Wie leben? Der Mensch, die Geschlechter und was ihn bestimmt

Wie können wir leben?

3 Der Mensch, die Geschlechter und was ihn bestimmt:(10.07.2019)

Egoismus und Stolz:

Der Mensch lebt für sich selbst, bezieht alles auf sich, das Wissen, das Verständnis, nicht nur egoistisch, sondern er ist für sich selbst auch die Mitte. Er kann nur aus sich selbst sehen. Alles sich im Spiegel sehen wollen, sich in andere hineinversetzen wollen, ist nur ein Spiel, ein Schauspiel. Es funktioniert nicht wirklich. Frauen können es noch weniger als Männer. Sie kennen den Spruch: „Wenn jeder an sich denkt, hat an jeden einer gedacht.“ Stimmt. Das ist ein Grund, so weiter zu machen, wie bisher. Konsequenz: Jeder ist jeden los. Nur noch Egoisten, jeder übervorteilt alle anderen so gut er kann. Rücksichtslosigkeit im Extrem. An Andere gedacht? Im Sinne von Anderen gedacht?
Menschen sind eine Art von Tieren. Es regiert uns der Selbsterhaltungstrieb in allen seinen Formen (Sex, Essen, Beziehung, Faulheit, Stolz, Selbstbehauptung …). Menschen empfinden Egoismus aber nicht als positiv, nicht als „gut“. Vielleicht ist das auch ein Zeichen von Menschwerdung aus der Tierwelt heraus? Menschen versuchen immer, ihren Egoismus mit etwas „Gutem“ zu verbinden oder durch das „Gute“ zu verstecken. Und am meisten müssen wir Menschen unseren Egoismus vor uns selbst verstecken. Ein sehr effektives Mittel dafür ist, sich selbst und seine eigenen Interessen für „gut“ zu erklären. „Es ist doch gut, wenn ich für mein Wohlgefühl sorge, dafür, dass ich weiter leben kann, dass mein Bauchgefühl stimmig ist und meine Interessen und meine Zukunft gesichert sind. Wenn ich an mich denke, denkt wenigstens einer an mich. Das ist doch gut?!“ Dann kann ich auch stolz auf mich sein. Damit ich diesen positiven Egoismus nicht doch noch als echten Egoismus erkennen muss, sorge ich für die um mich herum in gleicher Weise auch noch mit. Dann kann doch keiner sagen, ich sei „böse“, ich sei egoistisch. Noch ein Grund, stolz auf mich zu sein! „Ich, ich muss immer gut sein und dass ich gut bin, beweise ich Dir und mir und wenn Du mir das nicht glaubst, dann denkst und siehst Du das falsch“. Sein und Schein. Egoismus und der Stolz, meinen Egoismus gut versteckt zu haben (zuerst vor mir und dann auch vor den Anderen).
So trägt der Mensch immer den Widerspruch zwischen „gut“ und „böse“ in sich. Und es geht auch nicht anders, denn wer wollte wirklich zugeben, dass er „böse“ ist? Sofort kämen die Fragen der Nächststehenden: „Und warum änderst Du Dich nicht? Warum tust Du nicht nur „Gutes“?“ Und wer wollte zugeben, dass er „böse“ ist und könnte beweisen, dass es nicht wieder aus dem Egoismus geboren ist, anderen die neue Erkenntnis zu vermitteln und damit zu sagen: „Aber weil ich meinen Egoismus zugebe, bin ich doch „gut“ (denn Du gibst Deinen Egoismus nicht zu)“?
Wenn in ein und dem selben Menschen „gut“ und „böse“ wohnen, muss es eine Grenze geben. Wir werden das aber wohl eher als Graubereich verstehen müssen. Und oft sind Eigenschaften des Menschen und seine Handlungen auch gar nicht sauber in „gut“ und „böse“ zu trennen. Je nach Sichtweise sind sie oft auch Beides in Einem.
Männer und Frauen haben folgende Widersprüche in sich: Frauen den zwischen Egoismus und Fortpflanzung, Männer die Widersprüche zwischen Egoismus und Frauen (sowie Kindern) sowie Egoismus und Beziehung zur unpersönlichen Welt.
Abgrenzung, Nestbauen, Landesverteidigung, Intoleranz … sind normale menschliche Verhaltensweisen. Sie haben nichts mit „gut und böse“ zu tun. Der Begriff „Moral“ ist in diesem Zusammenhang sinnlos. Sie sind ganz einfach menschlich, tierisch menschlich, biologisch.
Der Mensch neigt dazu, sich die Erde untertan zu machen, auch die anderen Menschen und die Gemeinschaft. Er/sie neigt dazu, allerhand Gedankengebäude, Konstrukte, Dreierbeziehungen etc. auszudenken, um schliesslich mehr Nutzen als Einsatz aus einer Sache ziehen zu können. So stehen am Ende der Rechnungen fast immer Schulden da, die möglichst bitte ein Anderer zahlen möge, per Spende, per Subvention, per Beitrag, per Steuer oder wie auch immer. Es ist gut und nützlich, dass bei jeder Aktion auch immer Kosten und Nutzen abgewogen werden und sie müssen mindestens ausgeglichen, wenn nicht positiv sein. Sonst geht es nicht. Die ausgewogene Kosten-Nutzen-Rechnung ist das beste Korrektiv für Träumereien oder Schlimmeres. Das müssen wir bedenken, wenn wir Staaten gründen, Organisationen, Vereine, Firmen, ja selbst eine Familie.
Leben ist der Prozess, in dem in einer Person Identität und Toleranz vereint sind. Das ist ein wahnsinnig Energie verbrauchender Prozess, denn erstens neigen wir zur Unipolarität (einer Form von Extremismus, denn jemand ist nur „gut“ oder nur „böse“, Freund oder Feind) und zweitens neigen wir dazu, die Annehmlichkeiten der Identität und des Reviers mit den Annehmlichkeiten der Globalisierung (Reisen, günstige Preise durch Handel etc.) haben zu wollen, den Preis für beide (unter anderem Toleranz und Rücksicht) aber nicht zahlen zu wollen.
Da wir merken, dass wir selber nicht „gut“ werden oder sind, müssen wir laufend Andere dazu zwingen, „gut“ zu sein. Ein wunderbares Mittel dazu sind Gesetze, Regeln und Normen, Bildung von Tabus und jede Art von Druck.
Wir selbst sind widersprüchlich, immer eigennützig und liebend zugleich. Von Anderen erwarten wir, dass sie immer eindeutig gut und liebevoll sind, aber bitte nicht eigennützig! Die Werbung will uns immer wieder dazu verleiten, das von den beworbenen Produkten und Anbietern oder Personen anzunehmen. Auch die Liebe der Frau (und des Mannes) verleiten uns dazu, das von ihr (ihm) anzunehmen. Es ist aber nicht so. Die Liebe und die Werbung sollen nur unsere Kritikfähigkeit blockieren. Dazu dient alles.
Im Grunde sind wir und die Dinge um uns herum wie eine Medaille. Je nach Vorstellung haben sie mindestens zwei Seiten. Intuitiv, rein biologisch, sehen wir aber immer nur die eine. Diese Seite aber muss gut sein und so sind wir automatisch in der Vorstellung „Ich bin gut“ verhaftet. Die böse oder lieblosere Seite müssen wir nach aussen kehren. Dort sieht sie dummerweise der Andere, die Andere, nur ich selber nicht. Der oder die von aussen Sehende sieht nun aber die andere Seite, die lieblosere, die böse Seite, jedoch nicht meine Innenseite, so wie ich mich sehe, die gute Seite. So sind Spannungen vorprogrammiert, in mir und zwischen mir und meinem Gegenüber. Und das tut weh und kann in nahen Beziehungen verdammt weh tun. „Du tust mir weh, also bist Du Schuld“ ist eine häufige Ansicht, ein häufiges Gefühl, eine häufige Interpretation von Spannung zwischen Menschen (ein Vorurteil). Ich bin nicht sicher, ob wir das verhindern können. Vielleicht sind diese Spannung und ihre Interpretation biologisch menschlich? Vielleicht ist das eine völlig falsche Schuldzuweisung? Es beschäftigt uns später noch. Das ist inzwischen tief eingeprägt. Wir müssten Kommunikation als Verbindung praktizieren, nicht als Kampf gegeneinander.
Wir sind eine Kombination von Egoismus (Ich will haben) und Stolz (Ich will gut sein, zumindest nach aussen und noch wichtiger: Vor mir selbst!).
„Geld verdirbt den Charakter“. Stimmt das? Geld ist doch nur wertloses Papier und ein bisschen Metall (oder noch weniger: Eine Zahl auf dem Konto oder in der Blockchain). Ist Geld nicht nur ein willkommenes Mittel, Dinge oder Menschen zu unserem Nutzen zu zwingen oder zwingen zu können? Je mehr, desto besser? Das Problem ist nicht das Geld, sondern unser Egoismus. Und natürlich das Gegenteil: Der Stolz: Ich habe genug, also kann ich abgeben. Ich habe mir das alles verdient (Schau her, wie erfolgreich (also gut) ich bin. Geld ist nur ein willkommenes Mittel, beiden Eigenschaften zu frönen. Ist es mit politischer Macht, mit Recht und mit allerlei mehr nicht genauso?

Zwei Geschlechter – zwei Welten:

Die Menschheit ist in zwei Geschlechter geteilt. Nahe liegend ist, dass wir sie als zwei gleiche Teile oder zwei gleiche Hälften einer Einheit nehmen. Jeder schliesst von sich auf den Anderen. Wenn ich jetzt das denke, dann wird er oder sie jetzt auch das denken und wenn ich jetzt das fühle, dann wird er oder sie das Gleiche fühlen. Beide werden die gleichen Gefühle empfinden, die gleichen Diskussionen im Kopf führen, die gleichen Wünsche haben, das Gleiche mögen etc.
In der Realität werden wir wohl davon ausgehen müssen, dass Mann und Frau zwar jeweils zwei Arme und zwei Beine haben und eine Nase mitten im Gesicht. Aber sonst gibt es sehr viel, was beide unterscheidet. Von Gleichheit beider Geschlechter kann überhaupt nicht die Rede sein, und zwar nicht als Versäumnis der Geschichte oder von Menschen resp. unserer Vorfahren, sondern als „biologische Naturregel“, genetisch bedingt. Wir Menschen haben die Eigenart, dass wir „materielle Naturgesetze“ ohne Wenn und Aber anerkennen, aber „biologische Naturregeln“ selbstverständlich für vom freien Willen abwandelbar halten. Und wenn wir auf Probleme stossen bei diesen Abänderungen, dann sind psychische Gründe Schuld oder andere Menschen oder falscher Wille oder „das Böse“ (gleich, ob in personalisierter Form oder unpersönlich (Pech) oder wieder andere Gründe). Warum tun wir das? Welche Gründe geben uns die Sicherheit, dass man einfach die einen so und die anderen anders behandeln könne? So gut wie nie hinterfragt sich aber jemand selbst mit der Möglichkeit, sich selber in dieser Sichtweise einfach zu irren (so wie das z.B. Physiker, Weltraumforscher und andere (also an toter Materie Forschende) völlig selbstverständlich tun). Und so wird das andere Geschlecht einfach als positives oder negatives Spiegelbild der eigenen Sichtweise gesehen und damit geurteilt und gehandelt. Fast vorhersehbar, wie das enden muss?!
In diesem Zusammenhang eine kurze Begriffsbestimmung:
Naturgesetze nennen wir materielle Naturgesetze und die Physiker nehmen sie als solche. Dabei müssten wir ehrlicherweise zugeben, dass wir bei allen Untersuchungen zu Zeiten unserer Messungen diese Gesetze ohne Ausnahme als gültig vorfanden. Ob das in die Vergangenheit bis zum „Urknall“ und in die Zukunft bis zum ??? auch so galt und gelten wird, kann doch kein Mensch mit Sicherheit voraussagen. Wir glauben das und sagen daher „Naturgesetz“, wo wir eigentlich (die Vergangenheit und) die Zukunft offen lassen müssten. Wir erleben die „Naturgesetze“ als „Naturgesetze“, aber wenn wir über unseren Erfahrungshorizont (allenfalls die letzten 5000 Jahre bis zur Gegenwart) hinausgehen, dann müssen wir die „Naturgesetze“ eigentlich als Theorie auffassen. Wir Menschen haben festgelegt, dass wir glauben wollen, dass sie unendlich vorher schon so galten und auch in Zukunft immer so gelten werden. Auf Grund dieser Festlegung kann man eine „Evolutionstheorie“ der Materie und der Lebewesen formulieren. Das ist aber alles nur Theorie! In kurzen Zeiträumen, einige zehntausend Jahre zurück und einige hundert Jahre im Voraus ist die Wahrscheinlichkeit wohl sehr hoch, dass die Naturgesetze so gelten werden, aber in Millionen und Milliarden Jahren? Wohl deshalb spricht man von „Theoretischer Physik“? Was wollen wir kleinen Pfurze denn dazu genaues sagen? Es kann so sein, aber es kann auch ganz anders sein. Reine Spekulation!
„Biologische Naturregel“ sage ich, weil der Begriff etwas Ähnlichkeit mit dem materiellen Naturgesetz hat. Im normalen Leben kommt diese Regel fast wie ein Naturgesetz daher. Intuitiv gehandelt verhält sich der Mensch wie nach einem Naturgesetz. Nachdenkend hätte er die Freiheit, anders zu handeln, tut er aber selten. Aber da dieser Freiheitsgrad zumindest vorhanden ist (und nicht nur in der Vergangenheit oder/und Zukunft, sondern jetzt, heutigentags), möchte ich den Unterschied Regel zu Gesetz machen. Ein materielles Naturgesetz kennt nach Physikerauffassung keine Ausnahme, sonst stimmt es nicht. Die biologische Naturregel kennt wie alle Regeln auch Ausnahmen. Sie sind nur viel seltener als uns lieb ist, weil so wenige Menschen wirklich nachdenken, ihren Freiheitsgrad nutzen und die Realität entsprechend gestalten.
Nach heute gängiger Auffassung (Der Evolutionstheorie) ist die Geschichte und Welt tierischen Lebens eine Erfolgsgeschichte der Weibchen und die Geschichte und Entwicklung des Menschen vom Anbeginn bis heute ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte der Frauen. Gott und/oder der Evolution muss es unheimlich wichtig gewesen sein, dass immer wieder neue Nachkommen gezeugt und aufgezogen wurden, dass die Beiden sich eines der beiden Geschlechter erwählt haben, damit es ganz im Dienste der Fortpflanzung, der Schaffung einer Heimat und des Erwachsenwerdens der Nachkommen diene. Und das haben die Frauen über Hunderttausende Jahre sehr geduldig und hingebungsvoll und überaus erfolgreich getan. Die Menschheit hat nicht nur überlebt, sondern sie hat sich zusätzlich auch noch extrem entwickelt (ob zum Besseren, darüber werden wir noch nachdenken). Heute sind wir viel zu viele Menschen für diesen Globus und die Ökosysteme. Diesen Erfolg der Frauen können wir nicht hoch genug einschätzen und nicht genügend feiern und würdigen. Chapeau, meine Damen!!!
Die Frau ist die Mitte des Lebens. Sie gibt das Leben, gebiert, zieht auf …, gibt sich hin und verbraucht sich dabei auch. Der Mann ist dazu da, den Lebensraum zu vergrössern, abzustecken, lebensfähig und fruchtbar und angenehmer zu machen, zu verteidigen. Der Mann ist dazu da, Leistung für andere zu bieten, um damit den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Damit ist der Mann nicht nutzlos, aber im Vergleich zur Aufgabe der Frau ist die des Mannes völlig nachrangig. Lassen Sie uns (Männer wie Frauen) mal ein Jahr lang darüber nachdenken ehe wir neue Veränderungen (von den Anderen) fordern.
Das hat Folgen:
Frauen und Männer stehen völlig unterschiedlich zum Thema Sex, zum Thema Kinder wollen, kriegen und aufziehen. Frauen und Männer bringen sich völlig unterschiedlich in die Familie, den Freundeskreis und die Gesellschaft ein.
Frauen und Männer haben völlig unterschiedliche Verhältnisse zu ihrem Körper, zur eigenen Leistung und Leistungsfähigkeit. Die Attraktivität des anderen Geschlechtes liegt in völlig unterschiedlichen Kriterien.
Frauen und Männer haben auch völlig unterschiedliche Einstellungen zur Arbeit, zum Beruf, zur Hierarchie, zum Geld …
Frauen sind zivilisiert, Männer sind roh und ungehobelt. Frauen sind liebevoll – Männer sind rücksichtslos. Zumindest oberflächlich gilt das ganz eindeutig so.
Frauen wollen, dass Männer Normen einhalten. Sie selbst halten sie zumindest nach aussen hin ein und sicher sowieso öfter, als es Männer tun. Männer wollen Normen übertreten, wollen Grenzen erweitern, ohne Hilfe, nur notfalls mit Hilfe.
Frauen und Männer haben unterschiedliche Berufe und Hobbys:
Ohne Frauen: Angler, Fischer, Müllwerker, Metzger, Philosophen, Architekten …
Ohne Männer: Hebammen, Kindergärtnerinnen (ausser Praktikanten), im Nagelstudio, Kosmetikerinnen, …
Gibt es eigentlich auch weibliche Genies oder nur männliche? Zahlenmässig wird der Unterschied jedoch beträchtlich sein?
Stellen wir uns das einmal bildlich vor: 2 Äpfel können wir als Vergleich für Mann und Frau sicher nicht heranziehen. Sollen wir besser Äpfel und Tomaten als Vergleich nehmen? Die Redewendung sagt schon, man könne Äpfel nicht mit Tomaten vergleichen. Wäre es nicht realistischer im täglichen Leben, von Äpfeln und Bananen zu sprechen? Vergleichen? Unmöglich! Angleichen? Das ist dann auch unmöglich. Wir werden sehen…
Oder sollten wir eher von Stecker und (Anschluss-)Buchse sprechen? Zusammen sind sie erfolgreich wirksam, jede(r) in ihrer/seiner Funktion. Der Strom fliesst. Einzeln? Kein Anschluss! Beide gleich gemacht? Nun haben wir zwar Gleichheit, aber keine Funktion! Stecker und Buchse: Licht, Wärme, Bewegung, Kraft, Erfolg …!

Menschlich – unmenschlich:

Was verstehen wir unter menschlich? Religionen, Traditionen, Denksysteme, Philosophien haben uns Kriterien für Menschlichkeit geliefert. Meistens gehen sie davon aus, dass der tierische Mensch, so wie er ist, nicht Mensch, nicht menschlich ist, sondern haben dem Menschen ein Ideal vorgesetzt und gesagt, dass das menschlich sei. Werde so, dann bist Du Mensch. Seitdem versuchen wir, Menschen zu werden, menschlich zu werden, indem wir vorgesetzte Normen einhalten und wenn uns das gelingt, dann sind wir Mensch. Die Geschichte der Juden mit ihrem Gott ist eine solche, eine sehr eindrückliche und leidvolle Geschichte. Im Grunde unterscheiden wir uns im Prinzip aber nicht von ihnen, sondern nur in der Art und Weise der Versuche. Vielleicht könnten wir von Ihnen lernen?
Zu diesem Ideal des Menschen wurde eine gewisse Moral entwickelt, einerseits für jeden Menschen für sich, aber in den letzten zweihundert Jahren auch für die Völker. Es entstanden Menschenrechte und Völkerrecht.
Weil der Mensch von sich aus in der Regel jedoch nicht so ist, vor allem die Männer nicht, haben findige Macher aus Regeln Gesetze gemacht und überall dort, wo sich ein stabiles Staats- oder Herrschaftswesen entwickeln konnte, konnte auch durch ein funktionsfähiges Sanktionssystem die Einhaltung dieser Gesetze durchgedrückt werden. Es möchte sich zwar keiner so gerne daran halten und jeder versucht daneben sein Süppchen zu kochen oder argwöhnt, dass andere das tun. Und sie haben auch Recht. Natürlich tun das alle oder versuchen das zumindest alle. Wer es nicht tut, ist der Dumme.
Klar, wohin das führt? Zu nichts. Und das erleben wir ja derzeit auch wieder brandaktuell. Ich bin nicht sicher, ob es je eine Zeit gab, in der das nicht brandaktuell war. Vom „biologischen menschlich Sein“ haben wir uns auf dem Weg zum „idealen menschlichen Sein“ weit entfernt. Und doch merken wir immer wieder, dass das gar nicht stimmt. Die biologisch menschliche Gefühls- und Triebwelt hat uns immer wieder fest im Griff, aber wir haben sie ideologisch überhöht, verdeckt, umbenannt, sanktioniert, in der Absicht, das zu verdecken und den Schein zu erwecken, dem „idealen menschlichen Sein“ bereits viel näher zu sein, zumindest wir selbst, wenn leider auch die Anderen noch nicht. Fataler Irrtum!
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!“ Wirklich? Hat da mal jemand nachgedacht? Die Realität sieht doch genau umgekehrt aus! Das Fleisch, der Körper, die Genetik, die Gefühle bestimmen ohne Diskussion. Dagegen können wir uns auch kaum wehren. Der Geist, der Verstand, unser Wollen sind dagegen doch geradezu rudimentär wirksam. Unser Geist ist ein absoluter Schwächling!
Nehmen wir jedoch den Menschen in seiner menschlichen Entwicklung und sagen zu ihm Mensch, dann bedeutet „menschlich“ etwas ganz anderes. Dann bedeutet Mensch unter anderem die Einheit von genetischem Sein, Prägung und freien Entscheidungen. Dann werden wir, wenn wir vom Menschen sprechen, immer seine ganze Entwicklung bedenken müssen. Und da seine genetische Phase und seine Prägung ihn weitgehend bestimmen und sein freier Wille relativ wenig Einfluss hat, werden wir „menschlich“ zu einem grossen Teil definieren müssen aus den Eigenschaften des Menschen der ersten zwei Entwicklungsphasen. Denen kann sich der Mensch nämlich nicht entziehen, anders, als zumindest der neuzeitliche Mensch es in seiner getäuschten Wahrnehmung glaubt.
Wir müssen feststellen, das diese zwei Definitionen von „menschlich“ recht weit auseinanderliegen, um nicht zu sagen konträr. Unter anderem ist das ein Grund für die Widersprüchlichkeit des Menschen. Und jeweils im umgekehrten Sinne füllt sich auch der Begriff „unmenschlich“.
Der Mensch ist zuallererst menschlicher Körper, zum grössten Teil menschlicher Körper und unverrückbar menschlicher Körper. Diese Tatsache ist dem Menschen gesetzt und daran kann er nichts ändern. Tut er es doch (und damit werden wir schon bald rechnen dürfen), wird das Menschsein noch viel dramatischer verändert als zu irgendeiner Zeit in den letzten Millionen Jahren. Danach kommen die Prägung, teilveränderbar und zum Schluss und mit dem kleinsten Anteil der freie Wille, der Verstand, die eigene Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit.
Menschlich“ könnten wir unter diesen Bedingungen als überwiegend dem menschlichen Körper gemäss betrachten. Der menschliche Körper hat sich über Millionen Jahre der Umwelt angepasst und passt zu einer Umwelt, wie wir sie vor zehntausend bis hunderttausend Jahren vorfanden. Und wie hat der Mensch damals gelebt?
Greifen wir uns zum Nachdenken ein paar Vorstellungen heraus:
Er hatte keine Hilfsmittel zur Bewegung als vielleicht den Esel oder das Pferd. Bevor das Rad erfunden wurde, konnte nur er selbst sich bewegen oder per Tier vorwärts kommen. Die Geschwindigkeit war langsam. Der Aktionsradius war klein. Der körperliche Energieverbrauch war gross.
Nahrungsmittel waren knapp. Ein voller Magen wird eine Rarität gewesen sein, unregelmässig. Tiere mussten aufwendig gejagt und erlegt werden. Früchte und Beeren gab es eher nach Glück als nach Plan. Wohlstand gab es nur vereinzelt. Wohlstandskrankheiten hatten gar keine Chance.
Die Kindersterblichkeit war gross. Es wurden und mussten viele Kinder gezeugt und geboren werden. Der Mensch hätte sonst wohl kaum überlebt. Frauen hatten fünf bis zehn, nicht wenige auch noch deutlich mehr Schwangerschaften und Geburten und Stillzeiten und im glücklichen Falle auch etliche lebende Kinder. Ein Eigenleben hatten Frauen kaum. Die Reproduktionsmaschine musste am Laufen gehalten werden.
Die Lebenserwartung war nur halb so lang wie heute, wenn überhaupt. Ein Leben länger, als zur Reproduktion erforderlich war, war Luxus.
Das also ist menschlich. So haben Menschen hunderttausende Jahre überlebt. Die Evolution kam voran, sehr, sehr langsam, aber unaufhaltsam und ohne existentiell bedrohlichen Fehler.
Unter diesem Blickwinkel müssten wir sagen: Voll mit Lebensmitteln gefüllte Tische, so dass sie sich biegen? Wie unmenschlich! Nur noch ein bis drei Kinder? Wie unweiblich! Jagd mit Schusswaffen? Wie unmännlich! Einmal um den Globus in zwei Tagen? Wie unmenschlich! Den ganzen Tag nur am Schreibtisch sitzen? Wie unmenschlich! Statt mit dem Bruder oder anderen Menschen selbst eine Einigung zu finden der Gang vor den Richter? Wie unmoralisch, wie unmenschlich! Tagelang am Strand in der Sonne braten? Wie unmenschlich! Feste Wände, ein Dach, Türen mit Schlössern, weiche Betten? Wie unmenschlich!
Wir können „menschlich“ also genau aus der entgegengesetzten Richtung betrachten. Dann wird „unmenschlich“ plötzlich „menschlich“ und umgekehrt. Mit der evolutionären Entwicklung des Menschen ist der Mensch gut gefahren. Es gibt ihn noch heute. Dass der neuzeitliche Mensch mit seinen neuen Ideen von „Menschsein“ wirklich erfolgreich überlebt, ist doch eher unwahrscheinlich? Luxus und Faulheit, Nahrung im Übermass und Übergewicht, Fortbewegungsmittel und Trainingsmangel, Schusswaffen und Tote, Atomtechnik und Zerstörung, schnelle Informationen und Fakenews, … Dürfen wir uns überhaupt eine Chance auf Überleben ausrechnen, wenn wir so unmenschlich leben und weiter machen?
Und wir leben nicht nur nicht „menschlich“, sondern auch nicht „erdlich“, nicht der Erde gemäss. Jahrmillionen hat das Gleichgewicht der Arten auf dieser Kugel für guten Ausgleich und gedeihliches Neben- und Miteinander gesorgt. Es gab eine fortgesetzte, wenn auch langsame Entwicklung zu mehr Differenzierung. Aber es gab keinen weit davon entwickelten, weit voraus entwickelten Monopolisten. Es bestand ein sehr feines Gleichgewicht zwischen den Arten, sodass der Mensch sich unter anderen und mit anderen entwickeln konnte und musste.
Heute ist der Mensch unbedrohter Monopolist in der Tierwelt. Keine Spezies wird dem Menschen heute gefährlich ausser einzelnen Exemplaren gegenseitig. Die einzige Bedrohung aus der lebenden, der biologischen Welt sind für den Menschen heute noch die kleinsten Tiere, die Viren und Bakterien, Schimmelpilze und was es da noch so gibt. Ihr Potenzial ist real, die Menschheit zu zerstören.
Der Mensch ist schon Monopolist. Nun fragt sich nur noch, welches Land und zuletzt welcher Mensch allein zum Monopolisten wird. Sind wir davon noch weit entfernt?
Dieses Monopol und fehlende Einschränkung durch Konkurrenz und Gleichgewicht führen nun zur Übernutzung der Wohnkugel. Lösung: Auf in den Weltraum! Ist der menschliche Körper für das Leben im Weltraum angepasst? Ja und nein, ja, auf dieser Erde im Weltraum, aber ohne diese Erde im Weltraum? Es ist möglich, aber angemessen? Und wenn der Mensch doch im grossen Stile in den Weltraum fliegt? Mit dem Auto hat es auch erst ganz klein angefangen und nun sind wir an den Grenzen der Automobilität. Ein paar Raketen ins All spielen keine Rolle. Wird aber von Millionen Raketen täglich viel Material von der Erde entfernt, ändert sich ihre Gravitationskraft. Das CO2, das wir heute so verteufeln geht dann womöglich zusammen mit anderen wertvollen Gasen der Erde und damit uns verloren? Da sich die Masse reduziert, ändert die Erde womöglich ihr Bahn und entfernt sich die Erde womöglich von der Sonne und zukünftige Generationen sind womöglich froh, dass es wenigstens vorübergehend auf der Erde wärmer war. Die Erkältung dann wird endgültig sein! Alles nur Spekulation. Wir denken nur nach. Weiter nichts. Bleiben Sie ruhig!
Menschlich ist zum überwiegenden Teil die Seinsweise des Urzeitmenschen. Aber wir haben uns und unsere Wohnkugel verändert. Wir können gar nicht wieder zurück in den Urzustand. Den Rückweg gibt es nicht. Insofern hat es auch gar keinen Sinn, rückgewandt zu sein. Es hat Entwicklung stattgefunden, in der Prägung und im Verstand. Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen. Auch diese Entwicklung gehört jetzt zu uns Menschen. Das ist „biologische Relativitätstheorie“.
Der Mensch lebt heute im Durchschnitt doppelt so lange wir vor vierhundert Jahren. Er hat praktisch eine zweite Lebenshälfte dazu geschenkt bekommen oder hat sie sich erobert. Diese zweite Lebenshälfte muss er nun auch füllen, muss sie leben, ob das Individuum das will oder nicht. Das ist eine unmenschliche Tatsache und eine unerdliche noch dazu. Jeder Mensch verbraucht doppelt so viele Ressourcen völlig nutzlos. Die Reproduktion braucht nur halb so viel Einsatz.
Wollen wir den Weltraum erobern, werden wir wahrscheinlich das menschliche Leben noch weit mehr (oder sogar ganz) verlieren. Soll das menschlich sein? Wollen wir uns zurückversetzen, werden wir all die Entdeckungen des Verstandes und der Annehmlichkeit entbehren müssen. Wie unmenschlich!
Im optimalen Falle gelingt es dem Menschen, seine drei Entwicklungs- und Lebensphasen im positivsten Sinne in sich zu vereinen und zu leben. Das wäre heute „menschlich“, allerdings um den Preis, diese absoluten Widersprüche in sich vereinen zu müssen. Es geht nicht anders. Einsteins Relativitätstheorie gilt nicht nur in der Mikrophysik, nein sie gilt auch in der Makrowelt, vor allem in der Biologie. Auch das dürfte eine biologische Naturregel sein.
Wenn wir in der Gesellschaft menschlicher werden wollten, dann bräuchten wir nachdenkende Bürger, verzichtende und schenkende Bürger. Die Form der Regierung wäre eher egal. Demokratie oder Diktatur spielten keine Rolle, denn auch die Regierung würde zu den Bürgern gehören. Auch dazu kommen wir später noch.

Authentizität:

Wer authentisch sein will (übertragen: aus einem Guss, ohne Widerspruch in sich), der muss das Tier in sich selber zum Vorschein kommen lassen. Wer das Tier versteckt, lebt nicht authentisch. Doch Vorsicht. Das Tier beisst sehr empfindlich zu! Zum authentischen Leben gehört die passende Aufeinanderabstimmung von Gefühl, Prägung und Verstand, wobei das Gefühl dominant ist (auch wenn nach aussen manchmal der Verstand am stärksten in Erscheinung tritt und auch wenn der Verstand das Gefühl mit Macht unterdrückt oder wenn wir letzteres gerne so hätten).
Was macht Leben aus gegenüber der Materie? Unter Anderem die Widersprüchlichkeit. Es geht gar nicht immer nur um „gut“ und „böse“, sondern allein um die Widersprüchlichkeit von „gut und böse“ im Menschen in allen ihren verschiedenen Versionen und Schattierungen und unsere Neigung zu trennen in „gut“ oder „böse“.
Die Widersprüchlichkeit ist Kennzeichen des Lebens und je entwickelter, desto mehr. Hören wir auf, diese Widersprüchlichkeiten zu bannen. Die Widersprüchlichkeit ist eine biologische Naturregel, über hunderttausende Jahre als Kennzeichen zumindest menschlichen Lebens entwickelt. Menschliches Leben geht nicht ohne Widersprüchlichkeit.
Eine Form, Widersprüchlichkeit zu bannen, ist die Diktatur. Alle werden auf gleiche Linie gebracht. Das gibt es im Grossen (Staaten) wie im Kleinen (Familien, Ehen, jede Form von Beziehung).
Widersprüchlichkeit bannen geschieht auch, wenn wir versuchen, konsequent, geradlinig, einpolig, authentisch zu leben. Bloss keine Widersprüche zeigen. Wie unmenschlich?
Lassen wir die Widersprüchlichkeit in uns zu, auch in unserer Ehe, auch in unserer Gesellschaft. Wir können sie nicht verbannen. Wir können sie nur negieren oder verstecken, also einen Schein darüberlegen (einen Vorhang, damit wir sie nicht wahrnehmen müssen und möglichst ein Tabu daraus machen können).
Authentizität ist die Übereinstimmung von Gefühl, Prägung und Verstand. Man kann auch Authentizität nicht einfach machen oder darstellen. Das wirkt nicht. Man kann nur seine Widersprüchlichkeit anerkennen, ans Licht holen und leben.
Menschen, die besonders authentisch wirken, von denen wir den Eindruck haben, dass sie das Gute vertreten und darin vollständig aufgehen, verstecken oft nur besonders gut ihre böse Seite und sind damit genau nicht authentisch. Leute, die ehrlich ihre Widersprüchlichkeit ertragen und zulassen, haben kaum eine Chance, authentisch zu wirken. Einem Authentischen trauen wir zu, ehrlich zu sein und vertrauen ihm, aber genau das dürften wir nicht tun, weil seine böse Seite versteckt ist und wir nicht wissen, wie und wann sie doch zum Vorschein kommt. Einem nicht Authentischen sollten wir vertrauen, weil wir auch seine böse Seite kennen, aber genau deshalb vertrauen wir ihm nun nicht mehr, denn er ist widersprüchlich.
Nur, wer seine Widersprüchlichkeit von „gut und böse“ und auch von „Schein und Sein“ in sich zulässt und wer sie auch nach aussen zulässt und vertritt, wird ehrlich und integer, wirkt aber nach aussen genau nicht so. Eben: Sein und Schein, gut und böse untrennbar in der Person vereint.
Wenn wir die Widersprüchlichkeit in uns, in den Anderen, in unserer Gesellschaft und auch in der Welt zulassen, dann werden wir freier. Wir werden bewusster, wir werden uns besser verstehen, denn wir können die Dinge beim Namen nennen, können darüber reden, können im besten Falle uns selber und den Anderen auch annehmen. Das vertreibt Tabus, die jetzt oft unausgesprochen zwischen uns stehen. Das lässt sogar eine neue Moral zu, die vielleicht dem Menschen eher gemäss wäre? Und vielleicht wäre diese Moral sogar dem christlichen Glauben oder dem Sinn von Religion gemässer als das, was wir bisher in unserem Glaubensverständnis daraus gemacht haben? Auch unsere derzeitige gesellschaftliche Moral würde vielleicht der Wirklichkeit angemessener?

Intuition im Wechselspiel zum Nachdenken:

Eine sehr alte Form tierischen und menschlichen Agierens und Reagierens ist das Handeln nach Intuition. Eine rein genetisch bedingte Reaktion auf äussere Reize ist der Reflex. Der Reflex ist eine Reaktion, die das Hirn als modifizierende Instanz gar nicht benötigt. Ein Reiz wird ans Gehirn geleitet und dort mittels eines vorgegebenen Musters beantwortet. Dafür sind keine Hirnleistungen erforderlich und auch kein Zeitverlust durch Verarbeitung im Hirn. Der Schmerz im Auge löst den Lidschlag aus. Fertig.
Bei der Intuition werden bestimmte Informationen im Hirn mittels vorgefertigter, aber nicht rein genetisch bestimmter Vorinformationen verarbeitet. Dazu gehören tierische Vorgaben wie der Egoismus, wie der Fortpflanzungstrieb, wie Schmerzvermeidung etc. Dann gehören dazu aber auch Informationen wie: Wenn Du das machst, dann macht die Mutter immer das. Oder: Der Gute wird geschätzt, der Böse wird gehasst. Also sieh immer zu, dass Du als Guter wahrgenommen wirst. Oder: Das ist gut und das ist böse. Wer Dir wehtut, der ist Schuld. Oder: Wer die Schuld hat, ist ein Aussätziger. Also schiebe immer die Schuld auf Andere. Da gibt es noch viele, viele andere solcher Vorinformationen. Sie entstammen der genetischen Phase und grossteils der Phase der Prägung.
Da noch immer im menschlichen und tierischen Miteinander oft die Reaktionsgeschwindigkeit eine entscheidende Rolle spielt (nicht nur beim Autofahren, im Sport oder im Krieg), so ist eine schnelle Reaktionsgeschwindigkeit noch immer ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil im täglichen Überlebenskampf.
Ein Nachteil der Intuition ist, dass sie bereits relativ alt in der Entwicklung des tierisch-menschlichen Lebens ist und dass sie auf komplexere Abläufe in unserer Umwelt, in unserem Miteinander und in unserem Denken und Verhalten schlichtweg nicht eingerichtet ist. Sie handelt sehr nach vorgegebenem und gelerntem Schema. Es fehlt ihr die Flexibilität, die Fantasie, die Differenzierung und einiges mehr. Handeln nach Intuition macht uns zum Tier mit allen Vor- und Nachteilen.
Heute müssen wir feststellen, dass Intuition regelmässig zu Vorurteilen führt, eigentlich einer Form von Urteilen, die wir nicht mehr als adäquat für unser Zeitalter und unser Leben ansehen.
Die Intuition macht uns zum Herdentier, so dass wir alle einfach das machen, was alle machen. Eine Beobachtung, die wir in den letzten 100 Jahren oft machen konnten und in den letzten 10 Jahren besonders intensiv. Der etwas verlängerte Arm der Intuition ist das Denken (in den gleichen Bahnen, die bereits der Intuition vorgegeben sind und die die Intuition unserem Denken vorgibt). Das Denken verlängert den Hebel der Intuition. Sie wird noch etwas schlagkräftiger. Aber es bleibt bei den Vorurteilen, beim Leben in der Herde, beim Fliessen im Strom. Eigenartigerweise führt uns derzeit dieser Herdentrieb in den Individualismus. Menschen wollen die Spannungen zwischen den Geschlechtern nicht mehr erdulden, auch die Spannungen zu anderen Menschen, noch mehr zu Fremden nicht. So wachsen Homosexualität und das Single-Dasein wird immer häufiger (Bitte: Ohne moralische oder andersartige Bewertung! Jeder darf und soll leben wie er möchte. Wir beobachten nur!).
Dafür haben Gott und/oder die Evolution später den Verstand, das Nachdenken geschaffen. Das aber braucht viel mehr Information, benutzt auch Differenzierung und kritisches Prüfen in der Vorstellung und vor allem viel, viel Zeit. Das Nachdenken ermöglicht auch die Distanzierung von sich selbst, die gedankliche Betrachtung seiner selbst von aussen (zumindest bis zu einem gewissen Grad). Die Ergebnisse dieses Vorganges sind komplexere Wirklichkeitsverarbeitung, Zusammenschau, Verstehen von komplexen Vorgängen etc. Die zunehmend komplexere Welt unseres Zeitalters erforderte eigentlich immer mehr Agieren und Reagieren mittels Verstand und Nachdenkens. Die schnelle Informationsflut in den letzten Jahrzehnten führt aber dazu, dass für Nachdenkarbeit gar nicht mehr genug Zeit ist. Die Informationen werden inzwischen fast ausschliesslich über die Intuition und damit verbundenes einfaches Denken verarbeitet. Und die Intuition ist eine alte, eigentlich nicht mehr adäquate Reaktionsweise in so komplexen Zeiten, wie wir sie heute haben.
Wollten wir Vorurteile meiden und zu angemessenen Urteilen kommen (welche Urteile richtig wären, wissen wir ja auch heute nicht), so müssten wir viel mehr nachdenken und unseren Verstand gebrauchen und uns Zeit in Ruhe nehmen.
Vielleicht können wir uns das ein bisschen bildlich vorstellen: Die Intuition ist ein neuronaler Verarbeitungsfluss, der in einem sehr engen genetisch und durch Prägung geschaffenen Flussbett verläuft, begradigt und mit hohen Randwällen versehen. Das Wasser schiesst nach unten. Die Informationen und Reaktionen und das einfache Denken laufen schnell ab.
Nachdenken hiesse, wir liessen es zu oder machten es selber: Kleine Löcher und Kanälchen in die Deiche unserer Gedankenflüsse, damit Wasser (Gedanken) austreten kann und sich seinen eigenen, unbegrenzten Weg abseits von der Masse, abseits vom Fluss, suchen kann. Das Ziel ist völlig offen. Die vorgegebenen Gesetze, Definitionen, Normen, Religion, Tabus etc. spielen nur noch eine untergeordnete (das Ideal: Keine! ist sicher nicht erreichbar) Rolle. Diese Vorgänge sind langsam, aber sie schaffen Individualität, Fantasie, begründetere Urteile, die auch dem Einzelfall gerecht werden können. Nachdenken ist Meditieren und Philosophieren. Nicht die Menschen sind Philosophen, die Philosophie studiert haben und sich viel Wissen angeeignet haben, sondern die Menschen sind Philosophen, die (philosophische) Fragen stellen und in Frage stellen, egal, ob sie viel wissen oder nicht.
Ist der Trend zum Individualismus überhaupt wünschenswert? Will ich wirklich, muss ich wirklich alle Trends meiner Generation mitmachen?
Ist es wirklich sinnvoll, die Menschen des anderen Geschlechtes einfach für seine Bedürfnisse zu nutzen? Müssen wir nicht viel mehr Einfühlung in das Sein der Menschen des anderen Geschlechtes üben? Müssen wir nicht gut auf die Gefühle der Anderen achten, egal, ob anderes Geschlecht, Nachbar, Fremder, andere Staatsbürger, ja sogar Feinde? Was löst Du in mir aus, was ich in Dir? Und die Frage nach Schuld stellen wir dabei bewusst nicht.
Es ist natürlich ungünstig, dass es so viele verschiedene Sprachen auf dieser Welt gibt. Wir verstehen einander nicht. Besser für die Kommunikation wäre, alle sprächen die gleiche Sprache. Aber Sprache schafft Identität. Sprache ist Denken. Und jedes Volk denkt in seiner Sprache und ist durch die Sprache in seinem Denken geprägt. Der Verlust der eigenen Sprache bedeutet Verlust des eigenen spezifischen Denkens, Verlust von Identität. Wie schnell fordern wir heute von Menschen, manchmal sogar von Völkern „Sprich eine andere“, meist, „sprich meine Sprache“? Stellen Sie mal Ungarn und Niederländer nebeneinander oder vergleichen Sie die Sprachnuancen verschiedener Alpentäler in der Schweiz. Jedes Tal denkt und spricht anders und definiert seine Identität darüber. Jeder Eingriff in diese Ökosysteme weckt starke Emotionen und meist keine liebevollen! Es ist heute wichtig, sowohl seine eigene Sprache und Kultur intensiv zu kennen und zu nutzen, aber mindestens auch eine andere von vielen Menschen gesprochene Sprache und Kultur kennen zu lernen und sich in ihr ausdrücken zu können.
Sprache ist Ausdruck von Denken. Je differenzierter eine Sprache ist oder je differenzierter Sprache von einem denkenden und sprechenden Menschen benutzt wird, desto tiefer kann er auch denken und nachdenken. Gruppen von Menschen, die eine einfache Sprache (womöglich noch mit vielen Jokern (=Trendwörtern, die man für vieles nutzen kann) benutzen, haben weniger Möglichkeit, nachzudenken. Sie sind stärker auf ihre Intuition angewiesen, mit allen Vor- und Nachteilen. Wir sollten uns z.B. überlegen, ob wir nicht das Wörtchen „gut“ im Sinne von „moralisch gut“ benutzen sollten. Im Gegensatz sollten wir „gut“ nicht gebrauchen, wenn wir damit meinen, dass etwas in unserem Sinne ist oder unseren Vorstellungen entspricht oder unserer Bequemlichkeit hilft. Wir sollten genauer sagen: „so wünsche ich mir das“ oder „so will ich das auch“ oder „das fühlt sich für mich gut an“ oder „das fördert meine Bequemlichkeit“ … Diese Differenzierung würde uns helfen, besser zwischen Schein und Sein unterscheiden zu können. Oft ergäbe das den komplett gegenteiligen Sinn und wahrscheinlich realitätsnaher.