Wie leben? Der Mensch, die Geschlechter und was uns bestimmt

Wie können wir leben?

3 Der Mensch, die Geschlechter und was uns bestimmt:(15.11.2020)

Egoismus und Stolz:

Der Mensch lebt für sich selbst, bezieht alles auf sich, das Wissen, das Verständnis, die Beziehungen (Was bringt mir das? Muss ich mir das antun?), nicht nur egoistisch, sondern er ist für sich selbst auch die Mitte. Er kann nur aus sich selbst sehen. Alles sich im Spiegel sehen wollen, sich in andere hineinversetzen wollen, ist nur ein Spiel, ein Schauspiel. Es funktioniert nicht wirklich. Frauen können es noch weniger als Männer. Sie kennen den Spruch: „Wenn jeder an sich denkt, hat an jeden einer gedacht.“ Stimmt. Das ist ein Grund, so weiter zu machen, wie bisher. Konsequenz: Jeder ist jeden los. Das soziale Wesen Mensch wird asozial. Nur noch Egoisten, jeder übervorteilt alle anderen so gut er kann. Rücksichtslosigkeit im Extrem. An Andere gedacht? Im Sinne von Anderen gedacht? Fehlanzeige!
Menschen sind eine Art von Tieren. Es regiert uns der Selbsterhaltungstrieb in allen seinen Formen (Sex, Essen, Beziehung, Faulheit, Bequemlichkeit, Stolz, Selbstbehauptung …). Menschen empfinden Egoismus aber nicht als positiv, nicht als „gut“, vor allem den Egoismus Anderer nicht. Vielleicht ist das auch ein Zeichen von Menschwerdung aus der Tierwelt heraus? Menschen versuchen, ihren Egoismus mit etwas „Gutem“ zu verbinden oder durch das „Gute“ zu verstecken. Und am meisten müssen wir Menschen unseren Egoismus vor uns selbst verstecken. Ein sehr effektives Mittel dafür ist, sich selbst und seine eigenen Interessen für „gut“ zu erklären. „Es ist doch gut, wenn ich für mein Wohlgefühl sorge, dafür, dass ich weiter leben kann, dass mein Bauchgefühl stimmig ist und meine Interessen und meine Zukunft gesichert sind. Wenn ich an mich denke, denkt wenigstens einer an mich. Das ist doch gut?!“ Dann kann ich auch stolz auf mich sein. Damit ich diesen positiven Egoismus nicht doch noch als echten Egoismus erkennen muss, sorge ich für die um mich herum in gleicher Weise auch noch mit. Dann kann doch keiner sagen, ich sei „böse“, ich sei egoistisch. Noch ein Grund, stolz auf mich zu sein! „Ich, ich muss immer gut sein und dass ich gut bin, beweise ich Dir und mir und wenn Du mir das nicht glaubst, dann denkst und siehst Du das falsch“. Sein und Schein. Egoismus und der Stolz, meinen Egoismus gut versteckt zu haben (zuerst vor mir und dann auch vor den Anderen). Beobachten Sie sich und Andere mal für längere Zeit mit dieser Frage.
So trägt der Mensch immer den Widerspruch zwischen „gut“ und „böse“ in sich. Und es geht auch nicht anders, denn wer wollte wirklich zugeben, dass er „böse“ ist? Sofort kämen die Fragen der Nächststehenden: „Und warum änderst Du Dich nicht? Warum tust Du nicht nur „Gutes“?“ Und wer wollte zugeben, dass er „böse“ ist und könnte beweisen, dass es nicht wieder aus dem Egoismus geboren ist, anderen die neue Erkenntnis zu vermitteln und damit zu sagen: „Aber weil ich meinen Egoismus zugebe, bin ich doch „gut“ (denn Du gibst Deinen Egoismus nicht zu)“?
Wenn in ein und dem selben Menschen „gut“ und „böse“ wohnen, muss es eine Grenze geben. Wir werden das aber wohl eher als Graubereich verstehen müssen. Und meist sind Eigenschaften des Menschen und seine Handlungen auch gar nicht sauber in „gut“ und „böse“ zu trennen. Je nach Sichtweise sind sie oft Beides in Einem. Das begründet eine Grundidentität des Menschen: Wir sind weitestgehend widersprüchlich. Das finden wir an vielen Stellen im menschlichen Zusammenleben immer und immer wieder.
Männer und Frauen haben folgende geschlechtsspezifische Widersprüche in sich: Frauen zwischen Egoismus und Fortpflanzung, Männer die Widersprüche zwischen Egoismus und Frauen (sowie Kindern) sowie Egoismus und Beziehung zur unpersönlichen Welt. Da Männer zwei solcher geschlechtsspezifischen Widersprüche in sich tragen, konkurrieren beide auch miteinander. Frauen möchten immer das Wichtigste, die Wichtigste für den Mann sein, aber der ist auch mit der unpersönlichen Welt beschäftigt. Das beleidigt die Frau ungemein. Das nimmt die Frau persönlich als Beleidigung. („Ich bin ihm wohl nicht genug?“)
Abgrenzung, Nestbauen, Landesverteidigung, Intoleranz … sind normale menschliche Verhaltensweisen. Sie haben nichts mit „gut und böse“ zu tun. Der Begriff „Moral“ ist in diesem Zusammenhang sinnlos. Sie sind ganz einfach menschlich, tierisch menschlich, biologisch.
Der Mensch neigt dazu, sich die Erde untertan zu machen, auch die anderen Menschen und die Gemeinschaft. Er/sie neigt dazu, allerhand Gedankengebäude, Konstrukte, Dreierbeziehungen etc. auszudenken, um schliesslich mehr Nutzen als Einsatz aus einer Sache ziehen zu können. Es muss sich für mich lohnen. So stehen am Ende der Rechnungen fast immer Schulden da, die möglichst bitte ein Anderer zahlen möge, per Spende, per Subvention, per Beitrag, per Steuer oder wie auch immer. Es ist gut und nützlich, dass bei jeder Aktion auch immer Kosten und Nutzen abgewogen werden und sie müssen mindestens ausgeglichen, wenn nicht positiv sein. Sonst geht es nicht. Die ausgewogene Kosten-Nutzen-Rechnung ist das beste Korrektiv für Träumereien oder Schlimmeres. Das müssen wir bedenken, wenn wir Staaten gründen, Organisationen, Vereine, Firmen, ja selbst eine Familie.
Leben ist der Prozess, in dem in einer Person Identität und Toleranz vereint sind. Das ist ein wahnsinnig Energie verbrauchender Prozess, denn erstens neigen wir zur Unipolarität (einer Form von Extremismus, denn der Andere ist nur „gut“ oder nur „böse“, Freund oder Feind) und zweitens neigen wir dazu, die Annehmlichkeiten der Identität und des Reviers mit den Annehmlichkeiten der Globalisierung (Reisen, günstige Preise durch Handel etc.) haben zu wollen, den Preis für beide (unter anderem Toleranz und Rücksicht) aber nicht zahlen zu wollen.
Da wir merken, dass wir selber nicht „gut“ werden oder sind, müssen wir laufend Andere dazu zwingen, „gut“ zu sein. Ein wunderbares Mittel dazu sind Gesetze, Regeln und Normen, Bildung von Tabus und jede Art von Druck.
Wir selbst sind widersprüchlich, immer eigennützig und liebend zugleich. Von Anderen erwarten wir, dass sie immer eindeutig gut und liebevoll sind, aber bitte nicht eigennützig! Die Werbung will uns immer wieder dazu verleiten, das von den beworbenen Produkten und Anbietern oder Personen anzunehmen. Auch die Liebe der Frau (und des Mannes) verleiten uns dazu, das von ihr (ihm) anzunehmen. Es ist aber nicht so. Die Liebe und die Werbung sollen nur unsere Kritikfähigkeit blockieren. Dazu dient alles.
Im Grunde sind wir und die Dinge um uns herum wie eine Medaille. Je nach Vorstellung haben sie mindestens zwei Seiten. Intuitiv, rein biologisch, sehen wir aber immer nur die eine. Diese Seite aber muss gut sein und so sind wir automatisch in der Vorstellung „Ich bin gut“ verhaftet. Die böse oder lieblosere Seite müssen wir nach aussen kehren. Dort sieht sie dummerweise der Andere, die Andere, nur ich selber nicht. Der oder die von aussen Sehende sieht nun aber die andere Seite, die lieblosere, die böse Seite, jedoch nicht meine Innenseite, so wie ich mich sehe, die gute Seite. So sind Spannungen vorprogrammiert, in mir und zwischen mir und meinem Gegenüber. Und das tut weh und kann in nahen Beziehungen verdammt weh tun. „Du tust mir weh, also bist Du Schuld“ ist eine häufige Ansicht, ein häufiges Gefühl, eine häufige Interpretation von Spannung zwischen Menschen (ein Vorurteil). Ich bin nicht sicher, ob wir das verhindern können. Vielleicht sind diese Spannung und ihre Interpretation biologisch menschlich? Vielleicht ist das eine völlig falsche Schuldzuweisung? Es beschäftigt uns später noch. Das ist inzwischen tief eingeprägt. Wir müssten Kommunikation als Verbindung praktizieren, nicht als Kampf gegeneinander. Frauen sind da in der Regel viel kommunikativer, Männer viel kämpferischer.
Wir sind eine Kombination von Egoismus (Ich will haben) und Stolz (Ich will gut sein, zumindest nach aussen und noch wichtiger: Vor mir selbst!).
„Geld verdirbt den Charakter“. Stimmt das? Geld ist doch nur wertloses Papier und ein bisschen Metall (oder noch weniger: Eine Zahl auf dem Konto oder in der Blockchain). Ist Geld nicht nur ein willkommenes Mittel, Dinge oder Menschen zu unserem Nutzen zu zwingen oder zwingen zu können? Je mehr, desto besser? Das Problem ist nicht das Geld, sondern unser Egoismus, der durch das Geld gefördert wird. Geld ist nicht die Ursache für den verdorbenen Charakter, sondern ein gut wirksamer Co-Faktor. Die Ursache für den verdorbenen Charakter ist der Egoismus. Und natürlich das Gegenteil: Der Stolz: Ich habe genug, also kann ich abgeben. Ich habe mir das alles verdient (Schau her, wie erfolgreich (also gut) ich bin. Geld ist nur ein willkommenes Mittel, beiden Eigenschaften zu frönen. Ist es mit politischer Macht, mit Recht (und Recht haben) und mit allerlei mehr nicht genauso?
Müssten wir Egoismus vielleicht in drei Teile unterscheiden? Es gibt einen biologischen Egoismus, den selbsterhaltenden, tierischen Egoismus. Er ist genetisch bedingt als Selbsterhaltungstrieb und von uns kaum beeinflussbar. Ihn mit Moral zu verknüpfen, ist Unsinn. Aber es gibt Egoismus darüber hinaus, der nicht dem Selbsterhaltungstrieb dient, sondern mehr will, als zum Selbsterhalt nötig ist und der Andere mehr ausnutzt, als angemessen ist. Ein Teil davon wird der Prägung von aussen geschuldet sein und daher schwer beeinflussbar, aber nicht unbeeinflussbar sein. Der frei gewollte, der vorsätzliche Teil des Egoismus ist die Schuld, die wir tatsächlich auf uns laden. Im Einzelfall gehen diese Anteile in Form von Graubereichen ineinander über, sind schwer zu fassen und kaum angemessen zu beurteilen. Gute Gerichte versuchen das heute bei Strafverfahren zu berücksichtigen. Dass die Ergebnisse von aussen ohne die intimen Kenntnisse kaum richtig zu beurteilen sind, liegt auf der Hand. Die (Vor-)Urteile in den Medien und erst Recht in gefühlsmässig involvierten Bevölkerungsgruppen sind dann leicht erklärlich, deshalb aber trotzdem nicht angemessener. Am besten, kein Urteil, keinen Kommentar abgeben. Es ist wie es ist.

Zwei Geschlechter – zwei Welten:

Die Menschheit ist in zwei Geschlechter geteilt. Nahe liegend ist, dass wir sie als zwei gleiche Teile oder zwei gleiche Hälften einer Einheit nehmen. Jeder schliesst von sich auf den Anderen. Wenn ich jetzt das denke, dann wird er oder sie jetzt auch das denken und wenn ich jetzt das fühle, dann wird er oder sie das Gleiche fühlen. Beide werden die gleichen Gefühle empfinden, die gleichen Diskussionen im Kopf führen, die gleichen Wünsche haben, das Gleiche mögen etc.
In der Realität werden wir wohl davon ausgehen müssen, dass Mann und Frau zwar jeweils zwei Arme und zwei Beine haben und eine Nase mitten im Gesicht. Aber sonst gibt es sehr viel, was beide unterscheidet. Von Gleichheit beider Geschlechter kann überhaupt nicht die Rede sein, und zwar nicht als Versäumnis der Geschichte oder von Menschen resp. unserer Vorfahren, sondern als „biologische Naturregel“, genetisch bedingt. Wir Menschen haben die Eigenart (oder Dummheit?), dass wir „materielle Naturgesetze“ ohne Wenn und Aber anerkennen, aber „biologische Naturregeln“ selbstverständlich für vom freien Willen abwandelbar halten. Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass wir uns Menschen nicht als Natur verstehen, sondern als ausserhalb der Natur (oft sogar als Beherrscher der Natur)? Und wenn wir auf Probleme stossen bei diesen Abänderungen, dann sind psychische Gründe Schuld oder andere Menschen oder falscher Wille oder „das Böse“ (gleich, ob in personalisierter Form oder unpersönlich (Pech) oder wieder andere Gründe). Warum tun wir das? Welche Gründe geben uns die Sicherheit, dass man einfach die einen Gesetze so und die anderen Regeln anders behandeln könne? Warum stellen wir uns ausserhalb oder sogar über bzw. gegen die Natur? So gut wie nie hinterfragt sich aber jemand selbst mit der Möglichkeit, sich selber in dieser Sichtweise einfach zu irren (so wie das z.B. Physiker, Weltraumforscher und andere (also an toter Materie Forschende) teilweise völlig selbstverständlich tun). Und so wird das andere Geschlecht einfach als positives oder negatives Spiegelbild der eigenen Sichtweise gesehen und damit geurteilt und gehandelt. Fast vorhersehbar, wie das enden muss?!
In diesem Zusammenhang eine kurze Begriffsbestimmung:
Naturgesetze nennen wir materielle Naturgesetze und die Physiker nehmen sie als solche. Dabei müssten wir ehrlicherweise zugeben, dass wir bei allen Untersuchungen zu Zeiten unserer Messungen diese Gesetze ohne Ausnahme als gültig vorfanden. Ob das in die Vergangenheit bis zum „Urknall“ und in die Zukunft bis zum St. Nimmerleinstag auch so galt und gelten wird, kann doch kein Mensch mit Sicherheit voraussagen. Wir glauben das und sagen daher „Naturgesetz“, wo wir eigentlich (die Vergangenheit und) die Zukunft offen lassen müssten. Wir erleben die „Naturgesetze“ als „Naturgesetze“, aber wenn wir über unseren Erfahrungshorizont (allenfalls die letzten 5000 Jahre bis zur Gegenwart) hinausgehen, dann müssen wir die „Naturgesetze“ eigentlich als Theorie auffassen. Wir Menschen haben festgelegt, dass wir glauben wollen, dass sie unendlich vorher schon so galten und auch in Zukunft immer so gelten werden. Das Gleiche gilt für den unendlichen Raum. Woher nehmen wir die Gewissheit, dass die hier gültigen Naturgesetze in gleicher Weise hunderte von Lichtjahren entfernt genauso gelten? Auf Grund dieser Festlegung kann man eine „Evolutionstheorie“ der Materie und der Lebewesen formulieren. Das ist aber alles nur Theorie! In kurzen Zeiträumen, einige zehntausend Jahre zurück und einige hundert Jahre im Voraus ist die Wahrscheinlichkeit wohl sehr hoch, dass die Naturgesetze so gelten werden, aber in Millionen und Milliarden Jahren? Wohl deshalb spricht man von „Theoretischer Physik“? Was wollen wir kleinen Pfurze denn dazu genaues sagen? Es kann so sein, aber es kann auch ganz anders sein. Reine Spekulation!
„Biologische Naturregel“ sage ich, weil der Begriff etwas Ähnlichkeit mit dem materiellen Naturgesetz hat. Im normalen Leben kommt diese Regel fast wie ein Naturgesetz daher. Intuitiv gehandelt verhält sich der Mensch wie nach einem Naturgesetz. Nachdenkend hätte er die Freiheit, anders zu handeln, tut er aber selten. Aber da dieser Freiheitsgrad zumindest vorhanden ist (und nicht nur in der Vergangenheit oder/und Zukunft, sondern jetzt, heutigentags), möchte ich den Unterschied Regel zu Gesetz machen. Ein materielles Naturgesetz kennt nach Physikerauffassung keine Ausnahme, sonst stimmt es nicht. Die biologische Naturregel kennt wie alle Regeln auch Ausnahmen. Sie sind nur viel seltener als uns lieb ist, weil so wenige Menschen wirklich nachdenken, ihren Freiheitsgrad nutzen und die Realität entsprechend gestalten.
Nach heute gängiger Auffassung (Der Evolutionstheorie) ist die Geschichte und Welt tierischen Lebens eine Erfolgsgeschichte der Weibchen und die Geschichte und Entwicklung des Menschen vom Anbeginn bis heute ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte der Frauen. Gott und/oder der Evolution muss es unheimlich wichtig gewesen sein, dass immer wieder neue Nachkommen gezeugt und aufgezogen wurden, dass die Beiden sich eines der beiden Geschlechter erwählt haben, damit es ganz im Dienste der Fortpflanzung, der Schaffung einer Heimat und des Erwachsenwerdens der Nachkommen diene. Und das haben die Frauen über Hunderttausende Jahre sehr geduldig und hingebungsvoll und überaus erfolgreich getan. Die Menschheit hat nicht nur überlebt, sondern sie hat sich zusätzlich auch noch extrem entwickelt (ob zum Besseren, darüber werden wir noch nachdenken). Heute sind wir viel zu viele Menschen für diesen Globus und die Ökosysteme. Diesen Erfolg der Frauen können wir nicht hoch genug einschätzen und nicht genügend feiern und würdigen. Chapeau, meine Damen!!!
Die Frau ist die Mitte des Lebens. Sie gibt das Leben, gebiert, zieht auf …, gibt sich hin und verbraucht sich dabei auch. Der Mann ist dazu da, den Lebensraum zu vergrössern, abzustecken, lebensfähig und fruchtbar und angenehmer zu machen, zu verteidigen. Der Mann ist dazu da, Leistung für andere zu bieten, um damit den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Damit ist der Mann nicht nutzlos, aber im Vergleich zur Aufgabe der Frau ist die des Mannes völlig nachrangig. Lassen Sie uns (Männer wie Frauen) mal ein Jahr lang darüber nachdenken ehe wir neue Veränderungen (von den Anderen) fordern.
Das hat Folgen:
Frauen und Männer stehen völlig unterschiedlich zum Thema Sex, zum Thema Kinder wollen, kriegen und aufziehen. Frauen und Männer bringen sich völlig unterschiedlich in die Familie, den Freundeskreis und die Gesellschaft ein.
Frauen und Männer haben völlig unterschiedliche Verhältnisse zu ihrem Körper, zur eigenen Leistung und Leistungsfähigkeit. Die Attraktivität des anderen Geschlechtes liegt in völlig unterschiedlichen Kriterien.
Frauen und Männer haben auch völlig unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit, zum Beruf, zur Hierarchie, zum Geld …
Frauen sind zivilisiert, Männer sind roh und ungehobelt. Frauen sind liebevoll – Männer sind rücksichtslos. Zumindest oberflächlich gilt das ganz eindeutig so.
Frauen wollen, dass Männer Normen einhalten. Sie selbst halten sie zumindest nach aussen hin ein und sicher sowieso öfter, als es Männer tun. Männer wollen Normen übertreten, wollen Grenzen erweitern, ohne Hilfe, nur notfalls mit Hilfe.
Frauen und Männer haben unterschiedliche Berufe und Hobbys:
Ohne Frauen: Angler, Fischer, Müllwerker, Metzger, Strassenbauer, Maurer, Schmied, Philosophen, Architekten …
Ohne Männer: Hebammen, Kindergärtnerinnen (ausser Praktikanten), im Nagelstudio, Kosmetikerinnen, …
Wie ist es mit der Art und Verteilung der Genies unter den Geschlechtern? Zumindest unterscheiden sich doch beide auch diesbezüglich?
Stellen wir uns das einmal bildlich vor: 2 Äpfel können wir als Vergleich für Mann und Frau sicher nicht heranziehen. Sollen wir besser Äpfel und Tomaten als Vergleich nehmen? Die Redewendung sagt schon, man könne Äpfel nicht mit Tomaten vergleichen. Wäre es nicht realistischer im täglichen Leben, von Äpfeln und Bananen zu sprechen? Vergleichen? Unmöglich! Nein, natürlich können wir sie vergleichen, aber der Vergleich würde eben die Unterschiede sichtbar machen. Angleichen? Das ist dann auch unmöglich. Aber einer oder sogar beide würden ihre Identität weitgehend verlieren. Wir werden sehen…
Oder sollten wir eher von Stecker und (Anschluss-)Buchse sprechen? Zusammen sind sie erfolgreich wirksam, jede(r) in ihrer/seiner Funktion. Der Strom fliesst. Einzeln? Kein Anschluss! Beide gleich gemacht? Nun haben wir zwar Gleichheit, aber keine Funktion! Stecker und Buchse: Strom fliesst. Licht, Wärme, Bewegung, Kraft, Erfolg …! Wie realitätsnah oder realitätsfern ist dieses Bild für diese Tatsache?
Frauen sind keine Dinger. Frauen sind Persönlichkeiten. Frauen sind daher als Mensch ernstzunehmen. Wenn Frauen „Welle und Korpuskel“ sind (dazu später), dann sind sie auch im Transzendenten, im Jenseits verwurzelt. Männer können sie nicht einfach gebrauchen, nicht einfach missbrauchen, vergewaltigen oder gar töten oder morden. Wenn Frau und Mann sich nicht verstehen, ist das nicht Schuld des jeweils anderen, sondern schlichtweg Ausdruck der Abgeschiedenheit zweier Persönlichkeiten voneinander. Immer „Der Andere ist Schuld“ ist eine sehr simple Philosophie. Ich wünsche Ihnen mehr Einsicht in die Welt und das Menschsein.

Menschlich – unmenschlich:

Was verstehen wir unter menschlich? Religionen, Traditionen, Denksysteme, Philosophien haben uns Kriterien für Menschlichkeit geliefert. Meistens gehen sie davon aus, dass der tierische Mensch, so wie er ist, nicht Mensch, nicht menschlich ist, sondern haben dem Menschen ein Ideal vorgesetzt und gesagt, dass das menschlich sei. Werde so, dann bist Du Mensch. Seitdem versuchen wir, Menschen zu werden, menschlich zu werden, indem wir vorgesetzte Normen einhalten und wenn uns das gelingt, dann sind wir Mensch. Die Geschichte der Juden mit ihrem Gott ist eine solche, eine sehr eindrückliche und leidvolle Geschichte. Im Grunde unterscheiden wir uns im Prinzip aber nicht von ihnen, sondern nur in der Art und Weise der Versuche. Vielleicht könnten wir von den Juden lernen?
Zu diesem Ideal des Menschen wurde eine gewisse Moral entwickelt, einerseits für jeden Menschen für sich, aber in den letzten zweihundert Jahren auch für die Völker. Es entstanden Menschenrechte und Völkerrecht.
Weil der Mensch von sich aus in der Regel jedoch nicht so ist, vor allem die Männer nicht, haben findige Macher aus Regeln Gesetze gemacht und überall dort, wo sich ein stabiles Staats- oder Herrschaftswesen entwickeln konnte, konnte auch durch ein funktionsfähiges Sanktionssystem die Einhaltung dieser Gesetze durchgedrückt werden. Es möchte sich zwar keiner so gerne daran halten und jeder versucht daneben sein Süppchen zu kochen oder argwöhnt, dass andere das tun. Und sie haben auch Recht. Natürlich tun das alle oder versuchen das zumindest alle. Wer es nicht tut und sich an Regeln und Gesetze hält, ist der Dumme.
Klar, wohin das führt? Zu nichts. Und das erleben wir ja derzeit auch wieder brandaktuell. Ich bin nicht sicher, ob es je eine Zeit gab, in der das nicht brandaktuell war. Vom „biologischen menschlich Sein“ haben wir uns auf dem Weg zum „idealen menschlichen Sein“ weit entfernt. Und doch merken wir immer wieder, dass das gar nicht stimmt. Die biologisch menschliche Gefühls- und Triebwelt hat uns immer wieder fest im Griff, aber wir haben sie ideologisch überhöht, verdeckt, umbenannt, sanktioniert, in der Absicht, das zu verdecken und den Schein zu erwecken, dem „idealen menschlichen Sein“ bereits viel näher zu sein, zumindest wir selbst, wenn leider auch die Anderen noch nicht. Deshalb sind wir ja so gut und die ganze Welt um uns herum ist bekloppt. Fataler Irrtum!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!“ Wirklich? Hat da mal jemand hingeschaut und nachgedacht? Die Realität sieht doch genau umgekehrt aus! Das Fleisch, der Körper, die Genetik, die Gefühle bestimmen ohne Diskussion. Dagegen können wir uns auch kaum wehren. Das würde unmenschlicher Selbstbeherrschung bedürfen. Der Geist, der Verstand, unser Wollen sind dagegen doch geradezu rudimentär wirksam. Unser Geist ist ein absoluter Schwächling!
Nehmen wir jedoch den Menschen in seiner menschlichen Entwicklung und sagen zu ihm Mensch, dann bedeutet „menschlich“ etwas ganz anderes. Dann bedeutet Mensch unter anderem die Einheit von genetischem Sein, von Prägung und von freien Entscheidungen. Dann werden wir, wenn wir vom Menschen sprechen, immer seine ganze Entwicklung bedenken müssen. Und da seine genetische Phase und seine Prägung ihn weitgehend bestimmen und sein freier Wille relativ wenig Einfluss hat, werden wir „menschlich“ zu einem grossen Teil definieren müssen aus den Eigenschaften des Menschen der ersten zwei Entwicklungsphasen. Denen kann sich der Mensch nämlich nicht entziehen, anders, als zumindest der neuzeitliche Mensch es in seiner getäuschten Wahrnehmung glaubt.
Wir müssen feststellen, das diese zwei Definitionen von „menschlich“ recht weit auseinanderliegen, um nicht zu sagen konträr. Unter anderem ist das ein Grund für die Widersprüchlichkeit des Menschen. Und jeweils im umgekehrten Sinne füllt sich auch der Begriff „unmenschlich“.
Der Mensch ist zu allererst menschlicher Körper, zum grössten Teil menschlicher Körper und unverrückbar menschlicher Körper. Diese Tatsache ist dem Menschen gesetzt und daran kann er nichts ändern. Tut er es doch (und damit werden wir schon bald rechnen dürfen), wird das Menschsein noch viel dramatischer verändert als zu irgendeiner Zeit in den letzten hunderttausenden von Jahren. Danach kommen die Prägung, teilveränderbar und zum Schluss und mit dem kleinsten Anteil der freie Wille, der Verstand, die eigene Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit.
Menschlich“ könnten wir unter diesen Bedingungen als „überwiegend dem menschlichen Körper gemäss“ betrachten. Der menschliche Körper hat sich über Millionen Jahre der Umwelt angepasst und passt zu einer Umwelt, wie wir sie vor zehntausend bis hunderttausend Jahren vorfanden. Und wie hat der Mensch damals gelebt?
Greifen wir uns zum Nachdenken ein paar Vorstellungen heraus:
Er hatte keine Hilfsmittel zur Bewegung als vielleicht den Esel oder das Pferd. Bevor das Rad erfunden wurde, konnte nur er selbst sich bewegen oder per Tier vorwärts kommen. Die Geschwindigkeit war langsam. Der Aktionsradius war klein. Der körperliche Energieverbrauch war gross.
Nahrungsmittel waren knapp. Ein voller Magen wird eine Rarität gewesen sein, unregelmässig. Tiere mussten aufwendig gejagt und erlegt werden. Früchte und Beeren gab es eher nach Glück als nach Plan. Wohlstand gab es nur vereinzelt. Wohlstandskrankheiten hatten gar keine Chance.
Die Kindersterblichkeit war gross. Es wurden und mussten viele Kinder gezeugt und geboren werden. Der Mensch hätte sonst wohl kaum überlebt. Frauen hatten fünf bis zehn, nicht wenige auch noch deutlich mehr Schwangerschaften und Geburten und Stillzeiten und im glücklichen Falle auch etliche lebende Kinder. Ein Eigenleben hatten Frauen kaum. Die Reproduktionsmaschine musste am Laufen gehalten werden.
Die Lebenserwartung war nur halb so lang wie heute, wenn überhaupt. Ein Leben länger, als zur Reproduktion erforderlich war, war Luxus.
Das also ist menschlich. So haben Menschen hunderttausende Jahre überlebt. Die Evolution kam voran, sehr, sehr langsam, aber unaufhaltsam und ohne existentiell bedrohlichen Fehler.
Menschlich können wir einerseits materiell, körperlich betrachten und andererseits theoretisch, rein prinzipiell, ideologisch betrachten. Zwei Seiten.
Unter diesem Blickwinkel müssten wir sagen: Voll mit Lebensmitteln gefüllte Tische, so dass sie sich biegen? Wie unmenschlich! Nur noch ein bis drei Kinder? Wie unweiblich! Jagd mit Schusswaffen? Wie unmännlich! Einmal um den Globus in zwei Tagen? Wie unmenschlich! Den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen? Wie unmenschlich! Statt mit dem Bruder oder anderen Menschen selbst eine Einigung zu finden der Gang vor den Richter? Wie unmoralisch, wie unmenschlich! Tagelang am Strand in der Sonne braten? Wie unmenschlich! Feste Wände, ein Dach, Türen mit Schlössern, weiche Betten? Wie unmenschlich!
Wir können „menschlich“ also genau aus der entgegengesetzten Richtung betrachten. Dann wird „unmenschlich“ plötzlich „menschlich“ und umgekehrt. Mit der evolutionären Entwicklung des Menschen ist der Mensch gut gefahren. Es gibt ihn noch heute. Dass der neuzeitliche Mensch mit seinen neuen Ideen von „Menschsein“ wirklich erfolgreich überlebt, ist doch eher unwahrscheinlich? Luxus und Faulheit, Nahrung im Übermass und Übergewicht, Fortbewegungsmittel und Trainingsmangel, Schusswaffen und Tote, Atomtechnik und Zerstörung, schnelle Informationen und Fakenews, … Dürfen wir uns überhaupt eine Chance auf Überleben ausrechnen, wenn wir so unmenschlich leben und weiter machen?
Menschsein heisst, ich muss mich meiner Umgebung anpassen, nicht umgekehrt. Frauen haben und mussten das Jahrtausende lang und sind darin geübt, Männer und Möchte-gern-Männer viel weniger. Die Frauen erleben jetzt den Sündenfall.
Wir müssen uns Menschen nehmen, wie wir sind, real, auch wenn wir schon gar keine Menschen mehr sind.
Und wir leben nicht nur nicht „menschlich“, sondern auch nicht „erdlich“, nicht der Erde gemäss. Jahrmillionen hat das Gleichgewicht der Arten auf dieser Kugel für guten Ausgleich und weitgehend gedeihliches Neben- und Miteinander gesorgt. Es gab eine fortgesetzte, wenn auch langsame Entwicklung zu mehr Differenzierung. Aber es gab keinen weit davon entwickelten, weit voraus entwickelten Monopolisten. Es bestand ein sehr feines Gleichgewicht zwischen den Arten, sodass der Mensch sich unter anderen und mit anderen entwickeln konnte und musste.
Heute ist der Mensch unbedrohter Monopolist in der Tierwelt. Keine Spezies wird dem Menschen heute gefährlich ausser einzelnen Exemplaren gegenseitig. Die einzige Bedrohung aus der lebenden, der biologischen Welt sind für den Menschen heute noch die kleinsten Tiere, die Viren und Bakterien, Schimmelpilze und was es da noch so gibt. Ihr Potenzial ist real, die Menschheit zu zerstören.
Der Mensch ist schon Monopolist. Nun fragt sich nur noch, welches Land und zuletzt welcher Mensch allein zum Monopolisten wird. Sind wir davon noch weit entfernt?
Dieses Monopol und fehlende Einschränkung durch Konkurrenz und Gleichgewicht führen nun zur Übernutzung der Wohnkugel. Lösung: Auf in den Weltraum! Ist der menschliche Körper für das Leben im Weltraum angepasst? Ja und nein, ja, auf dieser Erde im Weltraum, aber ohne diese Erde im Weltraum? Es ist möglich, aber angemessen? Und wenn der Mensch doch im grossen Stile in den Weltraum fliegt? Mit dem Auto hat es auch erst ganz klein angefangen und nun sind wir an den Grenzen der Automobilität. Ein paar Raketen ins All spielen keine Rolle. Wird aber von Millionen Raketen täglich viel Material von der Erde entfernt, ändert sich ihre Gravitationskraft. Das CO2, das wir heute so verteufeln geht dann womöglich zusammen mit anderen wertvollen Gasen und Materialien der Erde und damit uns verloren? Da sich die Masse reduziert, ändert die Erde womöglich ihr Bahn und entfernt sich die Erde womöglich von der Sonne und zukünftige Generationen sind womöglich froh, dass es wenigstens vorübergehend auf der Erde wärmer war? Die Erkältung dann wird endgültig sein! Alles nur Spekulation. Wir denken nur nach. Weiter nichts. Bleiben Sie ruhig!
Menschlich ist zum überwiegenden Teil die Seinsweise des Urzeitmenschen. Aber wir haben uns und unsere Wohnkugel verändert. Wir können gar nicht wieder zurück in den Urzustand. Der Rückweg ist verbarrikadiert. Insofern hat es auch gar keinen Sinn, rückgewandt zu sein. Es hat Entwicklung stattgefunden, in der Prägung und im Verstand. Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen. Auch diese Entwicklung gehört jetzt zu uns Menschen. Das ist „biologische Relativitätstheorie“.
Der Mensch lebt heute im Durchschnitt doppelt so lange wir vor vierhundert Jahren. Er hat praktisch eine zweite Lebenshälfte dazu geschenkt bekommen oder hat sie sich erobert. Diese zweite Lebenshälfte muss er nun auch füllen, muss sie leben, ob das Individuum das will oder nicht. Das ist eine unmenschliche Tatsache und eine unerdliche noch dazu. Jeder Mensch verbraucht doppelt so viele Ressourcen völlig nutzlos. Die Reproduktion braucht nur halb so viel Einsatz.
Wollen wir den Weltraum erobern, werden wir wahrscheinlich das menschliche Leben noch weit mehr (oder sogar ganz) verlieren. Soll das menschlich sein? Wollen wir uns zurückversetzen, werden wir all die Entdeckungen des Verstandes und der Annehmlichkeit entbehren müssen. Wie unmenschlich!
Im optimalen Falle gelingt es dem Menschen, seine drei Entwicklungs- und Lebensphasen im positivsten Sinne in sich zu vereinen und zu leben. Das wäre heute „menschlich“, allerdings um den Preis, diese absoluten Widersprüche in sich vereinen zu müssen. Es geht nicht anders. Einsteins Relativitätstheorie gilt nicht nur in der Mikrophysik, nein sie gilt auch in der Makrowelt, vor allem in der Biologie. Auch das dürfte eine biologische Naturregel sein.
Wenn wir in der Gesellschaft menschlicher werden wollten, dann bräuchten wir nachdenkende Bürger, selbstbeherrschte, verzichtende und schenkende Bürger. Die Form der Regierung wäre eher egal. Demokratie oder Diktatur spielten keine Rolle, denn auch die Regierung würde zu den Bürgern gehören. Auch dazu kommen wir später noch.
Es hat wenig Sinn, gegen menschliche Strukturen zu kämpfen, die einfach Menschsein ausmachen. Das ist, wie wenn in einem Haus die Hinterwand gegen die Fassade kämpfen würde und umgekehrt. Brechen die Wände ein, ist das Haus unbrauchbar. Auch in der menschlichen Gesellschaft gehören die Extreme, die Ränder mit dazu. Wenn sie wegbrächen, weil man sich gegenseitig abgeschlachtet hat, entstünden neue Ränder und Extreme und das wäre sogar ein Glück, denn das ist Struktur. Strukturen gehören zum Leben. Auch Teilgesellschaften wie Religionen, Wissenschaft und andere funktionieren so. Es ist völlig sinnlos, Extreme zu bekämpfen. Integrieren wir sie.
Ich bin ein sehr fieser Mann, nicht weil ich Ihnen dauernd die Wahrheit sage, noch dazu die Wahrheit über Sie. Die Wahrheit kenne ich genauso wenig wie Sie, nein, vielleicht noch weniger als Sie. Aber ich versuche immer wieder, uns unsere Realität bewusst zu machen, mir meine und Ihnen die Ihre. Die Realität aber tut meistens ziemlich weh. Je näher wir der Realität kommen, desto näher kommen wir wohl auch der Wahrheit (die ja auch oft weh tut)?
Menschlich sein, heisst, sich gegenseitig als Subjekte zu begegnen, miteinander zu leben, den Anderen nicht zum Objekt zu machen, in der Ehe nicht, in der Beziehung nicht, in der Erziehung nicht, in der Gesellschaft nicht, im Markt nicht. Gott und/oder die Evolution wollten offenbar Subjekte schaffen. Wahrscheinlich halten sie das sogar immer noch sehr gnadenlos ein, indem sie uns nicht zwischendurch plötzlich durch Eingriffe die Welt verändern. Wir wollen auch selbst Subjekte sein. Dann darf es der/die Andere aber auch!
Wir wollen Subjekte sein, keine Objekte. Das ist dem Menschen gemäss, ist menschlich. Das gilt für Frauen und für Männer gleichermassen. Das gilt aber auch in der Arbeitswelt, Chef und Angestellter. Das gilt auch in der Politik, Herrscher und Beherrschte und an vielen anderen Orten gleichfalls.
Würde die Evolution Subjekte entwickeln? Subjekte sind Persönlichkeiten. Wird „Künstliche Intelligenz“ Persönlichkeiten hervorbringen? Ist die Entwicklung von Subjekten, von Persönlichkeiten vielleicht der Sinn der Schöpfung? Ist der Sinn von Familie vielleicht der, Persönlichkeiten zu entwickeln? Wie können Eltern, vor allem Väter, ihre Kinder zu Persönlichkeiten heranwachsen lassen? Wie werden wir Persönlichkeit? Heisst Persönlichkeit: „Ich muss Recht haben“? „Ich muss Karriere machen, um oben zu sein und Geld zu verdienen“? Seine Freiheit so weit wie möglich auszudehnen?

Authentizität:

Wer authentisch sein will (übertragen: aus einem Guss, ohne Widerspruch in sich), der muss das Tier in sich selber zum Vorschein kommen lassen. Wer das Tier versteckt, lebt nicht authentisch. Doch Vorsicht. Das Tier beisst sehr empfindlich zu! Zum authentischen Leben gehört die passende Aufeinanderabstimmung von Gefühl, Prägung und Verstand, wobei das Gefühl dominant ist (auch wenn nach aussen manchmal der Verstand am stärksten in Erscheinung tritt und auch wenn der Verstand das Gefühl mit Macht unterdrückt oder wenn wir letzteres gerne so hätten).
Was macht Leben aus gegenüber der Materie? Unter Anderem die Widersprüchlichkeit. Es geht gar nicht immer nur um „gut“ oder „böse“, sondern allein um die Widersprüchlichkeit von „gut und böse“ im Menschen in allen ihren verschiedenen Versionen und Schattierungen und unsere Neigung zu trennen in „gut“ oder „böse“.
Sagt einer, er tue Gutes. Ich habe mich früher mal entschieden, immer Böses zu tun. Seit dem tue ich das Gleiche, nur von der Rückseite betrachtet.
Die Widersprüchlichkeit ist Kennzeichen des Lebens und je entwickelter, desto mehr. Hören wir auf, diese Widersprüchlichkeiten zu bannen. Die Widersprüchlichkeit ist eine biologische Naturregel, über hunderttausende Jahre als Kennzeichen zumindest menschlichen Lebens entwickelt. Menschliches Leben geht nicht ohne Widersprüchlichkeit.
Eine Form, Widersprüchlichkeit zu bannen, ist die Diktatur. Alle werden auf gleiche Linie gebracht. Das gibt es im Grossen (Staaten) wie im Kleinen (Familien, Ehen, jede Form von Beziehung).
Widersprüchlichkeit bannen geschieht auch, wenn wir versuchen, konsequent, geradlinig, einpolig, authentisch zu leben. Bloss keine Widersprüche zeigen. Wie unmenschlich?
Lassen wir die Widersprüchlichkeit in uns zu, auch in unserer Ehe, auch in unserer Gesellschaft. Wir können sie nicht verbannen. Wir können sie nur negieren oder verstecken, also einen Schein darüberlegen (einen Vorhang, damit wir sie nicht wahrnehmen müssen und möglichst ein Tabu daraus machen können).
Authentizität ist die Übereinstimmung von Gefühl, Prägung und Verstand. Man kann auch Authentizität nicht einfach machen oder darstellen. Das wirkt nicht. Man kann nur seine Widersprüchlichkeit anerkennen, ans Licht holen und leben.
Menschen, die besonders authentisch wirken, von denen wir den Eindruck haben, dass sie das Gute vertreten und darin vollständig aufgehen, verstecken oft nur besonders gut ihre böse Seite und sind damit genau nicht authentisch. Leute, die ehrlich ihre Widersprüchlichkeit ertragen und zulassen, haben kaum eine Chance, authentisch zu wirken. Einem Authentischen trauen wir zu, ehrlich zu sein und vertrauen ihm, aber genau das dürften wir nicht tun, weil seine böse Seite versteckt ist und wir nicht wissen, wie und wann sie doch zum Vorschein kommt. Einem nicht Authentischen sollten wir vertrauen, weil wir auch seine böse Seite kennen, aber genau deshalb vertrauen wir ihm nun nicht mehr, denn er ist widersprüchlich.
Nur, wer seine Widersprüchlichkeit von „gut und böse“ und auch von „Schein und Sein“ in sich zulässt und wer sie auch nach aussen zulässt und vertritt, wird ehrlich und integer, wirkt aber nach aussen genau nicht so. Eben: Sein und Schein, gut und böse untrennbar in der Person vereint.
Wenn wir die Widersprüchlichkeit in uns, in den Anderen, in unserer Gesellschaft und auch in der Welt zulassen, dann werden wir freier. Wir werden bewusster, wir werden uns besser verstehen, denn wir können die Dinge beim Namen nennen, können darüber reden, können im besten Falle uns selber und den Anderen auch annehmen. Das vertreibt Tabus, die jetzt oft unausgesprochen zwischen uns stehen. Das lässt sogar eine neue Moral zu, die vielleicht dem Menschen eher gemäss wäre? Und vielleicht wäre diese Moral sogar dem christlichen Glauben oder dem Sinn von Religion gemässer als das, was wir bisher in unserem Glaubensverständnis daraus gemacht haben? Auch unsere derzeitige gesellschaftliche Moral würde vielleicht der Wirklichkeit angemessener?
Wir sind doch alle, wohl Männer und Frauen etwa 4 Personen: Der/die wir sein wollen + die/der, die wir sein sollen + der/die wir sind + die/den andere in uns sehen. Was heisst dann „lügen“ oder „die Wahrheit sagen“, was heisst dann „egoistisch sein“ oder „lieben“?
Wer heute versucht, authentisch zu sein, nach seiner Intuition zu handeln, der wird immer egoistischer handeln. Wenn wir der Realität in uns näher kommen wollen, dann lassen Sie uns klar werden über unsere Doppelmoral, mit der wir alle leben. Das Problem sind immer die Anderen. Dabei sind wir selbst das Problem. Das ist eine der grossen Täuschungen von uns Menschen! Doppelmoral?
Die, die nicht eindeutig sind oder scheinen, die mehrere Personen in einem Menschen sind, haben eher die Chance, nicht nur egoistisch zu sein. Wer eindeutig, wer in sich allein ist, die/der ist in aller Regel nur egoistisch sie/er selbst, sie/er in sich allein. Alles Andere um sie/ihn herum ist dann nur Gebrauchsgegenstand, nur Ding.
Seien Sie besser nicht authentisch, sondern lügen Sie getrost, wenn Sie eigentlich Gift und Galle um sich spucken möchten. Stoppen Sie und verbreiten Sie Frohsinn, Humor und gute Laune.
Wenn ich aber mehrere bin, dann kann ich gar nicht die Wahrheit sagen und auch schwer lügen. Wie aber wird etwas, was wir „künstliche Intelligenz“ nennen damit umgehen? Wie wird künstliche Intelligenz mit der menschlichen Doppeldeutigkeit umgehen? Wie wird Gesichtserkennung dann erkennen, wer ich gerade bin? Was macht künstliche Intelligenz mit der Widersprüchlichkeit des Menschen?

Intuition im Wechselspiel zum Nachdenken:

Eine sehr alte Form tierischen und menschlichen Agierens und Reagierens ist das Handeln nach Intuition. Eine rein genetisch bedingte Reaktion auf äussere Reize ist der Reflex. Der Reflex ist eine Reaktion, die das Hirn als modifizierende Instanz gar nicht benötigt. Ein Reiz wird ans Gehirn geleitet und dort mittels eines vorgegebenen Musters beantwortet. Dafür sind keine Hirnleistungen erforderlich und auch kein Zeitverlust durch Verarbeitung im Hirn. Der Schmerz im Auge löst den Lidschlag aus. Fertig.
Bei der Intuition werden bestimmte Informationen im Hirn mittels vorgefertigter, aber nicht rein genetisch bestimmter Vorinformationen verarbeitet. Dazu gehören tierische Vorgaben wie der Egoismus, wie der Fortpflanzungstrieb, wie Schmerzvermeidung etc. Dann gehören dazu aber auch Informationen wie: Wenn Du das machst, dann macht die Mutter immer das. Oder: Der Gute wird geschätzt, der Böse wird gehasst. Also sieh immer zu, dass Du als Guter wahrgenommen wirst. Oder: Das ist gut und das ist böse. Wer Dir wehtut, der ist Schuld. Oder: Wer die Schuld hat, ist böse. Also schiebe immer die Schuld auf Andere. Da gibt es noch viele, viele andere solcher Vorinformationen. Sie entstammen der genetischen Phase und grossteils der Phase der Prägung.
Da noch immer im menschlichen und tierischen Miteinander oft die Reaktionsgeschwindigkeit eine entscheidende Rolle spielt (nicht nur beim Autofahren, im Sport oder im Krieg), so ist eine schnelle Reaktionsgeschwindigkeit noch immer ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil im täglichen Überlebenskampf.
Ein Nachteil der Intuition ist, dass sie bereits relativ alt in der Entwicklung des tierisch-menschlichen Lebens ist und dass sie auf komplexere Abläufe in unserer Umwelt, in unserem Miteinander und in unserem Denken und Verhalten schlichtweg nicht eingerichtet ist. Sie handelt sehr nach vorgegebenem und gelerntem Schema. Es fehlt ihr die Flexibilität, die Fantasie, die Differenzierung und einiges mehr. Handeln nach Intuition macht uns zum Tier mit allen Vor- und Nachteilen.
Wahrscheinlich gehört in dieses Schema auch die Reaktion „Was ich nicht sehe, das gibt es nicht!“. Diese intuitive Reaktion beeinträchtigt die Arbeit von Hilfsorganisationen in Afrika, wenn es um die Bekämpfung von Infektionskrankheiten mit kleinsten (unsichtbaren) Erregern geht. Angemessener Umgang damit ist intuitiv nicht möglich. Da braucht es Information und trainiertes Nachdenken. Das ist schlichtweg nicht vorhanden. Dieselbe Schwierigkeit sehen wir im Umgang mit dem Corona-Virus in den nachchristlich geprägten (westlichen) Ländern. Solch ein unsichtbarer Virus soll plötzlich meine erkämpfte Freiheit, meinen erarbeiteten Wohlstand beeinträchtigen? Angemessene Schutzmassnahmen und Umgang mit dem Virus sind schlicht intuitiv nicht möglich. Da braucht es realitätsnahes Wissen und Nachdenken für angemessene Entscheidungen und Selbstbeherrschung, die bei den zu dieser Zeit am Ruder befindlichen Menschen einfach nicht vorhanden waren. Es braucht die Einsicht und Rücksicht beim Volk, die einfach gar nicht entwickelt war und ist. Statt dessen werden dann irgendwelche Verschwörungstheorien in die Welt gesetzt oder man negiert die Existenz des Virus und macht einfach weiter wie bisher. Ist die Realität von Verschwörungstheorien sichtbarer? Und auch im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Umfeld wirkt sich dieses Schema immer wieder aus. Was ich nicht sehe (oder messen und mit Zahlen belegen kann), das gibt es nicht. In der Medizin sind die Auswirkungen sehr ausgeprägt.
Auch unsere Intuition ist widersprüchlich, genauso, wie wir Menschen an sich.
Das Denken ist eine Verlängerung der Intuition. Nur im Nachdenken findet auch ein Hinterfragen der eigenen Intuition statt. Und die Intuition hat Frauen noch stärker als uns Männer im Griff. Nachdenken ist daher sehr selten (entgegen unserer subjektiven Ansicht und Eigenwahrnehmung).
Wir betrachten jetzt mal nur die Anderen oder doch Sie und mich? Wie viele sind Sie eigentlich? Einer, also Schulkind? Zwei, also gespalten, in der Pubertät? Mehr als zwei, also Erwachsener, Gebildeter, Nachdenker?
Wer nur seiner Intuition nach lebt, lebt zunächst wie ein Kind, selbstbezogen, gefallsüchtig, neugierig, spielerisch, als Jugendlicher selbstbezogen, selbstentwickelnd, konkurrenzsüchtig, neugierig, werbend um das andere Geschlecht, Frauen kommunikativ untereinander, Männer teils in Trupps, Gangs, … Junge Erwachsene …, Erwachsene vor dem Zenit, Erwachsene nach dem Zenit, Alte…
Gehört das „Ich bin gut und der Andere ist Schuld“ in unsere Intuition? Ich fürchte ja. Es ist so eine breite Nervenautobahn, dass es uns schwer fällt, auch nur eine kleine Nebenstrasse zu finden. Heisst es, wenn wir das meiden wollen, dass wir unsere Intuition meiden müssen? Wohl ja!
Im Denken sind wir immer gern im Himmel, Männer in ihren Theorien, Frauen in ihren Träumen. Real aber sind wir auf der Erde. Das ist unsere Realität. Sind deshalb unsere Theorien immer zu vollkommen, zu gut gegenüber der Realität? …unsere Träume sowieso?
Unser intuitives Denken ist meist das Schubladendenken. Allerdings sind mehr als zwei Schubladen schon selten. Auch das lineare oder exponentielle Denken sind der Intuition recht nahe. Im Leben ist sehr oft die Gauss-Kurve sehr viel realistischer, aber nicht automatisch immer. Intuitiv kommen wir nicht auf diese Verteilung.
Intuitiv gehen wir davon aus, dass derjenige, der Erfolg hat, Recht hat und wer keinen Erfolg hat, der liegt falsch. Danach entscheidet sich, wer das richtige Wahlprogramm hat, wer das richtige Geschäftsmodell hat, wer die richtige Politik betreibt, wer unterstützt werden muss. In der Realität zeigt sich aber immer wieder, dass z.B. die Masse (oder die knapp über 50 % der Wähler, die zur Wahl eines Kandidaten geführt haben, der später völlig floppt), dass die Erfolgreichen falsch gelegen haben in ihrer Einschätzung. In den zurückliegenden Jahrhunderten wurden die Eroberungen auf der ganzen Welt als Erfolg gefeiert. Langsam sehen wir, dass diese damalige Politik sehr viel Leid über die damals Betroffenen gebracht hat und selbst heute haben wir mit deren Auswirkungen an Schuld, Vorurteil, Rachegelüsten, Ausbeutung, Überheblichkeit arge Probleme. Wir sollten uns von der intuitiven Vorstellung trennen: „Wer Erfolg hat, hat Recht!“ Hier gilt sehr wahrscheinlich die Gegenrichtung auch. „Es ist nicht sicher, dass wer keinen Erfolg hat, dass der falsch liegt!“ Erfolg ist kein Messinstrument für richtig oder falsch. Das ist nur ein Irrtum der Erfolgreichen!
Heute müssen wir feststellen, dass Intuition regelmässig zu Vorurteilen führt, eigentlich einer Form von Urteilen, die wir nicht mehr als adäquat für unser Zeitalter und unser Leben ansehen.
Die Intuition macht uns zum Herdentier, so dass wir alle einfach das machen, was alle machen. Eine Beobachtung, die wir in den letzten 100 Jahren oft machen konnten und in den letzten 10 Jahren besonders intensiv. Der etwas verlängerte Arm der Intuition ist das Denken (in den gleichen Bahnen, die bereits der Intuition vorgegeben sind und die die Intuition unserem Denken vorgibt). Das Denken verlängert den Hebel der Intuition. Sie wird noch etwas schlagkräftiger. Aber es bleibt bei den Vorurteilen, beim Leben in der Herde, beim Fliessen im Strom, beim Jagen nach (wirtschaftlichem) Erfolg. Eigenartigerweise führt uns derzeit dieser Herdentrieb in den Individualismus. Menschen wollen die Spannungen zwischen den Geschlechtern nicht mehr erdulden, auch die Spannungen zu anderen Menschen, noch mehr zu Fremden nicht. So wächst Homosexualität und das Single-Dasein wird immer häufiger (Bitte: Ohne moralische oder andersartige Bewertung! Jeder darf und soll leben wie er möchte. Wir beobachten nur!). So wird die Bewertung von Fremdem immer befremdlicher. Unsere Toleranz nimmt ab statt zu.
Ist der Trend zum Individualismus überhaupt wünschenswert? Will ich wirklich, muss ich wirklich alle Trends meiner Generation mitmachen?
Ist es wirklich sinnvoll, die Menschen des anderen Geschlechtes einfach für seine Bedürfnisse zu nutzen? Müssen wir nicht viel mehr Einfühlung in das Sein der Menschen des anderen Geschlechtes üben? Müssen wir nicht gut auf die Gefühle der Anderen achten, egal, ob anderes Geschlecht, Nachbar, Fremder, andere Staatsbürger, ja sogar Feinde? Was löst Du in mir aus, was ich in Dir? Und die Frage nach Schuld stellen wir dabei bewusst nicht.
Was bedeutet eigentlich „gesunder Menschenverstand“? Gibt es „ungesunden Menschenverstand“? Was ist beim Verstand eigentlich gesund und ungesund? Mit welchen Kriterien wollten wir das unterscheiden? Wer bestimmt, was gesund und ungesund ist? Wer legt die Kriterien fest? Ist es nicht allzu oft oder überhaupt wie mit „gut“ oder „böse“? Ich lege die Kriterien fest. „Mein Verstand ist gesund. Wenn Deiner von meinem differiert, dann … Na, Du weisst schon oder hast Du es immer noch nicht kapiert?“ Dann sollten wir den Begriff „gesunder Menschenverstand“ wohl besser gar nicht mehr in den Mund nehmen? Unsere Vorstellung von ihm und wie wir den Begriff gebrauchen, stehen völlig entgegengesetzt?
Dafür haben Gott und/oder die Evolution später das Nachdenken ermöglicht. Das aber braucht viel mehr Information, benutzt auch Differenzierung und kritisches Prüfen in der Vorstellung, versucht andere Standpunkte und Sichtweisen auszuloten als die eigenen, um sie zu verstehen und braucht vor allem viel, viel Zeit. Das Nachdenken ermöglicht auch die Distanzierung von sich selbst, die gedankliche Betrachtung seiner selbst von aussen (zumindest bis zu einem gewissen Grad). Die Ergebnisse dieses Vorganges sind komplexere Wirklichkeitsverarbeitung, Zusammenschau, Verstehen von komplexen Vorgängen etc. Die zunehmend komplexere Welt unseres Zeitalters erforderte eigentlich immer mehr Agieren und Reagieren mittels Nachdenkens. Die schnelle Informationsflut in den letzten Jahrzehnten führt aber dazu, dass für Nachdenkarbeit gar nicht mehr genug Zeit ist. Die Informationen werden inzwischen fast ausschliesslich über die Intuition und damit verbundenes einfaches Denken verarbeitet. Und die Intuition ist eine alte, eigentlich nicht mehr adäquate Reaktionsweise in so komplexen Zeiten, wie wir sie heute haben. Wir Menschen sind der Komplexität, die wir selbst geschaffen haben, gar nicht mehr gewachsen. Da können wir ruhig von Anderen fordern, dass sie dem gewachsen sein sollten (z.B. unseren Politikern, unseren Wirtschaftsbossen, unseren Führern…). Sie sind menschlich einfach gar nicht dazu in der Lage, auch wenn sie es sein wollten oder wenn sie bis zum Tode studiert hätten.
Wollten wir Vorurteile meiden und zu angemessenen Urteilen kommen (welche Urteile richtig wären, wissen wir ja auch heute nicht), so müssten wir viel mehr nachdenken und unseren Verstand in diese Richtung gebrauchen und uns Zeit in Ruhe nehmen. Wenn wir Vorurteile meiden wollen, dann hören wir am besten ganz auf, zu urteilen, Menschen oder Dinge zu beurteilen. Das üben wir 20 bis 30 Jahre. Sie werden staunen, wie entspannt das Leben wird!
Vielleicht können wir uns das ein bisschen bildlich vorstellen: Die Intuition ist ein neuronaler Verarbeitungsfluss, der in einem sehr engen genetisch und durch Prägung geschaffenen Flussbett verläuft, begradigt und mit hohen Randwällen versehen. Das Wasser schiesst nach unten. Die Informationen und Reaktionen und das einfache Denken laufen schnell ab.
Nachdenken hiesse, wir liessen es zu oder machten es selber: Kleine Löcher und Kanälchen in die Deiche unserer Gedankenflüsse, damit Wasser (Gedanken) austreten kann und sich seinen eigenen, unbegrenzten Weg abseits von der Masse, abseits vom Fluss, suchen kann. Das Ziel ist völlig offen. Die vorgegebenen Gesetze, Definitionen, Normen, Religion, Tabus etc. spielen nur noch eine untergeordnete Rolle (das Ideal: Keine! ist sicher nicht erreichbar, aber wäre das denn sinnvoll?). Diese Vorgänge sind langsam, aber sie schaffen Individualität, Fantasie, begründetere Vorurteile, die auch dem Einzelfall gerecht werden können. Nachdenken ist Meditieren und Philosophieren. Nicht die Menschen sind Philosophen, die Philosophie studiert haben und sich viel Wissen angeeignet haben, sondern die Menschen sind Philosophen, die (philosophische) Fragen stellen und in Frage stellen, egal, ob sie viel wissen oder nicht.
Nachdenken ist denken gegen den inneren und äusseren Strom, Denken gegen den eigenen Egoismus! Nachdenken stellt die Frage: Wie erlebt der Andere mich? Was tue ich ihm an? Nachdenken ist denken auch gegen meinen Erfolg, gegen meine Karriere, gegen mein Selbstverständnis, gegen mein Selbstbewusstsein, gegen meinen Egoismus, aber nicht nur das.
Werden Sie kritisch, vor allem selbstkritisch.
Nachdenken ist denken gegen das Eigeninteresse und gegen die eigene Faulheit und Bequemlichkeit und auch gegen die eigene Überzeugung. Deshalb gibt es auch keine Cogitate-Tanks, keine Think-about-Tanks, sondern nur Think-Tanks. Think-Tanks sind Institutionen, die dem Verdienen dienen, die unserem Interesse dienen, z.B. damit es auch ein paar Arbeitsplätze gibt. Es gibt Think-Tanks in fast jedem Land dieser Welt. Man ist stolz auf sie.
Nachdenken ist ziellos, ist sinnlos, ist parteilos und wird selten Partei ergreifen.
Nachdenken heisst, seine eigenen Ansichten in Frage zu stellen. Geht das überhaupt? Die neuen Erkenntnisse werden ja wieder meine Ansichten und Interpretationen. Das aber macht Religion, macht Wissenschaft, macht Persönlichkeit aus, dass wir unsere Ansichten und Interpretationen immer wieder in Frage stellen.
Menschen, die ihre Intuition als sich selbst empfinden, was sehr nahe liegt, denn unsere Intuition ist Teil unseres Körpers, die werden, wenn sie ehrlich sein wollen, intuitiv immer das Falsche tun und Vorurteilen anhängen. Beginnen Sie, sich selbst zu belügen! Dann haben Sie eine Chance, zu fundierteren Vorurteilen zu kommen. Fragen, sagen oder tun Sie das Gegenteil von dem, was Sie wollen. Es wird häufiger richtig sein als falsch, aber nicht immer. Es gibt kein allgemeingültiges Prinzip! Intuitiv neigen wir nur dazu, unser Prinzip für allgemeingültig zu erklären.
Seien Sie sich immer im Klaren über Ihre Intuition, was sie gerade für richtig hält, was sie Ihnen für ein Vorurteil oder Urteil eingibt. Entscheiden Sie aber nach reiflichem Nachdenken, nach Abwägen von Für und Wider, vom Ansehen der Vor- und Rückseite der Medaille, nach dem, was Sie, aber auch Ihr Gegenüber dazu denken und fühlen mag. Oft werden Sie dann gegen Ihre Intuition entscheiden müssen, werden also über Ihren Schatten springen müssen. Frauen fällt das noch schwerer als Männern auch schon. Das ist wichtig. Die Intuition ist gefühlsverbunden und das Gefühl bestimmt.
Wir können es nicht verhindern, unser Leben auf Vorurteilen aufzubauen? Sonst könnten wir nicht leben. Und doch: Hören wir auf, zu urteilen und zu beurteilen. Das geht natürlich nicht. Um zu handeln, muss ich urteilen, was ich jetzt wieder tun will oder auch nicht. Aber wenn ich mir bewusst bin, dass ich das alles nur auf Grund von Vorurteilen tue und nicht auf belastbaren Urteilen, dann kann ich die Folgen meiner Vorurteile abmildern oder Vorurteile korrigieren. Meine Urteile binden mich. Vorurteile rufen nach Korrektur und verschaffen mir Freiheit. Vorurteile sind nicht negativ, sondern sehr, sehr positiv. Leben wir mit Vorurteilen, ganz bewusst. Urteile halten wir zwar für gut, aber sie binden den Anderen und mich. Ihr Realitätsbezug ist oft unzureichend. Sie sind meist nur unter Selbstbetrug als solche zu halten. Vorsicht mit urteilen!
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass unter bestimmten Bedingungen das Denken wenig Nachdenken enthält, dass dieses Verhältnis aber mit Übung und Fragenstellen beeinflusst werden kann. Nachdenken üben hat Ähnlichkeit mit dem Erlernen des Spiels eines komplizierten Musikinstruments. Da Nachdenken aber auch das Verstehen von Leben und von Lebewesen beinhaltet, ist es noch deutlich komplizierter. Da wir Menschen alle voneinander getrennt sind, jeder Mensch einzeln ist, mit einem Teil in dieser Welt, mit dem Anderen Teil in der transzendenten Welt verankert ist, ist das Einnehmen seiner/Ihrer Position im Nachdenken keinesfalls sicher, keinesfalls bewusst einfach steuerbar. „Ich denke jetzt mal nach“ ist noch keine Garantie dafür, dass Sie in der Folge auch wirklich nachdenken. Das Gegenteil ist fast wahrscheinlicher? Nachdenken hat (fast) eine transzendentale Seite, eine Seite, die ich nicht einfach selbst bestimmen kann. Ich kann nie sicher sein, dass ich nur meine Seite sehe und denke oder dass ich auch andere Seiten sehe und nachdenke. Aus der Sicht einer anderen Persönlichkeit sieht die Welt, sehe ich ganz anders aus. Hat nicht Nachdenken daher fast etwas religiöses an sich?
Meist erkennen uns andere viel genauer als wir uns selbst. Wir selbst sehen uns fast immer in einem zu guten Licht, begehen damit Selbstbetrug. Ob wir das wirklich ändern können, weiss ich nicht, Schein und Sein. Wir versuchen dauernd, besser zu sein, vor allem vor uns selbst besser zu sein, täuschen die Anderen und täuschen doch vor allem uns selbst. Schein und Sein.
Nachdenken wird wahrscheinlich häufiger im „und-“ als im „oder-“Modus passieren oder zum „und-“Modus führen. Das hat für unser Leben eine enorme Bedeutung! Nachdenken braucht Bezug, braucht uns Menschen als Bezug, jeden Einzelnen. Nachdenken im leeren Raum, in der Theorie ist sinnlos, wenn auch nicht zu umgehen. Daher machen Sie die Sinne auf und beobachten Sie und anschliessend denken Sie nach. Sonst werden sie zum Träumer oder Theoretiker.
Zum Nachdenken gehört natürlich auch ein bisschen Technik. Wenn Sie Aussagen hören, Wissen präsentiert bekommen, Argumente wie Pfeile auf Sie prasseln, wenn Sie Befehle erteilt bekommen, dann lohnt sich zunächst die Frage: „Was wäre damit, wenn es den Menschen gar nicht gäbe? Z.B. religiöse Aussagen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Recht, Gerechtigkeit, Freiheit, Liebe, Würde und vieles mehr. Alle Aussagen, die uns in diesen Bereichen als objektiv, als allgemein gültig präsentiert werden, die es aber ohne Menschen gar nicht gibt, können gar nicht objektiv oder allgemeingültig sein. Irgendjemand muss sie erdacht haben und stellt sie dann als allgemeingültig, als objektiv dar. Welchen Sinn soll das haben? Natürlich: „Ich habe Recht!“ Wie viele dicke Bücher, Theorien (Ideologien?), Träumereien haben wir jetzt entlarvt? Wirklich entlarvt haben wir jetzt aber nicht die Theorien, sondern die Männer (seltener auch Möchte-gern-Männer und sehr selten Frauen). Deshalb seien Sie sehr vorsichtig. Sie haben jetzt einen Mann in Frage gestellt. Der wird sich wehren, notfalls mit Gewalt. Dann tritt sehr wahrscheinlich Ihr hoffentlich vorher geschriebenes Testament in Kraft.
Noch einmal etwas anders: Es gibt nur uns Menschen. Theorie gibt es nicht. Sie gibt es nur in unseren Hirnen. Das hat Vor- und Nachteile. Theorien, objektive Aussagen in Religionen, in der Wissenschaft, in der Rechtskunde, in der Liebe und vielem mehr… Real wird das alles nur durch unsere Ausführung im eigenen Leben. Wenn wir das aber gar nicht tun (können?), sind alle Theorien wertlos. An sich, ohne uns Menschen, gibt es alle diese theoretischen Annahmen gar nicht. Wenn Sie das beherzigen, verändert sich Ihr Leben. Bleiben Sie im Nachdenken immer nahe an Ihrem Körper.
Heute fliegen viele Geister durch die Hirne. Sie haben heute andere Namen als im Mittelalter oder anderen Zeiten. Heute heissen sie: Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, Wahrheit, Gut und Böse, … Sie alle gibt es nur in unserem realen Handeln. Sonst sind sie fliegende Geister in unseren und anderen Hirnen. Mit denen brauchen wir uns nicht abzugeben. Das ist nutzlose Zeit und Mühe.
Nachdenken ist auch wie eine Atomwaffe, wie „gut und böse“, aber in dem Augenblick, wo ich Nachdenken als Waffe benutze, wird es zum egoistischen Denken, ist also kein Nachdenken mehr. Wer wirklich nachdenkt, kann es nicht als Waffe benutzen. Nachdenken entwaffnet! Nachdenken ist daher schwer beherrschbar, nicht einfach machbar…, wie gesagt, vermutlich nahe an der Grenze zur Transzendenz?
Denken Sie wo immer möglich in Zusammenhängen, meiden Sie Abgrenzungen auch wenn zum Nachdenken Klarheit in Form von Abgrenzung gehört.
Viele Regierungen versuchen, Ihre Bevölkerung vom Nachdenken fernzuhalten. In der Schweiz die geistige Landesverteidigung früherer Jahre. In den USA die Überzeugung, dass man selbst die beste Philosophie, die beste Organisation der Gesellschaft und Politik, das beste Gesundheitswesen habe, ja sowieso überall der Beste sei. In Russland, China, der Türkei und vielen anderen Ländern werden abweichende Ansichten einfach als falsch deklariert und deren Vertreter teilweise oder ganz (mund-)tot gemacht. Warum ist Regierenden das Nachdenken der Untergebenen so suspekt, ja sogar gefährlich? Oder liegt das daran, dass die Untergebenen doch nur denken statt nachdenken und die Regierenden versuchen selbst das Denken der Untergebenen zu verhindern?
Glückliche denken viel weniger nach als Unglückliche. Glückliche sind oft viel weniger empathisch als Unglückliche.
Wer geradewegs sein Ziel verfolgt, wird meist unmenschlich, intolerant, gewalttätig,… Ihm fehlt das Nachdenken, das Loslassen. Nachdenken führt nicht sicher zum Ziel, aber meistens zu mehr Realitätsnähe oder Wahrheit.
Nachdenken braucht Denken und Lebenserfahrung, braucht viele Jahre Zeit. Es ist fraglich, ob wir vor dem 35. Lebensjahr überhaupt schon von „nachdenken“ sprechen dürfen, zumal das reale Leben meist erst mit den eigenen Kindern beginnt. Menschen in Führungspositionen und aufstrebenden Stellungen haben selten gegen ihren eigenen Erfolg nachgedacht. Da gibt es nur wenige Ausnahmen. Da können wir uns vorstellen, wie weit verbreitet heute „nachdenken“ in dieser Welt ist.
Nachdenken ist gut und deshalb glauben wir alle, nachzudenken, denn wir sind ja gut.
Nachdenken ist nicht nur gut, sondern distanziert auch. Denken Sie viel nach, aber denken Sie nicht zu viel nach. Leben ist mehr (Wert) als Nachdenken.
Wenn einer glaubt, dass er sich in sich selbst finden kann, beim Meditieren, bei der Selbstbeschau, bei der Versenkung in sich, bei der Suche nach seinem Selbst, dann muss er davon ausgehen, dass er 1 ist und dass in der Welt und die Welt nur 1 ist, dass Sein und Schein 1, also deckungsgleich, sind.
Meditieren und Nachdenken sind nicht das Gleiche. Meditieren geht von der Grundzahl 1 aus. Alles ist eins. Nachdenken geht von der Grundzahl 2 aus, meine Seite und Deine Seite, vielleicht noch viel mehr Seiten. Ich und Du. Beim Nachdenken kann man sicher auch meditieren, ob umgekehrt, weiss ich noch nicht. Wo es nur 1 gibt, wird nachdenken sinnentleert.
Meditieren Sie nicht in einem Kloster oder irgendwo sonst abgeschieden, sondern denken Sie nach inmitten des normalen Lebens. Bleiben Sie drinnen. Gehen Sie nicht nach draussen oder fort. Arbeiten Sie viel, geniessen Sie wohldosiert und ungefährlich und denken Sie viel den Anderen hinterher, später vielleicht sogar vorneweg? Suchen Sie nach (positiven?) Erklärungen, warum Andere (und Sie) tun, was sie tun.
Im Mathematikunterricht lernten wir rechnen und damit wir kurz überprüfen konnten, ob das Ergebnis stimmen kann oder nicht, lernten wir Überschlagsrechnung. So etwa müssen wir uns unser eines Ziel denken. Wir wollen nachdenken, um kritikfähig zu werden im Sinne von Überschlagsrechnung. Kann das, was wir da gerade mitgeteilt bekommen, lesen, hören, sehen überhaupt halbwegs realistisch sein oder nicht?
Denkende Menschen können oft nur alles komplizierter machen, nicht einfacher. Sonst müssten sie nachdenken.
Erst wollten wir denken und unser Denkvermögen nutzen, auch Frauen. Nun müssen wir es auch, nicht nur Männer, sondern auch Frauen, entgegen unserer Intuition.
Noch ein Wort zu mir: Ich bin Beobachter, nicht Richter! Bitte nehmen Sie keine meiner Aussagen als Urteil oder gar Urteil über sich selbst, besonders meine sehr verehrten Damen, sie als Frauen nicht. Ich versuche überall zu verbinden und polarisiere doch. Ich konfrontiere Sie mit sich selbst und damit werden Sie sofort in Verteidigungsstellung gehen und mich oder/und meine Ansichten ablehnen. Denken Sie lieber nach, statt sich zu verteidigen. Natürlich bin ich fies, weil ich Ihnen den Spiegel vorhalte (wo ich doch selbst im Spiegel auch nicht sauber aussehe). Aber ohne Sprache, ohne Begriffsbildung und damit ohne Vorurteil kein Nachdenken. Da wird es gleich wieder spannend.

Sprache:

Es ist natürlich ungünstig, dass es so viele verschiedene Sprachen auf dieser Welt gibt. Wir verstehen einander nicht. Besser für die Kommunikation wäre, alle sprächen die gleiche Sprache. Aber Sprache schafft Identität. Sprache schafft Diversifizierung. Sprache ist denken und ermöglicht nachdenken. Und jedes Volk denkt in seiner Sprache und ist durch die Sprache in seinem Denken geschichtlich geprägt. Der Verlust der eigenen Sprache bedeutet Verlust des eigenen spezifischen Denkens, Verlust von Identität. Eine andere Sprache lernen ist mehr als nur übersetzen können hin und her, sondern bedeutet auch verstehen lernen, lernen, sich verständlich zu machen. Wie schnell wird heute von Mehrheiten und ihren Regierungen gefordert, dass Minderheiten in der Mehrheitssprache sprechen sollen, ohne Rücksicht auf Geschichte, Denken, Identität und Kultur? Stellen Sie mal Ungarn und Niederländer nebeneinander oder vergleichen Sie die Sprachnuancen verschiedener Alpentäler in der Schweiz. Jedes Tal denkt und spricht etwas anders und definiert seine Identität darüber. Jeder Eingriff in diese Ökosysteme weckt starke Emotionen und meist keine liebevollen! Es ist heute wichtig, sowohl seine eigene Sprache und Kultur intensiv zu kennen und zu nutzen, aber mindestens auch eine andere von vielen Menschen gesprochene Sprache und Kultur kennenzulernen und sich in ihr ausdrücken zu können.
Sprache ist Ausdruck von Denken. Je differenzierter eine Sprache ist oder je differenzierter Sprache von einem denkenden und sprechenden Menschen benutzt wird, desto tiefer kann er auch denken und nachdenken. Gruppen von Menschen, die eine einfache Sprache (womöglich noch mit vielen Jokern (=Trendwörtern, die man für vieles nutzen kann) benutzen, haben weniger Möglichkeit, nachzudenken. Sie sind stärker auf ihre Intuition angewiesen, mit allen Vor- und Nachteilen. Wir sollten uns z.B. überlegen, ob wir nicht das Wörtchen „gut“ im Sinne von „moralisch gut“ benutzen sollten. Im Gegensatz sollten wir „gut“ nicht gebrauchen, wenn wir damit meinen, dass etwas in unserem Sinne ist oder unseren Vorstellungen entspricht oder unserer Bequemlichkeit hilft. Wir sollten genauer sagen: „so wünsche ich mir das“ oder „so will ich das auch“ oder „das fühlt sich für mich angenehm an“ oder „das fördert meine Bequemlichkeit“ … Diese Differenzierung würde uns helfen, besser zwischen Schein und Sein unterscheiden zu können. Oft ergäbe das den komplett gegenteiligen Sinn und wahrscheinlich realitätsnaher.
In der Sprache können wir denken und nachdenken. Wir können Begriffe füllen (nicht nur definieren) und Begriffe wandeln sich. Sie werden das bei mir merken. Es gibt Sprachwissenschaftler, die sich nur mit diesen Sprachwandlungen beschäftigen. Deshalb können wir heute Bücher von vor 500 Jahren nicht mehr so einfach lesen und verstehen. Ja, selbst vor 200 Jahren war der Sinn mancher Worte anders als heute und manche Worte kennen wir heute gar nicht mehr. Unsere Sprache heute hat viel mehr Worte als die damals. Die Begriffe wandeln sich mit unserem Denken und Leben. In den Inhalten ist Bewegung. Dadurch wird Leben und Verstehen so lebendig. All das können wir mit Zahlen und Formeln nicht. Man hat dann Zahlen mit Komma eingeführt, damit man genauer werden konnte. Aber Zahlen können sich nicht wandeln. Eine 4 war vor tausend Jahren eine, ist es heute und wird in 1000 Jahren sehr wahrscheinlich auch eine 4 sein. Zahlen fesseln Leben. Zahlen bleiben Theorie, mehr oder weniger fern des Lebens. Sie sind mehr oder weniger realitätsnah. Wir nehmen sie intuitiv für Stabilität, für Genauigkeit für Treffsicherheit. Das ist das Schöne an Zahlen und Mathematik. Gern nehmen wir sie zur Definition von Schubladen (dazu später noch). Aber zwischen der Definition der Zahlen und der Realität, die sie abbilden sollen, besteht oft nicht vollkommene Deckungsgleichheit. So werden Zahlen, die formal oder mathematisch richtig sind, real durchaus falsch. So können wir auch Sprache nicht einfach in Zahlen fassen, einfach digitalisieren. Dabei geht sehr viel verloren. Auch darüber lohnt es sich, nachzudenken und das werden wir später auch noch tun.
Sprache ist von vorne herein gleich realitätsferner, ist mehrdeutig, aber in der Mehrdeutigkeit eben realitätsnäher. Leben ist mehrdeutig. Sprache ist mehrdeutig. Sprache ist variabel, lässt sich füllen, macht Denkbewegungen möglich und mit. Die Definitionen ändern sich, veralten, weil Leben sich bewegt. Deshalb ist auch die Freiheit von Sprache und Rede so wichtig und Regierungen, die sie einschränken, begehen damit ohne zu töten Verbrechen. Kommunizieren Sie mal nur mit Zahlen…
Betrachten wir unsere sprachliche Genauigkeit, unsere sprachliche Diversität, unsere Spannung in der Sprache. Urteil: Das ist „ganz gut“ und das ist „ganz gut“. Haben Sie den Unterschied gehört? Die gleiche Wortkombination kann bedeuten, dass etwas ganz gut und kaum zu toppen ist, eben „ganz gut“. Auf der anderen Seite sagen wir mit unsicherer, eher zweifelhafter Miene, na ja, das war ja „ganz gut“, was meint, knapp vorbei am Durchfallen, eben noch „ganz gut“. Woher wissen Sie, wenn Sie die zwei Worte hören, wie sie gemeint sind? Woher soll der PC, das Sprachprogramm oder gar die „künstliche Intelligenz“ das wissen? Es bedarf ja schon intensiver menschlicher Intelligenz, das am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt zwischen den richtigen Personen richtig zu interpretieren. Das kann doch fast nur schief gehen, oder?
Begriffe sind Ideen: z.B. Leitlinie, Ideologie, Gleichberechtigung, Mensch … Wenn wir diese Begriffe benutzen, vor allem intuitiv, missbrauchen wir sie ganz schnell im für uns angenehmen Sinne. Dann werden diese Begriffe zu Gesetzen für Andere und zu Rechten für uns. Das geschieht völlig unbewusst. Erst das bewusste Nachdenken (nicht nur denken) über die Begriffe zeigt uns die Ambivalenz in den Begriffen durch unser Sein, durch unser Mensch sein, durch unsere Persönlichkeit.
Einen Vorgeschmack dazu haben Sie schon im Abschnitt „Menschlich – Unmenschlich“ bekommen. Wenn wir so weiter fragen, merken wir, wie elastisch, wie ausdrucksstark und doch wie mehrdeutig unsere Sprache wird. Sie können den Sinn gar nicht nur an Hand von Wörterbüchern erfassen. Sie müssen auch in Sätzen und Zusammenhängen den Sinn von Worten in meiner Sprache ergründen, müssen sogar zwischen den Zeilen lesen. Ich dagegen muss versuchen, möglichst Ihre Sprache zu sprechen oder zu schreiben, damit ich es Ihnen leicht mache, mich und meine Anliegen, meine Sicht der Welt zu verstehen. Das ist wahrscheinlich nicht einmal mit „einmal fix durchlesen“ getan. Viele Texte habe ich sicher ein Dutzend Mal überarbeitet und es war sinnvoll, weil nicht nur die Sprache geschliffener wurde, sondern weil immer wieder kleine neue Gedankenkanälchen in den Deichen entstanden, die neue Einsichten ermöglichten.
Ideologen, die Religiösen, die Ungläubigen, …, sind immer die Anderen. Suchen Sie mal im Wörterbuch diesen Teil der Definition. Eigentlich gehört er auch nicht mit zur Definition, aber wir gebrauchen diese Worte intuitiv so, ohne nachzudenken. Wir gebrauchen diese Begriffe mit dieser Nebenbedeutung. Andere verstehen das auch so, ohne sich darüber klarzuwerden. Es besteht also sogar eine gesellschaftliche Übereinkunft darüber, dass wir diese Begriffe so benutzen, ohne dass wir das merken. Je nach dem, in welchem Lager ich bin, bin möglicherweise sogar ich das. Aber „Ideologe“ haben wir negativ belegt. Ich bin gut und nicht negativ. Also ist der Ideologe der andere. Wir benutzen die Begriffe, wie wir sie brauchen, nicht nach dem, was sie „objektiv“ (so wie es in Lexika und bei Wikipedia definiert ist) bedeuten. Diese Unterscheidung wird uns gar nicht bewusst. Die Bedeutung der Begriffe entscheidet sich aber nicht nach der Theorie in den Lexika, sondern nach unserem Gebrauch. Wir entscheiden mit unserem Gebrauch, was die Begriffe bedeuten.
Es gibt keine exakte Sprache. Es gibt immer nur Sprache als Mittel des Denkens und der Information. Sie werden das auch bei mir merken. Ich verwende manche Worte anders als Sie, weil in meinem Nachdenken ein Wort plötzlich neue Schattierungen, neue Sinnzusammenhänge bekommen hat. Sprache ist der Versuch, Theorie auszudrücken so nahe an der Realität wie möglich. Wir wissen aber gar nicht, was Realität ist. Sie entzieht sich uns. Sie müssen den Sinn und die Bedeutung der Wörter immer aus dem grösseren Zusammenhang erschliessen. Sie werden mir nicht immer folgen können, werden teilweise eigene Gedanken- und Sprachwege gehen. Gott und/oder die Evolution haben zwischen Sie und mich, zwischen die Welt und Sie und zwischen die Welt und mich, ja sogar zwischen sich selbst und Sie und auch mich eine Grenze gesetzt. Diese Grenze ist unüberwindbar. Diese Abgrenzung, Ihre Wahrnehmung dieser Abgrenzung macht Sie zu einem Ich, zu einer Persönlichkeit. Mit der Sprache nähern wir uns einander so gut wir können.
Wenn ich von „Wissen“ spreche oder das Wort „Frau“ gebrauche oder gar das Wort „menschlich“, dann werden Sie merken, dass da für mich sehr viel mehr Sinn im Wort mitschwingt als für Sie oder als Sie im Lexikon finden. Das hängt damit zusammen, dass wir erstens jeder anders denken und Sprache eine Art Übereinkunft ist, wie wir miteinander kommunizieren und uns verständigen wollen, dass aber zweitens auch beim Nachdenken viele Wörter viel mehr Sinngehalt bekommen. Wenn man sie nicht nur von der eigenen, von der einen Seite, sondern auch von der anderen, von der Seite des Anderen betrachtet oder sogar von der Seite der Allgemeinheit, dann können Worte zugleich den einen Sinn und den gegenteiligen Sinn haben. Das macht Nachdenken und Kommunizieren viel spannender, aber auch reichhaltiger, schwieriger, beschwerlicher als einfaches Denken. Wollten wir diese Mehrdeutigkeit umgehen, müssten wir viel mehr Worte prägen, Wortpaare von Sinn und Gegensinn. Wenn Persönlichkeiten nachdenken, die im Bilde gesprochen „Welle und Korpuskel zugleich“ sind, dann wird Sprache sowieso sehr relativ, sehr bezogen auf den Redenden und Hörenden. Solche Kommunikation dann auch noch in maschineller Informationsverarbeitung angemessen abbilden und verarbeiten zu wollen, halte für schwer möglich. Lassen Sie uns da mit digitaler Verarbeitung sehr vorsichtig sein. Wir Menschen sind keine Maschinen. Sie werden beginnen müssen, in Zusammenhängen nachzudenken oder zumindest zu denken, um aus den Zusammenhängen die Bedeutung von Worten zu erfassen. Google oder Wikipedia werden Ihnen da nur sehr eingeschränkt weiterhelfen können und doch werden wir immer und überall nach Bedeutungen suchen müssen.
Viele unserer Wörter haben mehrere Bedeutungen und nicht selten beschreiben wir mit dem gleichen Wort konträre Sachverhalte, ohne es ironisch zu meinen. Ironisch kann man diese Bedeutungsvielfalt natürlich auch sehr schön benutzen (z.B. menschlich, Liebe, Gotteskrieger, …). Aber hier meinen wir es ganz überwiegend nicht ironisch. Vielleicht kann ich mich manchmal nicht bremsen. Dann werden Sie auch bei mir den Eindruck haben, dass ich etwas ironisch meine. Richtig ironisch wird es, wenn wir Ausdrücke oder Sätze in mehreren Bedeutungen sagen können. Dann dürfen Sie sich die Bedeutung aussuchen. Wenn Sie mich verstehen wollen, werden Sie aber alle Bedeutungen vor Ihrem geistigen Auge durchspielen müssen. Ich spiele auch mit der Mehrdeutigkeit, um uns das klar zu machen und damit Umgang zu üben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie das jeweils merken. Ironie setzt den Anderen oder den Sachverhalt herab und in Gegensatz zur Realität. Wir merken plötzlich den Spannungsbogen. Damit kann man wunderbar Abende füllen. So etwas mag Publikum. Es lacht aus vollem Herzen bis die Tränen kommen. Es handelt sich ja fast immer um Andere, die da bloss gestellt werden. Danach weidet sich auch noch der Künstler daran, dass der Heruntergemachte es nicht aushält, dass er darunter leidet. Das ist auch der Grund für meine Angst, Ihnen den Spiegel vorzuhalten. Ich möchte Sie nicht heruntermachen, aber unseren Selbstbetrug, in dem wir jeden Tag leben, möchte ich schon klar machen.
Auch in unseren Begrifflichkeiten steckt die Spannung des Seins und Scheins, von Welle und Korpuskel, von Mensch als Maschine und Persönlichkeit, von Menschlich, Zivilisation, …
Begriffe beinhalten oft auch die Distanz, den Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Die Distanz zwischen beiden wurde in den letzten Jahrhunderten immer grösser. Seit uns Religionen, aber noch viel ausgeprägter nachreligiöse Philosophen Ideale vom Menschen vorgesetzt haben und uns auf den Marathon „Werde Mensch, dann bist Du Mensch“ geschickt haben, wird die Kluft für uns zwischen Theorie und Praxis, zwischen dem Ideal und unserem Leben immer grösser. Ich habe Zweifel, dass das unsere Welt immer besser macht. Das gehört zu unserem Selbstbetrug.
Mit der Sprache können wir auch verstecken spielen. Die Passivsprache ist eines der Mittel. „Es ist verboten!“ Darf ich fragen, wer da etwas verboten hat? Wer oder was verbirgt sich hinter „Es“? Amtliche Anordnungen werden gerne so veröffentlicht. Stecken hinter dem Amt keine Menschen? Das Amt ist eine Drittstruktur. Wir werden später noch darüber nachdenken. Aber es gibt viele Menschen, die selbst im Privatleben gerne das „Passiv“ benutzen und für manche Sprachen und damit Völker ist es sogar charakteristisch. Auch hier lohnte es sich, nachzudenken.
Sprache ist eine diffizile Angelegenheit. Sprache lernen wir zeitlebens, wenn nicht, dann sind Sie weit entfernt, nachzudenken. Glauben Sie nie, einen Anderen verstanden zu haben und sich einem Anderen ausreichend verständlich gemacht zu haben. Es geht immer noch besser und am Ende kommt die transzendente Distanz, die Grenze zwischen ich und Du. Übertreibt jemand, um anschaulich zu reden? Dann hinterfragen Sie sofort, warum, wie weit, denn Sie wollen ja realistisch sein. „Wer übertreibt, redet anschaulich“ stimmt zwar, aber er begibt sich damit in Entfernung zur Realität. Will der Andere Ihnen gar nicht Realität mitteilen? Hat er einen zweiten Zweck, Sensationslust zu wecken (damit spannend zu sein) oder will er Sie von seiner Meinung und Ansicht überzeugen und nimmt es deshalb mit der Realität nicht so genau oder will er, dass Sie sein Vorurteil glauben oder sogar übernehmen? Welches Gefühl beeinflusst sein Reden gerade? Was will er oder natürlich auch Sie?
Umgekehrt, wenn Sie übertreiben, was wollen Sie? Warum tun Sie es? Die Wahrheit und die Realität sind in weiten Zügen deckungsgleich. Die Wahrheit wollen Sie, aber die Realität mögen Sie nicht? Die ist entweder zu spannend oder zu langweilig? Es lohnt sich, immer wieder darüber nachzudenken.
Wenn Mann und Frau die gleichen Worte gebrauchen, sagen sie noch lange nicht dasselbe. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, mit unterschiedlichen Körpern, mit unterschiedlichen Prägungen, Kulturen und Weltanschauungen die gleichen Worte benutzen, sagen sie sehr wahrscheinlich unterschiedliche Dinge. Das kann man auch nicht eben mal so durch genauere Definitionen ändern. Sprache besteht nicht aus Definitionen, sondern aus Inhalten. Sprache ist daher um ein Vielfaches gehaltvoller als Mathematik.
Wahrscheinlich gilt das auch umgekehrt? Wenn Ihre Sprache gar nicht so gehaltvoll ist, dann ist Ihr Leben, Ihre Persönlichkeit auch gar nicht so gehaltvoll? Das wird wahrscheinlich damit zusammenhängen, dass Sie sich viel mit den Dingen beschäftigen, viel von Dingen beeinflussen lassen. Lassen Sie Menschen, lassen Sie Persönlichkeiten in Ihr Leben. Versuchen Sie sie zu verstehen, dann auch mit ihnen zu kommunizieren. Wenn das nicht so einfach ist (Womit Sie zweifellos Recht haben), dann versuchen Sie es immer wieder. So werden Sie Persönlichkeit und überwinden Sie Ihre Verbrauchermentalität.
Noch einige Sprachgedanken, die unser Leben und Kommunizieren beeinflussen und über die es sich lohnt, nachzudenken, weil wir sie gedankenlos gebrauchen:
Was sagt es über Unterschiede in Sprachen oder im Selbstempfinden von Völkern aus, wenn im Englischen „I“ gross geschrieben wird, „you“ aber klein, dagegen im Deutschen aber „Du“ und „Sie“ gross geschrieben wird, „ich“ aber klein?
Dass namhafte Wissenschaftler und Politiker heutzutage glauben, man könne sprachlich jetzt alle gleichschalten über gleiche Definitionen, gleiche Masse und gleiche Massstäbe und Regulationen und dann werde das Leben besser, ist wohl … Ich werde den Eindruck nicht los, dass da einfach gedankenlos Ziele verfolgt werden, ohne dass man vorher darüber nachgedacht hat, was auf diese Weise mit den betroffenen Menschen gemacht wird. Vorsicht! Auf diese Weise zerdeppern wir viel sehr wertvolles Glas, dass dann unwiederbringlich zerstört ist.
Es ist verboten …! Wer verbietet da eigentlich? Ein „Es“, dass etwas verbieten könnte, habe ich im meinem Leben noch nicht erlebt. Künstliche Intelligenz, so es sie überhaupt gibt, könnte hier vielleicht neue Tatsachen schaffen. Aber ich habe oft erlebt, dass Menschen direkt oder indirekt über Dreiecksstrukturen etwas verboten. Damit das Verbot einen allgemeinen Charakter bekommt und damit keine Rückverfolgbarkeit auf mich, den Verbieter möglich wird, gebrauche ich das „amtliche“ „Es“. Gibt es im Amt keine Entscheider, die das entschieden haben und daher auch verantworten müssen, also auf meine Frage „Warum“ antworten müssen? „Wir müssen leider …“, „Wir können nicht …“, tatsächlich? Oder verstecken Sie dahinter nicht das eigentlich richtige Wort „Wollen“? Wir wollen nicht…! Warum versteckt sich der Entscheider? Lauter Ausreden? Denken wir darüber nach. Warum stellen wir uns nicht gegenüber und Du sagst mir „Ich will nicht, dass Du … Dann wissen wir Beide, woran wir sind. Ich kann Dich bitten, das Verbot zu überdenken und vielleicht zurückzunehmen oder ich schenke Dir, dass ich das Verbot einfach befolge. Das wäre doch menschlich, oder?
Ehrlich gesagt“, heisst entweder „ich habe nachgedacht und die andere Seite der Medaille gesehen“ oder es heisst „ich urteile intuitiv, nach meinem Gefühl und damit ganz subjektiv, ganz ehrlich, damit aber auch ganz egoistisch“. Seien Sie sehr vorsichtig mit Ehrlichkeit. Wer ehrlich mit sich selbst wird oder ist, wird entweder sehr frei von sich oder er wird selbstverliebt und egoistisch. Das Wort „ehrlich“ ist hoch explosiv, weil es Beides enthält, die Ehrlichkeit und die Unehrlichkeit. Die Bedeutung des Wortes erschliesst sich nicht aus dem Gebrauch des Wortes, sondern durch den Kontext, durch die Lebensumstände, in denen es gebraucht wird, durch Deine und meine Persönlichkeit, wer das Wort gegenüber wem gebraucht. „Ehrlich sein“ kann das Eine und genau das Gegenteil bedeuten.
Verlasse Dich nie oder immer…“ Beides stimmt nicht. „Nie“ soll man bekanntlich nie sagen. Meistens gibt es Ausnahmen und dann stimmt das „Nie“ gar nicht. Für „Immer“ gilt das Gleiche. Meistens hat man nur nicht genug nachgedacht, beweist eigentlich seine eigene Unfähigkeit zu realistischer Beurteilung. Beide Worte entsprechen meist dem weit verbreiteten Schubladendenken. Das aber ist ausser in der Küche meist recht unrealistisch. Auch darüber werden wir später noch interessantes nachdenken. Am realistischten ist wahrscheinlich, wenn wir immer mit allen drei Möglichkeiten rechnen: „Nie“ und „Immer“ und mit allem, was zwischen beiden liegt.