Wie leben? Familie, Erziehung, Bildung, Wissen:

Wie können wir leben?

8 Familie, Erziehung, Bildung, Wissen: (07.11.2019)

Familie, Kinder, Schule, Prägung:

Der wichtigste Vorgang für Leben auf dieser Erde ist die Fortpflanzung, ist das Kinder Kriegen. Die Evolution und/oder Gott haben uns nicht zu Vögeln gemacht: Eier legen, brüten, füttern, schwimmen oder/und fliegen lernen, fertig. Relativ zur Lebenslänge und Lebensfülle ist das auch bei denen schon recht lange und intensiv.
Kinderkriegen ist also keine Kleinigkeit im Leben und auch nicht mal so eben nebenbei erledigt. Kinder bzw. die nächste Generation ist eigentlich die Hauptaufgabe im Leben eines Lebewesens, ja einer Generation für die nächste, wie viel mehr dann im Leben eines Menschen?
Ohne unseren besonderen Einfluss haben unsere Kinder unsere Gene von uns bekommen. Das ist mit der Geburt erledigt. Wie sagte Wilhelm Busch so schön? „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Wäre das Vater werden schon schwer, gäbe es die Menschheit sicher gar nicht mehr. Sind die Kinder da, beginnt unsere Hauptaufgabe des Lebens, die an ihnen. Wir dürfen sie prägen, wir müssen sie prägen. Ohne entsprechenden elterlichen Einfluss sind Kinder nicht lebensfähig. Intuitiv prägen wir sie durch unser mit ihnen Leben. So lernen sie Sprache, die Muttersprache (Beachte: Nicht Vatersprache). So lernen sie denken, wie wir denken. So lernen sie fühlen und empfinden, wie wir empfinden. So nehmen sie ihre Umgebung war und beginnen sie zu interpretieren, wie wir es tun. Viele dieser Vorgänge sind einfache Nachahmervorgänge.
Erziehung ist Prägung, nicht „Erziehung“. Menschen prägen ist zumindest zunächst kaum eine Funktion von Wissensübertragung. Noch viel weniger ist Prägung eine Möglichkeit, dem Kind etwas beizubringen, was man selbst ganz anders handhabt, denkt oder macht oder gar nicht macht. Mit solch einem Vorgang legt man in das Kind nur den Keim für Unglauben, für Kritik, für das Empfinden von Unehrlichkeit. „Ich rauche, aber Du darfst es nicht“ zeigt dem Kind nur, dass Mutter oder Vater nicht ehrlich sind, dass sie mit unterschiedlichem Mass messen. Das kann manchmal sinnvoll sein, z.B. beim Autofahren. Aber es induziert beim Kind den Wunsch: Ich will genauso wie Mutter oder Vater werden und am Ende besser als sie.
Prägung ist kaum eine Form von kurzfristigen Einflüssen. Ein Tag im Leben prägt in aller Regel nicht. Es müsste schon ein sehr ungewöhnlicher Tag sein. Und dann ist es ein einmaliges Ereignis.
Prägung ist kaum eine Form von Distanz. Du Kind lebst dort und ich ganz woanders, verhindert Prägung. Dann fehlt Prägung oder sie geschieht durch Andere. Prägung geschieht, wo wir zusammen leben, wo wir die Freuden und Leiden der Kinder teilen, aber diese umgekehrt auch unsere Freuden und Leiden oder Unzulänglichkeiten.
Erziehung resp. Prägung funktioniert nach heutigem Wissen über die Ausbildung und intensive Prägung von Hirnbahnen, sogenannten „Spiegelneuronen“. Die lernt man kaum, sondern die entwickeln sich im Miteinander Leben mit der Bezugsperson, mit der Gruppe, in der Familie, durch immer wiederkehrende Nachahmung. Nicht: Du lernst, was allgemein gültig ist (aber ich als Vater oder Mutter vielleicht gar nicht glaube oder lebe), sondern gemeinsames familiäres Leben wird gelernt. Das ist Prägung.
Deshalb ist es sinnvoll, an dieser Stelle einmal die Frage zu stellen: Was möchte ich, was für ein Mensch mein Kind einmal werden soll? Wer bin ich überhaupt? Was für ein Mensch bin ich? Was überhaupt macht Menschsein aus? Möchte ich, dass mein Kind wie ich wird? Soll es einmal bessere Bedingungen haben, besser sein als ich? Soll es so werden wie ich? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es so oder ähnlich wird.
Wir leisten uns mal einen Exkurs zum Thema Menschsein:
Heute geht man davon aus, dass Homo sapiens etwa 100.000 bis 200.000 Jahre alt ist. Auf 30.000 Jahre kommt es da gar nicht so genau an und zuvor war das Lebewesen, das wir heute Mensch nennen, ja auch nicht weit entfernt vom Menschsein. Unser Körper, unsere Hardware, unsere DNA ist also so alt. Veränderungen geschehen nur sehr langsam und sporadisch. Fast 100 % unserer Gene und Eigenschaften sind also entstanden, als der Mensch noch sehr unmittelbar in dieser Welt lebte, ausgeliefert, abhängig von der Umgebung, unmittelbar mit den Dingen und Menschen um ihn herum agierend und kommunizierend. Es gab nur einfachste Hilfsmittel, keine Kommunikationsmittel ausser der eigenen Ausdrucksweise per Sprache, Gestik und weniger anderer Möglichkeiten. Es gab keine Häuser, keine Technik, keine sozialen Sicherungssysteme ausser der Familie oder dem Stamm.
So war es zu Zeiten der Menschwerdung und des ersten Menschseins. Dem passten sich die noch sehr übersichtlichen sozialen Strukturen an, später auch die übergreifenden gesellschaftlichen Strukturen. In diesem Umfeld entwickelten sich Religion, Weltanschauung, Prägung und die jungfräulichen Entwicklungen des freien Willens. Viel Freiheit war da nicht. Der Kampf ums Überleben forderte alle Konzentration und Kraft und Kooperation. Das ist Menschsein und nicht anders. Eine Art unter anderen mit nur einem winzigen Vorsprung.
Inzwischen ist die Zeit weiter gegangen. Die Lebewesen und mit ihnen der Mensch haben sich entwickelt von einer Art unter vielen und mit nur geringen Überlebensvorteilen zu einem Lebewesen mit vollständigem Monopolcharakter. Damals musste der Mensch kämpfen, dass ihn die ihn umgebende Natur nicht ausrottete. Heute hat der Mensch die Natur zu 50 % besiegt und die lebende Kreatur zu 95 %. Eine Ausnahme bilden im Wesentlichen die Einzeller (Bakterien, Pilze, auch Viren als noch kleinere Strukturen). Monopolstellungen sind immer Extremkombinationen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Ausrottung des Unterlegenen führen. Das lässt sich in der Welt der Lebewesen immer wieder nachweisen. In der Wirtschaft und Politik gibt es deshalb Einrichtungen, die das verhindern sollen. Der Mensch in Monopolstellung zum Rest der Lebewesen? Wer wacht darüber, dass das nicht übel endet?
Bis zum Beginn der Industrialisierung im 18. Jahrhundert kamen die gesellschaftlich tragenden Persönlichkeiten aus sozialen Strukturen, die auf sehr alte und erprobte Weise ihre Nachkommen prägten. Sie konnten gar nicht anders, als zusammen wohnen. Vor Einführung der Schule war Prägung über Spiegelneurone die fast ausschliessliche Form von Weitergabe an Informationen, die nicht genetisch fixiert war. Wissen spielte noch eine sehr untergeordnete Rolle, wenn dann nur für wenige privilegierte Menschen.
Das also war Menschsein noch vor dreihundert Jahren.
Mit Einführung der Schule und der Wissensvermittlung konnte sich die Entwicklung eines eigenen freien Willens viel mehr beschleunigen, weil viel mehr selbstständige Orientierung in der Welt möglich wurde. Wissensausweitung führte zu differenzierterem Denken (und ermöglichte Nachdenken) und führte damit zu Persönlichkeitsbildung und Abgrenzung nicht nur gegenüber physischen Menschen (ich bin gegen oder für Dich), sondern nun auch über gedankliche Auseinandersetzungen und Meinungsbildungen zu indirekter Abgrenzung (ich bin für Dich, aber ich teile nicht Deine Ansichten oder umgekehrt). Die Kommunikation und Wissensvermittlung passierte aber immer noch ganz überwiegend direkt, ausgenommen vielleicht Papier in Form von Büchern, Briefen und Flugblättern.
Heute dagegen leben viele Kinder nur noch in Restfamilien, vielleicht in den ersten drei Lebensjahren von der Mutter bzw. den Eltern geprägt, dann überwiegend gesellschaftlichen Strukturen wie Kindergärten, der Schule, Vereinen, Sport etc. und der Clique ausgesetzt. Prägung hat eine Diversifizierung erfahren, die eine Persönlichkeitsentwicklung kaum noch möglich macht. Eher entwickelt sich ein allgemeiner Sumpf von Menschen, die „Softskills“ vermissen lassen (in Schule, Wirtschaft und Politik wird es immer auffälliger), die über eine mehr oder weniger prall gefüllte Festplatte im Kopf verfügen und jeder neuen Trendentwicklung kritiklos einfach hinterher laufen. Die Medien seit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (erst Fernsehen, später digitale Medien) führten zu einer zunehmenden Entwicklung irrealer Welten. Heutige junge Menschen leben mehr in der digitalen Welt als in der realen. Wie sollen die sich in der realen Welt gut zurechtfinden, wenn sie überwiegend in einer anderen Welt leben und ihnen damit die Übung in der realen Welt abhanden kommt?
Menschen von heute kennen das Ausgeliefert sein in der Natur und an die Natur nur noch aus Erzählungen. Heutige Menschen beherrschen ihre Umwelt, nicht umgekehrt. Seit uns unsere Elterngeneration die Zügel frei liess (was wir als Kinder gerne annahmen), „jeder soll sich nach seinen Fähigkeiten entwickeln wie er mag“, ist Bescheidenheit ein unbekanntes Wort geworden, ist Selbstbeherrschung ausser Mode, ist Egoismus Trumpf. Kinder, die immer machen durften, was sie wollten und die sich nicht nach den Eltern richten mussten, können sich auch später nicht nach anderen richten. Sie haben Selbstbeherrschung, Einordnung in eine Struktur, nie in ihren Spiegelneuronen „gelernt“. Sie werden maximale Egoisten.
Wer seinen Egoismus am weitesten auslebt, hat das „beste“ Leben, kann am meisten geniessen und geniessen ist die führende Losung.
So also ist der Mensch heute? Oder sollten wir nicht fragen, ob der heutige Mensch ein Monster ist, eines, das sehr wahrscheinlich für seine eigene Ausrottung sorgen wird, weil er sich nicht mehr einpasst in die erdlichen und menschlichen Strukturen, sondern glaubt, einfach machen zu können, was er will?
Was ist Menschsein? Wann sind wir Mensch? Woher wissen wir eigentlich, dass das, was wir jetzt sind, „Menschsein“ ist? Was den Körper betrifft, die Gattung im Tierreich, sind wir Mensch. Ist die Gattung „Mensch“ im Tierreich unsere herausragende Qualität? Das macht „Menschsein“ aus?
Haben wir uns vom Menschsein nicht immer weiter fortentwickelt? In anderem Zusammenhang sprechen wir bereits von „Postmoderne“. Sollten wir nicht vielleicht bereits von „Post-Menschsein“, vom „Post-Menschen“ sprechen?
Hunderttausende Jahre war der Mensch eingebettet in die erdliche Umwelt und seine soziale Gruppe. Seit Beginn der von uns so genannten „Neuzeit“, seit die europäischen Seefahrer die restliche Welt eroberten und für die Europäer aneigneten (und Beginn vieler anderer Entwicklungen parallel), hat sich der Mensch eher zu einem Monster entwickelt, das unbemerkt seine eigene Ausrottung betreibt, als zu einer immer besser an seine Umwelt und sich selbst angepassten Kreatur oder Entwicklung zu werden? Die Entwicklung des heute existierenden Menschen, eine Sackgasse? Ohne Zukunft?
Gäbe es die Möglichkeit zur Umkehr oder wenigstens zur Kurskorrektur?
Ich bin geprägt worden. Meine Eltern und meine Umgebung haben mich geprägt. Meine Prägung kann ich nicht ändern und nur zu einem kleinen Teil gegensteuern. Andere, unsere Kinder, unsere Nachkommen können wir prägen. Überlegen wir uns gut, wer wir sind, wer wir sein wollen, wer unsere Kinder werden sollen und wie wir sie prägen wollen. Sie werden ein Leben lang daran schwer tragen oder davon glücklich sein.
Kinder sind kleine Menschen. Diese kleinen Menschen sind zunächst völlig vom Gefühl bestimmte Wesen. Erst mit der Sprache entwickelt sich ein Denken und Denken ist eine Funktion des Verstandes. Solange Kinder nicht mit ihren Eltern reden können (Und eine einfache Aufforderung: Tu das oder tu das nicht! ist noch lange kein Reden und Verstehen), geschieht ihre Wahrnehmung über die Gefühlswelt und sie äussern ja auch ihre Gefühle. Für uns Eltern kann das sehr mühsam sein. Erst langsam mit der Sprache entwickeln sich Denken und Verstand. Und auch dann noch bestimmen Gefühle sehr stark ihr Denken und Handeln. Hunger, Schmerz, Alleinsein, Anerkennung… Sie leben nach ihren Gefühlen. Das ist sehr menschlich. Wenn wir ihnen Wissen eintrichtern oder Verhaltensbefehle geben, dann ist das Stoff für den Arbeitsspeicher und die Festplatte, kaum Prägung. Gefühl kommt dabei wenig vor, allenfalls negativ.
In den ersten Jahren braucht ein Kind eine liebevolle Mutter (ein liebevoller Vater wäre noch das Sahnehäubchen oben drauf). Diese Gefühle vom Anfang des Lebens prägen das Kind, ja den Menschen für den Rest seines Lebens. Die liebevolle Mutter zu Beginn des Lebens ist durch nichts zu ersetzen. Meine sehr verehrten Damen, schenken Sie das Ihren Kindern. Sind sie Ihnen das nicht wert? Und liebe Männer, schenkt Euren Frauen jede Hilfe und Unterstützung, damit sie diese Liebe den Kindern auch wirklich schenken können. Sonst werden Frauen leer, hilflos und brennen aus.
Dann werden die Kinder älter und grösser und vernünftiger. Nun fangen sie zu lernen an, aber auch Lernen hängt sehr mit den Gefühlen zusammen. Die Kinder lernen am besten im Zusammenhang mit guten Gefühlen, den Eltern und übrigen Menschen, wenn die Gefühle gut sind. Erziehung im Sinne von „ich bringe Dir Regeln bei (die ich aber womöglich selber nicht einhalte)“ funktioniert nicht. Sie bewirkt eher das Gegenteil. Erziehung ist ein Miteinanderleben. Kinder leben mit, machen mit, müssen mitmachen. Es gehört zum Leben. Sie gehören zum Leben. Die Familie ist die Übungsstelle für Liebe, Achtung, Beziehung, Nestbau, Frieden, Toleranz. Liebe und Selbstbeherrschung müssen in der Prägungsphase mit den Kindern gelernt und geübt werden. Wo sollen sie es denn sonst lernen? Die Institutionen (Kindergarten und Schule) sind dazu kaum in der Lage. Das meine ich nicht als Schuldzuweisung an Lehrer und Lehrerinnen sowie Kindergärtnerinnen und Erzieher oder andere, die sich in diesen Institutionen oft sehr viel Mühe um die Kinder geben. Nein, für das Echte, für die Mutter, für die Eltern, gibt es keinen Ersatz! Das muss jeder Mutter, muss jedem Elternpaar vor der Zeugung klar sein. Das kann nicht gelehrt werden, sondern das kann nur gelebt und geübt werden. Natürlich braucht es Kindergarten und vor allem Schule, aber ganz eindeutig nachrangig und zu anderem Zweck. Sie helfen den Eltern in der Aufzucht und vor allem Bildung der Kinder, aber sie ersetzen die Eltern nicht, auch nicht zeitweise.
Schule ist ein Verstandesprodukt. Lernen im heutigen und gestrigen Sinne ist Wissensvermittlung, möglichst viel im Rahmen voll gestopfter Lehrpläne. Wichtig ist, dass beim Lernen auf die Gefühle dafür geachtet wird. Ist es spannend? Ist es neu? Ist es schön? Das Schulplanpensum steht dem natürlich diametral entgegen. Wir brauchen Schule, Schule im angepassten Verhältnis zum Leben in der Familie. Auch Wissensvermittlung muss sein. In der Ernährung und in der Tierhaltung und im Ackerbau achten wir inzwischen auf biologische Produktionsweise. Wie viel mehr sollten wir nicht bei der „Produktion“ unserer Kinder auf biologische Lebensweise achten? Ich wünsche mir für die Familie, für die Kindes- und Schulphase unserer Nachkommen viel mehr biologische Verhältnisse. Nicht die Erreichung eines bestimmten (Produktions)zieles resp. Bildungszieles sollte uns leiten, sondern die gesunde und integrative, authentische Persönlichkeitsentwicklung. Wir erinnern uns: Körper, Prägung, Verstand. Zur Ausbildung eines klaren Verstandes gehört auch Wissen. Wir wissen aber nur wirklich, was wir auch glauben und zur Entwicklung von Kritikfähigkeit und Glauben gehört leben. Wer nicht normales menschliches Leben lebt, hat nur reduzierte Chancen, das Gelernte auch in der Realität zu überprüfen, zu üben, sich eigen zu machen, darin zu leben. Nur das in dieser Weise veränderte, geglaubte Wissen beeinflusst unsere Persönlichkeit. Den Unterschied merken Sie manchmal deutlich, wenn sie Menschen ihr Wissen runterbeten hören, nicht selten schon etwas monoton, ängstlich und unsicher (bei jungen Mädchen oder Frauen) oder im besserwissenden, unbeirrbaren und lauten Ton (bei gedankenlosen jungen und leider auch älteren Männern).
Sollten wir nicht unsere Schulen entschlacken? Lernen fürs Leben, für die Persönlichkeitsentwicklung? Wichtig ist, dass die jungen Menschen lernen, sich selbst Wissen zu suchen (ist doch heute nun wirklich nicht mehr schwer) und dass sie neugierig bleiben. Eine junge Frau nach der Schule: „Ich habe den Kopf so voll vom vielen Lernen. Ausbildung? Studium? Ich muss erst einmal irgendetwas arbeiten und leben, um den Kopf wieder frei zu bekommen.“ Arme Frau. Hat sie nicht einen Schaden fürs Leben bekommen?
Warum können wir nicht den Kindern und Jugendlichen, den Eltern und Müttern, den Erziehern und Lehrern mehr Freiheit geben im Leben und Arbeiten mit den Kindern? Für alles gibt es Regeln und Pläne von oben ausgearbeitet. Haben hier nicht wieder schlaue Menschen ein Prinzip zum Ziel, zum Kriterium, zum Massstab erhoben? Werde das, dann bist Du Mensch!? Ach, tatsächlich? So wird man Mensch? Nicht eher eine wandelnde Festplatte? (Trotzdem halte ich gute Bildung für wünschenswert, für wertvoll!)
Wenn wir unsere Kinder günstig beeinflussen wollen, und welches Elternpaar will das nicht, dann lassen wir uns doch die Prägung nicht aus der Hand nehmen. Die ist doch mehr Wert als das Geld, das wir in gleicher Zeit verdienen können (Es sei denn, der Vater bringt nicht genug Geld zum Leben nach Hause). In der Kleinkindphase müssen wir uns natürlich den Kindern anpassen, aber je älter sie werden, desto wichtiger wird es, dass sie sich uns anpassen, dass sie unsere Lebensweise annehmen, die wir auch ohne sie leben würden. Kinder brauchen viel weniger Tamtam oder viel kürzere Zeit Tamtam, als wir oft um sie machen.
Die Erziehung wird heute zunehmend aus der Familie in Institutionen (Kindergarten, Schule, Verein, …) verlagert. Der Mensch wird zunehmend zu einer fabrikmässig erzeugten und geformten Ware. Und dann wundern wir uns, wenn immer mehr menschliche Wesen ohne Persönlichkeit, ohne Gemeinsinn, ohne Zugehörigkeit, ohne Liebe entstehen? Das werden unmenschliche Menschen, gutes Gewehrfutter, Kämpfer für den eigenen Egoismus, für die eigenen Interessen oder den Egoismus anderer. Wollen Sie das?
Langfristige Bindungen (vielleicht Ehe?) und Familie sind zu einem Teil genetisch bedingte Strukturen. Sie entstammen dem genetischen Zwang zur Fortpflanzung. Auch die Kinderaufzucht ist grösserenteils genetisch bedingt, zu einem kleineren Teil auch von der Prägung durch Herkunft, Kultur und Bildung. Die Aufzucht der Kinder in den jungen Jahren wird offenbar in der einigermassen heilen Familie am besten vollzogen, in Wärme, Behaglichkeit, Versorgung durch die Mutter (Eltern), durch das Leben mit und in der Familie. Die Aufzucht in Kinderställen (wir nennen sie Kindergärten, aber eigentlich sind sie doch Aufzuchtmanufakturen wie grosse Tierställe) können keinen Familienersatz bieten. Sinnvoll ist oft ab einem gewissen Alter diese Struktur für Kinder in einer Einkindfamilie, damit die Einzelkinder Ersatz für die fehlenden Geschwister haben, um mit ihnen zu spielen, zu toben und sich auch gegenseitig zu reiben. Aber die Aufzuchtmanufakturen (bitte nicht negativ sehen) (Kindergarten und Schule) sind kein Familienersatz. Auch die Pädagogik (die Lehre von der Beeinflussung von Individuen von aussen und ohne, vielleicht sogar gegen deren eigenen Willen) ist kein Ersatz für das Zusammenleben in der Familie. Pädagogik ist Menschenmissbrauch (Auch, wenn Sie jetzt als Pädagoge innerlich auf die Barrikaden gehen. Wir denken nur nach und ohne moralische Bewertung. Wir bedenken Mechanismen). Nur im gemeinsamen Leben und Erleben findet organische, menschliche Prägung und übrigens auch Beziehung statt. Es werden Spiegelneurone gebildet. Das ist das Gegenteil von Pädagogik. Natürlich ist es denkbar, nein wahrscheinlich, dass auch in der Pädagogik einige Spiegelneurone gebildet werden, aber was für welche?
Meine sehr verehrten Lehrer und Erzieher, diese Einstellung hindert mich nicht, vielen von Ihnen viel Enthusiasmus, Einsatzfreude, Hingabe, Fleiss, Achtung vor den Schützlingen und Schülern, ja fast unmenschliche Selbstaufgabe zu bescheinigen. Für das Echte gibt es aber keinen Ersatz. Sie sind wichtiger Zusatz! Im täglichen Leben mit Ihren Schülern und Schützlingen merken Sie das auch. Im Übrigen gilt auch für Sie die unterschiedliche Wirkung von mit den Kindern leben und sie etwas lehren. Miteinander leben bildet Spiegelneurone. Kinder etwas lehren führt im Falle von zwischenmenschlicher Sympathie zwischen beiden zu schneller Annahme und Speicherung, im Falle von Antipathie zur Abwehr und Ablehnung. So kann ein Kind nicht lernen.
Die Bildung von Spiegelneuronen macht familiäres Leben so wichtig. Das kann kein Kindergarten, keine Schule, allenfalls eine liebe Oma oder ein Kindermädchen teilweise nachahmen. Eine gut funktionierende Familie ist die beste Prävention, dass Kinder später nicht auf die schiefe Bahn kommen, dass sie nicht mit der Gruppe der Gleichaltrigen Dummheiten lernen und machen, denn auch das prägt und bildet natürlich Spiegelneurone. Und Pädagogik gehört nicht in die Familie. Pädagogik in der Familie würde das Leben für die Kinder zu einer indirekten Beziehung degradieren. Sie würden zum Objekt der zielgerichteten Veränderung. Vermeiden Sie Pädagogik wo Sie können.
Kinder sind kleine Tiere, Spieltiere, neugierige Tiere. Spiel und Neugier sind ihre Triebe. Da dürfte vieles in der Genetik angelegt sein. Allerdings mussten sie sich vor genetischen Zeiträumen schon früh behaupten. Spielen ist für Kinder ähnlich wichtig (nur viel häufiger) wie das Feiern für Erwachsene.
Vielleicht ist auch unsere Form von Kindheitsgestaltung unmenschlich, nicht der menschlichen Entwicklung gemäss? Früher dauerte die Kindheit allenfalls bis zur Pubertät. Wir sind viel zu verwöhnt, weil unsere Kindheit viel zu behütet ist, viel zu lang? Als Erwachsene wollen wir dann noch immer verwöhnt werden, jetzt natürlich vom/von der Partner/in. Der oder die will das umgekehrt aber auch so. So gehen beide leer aus.
Wann wird man erwachsen und wie? Erwachsen sein wurde viele Jahre mit 21 Jahren definiert. Diese Definition galt zu einer Zeit, wo Menschen noch ziemlich wenig lernen mussten, wo sie sich im Wesentlichen mit den örtlichen und menschlichen Gegebenheiten vertraut machen mussten. Die Männer mussten eine Familie versorgen können und die Frauen mussten Kinder kriegen können. Die Aufgabe der Frauen war relativ leicht erfüllt, blieb eher mangels Gelegenheit unerfüllt. Die Aufgabe der Männer war schwer und nicht wenige versagten oder hatten einfach nur Pech.
Es ist richtig. Diese Definition gilt heute nicht mehr. Unsere Gesellschaft und wir haben uns verändert. Deshalb wurde die Definition für „Erwachsen werden“ geändert. Als Kriterium wurde genommen: Wann kann jemand eigenverantwortlich Auto fahren? Oder gewisse (meist sich aus bestimmten Gründen fortschrittlich nennende) Parteien brauchten neue Wähler. Die jungen Wähler würden eher sie wählen. Also stieg die Chance auf Regierungsmacht. Die jungen hatten nun eine bessere Schulbildung als frühere Generationen. Denen gegenüber fehlten einfach die Argumente dagegen. Jetzt wird man mit 18 Jahren erwachsen.
Das sind aber alles nur völlig willkürliche Definitionen je nach Interessenslage. Woran würden wir denn den Zeitpunkt des Erwachsenwerdens fest machen? Was sollte jemand sein, den wir als „Erwachsen“ bezeichnen?
Ich würde vor allem 2 Bedingungen nennen: Die erste ist physischer Natur. Mann oder Frau sollten unabhängig von den Eltern sein, Selbstversorger, dem Leben finanziell und körperlich trotzen können, auch bei Gegenwind und Pech. Sie sollten zweitens geistig so unabhängig geworden sein, dass sie sich gegen ihre Eltern behaupten können, dass sie philosophisch so viel Erfahrung haben, realistisch von unrealistisch zu unterscheiden. Denn nur so kann man sich in der Welt zurechtfinden und langfristig tragfähige Urteile, Verträge und Verpflichtungen begründen. Dann läuft man zum Beispiel auch keinen Gurus mehr nach, keinen Weltverbesserern, keinen Volksverhetzern, keinen Herrschern. Dann hat man auch gelernt, das Suchtmittel süchtig machen und dass man sie meiden muss, wie die Pest, ohne bereits selbst süchtig geworden zu sein. Süchtige werden nie erwachsen. Frauen werden übrigens ganz anders erwachsen als Männer. Man darf beide nicht einfach in einen Topf werfen. Ich fühlte mich etwa mit 25 bis 27 Jahren erwachsen, obwohl ich schon lange als frühreif beschrieben worden war. Da war ich schon verheiratet. Auch heute würde ich das noch immer etwa so deuten.
Üben Sie mit Ihren Kindern Philosophie, Weltsicht, Weitsicht und den Blick in jede Kleinigkeit. Fragen Sie die Welt, wie sie funktioniert, wie sie zu deuten und zu verstehen ist und nehmen Sie Ihre Kinder mit hinein in diese Lebensweise. Denken Sie mit Ihren Kindern zusammen nach, sobald diese dazu fähig werden. Dann wird und bleibt Leben mit Kindern spannend (nicht nur Popo abwischen) und dann lernen auch Sie mit Ihren Kindern die Welt neu verstehen.
Unsere Familien sind der Ort menschlichen Lebens. Nicht „Zurück an den Herd“ (egal ob für Frau oder Mann), sondern „Zurück oder Voraus an den Ort menschlichen Lebens“. Natürlich wird dort auch ein Herd stehen. Zumindest wünsche ich Ihnen das. Menschliches Leben ohne gemeinsames Essen? Geht das? Früher stand der Herd für das Zentrum des Hauses. Wo noch ein Herd in der Gegend übrigblieb, durfte immer ein neues Haus drumherum gebaut werden. Auch wenn natürlich jeder Mann kochen darf und seiner Frau zur Hand gehen kann oder diese auch mal ersetzen, menschlicher wird der Zusammenhalt von Frau und Küche mit Wohnung sein. Sie bilden die Mitte.

 

Leben Sie in Ihrer Familie nicht auf ein Ziel hin, entsprechend einem Prinzip. Leben sie Beziehung, Beziehung zu Ihrem Partner und zu Ihren Kindern. Das Leben nach einem Prinzip trennt, das Leben in Beziehung verbindet. Natürlich werden einige Regeln gelten und gelernt werden müssen, von allen. Wenn Sie jetzt zweifeln (was zu begrüssen ist), dann bedenken Sie, dass Prinzipien und Ideale immer Denkkonstrukte sind, keine Realität. Die Realität ist meist, dass wir die Prinzipien und Ideale für uns und gegen die anderen instrumentalisieren zu unseren Gunsten. „Jetzt halte Dich gefälligst an die Regeln, Kind.“ Natürlich sagen wir das nur, wenn das Kind eine Regel bricht, die uns gerade nutzt. Sonst wären wir ja dumm. Im umgekehrten Falle halten wir schön unseren Mund. Vielleicht merkt es das Kind ja nicht? Wir wollen gemeinsam in der Familie Beziehung und Achtung und Toleranz üben (und nicht nur dort)! Halten Sie sich zunächst erst einmal selbst an die Regeln und leben Sie so vor. Die Kinder schauen das sowieso ab. Lehren, Erziehen sind meist unnötig und sowieso wenig effektiv. Wer lässt sich schon gern von anderen etwas sagen? Wir nicht und die Kinder auch nicht!
Kinder müssen Selbstbeherrschung lernen, Beherrschung ihrer Süchte und ihrer Wünsche, ihres Egoismus. Dazu brauchen sie Verstand. Deshalb geht das in den ersten Jahren noch nicht. Früher war Selbstbeherrschung kaum nötig. Die eigenen Süchte wurden sowieso kaum gestillt. Die Wünsche wurden seltenst erfüllt. Heute ist es umgekehrt. Kaum ist das Kind in der Welt, wird es schon verwöhnt und maximal umsorgt. In den ersten Jahren überwiegt ganz die Gefühlswelt und bitte, liebe Mütter, Sie sind die einzigen, die den Kindern warmherzige, liebevolle, wertschätzende, annehmende Gefühle schenken können. Lieben Sie Ihre kleinen Kinder abgöttisch und geben Sie ihnen alles, was sie geben können. Aber mit zunehmendem Verstand können sich Kinder aus ihrem Körper gedanklich trennen und abstrahieren. Dann kommt die Zeit, wo sie Selbstbeherrschung lernen müssen, wo man ihnen auch unter Umständen Entzug von Dingen beibringen muss. Das geht natürlich nicht im Sinne von „Du musst jetzt auf dies und das verzichten, ich aber darf es, weil ich Erwachsener bin“, sondern Kinder lernen es nur gefühls- und verstandesmässig zusammen mit den Eltern. Es gilt also: Wir verzichten gemeinsam. Diesen Aufwand müssen Sie schon betreiben. Aber wenn Sie das früher schon gelernt haben, wird Ihnen das heute gar nicht schwer fallen. Und wenn Sie selbst es nicht schaffen, zu verzichten, dann lassen Sie auch Ihre Kinder nicht verzichten. Keine Regel ist absolut. Wir sind und bleiben Menschen und wollen es auch bleiben. Vielleicht aber sollten Sie es sich zur Aufgabe machen, selbst verzichten, Selbstbeherrschung, zu lernen? Auch Erwachsene tun gut daran, Selbstbeherrschung zu üben!
Selbstbeherrschung ist eine nichtmenschliche Verhaltensweise. Sie bedarf ähnlich der Toleranz viel Übung, viel Energie und meist auch viel Nachdenkens, damit der schwache und unwillige Geist das überhaupt einsieht und sich gegen das starke Fleisch durchsetzen kann. Früher hiess es „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“. Heute dagegen leben wir „Der Geist ist unwillig und der Egoismus des Fleisches bestimmt alles.“ Leider ist das bereits Prägung über viele Generationen und Kulturgut geworden. Könnten wir das auch wieder ändern?
Zuhause spielt sich das Leben ab, zumindest für Frauen. Doch auch für viele Männer, vor allem wenn sie älter werden, ist die Familie die Heimat. Auch Männer schätzen Familie. Und Heimat ist zu einem wesentlichen Teil dort, wo die Frau ist, vielleicht noch etwas schärfer: Heimat ist die Frau selbst oder zumindest kann sie es sein. Die Gefahr für Beide, aber für den Mann deutlich mehr als für die Frau ist, dass er sich zuhause gehen lässt, entspannt, sich auf sein Wohlgefühl konzentriert. Wenn heute auch nicht mehr real, aber sinnbildlich: „Frau, hol mir doch mal die Pantoffeln“. Soll das Familienleben noch etwas anderes als langweilig sein, dann muss auch Spannung ins Familienleben. Sonst wird es nicht spannend. Wir lieben ein bequemes und schönes Zuhause, aber das birgt die Gefahr von Langeweile. Machen Sie es sich nicht zu bequem und machen Sie es sich vor allem nicht gegenüber Ihrer Frau zu bequem. Eine spannende Beziehung zwischen Beiden, eine Frau-Mann-Beziehung (im Gegensatz zur Mutter-Sohn-, Angestellter-Chef-, Dienerin-Herr-Beziehung) erfordert immer Achtung auch vom Mann seiner Frau gegenüber und nicht nur umgekehrt. Liebe Mütter, verwöhnen Sie Ihre älteren Jungs nicht so. Natürlich sollen und dürfen Sie ihnen dienen, wie das gute Mütter so tun (Wäsche waschen, Essen kochen, Schularbeiten beaufsichtigen, …). Aber tun Sie es bewusst als Dame des Hauses. Sie sind kein Müllschlucker (der die Essensreste vom Teller der Kinder isst), keine Putzfrau (auch wenn sie die Wohnung sauber halten), kein Ver- und Entsorger (auch wenn Sie die Einkäufe erledigen), sondern Sie sind die gute Seele des Hauses, die für alles sorgt, sich aber bei der Versorgung jede Unterstützung holt oder besser noch, schenken lässt, vor allem von werdenden Männern. Das müssen junge Männer von der Mutter lernen, spätestens ab der Pubertät, besser schon lange vorher. Deren Ehefrauen werden es Ihnen später danken. Spätestens in der Pubertät entwickeln Jungs ihr Frauenbild. Meine Damen, nehmen Sie Ihre Jungs als kleine Männer wahr. Sie werden viel schneller gross, als Ihnen lieb ist. Später haben Sie keinen Einfluss mehr auf sie. Die Jungs müssen auch Männer und erwachsen werden dürfen und können. Frauen und Mütter haben da sehr viel Einfluss, ob sie wollen oder nicht, persönlichkeitsbildend und auch -verhindernd.
Frauen verschenken sich an ihre Kinder. Das ist weibliches Wesen. Aber Mann, dafür will sie auch von Dir geliebt und versorgt werden, jetzt und ewig. Mann, wenn Du das nicht einhältst, auch dann, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind, dann …
Liebe Männer, nicht die Frauen sind für uns da, sondern ganz klar umgekehrt!!! Manche Kulturen haben da wohl noch mehr Nachholbedarf als andere? Am Ziel ist meiner Einschätzung nach noch gar keine Kultur. Wir Männer sind doch noch alle ziemliche Barbaren.
Liebe kann auch über Generationen geprägt werden. Sie ist kulturabhängig, auch abhängig von der Familienkultur. Das betrifft sowohl die Mutter-Kind-Liebe wie auch die Liebe zwischen beiden Geschlechtern. Da hat jede Generation und jede Kultur ihre eigenen Probleme und Vorteile und findet ihre eigenen Lösungen. Wir sollten nicht dem Vorurteil verfallen, dass die entsprechenden Verhaltensweisen und Gewohnheiten weltweit gleich sein müssten. Unser Ideal ist kein Mensch, der sich benimmt wie geklont, auch und gerade, wenn es um so etwas Wunderbares und Aufregendes geht, wie die Liebe. Dann erst recht nicht. Persönlichkeiten in uns und unseren Kindern entstehen nicht durch klonen, sondern durch freie und individuelle Entwicklung von Kritikfähigkeit und Glauben, von eigenem Bewusstsein gegenüber der Gesellschaft und Umgebung, durch Entstehen von 2 aus 1.
Nicht die Frauen müssen wir ehren und lieben, die irgendwo in der Welt besser oder zumindest gleichwertig zu den Männern sein wollen, sondern die Frauen, die in der Stille sich an ihre Kinder und Männer verschenken. Die sind die Heldinnen, denn sie sind das Bindeglied der Gesellschaft. Die Anderen werden Singles. Jede Singlefrau bedeutet auch einen Singlemann. Nicht „Zurück an den Herd“ ist die Devise. Jede Frau soll leben, wie sie will, auch im Berufsleben. Aber die Frauen, die sich in der Familie verwirklichen, sind die Heldinnen des Menschengeschlechtes. Unsere Persönlichkeitsentwicklung geschieht zum entscheidendsten Masse in der kleinsten Einheit menschlichen Zusammenseins. Und das wird in den meisten Kulturen wahrscheinlich die Familie (ob Gross- oder Klein-) sein. Der Ersatz für die Familie ist doch bisher fast ausnahmslos schlechter gewesen als das Original?
Meine sehr verehrten Damen, gehen Sie in die Familie. Dort wird menschenwürdiges Leben entwickelt und gelebt. Es gibt kein besseres oder wichtigeres Ziel, als diesen Weg, leben! Leben Sie Liebe, liebevolle Beziehung mit Ihren Kindern und mit Ihrem Mann. So wird Liebe geübt, werden Spiegelneurone gebildet. Nicht das „Prinzip Liebe“, nein, gelebte Liebe.
Auch heute zeigt sich noch mancherorts, dass das 3-Generationenhaus (Kinder, Eltern, Grosseltern) entscheidende Vorteile hatte. Nicht jeder muss so leben. Aber es sorgte für Halt und Orientierung für die Jungen und für Hilfe bei der Existenzangst der Alten. Die mittlere Generation ist am meisten gefordert, aber auch am leistungsfähigsten.
Andererseits müssen wir uns natürlich eingestehen, dass wir nicht mehr leben wie vor 500 Jahren. Unsere Vorfahren, unsere Väter (und Mütter) haben die Welt verändert und auch wir verändern die Welt. Dem müssen wir uns anpassen, in der Kindheit, in der Familie, in der Ehe, im eigenen Lebensentwurf, in der Organisation unserer Gesellschaft. Zumindest Prägung verändert sich damit auch. Das menschliche Leben wird damit fragiler, wird unsicherer, denn die neuen Lebensformen sind alle Versuch auf Irrtum oder Erfolg. Unsere Vorausschau schafft nur sehr unsichere Ergebnisse. Wir können schwer wieder umdrehen und alle zurück auf „Los“ gehen und neu starten. Es ist wie beim Autofahren. Man muss immer angemessen fahren, um immer rechtzeitig stoppen zu können, nicht aus der Kurve zu fliegen und keinen Verkehrsteilnehmer zu rammen. Waren unsere Vorfahren bei der Globalisierung, bei der Waffenentwicklung, unsere Eltern bei der Nuklearwaffen und -energieentwicklung, unsere Mitforscher und -ingenieure bei der Entwicklung des Internets, der Digitalkameras, der maschinellen Datenverarbeitung, der Gentechnologie und vielem mehr immer so vorsichtig, dass sie vor Unfällen stoppen konnten? Hiroshima, Nagasaki, Tschernobyl, Fukushima sprechen doch eher dagegen, oder? Wir haben bis heute keine sicheren Dauerendlagerungsstätten für Atommüll! Beim Autofahren müssen wir immer vor einer Gefahr stoppen können, damit ein Unfall verhindert wird. In Wissenschaft und Technik, in Weltanschauung und Zusammenleben in Familie und Beruf müssen wir das nicht? Drauf los und wenn es zum Unfall kommt, dann kommt grosses Weh und Ach?
Wir treffen zunehmend im Leben auf Menschen ohne Kinderstube und meist wissen wir davon gar nicht. Ihre Sozialisation war eine andere, ohne dass sie das selbst beeinflussen konnten. Dann sind doch andere als die gewohnten Reaktionsmuster selbstverständlich? Und diese Reaktionsmuster werden als Erwachsener nur schwer änderbar sein.
Viele Frauen in heutiger Zeit haben in der Kindheit und Jugend eine Mutter als Zentrum der Familie nicht mehr oder nur noch rudimentär erlebt. Diese Fähigkeit ist Ihnen nicht in die Spiegelneurone eingeprägt und damit verloren gegangen. Wenn Sie können, dann leben Sie Ihren Töchtern dieses Zentrum wieder vor und mit ihnen dieses Zentrum zusammen, damit die nächste Generation diesbezüglich wieder Fähigkeiten und Heimatstruktur erwirbt. Wissen ist relativ unnütz. Gelernte und geprägte Fähigkeiten sind lebenswichtig (Soft-Skills). Mädchen und Jungen sind da völlig unterschiedlich. Leben Sie zusammen, aber unterscheiden Sie zwischen den Lebensweisen, den Aufgaben, den Empfindungen und Gefühlen, den Körpern von Jungen und Mädchen. Die Unterschiedlichkeit macht eine Schönheit und Spannung menschlichen Seins aus. Gleichheit ist „Unsinn“, ist unmenschlich.
Partnerbindung wird in der Kindheit gelernt, von den Eltern abgeschaut, geübt. Daher, leben Sie Partnerschaft.
Meine Damen, wenn Ihnen nicht gefällt, wie sich Männer benehmen, wie sie leben und urteilen, dann nehmen Sie Einfluss auf die Prägung dieser Männer in der Kindheit. Sie könnten es zu einem grossen Teil selbst beeinflussen, wenn sie wollten. Übernehmen Sie selbst diese Aufgabe. Keiner kann das so organisch tun wie Sie. Sie dürfen diesen kleinen Männern Ihre Weltanschauung prägen. Was ist das für eine Chance für Sie?
Leben Sie auch Ihre Unzulänglichkeit in der Familie. Auch damit müssen Kinder lernen, fertig zu werden. Fehlerhaftigkeit, Unzulänglichkeit, auch Schuld und Schuldgefühle sind menschlich. Sie gehören zu uns. Auch, dass wir immer von anderen Transparenz wollen, aber selbst zur Transparenz gar nicht bereit sind.
Es gehe da in den letzten Jahrzehnten ein alten Familienbild kaputt, heisst es. Das kann ich nachvollziehen. Welches, wenn ich fragen darf? In der Vergangenheit gab es mehrere. Das, was kaputt geht, ist vor allem das Arbeiterfamilienbild der letzten 250 Jahre. Ist es um dieses Familienbild so schade? Natürlich, wer darin zuhause ist, wird jetzt Schmerzen leiden. War die Enge dieses Milieus wirklich so menschlich?
Mehr noch Männer als Frauen, leben und beschäftigen Sie sich mit Ihren Kindern und nicht mit den Dingen. Menschlich leben heisst, direkte Beziehung, nicht über zwischengeschaltete Geräte wie I-Phone, Laptop oder PC etc. Leben Sie Elternschaft analog, nicht digital. Analog lebende Mütter sind Mütter für menschliche Kinder. Mütter als Halbmenschen und Halb-I-Phones produzieren nur noch Krüppel. Was sollen denn diese Kinder in ihren Spiegelneuronen gespeichert haben?
Ich habe keine Zeit.“ Wirklich? Sie Ärmste(r)! Wir haben alle 24 Stunden Zeit pro Tag, nicht mehr und nicht weniger, jeder. Wir haben alle ein Leben, unterschiedlich lang, nicht vorhersehbar, nicht planbar. Wir haben aber in den letzten 200 Jahren immer mehr Möglichkeiten bekommen, unsere Zeit zu verleben: Mit einem Menschen oder mit vielen, mit Sex oder mit Arbeiten, mit Essen oder mit Fasten, mit Lesen oder mit Internetspielen, mit Nachdenken oder Konsumieren… Heute können und müssen wir viel mehr auswählen, viel öfter „Nein“ sagen. Auch wenn wir nicht „nein sagen“, sagen wir „nein“, nämlich indem wir das eine tun (z.B. im Internet spielen), können wir alles andere nicht auch tun. Das mehrere Dinge zugleich tun, schliesst sich aus. Wer es versucht, scheitert schnell oder überfordert sich (Folge: Burn out). Das müssen und wollen wir lernen und praktizieren, mit unseren Kindern, in unseren Familien.
Schenken Sie Ihren Kindern (und sich!) Langeweile. Langeweile ist nichts negatives. Langeweile ist wichtig, weil sie uns mit uns selbst konfrontiert, weil sie Möglichkeiten und Freiraum bietet, weil sie Fantasie, Ideen und Entscheidungen fördert, weil sie Zeit zum Nachdenken und zum Erholen bietet. Nachdenken kann man schwer lehren oder beibringen. Man kann nur Raum schaffen für die Möglichkeit des Nachdenkens. Nachdenken heisst: Denken nicht nur in gewohnten, egoistischen Bahnen auf ein Ziel hin, sondern auch um viele Ecken, mit vielen äusseren Einflüssen und mit eigenen Ideen, ziellos. Üben Sie sich selbst im Nachdenken. Nachdenken können wir nicht delegieren. Je mehr Sie selbst es tun, desto mehr werden es auch Ihre Kinder tun. Nachdenken fördert Persönlichkeitsbildung.
Langeweile schafft Ruhe. Laufend bespasste oder geforderte oder beschäftigte Kinder (und auch Erwachsene) haben diese Chancen nicht. Sie müssen doch beziehungsunfähig, konzentrationsunfähig, hippelig und ich-reduziert werden. Leben Sie wieder überwiegend analog, überwiegend selbstbestimmt (auch nicht durch Film und Fernsehen oder andere Programme von aussen). Sport und Verein sind sinnvoll bis zu einem bestimmten Limit. Wissensvermittlung ist wichtig, aber denken Sie an ausreichend Langeweile. Sie ist unverzichtbar! Sie reduziert die „Burn-out-Gefahr“ nicht nur bei Kindern. Wer weiss, ob nicht manches ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) gar nicht auftreten würde? Gab es dieses Phänomen oder diese Krankheit schon früher?
Aus Kindern werden Erwachsene. Was macht eigentlich „Erwachsen-werden“ aus?
Zunächst ist da die Pubertät. Sie ist eine biologische Festlegung, ein zweites Trotzalter, eine Phase der Menschwerdung, der Persönlichkeitswerdung, der Loslösung. Hier brauchen Kinder die Eltern, vor allem die Mutter, noch einmal sehr dringend, um sich von ihr trennen zu können. Das wird beide verändern, Kind und Mutter (Vater), Tochter anders als Sohn. Dazu müssen natürlich beide körperlich und geistig in der Familie anwesend sein und den entsprechenden Part auch bieten. Das tut beiden weh und ist unangenehm. Das sind wichtige Erfahrungen für Beide. Sind heutige Menschen aus elternlosen Familien (beide Eltern arbeiteten im Wesentlichen) überhaupt noch Menschen? Sind sie nicht eher „Postmenschen“, Menschen nach dem Menschsein? Sind Möchte-gern-Männer nicht in gleicher Weise bereits Postmenschen? Natürlich erwachsen aus diesen Menschen auch wieder Postmenschen. Biologische menschliche Prägung (Soft-Skills) fehlen ihnen zunehmend. Das dürfen wir ihnen gar nicht vorwerfen. Vielleicht werfen wir das am besten gar keinem vor in Form von Schuldzuweisung. Aber wahrnehmen als Realität sollten wir es doch schon? Ratgeber und Personaler empfehlen diesen Menschen jetzt, das selbst zu trainieren. Wie soll das gehen?
Die allgemeine Festlegung für erwachsen Werden ist heute der 18. Geburtstag. Früher galt oft der 21. Geburtstag. Wie und warum hat man das geändert? Manche Parteien brauchten neue Wähler und vermuteten, dass junge Menschen sie häufiger wählen würden als ältere. Also musste das Wahlalter reduziert werden. Wenn Sie lange genug einen Vorsatz verfechten, dann bringen Sie ihn irgendwann durch, vor Allem, wenn er neu ist und alles Neue als „Gut“ deklariert ist. So kam es. Das Alter von 18 Jahren als Zeitpunkt des Erwachsenwerdens ist eine völlig willkürliche Festlegung (noch dazu aus völlig anderen und egoistischen Zielen so gewählt).
Erwachsen wird man, wenn man auf eigenen Beinen stehen kann, finanziell und geistig, wenn man losgelöst ist von den Eltern. Ein Mann sollte also dann eine Familie ernähren können.
Frauen werden vielleicht mit dem ersten Kind erwachsen? Dann leben sie ihr Frausein? Wenn es nicht das Kind ist, was sie erwachsen macht, dann ist es ähnlich dem Mann? Wenn Frauen sehr früh Kinder kriegen, sehen wir die Spannung in diesem Vorgang.
Erwachsen ist man erst, wenn die Suchtgefahr gebannt ist (Rauchen, Joints, Drogen, Spiele, I-Phone, …). Bei Alkohol und Schlafmitteln ist das vielleicht etwas anderes. Die Drogenabhängigkeit unserer Jugend (und später der daraus erwachsenden älteren Generation) zeigt, wie unerfahren, wie altklug diese Menschen doch sind. Man kann nicht alles ausprobieren, ohne dafür zu bezahlen, mit Geld, mit Strafe, mit lebenslanger Abhängigkeit, mit Verkrüppelung oder Tod. Noch nicht erwachsen. Sinn verfehlt. Suchtkranke werden im Grunde nie erwachsen. Gott und/oder die Evolution sind da gnadenlos. Wir in unserer Überheblichkeit, Neugier, Unachtsamkeit glauben nur, dass alles nur für uns geschaffen sei und unbegrenzt erforschbar und nutzbar sei. Weit gefehlt. Werden und bleiben Sie kritisch, vor allem selbstkritisch und wachsam, auch bereits als Jugendlicher.
Die Hardware und die Software des (jungen) Menschen passen zunehmend nicht mehr zusammen. Der Körper und das Gehirn geben nur gewisse Funktionen her. Änderungen geschehen nur in genetischen Zeiträumen, also in zehn- bis hunderttausenden von Jahren. Die Software aber hat sich in den letzten 600 Jahren zunehmend und immer schneller verändert. Die Weltanschauung stellt sich zunehmend als unpassend heraus. Der Mensch ist keine Maschine. Das Maschinenbild des Menschen taugt zwar als Allegorie für einzelne Strukturen und Prozesse, aber für viele und vor allem für den lebenden Menschen an sich genau nicht. Maschinen leben nicht.
Die Mobilität überfordert die Körperfunktionen von Toleranz (bzw. Intoleranz), von Heimatgefühl (jedes Tier hat sein Revier)(bzw. Entwurzelung) und anderen. Das Überangebot von Nahrung überfordert das Hungergefühl und die Selbstbeherrschung des Menschen. Das kommunikative Überangebot überfordert seine psychischen Kräfte (bei Frauen wegen der Multirecognising-Fähigkeit noch mehr als beim Mann). Da mit der digitalen und kommunikativen Revolution seit Anfang des Jahrtausends gar keine Räume mehr zur Ruhe und Konzentration, der Langeweile, der Selbstfindung und des Nachdenkens mehr stattfinden, kann menschliche Persönlichkeitsentwicklung immer weniger oder schon nicht mehr stattfinden. Äusserlich sehen wir Menschen vor uns. Innerlich sind es Monster, die den auf sie einstürmenden Veränderungen gar nicht mehr gewachsen sind.
Die Exzesse aller Art, die wir jetzt im Internet erleben, zeigen es zunehmend, weil in der indirekten Kommunikation die psychischen Bremsen der direkten Kommunikation fehlen. Da hilft kein Löschen von bestimmten Inhalten oder Gesetze und Strafen. Da hilft nur Anpassung der Software an die Möglichkeiten der Hardware. Softskills können nicht theoretisch gelernt werden. Sie müssen praktisch geprägt werden, in der Kindheit, in der Familie. Viele „Monster“ (bitte nicht wertend, sondern nur beschreibend verstehen) haben die Softskills verloren. Ratgeber und Personaler empfehlen nun, sie sich anzueignen. Das funktioniert nur nicht. Die gehören schon selbst zu den „Monstern“.
Die sich dem Leben vor allem auf der Gefühlsebene hingeben, haben mehr Glück. Die Denkenden haben weniger Glück, weil sie weniger geniessen können. Genuss hat mehr mit Gefühl als mit Verstand zu tun.

 

Täuschung und Enttäuschung, Wissen und Glauben:

Wir leben in und mit Schein und Sein, in Theorie und Praxis. In der Theorie können wir alles, sind wir gut, können wir alles berechnen, können wir alles erreichen, können wir alles bestimmen, alles lernen, alles wünschen …
Mensch sein, leben, Realität, Wahrheit, Richtigkeit, Machbarkeit etc. entscheiden sich aber am Körper einschliesslich Psyche und Hirntätigkeit. Wer menschlich sein will, tue das immer am menschlichen Körper. Dort entscheidet sich alles. Menschsein kann man nicht theoretisch. Bleiben Sie mit allen Theorien immer nahe am menschlichen Körper. Dann sind Sie der Realität, der Wahrheit am nächsten.
Wissenschaftler können heute alles vorausberechnen, jedenfalls theoretisch. Die Algorithmen werden immer besser. Nach unserem Weltbild hat alles Ursache und Wirkung, also ist der ganze Ablauf vom Urknall bis zum Ende berechenbar. Wenn wir die Wissenschaftler bitten, das zu tun, dann ist aber sehr schnell Ende. An der Praxis versagt die Fähigkeit. Hier kommen wir in den Bereich der theoretischen Physik. Doch wieder Theorie.
Immerhin konnten die Wissenschaftler und Techniker der Raumfahrt die Flugkörper recht präzise auf die anderen Himmelskörper lenken. Aber was für Dimensionen sind das im Vergleich von Universum (Raum) und „Fast Ewigkeit“ (Zeit)?
Trotzdem passieren Unfälle. Unfälle sind Fremdkörper in der Theorie. Die müssen weg, müssen verhindert werden (oder verschwiegen), koste es, was es wolle. Die Folgen dieser Forderung sehen wir in der Realität unserer Lebens- und Arbeitsprozesse. Die Anstrengungen und Kosten explodieren.
Dann aber kommt der Mensch, kommt das Leben. Hier kommt eine neue Kraft ins Universum und in die Zeit. Wir Menschen leben. Diese neue Kraft widersetzt sich der Theorie, hat eigene Regeln, biologische Naturregeln, hat Freiheit, eine neue Grösse: Denk-, Entscheidungs- und Tatfreiheit. Mit dem Leben wird die Theorie zur Makulatur. Das ganze Theoretisieren am materiellen Sein, wischt das Leben, wischt die reale Existenz des Menschen mit einem Handstreich weg.
Die heutige moderne Wissenschaft, die Medizin, das Rechtssystem und die Gesetzgebung richten sich nach Prinzipien, Theorien, Leitlinien etc. Diese Räume menschlichen Lebens verbannen damit aber den menschlichen Körper, die Gefühlswelt, die Person in den Untergrund. Oft ist das erklärte Absicht. Wir sind aber zu weit mehr als 50 % Körper, Gefühl, Person. Wir können zwar nach Prinzipien, Theorien, Leitlinien und Gesetzen leben, aber sie werden immer im Widerspruch zu uns stehen.
Lernen aus der Geschichte ist menschlich kaum möglich (nur per Wissen). Unsere Sicht der Welt müssen wir selbst entwickeln, jede Generation neu, jeder Mensch selbst. Das ist nicht delegierbar und nur sehr begrenzt theoretisch lernbar! Wir Menschen sind nicht Theorie, sondern Praxis. Wir leben (und erfreuen uns hoffentlich daran). Und doch ist unser Lernen, unser Denken nur Theorie. Mitten durch uns hindurch geht die Grenze von Realität, von Sein und Praxis auf der einen Seite und Schein, Theorie, Denken auf der anderen Seite. Mit unserem Körper und Denken sind wir beides.
Das Leben beginnt mit einer grossen Täuschung: Alles ist für mich und alles ist ich und ich bin alles. Die allumfassende Liebe der Mutter, die grenzenlose Fürsorge baut eine liebevolle Täuschung auf. Je weniger Kinder das Paar hat, desto besser gelingt das. Die Mutter baut mit dem Vater zusammen eine heile Welt, das Nest auf. Doch je nach Grösse und Struktur der Familie früher oder später bekommt dieses Nest, diese heile Welt Risse. Je länger Frauen es schaffen, diese heile-Welt-Struktur zu erhalten, desto vertrauensseliger werden die Kinder. Später im Leben wird fast zwangsläufig die Enttäuschung kommen (Sonst haben diese Menschen das Leben später gar nicht richtig kennengelernt) und die Enttäuschung wird oft heftiger werden als bei denen, die früh schon wenig Nest, Wärme und Liebe erfuhren. Wahrscheinlich ist es sinnvoll, schon den Kindern und Jugendlichen spätestens ab der Pubertät auch Enttäuschung zuzumuten. Sie brauchen das gar nicht als „Muss-Programm“ zu planen und zu organisieren. Seien Sie einfach Mensch mit Ihren eigenen Interessen. Zunehmend dürfen Sie wieder sich selbst in den Vordergrund schieben und die Kinder nach hinten. Dann passiert die Enttäuschung ganz einfach im normalen familiären Leben. Sie wird auch gelernt und bildet Spiegelneurone. Das ist wahrscheinlich das menschlichste Lernen überhaupt. Zwingen Sie niemanden, auch sich selber nicht. Spielen Sie keine Liebe vor, wo keine ist. Schenken Sie sich und Ihren Kindern zunehmend die Freiheit, zu sein, wie sie sind. Lassen Sie einfach los. Sie brauchen auch nicht hektisch in Aufregung zu kommen: Jetzt muss ich schon wieder etwas ändern. Wir wollten doch das Ändern verschieben, vielleicht sogar aufgeben? Sie müssen nichts ändern!
Wahrscheinlich gilt auch: Jungs von sehr liebevollen Müttern werden später mit höherer Wahrscheinlichkeit von ihren Frauen enttäuscht. Die Frauen haben wenig Chance, so viel Liebe zu entwickeln wie die früheren Mütter.
Auch in der grösseren Welt finden wir die gleiche Struktur. Ganze „heile“ Gesellschaften kämpfen um den Erhalt ihrer Täuschung, die einen in der Gesellschaft durch Erhalt der alten liebgewordenen Strukturen, die anderen durch Aufbau neuer, interessanterer, bequemerer, das Wohlgefühl fördernder Strukturen. Bitte, nur nicht enttäuschen.
Enttäuschung ist schmerzhaft. Deshalb meiden wir Enttäuschung wo es nur geht, schon ganz intuitiv. Manche Enttäuschte bringen sich sogar um. Dort, wo viel Täuschung herrscht und damit auch die Enttäuschungsrate hoch ist, dort ist die Selbstmordrate höher als anderswo. Aber zur Wahrheit, zur Realität findet man nur auf dem Weg durch die Enttäuschung.
Auch ich tue Ihnen weh, weil ich Sie enttäusche. Das Weiterlesen wird Ihnen deshalb sicher schwerfallen? Enttäuschen gehört jedoch zur Realität dieser Welt.
In den letzten Jahrzehnten (oder sogar Jahrhunderten?) wurde „Lesen“ mit „Bildung“ gleichgesetzt. „Kinder lest, lest, lest!“ Was, war fast egal. Man erwartete, dass das die Kinder bildet.
Ganz so einfach ist es aber wohl doch nicht. Bestimmt, Lesen weitet den Horizont und steigert die Chance, dass weitere Neugier entsteht. Das ist aber nicht zwingend so. Wer immer nur schöne, spannende Liebesromane oder Thriller oder Krimis liest, übernimmt natürlich mit der Zeit auch ein gewisses Menschenbild und Bild von der Realität. „Gut und böse“ werden da sicher wieder eine Rolle spielen?
Für das Lesen gilt daher: Lesen Sie nicht alles, was Ihnen unter die Augen kommt. Lesen Sie nicht, was Sie nur bestätigt, was Ihnen wie Honig herunterrinnt, wo Sie zustimmen, wo Sie in Spannung mitgehen können. Das tun die, die einfältig ihrer Intuition folgen. Sondern lesen Sie zu aller erst das, was Sie zur Kritik, zu Fragen anregt, was Ihren Widerspruch auslöst, was Sie zum Nachdenken bringt, was Ihnen gegen den Strich geht. Das bildet. Von allem Anderen lesen Sie zum Vergnügen, was Ihnen Spass macht. Eine solche Auswahl gilt aber auch für alle anderen Informationsangebote.
Die Vielzahl von Informationskanälen in beide Richtungen, die Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten bedeutet immer grössere Konkurrenz, denn die uns zur Verfügung stehende Zeit und Kraft bleiben gleich. Wir müssen viel häufiger „Nein“ sagen als früher. Das gilt auch für sogenannte Bildungsangebote, erst Recht für Spiel und Unterhaltung. Unsere Zeit wird durch die vielen Angebote immer relativer. Menschlich werden wir nur noch durch radikale Beschränkung auf das Wesentliche. Oft „Nein“ sagen! Und doch gehört auch das Banale zum Leben.
Liebe Jugendliche, fragen Sie. Diskutieren Sie nicht viel. Verlassen Sie das Trotzalter der Pubertät und fragen Sie nach allen möglichen Zusammenhängen, Inhalten, Funktionsweisen, Sinn, Gefühlen, …. Wenn Sie aus der Geschichte lernen wollen, dann geht das nur, wenn Sie anfangen nachzudenken und zu fragen, bevor Sie reden und tun. Sie glauben heute, mehr im Recht zu sein, besser zu sein und es besser zu machen als Ihre Eltern? Das haben schon sehr viele Generationen vor Ihnen so getan. Damit unterscheiden Sie sich von Ihren Vorfahren gerade nicht.

 

Spätestens seit dem zweiten Weltkrieg versucht die Jugend, uns zu sagen, wo es lang geht. Sie ist vollgedröhnt mit Lehren der Eltern (und Lehrer, Philosophen, Führer etc. …), aber sie hat noch nicht gelebt, ist noch nicht gereift, kann noch nicht (be)urteilen. Das liegt einfach an der Kürze des bisher gelebten Lebens. Sie macht es wie die Generationen vor ihr auch, indem sie es genau anders und besser machen will. Intuitiv glaubt die Jugend, sie müsse jetzt endlich der älteren Generation zeigen, wie man die Welt richtig verbessert. Sie wird den Sozialismus jetzt endlich und erstmals richtig gestalten. In der Umweltpolitik gilt das Gleiche und in manchem anderen Gebiet auch. Alle anderen Generationen zuvor haben zu viele Fehler gemacht. Wir machen das jetzt richtig und dann werden alle glücklich. Schon alle Generationen vorher glaubten, selber die Welt besser machen zu können als ihre Eltern das geschafft haben. Das war und ist der Irrtum! Aus der Geschichte lernen ist doch so schwer! Schein und Sein.
Junge Generation, Sie müssen schon wirklich etwas Neues machen, wenn Sie etwas Neues machen wollen. Zweit- oder Drittauflagen (meist noch viel, viel grössere Auflagenzahlen) reichen da nicht! Für das „besser machen“ gilt das noch viel tiefer.
Wissen setzt sich zusammen aus vielen Teilen: Wenige Fakten, viele Interpretationen, Ansichten und Meinungen, dann auch noch Gefühle der Anderen und eigene. Verlassen Sie sich nie auf Ihr Wissen! Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird vieles gar nicht objektiv stimmen. Die Anderen glauben genau das Gegenteil und sind damit auch nicht näher an der Realität. Leider glauben wir viel zu viel und vor allem uns selbst zu viel. Hören wir nicht auf, verstehen zu wollen und denken wir nach, glauben aber im Prozess und danach besser nicht, verstanden zu haben. Die Falle des Glaubens ist zu naheliegend.
Wissen ist die Information, die wir nicht mehr hinterfragen. Wir glauben sie einfach, ohne zu fragen. Das, was wir lernen, ist aber ein Gemisch aus Richtigem und Falschem. Das lässt sich gar nicht ändern. So müssten wir eigentlich unsere Erkenntnisse und Kenntnisse immer wieder in der Realität auf ihre Richtigkeit überprüfen. Zumindest bei allem Lebenden kann sich das auch wieder ändern, unter Umständen sogar täglich. Eine Information kann also heute richtig und morgen falsch sein. Wir müssen also viel kritischer werden und alles hinterfragen. Zweifeln wir und hinterfragen wir. Sonst kommen wir der Wahrheit (Realität) nie näher. Nur die Zweifler können zum Glauben finden. Alle Anderen kommen nur zum Wissen. Wissen allein ist aber weniger als glauben. Ungeprüftes Wissen zu vermitteln birgt die Gefahr, dass man auch Unsinn oder Information weiter gibt, die nur anderen nützt, was man eigentlich gar nicht weitergeben wollte.
Wir nehmen z.B. die Evolutionstheorie für wahr, für der realen Entwicklung entsprechend. Auch die physikalischen Theorien, die Naturgesetze, ja sogar unser Denken und unsere Gefühle nehmen wir für wahr. Dabei sind wir Lebenden eben gerade ins Gegenüber gesetzt, also von der Realität getrennt.
Die fortgeschrittenen Persönlichkeiten zweifeln so auch an sich selbst, sehr konstruktiv.
Sola scriptura“ (allein die Schrift) war schon bei Luther der Sündenfall. Die Schrift ja, aber wer sollte sie deuten, ohne persönlich zu missdeuten? Wer wollte richtig und falsch festlegen, in allen Heiligen Schriften?
Wahrheit im theoretischen Sinne gibt es nicht. Dann wäre sie eine transzendente Grösse (also Gott). Aber es gibt Realität. Wenn wir heute von Wahrheit sprechen, dann meinen wir sehr oft Realität. „Du hast Recht“ heisst dann zum Beispiel „Du bist mit Deiner Ansicht der Realität sehr nahe, bist sehr realistisch“. Offenbar täuschen wir uns gerne über die Realität. Sonst gäbe es nicht so oft Enttäuschungen, die uns der Realität (in gewissem Sinne Wahrheit) näher bringen. Offenbar schätzen wir die Realität immer schöner, besser, lieber, wunderbarer ein, als sie tatsächlich ist. Deshalb tut Enttäuschung, deshalb tut Wahrheit, tut Realitätsnähe offenbar weh. Die rosarote Brille ist uns angenehmer als die Realität. Dabei müssen wir uns ja schon eingestehen, dass wir der Realität nur immer relativ nahe kommen. Die Realität und das Bild, das wir uns von der Realität machen, sind zwei verschiedene Dinge. Frauen sagen dann auch noch, dass ihr Gefühl (ihre Intuition) dagegen spricht. Wenn schmerzhafte Gefühle zu vermeiden sind, dann ist Realitätsnähe zu vermeiden. Da Argumente gegen Gefühle keine Chance haben, täuschen sich Frauen noch viel lieber über die Realität als Männer es schon tun. Diskussionen sind zwecklos.
Wer sagt „Jetzt muss aber endlich mal die Wahrheit gesagt werden!“, der meint doch in aller Regel „Jetzt muss mal meine Seite der Medaille ernstgenommen werden!“. Je ernster und bestimmter er das sagt, desto falscher ist die Forderung, denn er meint ganz egoistisch nur seine eigene Wahrheit, seinen Egoismus verdeckt durch den Begriff „Wahrheit“. Laufen Sie niemandem hinterher, der Ihnen Wahrheit verkündet. Wahrheit werden Sie dort seltenst finden. Wenn wir Fragen stellen, ist die Wahrheit fix verflogen. Aber Sie wissen jetzt, was den Anderen/die Andere schmerzt. Können Sie ihm/ihr die Schmerzen irgendwie lindern? Er/Sie wird Ihnen dankbar sein.
Nur die Menschen werden persönlicher, die anfangen, kritisch zu werden, viel zu zweifeln, anderen nicht mehr zu glauben und an sich selbst zu zweifeln. Frauen sind zwar viel vorsichtiger als Männer, aber an sich selber zweifeln fällt ihnen schwerer. Vor allem die Möchte-gern-Männer können es nicht. Frauen bezweifeln zwar alles, was sie denken, aber wenn es um den Körper und Gefühle geht, sind immer diese Beiden der Sieger über den Zweifel (oder auch das Glauben).
Männer könnten leichter zweifeln. Eigentlich sind sie dafür geschaffen. Das tun sie aber nicht. Wenn sie Erfolg haben mit Macht, Geld oder Ansehen, bewerten sie das vorschnell als Zustimmung zu ihren Ansichten. Dabei ist Erfolg einfach nur Erfolg und kein Beweis dafür, das der Mann realitätsnah liegt mit seinen Ansichten. Das ist eine Täuschung. Erfolg ist keine Garantie und kein Beweis für Recht haben. Erfolg kann oft auch Zufall ganz anderer Konstellationen sein. Wer Recht hat, ist noch längst nicht immer im Recht, das heisst der Realität oder Wahrheit nah. Umgekehrt stimmt der Gedanke aber auch: Misserfolg ist nicht sicher der Beweis, dass man falsch liegt mit seiner Ansicht. Viele andere Faktoren können auch zum Misserfolg führen. Nicht vorschnell urteilen, beide Geschlechter nicht!
Wir haben die grosse Enttäuschung vor uns, die, dass wir nicht einfach die Welt und uns in der Welt so nehmen können, wie wir meinten, es tun zu können.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist, nicht nur im negativen Falle Person und Ansicht zu trennen, sondern im positiven Falle auch. Dann aber hätten wir doch diese Tatsache gar zu gerne ausgenutzt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.