Demo(04/2021)

 

Demo (04/2021)

24. April 2021 in Rapperswil, einem kleinen, sehr schmucken Städtchen im Nordosten der Schweiz.
Es versammeln sich Menschen, die gegen die Coronaschutzmassnahmen der Regierung demonstrieren, sich beklagen, anklagen, ihre Wut herauslassen, ihre überschüssige Kraft anwenden wollen. Nichts besonderes. Wir erleben es zunehmend und an vielen Orten dieser Welt. Diese Menschen haben eine Ansicht, eine Sicht der Dinge, wie sie sie sehen und sie wollen dieser Sicht Gehör verschaffen. Sie fühlen sich zu wenig gehört, zu wenig in die Entscheidungen eingebunden, ihre Interessen zu wenig in das System von Gesetz und Ordnung eingebaut. Sie sind Leidtragende einer Situation, einer „Katastrophe“ für uns Menschen.
Wie kam es zu der Katastrophe? Ein Virus und inzwischen eine ganze Familie von Viren fiel über die Menschheit her. Tatsächlich? Vielleicht müssen wir das ein bisschen anders sehen? Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Das ist gut so. Wir würden sehr vieles vermissen auf dieser Welt, wenn wir allein wären. So müssen wir jedoch die Welt auch teilen mit anderen. Mit Faktoren, die unseren Wünschen entsprechen, die unserer Vorstellung von Welt, wie wir sie gerne hätten, passt, haben wir unsere helle Freude. Die geniessen wir, gewöhnen uns dran und wollen mehr. Die Faktoren, die gegen unseren Willen sind, gegen unsere Wünsche, gegen unsere Ordnung, Pläne und Träume, die bekämpfen wir, die wollen wir nicht haben, die müssen wir ausmerzen. Diese Faktoren sind oft gar nicht menschlicher Art, sondern einfach unsere Umwelt im weitesten Sinne. Heute haben wir unsere Mittel und Wege dazu, wenn wir nicht selbst Erfolg haben: Regierungen, Versicherungen, Justiz und natürlich so banale Organisationen wie Rettungsdienste, Katastrophenschutz, Rotes Kreuz und Roter Halbmond, WHO, UNO, etc.
Im jetzigen Falle ist der Virus oder die Virusfamilie leider so klein, dass wir ihn/sie nicht sehen, nicht einmal in irgendeiner Weise wahrnehmen. Wenn uns nicht Wissenschaftler gesagt hätten, dass alle die Kranken, die Sterbenden von einem bestimmten Virus infiziert sind und an den Folgen seines Eindringens in unseren Körper sterben, wir wüssten es nicht. Wir stünden da und würden uns nur wundern, was mit uns passiert. Glücklicherweise haben wir Wissenschaft. Aber Wissenschaft und „Wissen“ sind das eine, glauben, für bewiesen halten, ist das Andere. Und da sind wir Menschen auf unsere Umwelt, unsere Körperwahrnehmungen und unser Denken und Kombinieren von als Wissen gespeichertem und Erfahrenem und Erlebtem angewiesen. Der Virus lässt sich schlecht erleben. Wären es russische Soldaten an der Front im Donbass, ist das schon etwas Anderes. Von der Grösse her ist es ein Verhältnis von 1 für die Viren zu 1mit mehreren Nullen für die Soldaten, von der Bedeutung her jedoch genau umgekehrt.
Die Bedeutung des Virus glauben Menschen, die selbst damit zu tun haben, wissenschaftlich, politisch, am eigenen Körper durch Krankheit, in ihrer Familie durch kranke Verwandte oder die Verwandte an der Erkrankung verloren haben. Menschen, die wenig Kontakt in solche Verhältnisse haben (davon gibt es immer weniger, aber es gibt sie) und die in ihren Wünschen, Plänen, Träumen für ihr Leben eingeschränkt sind oder die sogar herbe Verluste durch die Schutzmassnahmen vor dem Virus erlitten, sehen das natürlich ganz anders. Leugnung des Vorhandenseins des Virusses ist eine Möglichkeit, Bekämpfung der Schutzmassnahmen ist eine andere. Gewaltanwendung, wenn man Opfer ist? Für ein Opfer sind alle Kampfmittel geheiligt, denn es ist ihm Unrecht geschehen, jedenfalls zunächst aus eigener Sicht. Dass Männer da Gewalt anwenden, wer will ihnen das verdenken? Männer stammen aus einer grauen Vorzeit, als Kraftanwendung noch das Überleben ermöglichte. Gewaltanwendung bedeutete Leben. Heute müssen sich Männer schon sehr selbstbeherrschen, wenn sie angesichts solcher Situationen nicht ihre Wut und Kraft herauslassen wollten. Selbstbeherrschung ist heute schliesslich nicht Mode, nicht Tugend, es sei denn, für die eigene Karriere.
Da man auf dem Virus nicht herumhauen kann, muss Mann auf Anderem herumschlagen. Da bietet sich doch die Polizei als langer Arm der Regierung an, oder? Die Regierung ist schliesslich Schuld an dem Virus, oder?
Nun, die Frage kann man mit „Ja“ und mit „Nein“ beantworten. Es stellt sich die Frage, ob wir angesichts der Informationen aus China im Winter 2020 wirklich angemessen gehandelt haben. Im Nachhinein muss man das sicher verneinen. China hat (falls die Informationen stimmen) den Krieg gegen den Virus damals bravourös gewonnen. Warum fast die gesamte andere Welt das nicht geschafft hat, ist sehr nachdenkenswert. Da kann China bzw. die chinesische Regierung sich wirklich selber auf die Schultern klopfen. So könnte man natürlich fast alle anderen Regierungen an den Pranger stellen und sagen „Ihr seid Schuld!“. Man wird aber keiner Regierung vorwerfen können, sie habe vorsätzlich den Virus ins Land geholt. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden wir das nicht einmal den Chinesen vorwerfen dürfen, obwohl dort der Virus seine Ausbreitung begann.
Ob die Massnahmen zur Abwehr des Virus, zur Verhinderung seiner weiteren Verbreitung, zum Schutz von Menschenleben angemessen waren, müssen wir heute für die Nicht-China-Welt eigentlich mit „Nein“ beantworten. Da haben unsere Regierungen alle mehr oder weniger versagt. Wir befinden uns im „Coronasee“, der natürlich Wellen hat, wahrscheinlich noch viele. Langsam werden wir uns an den Virus gewöhnen, mit ihm leben, uns auf ihn einstellen müssen. Wir müssen mit ihm leben, krank sein und sterben.
Die Situation ist für uns Menschen in mehrfacher Hinsicht neu. Weder Bewohner noch Regierungen waren darauf vorbereitet.
Krankheiten sind für uns ein Minus, dass es zu bekämpfen gilt. Dazu haben wir Regierungen und Versicherungen. Nur wir selbst, wir müssen nicht für unsere Gesundheit sorgen. Wir selbst dürfen rauchen, Drogen konsumieren nach Belieben, gefährliche Sportarten betreiben, Auto fahren, über die Strasse gehen, uns fett fressen, … Die Regierungen und Versicherungen müssen unsere Gesundheit schützen, koste es was es wolle. Wir brauchen es nicht.
Die Wissenschaft wendete ihre Kenntnisse von anderen Viren an und übertrug diese Erfahrungen auf die jetzige Situation. Das war hilfreich in mancher Hinsicht, aber der Virus war neu und weitgehend unbekannt. Erfahrungen und Wissen sammeln kosten Zeit und sind nicht 1 zu 1 zu gewinnen. Da kommen widersprüchliche Erkenntnisse und erst über längere Zeit, über grössere Zahlen an Erkrankten und angewendeten Schutz-, Diagnose- und Therapiemassnahmen lassen sich realitätsnähere Ansichten gewinnen. Das ist einfach Struktur der Welt, Erde und unserer Gesellschaft. Da kann man Regierungen oder Wissenschaftler beschimpfen. Meistens wird man die Falschen beschuldigen und vor- oder sogar ganz verurteilen. Das Rollen von Köpfen geschieht eher, um die Wut der Bürger zu besänftigen als dass es berechtigt wäre.
Einschub: In den meisten Ländern sind ja die Regierungen mehr oder weniger demokratisch gewählt worden, also Menschen aus dem Volk. Selbst die Diktatoren sind das, auch wenn sie sich selbst für etwas Besseres halten. Ob wir an deren Stelle wirklich angemessener gehandelt hätten, ist doch eher fragwürdig, oder? Ist der Glaube „Ich hätte das besser gemacht!“ nicht eher Selbsttäuschung, eher Selbstüberschätzung?
Anders als sonst bei Krankheit, sind plötzlich wir selbst gefordert. Plötzlich müssen wir Regeln einhalten, müssen uns selbst beschränken, müssen uns selbst beherrschen, müssen verzichten und es kostet viel, viel Geld (oder es kommt kein Geld mehr, was ja nicht wenigen ihr Leben ruiniert hat. Das ist keine Kleinigkeit, darf natürlich auch zu unbeherrschten Reaktionen führen, besonders bei uns vorsintflutlichen, schnell unbeherrschten Männern).
Die Situation ist natürlich auch völlig neu, dass immer Krankheit und Tod um (fast) jeden Preis verhindert werden müssen, jetzt in dieser Situation aber plötzlich nicht. Plötzlich sagen die, die mehr Opfer bringen müssen als Andere, weil das Pech sie einfach in Positionen gebracht hat, die mehr betroffen sind, dass anders zu verfahren sei. Ihre Interessen sollen jetzt höher eingeschätzt werden als die der Kranken und nicht mehr Lebenden oder demnächst Todgeweihten.
Solche Konfliktsituationen gehören zum Leben, zu unserem Dasein auf dieser Erde. Wenn man wie in China oder im Krieg, alles auf eine Karte setzt und gewinnt, dann hat man gewonnen. Wenn man wie im Rest der Welt die entgegengesetzten Interessen der Bürger berücksichtigen muss und abwägen muss und nicht alles auf eine Karte setzen kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Sieges deutlich geringer. Das erleben wir derzeit. Dann muss man aber auch in Zukunft im Coronasee schwimmen.
Regierungen und wir Bürger haben die Wahl zwischen diesen beiden, vielleicht ja auch noch einer dritten Variante, die mir jetzt nicht in den Sinn kommt. Auch ich bin ja nur dummer Mensch. Aber wir haben keine Möglichkeit, der Realität aus dem Wege zu gehen. Wir müssen uns ihr stellen, jeder für sich und zusammen, jeder im Kampf ums eigene Leben, so es bedroht ist (tatsächlich oder wirtschaftlich) und in gegenseitiger Rücksichtnahme aufeinander.
Ich will endlich meine Freiheit zurück!“ Junger Mann, ich kann sie gut verstehen. Das ginge mir an Ihrer Stelle genauso und auch ich hätte nichts dagegen, wenn ich mich wieder schrankenlos bewegen könnte. Das Dumme ist, der oder die Viren haben keine Ohren. Freiheit kann man sich nicht erkämpfen. Man kann sie nur geschenkt bekommen. Natürlich kann man darum bitten, aber auch das wird der Virus wahrscheinlich nicht hören. Die Regierung, die Wissenschaftler, wir alle, stehen ja auf Ihrer Seite, der Seite der Geschädigten. Wenn Sie sich gegen uns Mitbeteiligte auflehnen, was ich in Ihrem Schmerz auch verstehen kann, dann kämpfen wir in Zukunft auf unserer Seite gegeneinander. Jede Kampfpartei, jeder Führer einer Kampfpartei im Krieg oder in der Politik weiss, wenn erst in den eigenen Reihen gegeneinander gekämpft wird, dann ist der Kampf bereits vor dem Kampf verloren.
Deshalb meine Bitte: Üben Sie Selbstbeherrschung, haben Sie Geduld und Ausdauer und achten Sie auf die Menschen und deren Wohlergehen um sich herum. Auch wir als Gesellschaft, als Ihre Umwelt wollen Rücksicht auf Sie nehmen!
Danke vielmals!
 
 
 

 

 

Sterne(03/2021)

 

Sterne? (03/2021)

Bitte nehmen Sie bequem Platz. Heute wollen wir Ihr Weltbild ändern, erweitern, mal eben schnell und das wird Sie den Rest Ihres Lebens beschäftigen. So schnell ändern wir unser Weltbild nicht.
Wir versetzen uns in die letzte Nacht oder in den letzten Abend, als wir ganz bewusst uns den Sternenhimmel angeschaut haben. Sie haben angefangen zu zählen. Unser Lichtmüll macht viele Sterne unsichtbar. Da kann man wirklich zählen. Sie fanden Sternbilder und Sie waren einfach nur von der Schönheit dieser Sterne begeistert und berührt. Das wollen wir heute nicht ändern und werden es doch ändern.
Sie kennen alle die Masseinheit „Lichtjahr“. Damit messen Astronomen grosse Entfernung im Weltraum. Ohne dass uns das bewusst wurde, haben die Wissenschaftler über die zugrunde liegende Lichtgeschwindigkeit sogar unsere Masseinheit „Meter“ auf der Erde definiert. Was doch so alles auf dieser Erde passiert, ohne dass wir es mitbekommen.

 

Ein Stern ist z. B. so weit weg, dass das Licht mit seiner Lichtgeschwindigkeit ein Jahr lang brauchte für den Weg vom Stern bis in Ihr Auge. Schon das sich vorzustellen, fordert unsere Fantasie. Die Sonne ist übrigens gut 8 Lichtminuten von uns entfernt. Die Entfernung der Sonne vom Zentrum unserer eigenen Milchstrasse soll übrigens 30000 Lichtjahre betragen und das kürzlich mit einer Abbildung bekanntgewordene berühmte schwarze Loch in der Mitte unserer Milchstrasse SgrA* soll etwa 27000 Lichtjahre von uns entfernt sein.

Was uns überhaupt nicht bewusst ist, ist, dass das „Lichtjahr“ auch eine Zeitangabe ist. Das Licht hat also so und so viel Zeit gebraucht, um bis in Ihr Auge zu kommen. Bei der Sonne waren es gut 8 Minuten (Bitte nicht in die Sonne schauen! Es reicht, auf die sonnenbeschienene Erde zu schauen und sich daran zu freuen.), bei jenem Stern war es 1 Jahr, bei anderen Galaxien viele zehntausende Jahre, vom Ring um das genannte schwarze Loch eben 27000 Jahre.
Was sehen Sie denn tatsächlich am Himmel? Sehen Sie wirklich Sterne? Müssen wir nicht eigentlich sagen: Wir sehen Lichtpunkte? Über unserem Kopf funkeln viele kleine Lichtpunkte. Wie mögen unsere Vorfahren eigentlich auf die Idee gekommen sein, dass diese Lichtpunkte „Sterne“ sind? Keiner war dort, hat sie angefasst, betreten, bewohnt, … „Sterne“ ist eine Interpretation für die Lichtpunkte, die unser Auge wahrnimmt. Warum sollen sich nicht auch Lichtpunkte am Himmel bewegen? Beweisen Sie mir doch bitte mal, dass diese vielen Lichtpunkte da oben „Sterne“ sind. Und was sind Sterne eigentlich?
Nun, die Astronomie hat uns da in den letzten Jahrhunderten eine Menge Erklärungen gegeben und wir haben sie geglaubt. Das sind viele mehr oder weniger runde Gebilde. Schon, ob die alle feste Körper sind, wie unsere Intuition uns gerne glauben machen mag, ist zweifelhaft. Ja, die Astronomen sind davon überzeugt, dass das bei Weitem nicht bei allen so ist. Vermutlich werden wir nie den „Beweis“ antreten können, es sei denn Herr Einstein und unsere Wissenschaftler hätten sich geirrt. Welcher Mensch wollte schon in ein Raumschiff steigen und hunderte Jahre fliegen, um dann als „Beweis“ seinen Fuss in eine solche Wolke zu setzen und dann festzustellen „Nur kalte Luft“, „Gar nichts!“. Wenn der Mensch Glück hätte, beträte er festen Boden. Keine Sorge, das wüssten unsere Wissenschaftler auch schon im Voraus. Vielleicht würde die Technik des Raumschiffes die Wolke beim Näherkommen nicht einmal finden? Science fiction. Die wollte ich heute eigentlich nicht mit Ihnen betreiben.
Nein, wenn das „Lichtjahr“ auch eine Zeitangabe ist, dann schauen wir in den Himmel und sehen gar keine Realität, keine Gegenwart, keine Sterne, sondern wir sehen nur Vergangenheit. Hundert Jahre, tausend Jahre, ja sogar zehntausende Jahre und noch viel mehr. Wenn uns die Astronomen also von den Sternen erzählen, dann erzählen sie uns also nur alte Märchen. Damals, vor so und so vielen Jahren muss das Licht dort und dort losgeflogen sein, um direkt auf das Teleskop der Wissenschaftler zu fallen oder in Ihr Fernrohr oder sogar in unser Auge. Was wir heute sehen, war damals.
Nun bin ich kein Wissenschaftler, schon gar kein Astronom und daher in der entsprechenden Literatur nicht sehr bewandert. Was mir aber auffiel, dass alle Äusserungen, die ich bisher gelesen oder gehört habe, in der Gegenwart abgefasst sind. „Wir zeigen Ihnen das schwarze Loch.“ „Die Gaswolke füttert das schwarze Loch.“ „Wir sehen zwei Sterne dicht nebeneinander.“ …
Das stimmt nur alles in dieser Weise gar nicht. Wir müssen uns bewusst sein, dass alle diese Vorgänge schon lange Vergangenheit sind. Wenn wir sie wahrnehmen, dann ist längst nicht klar, ob das, was wir wahrnehmen auch noch an dieser Stelle so vorhanden ist (Zumindest die Ortsangaben werden sich verändert haben). Unsere Astronomen erzählen uns Geschichte des Weltalls. Das, was ist, das was Gegenwart ist, erzählen sie uns nicht. Sie benutzen nur die Grammatik der Gegenwart und wir glauben ihnen auch noch ganz unbekümmert, dass sie uns Gegenwärtiges berichten, das, was jetzt ist.
Wir könnten die Astronomen bitten (das werden die Astronomen längst haben), uns eine Karte ähnlich der Weltkarte oder eines Globus vom Weltraum zu schaffen und für jeden Lichtfleck die Entfernung von der Erde einzutragen. Dann könnten wir einen kleinen Aspekt nachvollziehen, wie sich die Geschichte der letzten soundsovielen Jahre im Weltraum abgespielt hat. Nein, auch das können wir nicht. Wir können nur immer die Lichtpunkte in Abhängigkeit von unserer Zeit wahrnehmen und beobachten und daraus Schlüsse ziehen. Und jeder dieser Lichtpunkte erzählt uns aus einer anderen Zeit und nur aus dieser kurzen Zeit, als das Licht seinen langen Flug startete.
Unsere Gegenwart auf der Erde heute geht also durch die Darstellung dieser Lichtpunkte am Himmel parallel mit vielen geschichtlichen Vorgängen im Universum. Die Gegenwart jedoch, können wir im Universum nicht wahrnehmen. Alles, was wir und auch unsere Wissenschaftler, unsere Astronomen uns aus dem Weltraum berichten, ist Vergangenheit. Natürlich berechnen die Astronomen an Hand von Beobachtungen und Schlussfolgerungen und daraus abgeleiteten Theorien und Formeln die gegenwärtigen Verhältnisse und präsentieren uns die als heutige Verhältnisse. Gesehen, nachgewiesen, bewiesen haben sie diese Verhältnisse jedoch nicht. Ihre Berechnungen und Darlegungen und Anschauungen oder Ansichten sind Theorie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von Realitätsnähe oder sogar Zutreffen (Richtigkeit, Übereinstimmung mit der Realität).
In unserer Realität stellt sich die Frage, ob eine stimmige Funktion in einer Formel oder Theorie bereits der Beweis im Sinne von Nähe zur oder gar Übereinstimmung mit der Realität ist. Viele Männer (neuerdings auch Frauen), vor allem neuzeitliche, glauben das einfach. Je näher diese Verhältnisse tatsächlich sind, z.B. auf unserer Erde, sodass wir sie anfassen, sehen, messen, riechen, beschreiben können, …, desto sicherer werden wir Realitätsnähe tatsächlich wahrnehmen können (So sagt uns das zumindest unsere Intuition). Alle Informationen, die wir im Raum wahrnehmen, sind umso eher überprüfbar und damit beweisbar, je näher sie uns sind und um so weniger überprüfbar, je weiter weg sie sind. Wenn wir sie überprüfen wollten, müssten wir nicht nur Entfernung überwinden, sondern auch Zeit, müssten in die Vergangenheit reisen.
Unsere Erfahrung ist, dass wir reisen können, dass aber reisen nur in der Gegenwart möglich ist und in die Zukunft reichen kann, aber nicht in die Vergangenheit.
Daraus folgt, dass wir nach menschlichem Ermessen diesbezüglich nie die Übereinstimmung unserer Theorien mit der Realität werden überprüfen können. Wir müssen sie glauben. Und neuzeitliche Menschen, nämlich wir, wollen das glauben. Da sind wir neuzeitlichen Männer (und neuerdings auch Frauen) absolut intolerant. Wir wollen glauben, dass unsere Anschauung von der Welt, unsere „wissenschaftliche“ Anschauung „richtig“ (der Realität entsprechend) ist, die einzig gültige, die mit der Realität übereinstimmende. Wir können zumindest im Weltall genau diese Frage nicht beantworten, weder mit „Ja“, noch mit „Nein“, allenfalls mit einem „Vielleicht“, einem Graubereich (oder viel schöner: einem Farbbereich).
Unsere Weltanschauung von den Dingen und Leben sowie Menschen in Raum und Zeit ist Theorie, mehr oder weniger realitätsnahe Theorie. Von „Wissen“, von mit der Realität übereinstimmender Theorie ausgehen zu wollen, ist verwegen. Das ist schlichtweg Glauben respektive Irrglauben.
Wenn wir nicht nur im Weltraum nachdenken, sondern auch im uns nahen Raum, unserem Körper und seinen geistigen Funktionen, unserer Familie, unserem Freundeskreis, unserem Volk etc., dann müssen wir erstaunt feststellen, dass dort die Relativität unseres „Wissens“ noch weit ausgeprägter ist. Wir neuzeitlichen Menschen machen uns nur allzu gerne immer wieder etwas vor, lieben unsere Selbsttäuschungen über alles und merken gar nicht, wie wir uns eher immer weiter von der Realität entfernen als auf sie zu zu kommen.
Das hat die für uns neuzeitliche Menschen sehr ungeliebte Folge, dass wir mit unseren Ansichten, die wir für „Wissen“ halten, genau auf dem gleichen Niveau wie „Glauben“ stehen, wie die Religionen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir nie darüber hinaus kommen (auch wenn wir genau das für schon erreicht halten). Allerdings lohnte es sich auch, über den Wahrheitsgehalt, über die Übereinstimmung von Theorie und Realität in Religionen nachzudenken. Was uns dort wohl begegnen würde?
Und was ist heute Abend? Heute Abend schauen Sie dort, wo Sie sich gerade befinden gemeinsam mit mir am Ort, wo ich mich gerade befinde in den schwarzen Himmel und wir freuen uns gemeinsam über die vielen schönen Sterne, über ihre Bilder, ihr Funkeln, ihre chaotische Verteilung über die ganze Kuppel und wir denken nach über unser Leben unter den Sternen und über unser Sein und den dazugehörigen Schein. Viel Spass und Freude!
 

 

 

Wissen und Realität (03/2021)

Wissen und Realität (03/2021)

 

Sie und ich sind Menschen. Auch wenn wir den Eindruck haben, dass wir mehr als eine Person sind oder zumindest spielen, sind wir doch einer. Es gibt uns nur einmal. Wir haben nur ein Leben, nur einen Körper, nur ein Gehirn mit Denkfähigkeit. Für uns selbst sind wir absolut. Da gibt es keinen Kompromiss.
Wir leben in der Welt und viele andere Menschen leben neben und mit uns. Unser Körper allein in dieser Welt wäre wie ein Baum. Er wäre physisch da, aber unser Denken ermöglicht uns eine zusätzliche Form des Daseins, eine Form des Austausches mit der Welt und den Menschen um uns herum, die der Baum nicht hat.
Für diesen Austausch braucht es in unserem Gehirn, in unserem Denken, Bilder und Gedanken, eigentlich Abbilder wie Fotos und Gedanken wie Beschreibungen unserer Sinnesempfindungen (fühlen, sehen, hören, riechen, schmecken).
In dieser Art und Weise leben wir in der Familie, arbeiten wir und forschen wir.
Der deutsche Idealismus, eine nachchristliche Philosophie, hat Ideale in Hülle und Fülle definiert. Nehmen wir Herrn Hegel, der das „Wissen“ als etwas Absolutes und Objektives ansah oder Herrn Kant, der die „reine Vernunft“ beschrieb. Der deutsche Idealismus hat den deutschsprachigen Raum sehr intensiv geprägt. Viele Begriffe wie „Freiheit“, „Gerechtigkeit“, „Gleichheit“ oder „Gleichberechtigung“, „Moral“ und viele andere definieren wir seitdem in dieser idealistischen Form. Zu jedem dieser Begriffe gibt es nun Theorien zur Definition und Beschreibung, die Bücher und ganze Bibliotheken füllen. Und diese Ideale gelten natürlich für alle auf der Welt, auch für die, für die sie nicht gelten, weil sie den deutschen Idealismus gar nicht kennen.
Aus diesem Kessel von Überlegungen, wie wir und die Welt um uns herum funktionieren, haben wir auch unsere Form des Verständnisses und des Umganges mit „Wissen“ geschöpft.
„Wissen“ fassen wir als etwas Absolutes auf, natürlich als etwas erstrebenswertes und etwas gutes. Wenn wir heute unsere Welt beobachten, Studien durchführen, teure und präzise Forschung betreiben, dann ist das, was am Ende herauskommt, nach unserer Auffassung „Wissen“.
Jetzt in der Corona-Pandemie (aber das gilt sonst in geringerem Masse auch) kommen täglich neue Ergebnisse in den Zeitungen, Mails, Plattformen und Berichten. Nicht selten widersprechen sich Meldungen noch am gleichen Tag. Also, wer uns da sein „Wissen“ präsentiert, den fragen wir doch am besten gleich einmal, ob er schon einmal nachgedacht hat, was „Wissen“ eigentlich ist. Schon die pure Tatsache in der Pandemie, dass wir gar nicht so mal einfach „Wissen“ sammeln können, wir wir Früchte vom Baum pflücken können (wenn welche dran sind), sollte uns vor dem Begriff ehrfurchtsvoller werden lassen. Vielleicht sollten wir eher von „Anschauung“ sprechen oder noch einfacher und gewöhnlicher sagen „Ich glaube … (oder: Ich glaube, dass …)“?
Es ist ja durchaus so, dass manche unserer Anschauungen realitätsnäher sind, vielleicht sogar unseren Anspruch an „Wissen“, was Übereinstimmung mit der Realität (mit der Praxis) betrifft, erfüllen, aber wer kann das wissen? Wer kann schon wissen, wie gut unsere Anschauung mit dem, was wirklich ist, übereinstimmt? Natürlich sind meine Anschauungen immer realitätsnah (vereinfacht: „richtig“!). Die Anschauungen der Anderen sind auf jeden Fall realitätsferner (vereinfacht: „falsch“!). Wir täuschen uns sehr gerne darüber hinweg, dass viele unserer Anschauungen mehr oder weniger realitätsfern sind (Hier wollen wir mal nicht vereinfachen).
Noch komplizierter wird es, weil manche Anschauung beides ist, zugleich realitätsnah und realitätsfern. Es kommt darauf an, von welcher Seite wir die Dinge betrachten. Oder die Realitätsnähe variiert zeitlich und örtlich oder von Person zu Person. Von „Wissen“ zu sprechen, ist genau genommen, doch sehr unwissenschaftlich, auch wenn gerade die Wissenschaft von ihrem „Wissen“ nun wirklich absolut überzeugt ist. Wissenschaftler sind eben auch (nur) Menschen und genau nehmen wir Menschen es bekanntlich meist nur mit den Äusserungen Anderer. Mit unseren eigenen Äusserungen nehmen wir es nicht so genau.
Ich sprach oben von dem realitätsnäheren Ausdruck „Ich glaube …“ Die gedanklichen Assoziationen, die uns mit diesem Begriff kommen, sind durchaus nachdenkenswert. Sie würden unser Weltbild verändern. Aktuell würde ich „Wissenschaft“ am liebsten umbenennen in „Anschauungsschaft“. Den Begriff hielte ich jedenfalls für realitätsnäher.
Eine Schlussfolgerung für uns in der Pandemie:
„Wissen“ dürfen wir von unseren Experten nicht erwarten. Wir dürfen hoffen, dass ihre Anschauungen realitätsnäher sind als unsere eigenen. Selbst da habe ich Gegenbeispiele. Aber das müssen wir erwarten können, sonst sind sie keine Experten. Da aber schliesst sich wieder der Kreis. Dem Begriff „Experte“ (oder auch „Wissenschaftler“) geht es ähnlich wie dem Begriff „Wissen“.
Und doch wollen und dürfen wir nicht vergessen, was wir der Anschauungsschaft (früher Wissenschaft) und Technik alles verdanken, z.B. Schutzmittel wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel, aber inzwischen auch Impfstoffe. Unser tägliches Leben haben Anschauungsschaft und Technik schon in vielen Dingen sehr erleichtert (was wir bisher nicht wahrnehmen oder wahrhaben wollen: „zugleich auch erschwert“). Wir müssen zunehmend nachdenken darüber, was Anschauungsschaft (Wissenschaft) und Technik können und was nicht. Nicht unsere Wünsche sind Realität, sondern die Realität selbst. Unsere Wünsche lassen uns ja nur vergessen, dass deren Erfüllung meist irgendwo an einem anderen Ort auf dieser Welt auch Kosten und Verlust verursacht. Wir hoffen nur immer und tun alles dafür, dass das nicht in unserem Gesichtskreis passiert. Eine gern praktizierte Selbsttäuschung. Schuldzuweisungen wegen falscher Erwartungen treffen vermutlich in den meisten Fällen den oder die Falschen.
In gleicher Weise wollen wir auch den Politikern dankbar sein. Zur Überwindung einer solchen Problemsituation wie dieser Pandemie müssen wir Bürger der Politik die Freiheit schenken, unsere Freiheit einzuschränken. Wo, wenn nicht in der direktdemokratisch organisierten Schweiz dürfen wir hinterher auch hoffen, dass uns die Politiker unsere Freiheit wieder zurück schenken? Freiheit kann man nur schenken, weder erkämpfen noch verteidigen. (Sollten Sie dazu mehr lesen und nachdenken wollen, lade ich Sie freundlich ein, hinter dem Impressum auf dieser Web-Seite weiter zu lesen.)

 

Realität, Regierung, wir und die Medien (01/2021)

Realität, Regierung, wir und die Medien (01/2021)

Die Corona-Pandemie konfrontiert uns mit vielen interessanten Situationen. Allerdings handelt es sich oft nur um langfristige Entwicklungen, die jetzt nur schärfer sichtbar werden. Wirksam ist das jetzt zu bedenkende Spannungsverhältnis vermutlich mindestens schon so lange, wie es Buchdruck gibt:
Wir leben in einer materiellen Welt und in einer menschlichen Gesellschaft. In den diktatorischen oder autokratischen Gesellschaftsstrukturen liegt die Situation ein wenig anders als in den mehr oder weniger demokratischen Strukturen, aber es betrifft doch alle gleichermassen. Wir haben es uns mehr oder weniger bequem eingerichtet seit dem 2. Weltkrieg, haben uns so einrichten können. Wir sind Bürger und haben eine Regierung. Ob wir sie wählen dürfen oder nicht, spielt da gar keine so entscheidende Rolle. Wir als Volk, fühlen uns als die Hauptpersonen und die Konsumenten. Und das Recht ist sowieso auf unserer Seite.
Jetzt kommt da so eine Gefahr wie der Corona-Virus auf uns zu. Wer ist sofort dran? Natürlich, die Regierung. Sie hat sich verpflichtet, allen Schaden vom Land und seinen Bürgern abzuwehren. Dazu haben wir sie ja. Sie muss nun den Virus sofort abwehren, damit er unsere Bequemlichkeit und unseren Reichtum und unsere Freiheit gar nicht erst einschränken kann.
Am besten, das tut die Regierung ohne Einsatz finanzieller Mittel, denn die sind immer knapp und im Haushalt gar nicht vorgesehen. An unsere Freiheit, Bequemlichkeit und unseren Geldbeutel darf es natürlich auch nicht gehen. Aber es ist schon nicht schlecht, wenn es Spannung, Gemetzel, Auf und Nieder, schliesslich Niederlage für die Anderen oder in diesem Falle den Virus und den Sieg für uns gibt. Erfochten wurde der Sieg von der Regierung, aber feiern wollen wir ihn natürlich selbst und natürlich auch als unsere Leistung reklamieren. Wir sind schliesslich die Hauptpersonen, der Souverän im Land.
Das Dumme an der Geschichte ist, dass das dann eine Show ist und wir stehen immer wieder vor der sehr einfachen Tatsache, dass die Wirklichkeit keine Show ist. Die Realität sieht völlig anders aus. Da gibt es Unwissen auf unserer Seite, nicht die richtigen Hilfs- und Kampfmittel, nicht genügend prophetisch vorhergesehene Vorsorge, nicht genügend Geld, wenig Hilfe von Seiten der Bevölkerung (knapp die Hälfte boykottiert oder bekämpft die Regierungsmassnahmen und Gesetze sogar). Die Regierung strampelt sich ab und hat gar keine Chance, die Realität mal eben so zu ändern. Mit dem Finger schnippen, ja selbst mal schnell die entsprechenden Gesetze in Kraft setzen, hilft da nichts. Papiertiger, Theorie, aber keine Realität. Was nun? Da ist guter Rat teuer!
Wir Bürger wollen die Lösung schnell, am besten sofort, aber spätestens, wenn es an uns und unsere Rechte oder Besitztümer geht. Eine Änderung der Verhältnisse braucht aber meistens mindestens zehnmal soviel Zeit und Kraft, wie wir Bürger zu geben bereit sind. Wahrscheinlich ist diese Schätzung noch viel zu klein. Da wird die Regierung in die Enge getrieben. Sie muss sich wehren, muss Druck ausüben, muss sich Helfer suchen (Armee und Justiz, Verwaltung, IT-Technik etc.). Und es müssen Schuldige gefunden werden (Hexen, Juden, Fremde, Sozialschmarotzer, Andersextreme, politische Gegner, CEOs, fast alle Anderen ausser uns … ). Demokratische Regierungen sind da leidvoll begrenzt. Da rollen dann eher mal Köpfe oder dergleichen. Also werden die Köpfe ausgewechselt. Diktatoren haben es da leichter und zugleich auch schwerer.
Ändern diese Massnahmen etwas an der Realität? Jetzt darf eine Neue oder ein Neuer seine menschliche Begrenztheit zeigen. In seltenen Fällen ist der Wechsel auch mal etwas glücklicher.
Regierung und Volk stehen in einem Zweierverhältnis. Nun kommt ein Dritter ins Spiel. In der anderen Ecke des Dreiecks stehen die Medien. Was schlecht ist, muss angeprangert werden. Es ist schliesslich schlecht. Die Missstände sind schliesslich Realität. Sie tun uns weh. Sie zeigen das Unvermögen der Regierung. Manchmal werden auch Teile des Volkes aufs Korn genommen. Je demokratischer das Land, desto weniger, je diktatorischer, desto mehr. Schliesslich kann man sich so als Medienschaffender bei der Regierung einschmeicheln. Nun können die Medien und wir genüsslich auf die Verantwortlichen zeigen. Wir sind ja nicht verantwortlich, sind nicht schuldig, werden statt dessen noch durch Freiheitseinschränkung, Aderlass und Kampfhandlungen in Mitleidenschaft gezogen. „Nun ist aber die Grenze wirklich überschritten“. Wir müssen endlich aufstehen, unsere Faust recken, Revolution machen, … Die sollten uns mal da ran lassen, dann …
Das muss nun wirklich Konsequenzen haben. …
Glauben Sie wirklich, dass das Konsequenzen hat? Ich fürchte, leider ja, nur nicht die, die Sie und wir uns wünschen. Lassen Sie uns lange und weit ausholend nachdenken, bevor wir die Sicherungen irgendwo durchbrennen lassen. Natürlich liegen jetzt die Nerven blank, auf alles Seiten. Natürlich kommen die Tage der Wahrheit immer näher. Das ist dann übrigens der Tag der Realität, der Tag, an dem wir uns vor der Realität nicht mehr selbst betrügen können. Vielleicht haben wir eine Chance, ganz behutsam, wohlbedacht, rücksichtsvoll, mit unserem ganzen Einsatz für und nicht gegen … ? Da ist jeder willkommen, sich zu beteiligen!

Herausforderung(01/2021)

Herausforderung (01/2021)

Männer brauchen eine Herausforderung und wenn es keine gibt, dann müssen wir uns eine suchen. Keine Herausforderung? Kann ein Mann ohne Herausforderung leben?
Warum müssen sich Männer eigentlich eine Herausforderung suchen? Sie müssen eine Leistung vollbringen. Warum müssen wir eigentlich so unbedingt Leistung bringen? Warum müssen wir uns im Sport knechten bis zum Umfallen und erste Plätze erringen (eigentlich ja den ersten)? Wären wir kein Mann ohne diese Leistung? Wenn es der Sport nicht ist, dann ist es die Karriere im Beruf. Warum müssen wir im Beruf unbedingt obere Ränge erreichen, eigentlich ja den obersten? Die grösste Firma, die weltbeste Firma, der Platzhirsch, die Nr. 1 in der Welt, wenn nicht nach Grösse, dann nach Qualität und Leistung. Seht her, ich (oder wenn es sein muss, dann eben „wir“, aber am besten doch „ich“)!
Männer müssen doch stolz auf sich sein können. Ja, müssen Männer das? Woran misst man denn eine Leistung, auf die Männer stolz sein könnten oder sogar müssten? Ist die Menge an Geld das Kriterium oder die Kraft, die Schnelligkeit, die Macht? Muss das so sein oder könnte das auch anders sein?
Neuerdings müssen das die Frauen auch noch. Sie müssen mindestens mit den Männern gleich ziehen, wenn schon nicht mit der körperlichen Kraft, dann doch bitte in der Karriere, mit dem Geld, mit dem Einfluss, mit der Macht! Männer, seht her, ich (vielleicht etwas öfter „wir“ als bei den Männern?)! Sind das nicht alles Eigenschaften, die Frauen an Männern verachten und sogar einige wenige Männer an sich auch?
Früher war es so, dass Männer stolz waren, wenn sie für die Familie, für die Gemeinschaft, für die Erkenntnis, für die Wissenschaft etwas leisteten. Der eigene Ruhm war nicht unwichtig, aber nachrangig (oder ist das nur eine meiner Lieblingsfehldeutungen der Geschichte?) Wer wirkungsvoll bestehende Gefahren bannte, der konnte stolz auf sich sein.
Heute müssen wir uns unsere Herausforderungen selbst aussuchen können, im Sport, im Beruf, im Privatleben. Dass jemand Anderes die Gefahr aussucht, ist unter unserer Würde. Noch dazu so einen blöden Virus, der alle Pläne, Gewohnheiten und Freuden durchkreuzt (und wir wissen noch nicht einmal, wer ihn geschickt hat, ein Chinese, Gott, der Teufel oder einfach Freund (nein, in diesem Fall Feind) Zufall durch Mutation?). Dieser Virus lässt uns noch nicht einmal unsere Menschenwürde. Warum empfinden wir Männer die Herausforderung Covid-19 als Beleidigung, als verletzend oder nehmen den Virus gar nicht erst ernst, während wir andere Herausforderungen, die durchaus auch Todesgefahr bedeuten können, mit Freuden aussuchen, annehmen und zu bezwingen suchen? Warum gibt es einen so wichtigen Unterschied zwischen einer selbst gewählten Herausforderung und einer, die über uns kommt?
Müssten wir nicht eher fragen, ob man als Mann auf das Bezwingen einer selbstgewählten Herausforderung nach intensivem Training und Vorbereitung noch stolz sein darf? Das ist doch langweilig! Einer nicht selbst gewählten Gefahr ohne vorheriges Training zu widerstehen und womöglich anderen dadurch das Leben zu retten (und im schlimmsten Fall dabei sein eigenes zu verlieren), wäre nicht eigentlich das die Stolz-begründende Leistung? Dann müssten doch zumindest alle Männer heute freudig alle Massnahmen zur Überwindung des Virus gerne in Kauf nehmen oder einander übertreffen mit dem Ziel, die Vorsichtigsten, die sich am meisten um andere Sorgenden, die Rücksichtsvollsten zu sein? Was sehen wir tatsächlich?
Im Sinne der Gaus-Kurve, je männlicher, um so schlimmer und je jünger, um so schlimmer.
Hat Stolz überhaupt irgendeinen Sinn? Vordergründig natürlich ja. Sonst suchten wir nicht immer wieder, unserem Stolz neue Nahrung zu geben. Aber hintergründig? Wenn wir nachzudenken beginnen, dann wird der Sinn von Stolz schnell immer fragwürdiger.
Konsequenz? Am besten nicht nachdenken. Bleiben wir bei unseren Vorurteilen und den daraus gewachsenen Gewohnheiten.

Gesichtsmaskenbenutzung(01/2021)

 

Gesichtsmaskenbenutzung (01/2021)

Nun haben wir es also mit einer Verschärfung der Lage zu tun, weil die neue(n) Variante(n) des Corona-Virus sehr viel ansteckungsfähiger ist/sind und weil wir nun noch schärfere Vorsichtsmassnahmen einhalten müssen.
Wir hatten uns von Anfang an sehr für die (korrekte) Nutzung von Gesichts-Masken stark gemacht. Wir hatten selbst einfache Masken entworfen, um schnell möglichst vielen Menschen das Tragen solcher Masken zu ermöglichen. Heute müssen wir feststellen: Ziel nicht erreicht.
Jetzt werden wir davon ausgehen müssen, dass unsere Masken für viele Situationen nicht mehr angemessen sind. Wir müssen umdenken.
Unsere Gesichtsvorhänge sind sehr bequem zu tragen und schützen nach wie vor weitgehend gegen Tröpfcheninfektion. Gegen Aerosole werden sie ungeeignet sein. Unsere Gesichtsvorhänge sind weiterhin gut geeignet für Menschen mit Atemnotbeschwerden oder Kurzatmigkeit. Ehe man keine Maske trägt, dann lieber so Eine.
Für gesunde, kräftige Menschen und die ohne Einschränkungen der Atmung müssen wir dringend die dichten und der Gesichtshaut relativ eng anliegenden Masken empfehlen, wie sie heute als Einmalprodukte CE-certifiziert in grossen Mengen im Handel angeboten werden. „Medizinische Gesichtsmasken“ sollten es am besten schon sein. Wenn schon, denn schon…
Wenn Sie in Situationen kommen, in denen Sie näher mit anderen Menschen zusammen sind, in vollen Zügen, Trams, Strassenbahnen, Bussen, Veranstaltungen, Treffen, Nachbarschaft, Politik etc. (trotz Verbot oder Empfehlung zur Vermeidung ja manchmal zufällig und nicht zu umgehen), dann ist den neuen Empfehlungen zum Tragen einer FFP2 oder gar FFP3-Maske nachzukommen. Wer die neue(n) Variante(n) des Corona-Virus meiden will, wird jetzt genauere Schutzmassnahmen einhalten müssen.
Natürlich werden Sie FFP2- oder gar FFP3-Gesichtsmasken nicht den ganzen Tag tragen können. Das ist schon etwas für die ganz Harten. Am besten, Sie haben immer beide Sorten (und Abfallbehälter) parat, damit Sie je nach Situation Ihre Gesichtsmaske dem Bedarf anpassen können. Steigt die Infektionsgefahr, dann FFP2, sinkt die Infektionsgefahr, dann eine Medizinische Gesichtsmaske, bei niedrigem Risiko eine bequeme (Stoff)-Maske und wenn Sie ganz alleine oder zuhause und nicht in Quarantäne sind, dann gar keine Maske.
 

 

 

GastronomieNot(01/2021)

 

Gastronomie in Not (01/2021)

Der Virus Covid-19 und seine mutierten Geschwister haben uns fest im Griff. Im Kampf gegen sie resp. ihre Auswirkungen sind Einschränkungen unumgänglich. Dafür Regierungen verantwortlich zu machen, ist schlichtweg gleichbedeutend mit dem Falschen die Schuld zu geben. Der Virus ist die Ursache, nicht die Regierung und deshalb gibt es auch keinen schuldigen Menschen auf dieser Erde für diese Katastrophe. Denken wir nach: Der Überbringer schlechter Nachrichten ist nicht der Schuldige! Suchen wir nach einfachen und wirkungsvollen Wegen, damit umzugehen.
Es gibt Wirtschaftsbranchen, die jetzt in Not kommen oder es schon sind, weil sie kein oder zu wenig Einkommen haben. Staatliche Hilfen aus riesigen Schuldenpaketen werden uns die Zukunft kaputt machen.
Vorschlag: Sie sind vorher einmal pro Woche oder öfter essen gegangen? Heute geht das nicht und jeder spart natürlich gerne das Geld, wenn er schon nicht essen gehen kann. Kaufen Sie doch jetzt bei den gleichen Restaurants Gutscheine für Essen oder überweisen Sie dem Wirt eine entsprechende Summe pro Woche oder pro Monat, die Sie sonst bei ihm ausgegeben hätten. Beim Start dürfte es vielleicht das Dreifache sein als Ersatz für die zurückliegende Zeit. Ob Sie die Gutscheine später tatsächlich einlösen oder einfach verfallen lassen, damit der Wirt dann neue zahlende Kunden bedienen kann und nicht die Arbeit machen muss für früher erhaltenes Geld, können Sie ja dann entscheiden.
Das Gleiche könnten wir mit den Fitness-Centern und anderen Dienstleistern tun. Die Selbständigen oder Firmen oder Leistungserbringer, von denen wir uns sonst bedienen oder beliefern lassen würden, bekommen sofort Geld in etwa gleicher Höhe ohne jetzt zu erbringende Leistung, vielleicht auch überhaupt ohne Leistungserbringung. Lassen Sie Ihrer Fantasie ein bisschen Lauf. Auch Gastrozürich, der Verband der Gastronomie, sammelt Geld, um es an notleidende Gastronomen weiterzuleiten. www.gastrozuerich.ch/solidaritaet
Die Vorteile? Keine Schulden nötig. Sie bleiben Herr über Ihr Geld, denn Sie können je nach wirtschaftlicher Lage selbst entscheiden, wie viel Sie geben. Wir müssen später nicht alle gleich durch erhöhte Steuern oder Gebühren gezwungen werden, Schulden abzubauen. Die Beziehungen zwischen Ihren Dienstleistern und Ihnen würden sicher deutlich enger. Wäre das schlimm? Warum nicht?
Nachteil? Sie müssen bereit sein, auf Geld zu verzichten. Aber ist uns eine florierende Wirtschaft in unserer eigenen Umgebung das nicht wert?
Warum fällt es uns so schwer, zu teilen? Wäre es nicht sinnvoll?

 

 

Cyberwelt(12/2020)

Cyberwelt (12/2020)

Zwei Meldungen aus der digitalen Welt kamen in der ersten Hälfte des Dezembers. In den USA wurden eine zentrale Firma für Cyber-Sicherheit und eine kleine Software-Firma gehackt, über die den USA sozusagen nicht nur die Hose heruntergezogen wurde, sondern jegliche Kleidung und Unterwäsche in Sachen digitaler Recherche, digitaler Informationsbeschaffung und digitaler Sicherheit gestohlen wurde.
Nun kann man natürlich ganz selbstbewusst und schadenfroh über den grossen Teich hinweg die Nase rümpfen oder mit dem Finger zeigen oder noch Frecheres. Wir sollten uns einmal fragen, was da in diesem Jahr eigentlich mit uns passiert ist.
Ein analoger Virus der Gruppe der Corona-Viren hat unsere Aufmerksamkeit dermassen in Anspruch genommen und unser Leben dermassen verändert, dass wir gar nicht wahrnehmen, dass ausgerechnet ins gleiche Jahr die Verbreitung viel schlimmerer Viren fällt, nun tatsächlich vom Menschen geschaffener, digitaler Viren.
Seit Jahren höre ich, hier in der Schweiz immer noch mit einem Konkurrenzdenken und sportlichen Gefühl „Wir müssen die ersten und die besten sein“ verbunden, dass die Digitalisierung immer weiter vorangetrieben werden müsse. Das Auftreten und der Kampf gegen den analogen Corona-Virus (gegen den wir bekanntlich verloren haben und nur vielleicht Dank einer schnellen Impfung noch etwas Boden wieder gut machen können), dieser Virus hat uns völlig blind gemacht für die Gefahren durch die digitalen Viren. Ja diese Schutz- und Kampfmassnahmen treiben uns geradezu in die Arme der digitalen Viren. Je weiter wir unser Leben in die digitale Welt, in die vom Menschen gemachte virtuelle Welt verlagern, desto verletzlicher, desto anfälliger, desto unsicherer wird unsere Welt und werden wir.
In der analogen Welt boten uns räumliche Distanz und Nichtwissen (ja tatsächlich, auch Nichtwissen) einen gewissen Schutz vor Angriffen aus aller Welt. Der Feind musste physisch, musste real, musste weitgehend sicht- und erkennbar in unserer Nähe auftauchen. Herr Putin hat im Kampf mit der Ukraine um die Krim diese Tatsache sehr erfolgreich umgangen, indem unbekannte grüne Männchen einsickern und schliesslich von innen heraus in der Ukraine den Kampf austragen liess. Es gibt noch weitere Beispiele, wo diese Kampfart auch bewusst oder unbewusst angewandt wurde.
In der digitalen Welt ist jegliche Distanz aufgehoben. Über die Leitungen oder über Wellen sind wir alle auf das Engste miteinander verwoben. Das hat den Vorteil der schnellen Informationsweitergabe, hat aber auch den Nachteil, dass wir jetzt den Krieg in unseren Wohn- und Schlafzimmern sowie in unseren Home-Offices haben und natürlich in allen öffentlichen und gewerblichen Institutionen und Betrieben von Rang und Namen oder besser von strategischer Bedeutung.
Stellen Sie sich vor, wir hätten digital vernetzte Flugzeuge, die über Hard- und Software gesteuert würden, ja die ohne diese technischen Hilfen gar nicht fliegen könnten. Es braucht doch gar keine Flugabwehrraketen mehr, um Flugzeuge anderer Firmen oder Länder vom Himmel zu holen. Es reicht die Einschleusung eines Virus in die Programme der Flugsicherheit und schon landet ein Flugzeug im besten Falle sicher auf einem völlig anderen Flughafen als erwartet. Im etwas schlechteren Falle landet es nicht sicher irgendwo, sondern … Ihre Fantasie wird sich hier lebhaft austoben können.
Stellen Sie sich vor, wir hätten Autos, die völlig digital miteinander vernetzt sind und Sie sitzen nach der Zieleingabe drin und sehen sich einen Film an und wenn der Film zu Ende ist und Sie sich die reale Umgebung um sich herum anschauen, dann sind Sie in einem völlig anderen Land und wundern sich, dass Sie die Sprache nicht verstehen. Es könnte natürlich auch sein, dass Sie gar nicht so weit kommen, dass schon nach zehn Minuten im digitalen Raum ihre analoge Welt völlig zerbeult ist oder Schrott und mit ein bisschen mehr Pech Sie im Spital oder im Jenseits gelandet sind. So schnell kann es gehen.
Vergessen wir nicht, dass wir uns selbst und alle um uns herum auch ihr analoges Sein mit in die digitale Welt nehmen, nicht nur unser Liebsein, sondern auch unsere Abwehr, unsere Intoleranz und unser Feindsein. Ohne die digitale Welt konnten wir noch (und die Schweiz ist da wieder ein wunderbares Beispiel) wenigstens im eigenen Haus und im eigenen Land dafür sorgen, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrschten. Alle Selbstsucht, aller Eigennutz, alles Böse vertrieben über die Grenzen oder in die Gefängnisse aller Art. Im normalen Leben nur noch Frieden. Im digitalen Zeitalter gibt es diese Freiräume, diese Friedensräume nicht mehr.
Wer sich diese Räume schaffen will oder es zumindest versuchen will, muss nun mit immensen Kosten und Aufwand und allzeit wachsam für Sicherheit und digitale Waffen sorgen. Die Kosten werden die Corona-Kosten bei Weitem übersteigen (und wir sind ja jetzt schon bis in unendliche Weiten verschuldet). Die Schutzmassnahmen werden unser Leben total verändern. Angst wird unser Leben noch viel mehr durchdringen bei jeder Autofahrt, bei jedem Flug, bei jeder Aktion, die wir nicht selber steuern und bis an alle Grenzen autark ausführen können.
Nicht zuletzt denken Sie daran, dass jede Information, die Andere von Ihnen haben möchten, zu jederzeit unbemerkt über die digitalen Kanäle von Ihnen abgesaugt werden kann. Da helfen keine Gesetze, keine Moral, keine Strafandrohung. Sie merken es gar nicht. Allenfalls die Spitze des Eisberges wird bekannt werden und vor Gerichten landen, die dann nicht einmal die nötige Beweisführung werden liefern können.
Der bisher in Thrillern fantasierte Cyberwar ist ohne Kriegserklärung und völlig unbemerkt angebrochen. Wir sind mitten drin. Viren, die die Corona-Viren und deren Kollegen an Wirkung völlig in den Schatten stellen und die unser Leben viel mehr verändern werden als die analogen Viren. Seien Sie wachsam, denken Sie nach!
Gibt es Menschen, die nicht nur wie vom Teufel getrieben voranstürmen können oder im anderen Falle plötzlich die Notbremse ziehen und ins völlige Gegenteil verkehren wollen, sondern die frei, realitätsnah und dem Leben gemäss einen Weg suchen, der wahrscheinlich irgendwo dazwischen liegen wird, vielleicht aber auch völlig fernab, weil völlig Anderes „sinnvoll“ ist? Ich denke, solche Menschen hätten wir bitter nötig.
 

Pandemie(12/2020)

Leben mit der Pandemie (12/2020)

Hier teile ich mit Ihnen zwei Briefe an das BAG, weil es ja doch im Zusammenhang mit dem Virus eine Menge zu bedenken gibt und weil uns der Virus ja auch viel Grund zum Nachdenken gibt. Bitte fasse niemand etwas als Kritik oder Schuldzuweisung auf. Aber uns bewusst werden, was da gerade mit uns geschieht, wollen wir doch schon, oder?
20. September 2020
Bundesamt für Gesundheit BAG                                                                    
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Betr.: Neueste (und alte) Pandemieregelungen.
Sehr geehrte Damen und Herren
Als Pneumologe bin ich nun jeden Tag mit Kranken konfrontiert und erlebe ich die Auswirkungen des Virus und die Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen.
Ich hatte Ihnen ja schon am Ostersonntag meine Ideen dazu zukommen lassen und Sie haben sie verworfen. Das ist Ihr gutes Recht und was richtig ist, wissen wir ja alle nicht, auch ich nicht. Aber ein paar Gedanken kommen mir als Mann an der Basis da natürlich schon. Die würde ich gerne mit Ihnen teilen, denn Sie haben da oben natürlich wenig Zeit zum Nachdenken und sind allen möglichen Interessen ausgesetzt. Wie man an Ihrer Stelle eine klare und wohl überlegte Linie fahren kann und soll, ist mir sowieso nicht klar. Das wäre meines Erachtens übermenschlich. Genau das aber erwarten wir hier unten ja von Ihnen.
Es ist sicher nach wie vor so, dass die Gesichtsmasken eine der wichtigsten Massnahmen im Kampf gegen oder heute besser in der Abwehr (denn gewonnen hat ja er und nicht wir) von Corona-Viren sind. Da gibt es die maschinell hergestellten und technisch geprüften Masken. Sie sind dann certifiziert und genügen den technischen Anforderungen. Nun aber kommen wir Menschen, Ihr Volk. Uns wird einfach per Gesetz aufgetragen: Tragen Sie diese Masken, im Spital und der Arztpraxis sowieso und an anderen Orten auch. Das Dumme ist, technisch geprüft heisst ja noch lange nicht: Im menschlichen Leben auch brauchbar und optimal wirksam. Für das Echte, für die Realität, gibt es keinen Ersatz!!! Da lohnt es sich, jahrelang drüber nachzudenken. Technische Prüfungen ersetzen nicht die Überprüfung im täglichen und menschlichen Gebrauch. Sinnvoll sind sie unter Umständen gleichwohl.
Seit Mitte März tragen wir in unserer Praxis ausnahmslos Masken, wir als Personal sowieso, unsere Patienten auch. Unsere Patienten tragen die chirurgischen Gesichtsmasken. Ich habe nur sehr selten erlebt, dass die Handhabung der Gesichtsmasken in einer Virusabwehr angemessenen Weise geschah. Mit manchen habe ich das diskutiert und sie waren sehr erstaunt. Aber das kann ich nicht mit allen machen. Eigentlich kommen sie ja aus anderen Gründen zu mir. Im OP-Saal sind die Masken sicher geeignet und angemessen (obwohl ich da inzwischen auch leichte Zweifel habe), im täglichen Leben von Otto-Normalverbraucher und unseren Kranken und selbst vielen anderen aber sind sie technisch geprüfter und certifizierter Unsinn. Manche Kranken kamen herein und wir mussten gleich die Maske abnehmen, weil sie gar keine Luft darunter bekamen. Das sind die, die ein Zeugnis brauchen, damit sie keine Masken tragen müssen und der Virus weiss, dass er einen grossen Bogen um sie machen muss. Andere behielten sie auf, nahmen aber jede Minute die Hand an die Maske vor der Nase und zogen sie von der Haut weg, damit sie hinter der Maske atmen konnten. Viele rückten sich die Maske irgendwie zurecht oder sie kitzelte am Gesicht oder juckte etc. Immer waren die Hände im Gesicht und an der Maske. Kaum eine dieser Masken hätte auch nur einen meiner Patienten geschützt, wenn ich infiziert und ansteckend gewesen wäre. Mich haben diese Masken sicher etwas geschützt.
Für mich ergibt sich der Eindruck, dass Sie da oben Betrügern aufgesessen sind. Natürlich wollen wir alle höchst wissenschaftlich begründet handeln, nicht nur Sie, sondern ich auch. Aber „technisch geprüft“ (und für gut befunden) heisst eben nicht „im menschlichen Leben geprüft“ und dort dann auch so gut als möglich wirksam. Letztlich entscheidet über „am wirksamsten“ nicht „technisch am besten“, sondern im menschlichen Leben am tauglichsten.
Zu Beginn der Pandemie wurde klar, dass es Masken braucht. Ich nehme an, dass viel mehr Leute und Politiker das wussten als es auch sagten oder propagierten. Welche nehmen? Die vorhandenen waren die „Chirurgischen Gesichtsmasken“. Also nahm man die. Die Asiaten haben es ja schon vorgemacht. Also machten wir es nach.
Der Gebrauch von Gesichtsmasken ist ja sehr emotional bedingt. Klares Nachdenken über Sinn und Unsinn desselben ist eher selten. Schon der Gebrauch in Asien in den letzten Jahren war ja eher emotional aus Angst begründet als realistisch. „Chirurgische Gesichtsmasken“ sind ja nun nichts gegen Gase, sind ja keine Gasmasken. Sie sind ja auch kaum wirksam gegen Stäube, weil wir ja doch ganz überwiegend nicht durch das Material atmen, sondern dran vorbei. Es bräuchte schon richtige filternde Staubmasken. Kaum ein Mensch würde es lange aushalten, immer durch das Material zu atmen. Dazu fehlen uns die Kräfte in der Atemmuskulatur. Deshalb werden bei der Feuerwehr ja nur die gesündesten, kräftigsten und jungen Männer für die Arbeit unter Atemschutz ausgewählt. Andere können das gar nicht. Ich habe noch keinen Landwirt erlebt, der mit seiner effektiven Staubmaske lange im Stall gearbeitet hat, weil die SUVA/Berufsgenossenschaft das so vorschreibt. Viel mehr als eine Stunde ist gar nicht drin. Das ist mir auch nachvollziehbar. Das hat nichts mit Nachlässigkeit, Faulheit oder Schlimmerem zu tun. Das liegt einfach daran, dass wir nach technischen Gesichtspunkten fordern und der Mensch hat sich gefälligst wie eine Maschine dran zu halten! Wir sind aber keine Maschinen!
Gegen Viren braucht es eine aufnehmende, absorbierende Gewebsschicht vor dem Gesicht. Natürlich wäre eine Gasmaske auch gegen Viren wirksamer. Aber die ist nicht praktikabel. Wir leben ja auch in nicht steriler Luft und sind trotzdem nicht immer krank. Einzelne Erreger in der Luft durch das Atmen werden nicht immer gleich zu Ansteckungen führen oder bedürfen längerer Exposition bis es tatsächlich zu einer Infektion kommt. Tröpfchen tragen eine hohe Anzahl von Erregern. Die Exposition müssen wir mit hoher Dringlichkeit vermeiden. Das ist mit dickerem und dichterem Gewebe vor dem Gesicht durchaus gegeben, auch wenn wir nicht durch das Gewebe atmen, sondern dran vorbei. Und denken wir daran, die Ausbreitung einer Pandemie zu verhindern oder diese nun mit viel mehr Aufwand wieder einzudämmen, braucht keine 100 % Verhinderung von Ansteckung. Da reichen 80 oder 90 % auch, aber bei einem möglichst grossen Anteil der Bevölkerung. Sie erreichen genau das Gegenteil.
Die „Chirurgischen Gesichtsmasken“ sind wirklich eine Tortur, wenn man sie lange oder den ganzen Tag vor der Nase tragen muss. Ich kann inzwischen verstehen, wenn die meisten Menschen sich dadurch wirklich gestört fühlen und sie meiden, wo sie können. Im Grunde geht es mir nicht anders. Das ist es, was zur Erschöpfung der Bevölkerung führt.
Man hat sehr wissenschaftlich gehandelt, hat einfach die „Chirurgischen Gesichtsmasken“ auf die Pandemiesituation übertragen und gekauft und verpflichtend gemacht. Hat man denn überhaupt wissenschaftlich untersucht, wie man am besten eine weltweite Pandemie mit Gesichtsmasken verhindert? Wie müssten solche Masken beschaffen sein? Hat man nicht höchst unwissenschaftlich einfach eine OP-Maske in einen anderen Nutzungsbereich übertragen, ohne vorher wissenschaftlich die beste Wirksamkeit zu erforschen? Dann sollten wir uns auch darüber klar sein, dass wir völlig unwissenschaftlich handeln, auch wenn Experten und Infektiologen dies so empfehlen. Auch Wissenschaftler sind Menschen und mit ihren „wissenschaftlichen Scheuklappen“ unwissenschaftlich fixiert. Wie oft erlebe ich das in der Medizin. Lassen Sie uns kritischer werden im Glauben an Experten und in der Vorgabe von Massnahmen. Technisch wirksam heisst noch lange nicht menschlich wirksam, wenn nicht oft sogar das Gegenteil.
Was ich allerdings von Anfang an vermisst habe, ist die Kooperation zwischen Regierung und Bevölkerung. Ist es wirklich einer aufgeklärten Gesellschaft angemessen, dass eine demokratisch gewählte Regierung mit dem Volk im Wesentlichen über Gesetzeswerke kommuniziert? Wir hätten zu Beginn sehr schnell genug Gesichtsmasken selber nähen können, so dass ein Engpass mit den maschinell hergestellten hätte gar nicht auftreten müssen. Die sinnvolle Handhabung von Gesichtsmasken hätte eigentlich an jeder Strassenecke demonstriert werden können und müssen. Noch heute werden doch weit mehr als die Hälfte der Gesichtsmasken in einer Weise getragen, dass sie den Virus gerade zur Verbreitung einlädt.
Das Dumme an Gesetzen ist auch, je strikter und je mehr, desto mehr Abwehr erzeugen sie bei den Betroffenen, vor allem bei den Männern.
Wenn ich inzwischen die Länge der Corona-Verordnungen sehe – und das Corona-Problem haben wir nun gerade erst einmal ein guten halbes Jahr, dann ist es schon erstaunlich, wie das mit einem freien Volk zu vereinbaren ist. Es stimmt leider, dass wir als Volk sehr dumm sind. Das Tragen von Gesichtsmasken und wie es gehandhabt wird in dieser Situation zeigt, wie dumm wir sind. Werden wir durch immer mehr blindes Gehorchen auf Regeln und Gesetze von oben schlauer?
Wenn eine Regierung sein Volk tüchtiger, widerstandsfähiger, freier, nachdenklicher machen will, dann werden Regeln und Gesetze vermutlich eher ungeeignete Massnahmen sein. Ist Ihnen das nicht nachvollziehbar?
Zum Schluss bitte ich Sie noch einmal, meine Ausführungen nicht als Kritik im üblichen Sinne aufzufassen, sondern als Versuch, die Ergebnisse Ihrer harten Arbeit mit der Realität meines Lebens und Arbeitens mit leidenden Menschen, wenn schon nicht in Übereinstimmung zu bringen, so aber doch bewusst zu machen. Vielleicht gelingt uns dann bei der nächsten Pandemie doch ein wohl durchdachteres und begründeteres Vorgehen?
Übrigens noch ein Gedanke zum Nachdenken:
Intuitiv gehen wir davon aus, dass unser Leben eine Linie ist, gerade oder manchmal sogar logarithmisch oder exponentiell. Wir machen unsere Welt immer besser, indem wir alles immer detaillierter, genauer, bürokratischer, geprüfter, gleicher … machen. Herr Gauss hat vor vielen Jahren entdeckt, dass die dem Leben angemessenere Linie wahrscheinlich die nach ihm benannte Kurve ist. Je länger ich meine Umwelt und mich beobachte und darüber nachdenke (nun schon eine grössere Anzahl von Jahren), desto mehr merke ich, wie Recht er doch hat. Sie kennen die Gausskurve? Richtig. Das Optimum liegt nicht in der Spitze, sondern in der Mitte. Falls Sie das in den nächsten Jahren in Ihrem Leben durchdenken, Ihres und das Leben von Anderen beobachten und Ihr Handeln danach ausrichten, wird sich Ihre Sicht von Gott und der Welt dramatisch ändern, vermutlich realitätsnaher werden. Das wünsche ich Ihnen und mir auch.
Freundliche Grüße
W. Flade
Antwort des BAG: Besten Dank. Wir haben Ihre Ausführungen zur Kenntnis genommen.
  • – – – – – –
5. Dez. 2020
Bundesamt für Gesundheit BAG
Schwarzenburgstrasse 157
3003 Bern
Betr.: Gesichtsmasken.
Sehr geehrte Damen und Herren
Als Pneumologe bin ich nun jeden Tag mit Kranken konfrontiert und erlebe ich die Auswirkungen des Virus und die Auswirkungen der Eindämmungsmassnahmen.
Ich hatte Ihnen ja schon am Ostersonntag und auch am 20. September meine Ideen dazu zukommen lassen und Sie haben sie „zur Kenntnis genommen“.
Es ist sicher nach wie vor so, dass die Gesichtsmasken eine der wichtigsten Massnahmen im Kampf gegen oder heute besser in der Abwehr (denn gewonnen hat ja der Corona-Virus und nicht wir) von Corona-Viren sind. Da gibt es die maschinell hergestellten und technisch geprüften Masken. Sie sind dann zertifiziert und genügen den technischen Anforderungen. Ob sie damit aber in Kombination mit den lebenden Menschen, also uns, so wirksam sind, steht ja bekanntlich auf einem ganz anderen Blatt.
Jeden Tag habe ich inzwischen Anfragen, Bitten, Aufforderungen und Forderungen nach Zeugnissen, damit Menschen die Gesichtsmasken nicht tragen müssen. Anfangs waren viele dabei, die einfach keine Lust dazu hatten. Inzwischen sind es viele Menschen, die wirklich Beschwerden unter den Masken haben, die eigentlich auch einsehen, dass es besser ist, sie tragen die Maske, die aber einfach unter den Masken leiden.
Es gibt zunehmend Menschen, die von den Masken Kopfschmerzen bekommen, die Atemprobleme bekommen, die Kreislaufreaktionen bekommen, die Hautprobleme bekommen und natürlich eine absolute Aversion gegen die Masken.
Spezifisch als Pneumologe werde ich von den Asthmatikern angegangen. Sie leiden unter der Maske mehr an Chrott/Fremdkörpergefühl im Hals, mehr an Husten und Schleimbildung und in der Folge nicht wenige auch mehr an Atemnot. Das haben oft auch Asthmatiker, die nur ein leichtes Asthma haben, die bisher gar nicht behandelt haben oder nur geringe Therapie brauchten und die sonst völlig gesund, jung und fit sind. Zunehmend sind es Schüler mit Problemen in der Schule. Für alle diese Patienten habe ich bisher kein Zeugnis ausgestellt. Ich halte das einfach nicht für angemessen.
Die Begründung, unter der Maske bekämen sie zu wenig Sauerstoff, halte ich für völlig unbegründet. Der Totraum hinter den Masken ist so gering, dass er die Sauerstoffaufnahme nur marginal beeinträchtigt. Diesen Grund lasse ich bei meinen Patienten nicht gelten. Andere geben an, Angst vor Ansteckung durch Keime in den Masken zu haben. Auch diese Begründung sticht nicht, da wir die Masken ja allenfalls einen Tag lang, wenn nicht deutlich kürzer benutzen und dann entweder vernichten oder auskochen.
Was ich aber für sehr wahrscheinlich halte, ist, dass die Ausatemluft ja Feuchtigkeit enthält, die dann beim Ausatmen im Gewebe der Maske gespeichert wird (gleichfalls auch die Wärme der ausgeatmeten Luft) und beim anschliessenden Einatmen wieder an die Luft abgegeben wird. Das verursacht ein Gefühl von verbrauchter Luft, die eingeatmet wird. Dieses Gefühl im Gespräch zu entkräften, gelingt mir schwer. Sehr wahrscheinlich ist es auch die feuchte Wärme, die bei meinen Asthmatikern den Reiz im Hals und teilweise sogar die Verschlechterung des Asthmas verursacht.
Wenn Asthmatiker (aber sicher auch schon manche gesunde Menschen) während eines ganzen Arbeitstages die Maske tragen müssen, dann überfordert das bei so manchem auch die Kraft und Leistung der Atemmuskulatur. In den Atemmuskeln haben wir nämlich längst nicht so viel Kraft, wie wir annehmen.
Ganz neu ist, dass Menschen mit zunehmenden Hautreaktionen im Gesicht zu uns kommen. Diese Hautreaktionen können allergisch bedingt sein, werden aber sehr wahrscheinlich viel häufiger durch die entstehende „feuchte Kammer“ hinter der Maske verursacht sein. Das muss zu Hautreizungen, Entzündungen und ähnlichem führen. Es wäre verwunderlich, wenn nicht.
Wir hatten ja schon im März mit Gesichtsmasken getestet, in der Hoffnung, dass alle Welt innerhalb weniger Tage Gesichtsmasken tragen könnte und deshalb waren die damals so einfach wie möglich und schnell und leicht selbst herzustellen. In der Zwischenzeit habe ich entdeckt, dass diese Masken ganz andere Vor- und Nachteile haben, die zu bedenken hilfreich und interessant ist.
Diese Masken waren und sind eigentlich keine Masken, sondern Gesichtsvorhänge. Sie sind oben hinter den Ohren oder hinter dem Kopf gebunden, fallen nach unten locker ab und lassen einen freien Raum zwischen der Maske und dem Gesicht. Sie liegen vor allem auf der Nase auf und unter den Augenlidern. Sonst ist der Hautkontakt nur gering. Der Vor- und Nachteil ist, dass man nicht durch das Gewebe atmen muss, sondern frei nach unten weg atmen kann. Das führt dazu, dass keine Atemwegswiderstandserhöhung auftritt, dass keine feuchte Kammer und kein Totraum entstehen, dass die Luft kaum angefeuchtet und kaum angewärmt wird und daher weitgehend als frische Luft in unsere Lungen kommt.
Gegen Tröpfchen-Infektion, zumindest wenn man die Masken etwas weiter nach unten reichen lässt und nicht zu kurz schneidet, werden diese Textilmasken nicht schlechter abschneiden als maschinell hergestellte und technisch geprüfte und certifizierte. Natürlich dürfen sie nicht zu dünn (z.B. einlagig) sein, aber das müssen sie ja auch gar nicht, wenn man nicht durch das Gewebe atmen muss.
Bei der Abwehr von Aerosolen müssen die Gesichtsvorhänge schlechter abschneiden als die weitgehend vollständig geschlossenen Masken. Das ist ein klares Manko. Wenn wir dem aber entgegen halten, dass die certifizierten und eng anliegenden Masken sehr viele Menschen zu häufiger Berührung der Aussenfläche und damit Infektionswahrscheinlichkeit verleiten (sei es wegen Kitzelns, wegen zwischenzeitlicher Erleichterung des Atmens, wegen Verrutschens und vieler anderer Gründe), dann stellt sich die Frage, ob certifiziert und damit als „sehr gut“ eingeschätzt nicht unter Umständen in der Alltagswirkung bzw. Pandemieabwehr im menschlichen Gebrauch nur „gut“ oder „mittelmässig“ ist und natürlich auch umgekehrt.
Gesichtsvorhänge sind bei sportlichen Betätigungen leichter zu tolerieren. Sie behindern sehr viel weniger als dichte Masken. Asthmatiker können sie besser aushalten als dicht schliessende Masken. Menschen mit Hautveränderungen im Gesicht werden Textilvorhänge meist ohne Probleme tragen können.
Ich nehme an, dass wir bald bei 20 % Anteil der Bevölkerung liegen werden, die Probleme mit den eng anliegenden Gesichtsmasken haben. Gesichtsvorhänge sind aber allemal wirkungsvoller als Zeugnisse, dass die entsprechenden Personen vom Tragen von Gesichtsmasken befreit sind. Der Virus wird die Zeugnisse ja wahrscheinlich nicht lesen können um dann einen weiten Bogen um diese Personen zu machen. Wir werden uns ja nun auf einen Langzeitgebrauch der Masken einstellen dürfen und müssen.
Interessant und nachdenkenswert halte ich an dieser Stelle auch die Tatsache, dass für viele Bürger gar nicht der Corona-Virus der Gegner oder Verursacher der Einschränkungen ist, sondern die jeweilige Administration, Behörden und Regierungen. Mir scheint, fast alle verkennen die Tatsachen, sowohl in leitender Funktion wie an erleidender Stelle.
Freundliche Grüße
W. Flade
Antwort des BAG: Automatische Antwort: Besten Dank. Wir bekommen so viele mails. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir sie nicht alle beantworten können und dann kommt ein langer Abriss über alles Mögliche im Zusammenhang mit Covid 19.

 

Werte(11/2020)

Werte (11/2020)

Es ist natürlich eine sehr interessante Frage, was für uns Werte sind und wie wir zu der Bewertung kommen. Eine sehr einfache Sichtweise, diese Frage zu beantworten, ist, die Dinge mit einem Preis zu versehen und damit haben wir eine Wertvorstellung. Diese Sicht ist heute sehr gebräuchlich. Wir ärgern uns, dass Geld die Welt regiert, aber messen Wert ausgerechnet mit Geld und fast nichts anderem. Geld hat für uns den höchsten Wert oder würden Sie da in Ihrem und für Ihr Leben widersprechen? Warum tun wir das eigentlich so, obwohl wir Geld und den Wert des Geldes und dass Geld unser Leben so bestimmt, zutiefst verachten, zutiefst ablehnen, womöglich sogar abstreiten?
Betrachten wir mal unsere Wertbestimmung etwas. Geld ist eine Frage von Zahlen. Die Börsianer freuen sich, wenn und dass die Werte steigen, in immer neue Höhen, immer neue Höchststände, immer neue Rekorde. Da jubelt das Börsianerherz (und das Börsianerportemonnaie).
Nehmen wir uns mal prominente Werte heraus, die IT-Giganten. Sie haben in den letzten Jahren vorher unvorstellbare Wertzuwächse verzeichnet. Jeder hält heute IT für lebensnotwendig und deshalb wird IT gekauft, gekauft, gekauft (und deren Aktien und Papiere auch). Viele von uns Kunden kaufen derart unkritisch, dass man sich fragen muss, wo da die Vernunft bleibt. Wir glauben an die Algorithmen wie an die reine Wahrheit. Wie funktionieren die Algorithmen? Haben Sie sich und die Hersteller das schon mal gefragt? Da gibt es heute zum Beispiel Uhren am Handgelenk, die uns sagen (wollen), wie unsere Schlafqualität in der letzten Nacht war. Da stellt niemand Fragen? So strohdumm sind wir Kunden schon, einerseits, weil wir uns von den Produzenten (heutigen Wertegiganten) dermassen einlullen lassen, andererseits, weil wir nicht einmal mehr Fragen in unser ach so wundervolles und als Krönung der „Schöpfung“ betrachtetes Hirn bekommen?
Die Menge des angelegten Geldes (z.B. in einem der IT-Giganten) legt heute fest, was eine Firma Wert ist. Apple z.B. hat einen Wert von … (und dann folgt eine unvorstellbar lange Zahl), weil die Anleger so und so viel Geld für deren Aktien hingelegt haben. Das ist eine Form von Wertberechnung, die auch in der Grundschule schon erlernt werden kann.
Vor 50 Jahren gab es alles das noch nicht. Man stelle sich das einmal vor. In meiner Kindheit gab es noch keine IT. Die Leute um mich herum starben wie die Fliegen, weil wir noch keine IT hatten. Wir hungerten, waren depressiv, konnten gar nicht in der Welt herumreisen, hatten keine Ahnung, was in der Welt so los war, hatten eine Lebenserwartung von nur 40 Jahren, wir wussten gar nicht, was Liebe ist, alles, weil wir noch gar keine IT hatten. Dann kam endlich Bill Gates, der Erfinder der Erfinder. Die Rettung der Menschheit wurde geboren, die IT. Ich hatte Glück. Ich habe diese schreckliche Zeit damals überlebt (Ich stamme ja auch aus dem Osten. Da musste man damals sowieso Überlebenskünstler sein).
Stellen Sie sich vor, wir Menschen würden entscheiden, dass es uns in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts doch menschlich viel besser ging als heute. Das ist doch gar nicht so abwegig, wenn wir bedenken, dass im Nachhinein die alten Zeiten ja oft viel schöner erscheinen als die heutigen (und als die alten Zeiten damals vermutlich waren). Wir hatten zwar keine IT, aber das Leben war hoffnungsfroh. Wir waren uns menschlich viel näher. Wir hatten noch unsere überschaubare Welt, mussten nicht immer auf alle möglichen Anderen und Ereignisse in der Welt achten. Heute weiss doch gar keiner mehr, was „Ruhe“ ist. War das Leben damals vielleicht lebenswerter als heute? Stellen wir uns vor, wir entschieden, wir wollten wieder so leben wie damals. Was wären unsere IT-Giganten Wert?
Natürlich gäbe es noch all die IT-Technik, die Hardware, die Software, die Arbeitsplätze. Aber wenn wir entschieden, dass wir ohne sie leben wollten? Welchen Wert hätten sie noch, die IT-Giganten? Schrottwert. Die Arbeitsplätze? Nicht vorhanden. Und dass man ohne IT-Technik überleben kann, dafür bin ich der lebende Beweis. Ich lebe noch, erwachsen geworden völlig ohne IT-Technik.
Was also ist der reale Wert der IT-Giganten? Er ist gar nicht feststellbar, denn er ist in Geld zwar zu bewerten, aber es kommt darauf an, von wo aus man den Wert betrachtet. Und der Wert, den wir heute als Zahlenwert hören, ist eine reine Fiktion. Morgen ist er schon wieder ganz anders. Den Wert bestimmen wir mit unserem „Ich will haben (obwohl ich das zum Leben doch gar nicht brauche)“. Der reale Wert liegt zwischen 0 (Wir würden alle IT vergessen) und dem heutigen Börsenwert (das haben Anleger tatsächlich dafür an Geld hingelegt).
Was ist uns die IT heute tatsächlich Wert? Wenn wir heute sehen, wie uns in Politik und Wirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Kultur, ja selbst in der Religion IT als Lösung angepriesen wird, dann muss ich den Eindruck haben (ob ich an Jesus oder irgendeinen Gott glaube oder nicht, ist das völlig egal) es gibt nur eine Rettung auf der Welt und für jedes Problem, IT-Technik! Sind wir denn noch klar im Kopf?
Grob würde ich annehmen, dass der Wert der IT-Giganten etwa bei einem Drittel der heute üblichen Zahlen liegt. Vielleicht sollten wir eine Studie in Auftrag geben, damit wir genaue Zahlen bekommen? Merken Sie den Sinn solcher Studien? Hören Sie heraus, welchen Wahrheitsgehalt, welche Realitätsnähe in ihnen möglich wäre, wie sicher die Zahlen stimmen würden? Der Rest ist gut versteckte Inflation unseres Geldes. Merken Sie, was den Wert von Geld ausmacht? Vielleicht sollten wir wieder eine Studie in Auftrag geben, damit wir auch da genaue Zahlen bekommen? Sie kennen das Spielchen nun schon.
Stellen Sie sich einmal vor, uns würden diese Wertvorstellungen, diese Werte (oder auch Unwerte, diese Wertlosigkeiten) bewusst und wir würden unsere Einstellung ändern und unser Handeln danach ausrichten, unser Werte-System, unser Finanzsystem, unser Wirtschaftssystem, unser Rentensystem würden kollabieren, vermutlich sehr viel wirkungsvoller als 2008 und es spricht viel dafür, dass unsere Nationalbanken bereits vorher alle Munition verschossen haben. Da wäre keine übergeordnete Instanz, die noch helfen könnte. Auch ein Bitcoin wäre da sehr wahrscheinlich keine Lösung, denn so neu und andersartig er ist, gehört er doch schon zum alten Wertesystem.
Unser Gesellschaftssystem funktioniert nur, weil wir alle wegschauen, weil wir alle weiter gerne mit unseren Vorurteilen leben wollen, weil wir bisher gut mit ihnen lebten und uns vormachen, dass es so weiter gehen könnte. Unser Gesellschaftssystem funktioniert nur, weil wir strohdumm sind und weil uns jegliche Selbstbeherrschung an den entscheidenden Stellen fehlt.
Beten Sie inständig zu Ihrem Gott (welcher das auch sein mag), dass er Ihnen und uns nicht die Augen öffne für das, was in der Realität und daher mit uns selber los ist, denn als erstes würden die geöffneten Augen den kompletten Gesellschaftskollaps bewirken. Bloss das nicht! Schlafen Sie bitte tief und fest weiter!

 

Inflation(11/2020)

Inflation (11/2020)

Vor nunmehr fast 100 Jahren brachte eine Inflation fast in die ganze Welt eine furchtbare Krise und einen wirtschaftlichen Einschnitt, weil plötzlich das Geld wertlos wurde. Seitdem hat die ganze Welt Angst vor einer solchen Wiederholung. Ich gehöre dazu.
Spätestens seit der letzten Krise 2008 versuchen die Ökonomen und einflussreichen Politiker (stimmt ja eigentlich nicht, eigentlich sind es die Nationalbanker in Abgrenzung zu den Politikern), eine Teuerungsrate von etwa 2 % zu halten, weil das einen gewissen Level von Wachstum am besten unterstützen würde. Eigenartigerweise haben sie das bis heute nicht geschafft, obwohl sie Geld in einer Menge gedruckt haben, dass die damalige Geldmenge überschritten wurde. Nicht nur wir, auch die Banker und andere merken: Da stimmt doch etwas nicht!
Vor 100 Jahren standen die sozialen Sicherungssysteme noch nahe dem Anfang, auf dem aufsteigenden Teil der Gausskurve. Jeder war glücklich, dass er endlich konsumieren konnte und sich um die Sicherung im Alter keine Gedanken machen musste. Die meisten erlebten dieses Alter ja sowieso nur kurz. Das Geld wurde in den Konsum gesteckt, in die goldenen zwanziger Jahre (des letzten Jahrhunderts).
Heute sieht die Welt ganz anders aus. Heute sind die sozialen Sicherungssysteme alle am Anschlag. Wir sind auf dem absteigenden Teil der Gausskurve. Jeder weiss inzwischen, dass die Sicherungssysteme unseren Wohlstand nicht werden erhalten können. Die Vernunft sagt: Sparen, sparen, sparen. So wird Geld in Immobilien, in staatlichen Wertpapieren, in Aktien, Funds, Gold und anderen „Werten“ angelegt. Konsummieren ja gerne, konsummieren wollen wir auch, aber nicht bei steigenden Preisen. Woher das Geld nehmen und nicht stehlen, um die Preise niedrig zu halten? So werden die Preise durch staatliche Subventionen aller Art und andere Förderungen niedrig gehalten. Um diese Programme zu bezahlen und vieles Andere mehr muss der Staat nun Geld aufnehmen, muss Schulden machen, also doch Geld bei unseren Kindern, wenn nicht sogar von uns selbst stehlen. Das erleben wir nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Der Wert der „Werte“ ist relativ, relativ zu unseren Wertvorstellungen, sicher noch manchem Anderen und auch der Geldmenge, die wir für die „Werte“ hinblättern. Wenn wir für eine bestimmte Anzahl von Immobilien 2 Milliarden einer Währung hinlegen und wenig später ein Anderer Investor das Zehnfache hinlegt, dann ist zwar für den einzelnen Verkäufer der Immobilien mehr Geld herausgesprungen. Im grossen Massstab hat sich aber nicht der Wert der Immobilien gesteigert, sondern der Wert des hingelegten Geldes hat entsprechend abgenommen. Es ist ein qualitativer Unterschied für einen Vorgang, ob der Vorgang selten oder oft passiert. Es ist ein Unterschied, ob wir etwas von der einen oder von der anderen Seite betrachten.
Der Wert der Immobilien in einem Land wächst je nach Veränderung der Bewohnerzahl, je nach Interesse anderer an den Immobilien im Land und weiterer Faktoren. Wenn wir die Entwicklung der Immobilienpreise seit 2008 beobachten (dem Jahr der letzten grossen Krise), dann werden wir von einer Wertsteigerung in vielen Zentren dieser Erde ausgehen können (in abgelegenen Teilen der Erde auch vom Gegenteil). Wenn wir also seit 2008 nominale Steigerungen von 30 % und mehr haben, dann stellt sich die Frage, ob diese 30 % wirklich komplett Wertsteigerungen waren. Natürlich könnten wir jetzt eine Studie in Auftrag geben, die uns am Ende eine Zahl mit mindestens einer Stelle nach dem Komma anzeigen würde. Nur, woher wollen Sie solche schwammigen Prozesse und Entwicklungen mit Zahlen unterlegen und diese dann als realitätsnah schmackhaft machen und wir sollen sie glauben? Sehr wahrscheinlich sind die Zahlen mehr oder weniger fern der Realität. Wir könnten also mal schon die Stelle nach dem Komma weglassen. Wahrscheinlich werden wir grob annehmen dürfen, dass die Hälfte der Wertsteigerung der Inflation zuzuschreiben ist, wenn nicht sogar mehr?
Noch viel ausgeprägter ist diese Entwicklung bei den Aktien, bei den Fonds oder darauf aufbauenden Kombinationspapieren. 2007/8 hatten sie dramatisch an Wert verloren und seitdem haben viele der Aktien bereits wieder weit mehr als 100 % draufgelegt, die einen mehr, die anderen weniger. Bei zuvorkommender Wirtschaftsweise (Wirtschaften nicht als Ausbeutung der Ressourcen, nicht als Ausbeutung der Untergebenen, nicht als Über-das-Ohr-Hauen der Kunden etc.) wird durchschnittlich bei optimaler Performance allenfalls die frühere Zinsrate auf dem Sparbuch von 3 % herausspringen. Möglicherweise ist das unter diesen Umständen schon ambitioniert? Unter jährlich 3 % wären wir heute nach 12 Jahren bei einem Zuwachs von ungefähr 40 %. Wo stehen wir tatsächlich? Da können wir eine 0 anhängen.
Jeder Wert, den wir auf irgendeine Weise bestimmen würden, könnte nur falsch liegen, weil wir gar nicht in der Lage sind, so viele Einflussfaktoren, wie sie in der Realität einwirken, mit zu verarbeiten. Wir werden aber der Realität sicher recht nahe liegen, wenn wir konstatieren, dass die Wertentwicklung der letzten 12 Jahre einen grossen Batzen an Inflation enthält. Diese Inflation wird den Wert unserer aus diesen Werten generierten Renten und Pensionen entsprechend schmälern. Das wird uns natürlich niemand auf den Rappen oder Cent ausrechnen, auch nicht können. Die nominalen Werte sind auch völlig uninteressant, aber wir werden es in reduzierter Kaufkraft merken.
Nun aber kommt der grösste Brocken: Um die Preise niedrig zu halten, an denen die Nationalbanker die Inflation messen, sind in den letzten Jahren (und ganz besonders massiv und enthemmt durch die Corona-Krise) Summen von Geld gedruckt worden (oder anders gesagt, Schulden gemacht worden bei den uns nachfolgenden Generationen), dass wir von Inflation kaum noch reden können. Das ist doch eine Art von Superinflation, wie wir sie noch nie gesehen haben. Nationalbanker, Politiker und Ökonomen sind aber offenbar nicht in der Lage, ihre Messmethoden den geänderten Verhältnissen anzupassen. Scheuklappen, nein, Scheumauern so dick wie Bunkerwände im 2. Weltkrieg… Bloss nicht die Blickwinkel ändern. Erstaunlicherweise hören wir von den heute am Ruder befindlichen Frauen keine gegenteiligen Weichenstellungen. Hätten wir das nicht angesichts der Gleichberechtigung der letzten Jahrzehnte erwartet? (Sorry, meine Damen!) Wie sehr wollen sich unsere heutigen Wirtschafts- und Banklenker und -lenkerinnen denn später rückwirkend schämen, wenn die Situation deutlich und unverkennbar klar geworden ist? Sie sind doch alle Experten (oder etwa nicht?)!
Müssen wir nicht die finanzpolitische Handlungsweise unserer Grossakteure seit 2008 ähnlich beurteilen wie die Handlungen insolventer Menschen oft vor Gericht zum Schluss beurteilt werden, als „Insolvenzverschleppung“?
Wie lange wollen wir diesen Scheumauerführern denn noch glauben, dass unser (gespartes) Geld das Wert sei, was sie uns vormachen? Glauben die das denn überhaupt selbst? Was würde passieren, wenn wir diese Zusammenhänge so nicht mehr glauben würden? Warum ändert das keiner? Warum ändern wir das nicht?
Meine derzeitig wahrscheinlich zutreffendste, aber nicht abschliessende Antwort: Wir würden genau die Entwicklung auslösen, die alle vermeiden wollen und weshalb alle Verantwortlichen das Spiel immer weiter spielen. Die Spieler (Herr Draghi nur als ein Beispiel) wusste das, aber er konnte nicht zur Wahrhaftigkeit zurückkehren, weil er dann der Auslöser der Krise gewesen wäre. Das wollte er natürlich nicht. Er hat es auch tatsächlich geschafft. Seine Nachfolgerin? Mal abwarten.
Wahrscheinlich gibt es gar keine Lösung!!! Die Lösung hiesse, wir müssten uns selbst beherrschen, müssten selbst zurückstecken, müssten raus aus unserer Bequemlichkeit, unserer Freude und dem Spass, dem Luxus und zunächst unsere bisher angehäuften Schulden bezahlen, bevor wir corona-bedingt neue Schulden machen. Bloss das nicht! Wir würden den Crash der Wirtschaft verursachen, den wir immer hinausgeschoben haben, denn mit den aus der Zukunft geborgten Geldern sind ja jeweils Arbeiten, die sonst hätten in der Zukunft gemacht werden sollen, bezahlt worden. Nicht nur negative Zinsen, nein, auch negative Arbeitsplätze…

 

Konzernverantwortungsinitiative(10/2020)

Konzernverantwortungsinitiative (10/2020)

Sehr geehrte Bürger der Schweiz
Sie haben in Kürze die wunderbare Gelegenheit über die Verantwortung von Konzernleitungen abzustimmen. Ich gratuliere Ihnen zu diesem Recht. Es bedeutet natürlich, dass man sich zu dem Thema ein paar Gedanken machen muss, bevor man seine Ansicht auf dem Stimmzettel markiert.
Unser Wirtschaftssystem basiert auf der einfachen Formel: Ich leiste etwas und möchte für diese Leistung von meinem Gegenüber den Gegenwert haben, meist in Geld (also 1:1) plus einen kleinen Anerkennungsbolus für meine Leistung (weil ich in der Zeit nicht einfach geschlafen oder konsumiert habe, sondern Leistung erbracht habe). Dieser Anerkennungsbolus erlaubt mir später, zu sparen, zu sammeln für grössere Projekte, zu konsumieren, was ich will, meine Wünsche zu erfüllen.
Dieser Anerkennungsbolus fehlt aber bei dem ersten Konsumenten jetzt in der Geldbörse. Er wird ärmer. Jeder muss also sehen, dass der Anerkennungsbolus (man kann ihn auch anders nennen: z.B. Gewinn oder Profit oder Zins) bei einem selber so gross wie möglich wird (als Konsequenz natürlich beim Anderen kleiner). Bei den allermeisten wirtschaftlichen Aktivitäten ist Gewinn auf der einen Seite Verlust auf der anderen Seite. Ich bin nicht sicher, ob es tatsächlich Win-win-Geschäfte in grösserem Ausmass gibt. Ich fürchte, wenn wir an Win-win-Geschäfte glauben, dann haben wir unseren Nachdenkhorizont nur nicht gross genug gewählt und unser vermeintlicher Gewinn vernebelt unser Hirn.
Genau das haben wir in den letzten Jahrhunderten ausgefeilt bis ins letzte betrieben. Auch wenn wir vielleicht im normalen Leben auf einen Teil dieses Anerkennungsbolusses zu verzichten bereit sind (was ich ernsthaft in Frage stellen muss, wenn ich unsere Wirtschaftsweise betrachte), dann sind wir aber doch an einem Punkt angelangt, wo wir für unsere spätere Rente oder Pension jeden Prozentpunkt Rendite mitnehmen müssen oder zur Tilgung unserer Kredite jeden Franken, Dollar oder Euro. Ohne Rendite keine Wirtschaft und Wirtschaft ist einfach Ausdruck von Leben, gar nichts besonderes.
Zweifelsohne haben wir reichen Länder unseren Profit (und da auch den Konzernprofit) den armen Ländern, Bevölkerungen, Menschen und Kindern und deren Umwelt abgetrotzt. Da wäre ein Ausgleich dringend und schon lange notwendig. Da haben wir massiv Unrecht getan und gesündigt, an den Menschen und an der Umwelt. Es gibt gar keine Frage, dass wir da in der Verantwortung stehen.
Doch wir müssen die Folgen Ihrer Markierung auf dem Stimmzettel abwägen.
Wenn Sie den Konzernen ihren Profit kürzen, dann kürzen Sie damit auch die Rendite für Aktien, Dividenden, Kunden (in Form niedrigerer Preise) und anderer Partner. Wenn die Profite unserer Konzerne sinken, wird auch die gesamte Wirtschaftsleistung sinken, das BIP und andere Kennzahlen. Mit Ihrer Markierung auf dem Stimmzettel erklären Sie gleichzeitig Ihre Bereitschaft, einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der Konzerne, der schweizer Wirtschaft und steigende Preise für im Ausland gefertigte Güter in Kauf zu nehmen und über die höheren Preise nicht zu stöhnen oder sie dann an anderer Stelle gar zu bekämpfen.
Bevor Sie die Markierung auf dem Stimmzettel setzen, überlegen Sie bitte, ob Sie selbst bereit sind, zu Gunsten dieser Benachteiligten Ihren Wohlstand zu reduzieren und Ihre Ansprüche an die Konzerne zu reduzieren.
Wir müssen uns doch klar machen: Die Konzerne haben nur Interesse an diesen Leistungen, Rohstoffen und Produkten aus Übersee, weil wir sie den Konzernen abkaufen und sie daher Profit machen können. Uns sind diese Leistungen offenbar so wichtig, dass wir dafür den Gegenwert hinlegen und einen Batzen an Anerkennungsbolus dazu. Sonst würden die Konzernchefs das gar nicht tun. Sie können ganz einfach Konzerne steuern, indem Sie solche Leistungen von den Konzernen ganz simpel nicht mehr einkaufen.
Nun könnten wir ja sagen, wir verzichten dann eben ganz auf wirtschaftliche Aktivitäten dort. Dann würden wir nur noch in der Schweiz wirtschaften. Dann müssten wir auf entsprechende Rohstoffe oder Leistungen aus Übersee mit allen Konsequenzen ganz verzichten oder dortige Wirtschaftsakteure würden die Funktion übernehmen. Dann hätten die dortigen Wirtschaftsakteure das gleiche Problem wir unsere Konzerne.
Es scheint so, als müssten wir die Markierung in unserem eigenen Leben setzen, um woanders etwas zu ändern (zu verbessern?). Egal wie wir das tun, würde es von uns verlangen, auf unseren Gewinn zu verzichten zu Gunsten Anderer. Sind wir, sind Sie, dazu in der Lage? Überlegen Sie sich das bitte vor dem Ankreuzen auf dem Stimmzettel.
 
 

Klimaschützer(10/2020)

Einladung an Klimaschützer (10/2020)

Sehr geehrte junge Generationen, sehr geehrte Klimaschützer
Natürlich haben Sie völlig Recht, wenn Sie den älteren Generationen vorwerfen, diese Erde ausgeraubt zu haben und Ihnen damit Zukunft gestohlen zu haben. Wir Nachkriegsgenerationen hatten geglaubt, wenn jeder egoistisch seinen eigenen Vorteil suche, dann hätten alle und auch noch die Erde davon einen Vorteil. Ich gebe zu, wir waren und sind sehr sehr sehr naiv.
Daraus kann man den Schluss ziehen, dass die jüngeren Generationen schleunigst die Erde vor dem weiteren Zugriff der älteren Generationen bewahren müssen. Dem möchte ich auch gar nicht widersprechen. Bisher konnte man so etwas immer leicht wollen und glauben, es auch mit irgendwelchen Massnahmen umzusetzen. Allein, wenn wir nachdenken, merken wir recht schnell, dass es so einfach bisher nie war und womöglich auch heute und in Zukunft gar nicht ist.
Daraus kann man natürlich nun vorzüglich einen Kampf zwischen den Generationen initiieren, der bis aufs Messer oder vielleicht auch bis auf die Schusswaffe oder den Sprengstoff geführt wird. Wir würden ja gerne den Krieg verhindern oder beenden, aber erst, nachdem wir den letzten Krieg gewonnen haben… Das wäre dann wirklich der letzte Krieg.
Darf ich Sie einladen? „Klima schützen“ heisst ja, dass da schon einer Raubbau treibt und wir gegen ihn und seinen Raubbau kämpfen müssen, um eben den Schwächling, das Klima, zu beschützen. Das geht nun schon viele Jahrzehnte so. Etwas zerstören, was Andere aufgebaut haben (und unseren Wohlstand haben grösstenteils nun mal die Generationen vor uns aufgebaut), ist immer einfach. Schwerer ist, konstruktiv Neues zu entwickeln und zu schaffen. Aber genau das ist unser Anspruch.
Wir haben viel zu viel CO2 in unserer Atmosphäre und im Wasser auch schon. Es führt zur Klimaveränderung, zur Erwärmung der Erde. Natürlich kann man jetzt darum kämpfen, dass kein neues CO2 mehr gebildet wird. Damit ist aber das alte nicht weniger und neues kommt noch immer dazu. Unseren Lebenswandel wirklich einschränken wollen wir ja mehr oder weniger alle doch nicht, oder? Wenn, dann nur, wenn die Anderen auch oder besser noch, wenn die mehr als wir…
Ich möchte Sie daher einladen, konstruktiv unser Klima zu verändern und zu gestalten und dazu das Milliarden Jahre getestete und immer wieder für ungefährlich erwiesene und lebenspendende Chlorophyll zu nutzen. So brauchen wir keine neuen Technologien zu entwickeln, die womöglich selbst gefährlich sind und sicher auch nicht so natürlich. Bis auf geringe Mengen weiterer Bestandteile braucht es CO2 und Wasser und Sonnenenergie. So einfach… Darf ich Sie einladen, sich vom Klimaschützer zum Klimaentwickler weiter zu entwickeln? Lassen Sie uns nicht „kontra“ geben, sondern „pro“ leben!
Nebenbei hätte diese Entwicklung noch einige weitere Vorteile:
Sicher liesse sich damit auch der Meeresspiegel senken. Wäre diese Nebenwirkung zu verachten?
Der menschliche Lebensraum liesse sich erweitern, ohne dass wir auf den lebensfeindlichen Weltraum zurückgreifen (oder besser vorausgreifen) müssten.
Wer weiss, ob das nicht eine Klimaveränderung bewirken würde, die wir uns wünschen? Klima können wir hier sogar in viel tieferem Sinne verstehen, als nur in der Bedeutung und dem Einfluss von CO2 und Temperatur. Aber ist es da nicht wie mit dem Wetter? Jeder wünscht sich das ihm gerade genehme Wetter und wir müssen eigentlich froh sein, dass wir es kaum verändern können. Sonst würden wir uns noch viel öfter gegenseitig die Köpfe einschlagen?
Vielleicht liesse sich damit sogar Krieg um die Wasserverteilung verhindern? Denn der wird ja kommen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Vorbereitungen dazu laufen schon intensiv.
Einen entscheidenden Nachteil hat die Entwicklung. Sie wird sehr wahrscheinlich kein Geld und keine Rendite einbringen, sondern Geld und Einsatz kosten. Deshalb brauchen wir uns kaum Sorgen zu machen, dass Konzerne, Politiker oder andere Egoisten uns die Schau stehlen. Sie werden höchstens zu Gegnern. Das würde einen Rollentausch bedeuten. Lassen Sie uns selbst voran gehen, nicht Andere zu etwas zu zwingen, was sie gar nicht können, sondern selbst anfangen und anfassen.
Ich bin nur Arzt und noch dazu ein alter Mann. Sollten Sie Interesse oder mehr haben, lassen Sie uns zusammenkommen. Ich wünsche Ihnen eine fröhliche, interessante, ausgeglichene Zukunft und würde gerne noch ein wenig am Aufbau teilhaben und mitmachen.
Herzlich willkommen!
 

Demokratie(09/2020)

Demokratie (09/2020)

Meine sehr verehrten Schweizer! Ich schäme mich, wenn ich solche Dinge schreibe, wie sie gleich folgen. Sie werden das als Kritik auffassen, obwohl ich das nicht als Kritik meine, aber kritisches Nachdenken ist nun mal Kritik. Da kann ich machen, was ich will. Und der (übrigens nicht „das“) Corona-Virus (es heisst ja auch nicht „Das Feind“, sondern „Der Feind“) gibt so viele Gründe zum Nachdenken. Nehmen Sie den Virus ernst als Feind.
Ihre direkte Demokratie hat mich über viele Jahre sehr begeistert, solange ich sie nicht von innen erlebt habe, solange sie noch weit weg war und ich nur ihr Ideal, so wie ich es glaubte, kannte.
Die Realität hat mich ernüchtert. Natürlich ist die direkte Demokratie derzeit das Nonplusultra der Demokratie. Das macht die Schweiz ja unter Anderem so interessant.
Mir fällt auf, dass die direkte Demokratie, zumindest so, wie sie jetzt verwirklicht ist, zwar den grösstmöglichen Einfluss jedes einzelnen Bürgers auf die Geschicke des Landes und die Gemeinschaft ermöglicht, dass das aber auch dazu führt, dass an sehr vielen Stellen alles festgefahren ist in egoistisch erreichten Standpunkten, gesetzlichen oder anderen Regelungen und wenn irgend möglich, bewegt sich keiner mehr einen Schritt zurück, denn sonst würde er ja von seiner erreichten „Freiheit“ und seinen „Rechten“ etwas abgeben müssen. Nachdem man für seine Freiheit und seine Rechte viel gekämpft und eingesetzt hat, kann man sie nicht mehr loslassen. Jetzt ist man an die beiden gekettet. So bewegt sich im Land ausser der Bauwirtschaft und dem was Geld bringt, nur noch wenig. Da keiner einen Schritt zurück geht, kann auch keiner einen Schritt nach vorne gehen. Ja nichts verschenken und schon gar nicht irgendwelche Gewinne verschenken.
Das führt auch dazu, dass die regierenden Gremien alle Regelungen und Gesetze bis ins kleinste Detail durch viele Rechtskundige präzise ausformulieren lassen müssen, auch damit jede beteiligte Gruppe oder Person ihre Interessen mit ins Gesetz geschrieben hat, so dass die Kompromisse mit irgendeinem sachlichen Sinn nur noch wenig gemein haben. Jede Formulierung muss rechtskonform und wasserdicht sein. Kompromiss kommt weit vor Sinn. Sind solche Regeln und Gesetze dann erst einmal in Kraft getreten, holen sich die Verbände und Interessengruppen und wer sonst noch Interessen und Geld hat ein Heer von Rechtskundigen, um nach Schlupflöchern zu suchen, damit die Ge- und Verbote möglichst ohne offensichtlichen Rechtsbruch im eigenen Interesse umgangen werden können.
Ist das eigentlich ein menschlicher, ein sinnvoller, ein Erwachsenen angemessener Umgang miteinander? Von oben werden Regeln und Gesetze in Kraft gesetzt, von unten werden sie nach Möglichkeit umgangen. Mir fallen da etliche dumme Fragen ein…
Ist es eigentlich zwingend, dass Regierungen Gesetze erlassen müssen? In der Schweiz dauert das ja zum Glück etwas länger als in den umliegenden Ländern. Es wird auch mehr um Kompromisse gerungen. Gäbe es auch andere Verfahrensweisen, andere Kommunikationsformen, andere Lebensformen zwischen Regierung und Regierten als nur Gesetze machen und Gesetze empfangen, zumal in einer Direkten Demokratie, zumal unter einer der gebildetsten und reichsten Nationen dieser Erde? Der Ist-Zustand gleicht doch eher dem Treiben in einem Kinderzimmer von Dreijährigen und der genervt regierenden Mutter?
Ich muss gestehen, dass die reale Direkte-Demokratie in der Schweiz doch ziemlich weit entfernt ist von meiner gedachten Direkten Demokratie. Das liegt natürlich an meinen Täuschungen, denen ich unterliege, zweifelsfrei. Aber wenn dem so ist, hiesse das, mehr als Kleinkinderzimmer ist auch in einer ausgereiften, gebildeten, reichen Gesellschaft mit der bestdenkbaren Demokratie nicht möglich. Doppelt enttäuschend. Das sind wir uns so gebildet, mit allen Wassern gewaschen, die Welt beherrschend fühlenden Menschen also?!
Es ist ja auch interessant, die Rechtsprozesse im Land zu verfolgen. Auf beiden Seiten ist ein Heer von Rechtskundigen notwendig, damit jeder zu seinem Recht kommt, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass über Gewinn oder Unterliegen am Ende vor allem Verfahrensfragen und Formalien entscheiden. Irgendeine Formsache wurde nicht eingehalten oder/und das Delikt verjährte unterdessen. Wer wirklich Recht haben könnte, wird dann schon gar nicht mehr gefragt. Was hat das mit Justitia zu tun? Die Arme! Oder vielleicht die Glückliche? Sie liegt inzwischen lächelnd in der Sonne am Mittelmeer und denkt. „Die in der Schweiz kommen auch ohne mich aus. Die haben mich vergessen“.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich massiv übertrieben habe, um anschaulich zu schreiben.

Politik (07/2020)

Politik(07/2020)

Wir hatten es uns doch so behaglich eingerichtet in unserer Welt. Die da oben waren dafür zuständig, dass wir, das Volk, sicher versorgt sind mit allem wünschbaren und darauf haben wir uns auch verlassen. Wenn irgend etwas nicht so klappte, wie wir das wünschten, dann waren die da oben Schuld, wir, das Volk, auf jeden Fall nicht.
Die da oben geben sich alle Mühe, es uns, dem Volk, Recht zu machen, denn wir haben sie ja gewählt und sie wollen auch wieder gewählt werden. Wir wollen keine Götter, keine Kaiser oder Könige da oben, sondern Menschen wie Sie und ich. Dann wundern wir uns, wenn Menschen wie Sie und ich da oben an den Schalthebeln sind. Von „an der Macht sein“ dürfen wir ja kaum sprechen. Mich würde nicht wundern, wenn die da oben oft eher den Eindruck hätten, dass das Volk die Macht über sie hat und dass sie eigentlich die getriebenen und geknechteten sind.
Es wundert mich schon lange, dass es überhaupt noch Männer gibt, die das mit sich machen lassen und ich kann verstehen, dass dann Männer ausrasten und sich benehmen wie die grossen Führer ihrer Nationen derzeit. Da fühlen sich solche Männer wenigstens „an der Macht“.
Noch weniger verstehen kann ich, dass Frauen dann auch noch 30 oder sogar 50 % dieser Schalthebel für sich zum Bedienen haben wollen. Was soll das werden, falls wir eines Tagen bemerken sollten, dass die Frauen gar nicht besser schalten oder womöglich sogar noch schlechter oder gar nicht? Für die dann ausbrechenden Kämpfe sind Frauen viel zu schade. Meine sehr verehrten Damen, wollen Sie sich das nicht ersparen? So dumm sind doch nur Männer, oder?
Dann beschliessen die Menschen an den Schalthebeln gewisse (diesmal sehr einschneidende) Massnahmen zu unserem Schutz und was tun wir? Wir spotten drüber, negieren diese Massnahmen, widersetzen uns und manche greifen sogar zu kräftigeren Mitteln. Wenn die „Regierenden“ diese Massnahmen ohne Corona-Gefahr angeordnet hätten, wären diese Reaktionen angemessen. Aber unter der Corona-Gefahr die erlassenen Massnahmen nicht ernsthaft einzuhalten, zeugt von … (Hier kann jede(r) selbst nachdenken, falls sie/er das kann.)
Wir glauben ernsthaft, die Regierungen seien unsere Gegner? Nein, die neue Herausforderung ist das Zusammenleben mit dem Virus, natürlich auch das Zusammengehen mit unserer Regierung.
Das „der Andere ist Schuld und ich bin unschuldig oder wirksamer noch: Ich bin Opfer“ ist eine eingeübte Sicht- und Lebensweise, die seltsame Blüten treibt. Unter anderem führt das dazu, dass ein kleiner unsichtbarer Gegner mit uns Menschen machen kann, was er will und kann. Ob wir mit dem konsequenten Maskentragen die Ausbreitung hätten stoppen können, wissen wir alle nicht, aber ohne das Maskentragen haben wir jedenfalls verloren. Inzwischen ist ziemlich sicher, dass auch das Maskentragen alleine nicht reichen wird. Verzicht auf Annehmlichkeiten (Ferien, Parties und vieles mehr) ist offenbar zu viel verlangt? Da ist die Selbstbeherrschung schon so in den Hintergrund getreten, dass erst die Fremdbeherrschung (z.B. ein kleiner unscheinbarer, stacheliger Virus) uns den Verzicht aufzwingen wird? Er ist nun mal, wie er ist. Wahrscheinlich kann er selbst nicht mal etwas dafür?
Andere für irgendeine Massnahme oder für irgendeine Unterlassung jetzt anzuschuldigen, ist doch völlig unangemessen. Wir müssen doch eher alle zusammen bekennen, dass wir unangemessen denken, handeln und leben, die einen vielleicht mehr, die anderen weniger. Wir haben den Virus alle nicht erst genommen und wir werden die Folgen zu tragen haben. Da gibt es kein Entrinnen. Eigenartigerweise sind meist die von den Folgen mehr getroffen, die die Situation ernster nehmen und die sind weniger betroffen, die sich um nichts scheren. Ist das wirklich die sinnvolle Begründung dafür, einfach alles ausser Acht zu lassen ausser seinen eigenen Interessen, Gewohnheiten und Vorlieben?
Es hat ja den Anschein, dass unsere Devise „Wenn alle ihre eigenen Interessen (demokratisch) vertreten, dann gelingt das Ganze, dann gewinnen alle!“ nicht so ganz optimal ist? Womöglich ist da ein Denkfehler drin?
An dieser Stelle ist offenbar vertieftes Nachdenken nötig, wenn man angemessen leben will? Zum Nachdenken möchte ich Sie einladen.

Gratulation (06/2020)

Gratulation(06/2020)

Nehmen wir es sportlich. Sie werden sicher die weltweiten Zahlen der EU durchgesehen haben? Es ist völlig klar: Wir können dem Corona-Virus gratulieren. Er hat gewonnen. Die neue Bürgerschaft auf der Erde ist ihm gesichert. Die gegnerischen Armeen ziehen ab oder sind schon abgezogen. Die Menschheit steht schutzlos da und die Menschen schützen sich nicht einmal selbst. Für die Gemeinschaft der Corona-Viren ein leichtes Spiel. Infiltration statt offener Kampf. Da sind Viren stark, Männer (und wie wir in der Politik sahen, Frauen auch) haben dem nicht genug entgegenzusetzen, auch im 21. Jahrhundert nicht.
Das heisst aber auch auf der Gegenseite: Wir, die Menschheit hat verloren. Wieder, nehmen wir es sportlich. Tragen wir es mit Fassung.
Corona-Viren werden also gleichberechtigter Erdenbürger. Was bedeutet das für uns? Wir werden es erleben. Wenn wir im Bild bleiben wollen, dann sind wir mit der ersten Welle wohl im Corona-See gelandet? Nun werden uns wohl immer wieder Wellen treffen, hier und dort, nicht überall gleichzeitig, mal grösser und mal kleiner, aber eben immer wieder und wohl auf Dauer?
Jetzt soll die grosse Aufarbeitung und Kritik und Selbstkritik kommen? Wir sollen etwas lernen:
Natürlich klopfen sich jetzt alle Verantwortlichen selbst auf die Schulter und beglückwünschen sich, wie sie alles richtig gemacht haben. Das kennen wir inzwischen von so vielen Reden der Mächtigen, dass wir uns gewundert hätten, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es geht auch gar nicht darum, jemandem Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. Es geht nur einmal darum, dass wir uns klar machen, dass wir angesichts dessen, dass wir verloren haben, uns jetzt auf die Schulter klopfen und sagen, wir hätten alles richtig gemacht. Wir wollen und sollen das jetzt alle kritisch aufarbeiten, aber bitte keine Kritik an den Entscheidungsträgern. Klar, wir sind alle Menschen, sie und wir und wir mögen keine Kritik. Wir vertragen es nicht, falsch gehandelt zu haben, besonders, wenn wir im Rampenlicht stehen. Wir stehen einer realitätsnahen Aufarbeitung selbst im Wege.
Ich habe bisher ja das Gesichtsmasken Tragen sehr vertreten. Es traf auf viele Schwierigkeiten, das gegen seine eigene Intuition oder gar Überzeugung durchzusetzen. Über seinen eigenen Schatten springen zu wollen, ist selbst für Leistungssportler eine meist unüberwindbare Hürde. Warum ist das eigentlich so? Inzwischen glaube ich, dass es dafür sehr menschliche Strukturen in jedem selbst gibt. Es ist aber möglich, über seinen eigenen Schatten zu springen. Das bedarf einer Reihe Einsichten und zwanzig Jahre Übens, aber es geht. Und Sie werden staunen, was für eine Welt sich Ihnen hinter dieser Hürde auftut.
Ob das Maskentragen uns zum entscheidenden Sieg über die Pandemie des Corona-Virus geholfen hätte, weiss natürlich auch ich nicht. Ohne das konsequente Maskentragen haben wir jedenfalls verloren.
Die Pandemie hat gezeigt: Wir tun nicht das, was sinnvoll ist in einer Situation, sondern das, was uns nützt, was unseren Interessen nützt, was für uns bequem ist, wo wir nicht über den eigenen Schatten springen müssen, … Interessant ist ja, dass die Maske, die ich trage, den gegenüber schützt und seine Maske schützt mich. Das bedeutet, dass jeder, der eine Maske trägt, sich um die anderen sorgt. Wer keine Maske trägt, ist völlig ignorant oder zumindest fahrlässig gegenüber anderen. Wenn man ein bisschen nachdenkt, ist jeder ohne Maske potentiell ein Gefährder für andere. Wir aber denken immer nur an den eigenen Schutz, denn der andere ist ja gefährlich (infektiös), ich selbst dagegen nicht. Das haben alle gedacht, die andere angesteckt haben, denn sonst hätten sie es ja nicht getan. Vorsätzlich wird es ja wohl keiner getan haben?
Auch hier wäre nachdenken sinnvoll. Egoismus und ungerechtfertigtes Selbstbewusstsein gepaart mit Abwertung und Abwehr der/s Anderen (denn nur die oder der steckt an, ich ja nicht).
Liebe Regierungen, diese Pandemie hat gezeigt, dass Sie einfach nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Was machen Sie da eigentlich? Unfähig was? Aber trösten wir uns, das ging allen so, den Regierungen, den Experten, den Ärzten, den einfachen Menschen einschliesslich mir. Wir sitzen alle in einem Boot und so wird es auch beim nächsten Mal sein.
Wenn wir eine Chance hätten haben wollen, die Verbreitung von Corona zu verhindern, dann hätten wir alle unsere „menschliche“ Intelligenz hervorkramen müssen, dann hätten wir über unseren Schatten springen müssen und hätten sinnvoll handeln müssen, nicht nur im eigenen Interesse. Das aber ist von uns Menschen zu viel verlangt.

 

Sie kennen sicher die Geschichte von David und Goliath, auch wenn Sie die Bibel, aus der die Geschichte stammt, gar nicht kennen?
Der junge, unbewaffnete Teenager David wird von seinem Kriegsheer gegen Goliath, den schwerbewaffneten und gerüsteten Gegner in den Zweikampf geschickt. Noch ehe Goliath so richtig seine Waffen in Stellung gebracht hat, schleudert David einen Stein so gut gezielt gegen Goliaths Kopf, dass er diesen an der ungeschützten Stirn den Kopf zertrümmert. Tot!
Immer, wenn wir die Geschichte hören, sind wir natürlich Sympathisanten Davids oder glauben uns sogar an seiner Stelle. Heute stimmt das nur gar nicht. Wir sind an der Position Goliaths. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was das bedeutet? Wir haben die Seiten gewechselt und haben es noch nicht einmal wahrgenommen!

 

Taktik (06/2020)

Taktik(06/2020)

Warum wir uns so schwer tun, Gesichtsmasken zu tragen.

 

Stolze Männer bieten dem Feind die Stirn und zeigen ihr Gesicht, erst recht, wenn der Feind so klein ist, wie Viren, also unsichtbar. Oder Männer ignorieren einen solchen Feind, weil er ihnen doch sowieso nicht gewachsen ist. Frauen folgen dem Beispiel ihrer oder der Männer.
Als der Herrscher über ein Reich im Nordosten Europas seinem Land eine Halbinsel zurückholte, wandte er diese Taktik nicht an, sondern er schickte ungekennzeichnete grüne Männer, die das gegnerische Land und die Halbinsel infiltrierten. Er gewann im Handstreich und alle rieben sich die Augen. Er bot nicht die Stirn, sondern wendete die Virus-Taktik an (schon bevor der Virus kam). Wahrscheinlich ist dieser Herrscher gar kein Mann?
Männer, vielleicht sollten wir doch ab und zu mal nachdenken?

 

Sollten Sie jedoch keine Gesichtsmaske tragen, weil die Ihnen zu unbequem, zu eng, zu luftundurchlässig oder sonst wie hinderlich ist, so wüsste ich Abhilfe. Meine Frau hat eine neue Kollektion kreiert, die für viele Menschen sicher eine sehr komfortable und wirkungsvolle Alternative darstellt. Bei Bedarf melden Sie sich bitte.
Das Maskentragen, wenn immer Sie einen Menschen sehen, mit dem Sie nicht im gleichen Haushalt zusammen wohnen, empfehle ich noch immer. Zumindest in der Schweiz, Österreich und Deutschland hat sich seit Mitte Mai (heute haben wir den 14. Juni) die Infektionsrate bei deutlicher Wellenbewegung im Durchschnitt nicht oder kaum verringert. Wenn das so bleibt, haben wir einen neuen kleinsten Dauerfreund auf dieser Erde, der uns nicht nur beglücken wird. Wir sollten uns bald überlegen, ob wir ihn los werden wollen. Wenn Sie das gar nicht wollen, beklagen Sie sich bitte später nicht.

 

Die Adresse für die Internetseite der EU gebe ich Ihnen hier als link:
https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/download-todays-data-geographic-distribution-covid-19-cases-worldwide
oder in anderer Form:
https://www.worldometers.info/coronavirus/
Auf den angegebenen Webseiten der EU und von Worldometer bekommen sie schnell und umfassend und auch recht übersichtlich alle nötigen Zahlen, um sich seine Gedanken machen zu können und Schlüsse zu ziehen. Viele der Zahlen, auch wenn sie hier bis auf den Zähler genau angegeben sind, sind natürlich nur mehr oder weniger realitätsnah. Als Faustregel kann wohl gelten: Je mehr getestet wird und je freier Medien in einem Land sind, desto verlässlicher sind die Zahlen. Kaum ein Land wird zu hohe Zahlen angeben. In aller Regel werden realistische Zahlen eher höher liegen als in den Listen angegeben.
Wer in diesem Jahr noch eine Reise planen und erleben will, könnte z.B. an Hand dieser Infektionsraten entscheiden, in welches Land er fährt. 0 ist das Risiko allerdings auch in den deutschsprachigen Ländern bzw. in Ihrer Heimat nicht.

 

Die Militärparade als Siegesfeier, der Umgang mit dem Corona-Virus und die Verfassungsänderung wenige Tage später zeigen doch, dass oben genannter Herrscher männlichen Geschlechtes ist. Er ist genauso egoistischer Mensch wie ich.

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)(05/2020)

Heute zum letzten Mal(?), bevor wir uns wieder anderen Menschen und Dingen zuwenden:
Theorie und Praxis beim Virenschutz:
Wir bekommen vom Kanton maschinell hergestellte, zertifizierte, funktionierende OP-Masken. Sie sind leicht anzulegen, haben einen Gummi hinter dem Ohr. Zumindest der Theorie nach ist alles fein. So muss das sein.
Die Praxis sieht so aus: Alle Patienten bekommen von uns solch eine Maske, wenn sie die Praxis betreten. Zuerst habe ich sie auch selbst benutzt. Schon nach einem Vormittag merkte ich, dass diese Maske völlig unnütz ist. Sie rutschte mir alle paar Minuten von der Nase, so dass ich sie wieder nach oben schieben musste. Das ging ohne Berührung mit den Fingern nicht. Hätte die Maske Viren abgefangen, hätte ich sie todsicher mit den Fingern verteilt und mich und andere angesteckt. Nach einem halben Tag habe ich unsere eigenen Baumwollmasken wieder benutzt.
Es gab kaum einen Patienten mir gegenüber, dem das nicht genauso ging. Diese Masken haben mit hoher Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Virus gedient, nicht der Eindämmung. Aber sie waren zertifiziert und offiziell für gut befunden und an uns abgegeben. Zertifizierter Müll, sozusagen. Wir hatten Glück. Wir werden wahrscheinlich keinen Corona-Kranken in der Praxis gehabt haben, obwohl wir viele Kranke in der Praxis hatten.
Viele meiner Patienten, die sowieso schon Probleme mit dem Atmen haben, konnten durch solch eine Maske gar nicht lange atmen und mussten sie wieder ablegen. Das Atmen wird auf diese Weise zu schwer.
Wir wollen ausnahmsweise mal niemanden beschuldigen und kritisieren. Sondern wir wollen mal über den Unterschied von Theorie und Praxis nachdenken, denn dieser Unterschied bestimmt sehr vieles in unserem Leben. Offenbar müssten wir uns erst etwas Gedanken machen, was denn solche Masken zur Eindämmung für eine Pandemie für Eigenschaften haben müssten.
Zu Beginn müssen wir wohl mal davon ausgehen, dass zertifizieren nicht so einfach ist. Zertifizieren heisst ja überprüfen. Da gibt es dann bestimmte Standards, die eingehalten werden müssen. Die sind inzwischen bürokratisch beschlossen, vereinheitlicht, für alle zur Pflicht gemacht, DIN-Normen z.B. Dann hat man Mess-Systeme dafür ersonnen, die diese Regeln und ihre Einhaltung überprüfen. Die Durchlässigkeit der Materialien für Viren z.B. Da gibt es inzwischen grosse Firmen, die nur noch so etwas machen, also darauf spezialisiert sind und diese Überprüfung also optimal abwickeln. Die Übereinstimmung von Material und Norm wird sicher damit auch geklärt sein. Aber ist damit die gute Funktionsfähigkeit der Masken in der Praxis sichergestellt? Es scheint eine Distanz zwischen Theorie und Praxis zu geben, die wir nicht so einfach mal eben überbrücken oder auf 0 zusammenschmelzen können?
Wir hatten ja schon früher die Frage gestellt, ob OP-Masken überhaupt gut sind zur breiten Anwendung zur Verhinderung einer Pandemie? Vielleicht sind die bürokratischen Richtlinien für diesen Zweck gar nicht tauglich? Braucht es vielleicht ganz andere Richtlinien? Die werden wir bis zur nächsten Pandemie bekommen. Da bin ich sicher. Ist die Aufstellung von solchen Richtlinien und Zertifizierungssystemen überhaupt sinnvoll? Muss wirklich alles zentral erdacht, beschlossen, festgelegt, zum Gesetz gemacht werden? Ginge das auch anders? Wäre ein menschliches Organisationssystem denkbar, das uns Eigenverantwortung, Freiheit und Individualität belässt und vielleicht sogar die Wirksamkeit erhöhen würde? Oder ist das nur der Wunsch zurück in ein Paradies, in dem noch alles (nach unseren Wünschen) funktionierte, das aber nicht unserer Realität entspricht?
Können wir überhaupt die Übereinstimmung von Theorie mit Praxis durch Optimierungs- und Kontrollsysteme, wie die von uns geschaffenen, sicherstellen? Gibt es da vielleicht ein strukturelles Problem? Ist es nicht nur eine Frage von Messgenauigkeit, von Erbsenzählerei oder Tüpflischisserei? Gibt es da womöglich eine zusätzliche Lücke? Spielt da womöglich Transzendenz eine Rolle?
Wollen wir in Zukunft denn nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Menschen als Dienstleister (in Form von Berufen), nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Produkte und am besten auch noch nur staatlich anerkannte und für gut befundene Wünsche auf dem Markt zulassen? Spontanität, Eigenverantwortung, Freiheit ade? Unser Handeln hat mehr Folgen als uns lieb ist. Bevor wir die Macher an die Regierungen lassen, sollten wir vielleicht doch besser nachdenken und vor allem beim Wählen sehr viel sorgfältiger werden. Wen wir wählen, den bekommen und haben wir danach dann auch.
Bitte lassen Sie uns dabei nicht an irgendeine Schuld denken oder irgend jemanden beschuldigen oder gar dunkler Machenschaften bezichtigen. Wir alle wählen unsere Philosophie, unsere Weltanschauung, unseren Glauben (auch die, die keine wählen) und entsprechend denken und handeln wir dann auch. Das geht gar nicht anders. Das hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Menschen Sein.

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (V)

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (V)(05/2020)

Es kommen doch immer wieder neue Gedanken und Ideen:
Wenn wir alle Gesichtsmasken oder auch nur Virus-Absorber vor der Nase hätten, könnten wir auch die 2m-Abstandsregel kippen. Wenn hinter dem Tuch vor der Nase gar keine Tröpfchen mehr nachzuweisen sind, dann könnten sich alle, die Masken tragen, ja auch ohne Gefahr näher kommen. In den Einkaufsläden wäre es ja ein riesiger Vorteil, wenn wir wieder mit früheren Kundenzahlen einkaufen könnten. Jetzt können wir zwar unseren Bedarf decken, aber welcher Händler kann mit der jetzigen Regelung auch nur halbwegs seine Kosten decken? Die Verluste sind nicht mehr so hoch wie im maximalen Lock down, aber wie soll die Wirtschaft denn so wieder in Schwung kommen? Soll das noch Monate so gehen?
Wenn jeder eine Maske tragen würde, wären auch im ÖV wieder Fahrgastzahlen möglich, die auch Wirtschaftlichkeit und Kapazität bedeuten würden. Für verstärkten Individualverkehr gäbe es gar keinen Grund mehr.
Müssen alle Regelungen für die Allgemeinheit per Gesetz erzwungen werden oder könnten wir auch selber so viel Einsicht und Verstand an den Tag legen, solche Zusammenhänge zu erkennen, anzuerkennen und danach zu handeln? Sie kosten uns fast nüt. Sie sind nicht auf Dauer. Sie tun nicht weh. Klar, sind die Masken und Virus-Absorber für die Kommunikation nicht günstig, aber mit wem kommunizieren Sie denn im ÖV oder in den Shops so intensiv, dass es nötig wäre, dass man Ihr Gesicht sieht? Sie sind doch mit den Augen und Ohren sowieso nur auf dem digitalen Tor zur irrealen Welt im Internet. Dazu braucht man doch gar kein Gesicht, oder? (Entschuldigung, mein Herz schlägt zunehmend für die analoge Welt und weniger für die digitale).
Wir brauchen niemandem die Schuld für etwas in die Schuhe zu schieben, weder den Chinesen, noch den Iranern, den Amerikanern, den Italienern, der WHO, dem Bundesrat oder wem auch sonst. Meine Ideen kamen nicht früh genug. Ich war zu spät. Die Verwirklichung des Schutzkonzeptes in der Öffentlichkeit heute beweist, dass die meisten eine innere Blockade haben, die nur mit Zwang überwunden werden kann. Arme Menschen. Zwingen aber lassen wir uns zu höchst fragwürdigen Aktionen, die unser Zusammenleben massiv einengen, ohne darüber nachzudenken. Müssen wir uns nicht fragen, ob wir überhaupt Hirn im Kopf haben? Falls ja, benutzen wir es kaum oder nur sehr eingeengt.
Es spielt ja gar keine Rolle, ob ich Recht habe. Wer will schon begründet sagen, wer Recht hat? Denken Sie nur einmal darüber nach in den nächsten Monaten, wenn Sie unter den Folgen des Lock downs leiden, was wir selbst verzapft haben. Wäre es nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit viel einfacher und sinnvoller und weniger leidvoll gegangen?

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (IV)

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (IV)(05/2020)

Es ist doch schon erstaunlich, was man bei einem so einfachen Thema bedenken kann und vielleicht auch sollte oder muss:
Da las ich, dass es Modeanbieter gibt, die eine wiederverwendbare Rahmenmaske anbieten, in deren Mitte ein auswechselbares Teil (ein Kaffeefilter oder ein Stoffteil) sitzen. Nach einer Tragezeit könne man dieses Teil auswechseln und durch ein neues ersetzen. Hier geht es aber nicht um das Filtern von Staub, sondern von kleinen Partikeln, die nach Berührung Leben entfalten können und Schaden verursachen. Viren kann man nicht einfach wie Staub behandeln. In solch einem Falle müsste man nicht das Wechselteil ersetzen, sondern die ganze Maske nach Gebrauch jeweils desinfizieren bzw. sterilisieren, also am besten und einfachsten in kochendes Wasser legen. Bitte bedenken Sie bei der Herstellung und Benutzung von Masken den Unterschied zwischen Staub und Viren!
Sie brauchen auch kein Filter. Das erhöht nur unnötig die Atemarbeit. Viele Menschen halten so eine Maske gar nicht lange aus und nehmen sie so schnell als möglich wieder ab. Genau das Gegenteil ist sinnvoll.
Es ist auch erstaunlich, wie schwer es uns fällt, einfach zu denken. Mindestens 2-fach, besser 4-fach Baumwollstoff, oben das Befestigungsband dran und fertig. Alles andere ist zusätzliches Gedöns, das man nutzen oder machen kann, aber den Zweck oder Sinn nicht besser erfüllt, oft sogar eher schlechter. Warum nicht ganz einfach bleiben? Wir können nur kompliziert denken und handeln. Selbst viele Experten reden vor lauter Studienergebnissen und Kompliziertheit nur dummes Zeug (Entschuldigung, liebe Experten).
Wer selbst einen solchen Virus-Absorber trägt, schützt vor allem den Gegenüber. Wenn beide einen tragen, schützen sich beide gegenseitig. Warum ist das so schwer?
Ich war doch sehr erstaunt in dieser Woche als ich las, dass im altehrwürdigen New England Journal of Medicine eine Studie zitiert wird, in der untersucht wurde, was mit den Tröpfchen passiert, wenn man beim Sprechen ein Leintuch vor den Mund hält. In Übersetzung: „Wenn durch ein leicht feuchtes (Lein)-Tuch gesprochen wird, sind keine Tröpfchen mehr nachweisbar“. Untersucht wurde auf der mundabgewandten Seite. Dann wird das bei 4 Lagen trockener Baumwolle (wie von mir vorgeschlagen) mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht anders sein.
Es ist ja schon erstaunlich, mit welch einfachen, fast kostenlosen, technisch völlig anspruchslosen Massnahmen wir die Coronapandemie und damit auch den grössten Teil des Lock downs mit seinen menschlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen hätten verhindern können, wenn wir schnell genug und konsequent genug alle solche Vorhänge vor der Nase gehabt hätten. Nicht der Virus ist das Problem, sondern wir selbst sind das Problem. Der Virus gehört einfach zur Realität, aber unsere Einstellungen, unser Wissen und unser Handeln sind nicht realistisch!

 

Man weiss unter all den Informationen gar nicht mehr, was man noch glauben soll. Stimmt. Deshalb müssen wir selber nachdenken. Früher hatten wir nur verschiedene Sprachen. Das war schon verwirrend genug. Über die Sprachgrenze verstand man sich nicht. Heute haben wir so viele Info-Kanäle, dass jede Info die andere relativiert (an Zeitverbrauch, an Bedeutung, an Interesse, an Realitätsnähe (andere sagen dazu „Wahrheitsgehalt“) etc.). Wir sprechen nun alle englisch und digitalisch, aber besser verstehen? Haben Sie den Eindruck? Wir verstehen uns doch heute weniger als vor 200 Jahren?