Nachdenken über Corona und uns (III)

Nachdenken über Corona und uns (III)(05/2020)

In den reichen Ländern gibt es nun genug Gesichtsmasken, in anderen noch immer zu wenig. Klar, auf dem Weltmarkt stechen natürlich wir reichen Länder die ärmeren aus. Das ist ganz normal so.
Nochmal ein paar Gedanken zur Rekapitulation, falls Sie Masken benutzen und erst Recht, falls Sie nicht wissenschaftlich getestete und für gut befundene benutzen:
– Wir sind nicht in einem Operationssaal. Wir brauchen daher keine chirurgische Gesichtsmaske. Die jetzt benötigten Masken müssen keinen OP-Standard einhalten.
– Die gegen die Pandemie nötigen Gesichtsmasken müssen nicht „virusdicht“ sein, sondern sie müssen in beide Richtungen die Viren absorbieren. Da die Viren zum allergrössten Teil mit den Tröpfchen aus dem Mund kommen (beim Sprechen, Singen, Husten etc.) muss der Vorhang oder die Maske so vor dem Mund hängen, dass die Tröpfchen alle abgefangen werden.
– Die Maske oder der Vorhang müssen bequem tragbar sein, damit Sie sie fast den ganzen Tag tragen können (ausser beim Essen und Trinken und beim Spazieren im Wald, wenn Sie keinen anderen Menschen sehen). Die Atmung geht nicht durch den Stoff wie durch ein Filter, sondern am Stoff vorbei. Sonst wäre das Atmen viel zu schwer und viele könnten die Maske gar nicht lange aushalten.
– Ab dem ersten Gebrauch am Tage gilt die Maske als infektiös, und zwar von beiden Seiten. Also nur die Bänder an den Seiten zum Auf- und Abnehmen berühren, nicht die Flächen. Wenn Sie die Maske oder den Vorhang tagsüber abnehmen, darf nichts die Flächen berühren, damit keine Viren übertragen werden können.
– An jedem Abend den Vorhang oder die Maske in kochendem Wasser desinfizieren.
– Es muss also kochbarer, saugfähiger Stoff sein (z.B. Baumwolle), am besten vierlagig, damit er auch die Tröpfchen in beide Richtungen aufsaugen kann, ohne der Flüssigkeit und damit den Viren eine Durchdringung zu ermöglichen.
Natürlich können Sie auch die maschinell gefertigten Masken verwenden.

 

Noch auf eine andere Tatsache möchte ich Ihre Aufmerksamkeit lenken:
Je länger ich mit dem Virus und der Pandemie zu tun habe und je mehr ich mir Gedanken darum gemacht habe, desto überzeugter bin ich davon, dass wir den Virus sehr schnell hätten abfangen und begrenzen und inzwischen auch eliminieren können, wenn wir sehr schnell nach dem Bekanntwerden seines Auftretens solche Virus-Absorber vor die Nase gebunden hätten, und zwar alle. Wir hätten viele Leben retten und uns hohe Kosten ersparen können. Statt dessen sind die meisten Menschen noch immer damit beschäftigt, jede Menge Gründe zu suchen, warum sie selbst solchen Virus-Absorber nicht brauchen. Wir Menschen sind schon ein sehr beklopptes Volk, je selbstbewusster, desto wirkungsvoller. Statt dessen aber sind angeblich eine Mehrheit der Bevölkerung für Kontakt-Tracing via Virus-App auf den mobilen digitalen Systemen. Ich gratuliere Allen, die bisher nur in Staaten gelebt haben, die nie in Versuchung waren, staatlich gesammelte Daten gegen ihre Bürger zu verwenden. Ich bestaune Ihr grenzenloses Vertrauen. Können Sie sich vorstellen, warum in meinen Augen menschliche Intelligenz auf dieser Erde so rar ist?

Nachdenken über Corona und uns (II)

Nachdenken über Corona und uns (II)(04/2020)

 

Der Corona-Virus kam irgendwo her. Dass wir je mit Sicherheit wissen, woher er kam, scheint unwahrscheinlich. Jeder, der es uns weiss machen wollte, dass er Beweise habe für oder gegen eine These, muss sich ja fragen lassen, was er denn wirklich für einen „Beweis“ hält. An dieser Stelle gibt es so viele Interessen, dass kaum anzunehmen sein wird, dass es irgendwann völlig neutrale Informationen gibt. Woher sollten wir auch wissen, dass es neutrale Informationen wären, wenn wir welche hörten?
Bisher gibt es meines Wissens drei Thesen über die Herkunft des Virus:
(1) Von einem Tiermarkt im Distrikt Wuhan, Neumutation und Verbreitung von einem Tier auf den Menschen.
(2) Aus einem Hochsicherheitslabor in Wuhan ist der Virus in die Umwelt gelangt, auf welchem Weg auch immer. Wissenschaftler forschten an Viren (ob aus zivilen Gründen oder aus militärischen Gründen werden wir nie sicher wissen).
(3) Der Virus wurde aus den USA gezielt in Wuhan ausgesetzt, um China und den Chinesen zu schaden.
Ich weiss nicht, wie viele Mutationen da notwendig sind, um einen solchen Sprung vom Tier zum Menschen mal so eben zu ermöglichen. Entsprechend würde es sicher Experten geben, die da eine Wahrscheinlichkeit errechnen könnten. Sicher wüssten wir es auch damit nicht.
Auffällig an den kursierenden Informationen ist, dass das Genom des Virus bereits relativ früh von chinesischen Wissenschaftlern an die WHO weitergegeben wurde. China kam damit einer Forderung der Staatengemeinschaft nach. Aber die Tatsache, dass so früh bereits die Gen-Sequenz bekannt war, ist doch nachdenkenswert. In der Folge gab es auch recht früh in China schon einen Genom-Erkennungstest, mit dem der Virus bei den Infizierten überhaupt nachgewiesen werden konnte und der Test war bereits praxisreif. Wenn wir sehen, wie schwer es ist und wie lange es dauert, andere halbwegs valide Informationen über den Virus zu bekommen und daraus Konsequenzen zu ziehen, dann liegt es sehr nahe, dass die chinesischen Wissenschaftler den Virus schon vorher kannten, eine ganze Reihe an Informationen hatten und diese im Kampf gegen den entwichenen Virus sofort nutzen konnten.
Amerika hätte den Virus wohl kaum in Wuhan ausgesetzt, wenn es nicht hätte im Falle einer Ansteckung seine eigenen Bürger sofort schützen können. Wie gut die USA damit fertig werden, sehen wir derzeit in den USA selbst.
Es ergibt sich also doch eine sehr klare Rangfolge, in der wir die Herkunft des Virus anzunehmen glauben dürfen: Am wahrscheinlichsten aus einem Labor in Wuhan, weniger wahrscheinlich von einem Tiermarkt um Wuhan, recht unwahrscheinlich aus den USA.
In militärischer Absicht wird ein Staat kaum solch einen Virus unter der eigenen Bevölkerung aussetzen, es sei denn der Herrscher hiesse Assad. Am wahrscheinlichsten wird also sein, dass es aus Versehen passierte und dann wird kaum einer wissen, wer es vollbracht hat und wie. Derjenige hätte es sicher verhindert, wenn er es gewusst hätte.
Wir sollten aus der Geschichte erst einmal wahrnehmen:
China ist in der Welt angekommen, arbeitet mit gefährlichen Dingen wie andere Staaten auch und ist wie andere auch, gar nicht in der Lage zu garantieren, dass damit keine Katastrophen verursacht werden können. Von der Sorte haben wir ja einige Länder auf unserer kleinen Golfkugel.
Wir teilen unsere kleine Golfkugel mit etlichen anderen Wesen. Die grösseren haben wir ja alle an den Rand gedrängt oder gleich ganz ausgerottet. Übrig geblieben sind eigentlich nur noch die Einzeller und Halblebewesen wie Viren, Prionen etc. Mit denen werden wir vermutlich noch öfter zu tun bekommen. Wissen über sie zu bekommen und dafür mit ihnen zu hantieren, birgt die Gefahr, dass sie beissen. Das war vor hunderten und tausenden Jahren mit Grosswild auch nicht anders. Das ist nichts besonderes. Wir müssen damit nur eben rechnen.
Eine in den letzten Jahrzehnten entwickelte Möglichkeit, mit solchen Situationen umzugehen, ist der Abschluss von Versicherungen. Alles ist Geld wert, nicht nur die Zeit. Wir setzen für alles einen Geldwert fest, versichern den und dann sind wir gesichert. Die Versicherungen haben das natürlich gemerkt. Manche sind mutig und bieten Versicherungen an. Die müssen natürlich entsprechend teuer sein. Andere sind vorsichtiger und versichern so etwas gar nicht erst. Die wirklichen Risiken sind eben nicht versicherbar. Interessant! Nachdenkenswert!
Beliebter in den letzten hundert Jahren ist, alle Verantwortung an den Staat zu geben. Ob Diktatur oder Demokratie spielt da kaum eine Rolle. Der Staat muss Schutzkonzepte entwickeln, Notprogramme parat haben, Vorräte für jeden Eventualfall angelegt haben und er muss Prophet sein. Bereits solange im Voraus, wie er zum Schutz organisieren braucht, muss er wissen, dass eine und welche Katastrophe naht. Geschieht uns Bürgern doch ein Leid, haben die gewählten Verantwortlichen versagt. Dann sind sie Schuld und müssen die Verantwortung übernehmen, müssen nicht selten gehen. Wollen sie nicht gehen, müssen sie zu Gewalt oder List und Tücke greifen, um ihren Kopf und Stuhl zu retten. Wir, das Volk, müssen dann zu Gewalt greifen, um die Versager und dann auch noch Aussitzer, in die Wüste zu verjagen. Dann kommen neue Köpfe, die dasselbe Schicksal ereilt (falls sie nicht das Glück haben, dass in ihrer Regierungszeit nichts Besonderes passiert).
Die Verteilung von Aufgaben zwischen Staat und Bürger ist eine delikate Angelegenheit. In der Regel ist eine bekannte Erfahrung: Man kümmert sich am besten immer um alles selbst. Das bedeutet, wir selbst sind gefragt. Für unser Risiko und den Umgang damit sind wir selbst verantwortlich. Wenn wir es in Demokratien an andere oder den Staat delegieren, dann müssen wir uns klar sein darüber, was wir tun. Wenn wir starke Männer (oft zu Diktatur neigende) wählen, muss uns klar sein, wen oder was wir da wählen. Diktatoren sollten nachdenken und sich klar werden darüber, warum sie Diktator sind. Oft sind sie ja nicht als Diktatoren geboren worden, sondern über viele kleine Schritte zu solchen geworden. Da gäbe es vielleicht für sie wie für uns, das Volk, noch viel zu entdecken?
Der Corona-Virus ist für uns neu. Warum ist er für uns so negativ? Wir mögen doch Neues, wünschen uns Abwechslung, wollen Neues entdecken. Natürlich müssen wir Neues erst als „neu“ erkennen, müssen herausfinden, was es ist und müssen eine Strategie entwickeln, wie sinnvoll mit ihm umzugehen sei. Das braucht natürlich Zeit und Phantasie.
Im schlimmsten Fall ist der Virus ein Bestandteil von ABC-Waffen. Wir können froh sein, dass er uns auf die jetzige Weise bekannt wurde. Wir konnten verhältnismässig lange mit ihm herumlarvieren. Im Ernstfall wäre es viel schlimmer gekommen. Stellen wir uns also auf solche ABC-Waffen ein. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der nächste entsprechende Knall uns erreichen wird.
Hilft uns an dieser Stelle künstliche Intelligenz? Es wäre doch stark zu hoffen, das sie unsere menschliche Intelligenz (so wir uns überhaupt realitätsnah als „intelligent“ bezeichnen dürfen) unterstützen kann? Oder ist sie nur eine künstliche Verlängerung unserer schon mangelhaften „menschlichen Intelligenz“? Lassen wir sie nicht aus den Augen, was immer sie auch sei.

 

Nachdenken über Corona und uns (I)

Nachdenken über Corona und uns (I)(04/2020)

Glauben Sie wirklich an einen so bösen Gott, dass er Ihnen jetzt plötzlich so einen Virus schickt, um Sie zu ärgern oder um sich selbst zu rächen oder aus wer weiss was für einem Grund? Waren Sie so böse, dass er das jetzt tun musste? Ach nein, böse sind ja immer die anderen. Wir sind die Guten, oder? Gehört nicht der Virus genauso zur von uns bewohnten Erde wie wir auch?
Die letzte Krise 2008 liegt gerade erst einmal 12 Jahre zurück. Warum haben Sie sich danach nicht geändert? Auch damals war uns klar, dass wir uns ändern müssten. Glauben Sie wirklich, dass Sie sich jetzt ändern werden? Können Sie sich denn wirklich ändern? (Entschuldigung, dass ich so fies frage. Natürlich betrifft das mich nicht anders)
Der Coronavirus ist für uns alle völlig neu. Wir haben uns schon so gemütlich auf dieser Erde eingerichtet, dass etwas Neues gleich so eine Bedrohung für uns ist. Das Neue macht uns gleich solche Angst. Was sind wir doch für zivilisierte Weicheier geworden? Früher gab es sehr viel mehr Neues und Unvorhergesehenes für die Menschen und ihr Leben war sehr viel mehr bedroht. Deshalb starben viele auch eher.
Wahrscheinlich sollten wir gar nicht so Angst vor dem Virus haben, sondern vor unseren eigenen Reaktionen auf das Virus. Es spricht viel dafür, dass wir die Verbreitung hätten sehr schnell stoppen können, wenn wir uns alle „Virusfänger“ vor die Nase gehängt hätten (Gesichtsmasken oder auch nur Gesichtsvorhänge) und diese jeden Abend in kochendem Wasser desinfiziert hätten. Die hätten wir schnell selbst genäht. Aber:
(1) wussten wir das noch nicht (egal, ob in einer Demokratie oder in einer Diktatur lebend).
(2) verlassen wir uns in allem nur noch auf den Staat und die Regierung. Das ist unsere eigene Dummheit.
(3) Jetzt, wo wir wissen, das der Virus wahrscheinlich ausstirbt, wenn wir alle vielleicht solche Masken und Vorhänge vor der Nase tragen (und zwar immer, wenn ein 2. Mensch ausser den Familienmitgliedern zu sehen ist), müssten wir uns doch nur selbst überwinden, es zu tun? Aber wir finden 1000 Gründe gegen das Einfache und Sinnvolle. Überwinden wir uns doch selbst!
(4) Immer ist ein Anderer Schuld. Warum brauchen wir immer einen Schuldigen? Warum soll gerade der Andere Schuld sein? Wir sind alle mehr oder weniger Betroffene. Vermutlich wird keiner den Virus bewusst in die Welt gesetzt haben. Dann gibt es gar keinen Schuldigen.
(5) Natürlich wird jetzt viel Geld in die Hand genommen (werden müssen?). Es gibt immer solche, die so eine Krise selbstständig überstehen und andere, die am unteren Rand der Pyramide wursteln und dann plötzlich in solch einer Situation im Sumpf ersticken. Das Geld wird die Grenze etwas nach unten verschieben und Glück und Pech neu oder anders verteilen, aber an der Realität wird die Menge Geld nichts ändern. Ausserdem haben wir das Geld ja gar nicht. Schuldige zu suchen, sollten wir uns gleich ganz sparen. Solche Ereignisse gehören zum Leben.

 

Pandemieexitstrategie weltweit

Vorschlag: Pandemieexitstrategie weltweit

Gesichtsmaske (-vorhang):

Es ist nicht mehr nur wissenschaftliches Wissen, sondern häufige Erfahrung: Der Corona-Virus ist hoch ansteckend. Offenbar wird er bereits im Rachen vervielfältigt. Der Hauptansteckungsweg ist also der über Tröpfchen aus dem Mund beim Sprechen, beim Lachen, beim Niesen, beim Husten etc. Das sollten wir aber registrieren: Wir müssen für die Ansteckungsfähigkeit gar nicht husten. Lachen und sprechen reichen völlig aus. Deshalb die zwei Meter Abstand ohne Gesichtsmaske! Die Regelung ist sehr sinnvoll.
Studienergebnisse zeigen, dass die Ansteckungsfähigkeit bei sehr vielen Coronainfizierten bereits deutlich vor dem Ausbruch von Beschwerden besteht und dass sogar Menschen ansteckend sein können, die gar keine Beschwerden bekommen.
Schutz könnten Gesichtsmasken bieten, wie wir sie jetzt vielerorts sehen. Über den Sinn der Gesichtsmasken wird jedoch debattiert oder sogar gestritten.
Jedem, der gegen das Tragen dieser Gesichtsmasken ist, möchte ich empfehlen, mal 3 Tage einen frisch Coronaerkrankten ohne eigene Gesichtsmaske zu pflegen. Womöglich überlegt er es sich dann anders? Ist die Ansteckungsgefahr draussen wirklich so viel geringer als am Coronakranken?
Die meisten Infizierten hielten es nicht für möglich, dass sie sich selbst infizieren könnten. Wir täuschen uns doch immer wieder selbst. Wenn wir also schon infektiös sein können, obwohl wir nichts davon merken, dann sind wir derzeit alle potenziell infektiös, und zwar immer. Das Gleiche gilt für jeden anderen Menschen um uns herum auch. Wenn wir eine Gesichtsmaske tragen, kann es also durchaus sein, dass sie uns vor Coronaviren schützt, aber nur dadurch, dass sie die Tröpfchen mit den Viren vor dem Hautkontakt und vor allem vor dem Schleimhautkontakt abfängt. Damit wird sie aber selber infektiös. Sie kann von beiden Seiten infektiös sein, von meiner Seite nach aussen und von äusserer Seite nach innen.
Wir müssen also annehmen, dass jede benutzte Gesichtsmaske bereits nach dem ersten Tragen sowohl von innen wie von aussen kontaminiert und damit infektiös sein kann, also ist.
Nehmen wir dann die Maske ab und berühren sie an einer der beiden Flächen, setzen wir uns genau dem Risiko aus, das wir durch das Tragen der Maske verhindern wollten.
Es muss also gelten: Jede getragene Maske ist nach dem ersten Einsatz als infektiös anzusehen. Also Vorder- und Rückflächen nicht berühren und für den Fall, dass wir sie wieder benutzen wollen, so weglegen oder besser weghängen, dass die Flächen nichts berühren können. Sonst würden weitere Hände, Gegenstände oder Flächen kontaminiert. Fix abnehmen und in die Handtasche stecken zum neuen Gebrauch eine Stunde später? Pfui! Das ist verboten!
Wenn wir eine Maske ein zweites Mal benutzen wollen, dann bitte nur die Bänder an den Seiten berühren und hinter dem Kopf knoten oder hinter das Ohr hängen. Dort werden die Tröpfchen ja kaum hinkommen. Besser sicher, die Maske ausser zum Essen und Trinken gar nicht erst abnehmen. Dann kann am wenigsten Berührung passieren. Länger als einen Tag werden wir eine Maske sowieso kaum gebrauchen können. Das hängt davon ab, wie viel Feuchtigkeit aus Nase und Mund in die Maske kommen. Wenn die Maske feucht oder gar nass wurde, wechseln wir sie gleich.

 

Entsorgung:

Am besten abends ins Feuer werfen. Was verbrannt ist, infiziert nicht mehr.
Oder: Wenn Sie eine wiederverwendbare Maske haben, abends nach dem Abend- oder Nachtessen, wenn die Wohnung nicht mehr verlassen wird, in eine Schüssel legen und kochendes Wasser 5 cm hoch daraufschütten und einfach kalt werden lassen. Nach einer halben Stunde auswaschen und über Nacht trocknen lassen. Am nächsten Tag wieder benutzen.
Oder: Wenn Sie eine wiederverwendbare Maske haben und genug Desinfektionsmittel vorhanden ist, abends nach dem Abend- oder Nachtessen, wenn die Wohnung nicht mehr verlassen wird, in eine Schüssel legen und Desinfektionsmittel in Wasser im richtigen Mischungsverhältnis (steht auf der Packung) darauf schütten und die angegebene Einwirkzeit abwarten. Dann auswaschen und über Nacht trocknen lassen. Am nächsten Tag wieder benutzen.
2 Minuten Bearbeitung mit dem Dampfbügeleisen auf heissester Stellung wird den Viren das Lachen auch vertreiben.
Nach dem Gebrauch ohne weitere Berührung im Abfall entsorgen. Möglichst wenig Luftzug aus dem Abfallbeutel heraus verursachen. Das ist jedoch die ungünstigste Entsorgung.

 

Maske selbst nähen:

Vergessen Sie, was sie im TV und im Internet sehen. Wir sind nicht im OP-Saal. Wir brauchen keine chirurgischen Masken. Wir brauchen Viren-Absorber, also Textilgewebe vor dem Mund, das von beiden Seiten Tröpfchen abfängt und aufsaugt. Dazu reicht ein Gesichtsvorhang. Der kann unten offen sein.
Das hat den Vorteil, dass die Ausatemluft nach unten entweichen kann und die Brille wenig beschlägt bzw. die Augen wenig Wind abbekommen.
Das hat den Vorteil, dass einfach zwei bis vier Lagen Baumwollgewebe (Betttuch, Geschirrtuch und dergleichen) genommen werden kann. Grösse: Von 2 cm vor dem rechten Ohr bis 2 cm vor dem linken Ohr, Unterrand der Brille oder der Unterlider der Augen bis 8 cm (=handbreit) unter dem Kinn. Doppelte Grösse, oben umschlagen und 2 cm unterhalb der oberen Umschlagfalte eine Naht quer herüber nähen(mit der Hand oder mit der Maschine). Eine vorhandene Kordel, Streifen oder Band durch den entstandenen Tunnel zwischen Umschlagfalte und Naht ziehen, oberhalb beider Ohren nach hinten um den Kopf führen und beide Enden massgenau verbinden. Keine Faltung, keine weitere Kopfbefestigung. Fertig ist der Gesichtsvorhang (anstelle von Gesichtsmaske).

Das hat den Vorteil, dass der Vorhang schnell hergestellt ist. Diese Materialien werden fast überall auf der Welt vorhanden sein. Der Vorhang ist leicht zu tragen und ist auch bei hohen Umgebungstemperaturen erträglich. Keine Spezialwerkstoffe (Draht, Leim etc.) nötig. Innerhalb von drei Tagen können mehr als 90 % der Weltbevölkerung einen Viren-Absorber vor dem Gesicht tragen.
Wichtig ist: Nicht einfach irgendwelchen Stoff, sondern er muss schon in der Lage sein, Luft durchzulassen, obwohl Sie überwiegend um die Maske herum atmen, aber er muss die Tröpfchen von aussen so aufsaugen können, dass die Feuchtigkeit mit den Viren nicht den Stoff durchdringt und dann die Nase oder die Lippen berührt. Wahrscheinlich ist es angemessen, wenn Sie einen schönen Stoff aussen und innen nehmen und dazwischen z.B. Stoff vom Bettbezug, vom Laken oder vom Geschirrtuch doppelt. Dann wären das vier Lagen. Bei Mangel sind 2 Lagen besser als kein Vorhang. Wenn Sie den Stoff auf doppelte Grösse zuschneiden und dann oben einfach umschlagen, brauchen Sie nur eine Naht. Fertig.
Noch einfacher: Tischservietten. Halb aufklappen, zwei übereinanderlegen, etwas dickeren Faden in die Halbfalte der Serviette legen. Statt der Naht links und rechts eine Büroklammer drüberstecken. Am Faden oberhalb der Ohren um den Kopf binden. Fertig. Sobald die Serviette an einer Stelle nass wird, verbrennen und neue nehmen.
Für alle Menschen genügend Gesichtsmasken zum Schutz vor Viren wird es für lange Zeit noch nicht geben. Derzeit besteht Handelskrieg auf dem Weltmarkt, um genügend Masken für die eigene Bevölkerung zu bekommen. Jeder Vorhang, den wir uns selbst nähen, entlastet also den Weltmarkt zugunsten anderer Länder und Menschen.
Lassen Sie uns aus dem Gesichtsvorhang eine Mode machen, die uns später auch eine schöne Erinnerung an die Coronapandemie hinterlässt. Die Regierungen werden sicher zu Ende des Jahres die schönsten Exemplare für Männer und für Frauen getrennt prämieren? Die WHO wird die Weltbesten herausfinden? Nehmen wir es sportlich!
Produzieren Sie mehr als eine und geben sie Ihren Verwandten und Bekannten. Denken Sie an die Obdachlosen in Ihrem Ort. Verschenken Sie jeden Tag eine neue und verbrennen Sie sofort die alte.
Vorhang de luxe: An beiden unteren Ecken je ein Band angenäht und locker hinter dem Hals geknotet.
In Lagern braucht jeden Tag jeder Bewohner einen neuen Vorhang oder eine neue Maske oder muss jeden Abend die mehrfach nutzbare kochen können. Nur zum Essen und Trinken abnehmen, nur einzeln essen.
Wer hat, kann natürlich chirurgische Gesichtsmasken tragen. Gummihandschuhe können den Schutz noch erhöhen. Wirklich wichtig sind mindestens die Tröpfchenfänger, die Virus-Absorber. Je mehr virenhaltige Tröpfchen abgefangen werden und abends bestialisch im Feuer, im kochenden Wasser oder Wasserdampf ermordet werden, desto weniger Ansteckungen, desto weniger Coronakranke, desto weniger Coronatote.

 

Zusätzliche Massnahmen:

Waschen von Wäsche oder Geschirr möglichst bei 90°C. Corona-Viren sind recht hitzebeständig und brauchen mindestens 90°C.
Kein Einwegmaterial oder wenn unvermeidlich, verbrennen Sie es, besser Geschirr über 90°C waschen. Besser physikalisch mit Hitze desinfizieren als chemisch.
Ausserhalb der eigenen Wohnung immer mit Maske oder Vorhang. Wenn Sie zufällig Menschen ohne Maske treffen, dann nicht sprechen, nicht lachen, nicht husten, nicht niesen.
Essen am besten nur in den eigenen vier Wänden und ohne Gäste.
Händedesinfektion etc. bleiben. In Spitälern gelten striktere Regeln.

 

Vorschlag zur Pandemie-Exitstrategie:

Mit Gesichtsvorhang oder -maske sind alle Menschen in Büros, auf Baustellen, in Fabriken, in der Landwirtschaft, in den Supermärkten und Läden, in der IT-Branche, im Freizeit- und Kultursektor, Aktivitäten in Vereinen, selbst Coiffeure arbeitsfähig, auch wenn sie leichte Atemwegserkrankungen haben. Bei Begegnungen oder Arbeiten am Menschen müssen beide einen Gesichtsvorhang tragen! Kann nur einer von Beiden einen Vorhang tragen, dann bitte konsequent schweigen.
Im öffentlichen Verkehr gilt: Betreten nur mit Gesichtsvorhang oder -maske. Dann sind alle Sitzplätze nutzbar, Stehplätze im Abstand von mehr als 1/2 Meter. Das gilt auch für Flugzeuge. Kein Essen im öffentlichen Verkehr!
In der Gastronomie gilt bis 1 Monat nach der letzten Aufnahme eines Coronakranken im Spital pro gleicher Flächenverwaltungseinheit eine 1-Gast-1-Tisch-Regelung und entsprechender Tischabstand. Nach jeder Benutzung wird der Tisch desinfiziert. Das Personal trägt immer Virus-Absorber und Handschuhe und wird getrennt in „sauber“ und „benutzt“. „Sauber“ bringt Essen, „benutzt“ räumt ab und räumt die Geschirrspülmaschinen ein. Nach einem Monat ohne spitalreife Coronaneuinfektion können Gaststätten und Hotels wieder öffnen.
Tote lachen, sprechen, niesen und husten nicht. In entsprechende Beutel verpackt sind sie nicht ansteckungsfähig. Wo sie offen liegen, aber nicht berührt werden, sind sie kaum ansteckungsfähig.
Ich wette, auf diese Weise haben wir Corona eingedämmt, wenn nicht sogar eliminiert, bevor die erste Impfung marktreif ist und haben Nebenwirkungen windiger Medikamente vermieden.

Selbstbetrug

Selbstbetrug (03/2020)

Ende des 19. Jahrhunderts kamen Männer auf die geniale Idee, dass man zusammen jeweils Geld zurücklegen könnte, wenn es einem besser geht, damit man dieses Geld in Notzeiten oder bei Katastrophen oder bei Unfällen verteilen kann. Der Gedanke der Versicherung war geboren und in diesem Zusammenhang dürfen wir viele Staatsgebilde (vor allem die selbstbewusst „demokratisch“ genannten) als grösste und letzte Versicherung auffassen. (Inzwischen sind sogar die Zentralbanken wie die amerikanische FED, die europäische Zentralbank und andere Landesbanken zu Versicherungen geworden.)
Das geniale Prinzip finden wir in unserer Gesellschaft immer wieder. Das finden wir bei den Versicherungen, beim Staat, bei den Gerichten, ja sogar in den Familien. Es ist das geniale Dreiecksprinzip. Die Erfindung ist schon viel älter, aber wir haben Sie in den letzten 150 Jahren zur Spitze getrieben. Die Erfindung ist ähnlich genial wie die der Hand in der Evolutionsgeschichte des Menschen.
Das Prinzip ist sehr einfach: Ich habe einen Wunsch an einen Anderen oder an die Gemeinschaft oder die Natur oder an sonst wen. Einen Wunsch zu äussern ist immer unbequem, bedeutet immer, einen Mangel zu erklären, überhaupt wahrzunehmen und offenzulegen, den ein Anderer bitte schliessen möge. Unser berühmtes „Verhandeln auf Augenhöhe“, also gleichberechtigt. Das funktioniert im „Miteinander“ nicht. Der Andere behebt den Mangel natürlich gerne, wenn es für ihn kein Problem ist und der Andere (in diesem Fall ich), ihm sympathisch ist und seine Unterlegenheit damit anerkennt oder später einen Gegendienst erweist. (In der Regel verschenken wir ja nicht, sondern wir teilen Darlehen aus, nur ohne Vertrag.)
Dieses Prinzip ist mühsam. Es ist das typisch tierische, analoge, Prinzip der direkten Beziehung.
Das Dreiecksprinzip ermöglicht es, einen Dritten zu schaffen (in den ersten 150 Jahren als eigene Organisation, als juristische Person!, inzwischen zunehmend sogar als virtuelle Organisation). Er wird jetzt der Wünschende. Mit ihm aber schliesse ich einen Vertrag, Geld gegen Leistung. Da er aber kein realer Dritter ist, sondern nur ein juristischer oder gar virtueller, unterliegt er anderen Eigenschaften. Er ist nicht Person, ist nicht Mensch, ist nicht persönliches Gegenüber. Er ist ein Es. Versicherungsbetrug ist moralisch viel unbedenklicher als Betrug eines anderen Menschen. Und wenn die Bedingungen nicht ganz stimmen, dann wird gemauschelt und interpretiert, bis sie stimmen. Hoffentlich merkt es nur keiner.
Den Staat um Geld zu prellen, als Subvention, als Sozialhilfe oder als Steuerhinterziehung ist ein Kavaliersdelikt, kein Betrug. Er ist zumindest in dieser Beziehung ein „Es“, auch wenn wir ihn männlich bezeichnen. Einem Mitmenschen etwas wegzunehmen empfinden wir klar als Betrug.
Das Dritte stellt nun den Wunsch an meinen nicht mehr sichtbaren Mitmenschen. Das Dritte ist ja keine Person, kein Mensch. Mein nicht mehr mir direkt gegenüber Mitmensch fragt sich, was will das Dritte eigentlich? Eine Organisation, eine virtuelle Grösse, eine Versicherung, ein Staat, wollen plötzlich etwas von mir. Was für ein Recht dazu hat diese Organisation eigentlich? Da aber greift, dass ich und der Mitmensch im gleichen Boot sitzen. Denn wir sind beide versichert (vielleicht sogar noch bei der gleichen Versicherung, sehr wahrscheinlich aber im gleichen Staat). Der Anspruch des Anderen wird jetzt von einem Dritten gestellt. So kann er mich nicht mehr als Wünschenden identifizieren und ich ihn nicht mehr als Leistenden. Den Wunsch (nach Beiträgen oder Steuern oder Gebühren) äussert ja das Dritte und die Leistung erbringt der andere ja an das Dritte. Wir Menschen sind einander los, entfremdet, unsichtbar.
Für beide eine wunderbare Win-Win-Lösung, nicht wahr? Das Dritte wird aber zunehmend als Es mit Wünschen überhäuft und die Preise sind eigentlich zu hoch. Daran muss man doch drehen können? Kann man auch, denn die juristische Person, die Organisation, das Es nehmen wir Menschen nicht als betrogenen Partner oder als betrogenen Mitmenschen wahr. Da muss man schon im Dreieck denken können und das können Frauen schwer und Männer wollen es nicht.
Also muss das Dritte Schulden machen, damit die Preise sinken und die Leistungen steigen. Wie aber kann man Schulden machen? Einen Vierten gibt es nicht. Oder doch? Tatsächlich. Auch der ist schon erfunden. Wir haben es gar nicht gemerkt. Der Vierte war so einfach da. Er mochte sich gar nicht wehren. Denn Geld verleihen zeigt den eigenen Grossmut und Zinsen bringt es in der Regel auch noch. Das Prinzip ist noch viel genialer und einfacher als das Dreiecksprinzip. In sehr vielen Fällen schlüpfen die Personen 1 und 2 auch gleich noch in die Rolle von 4. Erst wird dem Staat kostengünstig Leistung abgetrotzt und hinterher wird ihm auch noch Geld geliehen mit Zinsen.
Versicherungen ohne Staatsbezug lassen sich nicht so einfach betrügen (die tun es über die Beiträge eher umgekehrt); staatsabhängige Versicherungen sehr wohl. Mit Versicherungen lässt sich aber von Staats wegen gerne den Bürgern etwas schenken, was man ihnen auf Umwegen aus der anderen Tasche entwendet hat. Deshalb ist der Staat (eigentlich gibt es den ja nicht, sondern nur seine Bürger und die Legislative-Vertreter und Exekutive-Vertreter) so sehr an Versicherungen interessiert.
Der Staat und seine nachgeordneten Strukturen fungieren seit der Mitte des letzten Jahrhunderts in grossem Masse als Goldesel (wie im Märchen). Das Dumme ist, wir leben nicht im Märchen, wir leben in der Realität. In der Realität muss aber jeder Euro, jeder Franken verdient und erarbeitet werden, von wem auch immer. Sonst verändert sich das Gleichgewicht zwischen dem Geldwert und dem Wert der Dinge mit Bezug zum Menschen.
Da aber der Staat eine Funktion von uns Staatsbürgern ist, betrügen wir uns selbst. Das wäre moralisch ja auch völlig in Ordnung. Warum sollen wir uns nicht selbst betrügen? In dem wir uns betrügen, betrügen wir aber alle anderen Staatsbürger mit. Da wir das aber in der grossen Volksmasse tun und nicht allein, fühlen wir uns weder schuldig, noch betrogen, sondern einfach wohl, solange unsere Gefühle dabei positiv sind und wir nicht nachdenken.
Solange eine Generation das unter sich ausmacht, könnten wir ja noch sagen, das sei gemeinschaftlicher Selbstbetrug. Was ist daran schlimm? Ist ja nur Selbstbetrug.
Irgendetwas scheint aber in unseren gemeinschaftlichen Köpfen nicht zu stimmen. Als 2008 die Finanzkrise kam, war allen klar, dass die Kreditwirtschaft zwar wirtschaftlich notwendig ist, dass ihr Einfluss aber zurückgefahren werden müsste. Die Schulden müssen reduziert werden. Heute, 12 Jahre später, hören wir, dass die Verschuldung rund um den Erdball etwa auf das Doppelte gewachsen sei. Natürlich ist keiner Schuld. Es ist einfach so geworden, keiner weiss warum, keiner stört sich wirklich dran, keiner kann etwas ändern, selbst unsere Macher in den höchsten politischen Ämtern nicht.
Jetzt kommt die Corona-Krise. Vielen Kleinen und Grossen geht das Geld aus. Gott sei Dank haben wir Macher in der Politik, die gleich den grossen Geldhahn aufdrehen. Ach, schau an, da haben wir so viel Geld erarbeitet und die Staaten haben es auf die hohe Kante gelegt, um es im Notfall als Reserve zu haben? Davon hatte ich doch bisher gar nichts gehört? Ach so, der Dukatenscheisser scheisst schon wieder eine Menge von Dukaten, die völlig unvorstellbar ist? Politiker überbieten sich mit den astronomischen Zahlen. Nachdem nach der Finanzkrise die Notenbanken bereits die Werte (Immobilien, Aktien und andere Wertpapiere) in die Inflation getrieben hatten (Die verantwortlichen Politiker konnten es nur nicht merken, weil diese nicht mit im Warenkorb zur Berechnung der Inflation enthalten waren), werden sie nun ganz schnell unsere Gebrauchsgüter und lebenserhaltenden Güter in die Inflation treiben. Und wir, das Volk, die Bürger, jubeln diesen Politikern zu? Können wir so dumm sein?
Seit dem zweiten Weltkrieg haben wir uns durch unseren Egoismus (sowohl in den Diktaturen, wo einer seinen oder wenige ihren Egoismus frönen können oder in den Demokratien, wo viele ihrem Egoismus frönen können) immer weiter in die Klemme von immer mehr Leistung haben wollen, aber immer weniger dafür Leistung erbringen wollen, verfahren. Wir befinden uns in der Sackgasse. Keiner merkt es! Oder?
Seien wir sehr vorsichtig! Die Politiker mit ihren grossen Hilfen bieten uns jetzt grosszügigst Geld an, dass sie uns und unseren Kindern später mit Zinsen aus der Tasche ziehen müssen oder dass uns den Crash verursacht. Die Politiker haben da keine andere Wahl. Wie oft wollen wir uns denn noch selbst hinters Licht führen?
Ich bin ein fieser Mann. Wie viele Menschen habe ich in den letzten drei Wochen in meiner Praxis gehabt. Jeder sucht nach einem Ausweg, wie er die ihn betreffenden Kosten der Coronafolgen entweder einer Versicherung oder dem Staat aufbürden kann. Neuerdings bekomme ich von Versicherungen Rundschreiben, die davor warnen, das zu tun, denn von den Versicherungsbedingungen und Gesetzen her fühlt sich keine Versicherung für die Schäden zuständig. Das sei dann Betrug! Jeder ist jetzt hilfsbereit? Von einzelnem Menschen zu einzelnem Menschen vielleicht? Ich fürchte, wir werden in Kürze erbitterte Kämpfe erleben, die Kosten für die Coronakrise möglichst auf Andere abzuwälzen und die Es-Strukturen sind dafür bestens geeignet. Achten Sie mal drauf.
Wir Nachkriegsgenerationen haben uns mit Wucht und Wonne dem Genuss, dem Wohlsein hingegeben. Wir dachten, das wäre die Realität. Wahrscheinlich stimmt das gar nicht? Realität ist viel mehr, nämlich auch die Minusseite? Nach dem grossen Krieg gingen alle davon aus, dass nun das grosse Haben, die bessere Welt, der Genuss käme. Den hatten wir ja auch. Die andere Seite, die Minusseite haben wir in unserem Selbstbetrug in einen riesigen Schuldenberg verdrängt. Nun versucht jede Generation, das grosse angewachsene Minus nicht selbst aufarbeiten zu müssen und verschiebt es auf die Generation nach ihr. Akteure wie Herr Draghi bekommen nach dem Ende ihrer Amtszeit sogar noch einen Orden dafür. Die erforderlichen Mittel dazu werden immer grösser, astronomisch.
Ich weiss nicht, ob Sie mal miterlebt haben, wie man bankrott geht. Immer mehr muss derjenige versuchen, Kosten auf Andere abzuwälzen oder gar nicht zu bezahlen. Die Darlehenssummen steigen immer weiter. Bankrott ist man nicht erst, wenn die Bankrotterklärung kommt. Bankrott ist man an dem Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt. Diese Grenze ist viel früher und wird meist unbemerkt überschritten. Alles, was danach kommt, ist im Grunde nur noch Verschleierung, Selbstbetrug, das, was hinterher als Insolvenzverzögerung noch die Gerichte beschäftigt. Könnte es sein, dass wir schon hinter dieser unsichtbaren Grenze sind?
Das ist doch im Reich der Lebewesen vermutlich wirklich einzigartig? Findet sich da ein ähnliches Beispiel? Wir bekämpfen und brandmarken die Kinderarbeit in den ärmeren Ländern, aber was wir für Arbeit unseren eigenen Kindern aufbürden (falls es nicht doch schon eher zum Crash kommt und uns betrifft), das nehmen wir gar nicht wahr? Wenn das kein Selbstbetrug und damit Betrug der jungen oder noch gar nicht geborenen Generationen ist, was ist dann Betrug?
Es scheint so, als wären wir gar nicht in der Lage, uns selbst zu ändern, oder?

Urteilen

Urteilen

Wir leben heute in einer Informationsgesellschaft. Immer und überall sollen uns und anderen Daten zur Verfügung stehen, damit wir uns rasch ein Urteil bilden können, eine eigene Meinung entwickeln. Ist das überhaupt sinnvoll?
Wir sind jetzt in der misslichen Lage, plötzlich mit einer ganz neuen Situation konfrontiert zu sein. Es hat sich ein neues Virus entwickelt und es verbreitet sich in der Welt. Wir Menschen werden wohl sinnvollerweise darauf reagieren. Aber wir kennen es noch gar nicht. Es ist neu.
Das bedeutet, es ist neu. Keiner kennt es bisher. Keiner kann verlässliche, begründete Aussagen dazu treffen. Es gibt einige Wissenschaftler, die andere Corona-Epidemien mitgemacht und analysiert und darauf reagiert haben. Man kann in gleicher Weise oder ähnlich handeln, je nach dem, was man damals im Umgang mit der Epidemie als sinnvoll erkannt hat. Ob das für dieses Virus auch gilt, weiss kein Mensch. Es ist neu.
Wenn wir lesen und hören, wer jetzt alles etwas zu der Epidemie zu sagen hat, dann reiben wir uns die Augen. Da gibt es natürlich einige Wissenschaftler, die die frischen Erkenntnisse in aktuelle Verhaltensweisen ummünzen möchten und müssen und das immer wieder aktuell tun. Verantwortung tragende Personen in Regierungen und in der Wirtschaft müssen Entscheidungen fällen, nicht wissend, ob sie angemessen sind oder nicht. Man kann es derzeit einfach nicht beurteilen. Da lesen wir aber schon in den Medien, was alles angemessen und unangemessen sei, was richtig und was falsch sei. Der eine hat diese Meinung, der Andere eine andere. Über die Wissenschaftler und damit befassten Politiker haben wir bereits eine Meinung, ein Urteil. Die Lage wird beurteilt, jeden Tag neu und wird kommentiert.
Können wir uns angesichts der Situation überhaupt ein Urteil bilden? Die wenigen Informationen sind Zeugenberichte, Erkenntnisse von Wissenschaftlern und Entscheidungen von Politikern. Jedes Urteil, dass wir uns heute darüber bilden, kann nur ein Vorurteil sein, denn verlässliche Daten liegen ja gar nicht vor, können es auch gar nicht. Der Haken ist nämlich, dass Frauen sehr gerne sehr schnell mit Vorurteilen auf Grund irgendwelcher Gefühle (jetzt meist Angst oder Unsicherheit) daher kommen und sie lange nicht wieder los werden, weil sich die Gefühle nicht so schnell ändern. Männer aber haben hinterher das Problem, dass sie ihr Vorurteil nicht einfach so schnell widerrufen oder ändern können. Sonst gelten sie als Wendehälse, heute so und morgen so, nicht souverän, nicht professionell, nicht verlässlich.
Warum haben dann so viele Menschen, Frauen und Männer, Journalisten, offizielle Kommentatoren und solche, die es gerne wären oder meinen, es zu sein und in den (un-)sozialen Netzwerken Aktive ihre Meinungen, Kommentare, also Vorurteile kund zu tun? Müssen wir die lesen? Selbst in der NZZ fand ich solche.
Wie wäre es, wenn wir unsere intuitive Art, immer rasch zu urteilen und sich eine Meinung zu bilden, bremsen würden? Sind Urteile lebensnotwendig? In den meisten Fällen, nicht nur beim Thema Corona-Virus, stehen uns doch gar nicht alle Informationen zur Verfügung. Wir urteilen in der Regel auf der Basis einer mehr oder weniger unsicheren und einseitigen Informationslage. Das ist die beste Voraussetzung, sich Vorurteile zu bilden statt durchdachter und gut informierter Urteile. Vielleicht ist letzteres sogar gar nicht möglich?
Dabei sind wir doch heute so dabei, alle Vorurteile zu verteufeln, anzuprangern, als böse zu brandmarken und die Menschen, die sie kundtun gleich mit. Dabei muss doch auffallen, dass wir alle in dieser Hinsicht offenkundig und brutal doppelmoralisch leben. Die Vorurteile der Anderen brandmarken wir aufs schärfste und drohen mit den schlimmsten Konsequenzen und erwarten, dass sich die Anderen ändern. Selbst aber sind wir völlig selbstverständlich dabei, uns möglichst schnell zu jedem Thema Vorurteile zu bilden, deren Realitätsnähe wir gar nicht beurteilen können.
Würde es uns vielleicht viel besser zu Gesicht stehen, uns unserer vielen Vorurteile, denen wir anhängen, bewusst zu werden? Vorurteile sind schwer wieder zu entfernen und durch durchdachte Urteile auszutauschen. Meist hindert uns unsere Intuition, also der Schatten, über den wir selbst nicht springen können oder wollen, daran. Wir merken es nur gar nicht. Wir leben in einer eklatanten und dauerhaften Selbsttäuschung.

Aus Geschichte lernen

Aus der Geschichte lernen?

Wollen wir einmal zusammen aus der Geschichte lernen? Wir wagen es erst einmal nur in Gedanken, nicht gleich in der Realität. Dann kann nicht so viel schief gehen.

Toleranz! Toleranz ist etwas, was wir unbedingt brauchen. Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass mehr Toleranz in unserer Welt geübt wird. Da sind wir uns doch einig?
Wie wurde das bisher versucht, mehr Toleranz zu erzeugen? Es gibt viele Beispiele für Ausübung von Druck, von Regeln und Gesetzen. „Seien Sie gefälligst toleranter!“ Was hat es bisher genützt? Da stimme ich Ihnen zu, fast nichts.
Jetzt könnten wir uns fragen und natürlich auch viele Beispiele in der Geschichte anschauen, wie Menschen versuchten, Andere zu mehr Toleranz zu bewegen. Vielleicht finden wir noch irgendwelche Kniffe oder Tricks, wie es besser ginge. Viele Generationen vor uns werden das auch schon so gemacht haben. Da sind wir sicher nicht die ersten. Geändert hat es nichts. Reihen wir uns ein in die Reihe der Erfolglosen.
Könnte die Art und Weise, wie bisher versucht wurde, mehr Toleranz zu erreichen, einen Haken haben, warum es kaum zu mehr Toleranz kam? Das wäre eine Idee. Dann müssten wir also die Geschichte befragen, ob bisher clever gehandelt wurde. Gibt es andere Möglichkeiten?
Dabei bin ich darauf gestossen, dass wer andere zu Toleranz bringen oder gar zu Toleranz zwingen will, sich immer selbst in eine Position bringt, in der er selbst keine Toleranz übt. Dem gegenüber, den wir für zu wenig tolerant halten, sind wir intolerant gegenüber. Das merkt der Andere natürlich. Wir messen jetzt mit zweierlei Mass, spielen mit Doppelmoral. Er soll tolerant werden, ich aber bin es nicht und halte das auch noch für richtig. Erfolgswahrscheinlichkeit? Nahe 0. Er müsste schon sehr dumm sein.
Frieden! Frieden haben wir auch viel zu wenig auf dieser Erde und vor allem um uns herum wollen wir Frieden. Also kämpfen wir für und um den Frieden.
Schauen wir in die Vergangenheit. Wir brauchen gar nicht weit zu gehen. Kämpfe um oder für den Frieden hatten wir in den letzten Jahren in Hülle und Fülle. Wie waren die Erfolge? Spärlich und wo Frieden geschlossen wurde, wurde nicht selten schon der Keim für den nächsten Krieg gelegt, denn jedes Mal werden andere benachteiligt, besiegt, von starkem Leid betroffen. Die müssen natürlich wieder für ihre Freiheit, ihr Recht und ihren Frieden kämpfen.
Könnte der Kampf um den Frieden einen Haken haben? Im Kampf um den Frieden wird man selbst zur Kriegspartei. Im Kampf um den Frieden entstehen neue Benachteiligungen anderer, wenn nicht Schlimmeres. Die werden wieder um ihre Rechte und Wiedergutmachung kämpfen, seien es die Gegner oder Dritte. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Kampf Frieden stiften ist zwar nicht völlig 0, aber doch recht nahe bei 0. Zu empfehlen ist dieser Weg offenbar nicht. Wer um des Friedens willen kämpft, beweist seine Doppelmoral. Vergessen wir es. Also spielen wir doch gar nicht erst den Gutmenschen, kämpfen in Zukunft nicht mehr für den Frieden, sondern gleich um unsere Rechte und unser Wohlergehen. Dann geht es wenigstens uns gut, wenn wir schon den anderen keinen Frieden erkämpfen können.

Wollten wir in beiden Fällen die Doppelmoral und schliesslich das Aufgeben umgehen, gäbe es einen Weg:
Toleranz kann man nicht erzwingen und auch nicht von aussen erzeugen. Tolerant kann man nur selbst werden und sein. Toleranz kann man üben, erst, um darin erfolgreicher zu werden (im Sinne von üben), dann in der Anwendung (damit sie den Anderen auch erreicht).
Frieden kann man stiften. Ich kämpfe nicht, sondern gehe auf die Wünsche, Forderungen, Ängste, Bedürfnisse des Anderen ein und ich selbst verzichte.

Der Beispiele für diese beiden Wege sind noch nicht viele. Ob dieser Weg möglich ist, muss sich in der Realität noch erweisen.
Aus der Geschichte lernen sollen ja immer die Anderen. Die sollen sich ändern. Wir selbst liegen mit unseren Ansichten und unserem Handeln doch richtig, oder? Vielleicht ist das eine menschliche Struktur? Wir können uns gar nicht relevant ändern? Deshalb sollen es immer die Anderen? Nur die können es auch nicht und denken und handeln deshalb umgekehrt genauso? Sie sind ja auch Menschen.
Was wir wohl auch anerkennen müssen: Der Zweck heiligt nicht die Mittel, sondern fast ohne Ausnahme ist es umgekehrt. Wir haben nur nicht genug nachgedacht.
Was nun?

Fake-Begriffe

Fake-Begriffe (21.11.2019)

Nachtrag zum Pneumo-Update 2019

Führende deutschsprachige Pneumologen informierten über die neuesten Entwicklungen in unserem Fachgebiet. Die Veranstaltungen waren sehr informativ, hoch interessant und praxisrelevant.

Einige Dinge am Rande, die mir auffielen:

Vorgestellt wurde uns ein Roboter, der neuerdings bei Operationen an der Lunge eingesetzt wird. Es wurden Bilder gezeigt und die Funktionsweise erklärt. Da gibt es also eine Art von kleinstem Bagger mit vielen kleinen, sehr fein und in viele Richtungen erstaunlich gut beweglichen Armen, die nach dem Anlegen der kleinen Hautschnitte in den Brustkorb eingeführt werden und dort die erforderlichen Handlungen sehr sauber und detailliert ausführen. Doch dann kam der Hit: Der Chirurg sitzt nicht etwa nebenan in der Cafeteria und trinkt Kaffee während sein Roboter selbstgesteuert die Operation ausführt und hinterher schlägt ihm der Chirurg auf die Schulter «Hast Du gut gemacht!». Nein, der Chirurg setzt sich an den kleinen Bagger und führt mit seinen Händen und Fingern die kleinen Hebel wie einen Joystick und muss sich hoch konzentrieren, alle Bewegungen über die Bowdenzüge oder über die drahtlose Übertragung aus dem Nebenraum (was auch möglich ist), präzise zu führen. Also ein Roboter mit menschlichem Kopf? Keinerlei Selbstständigkeit der Maschine, eigentlich nur hoch präzises Werkzeug. Das Können und die Geschicklichkeit des Operateurs entscheiden alles.
Auch das andere Operationssystem, Da Vinci für die Urologie oder andere Fächer, das gerne als Roboter verkauft wird, ist kein Roboter, sondern nur ein sehr hoch spezialisiertes Werkzeug ähnlicher Bauart, dass der Operateur zu 100 % bedienen muss.
Wenn wir heute Bauarbeitern zuschauen, die ihren Bagger, der über viel Hydraulik und Hebel seine Arme bewegt, steuern, dann ist das etwas einfacher, aber das gleiche Prinzip und kein Mensch kommt auf die Idee, an einen Roboter zu denken.
Roboter? Wer übertreibt, redet anschaulich, aber wissenschaftlich ist das nicht. Werden und bleiben wir kritisch!
Neuerdings bekommen wir neue Medizin, Injektionslösungen oder Tabletten, die uns als „personalisierte Medizin“ verkauft werden. Die Medikamente sind auf spezielle chemisch-physikalische Strukturen im Körper gerichtet und damit oft nur noch für relativ wenige Patienten einsetzbar. Persönlich auf Sie als Patienten zugeschnitten ist diese Medizin jedoch nicht. Sie wird an einer Gruppe von Patienten getestet. Sonst würde keine Zulassungsbehörde heute solche Medikamente zulassen. Sie werden an einer kleinen Gruppe von Patienten mit gleichem Krankheitsmechanismus angewendet, aber immer noch möglichst in grossen Gruppen, denn sonst würde solch ein Medikament gar nicht seine Entwicklungs- und Vertriebskosten wieder hereinbringen. Irgendjemand muss ja immer bezahlen, entweder die Versicherten oder die Hersteller oder der Steuerzahler oder ein Spender.
Es stimmt, die Therapie ist oft sehr gut wirksam, sehr wertvoll, hoch spezialisiert, aber keinesfalls personalisiert. Wer übertreibt, redet anschaulich, aber wissenschaftlich korrekt? Nicht jede Männerfantasie ist auch schon gleich Realität!
Immer wieder möchten unsere Patienten die Ursache der Erkrankung behoben haben, in der Erwartung, dann die Krankheit vollständig eliminiert zu haben. Wenn wir ein bisschen nachdenken und uns mit der Materie beschäftigen, dann fällt auf, dass wer glaubt, Krankheiten ursächlich zu behandeln, fast immer nur zu früh aufgehört hat, «Warum» zu fragen. Wir denken sehr, sehr oberflächlich. Schon seit Jahren wird die Hyposensibilisierung gegen Atemwegsallergien und einige andere Allergien angeboten mit dem Hinweis, das sei eine kausale Therapie. Sie führt aber nur zu einer Toleranzentwicklung durch Veränderung der Immunantwort im Körper. Ursache behandelt? Man muss schon sehr oberflächlich denken, wenn man das glauben will.
Wer übertreibt redet anschaulich, aber wissenschaftlich …? Nur wer nachdenkt und kritisch fragt, findet Fake-Behauptungen, auch wenn sie aus berufenem Munde oder berufener Hand stammen.
Heute reden viele Menschen von «künstlicher Intelligenz«. Es gibt Maschinen, die auf Grund der Tatsache, dass sie viele Sensoren haben, einen programmierten Computer und mehr oder weniger einfache Werkzeuge, gewisse Handlungen selbstgesteuert durchführen können und im Stande sind, durch Lernen, ihre vom Menschen vorprogrammierten Programme der Realität besser anzupassen. Wenn wir über Intelligenz nachdenken, stellen wir recht schnell fest, dass die Definition schwierig wird. Schon bei menschlicher Intelligenz ist es schwierig. Heisst «Zum Lernen fähig sein» schon «Intelligenz»? Dann wäre jeder Schüler intelligent, der von seiner Umwelt gelernt hat, dass er sich gegen alle Menschen und Dinge, die nicht seinem Wohlbefinden dienen, durchsetzen muss, sie bekämpfen oder eliminieren muss. Wenn wir solche Menschen beobachten, kann man die gleichen Eigenschaften oder Handlungsmöglichkeiten einerseits als intelligent bezeichnen, von der anderen Seite betrachtet, nicht selten als (selbst-)mörderisch oder dumm.
Es wäre ja nicht schlecht, wenn diese Informatiker, Wissenschaftler und Techniker erst einmal das menschliche Hirn zur Intelligenz führen würden. Ob Maschinen wirklich intelligent werden können, ist doch sehr fragwürdig. Zweifelslos werden aber die Informationsverarbeitungssysteme zunehmend dazu führen, dass die menschliche Intelligenz immer weiter verkümmert und schliesslich unauffindbar wird. Sind das denn noch Menschen? Schon heute ist ein grosser Teil der jüngeren Generation weit fortgeschritten auf diesem Weg. Zum Lernen fähig sein heisst noch lange nicht, intelligent sein. Aber eine Voraussetzung für Intelligenz wird Lernfähigkeit sicher sein.
Wann ist denn ein Mensch intelligent? Wann denkt ein Mensch wirklich nach (und nicht nur einfach in seinen Ego-Nervenbahnen vor sich hin)?
Nun könnten wir uns natürlich aufregen und fragen „Welcher Wissenschaftler, welcher Arzt, welcher sich selbst für schlau haltende Mensch führt uns denn so hinter das Licht? Das ist bewusste Irreführung, Falschdarstellung usw. Aufregen können wir uns ja immer schnell. Aber nutzen wir nicht alle diese Methode und jeden Tag immer wieder: „Wer übertreibt, redet anschaulich!“? Müssen wir das nicht bei unserer Kommunikation immer in Rechnung stellen: Wir sagen nicht genau das, was wir meinen, sondern reden mit gewissen Absichten, haben Gefühle, die unsere Ausdrucksweise verändern und können ironisch manchmal sogar genau das Gegenteil vom Gemeinten sagen? Der oder die Andere, mein Gegenüber, tut es sehr wahrscheinlich gar nicht anders? Wenn wir also miteinander kommunizieren und das gesagte oder geschriebene Wort, so wie wir es hören oder lesen intuitiv einfach übernehmen, dann können wir fast nur falsch liegen. Wir müssen also sehr viel aufmerksamer für einander werden und auch die nonverbale Kommunikation und die Nebeninformationen in den Informationen (auch die fehlenden) mit bedenken. Intuitiv wurde aber schon zu Beginn geurteilt (Nützt mir oder nicht, gefällt mir oder nicht, passt in meine Logik oder nicht). Das schnelle, intuitive Urteil ist aber in den allermeisten Fällen ein Vorurteil. Vorurteile sind in uns aber fester verankert als lange geprüfte Urteile.
Warum heute die ganze mediale Aufregung um Roboter in der Medizin? Es gibt sie (noch) gar nicht. Künstliche Intelligenz? Lassen Sie uns doch erst einmal darüber klar werden, was das ist, ehe wir uns darüber aufregen. Vielleicht wollen ja die Wissenschaftler, Techniker und Informatiker, die da wie besessen arbeiten, auch erst einmal (mit uns) darüber nachdenken, was sie da eigentlich tun? Viele Generationen vor uns haben schnell gehandelt und erst hinterher nachgedacht, wenn die Kriege vom Zaun gebrochen waren und nicht wieder eingedämmt werden konnten. Wir könnten doch heute aus der Geschichte lernen? Oder ist das womöglich gar nicht möglich?

Ausschnitt aus „Wie leben?“

Aus „Vorentscheidungen:“

Gleich zu Beginn möchte ich Sie warnen. Ich werde Sie in vielerlei Hinsicht enttäuschen. Ich halte das für einen genauso gewinnbringenden wie schmerzhaften und nervenaufreibenden Vorgang. Nachdenken führt zur „Ent-Täuschung“. Sie werden staunen. Das Leben ist vielfältig und komplex. Wir sind vielseitig und in alle Richtungen interessiert. Wir lassen auch unseren Gedanken freien Lauf. Dann laufen sie eben oft quer oder sogar gegen den Strom. Na und? Ich leiste mir das schon viele Jahre. Ich empfehle Ihnen: „Leisten Sie sich das auch!“ So wird Leben spannend.
Ein kleiner technischer Rat: Viele Menschen vor uns schrieben und nicht wenige Menschen neben uns schreiben Tagebuch. Das ist wie fotografieren. Sie können sich später besser erinnern als ohne. Aber es hilft Ihnen nur für die Erinnerung, für die Frage: Was habe ich erlebt. Späteren Lesern hilft es ein wenig, zu ergründen, was hat den Menschen (oder Künstler) zu dem gemacht, was er war?
Nein, schreiben Sie in Ihr Tagebuch nicht, was sie erlebt haben, sondern was sie gedacht haben, was Sie nachgedacht haben, was Sie erkannt haben und was Sie in der Folge eher als richtig oder eher als falsch betrachten würden und umgekehrt. Machen Sie sich Rubriken, fassen Sie bestimmte Themenbereiche zusammen und schreiben Sie so vorsortiert Ihre Gedanken auf. Später, wenn Sie wieder in die gleiche Rubrik schreiben wollen, lesen Sie das vorher Gedachte und ändern das Neue oder vervollständigen das Alte oder schreiben einen neuen Absatz, wenn es vorher noch nichts gab. Sie werden merken, dass sich Ihr Denken und Nachdenken entwickeln, dass Sie neue Erkenntnisse haben. Sie werden sich Ihres eigenen Bewusstseins bewusster, nicht aus Überheblichkeit, nicht wegen unbegründeten Selbstvertrauens, sondern weil Sie Zusammenhänge erfasst haben, weil Sie Für und Wider abgewogen haben, weil Sie auch die Rückseite der Medaille, die nur wenige wahrnehmen, mit bedacht haben.
Man kann Beobachtungen des Menschen in verschiedenen Formen darlegen: Als Krimi, als Roman, als Satire, als Komik, als Kabarett und vielen anderen. Die meisten dieser Formen haben gemeinsam, dass sie spannend, unterhaltsam und packend sind, weil sie unser Gefühl ansprechen. Dann sind wir gefühlsmässig, intuitiv dabei, aber unser Denkapparat, unser Nachdenken ist weitgehend ausgeschaltet. Solche ergreifenden Werke können Sie von vielen Künstlern der letzten 2 Jahrtausende lesen, sehen oder hören. Und die Intuition gibt uns an manchen Stellen ungeahnte Chancen des Verständnisses, z.B. in der Bindung der Geschlechter aneinander. Aber die Intuition blendet Vieles aus und richtet unser Augenmerk und unser Verständnis nur auf gewisse Teilbereiche des Lebens und andere Bereiche werden einfach nicht erreicht. Um dies alles zu vermeiden, wähle ich bewusst das Format einer gedanklichen, verstandesmässigen Auseinandersetzung, auch wenn mir damit klar ist, dass viele von Ihnen sich dieser Auseinandersetzung nicht werden stellen wollen, dass Ihnen das zu langweilig ist und eben vor allem Frauen viel zu gefühlsarm. Allerdings werden Sie merken, dass es mir leider nicht immer gelingt, die Emotionen beim Denken völlig abzuschalten. Dazu bin ich zu leidenschaftlicher Nachdenker und einfach zu sehr physischer Mensch. Ich bin ein Bengel, kein Engel und auch kein abgehobener Führer. Ich lade Sie ein, mit mir nachzudenken. Sie dürfen auch vorauseilen oder abschweifen, wenden, zurückgehen, wieder dazustossen, schlafen gehen, wütend werden, was Sie wollen. Ich wünsche Ihnen alle Freiheit im Nachdenken.
Weiss jemand, der sagt „Das habe ich immer schon gesagt!“, was er da sagt? Sollen wir ihm glauben, dass er bis heute nicht schlauer geworden ist, als er damals schon war? Das wäre schlimm. Dann hoffen wir, dass er kein Amt bekleidet und nicht viel Einfluss hat. Oder war er damals schon so schlau wie heute? Alle Achtung! Wir gratulieren! Aber sollen wir ihm das so glauben? In all den Jahren keine Veränderung? Wollen wir da nicht lieber erst Fragen stellen? Also, machen wir die Klappe zu und Augen, Ohren und alle Sinne auf!
Setzen wir uns hin, Beine hoch, ein Glas Wein in der Hand, schliessen die Augen und überlegen: Was tun wir hier eigentlich? Ich werde Sie mitnehmen auf eine Reise. Bleiben Sie ruhig sitzen. Ihre hoffentlich bequeme Sitzgelegenheit ist eine gute Position zum Fliegen, zum Beobachten und zum Wahrnehmen.
Im weitesten Sinne beschäftigen wir uns jetzt mit Biologie, im etwas engeren Sinne mit der Tierwelt. Wir beobachten den Menschen, Frau und Mann, passive, konsumierende Menschen und aktive, bestimmende, verändernde Menschen. Wir betrachten den Menschen möglichst unvoreingenommen, ohne Methodik (obwohl ja auch das wieder eine Methode ist), nicht im wissenschaftlichen Sinne. Wir verzichten bewusst auf Fragebögen, Statistiken und Einschluss- und Ausschlusskriterien. Wir bleiben unwissenschaftlich, aber nah dran, vielleicht so wie Alexander von Humboldt oder andere, die zu ihrer Zeit mit offenen Augen durch die Welt reisten und eine Entdeckung nach der anderen machten. Sie dachten darüber nach, fixierten das Entdeckte in Bildern und brachten Beschreibungen zu Papier.
Sie schlossen nichts aus (wie Ausschlusskriterien in der Medizin). Sie bauten keine abstrakten Denk- und Beurteilungssysteme. Sie entdeckten das Leben in seinen vielen und reichen Facetten. Wir nun betrachten einen kleinen Ausschnitt, an bestimmten Stellen auch grössere Zusammenhänge.
Wenn Sie mögen, weiter geht es hinter dem Impressum.
Wenn Sie mir einen Wunsch frei geben, dann würde ich wünschen, dass Sie zuerst die Kapitel 1 bis 3 lesen. Sie stellen nämlich eine Basis dar für das Verständnis für später. Die weiteren Kapitel sind sozusagen die Wände auf der Grundplatte des Hauses. Und wenn Sie einzelne Sätze aus dem Zusammenhang reissen, werden Sie oft genau das Gegenteil herauslesen als der Zusammenhang ergibt. Nachdenken ist nicht einfach so dahinlesen wie in einem Roman oder Einzelteile herauspicken.
Eigentlich lesen Sie hier ein Buch. Ich hatte das Manuskript auch schon einigen Verlagen angeboten. Aber Sie haben hier ein lebendes Buch vor sich. Es ist noch nicht oder vielleicht auch nie fertig. Laufend ändere ich den Text, wo ich merke, dass die Realität anders gedeutet werden muss als ich es bisher tat. Am Datum hinter der Überschrift des jeweiligen Kapitels sehen Sie, wann die letzte Änderung in diesem Kapitel erfolgte. Die Verlage konnten damit nichts anfangen. Sie brauchen erstarrte, gestorbene, zu Ende geschriebene Manuskripte, an denen eben nichts mehr geändert wird (allenfalls gibt es später eine neue Auflage). Diese Bücher werden mit dem Tag der Manuskriptabgabe Vergangenheit. Hier vereinigen sich Vergangenheit und Gegenwart, manchmal sogar ein klein wenig mit Zukunft. Herzlich willkommen!
Wenn Sie im Inhaltsverzeichnis von „Wie leben?“ auf eine Überschrift mit einer Zahl am Anfang clicken, kommen Sie direkt an diese Stelle im Text und können Sie dort lesen.
Sollten Sie auf die Idee kommen und diese Texte oder Teile davon in Ihre Muttersprache übersetzen wollen, möchte ich Sie bitten, zunächst über diesen Wunsch einige Zeit nachzudenken und sich dann bei mir zu melden. Eine andere Sprache bedingt ja auch eine andere Kultur. Es wäre nicht mit dem einfachen Übersetzen getan. Es würde eine kulturelle Übertragung notwendig. Lebende Bücher und noch dazu anthropologisch-philosophische Texte kann man nicht einfach so übersetzen, ohne den Inhalt und Sinn zu verändern. Grundsätzlich würde ich das aber als eine sehr wünschenswerte Befruchtung auffassen.

Was ist Asthma?

Hintergründe zu einer nachträglichen eingehenderen Gutachtenbegründung (01/2018)

Sehr geehrte Damen und Herren

Sie haben mich nach einer eingehenden Begründung für meine Einschätzung gefragt (siehe Beitrag: Arbeitsfähigkeit mit schwerem Asthma). Warum komme ich zu anderen Ergebnissen als die Behandler in den Vorjahren? Dazu bitte ich Sie, mir zu erlauben, dass ich ein bisschen weiter aushole und dass ich ein bisschen grundsätzlicher beginne. Denn die Grundlagen sind sehr wichtig zum Verständnis, warum das Beurteilen von Menschen mit der Krankheit Asthma so schwierig ist und warum es insbesondere im hier vorliegenden Fall zu so unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.
Erstens ist Asthma eine hochaktive Erkrankung, ganz im Gegensatz zu den vielen narbigen Zuständen nach Operationen, nach Unfällen, nach Ereignissen in deren Folge eine Abheilung mit einem Defektzustand entsteht, der dann für den Rest des Lebens so bestehen bleibt und von daher ein für alle Mal begutachtet werden kann und dann unverändert bleibt. Diese Zustände sind messtechnisch meist gut in Grade einzuteilen und in der Folge angemessen zu entschädigen.
Zweitens lesen wir in wissenschaftlichen Abhandlungen über Asthma in den meisten Fällen bereits im ersten Satz, dass es sich um eine entzündliche Erkrankung handelt. Danach kommt dann eine lange Erklärung über die Verengung der Bronchien, Messtechniken, messbaren Kriterien etc. Was aber unisono nicht folgt, ist der Versuch, die Entzündung zu verstehen und deren Folgen für die Beschwerden und das Leben des Patienten zu ergründen. Wir lesen über eosinophile und granulozytäre Entzündung, über Mediatoren etc. als Pathomechanismen. Aber wir verstehen nicht, welche differenzierenden Auswirkungen das im täglichen Leben der Patienten hat. In geringem Masse können wir in der Wahl der Therapie auf die bekannten Unterschiede eingehen.
Drittens ist an dieser Stelle gleich auch noch festzuhalten, dass in solchen Abhandlungen immer wieder darauf hingewiesen wird, dass die Klinik und die Beschwerden des Patienten das Mass für die Diagnose, den Schweregrad und die Therapieindikation sind (und im Grunde müssen wir das auch für die Massstäbe in der Begutachtung übernehmen) und nicht irgendwelche Messergebnisse.
Wir behandeln und begutachten Menschen und nicht Messergebnisse. An diese Prämissen halten wir medizinischen Therapeuten und Gutachter uns jedoch in aller Regel nicht. Wir richten uns nach Messergebnissen, gleich wie sicher oder unsicher sie das messen, was wir zu beurteilen wünschen.
Die pneumologische Wissenschaft hat eine Reihe von Messtechniken entwickelt, wie man die Verengung der Bronchien, Sauerstoff, Belastbarkeit etc. messen kann. Aber sie erfasst damit nur sehr eingeschränkt oder nicht die Folgen der Entzündung. Sowieso wäre es mal sehr nachdenkenswert, ob wir davon ausgehen dürfen, dass Messmethoden aus der (relativ einfach strukturierten) unbelebten Natur einfach zur Erforschung in die (sehr komplexe) belebte Natur (Biologie und Medizin) übertragen werden können und dass wir davon ausgehen können, dass die Ergebnisse wirklichkeitsgetreue Nachbildungen sind.
Die Entzündung der Schleimhaut in den Atemwegen (und die Atemwege reichen in dieser Hinsicht oft von den Bindehäuten der Augen bis zu den Lungenbläschen) macht die Schleimhäute mehr oder weniger empfindlich auf äussere und innere Reize. Diese Empfindlichkeit führt dazu, dass Asthmatiker ein viel feinfühligeres Leben führen, nicht im Sinne von feinen Gefühlen oder mehr Aufmerksamkeit oder mehr Geselligkeit, sondern mehr in Form von Abhängigkeit von inhalativen Reizen, dem Wetter, Feuchtigkeit in der Luft, Düften, Stäuben, aber auch von Stress und psychischem Druck. Asthma verändert die Interaktion mit der Umwelt und die Reaktion auf äussere Einflüsse. Die pneumologische Wissenschaft versucht das mittels einer unspezifischen bronchialen Provokation zu messen. Bis zu einem gewissen Grad geht das auch, aber die Verlässlichkeit liegt nur allenfalls bei 80 bis 90 % und entgegen heutiger Leitlinien vor allem schliesst ein negativer Test ein Asthma nicht aus. Die Alternative der regelmässigen Peak-Flow-Messung hat den Nachteil, dass sie ohne ärztliche Kontrolle passiert, dass sie falsch zu niedrige Werte ergeben kann allein schon durch unzuverlässige Durchführung und dass sie Patienten unnötig auf ihre Erkrankung fixiert anstelle sie davon unabhängiger zu machen.
Das Ausmass dieser bronchialen Hyperreagibilität lässt sich viel besser, aber eben schwer in Form von Zahlen, erfassen, wenn man eine eingehende Befragung durchführt und die Patienten nach vielen Reaktionen ihres Körpers im täglichen Leben ausfragt. Und da die meisten Asthmatiker viele ihrer körperlichen Reaktionsweisen gar nicht mit Asthma in Verbindung bringen, brauchen wir Ärzte uns auch gar nicht zu sorgen, dass sie uns etwas vormachen könnten, dass sie uns nur etwas erzählen, damit sie mehr Rente bekämen (oder andere Vergünstigungen). Die meisten Asthmatiker versuchen nämlich, ihre Erkrankung zu verstecken und sich damit irgendwie zu arrangieren und versuchen trotz der Einschränkung die gewünschte oder noch mehr Leistung zu erbringen, damit sie bloss als „Normal“ betrachtet werden. Es braucht also kriminalistisches Gespür genau in die entgegengesetzte Richtung, als wir Behandler und Gutachter gewohnt sind. Wir müssen uns nicht sorgen, dass Patienten übertreiben, sondern wir müssen gezielt Symptome erfragen.
Asthma verändert die Lebensweise und führt leider unbehandelt oder schlecht behandelt oft zu Trainingsmangel, sicher häufig auch zu Übergewicht.
Diese bronchiale Hyperreagibilität führt dazu, dass Wetter- und Klimaveränderungen mehr oder weniger stark wahrgenommen werden. Meistens spielt offenbar die Luftfeuchtigkeit eine grössere Rolle als die Temperatur. Bei -20°C und schönstem sonnigen Wetter können sich die meisten Asthmatiker sportlich bestens betätigen. Bei +40°C in Ägypten oder an vielen Stellen der Mittelmeerküste (nicht überall!) oder auf den kanarischen Inseln geht es Asthmatikern bestens. Kommen sie zurück, kann schon der Flug mit seiner Luftklimatisierung alles zunichte gemacht haben. Spätestens nach 2 Tagen hier ist alles wie vorher. Würden wir sie dort begutachten im dortigen Zustand, kämen wir zu völlig anderen Ergebnissen als hier. Kürzlich wurde die bronchiale Hyperreagibilität offiziell aus den Diagnosekriterien entfernt, da sie sowohl bei Asthma wie bei COPD vorkomme. Damit entfernt sich die pneumologische Wissenschaft natürlich weiter von der Realität.
Üblicherweise wird in der Pneumologie zur Diagnostik und Schweregradeinteilung die Lungenfunktionsmessung benutzt. Sie hat jedoch den sehr grossen Nachteil, dass sie nur den Zustand zum jeweiligen Messzeitpunkt und den zu diesem Zeitpunkt herrschenden äusseren Umständen wiedergibt. Zuhause, bei der Arbeit, nachts, beim Sport und unter anderen Umständen variieren die Messergebnisse zum Teil deutlich. Es gibt Patienten mit heftigem Husten und Atemnot und fast normaler Lungenfunktion und es gibt andere Erkrankungsverläufe, bei denen die Lungenfunktion deutlich schlechtere Werte aufweist, als die Beschwerden und als die Klinik erwarten lassen. Man darf dann nicht in die Falle gehen, anzunehmen, dass das immer so sein müsse und dass die Lungenfunktionswerte repräsentativ wären.
Nicht wenige Patienten passen sich der schlechteren Funktion an indem sie das Auto, den Lift und andere Hilfsmittel benutzen und ihren Aktionsradius ausserhalb der Wohnung stetig verkleinern und nur in der Ebene spazieren gehen. Sie merken dann gar nicht mehr, wie schlecht es ihnen eigentlich geht oder bei stärkerer Belastung gehen würde. Diese Verhaltensweise führt natürlich sekundär zu Trainingsmangel. Die Beurteilung von Asthma und seinen Schwergraden ist eine Kunst im Zusammensetzen vieler Puzzleteile und nicht einer Bestimmung einer Messung und dann tabellarischer Übernahme einer Renten-%-Zahl.
Sehr viele Asthmatiker spüren ein Fremdkörpergefühl im Hals, ein Schleimgefühl, auch wenn gar keiner heraus kommt. Sie interpretieren das als trockenen Mund oder trockenen Hals oder als Schleim, der doch herauskommen müsse. Ich denke inzwischen, dass diese Gefühle Ausdruck der Entzündung der Atemwegsschleimhäute sind (übrigens auch nicht Folge von Reflux, wie heute modehaft von vielen Medizinern angenommen wird). Diese Entzündung führt bei vielen Asthmatikern zu mehr oder weniger Dauerhusten, Hüsteln, morgendlichem Freihusten von Schleim und in schweren Fällen zu viel intensiverem, nicht unterdrückbarem Husten. Sie husten bei jeder Lebenssituation, in der es zu schnellerer Einatmung kommt und der Husten verstärkt sich je grösser die Differenz von physikalischem Luftzustand in den Bronchien und Alveolen zu dem der äusseren Luft ist, die gerade eingeatmet wird. Daher husten viele im Sommer eher etwas weniger und im Winter mehr.
Die Entzündung der Atemwegschleimhäute macht sie so empfindlich, dass viele beim Lachen husten müssen, dass sie beim Joggen in der feuchtkalten Jahreszeit Husten bekommen, Schmerz auf der Brust, Engegefühl in der Brust und schliesslich langsamer laufen müssen, weil sie kurzatmig werden oder sie müssen sogar eine Pause einlegen. Machen die gleichen Menschen diese Belastung im Fitness-Center auf dem Laufband, ist das gar kein oder ein kaum wahrgenommenes Problem. Sie können sich das Band sogar steiler stellen und besser laufen als draussen. Nicht die Belastung ist das Problem, sondern was Asthmatiker unter Belastung einatmen. (Das ist übrigens auch der Grund, warum eine Spiroergometrie bei Asthmatikern die Belastbarkeit nicht ausreichend genau beurteilen kann. Dort fehlt die Kombination von Belastung mit verschiedenen Konstellationen äusserer inhalativer Reize. Man müsste sozusagen die Spiroergometrie mit der unspezifischen bronchialen Provokation kombinieren!). Und auch diese Kombination würde nur zu etwa 90 % Sicherheit in der Beurteilung geben.
Viele Asthmatiker sind durch ihre Entzündung der Atemwegschleimhäute infektanfälliger. In den leichteren Fällen ist die inhalative Steroidtherapie an dieser Stelle sehr gut wirksam und wir können die Wirksamkeit der Therapie an der Anzahl, Dauer und Heftigkeit der bronchialen Infekte ablesen.
Die meisten Asthmatiker hyperventilieren, und zwar auch schon zu Zeiten, wo sie nur wenig Beschwerden haben und psychisch unauffällig sind und sie merken es nicht. Hyperventilation ist sehr oft ein Zeichen und nicht eine Differenzialdiagnose von Asthma. In medizinischen Berichten über Asthmatiker wird immer wieder von „psychischer Überlagerung“ berichtet. Dieser Begriff entbehrt jeder Definition, jeder pathologischer Entität oder Festlegung und beschreibt in aller Regel nur die Differenz zwischen den gemessenen Werten und dem Befinden des Patienten. Die Ärzte nehmen diese Differenz unbewusst war, können sie nicht erklären und machen dazu eine undefinierte Joker-Aussage. Sie meinen damit im Grunde: Der Patient verhält sich mit seiner Krankheit nicht entsprechend der medizinischen Definition und Gradeinteilung. Also ist er Schuld und verursacht diese Differenz irgendwie psychisch. Was der pneumologischen Medizin bisher weitgehend verborgen blieb, ist die Tatsache, dass die asthmatischen Beschwerden erheblichen Einfluss auf die Psyche haben, also somatopsychisch, nicht psychosomatisch sind!
Asthma ist eine in sehr vielen Fällen geerbte Erkrankung. Wir erfahren es oft nicht, weil unsere Vorfahren sich mit ihrer Erkrankung arrangiert haben und damit lebten. Für sie war es normal und daher für die Nachkommen auch. Unsere Erbanlagen haben wir vom ersten bis zum letzten Tag. Asthma ist primär eine rein somatische Erkrankung und hat mit der Psyche primär überhaupt nichts zu tun. Daher heilt ein Asthma nicht. Ein Asthmatiker ist immer Asthmatiker, auch wenn er jahrzehntelang unter Umständen gar keine Beschwerden hat oder zumindest nicht wahrnimmt. Diese Tatsache ist wichtig für unser Verständnis der Erkrankung und die Art der Therapie. Es gibt kein „Belastungsasthma“!!! Es gibt nur Asthmatiker, die immer Asthma haben, aber es nur unter bestimmten Belastungen merken und das wird auch oft nicht immer gleich sein. Asthma ist typischerweise eine sehr stark wechselhafte Erkrankung. Und gerade diese Unberechenbarkeit der Beschwerden führt bei nicht wenigen in der Folge zu Ängstlichkeit bis zu Panikattacken, Rückzug in symptomarme Lebensbereiche, Vermeiden bestimmter Umgebungen und Risiken. Asthma ist keine psychische Erkrankung, wo wir mit technischen Mitteln versuchen müssen, Objektivität in der Beurteilung herzustellen. Asthma ist eine rein somatische Erkrankung, die wir nur durch gutes Verstehenlernen angemessen beurteilen und handhaben können.
In den schweren Fällen (wie Herr X zweifellos einer ist) kommt noch eine nervöse Reaktionsweise dazu. Stress und Druck von aussen führen offenbar über einen nerval gesteuerten Impuls zu einer Verengung der Bronchien. Es reicht schon, wenn ein Asthmatiker bei mir einen Termin hat (Ich bin sehr böse und deshalb haben alle vor mir Angst). Manche erzählen mir, dass sie den ganzen Morgen schon Atemnot hatten. Sie sind schon extra eine Stunde früher aufgestanden, damit sie pünktlich bei mir sind. Der Zeitdruck, doch ja pünktlich zu sein, verschafft ihnen Atemnot.
Sind sie endlich bei mir angekommen und sitzen ruhig im Wartezimmer, dann entspannen sich die Atemwege und die Atemnot lässt nach. Dann kommen wir mit unseren Messungen und siehe da, so schlecht sind sie gar nicht. Ist dieses Messergebnis repräsentativ für den Zustand zuhause oder unterwegs vor einer Stunde? Welches Messergebnis wäre überhaupt repräsentativ?
Ich kann Ihnen hier noch ein längere Liste an Beispielen bringen (Aktiv- und Passivrauchen, Wohnsituation, Gebrauch von Duftmitteln, Reinigungsmitteln, Hobbys, …) an deren Hand ich versuche, die Beschwerden, den Schweregrad der Erkrankung und die Therapieindikation zu beurteilen. Auch für die Begutachtung gilt das. Die Lungenfunktion dagegen ist nur eine Momentaufnahme, meist noch in der Praxis bei eher trockener, sauberer Luft, nach etwas Wartezeit, vielleicht sogar in einer Praxis mit etwas Entspannung.
Diese Momentaufnahme erfasst nie das Leben eines Asthmatikers. Zur Schweregradbeurteilung ist sie eher ungeeignet.
Leider befasst sich die pneumologische Wissenschaft ganz überwiegend nur mit den messbaren Kriterien und über Fragebögen versucht sie, Beschwerden auf sehr einfache Weise an Hand eines Punktescores messbar zu machen. Für Studien (und eigentlich auch für Gutachten) ist das natürlich auch eine ideale Art und Weise, Einschluss- und Ausschlusskriterien und Vergleichbarkeit möglich zu machen. Aber wenn ich einen solchen Fragebogen den Patienten in die Hand drücke (z.B. den Asthmasymptomscore-Test) und ausfüllen lasse und ich frage meine Patienten hinterher aus und beantworte dann die Fragen so, wie ich sie dem Fragebogensinn als angemessen ansehe, dann sind die Ergebnisse oft weit voneinander entfernt. Diese Ergebnisse sind sehr fragwürdig. Und wenn wir die Ergebnisse der technischen Untersuchungen und der Fragebögen gar mit den Begriffen „Objektiv“ und „Subjektiv“ bewerten wollen, dann merkt man, wie unsinnig diese Begriffe bei dieser Erkrankung sind. Und wenn wir hören, wie viele Patienten heute nach Anwendung der Ausschlusskriterien noch in Studien aufgenommen werden, dann ist von Repräsentativität sowieso keine Spur mehr vorhanden. Wir werden ohne solche Studien nicht auskommen zur Forschung, aber wir müssen sehr vorsichtig sein mit der Übertragung der Ergebnisse in die medizinische Realität. Wir können nicht einfach daraus Handlungsanweisungen ableiten.
Das Problem für die Arbeitsfähigkeit von Herrn X ist die Wechselhaftigkeit der Beschwerden, ist die Tatsache, dass er viel hustet und dass das kaum einer um ihn herum lange ertragen kann (ja er selbst kaum), dass er sich selbst auf geringe vorhandene Belastbarkeit nicht verlassen kann, dass sie dann, wenn er sie braucht, auch wirklich abrufbar ist. Abhängig von äusseren Einflüssen hat er immer wieder plötzlich Beschwerden, auf die er sich einstellen muss und nicht zuletzt kommt die Bronchokonstriktion auf Grund von (Zeit-)Druck und Stress. Aber welcher Arbeitsplatz auf dem offenen Arbeitsmarkt ist denkbar ohne Zeitdruck und ohne Leistungsziel? Geld gibt es für Leistung in möglichst kurzer Zeit.
Deshalb: Zwei Stunden Heimarbeit pro Tag, wo er nicht unter Druck gesetzt ist, weil er einfach für die Leistung mehr Zeit veranschlagen könnte und wo er an schlechten Tagen auch mal die Arbeit ruhen lassen könnte und an einem besseren Tag wieder aufholen müsste, ist denkbar. Aber mehr als zwei Stunden täglich im Durchschnitt halte ich für unrealistisch, denn er wird meist durchschnittlich vier Stunden pro Tag für diese Arbeit brauchen.
Für die Prognose: Viele dieser Asthmatiker haben in jungen Jahren und manche auch noch in den mittleren Jahren (Herr X bekam das Asthma ja erst in mittleren Jahren) sehr heftige Krankheitsaktivität mit heftigen Befindensausschlägen in beide Richtungen. Zwanzig Jahre später hat sich diese heftige Aktivität gelegt, so dass mehr ein gleichmässiger Zustand auf mittlerem Niveau oder etwas darunter fixiert besteht. Die pneumologische Wissenschaft z.B. spricht dann von einer Umwandlung eines Asthmas in eine COPD (was natürlich auch zu hinterfragen ist. Warum sollte sich plötzlich eine Erkrankung in einer andere verwandeln? Es bleibt die gleiche Krankheit, aber sie unterscheidet sich von der Erkrankung bei anderen Asthmatikern und zeigt damit doch nur, dass es sich hier um eine eigene Entität handelt. Wir pneumologischen Mediziner haben das nur noch gar nicht wahrgenommen.)
Das Late-onset-Asthma ist oft ein nicht allergisch bedingtes und ist oft ein schweres Asthma. Es führt oft in ein Stadium irreversibler Obstruktion. Oft ist bei diesen Patienten im fortgeschrittenen Stadium zwar die bronchiale Obstruktion fixiert, die bronchiale Hyperreagibilität führt aber weiter zu wechselhaft starken Beschwerden. Es gibt jedoch auch andere Verläufe, so dass eine Vorausschau im Einzelfall mit einer hohen Fehlerwahrscheinlichkeit behaftet ist.
Unser Verstand, gerade auch der wissenschaftlich geschulte, unterliegt leider wesentlichen Irrtümern. Gerade in der Wissenschaft müssen wir peinlich darauf achten, dass wir diese Fehler meiden. Es geht nicht darum, ein besonders logisches mathematisches System für die Charakterisierung von Krankheiten zu entwickeln, sondern es geht darum, Krankheiten so gut als möglich zu verstehen und dann zu behandeln und zu heilen. Das ist Sinn und Zweck von Wissenschaft. Und deshalb muss das, was die Patienten als Auswirkung ihrer Krankheit merken, oberste Priorität als Grundlage für unsere Arbeit haben.