Wie leben?

Wie können wir leben?

Meine sehr verehrten Damen! Das Beste, was die Evolution und/oder Gott auf dieser Erde hervorgebracht oder geschaffen haben, sind Sie!

Die Liebe geht durch Max!

Schein und Sein

1 Vorentscheidungen:

Voraussetzungen, Vorworte:

Schreiben ist bei mir Fixieren von Leben. Das Leben ist aber erst am Ende zu Ende. Deshalb ist das hier Fixierte nur ein Zwischenspeichern, ein Zwischenstopp. Das Leben (glücklicherweise), das Denken und Nachdenken, das Schreiben und dann wieder das Denken und Nachdenken gehen weiter. Wir wollen selbst denken und Vorgedachtes möglichst nicht unbedacht übernehmen, auch wenn es „richtig“ ist. Damit haben wir Vieles mit anderen grossen Denkern gemeinsam, auch wenn wir nur klein sind. Es ist leider so: Aus der Geschichte lernen wir nur sehr sehr begrenzt. Am meisten und am tiefsten lernen wir und werden wir uns bewusst durch das Leben und durch unser eigenes Nachdenken im Leben.
Gleich zu Beginn möchte ich Sie warnen. Ich werde Sie in vielerlei Hinsicht enttäuschen. Ich halte das für einen genauso gewinnbringenden wie schmerzhaften und nervenaufreibenden Vorgang. Nachdenken führt zur „Ent-Täuschung“. Sie werden staunen. Das Manuskript wird Sie enttäuschen, weil es keinen durchgehenden roten Faden hat. Das Leben ist einfach zu vielfältig und zu komplex, so dass es mir nicht möglich ist, das auf die Spur eines dünnen, wenn auch roten, Fadens zu komprimieren. Nein, wir sind vielseitig und in alle Richtungen interessiert und deshalb hapert es an Systematik. Wir lassen auch unseren Gedanken freien Lauf. Dann laufen sie eben oft quer oder sogar gegen den Strom. Na und? Ich leiste mir das schon viele Jahre. Ich empfehle Ihnen: „Leisten Sie sich das auch!“ So wird Leben spannend.
Man kann Beobachtungen des Menschen in verschiedenen Formen darlegen: Als Krimi, als Roman, als Satire, als Komik, als Kabarett und vielen anderen. Die meisten dieser Formen haben gemeinsam, dass sie spannend, unterhaltsam und packend sind, weil sie unser Gefühl ansprechen. Dann sind wir gefühlsmässig, intuitiv dabei, aber unser Denkapparat, unser Nachdenken ist weitgehend ausgeschaltet. Solche ergreifenden Werke können Sie von vielen Künstlern der letzten 2 Jahrtausende lesen, sehen oder hören. Und die Intuition gibt uns an manchen Stellen ungeahnte Chancen des Verständnisses, z.B. in der Bindung der Geschlechter aneinander. Aber die Intuition blendet Vieles aus und richtet unser Augenmerk und unser Verständnis nur auf gewisse Teilbereiche des Lebens und andere Bereiche werden einfach nicht erreicht. Um dies alles zu vermeiden, wähle ich bewusst das Format einer gedanklichen, verstandesmässigen Auseinandersetzung, auch wenn mir damit klar ist, dass viele von Ihnen sich dieser Auseinandersetzung nicht werden stellen wollen, dass Ihnen das zu langweilig ist und eben vor allem Frauen viel zu gefühlsarm. Allerdings werden Sie merken, dass es mir leider nicht immer gelingt, die Emotionen beim Denken völlig abzuschalten. Dazu bin ich zu leidenschaftlicher Nachdenker und einfach zu sehr physischer Mensch. Ich bin ein Bengel, kein Engel und auch kein abgehobener Führer. Ich lade Sie ein, mit mir nachzudenken. Sie dürfen auch vorauseilen oder abschweifen, wenden, zurückgehen, wieder dazustossen, schlafen gehen, wütend werden, was Sie wollen. Ich wünsche Ihnen alle Freiheit im Nachdenken.
Weiss jemand, der sagt „Das habe ich immer schon gesagt!“, was er da sagt? Sollen wir ihm glauben, dass er bis heute nicht schlauer geworden ist, als er damals schon war? Das wäre schlimm. Dann hoffen wir, dass er kein Amt bekleidet und nicht viel Einfluss hat. Oder war er damals schon so schlau wie heute? Alle Achtung! Wir gratulieren! Aber sollen wir ihm das so glauben? In all den Jahren keine Veränderung? Wollen wir da nicht lieber erst Fragen stellen? Also, machen wir die Klappe zu und Augen, Ohren und alle Sinne auf!
Setzen wir uns hin, Beine hoch, ein Glas Wein in der Hand, schliessen die Augen und überlegen: Was tun wir hier eigentlich? Ich werde Sie mitnehmen auf eine Reise. Bleiben Sie ruhig sitzen. Ihre hoffentlich bequeme Sitzgelegenheit ist eine gute Position zum Fliegen, zum Beobachten und zum Wahrnehmen.
Im weitesten Sinne beschäftigen wir uns jetzt mit Biologie, im etwas engeren Sinne mit der Tierwelt. Wir beobachten den Menschen, Frau und Mann, passive, konsumierende Menschen und aktive, bestimmende, verändernde Menschen. Wir betrachten den Menschen möglichst unvoreingenommen, ohne Methodik (obwohl ja auch das wieder eine Methode ist), nicht im wissenschaftlichen Sinne. Wir verzichten bewusst auf Fragebögen, Statistiken und Einschluss- und Ausschlusskriterien. Wir bleiben unwissenschaftlich, aber nah dran, vielleicht so wie Alexander von Humboldt oder andere, die zu ihrer Zeit mit offenen Augen durch die Welt reisten und eine Entdeckung nach der anderen machten. Sie dachten darüber nach, fixierten das Entdeckte in Bildern und brachten Beschreibungen zu Papier.
Sie schlossen nichts aus (wie Ausschlusskriterien in der Medizin). Sie bauten keine abstrakten Denk- und Beurteilungssysteme. Sie entdeckten das Leben in seinen vielen und reichen Facetten. Wir nun betrachten einen kleinen Ausschnitt, an bestimmten Stellen auch grössere Zusammenhänge.
Vielleicht benutze ich doch eine Methode? Ich benutze mich selbst und die Menschen um mich herum. Ich teste im Umgang mit der Welt und den Menschen um mich herum meine Erkenntnisse. Ich lebe vorsichtig nach meinen eigenen Erkenntnissen und nicht nach dem, was alle um mich herum tun oder denken oder was man tun sollte. Ich versuche auch, meine Intuition und die Ergebnisse des Nachdenkens möglichst zusammenzuführen (was immer wieder viele Widersprüche in mir aufzeigt). Sie glauben nicht, wie spannend das sonst so langweilige Leben so wird.
Hier schon ein kleiner Einschub: Es geht mir nicht darum, neue Theorien zu gewinnen oder zu schaffen, aus einigen Beobachtungen ein logisches Denkgebäude zu schaffen (obwohl natürlich auch ich versuche, logisch zu denken), sondern die Beobachtungen im Leben stehen zu lassen und daraus Zusammenhänge und Deutungen zu finden. Wir suchen nach Wahrheit in diesem Leben. Was ist Wahrheit? Graue Theorie! Keiner kennt die Wahrheit, schon gar nicht unsere grossen „Führer“ gleich welcher Art. Was wir finden können, ist nur Wirklichkeit: Die Welt, unser Leben, uns selbst und die mit uns leben. Wir sind zwar Teil dieser Wirklichkeit, aber wir können uns nur ein möglichst genaues Bild von der Wirklichkeit machen. Das Bild von der Wirklichkeit, das wir in der Lage sind, uns zu machen, ist aber (wie im Höhlengleichnis von Platon) immer nur ein Bild, bestenfalls ein Abbild, nie die Wirklichkeit, die Wahrheit selbst. Wer glaubt, er erkenne und kenne dann die Wahrheit, er vertrete die Wahrheit, er kämpfe für die Wahrheit, der befindet sich immer mehr oder weniger in der grauen Theorie, in einer Illusion. Unser Denken, das Bild in unserem Denken, ist nie die Wirklichkeit, sondern immer nur ein Abbild. Dadurch aber stehen wir gegenüber der Welt, gegenüber den mit uns lebenden Menschen. Dadurch sind wir abgegrenzt. Dadurch werden wir zur Person. Allein darüber kann man sehr, sehr lange nachdenken. Es lohnt sich. Wir werden es immer wieder tun.
1. Wir betrachten die unbelebte und belebte Welt möglichst wertfrei. Hier haben Sie schon die erste Reiseetappe vor sich. Fragen nach „Gut oder Böse“ sind ein anderes Thema. Viele der hier gestellten Fragen haben zunächst erst einmal mit Moral nichts zu tun. Wir haben fast alle Fakten in und um uns nur sehr sehr (vor)schnell (und unbedacht) mit Moral verbunden. Das hat unter Umständen Sinn, vernebelt uns aber das freie Denken und schreit nach einer Befreiung von Vorgängen oder Dingen, die man nicht einfach (in gut oder böse) trennen kann. Oft ist diese Bewertung auch einfach ohne Sinn. Meistens wird wohl unser Egoismus der Sinn dafür sein? Darüber werden wir noch nachdenken. Moral führt oft zu Tabus und wird ja auch ganz gezielt zu deren Schaffung genutzt. Genau dies wollen wir – zumindest nachdenkend – einmal umgehen. Nachdenken hat den Vorteil, dass nicht gleich neue Tatsachen geschaffen werden, dass es nicht gleich zu Revolutionen und Kriegen mit Zerstörung, Toten und Verletzten kommt, sondern dass Musse bleibt, die vorhandenen Verhältnisse besser zu verstehen. Wenn es dann noch etwas zu verändern gibt, dann tun wir es, bewusst und begründet.
Die Fakten und Prozesse zumindest beim Nachdenken von den Kategorien „Gut“ oder „Böse“ zu trennen und sie somit ohne Vorzeichen zu sehen, zu durchdenken und zu beschreiben, hat mich etwa 20 Jahre Übung gekostet. Glauben Sie bitte nicht, dass Sie das jetzt mal so innerhalb von ein paar Minuten schaffen und gleich mitgehen können. Ihre Intuition wird sie immer wieder in die alten Denkgleise zurückholen, je älter sie sind, desto mehr. Ich schlage vor, Sie schliessen jetzt die Augen, gehen Ihren Gedanken nach (egal welchen) und fangen an, sie von den Kategorien „gut“ und „böse“ zu lösen. Warum soll es gleich negativ sein, dass sie jetzt Ihren Hunger merken? Warum sollte es jetzt plötzlich „gut“ sein, dass Sie hier sitzen und nachdenken? Warum sollte es schlecht sein, dass Sie heute Abend allein sind? Warum sollte es gut sein, dass Sie ein Auto besitzen? Es ist einfach so. Sie haben Hunger, Sie denken nach, Sie sind allein und Sie besitzen ein Auto… Ich wünsche Ihnen viel Ruhe und noch viel mehr Geduld mit sich selbst.
Eine weitere Übung zu Beginn: Wir empfinden Lüge als etwas ganz „Negatives“. Dass jemand bei der Wahrheit bleibt, vor allem uns Nahestehende (und da kommen der Freund, die Freundin, der/die Geliebte, der Ehemann, die Ehefrau natürlich an erster Stelle) ist uns enorm wichtig. Und wenn wir herausbekommen haben, dass eine(r) nicht die Wahrheit gesagt hat, dass er/sie uns hintergangen hat, dass er/sie uns egoistisch ausgenutzt hat oder dergleichen, dann werden wir enttäuscht. „Enttäuscht“ heisst ja aber, dass wir vorher einer Täuschung erlegen waren, von der wir jetzt befreit wurden. Unsere sprachbildenden Vorfahren waren also schon so weit in ihren Beobachtungen, festzustellen, dass im Leben viel Täuschung vorhanden ist. Sprache ist Bewusstwerdung. Sind wir uns dessen bewusst? Leben besteht aus Sein und Schein und wir werden sehen, dass Leben und in ganz besonderem Masse Liebe ohne Lüge gar nicht möglich sind. Und in den meisten Fällen fängt die Lüge nicht damit an, dass wir Andere belügen, sondern damit, dass wir uns selbst belügen. Und wenn wir uns selbst belügen (oder ein bisschen weniger schroff formuliert: Uns selbst über die Verhältnisse „täuschen“, weil wir nicht genügend nachgedacht haben), dann merken wir gar nicht mehr, dass wir Andere belügen. Auch darüber können wir uns täuschen. Es ist sehr wichtig, dass es Ihnen gelingt, Egoismus, Lüge, Verletzung, Schmerz, Intoleranz und viele weitere begriffliche Erfahrungen von den verstandesmässigen und auch gefühlsmässigen Beurteilungen „gut“ und „böse“, „positiv“ und „negativ“ oder ähnlichen Begriffspaaren zu trennen. Da diese Beurteilung uns inzwischen so durchdrungen hat, dass sie unsere Gefühlswelt auch völlig bestimmt, braucht es viel viel Zeit und Geduld zur Loslösung. Wie gesagt, ich habe mehr als 20 Jahre dazu gebraucht und bin längst nicht am Extrem, am Ziel angekommen. Aber vielleicht ist das auch gar nicht sinnvoll? Extreme sind meist nur halbe Wirklichkeit (schon gar nicht „Wahrheit“).
Ich schlage vor, dass Sie hier eine Woche Pause einlegen und noch nicht weiterlesen. Im Laufe dieser Woche trennen Sie alles, was Sie um sich her sehen und erleben, von den Begriffen „Gut“ und „Böse“. Das schafft eine völlig andere Weltsicht und lockert Sie auf und entspannt Sie. Nehmen Sie sich viel Zeit dazu, aber bleiben Sie in Ihrem Alltag, dort, wo Sie immer sind.
Gut“ gibt es in dieser Welt nur als „in meinem Interesse“ oder als graue Theorie. Was ich als nützlich für mich halte, das ist „gut“. Das ist menschlich. „Gut“ als graue Theorie – das ist die Welt der Philosophen (oft in völliger Entfremdung von der Welt). Lassen wir sie dort. Leider sind ihnen viele Menschen und Führer nachgelaufen und haben so viel Leid und unzählige Tote verursacht. Vielleicht finden wir einen anderen, einen menschlicheren, einen liebevolleren Weg?
In ähnlicher Weise gilt das für die Begriffe „progressiv, fortschrittlich, modern, Neuzeit, …“ und „rückständig, reaktionär, hinterwäldlerisch, …“. Diese Form der Bewertungen streifen wir für unsere Überlegungen, für unser Nachdenken ab und legen sie beiseite. Sie sind nur eine Sonderform von „Gut“ und „Böse“. Wir können alle diese Kategorien später immer wieder hervorholen, falls wir sie dann noch für sinnvoll halten.
In diese Kategorie fallen auch Begriffe wie „rechts“ und „links“, „sexistisch“, nationalistisch, extremistisch, chauvinistisch, faschistisch, rassistisch und viele andere mehr. Wir benutzen sie eigentlich nur, um jemanden abzustempeln und abzuhaken: „Mit Dir rede ich nicht mehr, denn es ist sowieso sinnlos“. Es ist zwar sehr mühsam, sich mit manchen dieser Ansichten auseinanderzusetzen, aber ohne Beschäftigung mit diesen Gedanken werden wir sie nicht verstehen, nicht sinnvoll einordnen und gegebenenfalls überwinden. Es mögen ja auch wertvolle Elemente darunter sein. Wer weiss?
Die Moral schafft viele Tabus. Was wir als moralisch negativ einstufen, mit dem dürfen wir uns nicht verbinden, darüber dürfen wir nicht nachdenken, dürfen dem unseren Geist nicht öffnen, dürfen nicht darüber reden und dürfen damit auch nicht Anderen dafür eine Plattform geben. Über etwas nicht reden dürfen bezeichnen wir heute als „Tabu“. Denken und Nachdenken erfordern Sprache. Und wenn wir über Gedanken oder Zugrundelegungen, Voraussetzungen, Folgerungen nicht reden dürfen, dann können wir sie weder als negativ noch als positiv bewerten und können uns nicht mit ihnen auseinandersetzen, um sie auch gegebenenfalls zu überwinden. Wir müssen und wollen mit Tabus brechen!
Tabus sind Grenzen und zumindest Männer wollen diese überschreiten.
2. Wir koppeln mal unsere Erkenntnis von dem Eifer ab, alles gleich verändern zu wollen, woran wir uns stossen. Wir wollen bewusst zunächst einfach nur verstehen, was mit uns und um uns herum geschieht. Das Verändern lassen wir sein oder wir verschieben es zumindest auf später. Ob etwas durch Veränderung auf dieser Welt wirklich besser wird, ist ja doch sehr nachdenkenswert. Sie werden da später sicher noch Interessantes denken.
Auch die Erlangung dieser Sichtweise, hat mich lange Zeit gekostet. Je jünger Sie sind, desto länger werden Sie brauchen, diese Denkweise zu verstehen. Je älter Sie sind, desto eher wird Ihnen die Kraft fehlen, Veränderungen zu schaffen und desto wahrscheinlicher werden Sie schon Erfahrung haben mit dem Hinnehmen von Tatsachen und Lebensbedingungen nicht verändern zu können. Trotzdem, auch hier sollten Sie sich ruhig einige Tage Zeit lassen, diesen Gedanken (nicht gleich alles „Negative“ ändern zu wollen) in Ihren Lebensprozessen Einlass zu gewähren. Und bitte verfallen Sie auch nicht in den Wahn, im „Negativen“ gleich das „Positive“ zu suchen, nur damit Sie das „Negative“ nicht als so negativ empfinden. Zumindest im Nachdenken wollen wir uns dem Leben stellen, auch den Schattenseiten. Halten Sie es bitte aus. (Nur im Leben lernen wir fürs Leben, aus Büchern (und hier haben Sie ja zumindest einen Text vor sich) lernen Sie nur für Ihr inneres Archiv (und das in erschreckend geringem Masse). Richtig gelernt habe nur ich an diesem Manuskript. Ihnen wünsche ich es, aber Sie haben es sehr viel schwerer und falls Sie es wirklich wollen sollten, wird es Sie Jahre bis Jahrzehnte Ihres Lebens kosten.