Noch weiter gefragt

1. Suche nach Wahrheit (1/2017)

Mit dem Begriff „Wahrheit“ verbinden wir eine Art von Absolutheit. Wirklich „richtig“, aus tiefster innerer Überzeugung kundgetan, vollständig mit dem „Sein“ in Übereinstimmung. Aber die Wahrheit ist nicht das „Sein“ selbst. Oder doch? Heisst „Suche nach Wahrheit“ „Suche nach dem ewigen Sein“? Können wir das suchen? Können wir das finden?

English

Hat Wirklichkeit etwas mit Wahrheit zu tun? Vater zum Sohn: „Sag die Wahrheit!“. Heisst doch soviel wie, sage genau das, was sich zugetragen hat, was Du getan hast oder jemand anders. Sage das, was wirklich war oder ist.
Lässt sich Wahrheit wirklich so leicht sagen? Heute schaue ich den Mond an und er ist rund. In zwei Wochen schaue ich ihn an und er ist eine Sichel, weitere zwei Wochen später ist er kaum zu sehen am Himmel. Was ist er nun? Rund, Sichel, kaum sichtbar?
Wahrheit ist eine Beziehung zu etwas ausserhalb von uns und wir betrachten dieses Etwas von verschiedenen Seiten und zu verschiedenen Zeiten und nehmen immer wieder etwas anderes wahr. Wann haben wir den Mond wirklich wahrgenommen, sein „Sein“ verstanden oder gar begriffen, alle Facetten erkannt? Können wir in den Besitz von Wahrheit über den Mond kommen?
Jahrtausendelang hat Religion das Leben der Menschen entscheidend geprägt. Jahrtausendelang war die Religion bestimmend die Philosophie der Menschen. Schon in der Antike, ja zu allen Zeiten und in den letzten 500 Jahren ganz besonders und zunehmend hat sich der Mensch der Wissenschaft verschrieben. Oft treten beide in Gegensatz oder werden zumindest als Gegensätze gesehen, neu gegen alt, wahrheitsliebend gegen „Opium für´s Volk“, Wissen gegen Glauben, …
Trifft das den Kern?
Glauben können wir verstehen als die Suche nach dem transzendent Wahren, nach dem Sein, nach dem Absoluten. Jede Religion hat ihren Namen und ihre Anschauung für dieses … Im besten Fall haben ihre Anhänger etwas erkannt von diesem … Und sie haben sich dem verschrieben. Aber unsere Existenz hier auf Erden bedeutet Suchende nach und in dieser Transzendenz.
Wissenschaft können wir verstehen als die Suche nach dem immanent Wahren. Wissenschaft versucht, die Naturgesetze, die Regeln, die Funktionalität dieses Universums zu ergründen. Das geht an manchen Stellen leichter, an anderen schwerer. In manchen Bereichen bedurfte es weniger Einsatz und so waren die Erkenntnisse schneller da. In Anderen brauchte es mehr Einsatz und es dauerte länger, bis wir Erkenntnisse gewannen. Vieles ist offenbar noch heute im Dunkeln und wir wissen nicht, wo das Dunkel aufhört oder begrenzt ist. Und dann stellt sich die Frage, ob wir durch die Erkenntnis von Funktion und Bauweise auch das Wesen der Dinge erkennen.
Unser heutiges Weltbild ist unter vielem Anderen davon gekennzeichnet, dass wir glauben, die Welt würde immer besser, wir machten sie immer besser. Deshalb können wir sie uns aneignen resp. sie in Besitz nehmen.
Sowohl was den Glauben anbetrifft als auch was die Wissenschaft angeht, stellt sich doch die Frage, ob wir mit unserem Lebensgefühl (Was kostet die Welt, ich will sie kaufen – Wer ist Gott, hier bin ich der Chef!) wirklich richtig liegen.
Im Grunde sind Glauben (Religion) und Wissenschaft gar keine Gegensätze, sondern Geschwister. Beide suchen nach Wahrheit, die eine transzendent, die andere immanent. In beiden Bereichen geben Menschen gar zu gern und schnell vor, im Besitz der Wahrheit bzw. im Besitz der richtigen Ansicht der Dinge zu sein. Und wenn man ein bisschen weiter denkt und ein bisschen kritisch wird, dann nimmt die Zahl der Fragen schnell mehr zu als die Zahl der Antworten. Wer natürlich nicht fragt, der braucht auch keine Antworten. Er lebt mit „Glaubensgrundsätzen“, egal ob wissenschaftlich oder religiös. Der Wahrheitsgehalt bleibt im Dunkeln und wahrscheinlich auch gering. Nur Fragen würden das erhellen. Wenn es gut kommt, sind wir schon wieder auf der Suche.
Fast ist man geneigt zu fragen, ob einer, der auf alles Antworten hat und glaubt, immer richtig zu liegen, wirklich die Antworten hat, wirklich etwas weiss. Oder sind nicht eher die Menschen glaubwürdiger, die zwar keine Antworten haben, dafür aber nach immer neuen Antworten fragen?
Beide, Religion und Wissenschaft, haben auch gemeinsam, dass spannend und verlässlich nur die sind, die nicht zu früh glauben, Antworten gefunden zu haben und damit aufhören zu fragen. Statt dessen aber finden wir immer wieder die Leute, die bereits im Besitz der Wahrheit sind und uns diese lauthals verkünden. Diese Leute bombardieren uns dann mit ihren Antworten als letzte Antworten und beanspruchen Ehre und Macht und Ansehen. Das ist in den Religionen nicht anders als in der Wissenschaft und übrigens auch nicht anders als in der Politik. Meistens läuft ihnen auch noch die Masse nach, denn die Masse fragt nicht, sie glaubt weitgehend blind.
Fragen wir weiter!
Noch so eine Metapher, der es nachzudenken sich lohnt:
Schauen wir uns eine Geldmünze an. In irgendeiner Form hat sie meist auf der einen Seite eine Zahl und auf der anderen ein Bild. Man kann sie gestalten, verfeinern, verschönern, … Es ist kaum eine Münze denkbar, die nicht zwei Seiten hat. Jede Münze hat zwei Seiten.
Übertragen wir diese Metapher, dann stellen wir fest, dass diese Tatsache für fast alle Dinge gilt. Jedes Ding hat zwei Seiten. Man kann nun fragen, wie es mit der Kugel ist. Man kann fragen, wie es mit dem Würfel ist. Mehr als nur zwei Seiten ist leicht glaubhaft und verwendbar. Eine Seite oder gar keine Seite? Jede Metapher hat ihre Grenzen, wo sie nicht mehr gilt. Wir wollen sie nicht überstrapazieren.
Eine Münze hat zwei Seiten. Die meisten Dinge im Leben haben zwei Seiten. Kann man diese Metapher auf die Eigenschaften von „gut“ und „böse“ übertragen, von „plus“ und „minus“? Bei plus und minus ist es leichter nachzuvollziehen. Wenn ich irgendwo etwas wegnehme, dann habe ich an einer anderen Stelle mehr oder umgekehrt. Wenn es kein Schaffen aus dem Nichts gibt, dann funktioniert das Leben so: Geben und nehmen, in welcher Form auch immer. Geben und Nehmen sind die zwei Sichtweisen ein und der gleichen Aktion. Funktionieren nicht gut und böse in der gleichen Weise? Was für den Einen gut ist, ist für den Anderen schlecht.
Religionen leben davon, dass sie „gut“ und „böse“ definieren und sie fordern von uns: Sei gut. Aber funktionieren wir nicht wie eine Münze? Wenn wir an einer Stelle „Gutes“ tun, dann fehlt es an anderer Stelle, ist also „Schlecht“. Wir sind wie eine Münze, gut und böse zugleich. Und wir können die Münze nicht so teilen, dass nicht wieder zwei Seiten (gut und böse) dabei herauskämen. Und auch wenn wir andere Menschen betrachten, lohnt es sich einmal, das unter diesem Blickwinkel zu tun.

 

 

2. Freiheit (07/2017)

Liebe kleine und grosse Herrscher und Herrscherinnen dieser Welt!

Alle Menschen lieben ihre Freiheit, mehr oder weniger. Zur Freiheit gehört, dass wir das Mass selber bestimmen können. Freiheit ist nicht absolut, aber eben Selbstbestimmung in gegenseitiger Achtung.
Erkämpfte Freiheit ist keine Freiheit. Erkämpfte Freiheit bindet uns an den Kampf und zwingt uns, Freiheit immer wieder zu erzwingen. Jahrhunderte vor uns haben das gezeigt. Revolutionen und Freiheitskriege haben das bewiesen.
Könnten wir nicht zusammen daraus lernen?
Und noch eins: Hat nicht die Geschichte in vielen Jahrhunderten bewiesen: Wir können hohe Türme und lange Tunnel bauen und Atomkraft (weitgehend!) bändigen und zum Mond fliegen und unser Leben verlängern. Aber wir können den Menschen nicht moralisch besser machen, und schon gar nicht durch Zwang oder Umerziehung. Menschen, Sie und ich, vereinigen „Gut“ und „Böse“ in sich wie eine Münze zwei Seiten hat. Es geht nicht auch anders.
Jeder Herrscher und jede Herrscherin denken, sie müssten (sozusagen als letztes oder als letzte) noch Druck und Gewalt ausüben. Wenn das Ziel erreicht ist, brauche es Druck und Gewalt nicht mehr. Dann sei alles gut. Hat sich ein einziger dieser Herrscher oder Herrscherinnen bisher nicht geirrt?
Die Welt ist noch nie besser geworden durch Eliminieren von Menschen und deren Ideen. Es bedeutet immer: Einer stirbt und einer lebt. Kompromiss heisst: Beide sterben und beide leben, je zu einem Teil. Ein fairer Kompromiss ist das Sahnehäubchen oben drauf.
Konsequenz: Schenken Sie Ihren Völkern, schenken Sie Ihren Nachbarn und Mitmenschen Freiheit.
Wir müssen unser menschliches „Böse“ annehmen. Eliminieren in den Tod oder ins Gefängnis ist keine Lösung, nicht einmal eine Notlösung, sondern immer nur eine neue Drehung in der Spirale der Gewalt.
Toleranz und Freiheit schenken sind zwei Vorgänge, die viel Energie verbrauchen. So viel Energie, wie wir heute zur Verfügung haben, hatten wir nie. Nutzen wir sie zum Schenken statt zum Erzwingen.
Bitte schenken Sie Ihren Völkern und Mitmenschen Toleranz und Freiheit. Dann haben wir eine Chance,dass kommende Jahrhunderte friedlicher werden als die vergangenen.
Wir, Ihre Völker, Nachbarn und Mitmenschen wollen das Gleiche mit Ihnen tun!

Ich bitte um Ihre Zustimmung und Kooperation.

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