurteilung dieser Einstellungen überlasse ich jedem selbst. Und mittels ICD-Klassifizierung und Globalisierung über die WHO wird diese Diagnosesystematik heute auch noch digitalisiert und in alle Ewigkeit gespeichert und soll auf der ganzen Welt auf gleiche Weise angewandt werden. Das heisst, die Digitalisierung übernimmt den systematischen Fehler gleich noch mit. Und die staatliche Gewalt, zumindest im deutschsprachigen Raum, verpflichtet die Mediziner noch dazu. Das wirkt sich aus im Krankenversicherungswesen. Je nach Diagnose ist so und so viel Diagnostik und Therapie erforderlich. Brauchen Arzt oder Spital mehr, dann handeln sie unwirtschaftlich und das wird unter dem bekannten Kostendruck zunehmend Konsequenzen haben. Und für das Gutachtenwesen hat das fatale Folgen (sahen wir schon unter Versicherungen).
Vielleicht sollten wir besser den Begriff „objektiv“ gar nicht für uns, unsere Gefühle und Gedanken, Messergebnisse oder bildliche Resultate, Normen und Gesetze etc. benutzen? Objektiv gibt es vielleicht in der Mathematik, vielleicht in manchen Gebieten der Physik, in der unbelebten Materie? Für alles, was mit Lebewesen zu tun hat, ist der Begriff doch eher eine Falschannahme. Wer bei Lebewesen (und beim Menschen ganz besonders) von „objektiv“ spricht, hat doch „Leben“ gar nicht verstanden? Vorschlag: Bescheiden wir uns mit der Stellung „subjektiv“ auch als Ärzte unseren Patienten gegenüber. Deren Beschwerden sind subjektiv und unsere Beurteilungen, Diagnosen, Konsequenzen und Therapien auch! Es gibt nur „subjektiv“ oder „nicht wissen“. Wäre eine Schulmedizin, wäre eine Weltgesundheitsorganisation in der Lage, solchen Vorentscheidungen in der Medizin Rechnung zu tragen? Ganz abgesehen davon, dass natürlich Krankheit und Gesundheit in den verschiedenen Kulturen völlig unterschiedlich gelebt werden.
In Schweizer medizinischen Gutachten werden die Aussagen des Patienten konsequent in den Konjunktiv gesetzt. Das bedeutet, dass sie konsequent bezweifelt werden. Gutachteraussagen werden dagegen konsequent als objektiv, weil wissenschaftlich, angesehen. Nicht selten werden solche Aussagen dann auch noch im allgemeinen Passiv geschrieben, um sie der Relativität des einzelnen Gutachters zu entrücken und damit noch mehr in der Bedeutung zum allgemein Objektiven zu heben. Dabei ist doch Wissenschaft genauso wenig objektiv wie die Aussagen des Exploranden (des begutachteten Versicherten). Das ist doch eine sehr unwissenschaftliche, wissenschaftliche Selbstüberschätzung.
Ärzte und Politiker und andere einflussreiche Menschen oder solche, die gerne Einfluss hätten, können Schmerzen der Patienten nicht nachempfinden. Also sind die Schmerzen gar nicht da. Patienten sind aber durch sie am stärksten beeinträchtigt, viel mehr als z.B. durch ein fehlendes Bein.
Es gibt heute sehr selbstbewusste Menschen, die von sich behaupten, dass sie ganzheitliche Medizin betrieben. Was ist ganzheitliche Medizin überhaupt? Wen würden wir denn überhaupt als ganzen Menschen bezeichnen?
Der Mensch ist zum grössten Teil Körper, Material (einschliesslich seiner Funktionen wie Gefühle etc.). Der Mensch ist aber auch eine Persönlichkeit, also immateriell. Wir können das so ähnlich fassen wie in der Quantenphysik die Vorstellung von Materie als Welle und zugleich als Teilchen. Was würde es für medizinische Gutachten wie für die medizinische Wissenschaft bedeuten, uns Menschen sowohl als Körper, als zugleich auch als Persönlichkeit zu denken?
Es gibt bekannte medizinische Kongresse im deutschsprachigen Raum (andere kenne ich nicht genügend) in verschiedenen Fächern, die medizinisches Wissen anbieten nach der Devise „Was ist gesichert in der Medizin“. Wir bieten ihnen keinen Firlefanz, keine abstrakten Studienergebnisse, sondern verlässliches Rüstzeug für die Praxis. Hört sich gut an, oder? Viele der Fortbildungskongresse sind auch gut. Da wollen wir gar nichts schlecht machen. Aber „Das ist sicher in der Medizin“? Das können nur Mediziner sagen, die ihr wissenschaftliches Fach als Handwerk verstehen und wie ein Handwerker handeln, selbst nachdem sie promoviert und sich habilitiert haben. Nachgedacht? Medizinisches und wissenschaftliches Wissen ist nur solange gesichert, als kein Anderer kommt und eine genauere, passendere Erklärung für körperliche Phänomene liefert. Wir können da gar nicht kritisch genug sein! Und über besser oder schlechter urteilt am Ende die gesundheitliche oder krankheitliche Realität jedes einzelnen Patienten. Haben sich da nicht nur wieder „Ich habe Recht-Männer“ eine geachtete, wohlsituierte, für gut betrachtete Position in der Gesellschaft geschaffen?
Selbst die Schulmedizin ist inzwischen idealistisch geworden. „Ideal“ im Sinne von eindeutig erfassbar und „ideal“ im Sinne von „unsere Krankheitsbeschreibung, Diagnose und Therapie sind richtig“, sind bereits ideal. „Lieber Patient, lies bitte vorher im Lehrbuch durch, welche Beschwerden Du haben musst, wenn Du zu uns Ärzten in die Diagnostik kommst, damit wir auch das passgenaue finden. Alles Andere lass gleich zuhause.“
Es gibt eine breite Palette von „Medikamenten“, für die niemals wissenschaftlich die Wirksamkeit erbracht wurde. Wir haben die wissenschaftliche Medizin hinterfragt, aber es gilt natürlich auch, dass sie uns schon viel geholfen hat. Ihre Ansichten und Methoden sind nicht falsch, aber eben auch nicht nur richtig. Wir brauchen sie aber zum Hinterfragen vieler anderer Diagnose- und Therapiemethoden. Wir müssen zumindest den Verdacht hegen, dass bei vielen solcher „Medikamente“, die Wirksamkeit nur auf Grund eines guten Bauchgefühles oder anderer Gefühle oder anderer Irrtümer angenommen wird oder auch bezweifelt wird. Zur Behandlung einer Bronchitis bei Kindern oder Erwachsenen mit Husten und Schleimbildung gibt es eine Vielzahl von erhältlichen Säften und Mittelchen. Dass fast alle Patienten auch völlig ohne diese Säfte und Mittelchen in absehbarer Zeit gesund werden, weiss nur niemand, weil keiner sich traut, es auszuprobieren. Ich kann doch hinterher nicht zum Doktor gehen und sagen, ich hätte noch nichts dagegen gemacht. Doch haben Sie ja, mittels Ihres Immunsystems, dem Sie in 99 % der Fälle wirklich vollständig vertrauen dürfen, allerdings in einem Prozent nicht. In Deutschland habe ich manchmal nachgerechnet, wenn ich erfuhr, was meine Patienten schon alles in der Apotheke selbst bezahlt hatten und wie viel die Krankenkasse schliesslich mir für meinen Einsatz zu zahlen bereit war. Ich mit meiner gesamten Praxis habe oft weniger gekostet. Das ist auch ein Kostenfaktor im Gesundheitssystem. Wissen Sie, woher ich weiss, dass es ohne diese Mittelchen geht? Wir haben es tausende Male mit Patienten probiert. Es funktioniert. Wenn allerdings eine Bronchitis nicht im normalen Zeitrahmen (ein bis zwei Wochen) vollständig abgeheilt ist, dann sollte man auch professionell handeln.
Wie mag es da mit Homöopathie, Biochemie, Anthroposophischer Medizin, Pendeln, Besprechen, chinesischer Medizin(?), Kräutern, Tinkturen und Vielem mehr stehen?
Paramedizin, Komplementärmedizin, ganzheitliche Medizin und wie sie alle heissen, zeigen, wo Schulmedizin falsch liegt oder realitätsfern agiert oder wo die Erwartungen der Patienten an die (Schul-)medizin nicht angemessen sind. Viele Frauen erwarten von der Medizin Wellness. Männer erwarten das weniger. Wellness ist nicht Sache der Schulmedizin. Ganzheitliche Medizin ist nur der Ersatz für das, was der Schulmedizin fehlt.
Wir sehen: Medizin ist zu beiden Seiten (Therapeuten wie Patienten) sehr abhängig von Vorentscheidungen, von eingenommenen Sichtweisen, von Vorurteilen. Sie zu verstehen, braucht es viel kritisches Wissen und Nachdenken; sie zu verändern braucht es viel Einfühlungsvermögen und Gefühlstherapie. Das ist eine grosse Aufgabe. Und die Existenz dieser Problematik erklärt auch, warum es so viele paramedizinische Ansätze überhaupt gibt. Das Gegenteil wäre verwunderlich.
Qualitätskontrolle. Sie wurde eingeführt in der Fliegerei und in grossen Betrieben mit fabrikmässiger Produktion, um die Arbeitsabläufe auf immer wiederkehrende Gleichheit zu trimmen, damit das Endprodukt auch immer wieder die gleichen Eigenschaften und somit Qualität hatte. Qualität liess sich in Messwerten und zulässigen Abweichungen messen und Gleichheiten bzw. Gleichförmigkeit im Produktionsprozess herstellen. Will man aber Qualität in belebten Systemen messen, müssen wir ja zunächst davon ausgehen, dass Menschen Individuen sind und oft höchst unterschiedlich. Glücklicherweise kann man auch hier Gruppen bilden und Verallgemeinerungen benutzen, aber man muss viel mehr auf Aussenseiter und Ausreisser vorbereitet sein. Verallgemeinerungen treffen dann doch nicht immer und auf alle zu. Medizinische Diagnosen sind ganz unterschiedlich sicher definiert und abgegrenzt. Die Anzahl solcher Erkrankungen und das fehlende Ausmass an Klarheit ist weit grösser, als uns die fortgeschrittene Technik in der Medizin heute glauben machen will. Auch bei den Therapien ist das Ansprechen keineswegs immer gleich. Hier kommt es also durchaus auf eine reale und teils notwendige Varianz an, wo es in der unbelebten Produktion genau auf das Gegenteil ankommt. In der Medizin werden wir Vorgänge haben, die der unbelebten Produktion gleichen und entsprechend qualitätskontrolliert werden können. Wir haben aber auch sehr oft das Gegenteil mit Vorgängen, die eher ein Mindestmass an Varianz brauchen und wo das Mass an Qualität somit genau im Gegenteil liegt. Und wir haben Vorgänge mit Anteilen von Beidem. Deshalb, wer in der Medizin Qualität messen will, hat hoffentlich zuvor lange und sehr intensiv nach allen Seiten nachgedacht und die entsprechenden Prozesse in ihrer Tiefe ganz verstanden. Sonst misst er/sie irgendetwas (wie gesagt, Zahlen kommen beim Messen und anschliessender Statistik immer heraus), nur nichts, was auf Qualität schliessen liesse. Vorsicht, Vorsicht!
Medizinische Qualität misst sich auch sehr stark daran, welches Weltbild und Menschenbild die Ärzte und die Qualitätskontrolleure haben. Fehlende Übereinstimmung mit der Realität führt zu Fehlern und Fehlentscheidungen. Was aber, wenn wir noch nicht einmal sicher bestimmen können, was Realität (und in der Ableitung dann Qualität) ist? Wäre es denkbar, dass wir weiterhin eine qualitativ hoch stehende Medizin betreiben, ohne die Qualität zu messen? Können wir Qualität nur liefern, wenn wir sie messen? Lassen Sie uns doch mal ein bisschen nachdenken.
Es wird einen Grund dafür geben, dass sich zumindest in der deutschen Sprache die Redewendungen finden: Fühlen Sie sich krank? Fühlen Sie sich wieder gesund? Fühlen Sie sich wieder arbeitsfähig? Wir fühlen unseren Körper, aber dann ist es notwendig, sich dieses Gefühles bewusst zu werden, die Warumfrage zu stellen und damit per Denken und Verstand mit dem Gefühl von „krank“ oder „gesund“ umzugehen. Die heutige medizinische Wissenschaft tut genau das nicht. Sie misst und fotografiert und was auf diese Weise nicht scalierbar oder darstellbar und von aussen nicht gedanklich nachvollziehbar ist, dass gibt es nicht und wird in den Bereich der Psyche geschoben, obwohl gar keine psychische Erkrankung vorliegt.
Trauer bei Verlust und Kummer sind kein Ausdruck von Depression, sondern von Leben mit „minus“ und „plus“. Bei Trauer und Kummer durchwandern wir das Tal, das „minus“ nach dem „plus“. Frauen leiden meist häufiger und mehr darunter als Männer. Meine Damen, halten Sie das aus anstatt sich Antidepressiva oder Schlafmittel verschreiben zu lassen. Trauerarbeit ist eine aktive Arbeit, die nötig ist, zum Erreichen des nächsten Hügels nach dem Tal. Sie vermeiden damit die Gewichtszunahme unter Einnahme von Antidepressiva und das Abschalten aus dem weiblichen Geschlechtsleben. Gerade letzteres würde Ihrem Leben aber wieder mehr Abwechslung und Spannung geben? Vielleicht suchen Sie sich einen Mann (es könnte ja auch der eigene sein), der sie versteht und vielleicht lehren wir unsere kleinen, werdenden Männer in der Familie, wie aufeinander achten und sich gegenseitig verstehen und Trauer miteinander verarbeiten wollen wirklich gehen?
Vor 3000 bis 200 Jahren hatten die grossen medizinischen Persönlichkeiten Recht. Sie bestimmten, was gelehrt und gelernt wurde, was richtig und was falsch war. Heute glauben wir, dass die Unterscheidung zwischen richtig und falsch in der Medizin an Hand objektiver Studienergebnisse erfolge. Die staatlichen Institutionen fordern es auch so. Intuitiv gehen sie und wir davon aus, dass das so ist. Und daher glauben wir Studienergebnisse und deren Interpretationen blind. Tatsache ist, dass viele dieser Studienergebnisse längst nicht so eindeutige Ergebnisse liefern und noch viel fragwürdiger ist, ob die Ergebnisse, die an ganz bestimmten, an Hand von Ausschluss-/Einschlusskriterien bestimmten Patienten gefunden wurden, auch auf alle anderen Patienten übertragbar sind. Da aber in der Folge unübersehbar viele Forscher und Wissenschaftler und Mediziner mit zahlreichen Sekundärveröffentlichungen diese Ergebnisse publik machen und mit Beiwerk garnieren, festigen sich die Ergebnisse zu unverrückbar „gesicherten“ Erkenntnissen, auf die absolut Verlass sei. Schein und Sein! Sie erinnern sich?
In westlichen Ländern hat sich eine zunehmende Zentralisation entwickelt. Medikamente müssen zugelassen werden für den heimischen Markt. Dafür müssen sie in Studien ihre Wirksamkeit beweisen. Dann legt der Staat fest, ob ein Medikament zugelassen wird und für welche Krankheiten oder Störungen es gebraucht werden darf. Davon hängt auch ab, ob die Krankenkasse das Medikament bezahlt oder bezahlen darf. Bei soviel Unsicherheit in den Beurteilungen (wie wir sahen), ist es doch sehr fragwürdig, ob Staaten daraufhin Gesetze oder Verordnungen erlassen dürfen. Machen sich unsere Politiker beim Erlassen solcher Gesetze und Verordnungen all diese Relativitäten wirklich bewusst? Wahrscheinlich gäbe es dann sehr viel weniger Gesetze und Verordnungen und mehr Freiheit. Ist es überhaupt sinnvoll, dass der Staat so in Wissenschaft und Medizin eingreift?
Philosophie und Geschichte, Sprache und Sprachentwicklung, sprachliche Differenzierung, Denken und Nachdenken: Liebe und Liebe, gut und gut, menschlich und menschlich, objektiv und subjektiv, krank und gesund. Wir denken einfach falsch, zumindest zu einseitig! Dann kann auch nichts Gutes, nichts realitätsnahes dabei herauskommen!

 

Krankheit und Gesundheit, was ist krank und was ist normal?

Was ist normal im Leben? Was wollen wir, was sollten wir als krank ansehen, was wollen wir ändern und was sollten wir besser nicht oder was können wir auch gar nicht ändern?
Wer bestimmt eigentlich, wann jemand „krank“ ist? Der Mensch, der Patient? Der Arzt? Die politischen und administrativen Organe in unseren Ländern und inzwischen ja auch der Welt, die, die Definitionen für Gesundheit und für Krankheit herausgeben (die WHO, die Regierungen)? Die Wissenschaft, die Medizin?
Ich fühle mich krank! Ist damit nicht alles gesagt?
Aber was habe ich als Mensch, ich, als mich „krank fühlender“ eigentlich damit gesagt? Wie komme ich dazu, einen Unterschied zwischen gesund und krank zu machen?
Krankheit ist sehr relativ, ist sehr abhängig von unseren Wünschen, von unseren Lebensträumen, von unseren Ansprüchen und ist natürlich auch abhängig von unseren Definitionen, von der Lebensweise (wenn sich ein Mensch als Kranker empfindet oder/und auch inszeniert). Wer aber nicht genau Bescheid weiss, was in seinem Leben normal ist und was krank, der ist verdammt dazu, aus Dummheit viele Vorurteile, leider auch sehr viele Fehlurteile (eigene und fremde) zu befolgen. Deshalb gibt es ja die „objektiven“ Definitionen, die bestimmen, was allgemein „gesund und krank“ ist, was „normal und was nicht normal“ ist. Die allgemeinen Definitionen aber haben den Nachteil, dass sie zu Theorie werden, weil sie den Bezug zum einzelnen Menschen verlieren. Dann kommen die weiten Differenzen zwischen Theorie und Praxis zustande, die uns heute glauben machen wollen, wir müssten einfach eine ganzheitliche Medizin betreiben, dann könnten wir das Problem lösen. Wir als Leidende empfinden uns als krank. Menschen und Organisationen ausserhalb von uns bestimmen, was sie als „krank und gesund“ gelten lassen wollen, als „krank oder gesund“ verstehen, als Leiden eines Menschen ernst nehmen wollen oder einfach als Problem, das gelöst werden muss. Was ist eigentlich in diesem Sinne die Lösung des Problems?
Das Problem haben wir uns eigentlich selbst geschaffen. Solange wir allein auf dieser Welt waren, ohne Drittinstanzen wie Versicherungen, Staaten als Dienstleister, überstaatliche Organisationen, denkende Philosophen, Wissenschaft, galt nur unser persönliches Empfinden, unser Leiden. Seit wir aber theoretische Überlegungen haben, seit wir in Dreiecksverhältnissen leben, müssen wir uns als Preis für ein bisschen Sicherheit den theoretischen Definitionen des Dritten beugen. Hier ist ein dritter Akteur, wenn auch ein „Es“ und keine Person, entstanden und wirksam.
Es ist auf diesem Feld fast unausweichlich, dass sich der/die Leidende und diese Drittwelt diametral und auch noch weit entfernt durch einen breiten Graubereich dazwischen, gegenüber stehen. Das ist Realität, ist biologische Naturregel. Das können wir nicht ändern.

 

Medizin – Theorie und Praxis, Philosophie und Organisation:

Nehmen wir die Würde des Menschen, eine in der Medizin und Moral oft gebrauchte Ansicht für den Menschen. Was ist „Würde“? Da lassen sich ganze Lehr- und Philosophiebücher darüber schreiben. Es wird ein hehres Prinzip entwickelt und dargelegt. Was gehört nicht alles zur Würde?
Lassen wir gedanklich mal kurz den Menschen beiseite. Wir denken nach über die Würde als Prinzip, ohne den Menschen. Es gibt keine. Würde ohne den Menschen ist körperlose Idee. Würde gibt es nur mit Menschen. Wenn wir Würde definieren wollen, werden wir also vom Menschen ausgehen müssen. Hat ein einzelner Mensch Würde, einer der völlig allein auf einem Kontinent lebt? Ja, er hat die Würde, die er sich selber gibt und in der er sich selber sieht. Diese Würde ist aber sehr sparsam. Würde ist Ausdruck von bestimmter Art von Beziehung, zwischen Menschen. Würde ist also Ausdruck einer Geisteshaltung, die ich mir gegenüber und anderen gegenüber und diese sich selbst gegenüber und mir gegenüber einnehmen. Würde kann ich mir und dem Anderen in der Beziehung gewähren und umgekehrt. Darüber lohnt es sich, nachzudenken. Würde hat es mit Achtung unter Menschen zu tun, mit dem Anerkennen der Persönlichkeit des Anderen. Er ist nicht einfach ich, nicht einfach wie ich, nicht einfach Patient, Leistungsempfänger, Versicherter, Pflegebedürftiger, Obdachloser, Sterbender. Ich kann Dir Würde schenken und umgekehrt. Tun wir es! Würde drückt sich aus in geschenkter Achtung und Zuneigung. Alles andere ist nutzloses Wissen, nein, nicht einmal das, nur nutzlos in vielen Büchern und Artikeln und Definitionen Geschriebenes, dass uns die Zeit zum Leben, zum Würde schenken, raubt. Sparen Sie sich das alles.
Noch ein paarmal umdenken?
Medizin braucht moralisch sehr genaue und gebildete und gebundene Akteure, damit alles mit rechten Dingen zugeht. Schon Hippokrates hat dafür einen Eid formuliert, den jeder Arzt schwören sollte. Heute natürlich ist die Ethik in der Medizin sehr viel differenzierter und verzweigter geworden. Das menschliche Leben bekam viel mehr Möglichkeiten und daran musste sich die medizinische Ethik anpassen. Was aber ist Ethik, ist Moral? Wer wollte sie denn begründen? Wonach sollte sie sich richten? Am Anfang stand die Religion. Mit dem Niedergang zumindest der christlichen Religion wurden moralische Prinzipien von dort entlehnt. Bestimmte Menschen legen seither fest, was Moral ist. Es handelt sich um prinzipielle Festlegungen. Da man aber die christlichen Festlegungen doch nicht überall unbedacht übernehmen wollte, hat man sie hie und da und im Laufe der Zeit immer mehr abgewandelt. Moral ist also immer religionsfremder und mehr zum allgemeinen Prinzip geworden. Wobei Religion ja auch allgemeines Prinzip sein kann. Was aber sind allgemeine Prinzipien? Sie sind Luft! Allgemeine Prinzipien sind von Menschen erdachte Gesetze, Regeln, Ordnungen, die diese Menschen für allgemein verbindlich erklären. Da wir aber so dumm ja nun auch wieder nicht sind, erkennen wir persönlich diese Prinzipien nur an, wenn wir sie für unumstösslich halten (oder versuchen uns still und heimlich drum herum zu drücken), aber für die Anderen, da gelten sie natürlich in voller Schärfe.
Nun fragen sich aber Patienten, warum an bestimmten Stellen ihre Vorstellungen mit den Moralvorstellungen übereinstimmen sollen, was ihnen zugute kommt und an anderen Stellen finden wir das Gegenteil? Moral ist gar nicht Moral, sondern Idee bestimmter Menschen, Willkür. Warum aber sollen bestimmte Menschen Moral festlegen, die andere Menschen dann einhalten müssen? Warum z.B. darf ein alter Mensch nicht einfach sterben, wann er will? Warum muss es Menschen geben, die jetzt den moralischen Zeigefinger erheben und sagen, weil Du lebst, musst Du Dein Leben jetzt aushalten? Erleben wir nicht, dass viel zu viele Menschen sich zu Moralisten erheben und andere unter die moralische Knute nehmen? „Wo kämen wir denn hin, wenn jeder einfach das machen könnte, was er wollte?“ Ja, wohin kämen wir denn? Ich würde das gerne wissen! Warum empfinden gerade so viele Patienten die medizinisch gebundene Moral als unmenschlich? Stimmt da etwas nicht? Schein und Sein?
Den hippokratischen Eid mussten Ärzte leisten, damit sie ihr Wissen (und Unwissen) nicht gegen Patienten ausnutzten. Ärzte waren den Kranken gegenüber Leistungserbringer, aber auch ihrer Familie gegenüber Versorger (es sei denn, sie waren alleinstehend). Sie waren also immer in dem Zwiespalt, fast immer bettelarmen Kranken Geld für ihre Leistung abnehmen zu müssen, damit sie davon ihre Familie über Wasser halten konnten. Wir Ärzte sind ja nicht alleinstehende Engel oder gar Halbgötter (in weiss), die immer nur Leistung bringen, ohne zu fordern. Wir haben ein Eigenleben und ein soziales Leben. Die Denkweise, ein Arzt, ein in der Medizin Tätiger, ein Apotheker, ein Laborant, ein Medizinentwickler (sowohl Technik wie Medikamente) dürfe keinen Gewinn machen, ist realitätsfern. Medizin ist auch ein Wirtschaftszweig, damals ein winziger, heute ein riesiger. Aber Leidenden Gewinn abzunehmen? Pfui, wie unmoralisch! Wir leben damit in einem Zwiespalt, den schon Hippokrates kannte und auf seine Weise zu regeln versuchte.
Wenn wir die Intention von damals heute aufgreifen wollten, dann müssten wir heute die Geschäftsleitungen von Krankenhäusern und Spitälern, Laboren, von medizinischen Versorgerbetrieben gleich welcher Art mit hineinnehmen.
In kaufmännisch geführten Betrieben müssten heute die Eigentümer (oft die Aktionäre) und die Geschäftsleitungen den hippokratischen Eid leisten, nicht nur die Ärzte! Sonst ist das Arzt-Patienten-Verhältnis genau an dieser Stelle schutzlos, wo Dritte oder deren Leistungen einbezogen werden. Da wird evident, welche Explosionskraft in diesem Verhältnis liegt, denn heute gibt es profitorientierte Gesundheitsfirmen, ja fast nur noch solche. Auch wir Ärzte wollen verdienen, andere in der Gesundheit Tätige auch. Wir haben Geld (Profit, Gewinn) heute schon so zu unserem höchsten Wert gemacht, dass die Menschen als Leidende in ihrer Krankheit keine Chance mehr haben.
Was bedeutet es eigentlich, wenn Spitalfunktionäre gross verkünden: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“? In der Beschreibung des Eintrittsvorganges steht dann, dass bei Verpassen des Termins eine Gebühr von 500 CHF fällig werde für den verpassten Termin. Keine Frage, ein nicht belegtes Bett in einem Spital verursacht Kosten, die ohne zahlenden Patienten nicht wieder hereinkommen. Vielleicht sollten wir doch besser sagen: „Bei uns steht der zahlende Mensch im Mittelpunkt.“? Wäre das nicht realitätsnäher? Was bedeutet das für uns? Ginge das auch anders?
Auch im Schritt weiter, der Organisation von Gesundheitswesen spielen diese Drittorganisationsstrukturen eine wichtige Rolle. Durch den Aufbau von Organisationen nach theoretischen Überlegungen, haben wir uns medizinische Strukturen geschaffen, die uns wie eine Person gegenüber stehen. Wir haben uns sogar selbst in diese Strukturen eingefügt. Aber diese Strukturen sind Es-Strukturen. Mit jeder dieser dazwischen geschalteten Es-Strukturen entfernen wir uns immer weiter voneinander. Wir werden damit nicht menschlicher.

 

Warum gibt es Hausärzte und Fachärzte? Die Vorstellung von Realität (manche nennen diese Vorstellung „Wissen“), die uns die Wissenschaft in den letzten hundert Jahren verschafft hat (das ist ja wirklich eine enorme Leistung, die da vollbracht wurde), bedingt eine so grosse Menge an Lernstoff, mit dem wir Erfahrung sammeln müssen, dass nur noch Spezialisten mithalten können. Die Position des Hausarztes, des Generalisten wird immer schwieriger, weil er einerseits die Nähe zum einzelnen Leidenden halten soll, aber auf der anderen Seite auch die Verbindung zum Spezialisten. Der Spagat wird immer grösser. Dann versuchen unsere Organisationen (Wissenschaft, Ärzteorganisationen etc.) zur Qualitätssicherung die Weiterbildung immer weiter auszubauen. Die Hausärzte werden mit immer mehr Informationen aus der Wissenschaft vollgetrichtert. Das soll mehr Qualität schaffen!? Die Hausärzte haben gar keine Chance mehr, mit all diesen Informationen sinnvoll umzugehen. Deshalb kam es in Deutschland schon in den ersten zwei Jahrzehnten des neuen Jahrhunderts zu neuen Spezialisierungen innerhalb der Hausärzte (z.B. Diabetes-Schwerpunktpraxis). Das ist die logische Konsequenz, obwohl sie völlig unlogisch ist. Hausärzte sind keine Spezialisten.
Mangel an Hausärzten? Warum? Im Verhältnis zum Spezialwissen aller Fachgebiete können sie immer weniger können können. Mit Wissen voll gestopft zu sein, nützt nichts. Wissen muss mit Erfahrung untermauert sein. Das geht je nach Krankheit immer weniger. So sinkt natürlich die Qualität bei steigender Differenz zwischen Können und Sollen. Patienten sind dann plötzlich zutiefst sauer. Das ist aber nicht Schuld der Hausärzte, sondern das liegt an unserer rigiden Organisation und der zunehmenden Differenzierung. Mit zunehmender „Wissensfülle“ (eigentlich Anschauungsfülle) wird das noch schlimmer werden. Hausarzt zu sein, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Es bedarf eines ausgewogenen und freien Kooperierens von Generalist (Hausarzt) und Spezialist. Besonders selbstbewusste Hausärzte spielen sich auf als Wächter über die Kosten in der Medizin. Das führt zu sehr vielen fragwürdigen Entscheidungen. Hausärzte wollen Qualität liefern, aber sie müssen damit leben, dass nur Spezialisten die Qualität tatsächlich liefern können, wenn überhaupt. Diesen Widerspruch auszuhalten ist schwer, liegt aber weder in der Verantwortung des Generalisten noch des Spezialisten. Diese Spannung ist der zunehmenden Wissens/Anschauungsfülle geschuldet. Schuldzuweisungen nützen da nichts oder sie müssten an uns alle gehen: Schafft nicht so viel Wissen.

 

Es gibt heute in der Medizin eine Unmenge von Scores, Definitionen, Scalen, … Verwechseln Sie die bitte nicht mit „Wissen“, schon gar nicht mit Realität. Das sind Deutungen, Definitionen, menschliche Festlegungen. Wie gut sie die Realität widerspiegeln, ist sehr unterschiedlich. Das widersprüchliche Leben ist meist grösser als die oft mathematische oder listenmässige Definition. Auf diese Weise eine Krankheit ausschliessen? Wir können doch fast nur falsch liegen?
In der Fortbildung bekommen wir Vorurteile als Urteile serviert. Aber wir können nicht einfach alles als Vorurteil verbannen. In jeder Information steckt beides, Vorurteil, Unwissen, Falschwissen, Irrtum und auch realitätsnahe Anschauung, nennen wir die mal „Wissen“. Wie viel Anteile dieser Beschreibungen in jeder Information stecken, ist überall wieder unterschiedlich. Deshalb dürfen Sie nicht einfach alles glauben, was Sie gelehrt bekommen, sondern Sie müssen sehr kritisch werden, sehr viel nachdenken und sehr viel leben, weil sich das „Wissen“ im gelebten Leben als realitätsnah erweisen muss. Aber Sie werden merken, dass das Nachdenken auch wieder die Distanz zu Ihren nächsten Mitmenschen steigern wird. Keiner hält Kritik für Liebe oder Zuneigung.
Ursachen in der Medizin bekämpfen. Das ist unser Ziel. Wer ein bisschen nachdenkt, muss kritisch werden. Wer glaubt, die Ursache von etwas bekämpfen zu können, hat nämlich meist einfach zu früh aufgehört, „warum“ zu fragen. Das ist ein Ausdruck von Dummheit! Und wie viele von uns glauben stolz, dass sie die Ursache behandeln würden oder dass ihre Krankheit ursächlich behandelt würde? Bloss gut, dass viele von uns ihren Irrtum gar nicht merken. Das würde sonst richtig schmerzen.

 

Medizin – Wo einfache mechanistische Modelle der Realität nahe sind und Krankheit bedingen, z.B. ein Gendefekt, ein Enzymmangel, ein bestimmter Mechanismus, da ist unsere Schulmedizin gross. Da, wo mehr Gefühle eine Rolle spielen, bei Faetigue, bei Müdigkeit, bei Asthma, bei Ernährungsfragen, bei Schmerzen, da patzt die Schulmedizin. Da gibt es einen grossen paramedizinischen Tross, der genau das Gegenteil macht, nämlich Gefühle ernst nimmt und bessert, aber sich um die eigentliche Krankheit kaum kümmert. Orientieren müssen wir uns bei den Gefühlen zum Erkennen des Problems, aber lösen können wir das Problem oft nicht durch Ändern oder Übertünchen des Gefühles. Da müssen wir schon tiefer gehen.
Ein Problem haben wir mit chronischen Schmerzpatienten. Das sind primär somatische Zustände, die wir häufig nicht sinnvoll messtechnisch „objektivieren“ können. Folge: In unseren medizinischen Erkenntnissystemen und in unseren auf „objektiven“ Messwerten beruhenden vergleichbaren und gerechten Behandlungs-, Versicherungs- und Ausgleichssystemen werden sie regelmässig in einer Weise behandelt, dass man bei genauerem Hinsehen nur den Kopf schütteln kann. Erkenntnis-, Erklärungs- und daraus abgeleiteter Lebensversuch in der Gesellschaft stimmen mit den menschlichen Gegebenheiten überhaupt nicht überein.
Eine ähnliche Problematik haben wir mit einer Reihe von Erkrankungen, die mit Schwächesymptomatik, rascher Ermüdbarkeit und unzureichender Fähigkeit, angemessen auf Stress, körperliche Anspannung und Leistungspflicht zu reagieren, einhergehen.
Guidelines, Richtlinien, richtig und falsch von oben nach unten festgelegt, töten personalisierte Medizin. Das widerspricht völlig der heute gewünschten und von vielen „die Richtung angebenden Akteuren“ geforderten personalisierten Medizin. Ihr Handeln und ihr Fordern widersprechen sich diametral.
Gene schaffen so viele Typen von Menschen wie Menschen. Beziehungen in der Familie, der Kindheit, der Partnerschaft, nach aussen im Kindergarten, der Schule, der Ausbildung der Arbeitsstelle, schaffen so viele Individuen wie Menschen. Jeder Mensch ist daher immer teilweise geformt und teilweise formender, teilweise bestimmt und teilweise bestimmender, beides untrennbar miteinander vermixt. So ist der Mensch auch nie von aussen beurteilbar oder gar aburteilbar, allenfalls vorurteilbar. Jeder ist ein Konglomerat in Sein und Schein, in Handlung, Gefühl und Denken.
Was ist ganzheitliche Medizin? Wie kann man den Menschen als Körper und als Persönlichkeit zugleich angemessen wahrnehmen, verstehen und verändern? Behandeln heisst ja, Veränderungen herbeiführen. Personalisierte Medizin, geht das überhaupt? Wie wird Medizin persönlich? Oder sollten wir nach heutigem wissenschaftlichem Muster und nach paramedizinischem Muster weiter agieren, uns nur darüber klar sein, dass das nicht ganzheitlich ist und dass „ganzheitlich“ vielleicht gar nicht möglich ist?
Ganzheitliche Medizin wollen oberflächlich alle Patienten. Aber die wenigsten wollen ganzheitliche Medizin. Die meisten wollen einfach nur „Doktor, Therapeut, mach fix ein paar Handgriffe und es ist alles wieder so, wie ich es mir vorstelle.“ Für Frauen sind da natürlich schöne Gefühle bei der Therapie sehr angenehm. Stellen Sie sich einmal vor, da käme ein Therapeut und wollte langfristig für Gesundheit sorgen. Langfristig ja, aber schnell und ohne viel Einsatz von mir.
Früher starben die Menschen auf der Höhe des Lebens und nur wenige auf der absteigenden Seite der Gausskurve. Heute sterben viele gegen Ende der Gausskurve und nicht mehr in der Mitte oder auf der Höhe des Lebens. Deshalb sind unsere Altenheime so voll. Aber wird es deshalb eine andere Kurve werden? Wird sie eine exponentielle, eine unendliche oder noch anders charakterisierte Linie? Verdoppelt haben wir die Länge unseres Lebens schon. Lassen Sie uns erst einmal nachdenken, was das bedeutet, was das mit uns Menschen und der Erde bereits gemacht hat. Lebensverlängerung à la Google oder anderer am Menschen tätiger Wissenschaftler bis zum ewigen Leben. Ist das möglich? Was müssen wir, müssen diese Wissenschaftler, dazu denken und nachdenken bevor sie beginnen oder fortfahren?
Zum Leben gehören Leid, Verzicht, Entbehrung und auch Schmerz. Wer das alles nicht auch erlebt und erlitten hat, der hat Leben nicht wirklich erlebt. Dazu gehört auch die aktive und liebevolle Annahme dieser Erfahrungen. Wer das alles nur verflucht und über Dreiecksverhältnisse vermeidet, lebt in Täuschung, lebt unrealistisch, lebt nicht menschlich oder erdlich. Seien Sie dankbar, wenn man Sie enttäuscht, wenn Sie von dieser (Selbst-)Täuschung befreit werden. Seien Sie dem dankbar, der Sie enttäuscht, und zwar immer.

 

Da werden im Gesundheitswesen mit viel Gesetzesaufwand peanuts (z.B. Übernahme der Lieferkosten durch Lieferanten, Übernahme von Kosten für Fortbildungen etc.) als Einflussnahme auf die Verschreibung von Medikamenten angenommen und verboten. Aber dass die Medizin dort forscht, wo am meisten Geld verdient werden kann, dort wo viel Geld fliesst, das wird vergessen. Verbieten Sie bitte den Egoismus der Forscher, den der Pharmafirmen und auch den der Ärzte und Patienten gleich noch mit. Menschsein ohne Korruption ist gar nicht möglich. Vielleicht sollten wir anfangen, uns unsere Korruptheit einzugestehen und sie einfach wahr- und annehmen? (Natürlich: Sie sind als Einzige(r) nicht korrupt.)
Machen wir uns nichts vor. Nehmen wir lieber die Härte des Lebens an und freuen uns, wenn wir Glück haben.
Das Monster, das sich selbst „Mensch“ nennt, muss alles um sich selbst herum nach seinem eigenen Gutdünken bestimmen. Der Mensch lebt in seiner Umgebung interaktiv, ausgeglichen, angepasst, bescheiden, genügsam. Genügsam leben konnten viele Menschen vor unserer Zeit viel besser als wir heute. Sind wir überhaupt noch Menschen?
Im Gesundheitssystem, auch in der Wissenschaft und auch in der Politik wird viel Geld verschleudert. Wir können sinnvoll aber nicht sauber von sinnlos, nicht richtig von falsch, nicht wichtig von unwichtig trennen. Immer bringen unsere gegensätzlichen Interessen den Sinn zum verstummen. Deshalb kann man diese Summen nicht so ohne Weiteres einsparen. Recht haben Sie, wenn Sie das schöne und wertvolle Geld einsparen wollen, aber bitte nehmen Sie es nicht ernst. Sie können gut und böse nicht trennen.
Die Medizin muss heute oft unsere mangelnde Philosophie ersetzen. Das ist teuer, sehr teuer!
Zivilisationskrankheiten sind keine Krankheiten, sondern Zivilisationsdummheiten: Burn out, ADHS, Depressionen, … wir kommen gleich noch dazu.

 

Asthma und COPD – zentrale Fragen in der Medinzin:

Ich, als Pneumologe, kann viele Fragen und Versuche von Antworten am ehesten an den obstruktiven Lungenkrankheiten festmachen. Aber ich ahne, dass es da auch noch andere Gebiete in der Medizin gäbe, die ähnlich zu erforschen sein könnten. Vieles von dem, was ich hier schreibe, ist Beobachtung, ist Versuch, zu verstehen und ursächlich in Reihenfolge zu bringen und eine Systematik hineinzubringen, ist schliesslich aber doch nur Vermutung. Die Genetik scheint Asthma und COPD noch gar nicht entdeckt zu haben und die derzeit angewandten Methoden der Identifizierung bestimmter Gene anhand grosser Identifizierungsreihen ist angeblich zu aufwendig und zu teuer zur Erkenntnisgewinnung an dieser Stelle.
Ich unterbreche hier unseren Gedankenfluss. Wenn Sie am Thema Asthma und COPD interessiert sind, dann lade ich Sie ein, mir auf die offiziellen ersten Seiten der Website der Lungenfacharztpraxis zu folgen. Hinterher können Sie wieder hierher wechseln und mit dem Text und dem Nachdenken fortfahren. Ohne Interesse an Asthma und COPD würde ich hier einfach weiter lesen. Möglicherweise fehlen Ihnen dann aber doch einige Aspekte unseres gemeinsamen Nachdenkens.

 

Angemessene Ernährung:

Ernährung! Ein komplexes und heikles Thema. Jeder hat seine Ansicht und jeder hat dazu etwas zu sagen. Man kann gut daran verdienen. Jeder muss essen, sonst geht das Leben zu Ende. Wir brauchen viele Elemente. Mangel hat Folgen, aber auch ein Zuviel hat Folgen. Welche Konsequenzen hat das?
Was wäre denn eine angemessene, eine biologische Ernährung? Dazu müssten wir definieren, was der Massstab sein soll.
Ernährung ist eine Funktion des Körpers. Natürlich essen Auge und Nase und der Geschmack mit, aber letztlich kommt es darauf an, dass unsere Nahrung etwa dem entspricht, was sich im Stoffwechsel vielleicht der letzten hunderttausend Jahre als notwendiger Bedarf entwickelt hat. In diesen hunderttausend Jahren waren 98000 Jahre relativ gleichbleibend ausgewogen mit dem extensiven Ertrag der Erde abgestimmt. Allerdings betrug die Lebensdauer auch nur etwa halb so lange wie heute.
Einen sehr wesentlichen Einfluss auf die Lebenslänge hat die Ernährung, wahrscheinlich deutlich mehr als die Medizin. Inzwischen aber kann kaum ein Zweifel bestehen, in den meisten Ländern dieser Erde besteht bei einem kleineren bis grösseren Teil der Bevölkerung ein eklatanter Überkonsum.
Eine wirklich dem Stoffwechsel, der Jahrtausende adaptierten Ernährungsgewohnheiten, dem Gleichgewicht von Stoffwechsel, Zufuhr und Verbrauch angemessene Ernährung, ist heute kaum möglich. Entweder wir essen nur noch künstliche Nahrung mit auf unsere Lebensweise abgestimmter Zufuhr von Kalorien und Nährstoffen oder wir essen einfach drauf los, was uns in den Weg kommt und was uns schmeckt.
Die angemessenste Ernährung ist vielleicht die, die vor ein- bis zweitausend Jahren von denen eingenommen wurde, die relativ gesund und lange lebten. Zu dieser Zeit standen der menschliche Körper und die Umwelt vielleicht im besten Gleichgewicht zueinander?
Eine dem entsprechende Ernährung bekommen wir heute gar nicht mehr hin. Dafür haben wir uns vom menschlichen Körper zur Zeit der genetischen Entwicklung viel zu weit wegentwickelt. Nein, den Körper haben wir noch, aber unsere Lebensweise ist eine ganz andere, eine in Bezug auf diesen Körper völlig „unmenschliche“. Wir haben Überfluss, bewerten nach Geschmack und Trend und essen deutlich über unserem Energieverbrauch. Was sollen wir da noch von „bio“, „gesund“ oder ähnlichem sprechen? Ist nicht im Wesentlichen das Essen gut, was wir schon in der Kindheit gerne assen und woran wir gewöhnt sind? Bloss keine Änderung (z.B. auf Reisen). Ernährung ist Gefühls- (Geschmacks-) und Gewohnheitssache. Falsch ernähren sich immer die Anderen! Richtig essen doch nur wir selbst auf unsere Art, oder?
Übergewicht ist ein Teil dieses Problems. Gehen wir zurück zu unseren biologischen Ursprüngen, werden wir davon ausgehen müssen, dass die Menschen damals selten satt waren. Viele waren froh, dass sie ausreichend Essen zum Überleben hatten. Ein durchdringendes Hungergefühl musste dafür sorgen, dass jedes Individuum sich immer wieder auf die Suche nach etwas Essbarem machte. Sonst war das Leben zu Ende. Ähnlich wie der fast unstillbare Drang nach Sex beim Mann zur Fortpflanzung ist auch der unstillbare Drang zur Nahrungs- und Wasseraufnahme und zum Atmen bei jedem Menschen. Das Hungergefühl ist existenziell bedrohlich und verursacht durchdringende Schmerzgefühle, die jeden aufschrecken. Es ist doch ein Wunder, dass heute nicht nur übergewichtige Menschen herumlaufen, wo es so viel zu essen gibt. Und der Verbrauch an Kalorien sinkt immer mehr durch allerlei Hilfsmittel und Bequemlichkeiten. Man muss doch seinen Magen schon wirklich sehr austricksen, damit er nicht mehr als nötig verlangt und bekommt.
Die Schlausten scheinen wohl die Dümmsten zu sein? Früher hiess das „Adipositas-Gen“ „Überlebens-Gen“. Man kannte es nur noch nicht. Es war dafür da, so effektiv wie möglich bei wenig Nahrung für das Überleben zu sorgen. Heute ist dieses Gen plötzlich Ursache einer Krankheit? Haben wir da wirklich alles richtig gemacht?
Als ich 1973 in meiner Krankenpflegelehre in Ostberlin lernte, wie der Energiegrundumsatz beim Menschen funktioniert, war ich sehr erstaunt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass er für beide Geschlechter gleich ist. Nein, er ist für Frauen niedriger und für Männer höher. Also, wenn Sie einfach nur da sind und nichts tun und wir messen und berechnen Ihren Energieumsatz pro Stunde, dann ist der bei Frauen etwa 10 % niedriger als bei Männern. Und dann wird es noch spannender: Was passiert, wenn beide die gleiche Leistung vollbringen? Wie viel Energie brauchen sie dazu? Sie brauchen nicht etwa für die gleiche Arbeit gleich viel Energie. Nein, sie brauchen prozentual von ihrem Grundumsatz zusätzlich Energie. Der Unterschied ist nicht so wahnsinnig gross, aber immerhin: Frauen brauchen für die gleiche Leistung weniger Energie als Männer. Das ist kein Witz, sondern „gesicherte“ medizinische Erkenntnis.
Die Konsequenz ist doch klar oder? Gott und/oder die Evolution wollen, dass vor allem die Frauen arbeiten. Wir Männer? Ja, was wollen die Beiden denn eigentlich von uns? Wir arbeiten doch ineffektiv!
Vergessen sollten wir auch nicht, dass der weibliche Körper von der Evolution und/oder Gott für 5 bis 15 Geburten im Laufe des Lebens ausgelegt ist und das nicht bei optimalen Ernährungsvoraussetzungen. Einerseits mussten Frauen dafür sorgen, dass sie am Leben blieben, also genug Nährstoffe zu sich nahmen, andererseits mussten sie dafür sorgen, dass die Kinder ausreichend bekamen. Heute sind schon fünf Geburten eine Seltenheit und die Ernährung ist zumindest was die Kalorienzufuhr anbelangt meist luxuriös. Da kann nur strikte Selbstbeherrschung einen Ausgleich schaffen. Heute macht man es sinnigerweise lieber mit einer Magenbypass-OP.
Der Mensch hat kein Bescheidenheitsgen, allenfalls die Frauen ein rezessives. Sonst würden wir uns nicht so voll fressen.
Natürlich gibt es weitere Faktoren, die Übergewicht beeinflussen: Die Therapie mit Blutzuckermedikamenten z.B. Dann ist nicht selten die Philosophie der Ärzte der wesentliche Grund für Übergewicht. Auch manche Antidepressiva führen zu Übergewicht, das Beenden des Rauchens und andere Faktoren.
Wer heute normgewichtig sein will, muss verzichten gelernt haben, muss Selbstbeherrschung trainiert haben. Das Knurren des Magens muss man aushalten lernen. Beides wird heute in der Kindheit sehr viel weniger als früher vorgelebt oder von den Kindern gelernt. Übergewicht zeugt bei vielen von Dummheit (Entschuldigung!) und ist oft eine Egoismuskrankheit und wie wir eben sahen, zu einem Teil (vor allem bei Frauen) biologisch bedingt. Gegen sie hilft nur Prävention. Man muss gegen sie impfen. Und geimpft werden müssen bereits die Kinder: Essen nur nach Hungergefühl. Genuss und Bequemlichkeit macht sehr viele fett! Das sehen wir auch schon bei Tieren. Wer alles bekommt, wird faul, bequem und fett. Das ist eine biologische Naturregel! Wir sind eine dicke und faule, bequeme und gefrässige Gesellschaft geworden. Sowohl Junge wie Alte müssen den Verzicht lernen, erst recht angesichts des Überflusses. Unser Körper, unser Stoffwechsel ist auf Überfluss nicht eingestellt. Überfluss ist unmenschlich.
Wie soll das gehen? Unser Hunger treibt zur Nahrungsaufnahme. Das haben Gott und/oder die Evolution so gewollt und eingerichtet. Und in der langen Zeit der spartanischen Versorgung des Menschen mit Nahrung wurde das eine sehr eingefleischte Handlungsweise, möglichst schnell, möglichst viel. Wenn Du Nahrung bekommst, dann musst du essen. Was Du im Bauch hast, das kann Dir niemand mehr nehmen. Heute aber bekommen wir regelmässig Essen und am Ende fragt Mutter auch noch: Bist Du richtig satt? Iss Dich satt, es gibt nicht so schnell wieder etwas. Und andere Sprüche. Kinder werden regelrecht zum Essen angehalten, obwohl wir wahrscheinlich besser täten, ihnen das viele Essen frühzeitig abzugewöhnen. Gewiss, in jungen Jahren müssen und dürfen sie noch wachsen. Sie treiben Sport und rennen viel draussen herum, wenn sie es denn noch tun und wenn sie nicht nur vor dem elektronischen Langeweilevertreiber oder über der Wissensaufnahme sitzen. Sie verbrauchen glücklicherweise noch Kalorien und daher bleiben sie schlank, viele Kinder aber auch nicht.
Noch bis vor 70 Jahren war es etwas erstrebenswertes, regelmässig zu essen. Auch heute noch wird das von treusorgenden Ehefrauen und Müttern so gedacht und gehandhabt. Warum eigentlich? Zu Zeiten als unser Magen-Darm-Trakt und unser Stoffwechsel entstanden, war das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit genau umgekehrt. Und es ist nicht anzunehmen, dass sich in den zurückliegenden 150 Jahren unser Bestand an Genen so geändert hat, dass jetzt plötzlich das Gegenteil richtig sein sollte. Die Millionen Jahre vorher war es andersherum.
Wir haben unsere Welt verändert, haben sie dem „Menschsein“ entfremdet, haben sie unmenschlicher gemacht, indem wir sie menschlicher und uns untertan gemacht haben. Sie verschafft uns nun viel mehr Nahrung, eher zu viel. Nun aber müssen wir uns den neuen Verhältnissen anpassen. Wir dürfen sicher sein, genetisch wird das nicht passieren. Unser Stoffwechsel wird sich in den nächsten 100000 Jahren kaum verändern.
Das Essen schmeckt. Wer selber gut kocht, ist in Gefahr. Für Andere ist es der einzige Genuss, den sie noch zu haben glauben. Wenn aber mit zunehmenden Hilfsmitteln (Auto, Lift, Waschmaschine, Staubsauger, automatischer Rasenmäher…, neuerdings sogar E-Bike, E-Trottinette etc.) und zunehmendem Alter die körperliche Bewegung immer mehr nachlässt, sinkt der Kalorienverbrauch. Es ist doch schon wirklich viel Glück und ein Kunststück, unter diesen Umständen nicht Gewicht zuzunehmen. Und da hilft auch keine Diät. Da hilft nur eine komplette Umstellung und langfristige Anpassung der Lebensweise. Der Magen muss gefüllt werden. Das Hungergefühl muss weg, sonst wird der Mensch krank und/oder missmutig oder schlimmer. Aber der Magen muss betrogen werden durch kalorienfreies Füllmaterial (Essen) und das immer wieder, jeden Tag mehrmals, für den Rest des Lebens. Die Muskeln müssen gebraucht werden. Kein Auto, kein Lift, keine Maschinen als Kräfteersatz oder -ergänzung und viel Sport, auch in höherem Alter. Hören Sie sich an, was unsere vor allem älteren Damen sagen: „Herr Doktor, ich esse doch nun so wenig, aber ich nehme kein Gramm ab.“ Recht haben sie, aber sie verbrennen auch wenig Kalorien, denn sie sitzen den ganzen Tag herum oder tun leichte Tätigkeiten, die nicht viel Energie verbrauchen. Und viele können sich kaum mehr bewegen. Sie sind schon lange in der Sackgasse und wenden geht gar nicht mehr. Es hilft nur Vorbeugung, Vorbeugung ab dem Kindesalter!!! Der moderne Mensch hat seine Lebensweise komplett verändert, hat sie unmenschlich gemacht, dem menschlichen Körper entfremdet. Wir müssen uns dem anpassen. Und dumm ist, wer es nicht und vor allem nicht rechtzeitig tut. Dieses Spannungsverhältnis müssen wir bewusst und willentlich gestalten und nicht intuitiv zur Seite schieben oder vergessen. Warum sollten wir das nicht tun? Setzen Sie sich Ziele. Dazu haben wir doch unseren Verstand.
Gibt es denn nichts anderes zu geniessen als Essen und Bequemlichkeit? Geniessen Sie doch mehr ihren Mann, Ihre Frau? Nein, bieten Sie Ihrem Mann oder Ihrer Frau mehr! (Oder auch mal einem anderen/einer anderen?)
Machen Sie keine Diäten oder Physiotherapie, sondern ändern Sie Ihre Lebensweise.
Wer in der Schweiz oder Deutschland an Vitaminmangel zu leiden glaubt, zeigt der nicht nur seine Dummheit? Wir haben doch auf dieser Erde mit die qualitativ beste Nahrung und im Überfluss. Was sollen dann all die anderen Milliarden Menschen unter ungünstigeren Bedingungen sagen? Wie viel Geld wird dafür völlig unnützerweise in die Apotheken, Drogerien und anderen Läden geschafft? Wie viel Geld wird völlig unnütz durch Laborteste beim Hausarzt verschleudert? Aber was wäre, wenn es der Hausarzt bei Unwohlsein nicht täte?
Viele Krankheiten sind nicht Krankheiten, sondern Dummheiten, Unmenschlichkeit, Leben nicht dem menschlichen Körper gemäss: ADHS, Diabetes mell. II (Alterszucker), Übergewicht, Schlafapnoe, viel Arteriosklerose, Suchtkrankheiten, Depressionen und eine Anzahl mehr.
Unsere menschliche Dummheit kostet uns Menschen viel Geld. Medizinische Wissenschaft ist oft gar nicht Erforschung des menschlichen Seins, sondern wie kann ich all die menschlichen Fehler schmerzlos unfühlbar machen? Denn gesund fühlen wir uns, wenn wir keine negativen Gefühle aus dem Körper gesendet bekommen. Wir sollten besser nachdenken, bevor wir Medizin machen.
Wenn Männer dick sind, ist es in den meisten Fällen Dummheit auf irgendeine Art. Bei Frauen spielen mehr Faktoren eine Rolle, aber eigentlich ist es genauso Dummheit. Wer es sich bequem macht auf dieser Erde, wird fett, nicht ganz alle, aber sehr, sehr viele. „Zivilisationskrankheiten“! Was ist eigentlich Zivilisation? Ist das eigene, egoistische Leben nach der Devise „Ich lebe nur einmal, also alles mitnehmen, was möglich ist“ Ausdruck von Zivilisation? Oder müssen wir nicht eigentlich das Gegenteil annehmen? „Ich lebe nur einmal, also alles mitnehmen, was möglich ist“ ist doch maximal unzivilisiert? Das sehen wir dann an den Wunden unserer Erde, an den Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden, an den Bedingungen, unter denen andere Menschen im Vergleich zu uns leben und an unserem eigenen Aussehen. Gut, wir müssen nicht immer in Extremen denken und reden, aber die Tendenz ist doch klar, oder?
Von älteren Menschen höre ich häufiger: „Ich kenne meinen Körper gut. Ich weiss, was meinem Körper gut tut.“ Frauen sagen das häufiger als Männer. Woran machen das diese Menschen fest? Sie fühlen in ihren Körper hinein im zeitlichen Zusammenhang mit einer Massnahme. Fühlt es sich gut an oder zumindest nicht schmerzhaft oder anderswie nachteilig, dann ist es gut. Fühlt es sich nicht gut an, ist es schlecht. Woher wissen wir, dass wir gut und schlecht für unseren Körper an unseren augenblicklichen Gefühlen festmachen können? Woher nehmen wir die Feststellung, dass unsere heutigen Gefühle ausschlaggebend für gut und schlecht für den Rest unseres Lebens sind? Weiss wirklich jemand auf Grund seines Gefühles, was gut und was schlecht für seinen Körper ist, noch dazu womöglich nachhaltig? Ist der tägliche Genuss wirklich gut für uns?

 

Burnout, ADHS und Psychologie.

Wir können in Psychiatriebüchern über Burnout lesen. Es gibt sehr detaillierte Definitionen, was Mediziner darunter verstehen. Erzählte mir eine Patientin aus einem Beruf vom Fach, dass sie darunter auf jeden Fall nicht leide. Auf all die Fallen, über die man ins Burnout geraten könne, achte sie bei sich sehr genau. Da gibt es eine durch Studien und deren Ergebnisse abgesicherte Definition. Aber wie wir schon sahen, mit Studien kann man alles belegen. Man muss sich nur die richtigen heraussuchen. Einen Beleg dafür, dass die Definition dann auch die Realität wirklich trifft, liefern die Studien nicht. Das ist ein verbreiterter Irrtum, dass es so sei. Je materieller die Fragestellung, je weniger Leben darauf einen Einfluss hat, desto eher scheinen Studienergebnisse wirklich Abbilder der Realität werden zu können. Je mehr Leben in der Studie vorkommt, als Thema, als Objekt, als Untersuchungsmethode etc. desto grösser wird meist die Distanz zwischen Erkenntnis und Realität sein. Meine Patientin vom Fach litt an Beschwerden, die sehr gut in die Rubrik Burnout gepasst hätten.
Burn out ist oft eine Art von midlife-crisis, eine Krise, in die wir kommen, weil wir uns in unserem jugendlichen Leichtsinn, unserer Hormonaktivität und Kraft überschätzen, Frauen offenbar sehr viel mehr als Männer. Trifft es nicht oft gerade die Frauen, die sich moralisch viel vorgenommen haben? Die Welt ist so böse, die Männer sowieso (was ja leider oft stimmt). Wer kann die Welt besser machen, kann sie retten, kann sich gut um die Kinder kümmern und kann auch noch am besten den Beruf ausfüllen und damit die Welt ein bisschen besser machen? Nur die Frauen (und mindestens zum Teil stimmt das ja auch)! Um sie selbst kümmert sich keiner, kein Mann und sie selbst nicht. Sie müssen und wollen jetzt ganz ihren Mann stehen. Warum muss eigentlich eine Frau so unbedingt ihren Mann stehen? Vielleicht wäre es gesünder, wenn eine Frau ihre Frau stünde? Was würden wir denn darunter verstehen? Müssen Frauen für ihr Selbstwertgefühl maximale Leistung zeigen oder bringen?
Bei Männern ist die Entwicklung eine andere. Sie arbeiten einfach bis zum Umfallen, damit genug Geld hereinkommt oder damit das Geschäft gut ins Laufen kommt. Sie schaffen für eine Zukunft für die Familie oder auch nur für ihre eigene Zukunft.
Bei beiden Geschlechtern hat das doch überhaupt nichts mit Krankheit zu tun, auch wenn Psychologen und andere schlaue Leute da medizinische Definitionen kreieren, noch womöglich vor allem dazu, damit die Krankenkassen auch diese Kosten noch übernehmen. Müssen wir uns denn wundern, dass die Gesundheits- oder Krankheitskosten dann so steigen? Nachdenken wäre vermutlich preiswerter?
Burnout ist keine Krankheit. Burnout ist Ausdruck von Dummheit, von Überforderung oder Falschforderung des menschlichen Körpers einschliesslich Seele und Geist. Viele Frauen sagen das ja auch hinterher und entschliessen sich, sich jetzt endlich um sich selbst zu kümmern. Männer legen wieder los. Burn out ist nichts weiter, als eine Situation, die das Einschalten unseres eigenen Kopfes bräuchte. Das versuchen die Psychologen/Psychotherapeuten dann ja auch.

 

ADHS ist eine Krankheit vor allem von Kindern, inzwischen zunehmend auch von (jungen) Erwachsenen. Sie werden eben älter. Kinder sind Menschen, die sich zunächst motorisch, dann zunehmend auch intellektuell ihre Umwelt erobern, um sie zu verstehen und sich mit ihr zu verweben. Schon mit zwei Jahren kommen die Kinder in die Trotzphase. Schon mit zwei Jahren starten sie also mit der Loslösung, mit der Ich-Werdung, mit der Persönlichkeitsbildung. Für Eltern ist dass stressig, aber seien Sie froh. Hier entwickelt sich Leben, entwickeln sich Persönlichkeiten. Eigentlich ist die Entwicklung eines Kindes eine sehr aktive Angelegenheit. Die Beschulung unserer Kinder, inzwischen ja startend im Kindergarten möglichst zweisprachig wird aber zunehmend zu einem passiven, fremdgesteuerten Vorgang. Kinder werden wie Computer mit „Wissen“ vollgestopft. Die Festplatten im Kopf werden programmiert.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Kind und einem Computer? Es geht nicht nur um Bewegungsmangel bei den immer stillsitzen müssenden Kindern, die dann danach noch entsprechend hart Sport treiben müssen, damit ein Bewegungsausgleich stattfindet. Nein, es handelt sich viel mehr um einen „Ich-Mangel“. Die Hirne der Kinder werden mit „Wissen“ programmiert, möglichst effektiv, möglichst umfassend, möglichst für spätere Karriere optimiert. Wie viel Wissen dieses „Wissen“ enthält, hatten wir schon bedacht. Damit muss man den Sinn und die Art und Weise unserer Beschulung stark hinterfragen. Andererseits rauben wir den Kindern ihre Ich-Werdung.
Warum stöhnen Personalführungen in Betrieben heute über die fehlenden Softskills, also die fehlenden Fähigkeiten, sich mit einander abzustimmen, auf einander einzugehen, andere als Persönlichkeiten zu achten, die Teamfähigkeit? Festplattenprogrammierung ist keine Form natürlichen Lebens, ist nicht dem Menschen gemäss, nicht menschlich. Wir rauben unseren Kindern eine Menge Zukunft, weil wir sie von aussen festlegen. Künstliche Intelligenz, eingebaut in menschliche Hirne. Leben, um zu funktionieren. Ist das Leben? Ist das der Sinn unseres Lebens, unseres „Auf-dieser-Erde-Seins“, der Sinn unserer Kinder?
Die Kinder müssen doch ganz ausser sich sein, können keine innere Ruhe entwickeln, können sich gar nicht genug gegen den äusseren Druck wehren. Sollten wir nicht eher, statt ihnen Medikamente, Blocker zu geben, lieber Freiheit zur eigenen Entwicklung schenken? Das bedeutet nicht, dass wir ihnen vollständige Eigenständigkeit lassen müssen oder sollten, sondern das bedeutet, dass wir zusammen die Welt kennenlernen und erobern, Kinder vielleicht sogar eher vorneweg als hinterher? Im miteinander Leben liegt der Sinn und auch die Kindesentwicklung. Gute (Allgemein-)Bildung ist wertvoll, ist aber nicht Bedingung. Stimmen wir Leben und Bildung aufeinander ab, dann beugen wir der Entwicklung zum ADHS bei unseren Kindern vor. Dann brauchen wir auch kein ADHS mit Medikamenten zu behandeln.

 

Sind viele Depressionen (ausser den bipolaren, den manisch-depressiven) nicht zu einem grossen Teil nur nicht verarbeitete Enttäuschungen? Oder Ausdruck des Verarbeitungsprozesses von Enttäuschungen? Vor allem Frauen in der Loslösungsphase von den Kindern. Sie werden oder fühlen sich aufgabenlos, wertlos? Es findet ein Trennungsprozess statt. Eigentlich gehören sie nicht zum Psychiater, sondern zum Philosophen, zum Priester, zum Freund (zum Mann?) oder der Freundin. Aber sie denken nicht nach. Sie leiden. Sie gehören eigentlich ins Leben. Beim Hausarzt bekommen sie Antidepressiva. Damit werden diese Frauen erst einmal von der Situation gelöst. Sie bekommen etwas Distanz und Ruhe. Aber sie bezahlen das auch damit, dass sie aus dem Leben in eine Parallelwelt ausgewandert sind. Antidepressiva sind völlig fehl am Platz. Als Menschen spielen wir nur noch Rollen in Form von bezahlten Berufen. Menschliches, lebendiges, persönliches Miteinander in Freud und in Leid gibt es gar nicht mehr. Das schaffen wir ab. Statt dessen sind wir Arzt und Patient in Rollen.

 

Wir erklären Mangelzustände unseres Lebens, die eigentlich aus Dummheit entstanden sind, zu Krankheiten. Das erhöht die Gesundheitskosten massiv. Unsere Gesundheitskosten sind Reparaturkosten für unsere Dummheit. Sollten wir nicht lieber zusammen nachdenken, wie wir unser Leben wieder dem Menschsein gemäss, menschlich, leben könnten? Womöglich wären wir viel gesünder und die Gesundheits- resp. Krankheitskosten würden sinken?
Patienten handeln mit mir als Arzt um ihre Medikation, dabei müssten sie mit ihrem Körper handeln oder mit sich selbst, nicht mit mir. Sie versuchen bei mir Verständnis zu wecken, warum sie das Rauchen nicht aufgeben können, warum sie nicht gerne Medikamente nehmen oder warum sie sie dauernd vergessen. Mir ist das doch egal. Die Frage ist, was Sie als Patient mit Ihrer Gesundheit selbst wollen. Wenn andere Dinge wichtiger sind als Ihre Gesundheit, wofür ich ja Verständnis habe, dann ist es für Sie so. Aber dann ist mir Ihre Gesundheit auch egal.
Vieles, was ich hier schreibe, ist in der Psychologie eigentlich schon lange bekannt. Ich bin nicht der erste, der solche Zusammenhänge, Mechanismen und Widersprüche erkennt. Es wird aber für uns selbst nur zur Realität, wenn wir diese Realitäten (oder Wahrheiten) selbst wahrnehmen und bejahen und uns zu eigen machen oder als falsch entlarven. Das kann kein Psychiater oder Psychologe für uns und auch keine Medizin. Das können nur Sie allein oder wir gemeinsam, aber dann ich nicht in irgendeiner Rolle, sondern schlicht als Mit-Mensch.

 

Schlaf

Sind die Schlafstörungen vieler alter Menschen, vor allem Frauen, nicht die kreisenden Gedanken in den Grenzen des eigenen Lebensflusses, die durch die vielen Enttäuschungen immer wieder Schmerzen verursachen? Ist lange leben für sie eher Qual? Deshalb so hoher Schlafmittelverbrauch?
Schlaf verstehen wir irrigerweise als idealen, bewusstlosen, krafteinflössenden, muntermachenden Zustand unseres Seins von ungefähr 8 Stunden pro Nacht. Ich schlafe heisst: Ich bin jetzt mal weg. Ich empfinde mich nicht. Ich bin gar nicht da. Stimmt das denn? Ist Schlaf nicht eher ein Spiegel unseres Seins? Hat Schlaf nicht eine Funktion? Wahrscheinlich sind unsere Vorstellungen von Schlaf falsch?
Schlafen. Müssen Sie denn alles bestimmen, selbst wie Sie schlafen? Woher wissen Sie denn, was guter, was richtiger Schlaf ist? Man hat Ihnen ein Ideal vorgesetzt oder Sie haben es sich zusammengebastelt. Vielleicht ist dieses Ideal gar nicht realistisch, vor allem in der zweiten Hälfte des Lebens nicht? Leben ändert sich im Laufe eines Lebens. Auch Schlaf ändert sich im Laufe eines Lebens. Womöglich ist Schlaf auch noch von unterschiedlicher Bedeutung für Mann und Frau?
Wie viel wird allein die Erfindung des elektrischen Stromes uns Menschen verändert haben? Etwa 1,5 Std. weniger Schlaf pro Tag. Was wäre, wenn unsere so häufige Müdigkeit nur von der verkürzten Nacht durch elektrisches Licht kommt?
Schlaf ist eine phasenhafte Angelegenheit. Nicht, ich lege mich abends ins Bett, bin dann wie tot und morgens stehe ich auf, entweder vom Wecker geweckt oder weil ich ausgeschlafen habe. Schlaf geschieht in Phasen, in tieferen und flacheren Schlafphasen. Wachzeiten gehören auch dazu.
Führen Schlafmittel, wenn sie eher Narkosemitteln gleichen und über Nacht dazu führen, dass wir „wie tot“ schlafen, denn zu einem physiologischen, einem normalen, einem angemessenen Schlaf? Tagsüber ist die Wirkung gar nicht richtig weg und wir sind schon wieder müde, nicht des Schlafmangels wegen, sondern der Restwirkung des Schlafmittels vom Vorabend willen.

 

Menschsein und Leistung, Sport:

Sport! Die Leistung des Menschen ist wohl doch nicht linear steigerbar, sondern eher als Kurve in Glockenform? Oder als Parabel zwischen x- und y-Achse? Falls in der Glockenkurve, sind wir dann nicht vielleicht bereits im letzten, dem schwach abfallenden Abschnitt? Geringe Mehrleistung ist nur noch mit grossem Aufwand zu erreichen. Viele Sportler, und ihre Anzahl wird immer grösser, können diese Leistungen nicht mehr bringen und müssen verlieren und verzweifeln. Und Siege werden nur noch mit Millisekunden erreicht. Die Fehlertoleranz der Messung ist grösser als die Differenz zum Sieg? Vergessen Sie den Menschen in den Sportlern nicht. Wir kennen den Spruch „Sport ist Mord“. Müsste es nicht auch heissen „Heutiger Leistungssport ist Selbstmord, weil nicht mehr zu gewinnen?“
Gilt nicht die gleiche Glockenkurvenentwicklung für die Lebenserwartung? Die Kosten für wenige Tage Verlängerung des Lebens steigen immer mehr. Meistens sind es nicht die schönen Tage, deren Anzahl vergrössert wird, sondern die Anzahl der letzten, der Leidenstage vor dem dann doch unvermeidlichen Ende. Lebenswert? Vielleicht haben wir unsere Welt durch die vielen menschengemachten Veränderungen doch unmenschlicher gemacht, weil wir sie den menschlichen Wünschen gemässer, also menschlicher machten? Und all die Menschen, die heute ihrem Leben am Ende ein selbstbestimmtes Ende bereiten wollen (Exit), sind menschlicher, sind am Ende gefühlsbestimmter (was wir ja als typisch menschlich gefunden haben) als die Philosophen und Mediziner, die abstrakt und theoretisch festlegen wollen, was menschlich ist, und damit gefühlt völlig daneben liegen? Der Irrweg der Normen… Wäre es im Sinne von Verzicht auf Nutzen von Ressourcen vielleicht sogar eine Option, sein Leben selbstbestimmt zu beenden, wenn die Nutzen-Kosten-Relation dreht? Allerdings ändern nicht wenige Menschen ihre zunächst theoretisch getroffene Ansicht resp. Entscheidung später wieder, wenn es zur Umsetzung geht. Der Wille zu leben, hält viele Menschen lange noch am Leben.
Interessant ist auch meine Beobachtung mit vielen Patienten in der zweiten Lebenshälfte: Wenn wir die noch von den Patienten erwartete persönliche Lebensdauer mit der in der Schweiz berechneten mittleren Lebenserwartung pro Frau und pro Mann vergleichen, dann besteht da in weit über 50 % eine erhebliche Differenz. Die persönlich erwartete verbleibende Lebensdauer ist viel kürzer als die berechnete mittlere. Das bedeutet, dass viele Menschen sich auch mental und finanziell und mit dem körperlichen Training und in vielerlei anderer Hinsicht schon mit einem nahen Ende abfinden und innerlich abschliessen, obwohl es noch gar nicht bevorsteht. Es bedarf der mentalen Leistung (entgegen der christlichen Maxime: Mensch bedenke, dass Du sterben musst!), sich darauf vorzubereiten, dass man nun auch länger leben muss, als vor hundert und mehr Jahren. Das ist nicht nur Vorteil (wie uns viele Mediziner und Medizinphilosophen erklären wollen), sondern auch neue Bewältigungsaufgabe, um nicht zu sagen, Nachteil. Das ist auch unmenschlich.
Und wie ist es mit der schulischen Leistung? Gewiss sind noch Steigerungseffekte erreichbar. Aber sind unsere Kinder denn Zuchttiere zur Steigerung der Lerneffektivität und Steigerung der Wissensaufnahme und späteren -verwertung? Werden das allseits fähige und glückliche erwachsene Menschen? Werden wir und machen wir sie nicht immer unmenschlicher? Leben wir noch menschlich mit ihnen? Ist maximale Leistung Sinn unseres menschlichen Lebens wie die maximale Fleischgewinnung der Sinn der Tierzucht ist? Könnte es sein, dass auch Tiere einen ganz anderen Sinn haben, als nur uns zur maximalen Befriedigung bestimmter Bedürfnisse zu dienen? Die einen gleich töten, die anderen maximal mästen?
Und wie ist es mit unserer eigenen Leistung im Berufsleben? Zweifellos sind weitere Steigerungsmöglichkeiten vorhanden. Und wir müssen heute jeden fördern, damit er das Beste aus sich machen kann, nein damit er und/oder sein Arbeitgeber das Beste aus ihm herausholen können. Werden wir so menschlicher? Vielleicht sollten wir auch mal unsere Gefühle fragen statt nur unseren Verstand? Denken wir daran: Unsere Gefühle sind primär, der Verstand beeinflusst uns weniger. Vielleicht sollten wir über uns als Persönlichkeit nachdenken? Erschöpft sich unsere Persönlichkeit in unserer Leistungsfähigkeit, in unserer Genussfähigkeit, in unserer Verbrauchsfähigkeit? Ist es menschlichem Leben überhaupt gemäss, wenn wir im Berufsleben alles nur auf Effektivität trimmen? Je effektiver, desto besser? Je rentabler, je höher der Gewinn, desto besser? Burn out ist dann ein Nebeneffekt, der eben in Kauf genommen werden muss!
Liebe Sportlernationen, glauben Sie wirklich, dass das Leben vor allem Wettkampf ist, Wettkampf um die höchste Position in der Welt? Ist das Ihr Selbstwertgefühl?
Der Ehrgeiz, immer der Beste, der schnellste, der reichste, der stärkste, auf der Karriereleiter ganz oben sein zu wollen oder zu müssen, führt zu Unmenschlichkeit gegen sich selbst und Anderen.
Finden wir nicht eine immer grössere Spannung zwischen dem, was wir als Verbraucher an Leistung erhalten möchten, was wir dann aber als Leistungserbringer für andere gar nicht leisten können oder wollen?

 

Gendermedizin:

In den letzten Jahren entdeckte die Medizin die sogenannte „Gendermedizin“. Sie meint damit Unterschiedlichkeit der beiden Geschlechter hinsichtlich des Stoffwechsels. Herzerkrankungen, Diabetes und verschiedene Stoffwechselsituationen bieten bereits bekannte Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern. Auch die Formen von Übergewicht sind relativ geschlechtstypisch und -spezifisch.
In der Hausarztmedizin ist Gendermedizin eigentlich schon mindestens seit Jahrzehnten üblich. Immer wieder klagen Patienten über allerlei Beschwerden, für die der Arzt eigentlich keine Ursache findet. Frauen sind dabei weit häufiger vertreten als Männer. Dann werden irgendwelche Vitamintherapien, Nahrungsergänzungsmittel, Strom- und Wellenbehandlungen und vieles mehr durchgeführt. Auch neben der Medizin hat sich eine ganze Gruppe von „Therapeuten“ etabliert, die eine Vielzahl von Anwendungen anbieten, die „guttun“. Bei vielen dieser „Therapieformen“ sind Frauen als Kunden deutlich häufiger vertreten als Männer. Die Ärzte verstehen die Probleme der Frauen nicht oder haben nicht genug Zeit für sie oder haben eben keine Lösung für deren Probleme oder vielleicht auch nur Besonderheiten? Dann kommen solche Therapien zum Einsatz. Im Grunde ist das eine bereits alte Form von Gendermedizin. Das hat schon soweit geführt, dass viele Frauen von den Ärzten (überproportional oft Hausärzte, weil sie am meisten damit konfrontiert sind) gar nicht ernst genommen werden. Schnell eine Salbe, ein Mittelchen, ein Antidepressivum oder Massage oder sonst etwas und dann möglichst schnell zum nächsten Patienten.
Wenn wir heftigen Problemen oder Widrigkeiten ausgesetzt sind, schlägt uns das nicht selten auf den Magen. Das ist ein Bauchgefühl, das relativ gleich auf beide Geschlechter verteilt ist. Vor allem bei jungen Frauen gibt es aber immer wieder Beschwerden eher im Unterbauch, die nicht selten zu einer Reihe Untersuchungen führen und schliesslich zu einer Bauchspiegelung. Gefunden wird häufig nichts besonderes. Die Ursache der Beschwerden bleibt am Ende doch unklar. Bei Männern gibt es so etwas praktisch nicht. Es ist eine Besonderheit des weiblichen Bauches oder eben der Beziehung von Frauen zu ihrem Bauch (Körper). Es gibt nicht nur „Schmetterlinge im Bauch“, sondern auch „Flöhe im Bauch“.
Frauen kommen mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit, allgemeinen Schmerzen. Vielleicht sind Sie gar nicht krank? Vielleicht sollten Sie in sich gehen und fragen: Lebe ich meinem Körper gemäss? Lässt mich meine Familie, mein Mann, meine Arbeit, mein Beruf, mein Selbstbild meinem Körper und meiner Beziehung zur Aussenwelt gemäss leben?
Suchen Sie beim Burn out der Frau immer auch nach dem Mann, der es mit verursacht. Die Arbeit ist nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Die Arbeit ist nicht die Ursache des Burn out. Vielleicht sind es auch wir Männer an sich? Beim Mann wird wohl die Arbeit viel mehr Anteil als Ursache für ein Burn out haben? Burn out ist keine Krankheit, sondern körperliche Reaktion auf Lebensphilosophie und sehr genderspezifisch.
Familienleben bedeutet für Frauen heute sehr viel weniger Arbeit als früher. Warum gibt es dann gerade heute so viel Burn out?
Eine Frau verschenkt sich, sobald sie sich für etwas begeistert, erst Recht für einen Mann. Das ist in ihr genetisch so angelegt. Damit verbraucht sie sich natürlich auch. Nun gibt es Psychologen und Therapeuten, die das naheliegende tun. Sie bringen Frauen im Burn out bei, auf sich aufzupassen, und sich nicht mehr zu verschenken. Damit werden wir Männer und unsere Gesellschaft ärmer. Besser wäre es, wir Männer würden da auf unsere oder die Frauen achten und wären Kavaliere. Dann könnten sich Frauen weiter oder wieder verschenken. Aber wie immer, Therapie ist schwierig, Vorbeugung ist wirkungsvoller. Vorbeugung braucht aber viel mehr Grosszügigkeit von uns Männern. Männer, Selbstbeherrschung muss sein!
Auch Asthma ist eine Konstitution und Krankheit, die sehr ausgeprägte genderspezifische Eigenschaften aufweist.
Lassen Sie uns an dieser Stelle noch ein wenig abschweifen. Wir haben festgestellt, dass unser medizinisches Denken und Handeln sehr von unserer Philosophie, von unserem Menschenbild abhängt. Auch für die Gendermedizin, für die Medizin, die sich mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern beschäftigt, gilt das. Gibt es eigentlich eine Genderpsychologie? Frauen und Männer verstehen sich immer weniger, werden sich immer fremder, immer häufiger Single oder Homo. Offenbar stehen sich beide Geschlechter doch auch psychisch viel fremder gegenüber, als wir es wahr haben wollen? Unvoreingenommene Genderpsychologie wäre ein wichtiges Fach!
Schlussfolgern müssen wir aber und eigentlich als Grundlage sogar vorausdenken, dass es eine Gender-Philosophie gibt oder geben müsste. Gehört habe ich davon bisher nicht. Auch wenn man recherchiert, kommt nicht viel dazu heraus. Es fehlt uns bisher eine Beschäftigung mit der Frage, wie wir Frau und Mann begreifen wollen, verstehen wollen, welches Bild wir von ihnen haben. Mit dem Verändern sind wir schon weit fortgeschritten. Wir haben aber noch gar nicht hinterfragt, was denn Frau und Mann in unserer Gesellschaft wirklich ausmacht. Da haben wir riesigen Nachholbedarf. Das hätten eigentlich schon unsere Vorfahren machen müssen vor zweihundert Jahren. Heute müssen wir es schleunigst nachholen, denn die Frau und den Mann, wie sie Gott und/oder die Evolution über lange, lange Zeiträume geschaffen und geprägt haben, sterben gerade aus. Es gibt nicht mehr viele als Anschauungsexemplare. Die Möchte-gern-Männer kann man dafür nicht nehmen. Und die heutigen Männer sind teilweise auch nicht mehr die Alten (oder doch?). Domestizierte Männer.
Männer sind eher Maschine als Frauen. Das gilt für Sport, für das Selbstbild, für das Verhalten, für die Pflege der Beziehung. Gendermedizin, Genderweltbild.
Auch wenn wir in die Geschichtsforschung gehen, dann ist es dürftig, was eine unvoreingenommene Gendergeschichtsforschung anbetrifft. Wir haben in den letzten 200 Jahren viele Stellungnahmen und Äusserungen zu „Frau und Mann“ in der Geschichte, aber wenn wir heute versuchen, bestimmte Vorurteile einmal als Massstab zu umgehen und dann forschen, dann stehen wir auch da sehr am Anfang. Junge Frauen und Männer, da würde es sicher spannend!

 

Sucht:

Sucht ist ein Phänomen, das durch gutes Gefühl im Menschen ausgelöst wird. Ich benutze etwas, um mein Körpergefühl zu bessern. Da gibt es sehr verschiedene Gefühle: Ein High-Gefühl (was immer das bedeutet), Vertreiben von Müdigkeit, von Schmerzen, von Empfindungen einer schlimmen Umgebung, zum Stressabbau, … Es wirkt, indem das Suchtmittel einen Keil zwischen die Verhältnisse und die meist negative Empfindung der Verhältnisse treibt, zur Entspannung, zur Erzeugung eines einfach angenehmen Körpergefühles. Rauschmittel verschaffen Distanz zur Umwelt und zu uns selbst und zu den Menschen um uns herum oder auch das Gegenteil. Sie schaffen eine Form von Schein im Gegensatz zum Sein. Damit begrenzen sie die Entstehung tiefer Liebe und sie führen zur Masslosigkeit im Verbrauch.
Es gibt Substanzen (Nikotin, Alkohol, Benzodiazepine (Schlafmittel), Morphine (Schmerzmittel) und viele andere Drogen), die den Metabolismus im Körper ändern und in eine gewisse Richtung beschleunigen. Diese Veränderungen führen zu körperlicher Sucht. Fehlt das Suchtmittel, tritt körperlicher Entzug mit seinen Symptomen auf. Das Suchtmittel muss immer wieder zugeführt werden, um diese Symptome auszuschalten oder zu verhindern. Der Entzug ist wie eine Krankheit und hat nichts mit Psyche oder Gefühl oder Willen zu tun. Das ist ein stofflicher Vorgang und kann nicht einfach mit Psychologie oder eigenem Willen ausgeschaltet werden.
Diese Sucht ist nicht heilbar. Wer es ausprobiert, ist wie jemand, der über den Felsrand springt, um am eigenen Körper zu testen, wie tief der unbekannte Abgrund dahinter ist. Der Gesprungene kommt nicht wieder zurück. Ade.
Klar, wollen junge Menschen und vor allem Männer Grenzen überschreiten. Sie wollen die Widerstandskraft ihres Körpers austesten. Aber wer überleben will (z.B. der über den Felsrand gesprungene) oder sein selbstbestimmtes, freies Leben erhalten und weiter führen will (z.B. der das Suchtmittel Probierende und dann Gefangene), der darf eben genau das nicht probieren. Wenn ein Mensch aus der Geschichte lernen wollen sollte, hier ist eine sehr wirksame Möglichkeit. Sehr verehrte Jugendliche, denken Sie hier lange nach und schützen Sie Ihr Leben. Nur Sie selber können es. Was Andere in der Clique oder in der Gang oder nur in der Schulklasse tun, ist da völlig egal. Die sind für ihr Leben selber zuständig. Die müssen die Folgen der Fehler nachher selbst ausbaden. Sie selbst bestimmen über Ihr Leben und das leider bereits zu einer Zeit, in der Sie die Folgen noch überhaupt nicht überblicken können. Die Rauschgiftsüchtigkeit zeigt, wie dumm die Jugend tatsächlich ist (Entschuldigung!). Wer das Leben erst einige Jahre und mit verschiedenen Menschen und deren Problemen kennengelernt hat, hat ein viel geringeres Risiko, in diese Falle zu gehen.
Es gibt andere Substanzen (Cannabis, Automaten- und Computerspiele, Kaufen, Geniessen, Verbrauchen, Sex …) und die im Absatz vorher genannten wirken oft in zweiter Linie am Anfang auch so, die Befriedigungs- und Sättigungsgefühle auslösen. Der Mensch begibt sich in einen künstlichen Raum der Sorglosigkeit, Leichtigkeit, Fehlen schmerzhafter Einflüsse auf den Körper, gutes Bauchgefühl, körperliches Wohlgefühl, vielleicht auch im Hirn erzeugter himmlischer Gefühle oder Halluzinationen. Spiele mögen auch ein abstraktes Ziel vorgaukeln, das erreicht werden soll oder möchte. Diese Substanzen oder Tätigkeiten lullen uns ein, binden unsere Aufmerksamkeit. Wir wollen es einfach immer wieder haben, weil uns dann das ganze Elend des Lebens und der Welt um uns herum kalt lässt oder nicht mehr erreicht. So werden wir psychisch abhängig. Das wäre noch nicht einmal schlimm. Aber mit dieser Wohlfühlmaschine nimmt auch das Interesse an allem um uns herum ab. Diese Stoffe schaffen so richtige innere Zufriedenheit. „Ach, geht es uns gut“. Wir achten darauf, dass uns das kein Nachbar, kein Arzt, kein Politiker, kein Immigrant wegnimmt. Auch der eigene Körper, die Moral und die Ziele werden egal. Die Selbstdisziplin schwindet. „Gut“ wird das, was mir dieses Körper- und Lebensgefühl verschafft.
Seit die Drogen in den 80iger Jahren aus dem Stadtbild Zürichs in die kontrollierte Ersatzabgabe und damit in die Privatwohnungen verlegt werden konnten, ist das Problem erstaunlich weit verdrängt worden. Die Schweiz hat ein massives Drogenproblem. Der Gebrauch von Cannabis ist weit verbreitet. Vermutlich werden doch eine Reihe chronischer Lungenschäden davon verursacht. Es ist ja meist zusätzlich mit dem Zigarettenrauchen kombiniert. Völlig unauffällig lebende und unauffällig aussehende Menschen berichten plötzlich, dass sie beides praktizieren, nicht selten schon über Jahrzehnte. „Ja, das Rauchen würde ich ja noch aufgeben, aber den abendlichen Joint? Nein, das kann ich mir gar nicht vorstellen. Dann höre ich lieber auf zu rauchen.“ Aber der allabendliche Joint raubt ihr die Selbstdisziplin. Ihr Wille, nicht nur ihr eigenes Wohlgefühl, sondern auch das Verzichten und Schenken zu üben, geht kaputt. Dann raucht sie doch wieder. Das ist eine Falle und es gibt kein Entrinnen. Der Schaden an der Lunge wird die Frau viel Lebensqualität und sehr wahrscheinlich auch einige Jahre Lebensdauer kosten.
Die Rauschmittel, die ich nehme zur Bewältigung meiner Sorgen, Ängste, Verletzungen, Schmerzen und Nöte binden mich später völlig an sich. Wir kommen aus dieser Abhängigkeit nicht wieder heraus.
Wer die Beherrschung über sich selbst behalten will, darf nie zu Suchtmitteln greifen.
Auch das „gute Bauchgefühl“ gehört in die Suchtproblematik. Es wird zum Kriterium für Entscheidungen in ganz bestimmter Richtung. „Schlecht und böse“ ist alles, was diesem Wohlgefühl, meinem Wohlgefühl, entgegensteht. Oft führt das zur Nahrungsaufnahme zum Geniessen bis zur Sättigung, die dann fast immer Gewichtszunahme in relevantem Masse mit sich bringt. Dieses Gewicht ist schon wegen der psychischen Einstellung und der Sucht im Hintergrund schwer wieder loszuwerden. Eine Diät, Gewichtsverlust und danach der Jojo-Effekt. Wen wundert’s? Die grundsätzliche Ursache, die Denk- und Lebenseinstellung, die Ursache wurde nicht entschärft. (Nicht alle Übergewichtigen sind deshalb übergewichtig, aber sicher doch viel mehr als es von sich selbst glauben.)
Abhängigkeit ist Zeichen von Unreife, von Egoismusauswirkung, von Entscheidungen, Neugier und fehlendem Nachdenken im Zustand der Unreife. Wer reif ist, denkt nach und bei heutigem Wissenstand kann jeder wissen, was Morphine, Cannabis, Nikotin, Alkohol und Genossen verursachen. Allenfalls kann man sagen, dass heute so viele falsche Informationen in bestem Glauben gestreut werden, dass man ganz irre wird und nicht mehr weiss, wem man noch glauben soll. Irresein fordert Vorsicht.
Umgehen mit Sucht ist eine sehr desillusionierende und kräfteraubende Aufgabe für Betreuer wie Betroffene selber. Süchte sind Sackgassen ohne Wendemöglichkeit am Ende. Man kann eigentlich nur wirksam vorbeugen. Und da helfen kaum Verbote. Denn sie schaffen entweder einen kriminalisierenden Schwarzmarkt (Verbote fordern immer dazu heraus, sie zu umgehen oder zu übertreten, vor allem bei Männern) oder bei Gebrauchsfreiheit stehen viele in Gefahr die Suchtmittel zu nutzen. Sich vor Süchten schützen kann man nur durch Einsicht nach langem Nachdenken oder Abschauen von klugen Leuten meist der nächst höheren Generationen, durch Nichtgebrauch oder allenfalls einmaliges Ausprobieren (Was bereits nicht ganz risikolos sein kann). Beim Alkohol sind geringe Mengen in unregelmässigen Abständen (so dass sich der Metabolismus nicht daran gewöhnen kann) und ohne Gebrauch zum Ersäufen von Problemen und Schaffen von Wohlgefühl vielleicht als risikoarm einzustufen. Aber es ist völlig klar, dass die Grenze fliessend ist und keiner merkt, wann er die Grenze überschreitet. Die Grenze ist unsichtbar, unfühlbar, hat keine Haken, die einen zu Fall bringen (Aufstehen und zurückgehen!). Das tägliche Glas Bier oder Wein am Abend kann eben doch oft bereits eine Stimmung erzeugen, die der im vorigen Absatz beschriebenen gleicht. Das ist die Falle. Gleichwohl wollen wir hier nicht der Abstinenz und auch nicht der Abstinenz von Genuss und Freude das Wort reden. Wir müssen uns an dieser Stelle nur klar sein, dass der Genuss und die Freude nicht nur „gut“ für uns sind und dass das gute Bauchgefühl und körperliche Wohlgefühl nicht immer die besten Ratgeber oder Kriterien für Beurteilungen sind.
Wie sehr unser Körper uns bestimmt, sehen wir in den Abhängigkeiten. Sie halten uns lebenslang fest. Wer sie doch überwunden hat, kämpft einen lebenslangen Kampf gegen den Rückfall. Mehr als eine Sucht überwindet so gut wie keiner.
Es gibt ja auch eine Sexsucht. Scheinbar gibt es sie aber nur ausserhalb der Ehe und wohl auch nur bei wechselnden Partnern? Ob es wohl möglich ist, sie innerhalb der Ehe auszulösen? Kann sie wohl eine langjährige Beziehung tragen? Die Sexsucht mit dem gleichen Partner scheint die einzige gesunde Sucht zu sein, weil sie oft zu Übersättigung führt und damit selbst zu ihrem Ende führt. Eine Sexsucht innerhalb einer langjährigen Beziehung wäre natürlich die beste Grundlage für eine langjährige Beziehung, denn beim Sex treffen sich Frau und Mann unmittelbar und am tiefsten und in der Regel werden positivste Gefühle begründet, die, wie wir sahen, am haltbarsten sind. Gibt es das? Lässt sich das fördern? Wäre die Sexsucht, so sie beide befällt, in einer langjährigen Beziehung nicht die gesündeste Sucht in dieser Welt? (Ich spinne, ich weiss. Aber auch spinnen gehört zum menschlichen Leben und ich spinne aus Überzeugung!)
Meines Wissens macht Sexsucht fast keine negativen Auswirkungen, so sie mit dem langjährigen Partner (Ehemann oder -frau) gepflegt wird. Es ist ein guter Sport. Guter Sex hält fit. Guter Sex schafft schöne Gefühle. Guter Sex verbindet. Guter Sex findet statt im Schein und Sein, in der Illusion und im Wechselspiel der Körper. Verbinden Sie beides. Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, dem Partner dabei immer das zu schenken, was er möchte, dass aber auch das Ihnen selbst höchste Befriedigung verschafft. Ich wünsche Ihnen Sexsucht in diesem Sinne!!!
Verliebt Sein und Sex sind der schönste Rausch auf Erden. Geniessen Sie diesen Rausch in vollen Zügen. Kosten Sie ihn aus bis zum Letzten. Aber glauben Sie, sehr verehrte Dame nicht, dass er Ihnen gehört und lieber Mann, glaube nicht, dass Sie Dich liebt. Sie erweist Dir die Gnade, dass Du ihr den Hof machen darfst und den schönsten, anhaltendsten und liebevollsten Orgasmus, den sich eine Frau erträumen kann, machen darfst. Wenn Du das je in Deinem Leben vergisst, hat das Ende schon begonnen. Jeder Rausch hat ein Ende. Aber ohne Rausch wird das Leben auch ärmer.
Rauschmittelskandale haben wir massenhaft in dieser Welt. Nehmen wir einen der ganz grossen, die amerikanische Opiatabhängigkeit der ersten 20 Jahre des neuen Jahrtausends. Wie kann man nur so dumm sein? Dass das nicht gut gehen konnte, wussten wir schon in den 80iger Jahren des Jahrhunderts davor. Eigentlich müsste man den produzierenden und daran verdienenden Familien gratulieren, wie sie das reiche, grosse und gebildete Volk der Amerikaner so hinter das Licht führen konnten. Das ist schon eine Leistung. Um so schlimmer für CDC und FDA und die grossen medizinischen Wissensinstitute, dass ausgerechnet unter ihrem Einfluss- und Kontrollbereich so etwas passieren kann. Bitte verzeihen Sie mir, liebe Amerikaner, dafür kann ich kein Verständnis aufbringen.
Aber in den letzten Jahrzehnten des letzten Jahrtausends wurde uns gelehrt, dass Schmerzpatienten behandelt mit Opiaten nicht süchtig werden könnten. Später wurde uns gelehrt, dass Patienten mit schwerer Atemnot damit behandelt werden könnten. Sie würden dann die Atemnot nicht so empfinden und auch sie würden nicht süchtig. Ich habe genügend Patienten mit diesen Problematiken erlebt, die alle nach vergleichsweise kurzem Opiatgebrauch schon süchtig waren. Wie in so vielen Dingen menschlichen Lebens sehen wir erst die positiven, nicht selten auch nur die positiven Seiten von Handlungen. Später müssen wir kleinlaut zugeben, dass Nachteile, Kosten, Nebenwirkungen doch in grösserem Ausmass vorhanden sind.
Derzeit wird Cannabis fast als Lebensmittel angepriesen. Es helfe gegen und für vieles und viele Menschen und Patienten glauben inzwischen, dass mit dem Cannabis die grosse Lösung ohne Nebenwirkungen für Ihre Probleme gekommen sei. Vorsicht. Was ich von Auswirkungen des Cannabiskonsums bei Menschen bisher erlebt oder gesehen habe, lässt eine so positive Einschätzung der Cannabisanwendung nicht zu.
Lassen Sie uns nicht auf Rauschmittel aller Art verzichten, weil sie uns krank machen und eben süchtig, sondern weil sie uns ein besseres Leben vortäuschen. Sie täuschen uns Wohlgefühl und Leben vor, führen uns aber in die Armut, weil ohne Realitätssinn und Arbeit und Müh unser Leben nicht angenehmer wird. Mühe und Erleichterung gleichen sich gegenseitig wieder aus. Für den Rausch müssen wir später nicht nur mit Geld viel bezahlen.
Folgen von Rauchen und anderen Süchten sind keine Krankheiten, sondern Folgen von Dummheit! Wer sie doch als Krankheit definiert, muss die entsprechenden Gelder dafür bereitstellen, liebe Politiker, liebe Gesellschaft, liebe Abhängige, ohne dafür Versicherungen oder Ärzte verantwortlich zu machen.
Wer Abhängigkeitssubstanzen produziert, vertreibt und für den Gebrauch wirbt, egal ob legal oder illegal, stellt sich selbst in die moralische Nähe von Mördern, denn er raubt Menschen Ihr Leben, auch wenn diese noch am Leben sind. Dagegen hilft nur, den eigenen Kopf einzuschalten, bei allen Beteiligten. Gesetzliche Regelungen gleich welcher Art, haben sich doch als sehr unfähig erwiesen.

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