Werte(11/2020)

Werte (11/2020)

Es ist natürlich eine sehr interessante Frage, was für uns Werte sind und wie wir zu der Bewertung kommen. Eine sehr einfache Sichtweise, diese Frage zu beantworten, ist, die Dinge mit einem Preis zu versehen und damit haben wir eine Wertvorstellung. Diese Sicht ist heute sehr gebräuchlich. Wir ärgern uns, dass Geld die Welt regiert, aber messen Wert ausgerechnet mit Geld und fast nichts anderem. Geld hat für uns den höchsten Wert oder würden Sie da in Ihrem und für Ihr Leben widersprechen? Warum tun wir das eigentlich so, obwohl wir Geld und den Wert des Geldes und dass Geld unser Leben so bestimmt, zutiefst verachten, zutiefst ablehnen, womöglich sogar abstreiten?
Betrachten wir mal unsere Wertbestimmung etwas. Geld ist eine Frage von Zahlen. Die Börsianer freuen sich, wenn und dass die Werte steigen, in immer neue Höhen, immer neue Höchststände, immer neue Rekorde. Da jubelt das Börsianerherz (und das Börsianerportemonnaie).
Nehmen wir uns mal prominente Werte heraus, die IT-Giganten. Sie haben in den letzten Jahren vorher unvorstellbare Wertzuwächse verzeichnet. Jeder hält heute IT für lebensnotwendig und deshalb wird IT gekauft, gekauft, gekauft (und deren Aktien und Papiere auch). Viele von uns Kunden kaufen derart unkritisch, dass man sich fragen muss, wo da die Vernunft bleibt. Wir glauben an die Algorithmen wie an die reine Wahrheit. Wie funktionieren die Algorithmen? Haben Sie sich und die Hersteller das schon mal gefragt? Da gibt es heute zum Beispiel Uhren am Handgelenk, die uns sagen (wollen), wie unsere Schlafqualität in der letzten Nacht war. Da stellt niemand Fragen? So strohdumm sind wir Kunden schon, einerseits, weil wir uns von den Produzenten (heutigen Wertegiganten) dermassen einlullen lassen, andererseits, weil wir nicht einmal mehr Fragen in unser ach so wundervolles und als Krönung der „Schöpfung“ betrachtetes Hirn bekommen?
Die Menge des angelegten Geldes (z.B. in einem der IT-Giganten) legt heute fest, was eine Firma Wert ist. Apple z.B. hat einen Wert von … (und dann folgt eine unvorstellbar lange Zahl), weil die Anleger so und so viel Geld für deren Aktien hingelegt haben. Das ist eine Form von Wertberechnung, die auch in der Grundschule schon erlernt werden kann.
Vor 50 Jahren gab es alles das noch nicht. Man stelle sich das einmal vor. In meiner Kindheit gab es noch keine IT. Die Leute um mich herum starben wie die Fliegen, weil wir noch keine IT hatten. Wir hungerten, waren depressiv, konnten gar nicht in der Welt herumreisen, hatten keine Ahnung, was in der Welt so los war, hatten eine Lebenserwartung von nur 40 Jahren, wir wussten gar nicht, was Liebe ist, alles, weil wir noch gar keine IT hatten. Dann kam endlich Bill Gates, der Erfinder der Erfinder. Die Rettung der Menschheit wurde geboren, die IT. Ich hatte Glück. Ich habe diese schreckliche Zeit damals überlebt (Ich stamme ja auch aus dem Osten. Da musste man damals sowieso Überlebenskünstler sein).
Stellen Sie sich vor, wir Menschen würden entscheiden, dass es uns in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts doch menschlich viel besser ging als heute. Das ist doch gar nicht so abwegig, wenn wir bedenken, dass im Nachhinein die alten Zeiten ja oft viel schöner erscheinen als die heutigen (und als die alten Zeiten damals vermutlich waren). Wir hatten zwar keine IT, aber das Leben war hoffnungsfroh. Wir waren uns menschlich viel näher. Wir hatten noch unsere überschaubare Welt, mussten nicht immer auf alle möglichen Anderen und Ereignisse in der Welt achten. Heute weiss doch gar keiner mehr, was „Ruhe“ ist. War das Leben damals vielleicht lebenswerter als heute? Stellen wir uns vor, wir entschieden, wir wollten wieder so leben wie damals. Was wären unsere IT-Giganten Wert?
Natürlich gäbe es noch all die IT-Technik, die Hardware, die Software, die Arbeitsplätze. Aber wenn wir entschieden, dass wir ohne sie leben wollten? Welchen Wert hätten sie noch, die IT-Giganten? Schrottwert. Die Arbeitsplätze? Nicht vorhanden. Und dass man ohne IT-Technik überleben kann, dafür bin ich der lebende Beweis. Ich lebe noch, erwachsen geworden völlig ohne IT-Technik.
Was also ist der reale Wert der IT-Giganten? Er ist gar nicht feststellbar, denn er ist in Geld zwar zu bewerten, aber es kommt darauf an, von wo aus man den Wert betrachtet. Und der Wert, den wir heute als Zahlenwert hören, ist eine reine Fiktion. Morgen ist er schon wieder ganz anders. Den Wert bestimmen wir mit unserem „Ich will haben (obwohl ich das zum Leben doch gar nicht brauche)“. Der reale Wert liegt zwischen 0 (Wir würden alle IT vergessen) und dem heutigen Börsenwert (das haben Anleger tatsächlich dafür an Geld hingelegt).
Was ist uns die IT heute tatsächlich Wert? Wenn wir heute sehen, wie uns in Politik und Wirtschaft, im Gesundheitswesen, in der Kultur, ja selbst in der Religion IT als Lösung angepriesen wird, dann muss ich den Eindruck haben (ob ich an Jesus oder irgendeinen Gott glaube oder nicht, ist das völlig egal) es gibt nur eine Rettung auf der Welt und für jedes Problem, IT-Technik! Sind wir denn noch klar im Kopf?
Grob würde ich annehmen, dass der Wert der IT-Giganten etwa bei einem Drittel der heute üblichen Zahlen liegt. Vielleicht sollten wir eine Studie in Auftrag geben, damit wir genaue Zahlen bekommen? Merken Sie den Sinn solcher Studien? Hören Sie heraus, welchen Wahrheitsgehalt, welche Realitätsnähe in ihnen möglich wäre, wie sicher die Zahlen stimmen würden? Der Rest ist gut versteckte Inflation unseres Geldes. Merken Sie, was den Wert von Geld ausmacht? Vielleicht sollten wir wieder eine Studie in Auftrag geben, damit wir auch da genaue Zahlen bekommen? Sie kennen das Spielchen nun schon.
Stellen Sie sich einmal vor, uns würden diese Wertvorstellungen, diese Werte (oder auch Unwerte, diese Wertlosigkeiten) bewusst und wir würden unsere Einstellung ändern und unser Handeln danach ausrichten, unser Werte-System, unser Finanzsystem, unser Wirtschaftssystem, unser Rentensystem würden kollabieren, vermutlich sehr viel wirkungsvoller als 2008 und es spricht viel dafür, dass unsere Nationalbanken bereits vorher alle Munition verschossen haben. Da wäre keine übergeordnete Instanz, die noch helfen könnte. Auch ein Bitcoin wäre da sehr wahrscheinlich keine Lösung, denn so neu und andersartig er ist, gehört er doch schon zum alten Wertesystem.
Unser Gesellschaftssystem funktioniert nur, weil wir alle wegschauen, weil wir alle weiter gerne mit unseren Vorurteilen leben wollen, weil wir bisher gut mit ihnen lebten und uns vormachen, dass es so weiter gehen könnte. Unser Gesellschaftssystem funktioniert nur, weil wir strohdumm sind und weil uns jegliche Selbstbeherrschung an den entscheidenden Stellen fehlt.
Beten Sie inständig zu Ihrem Gott (welcher das auch sein mag), dass er Ihnen und uns nicht die Augen öffne für das, was in der Realität und daher mit uns selber los ist, denn als erstes würden die geöffneten Augen den kompletten Gesellschaftskollaps bewirken. Bloss das nicht! Schlafen Sie bitte tief und fest weiter!

 

Inflation(11/2020)

Inflation (11/2020)

Vor nunmehr fast 100 Jahren brachte eine Inflation fast in die ganze Welt eine furchtbare Krise und einen wirtschaftlichen Einschnitt, weil plötzlich das Geld wertlos wurde. Seitdem hat die ganze Welt Angst vor einer solchen Wiederholung. Ich gehöre dazu.
Spätestens seit der letzten Krise 2008 versuchen die Ökonomen und einflussreichen Politiker (stimmt ja eigentlich nicht, eigentlich sind es die Nationalbanker in Abgrenzung zu den Politikern), eine Teuerungsrate von etwa 2 % zu halten, weil das einen gewissen Level von Wachstum am besten unterstützen würde. Eigenartigerweise haben sie das bis heute nicht geschafft, obwohl sie Geld in einer Menge gedruckt haben, dass die damalige Geldmenge überschritten wurde. Nicht nur wir, auch die Banker und andere merken: Da stimmt doch etwas nicht!
Vor 100 Jahren standen die sozialen Sicherungssysteme noch nahe dem Anfang, auf dem aufsteigenden Teil der Gausskurve. Jeder war glücklich, dass er endlich konsumieren konnte und sich um die Sicherung im Alter keine Gedanken machen musste. Die meisten erlebten dieses Alter ja sowieso nur kurz. Das Geld wurde in den Konsum gesteckt, in die goldenen zwanziger Jahre (des letzten Jahrhunderts).
Heute sieht die Welt ganz anders aus. Heute sind die sozialen Sicherungssysteme alle am Anschlag. Wir sind auf dem absteigenden Teil der Gausskurve. Jeder weiss inzwischen, dass die Sicherungssysteme unseren Wohlstand nicht werden erhalten können. Die Vernunft sagt: Sparen, sparen, sparen. So wird Geld in Immobilien, in staatlichen Wertpapieren, in Aktien, Funds, Gold und anderen „Werten“ angelegt. Konsummieren ja gerne, konsummieren wollen wir auch, aber nicht bei steigenden Preisen. Woher das Geld nehmen und nicht stehlen, um die Preise niedrig zu halten? So werden die Preise durch staatliche Subventionen aller Art und andere Förderungen niedrig gehalten. Um diese Programme zu bezahlen und vieles Andere mehr muss der Staat nun Geld aufnehmen, muss Schulden machen, also doch Geld bei unseren Kindern, wenn nicht sogar von uns selbst stehlen. Das erleben wir nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Der Wert der „Werte“ ist relativ, relativ zu unseren Wertvorstellungen, sicher noch manchem Anderen und auch der Geldmenge, die wir für die „Werte“ hinblättern. Wenn wir für eine bestimmte Anzahl von Immobilien 2 Milliarden einer Währung hinlegen und wenig später ein Anderer Investor das Zehnfache hinlegt, dann ist zwar für den einzelnen Verkäufer der Immobilien mehr Geld herausgesprungen. Im grossen Massstab hat sich aber nicht der Wert der Immobilien gesteigert, sondern der Wert des hingelegten Geldes hat entsprechend abgenommen. Es ist ein qualitativer Unterschied für einen Vorgang, ob der Vorgang selten oder oft passiert. Es ist ein Unterschied, ob wir etwas von der einen oder von der anderen Seite betrachten.
Der Wert der Immobilien in einem Land wächst je nach Veränderung der Bewohnerzahl, je nach Interesse anderer an den Immobilien im Land und weiterer Faktoren. Wenn wir die Entwicklung der Immobilienpreise seit 2008 beobachten (dem Jahr der letzten grossen Krise), dann werden wir von einer Wertsteigerung in vielen Zentren dieser Erde ausgehen können (in abgelegenen Teilen der Erde auch vom Gegenteil). Wenn wir also seit 2008 nominale Steigerungen von 30 % und mehr haben, dann stellt sich die Frage, ob diese 30 % wirklich komplett Wertsteigerungen waren. Natürlich könnten wir jetzt eine Studie in Auftrag geben, die uns am Ende eine Zahl mit mindestens einer Stelle nach dem Komma anzeigen würde. Nur, woher wollen Sie solche schwammigen Prozesse und Entwicklungen mit Zahlen unterlegen und diese dann als realitätsnah schmackhaft machen und wir sollen sie glauben? Sehr wahrscheinlich sind die Zahlen mehr oder weniger fern der Realität. Wir könnten also mal schon die Stelle nach dem Komma weglassen. Wahrscheinlich werden wir grob annehmen dürfen, dass die Hälfte der Wertsteigerung der Inflation zuzuschreiben ist, wenn nicht sogar mehr?
Noch viel ausgeprägter ist diese Entwicklung bei den Aktien, bei den Fonds oder darauf aufbauenden Kombinationspapieren. 2007/8 hatten sie dramatisch an Wert verloren und seitdem haben viele der Aktien bereits wieder weit mehr als 100 % draufgelegt, die einen mehr, die anderen weniger. Bei zuvorkommender Wirtschaftsweise (Wirtschaften nicht als Ausbeutung der Ressourcen, nicht als Ausbeutung der Untergebenen, nicht als Über-das-Ohr-Hauen der Kunden etc.) wird durchschnittlich bei optimaler Performance allenfalls die frühere Zinsrate auf dem Sparbuch von 3 % herausspringen. Möglicherweise ist das unter diesen Umständen schon ambitioniert? Unter jährlich 3 % wären wir heute nach 12 Jahren bei einem Zuwachs von ungefähr 40 %. Wo stehen wir tatsächlich? Da können wir eine 0 anhängen.
Jeder Wert, den wir auf irgendeine Weise bestimmen würden, könnte nur falsch liegen, weil wir gar nicht in der Lage sind, so viele Einflussfaktoren, wie sie in der Realität einwirken, mit zu verarbeiten. Wir werden aber der Realität sicher recht nahe liegen, wenn wir konstatieren, dass die Wertentwicklung der letzten 12 Jahre einen grossen Batzen an Inflation enthält. Diese Inflation wird den Wert unserer aus diesen Werten generierten Renten und Pensionen entsprechend schmälern. Das wird uns natürlich niemand auf den Rappen oder Cent ausrechnen, auch nicht können. Die nominalen Werte sind auch völlig uninteressant, aber wir werden es in reduzierter Kaufkraft merken.
Nun aber kommt der grösste Brocken: Um die Preise niedrig zu halten, an denen die Nationalbanker die Inflation messen, sind in den letzten Jahren (und ganz besonders massiv und enthemmt durch die Corona-Krise) Summen von Geld gedruckt worden (oder anders gesagt, Schulden gemacht worden bei den uns nachfolgenden Generationen), dass wir von Inflation kaum noch reden können. Das ist doch eine Art von Superinflation, wie wir sie noch nie gesehen haben. Nationalbanker, Politiker und Ökonomen sind aber offenbar nicht in der Lage, ihre Messmethoden den geänderten Verhältnissen anzupassen. Scheuklappen, nein, Scheumauern so dick wie Bunkerwände im 2. Weltkrieg… Bloss nicht die Blickwinkel ändern. Erstaunlicherweise hören wir von den heute am Ruder befindlichen Frauen keine gegenteiligen Weichenstellungen. Hätten wir das nicht angesichts der Gleichberechtigung der letzten Jahrzehnte erwartet? (Sorry, meine Damen!) Wie sehr wollen sich unsere heutigen Wirtschafts- und Banklenker und -lenkerinnen denn später rückwirkend schämen, wenn die Situation deutlich und unverkennbar klar geworden ist? Sie sind doch alle Experten (oder etwa nicht?)!
Müssen wir nicht die finanzpolitische Handlungsweise unserer Grossakteure seit 2008 ähnlich beurteilen wie die Handlungen insolventer Menschen oft vor Gericht zum Schluss beurteilt werden, als „Insolvenzverschleppung“?
Wie lange wollen wir diesen Scheumauerführern denn noch glauben, dass unser (gespartes) Geld das Wert sei, was sie uns vormachen? Glauben die das denn überhaupt selbst? Was würde passieren, wenn wir diese Zusammenhänge so nicht mehr glauben würden? Warum ändert das keiner? Warum ändern wir das nicht?
Meine derzeitig wahrscheinlich zutreffendste, aber nicht abschliessende Antwort: Wir würden genau die Entwicklung auslösen, die alle vermeiden wollen und weshalb alle Verantwortlichen das Spiel immer weiter spielen. Die Spieler (Herr Draghi nur als ein Beispiel) wusste das, aber er konnte nicht zur Wahrhaftigkeit zurückkehren, weil er dann der Auslöser der Krise gewesen wäre. Das wollte er natürlich nicht. Er hat es auch tatsächlich geschafft. Seine Nachfolgerin? Mal abwarten.
Wahrscheinlich gibt es gar keine Lösung!!! Die Lösung hiesse, wir müssten uns selbst beherrschen, müssten selbst zurückstecken, müssten raus aus unserer Bequemlichkeit, unserer Freude und dem Spass, dem Luxus und zunächst unsere bisher angehäuften Schulden bezahlen, bevor wir corona-bedingt neue Schulden machen. Bloss das nicht! Wir würden den Crash der Wirtschaft verursachen, den wir immer hinausgeschoben haben, denn mit den aus der Zukunft geborgten Geldern sind ja jeweils Arbeiten, die sonst hätten in der Zukunft gemacht werden sollen, bezahlt worden. Nicht nur negative Zinsen, nein, auch negative Arbeitsplätze…

 

Konzernverantwortungsinitiative(10/2020)

Konzernverantwortungsinitiative (10/2020)

Sehr geehrte Bürger der Schweiz
Sie haben in Kürze die wunderbare Gelegenheit über die Verantwortung von Konzernleitungen abzustimmen. Ich gratuliere Ihnen zu diesem Recht. Es bedeutet natürlich, dass man sich zu dem Thema ein paar Gedanken machen muss, bevor man seine Ansicht auf dem Stimmzettel markiert.
Unser Wirtschaftssystem basiert auf der einfachen Formel: Ich leiste etwas und möchte für diese Leistung von meinem Gegenüber den Gegenwert haben, meist in Geld (also 1:1) plus einen kleinen Anerkennungsbolus für meine Leistung (weil ich in der Zeit nicht einfach geschlafen oder konsumiert habe, sondern Leistung erbracht habe). Dieser Anerkennungsbolus erlaubt mir später, zu sparen, zu sammeln für grössere Projekte, zu konsumieren, was ich will, meine Wünsche zu erfüllen.
Dieser Anerkennungsbolus fehlt aber bei dem ersten Konsumenten jetzt in der Geldbörse. Er wird ärmer. Jeder muss also sehen, dass der Anerkennungsbolus (man kann ihn auch anders nennen: z.B. Gewinn oder Profit oder Zins) bei einem selber so gross wie möglich wird (als Konsequenz natürlich beim Anderen kleiner). Bei den allermeisten wirtschaftlichen Aktivitäten ist Gewinn auf der einen Seite Verlust auf der anderen Seite. Ich bin nicht sicher, ob es tatsächlich Win-win-Geschäfte in grösserem Ausmass gibt. Ich fürchte, wenn wir an Win-win-Geschäfte glauben, dann haben wir unseren Nachdenkhorizont nur nicht gross genug gewählt und unser vermeintlicher Gewinn vernebelt unser Hirn.
Genau das haben wir in den letzten Jahrhunderten ausgefeilt bis ins letzte betrieben. Auch wenn wir vielleicht im normalen Leben auf einen Teil dieses Anerkennungsbolusses zu verzichten bereit sind (was ich ernsthaft in Frage stellen muss, wenn ich unsere Wirtschaftsweise betrachte), dann sind wir aber doch an einem Punkt angelangt, wo wir für unsere spätere Rente oder Pension jeden Prozentpunkt Rendite mitnehmen müssen oder zur Tilgung unserer Kredite jeden Franken, Dollar oder Euro. Ohne Rendite keine Wirtschaft und Wirtschaft ist einfach Ausdruck von Leben, gar nichts besonderes.
Zweifelsohne haben wir reichen Länder unseren Profit (und da auch den Konzernprofit) den armen Ländern, Bevölkerungen, Menschen und Kindern und deren Umwelt abgetrotzt. Da wäre ein Ausgleich dringend und schon lange notwendig. Da haben wir massiv Unrecht getan und gesündigt, an den Menschen und an der Umwelt. Es gibt gar keine Frage, dass wir da in der Verantwortung stehen.
Doch wir müssen die Folgen Ihrer Markierung auf dem Stimmzettel abwägen.
Wenn Sie den Konzernen ihren Profit kürzen, dann kürzen Sie damit auch die Rendite für Aktien, Dividenden, Kunden (in Form niedrigerer Preise) und anderer Partner. Wenn die Profite unserer Konzerne sinken, wird auch die gesamte Wirtschaftsleistung sinken, das BIP und andere Kennzahlen. Mit Ihrer Markierung auf dem Stimmzettel erklären Sie gleichzeitig Ihre Bereitschaft, einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der Konzerne, der schweizer Wirtschaft und steigende Preise für im Ausland gefertigte Güter in Kauf zu nehmen und über die höheren Preise nicht zu stöhnen oder sie dann an anderer Stelle gar zu bekämpfen.
Bevor Sie die Markierung auf dem Stimmzettel setzen, überlegen Sie bitte, ob Sie selbst bereit sind, zu Gunsten dieser Benachteiligten Ihren Wohlstand zu reduzieren und Ihre Ansprüche an die Konzerne zu reduzieren.
Wir müssen uns doch klar machen: Die Konzerne haben nur Interesse an diesen Leistungen, Rohstoffen und Produkten aus Übersee, weil wir sie den Konzernen abkaufen und sie daher Profit machen können. Uns sind diese Leistungen offenbar so wichtig, dass wir dafür den Gegenwert hinlegen und einen Batzen an Anerkennungsbolus dazu. Sonst würden die Konzernchefs das gar nicht tun. Sie können ganz einfach Konzerne steuern, indem Sie solche Leistungen von den Konzernen ganz simpel nicht mehr einkaufen.
Nun könnten wir ja sagen, wir verzichten dann eben ganz auf wirtschaftliche Aktivitäten dort. Dann würden wir nur noch in der Schweiz wirtschaften. Dann müssten wir auf entsprechende Rohstoffe oder Leistungen aus Übersee mit allen Konsequenzen ganz verzichten oder dortige Wirtschaftsakteure würden die Funktion übernehmen. Dann hätten die dortigen Wirtschaftsakteure das gleiche Problem wir unsere Konzerne.
Es scheint so, als müssten wir die Markierung in unserem eigenen Leben setzen, um woanders etwas zu ändern (zu verbessern?). Egal wie wir das tun, würde es von uns verlangen, auf unseren Gewinn zu verzichten zu Gunsten Anderer. Sind wir, sind Sie, dazu in der Lage? Überlegen Sie sich das bitte vor dem Ankreuzen auf dem Stimmzettel.
 
 

Klimaschützer(10/2020)

Einladung an Klimaschützer (10/2020)

Sehr geehrte junge Generationen, sehr geehrte Klimaschützer
Natürlich haben Sie völlig Recht, wenn Sie den älteren Generationen vorwerfen, diese Erde ausgeraubt zu haben und Ihnen damit Zukunft gestohlen zu haben. Wir Nachkriegsgenerationen hatten geglaubt, wenn jeder egoistisch seinen eigenen Vorteil suche, dann hätten alle und auch noch die Erde davon einen Vorteil. Ich gebe zu, wir waren und sind sehr sehr sehr naiv.
Daraus kann man den Schluss ziehen, dass die jüngeren Generationen schleunigst die Erde vor dem weiteren Zugriff der älteren Generationen bewahren müssen. Dem möchte ich auch gar nicht widersprechen. Bisher konnte man so etwas immer leicht wollen und glauben, es auch mit irgendwelchen Massnahmen umzusetzen. Allein, wenn wir nachdenken, merken wir recht schnell, dass es so einfach bisher nie war und womöglich auch heute und in Zukunft gar nicht ist.
Daraus kann man natürlich nun vorzüglich einen Kampf zwischen den Generationen initiieren, der bis aufs Messer oder vielleicht auch bis auf die Schusswaffe oder den Sprengstoff geführt wird. Wir würden ja gerne den Krieg verhindern oder beenden, aber erst, nachdem wir den letzten Krieg gewonnen haben… Das wäre dann wirklich der letzte Krieg.
Darf ich Sie einladen? „Klima schützen“ heisst ja, dass da schon einer Raubbau treibt und wir gegen ihn und seinen Raubbau kämpfen müssen, um eben den Schwächling, das Klima, zu beschützen. Das geht nun schon viele Jahrzehnte so. Etwas zerstören, was Andere aufgebaut haben (und unseren Wohlstand haben grösstenteils nun mal die Generationen vor uns aufgebaut), ist immer einfach. Schwerer ist, konstruktiv Neues zu entwickeln und zu schaffen. Aber genau das ist unser Anspruch.
Wir haben viel zu viel CO2 in unserer Atmosphäre und im Wasser auch schon. Es führt zur Klimaveränderung, zur Erwärmung der Erde. Natürlich kann man jetzt darum kämpfen, dass kein neues CO2 mehr gebildet wird. Damit ist aber das alte nicht weniger und neues kommt noch immer dazu. Unseren Lebenswandel wirklich einschränken wollen wir ja mehr oder weniger alle doch nicht, oder? Wenn, dann nur, wenn die Anderen auch oder besser noch, wenn die mehr als wir…
Ich möchte Sie daher einladen, konstruktiv unser Klima zu verändern und zu gestalten und dazu das Milliarden Jahre getestete und immer wieder für ungefährlich erwiesene und lebenspendende Chlorophyll zu nutzen. So brauchen wir keine neuen Technologien zu entwickeln, die womöglich selbst gefährlich sind und sicher auch nicht so natürlich. Bis auf geringe Mengen weiterer Bestandteile braucht es CO2 und Wasser und Sonnenenergie. So einfach… Darf ich Sie einladen, sich vom Klimaschützer zum Klimaentwickler weiter zu entwickeln? Lassen Sie uns nicht „kontra“ geben, sondern „pro“ leben!
Nebenbei hätte diese Entwicklung noch einige weitere Vorteile:
Sicher liesse sich damit auch der Meeresspiegel senken. Wäre diese Nebenwirkung zu verachten?
Der menschliche Lebensraum liesse sich erweitern, ohne dass wir auf den lebensfeindlichen Weltraum zurückgreifen (oder besser vorausgreifen) müssten.
Wer weiss, ob das nicht eine Klimaveränderung bewirken würde, die wir uns wünschen? Klima können wir hier sogar in viel tieferem Sinne verstehen, als nur in der Bedeutung und dem Einfluss von CO2 und Temperatur. Aber ist es da nicht wie mit dem Wetter? Jeder wünscht sich das ihm gerade genehme Wetter und wir müssen eigentlich froh sein, dass wir es kaum verändern können. Sonst würden wir uns noch viel öfter gegenseitig die Köpfe einschlagen?
Vielleicht liesse sich damit sogar Krieg um die Wasserverteilung verhindern? Denn der wird ja kommen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Vorbereitungen dazu laufen schon intensiv.
Einen entscheidenden Nachteil hat die Entwicklung. Sie wird sehr wahrscheinlich kein Geld und keine Rendite einbringen, sondern Geld und Einsatz kosten. Deshalb brauchen wir uns kaum Sorgen zu machen, dass Konzerne, Politiker oder andere Egoisten uns die Schau stehlen. Sie werden höchstens zu Gegnern. Das würde einen Rollentausch bedeuten. Lassen Sie uns selbst voran gehen, nicht Andere zu etwas zu zwingen, was sie gar nicht können, sondern selbst anfangen und anfassen.
Ich bin nur Arzt und noch dazu ein alter Mann. Sollten Sie Interesse oder mehr haben, lassen Sie uns zusammenkommen. Ich wünsche Ihnen eine fröhliche, interessante, ausgeglichene Zukunft und würde gerne noch ein wenig am Aufbau teilhaben und mitmachen.
Herzlich willkommen!
 

Demokratie(09/2020)

Demokratie (09/2020)

Meine sehr verehrten Schweizer! Ich schäme mich, wenn ich solche Dinge schreibe, wie sie gleich folgen. Sie werden das als Kritik auffassen, obwohl ich das nicht als Kritik meine, aber kritisches Nachdenken ist nun mal Kritik. Da kann ich machen, was ich will. Und der (übrigens nicht „das“) Corona-Virus (es heisst ja auch nicht „Das Feind“, sondern „Der Feind“) gibt so viele Gründe zum Nachdenken. Nehmen Sie den Virus ernst als Feind.
Ihre direkte Demokratie hat mich über viele Jahre sehr begeistert, solange ich sie nicht von innen erlebt habe, solange sie noch weit weg war und ich nur ihr Ideal, so wie ich es glaubte, kannte.
Die Realität hat mich ernüchtert. Natürlich ist die direkte Demokratie derzeit das Nonplusultra der Demokratie. Das macht die Schweiz ja unter Anderem so interessant.
Mir fällt auf, dass die direkte Demokratie, zumindest so, wie sie jetzt verwirklicht ist, zwar den grösstmöglichen Einfluss jedes einzelnen Bürgers auf die Geschicke des Landes und die Gemeinschaft ermöglicht, dass das aber auch dazu führt, dass an sehr vielen Stellen alles festgefahren ist in egoistisch erreichten Standpunkten, gesetzlichen oder anderen Regelungen und wenn irgend möglich, bewegt sich keiner mehr einen Schritt zurück, denn sonst würde er ja von seiner erreichten „Freiheit“ und seinen „Rechten“ etwas abgeben müssen. Nachdem man für seine Freiheit und seine Rechte viel gekämpft und eingesetzt hat, kann man sie nicht mehr loslassen. Jetzt ist man an die beiden gekettet. So bewegt sich im Land ausser der Bauwirtschaft und dem was Geld bringt, nur noch wenig. Da keiner einen Schritt zurück geht, kann auch keiner einen Schritt nach vorne gehen. Ja nichts verschenken und schon gar nicht irgendwelche Gewinne verschenken.
Das führt auch dazu, dass die regierenden Gremien alle Regelungen und Gesetze bis ins kleinste Detail durch viele Rechtskundige präzise ausformulieren lassen müssen, auch damit jede beteiligte Gruppe oder Person ihre Interessen mit ins Gesetz geschrieben hat, so dass die Kompromisse mit irgendeinem sachlichen Sinn nur noch wenig gemein haben. Jede Formulierung muss rechtskonform und wasserdicht sein. Kompromiss kommt weit vor Sinn. Sind solche Regeln und Gesetze dann erst einmal in Kraft getreten, holen sich die Verbände und Interessengruppen und wer sonst noch Interessen und Geld hat ein Heer von Rechtskundigen, um nach Schlupflöchern zu suchen, damit die Ge- und Verbote möglichst ohne offensichtlichen Rechtsbruch im eigenen Interesse umgangen werden können.
Ist das eigentlich ein menschlicher, ein sinnvoller, ein Erwachsenen angemessener Umgang miteinander? Von oben werden Regeln und Gesetze in Kraft gesetzt, von unten werden sie nach Möglichkeit umgangen. Mir fallen da etliche dumme Fragen ein…
Ist es eigentlich zwingend, dass Regierungen Gesetze erlassen müssen? In der Schweiz dauert das ja zum Glück etwas länger als in den umliegenden Ländern. Es wird auch mehr um Kompromisse gerungen. Gäbe es auch andere Verfahrensweisen, andere Kommunikationsformen, andere Lebensformen zwischen Regierung und Regierten als nur Gesetze machen und Gesetze empfangen, zumal in einer Direkten Demokratie, zumal unter einer der gebildetsten und reichsten Nationen dieser Erde? Der Ist-Zustand gleicht doch eher dem Treiben in einem Kinderzimmer von Dreijährigen und der genervt regierenden Mutter?
Ich muss gestehen, dass die reale Direkte-Demokratie in der Schweiz doch ziemlich weit entfernt ist von meiner gedachten Direkten Demokratie. Das liegt natürlich an meinen Täuschungen, denen ich unterliege, zweifelsfrei. Aber wenn dem so ist, hiesse das, mehr als Kleinkinderzimmer ist auch in einer ausgereiften, gebildeten, reichen Gesellschaft mit der bestdenkbaren Demokratie nicht möglich. Doppelt enttäuschend. Das sind wir uns so gebildet, mit allen Wassern gewaschen, die Welt beherrschend fühlenden Menschen also?!
Es ist ja auch interessant, die Rechtsprozesse im Land zu verfolgen. Auf beiden Seiten ist ein Heer von Rechtskundigen notwendig, damit jeder zu seinem Recht kommt, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass über Gewinn oder Unterliegen am Ende vor allem Verfahrensfragen und Formalien entscheiden. Irgendeine Formsache wurde nicht eingehalten oder/und das Delikt verjährte unterdessen. Wer wirklich Recht haben könnte, wird dann schon gar nicht mehr gefragt. Was hat das mit Justitia zu tun? Die Arme! Oder vielleicht die Glückliche? Sie liegt inzwischen lächelnd in der Sonne am Mittelmeer und denkt. „Die in der Schweiz kommen auch ohne mich aus. Die haben mich vergessen“.
Entschuldigen Sie bitte, dass ich massiv übertrieben habe, um anschaulich zu schreiben.

Politik (07/2020)

Politik(07/2020)

Wir hatten es uns doch so behaglich eingerichtet in unserer Welt. Die da oben waren dafür zuständig, dass wir, das Volk, sicher versorgt sind mit allem wünschbaren und darauf haben wir uns auch verlassen. Wenn irgend etwas nicht so klappte, wie wir das wünschten, dann waren die da oben Schuld, wir, das Volk, auf jeden Fall nicht.
Die da oben geben sich alle Mühe, es uns, dem Volk, Recht zu machen, denn wir haben sie ja gewählt und sie wollen auch wieder gewählt werden. Wir wollen keine Götter, keine Kaiser oder Könige da oben, sondern Menschen wie Sie und ich. Dann wundern wir uns, wenn Menschen wie Sie und ich da oben an den Schalthebeln sind. Von „an der Macht sein“ dürfen wir ja kaum sprechen. Mich würde nicht wundern, wenn die da oben oft eher den Eindruck hätten, dass das Volk die Macht über sie hat und dass sie eigentlich die getriebenen und geknechteten sind.
Es wundert mich schon lange, dass es überhaupt noch Männer gibt, die das mit sich machen lassen und ich kann verstehen, dass dann Männer ausrasten und sich benehmen wie die grossen Führer ihrer Nationen derzeit. Da fühlen sich solche Männer wenigstens „an der Macht“.
Noch weniger verstehen kann ich, dass Frauen dann auch noch 30 oder sogar 50 % dieser Schalthebel für sich zum Bedienen haben wollen. Was soll das werden, falls wir eines Tagen bemerken sollten, dass die Frauen gar nicht besser schalten oder womöglich sogar noch schlechter oder gar nicht? Für die dann ausbrechenden Kämpfe sind Frauen viel zu schade. Meine sehr verehrten Damen, wollen Sie sich das nicht ersparen? So dumm sind doch nur Männer, oder?
Dann beschliessen die Menschen an den Schalthebeln gewisse (diesmal sehr einschneidende) Massnahmen zu unserem Schutz und was tun wir? Wir spotten drüber, negieren diese Massnahmen, widersetzen uns und manche greifen sogar zu kräftigeren Mitteln. Wenn die „Regierenden“ diese Massnahmen ohne Corona-Gefahr angeordnet hätten, wären diese Reaktionen angemessen. Aber unter der Corona-Gefahr die erlassenen Massnahmen nicht ernsthaft einzuhalten, zeugt von … (Hier kann jede(r) selbst nachdenken, falls sie/er das kann.)
Wir glauben ernsthaft, die Regierungen seien unsere Gegner? Nein, die neue Herausforderung ist das Zusammenleben mit dem Virus, natürlich auch das Zusammengehen mit unserer Regierung.
Das „der Andere ist Schuld und ich bin unschuldig oder wirksamer noch: Ich bin Opfer“ ist eine eingeübte Sicht- und Lebensweise, die seltsame Blüten treibt. Unter anderem führt das dazu, dass ein kleiner unsichtbarer Gegner mit uns Menschen machen kann, was er will und kann. Ob wir mit dem konsequenten Maskentragen die Ausbreitung hätten stoppen können, wissen wir alle nicht, aber ohne das Maskentragen haben wir jedenfalls verloren. Inzwischen ist ziemlich sicher, dass auch das Maskentragen alleine nicht reichen wird. Verzicht auf Annehmlichkeiten (Ferien, Parties und vieles mehr) ist offenbar zu viel verlangt? Da ist die Selbstbeherrschung schon so in den Hintergrund getreten, dass erst die Fremdbeherrschung (z.B. ein kleiner unscheinbarer, stacheliger Virus) uns den Verzicht aufzwingen wird? Er ist nun mal, wie er ist. Wahrscheinlich kann er selbst nicht mal etwas dafür?
Andere für irgendeine Massnahme oder für irgendeine Unterlassung jetzt anzuschuldigen, ist doch völlig unangemessen. Wir müssen doch eher alle zusammen bekennen, dass wir unangemessen denken, handeln und leben, die einen vielleicht mehr, die anderen weniger. Wir haben den Virus alle nicht erst genommen und wir werden die Folgen zu tragen haben. Da gibt es kein Entrinnen. Eigenartigerweise sind meist die von den Folgen mehr getroffen, die die Situation ernster nehmen und die sind weniger betroffen, die sich um nichts scheren. Ist das wirklich die sinnvolle Begründung dafür, einfach alles ausser Acht zu lassen ausser seinen eigenen Interessen, Gewohnheiten und Vorlieben?
Es hat ja den Anschein, dass unsere Devise „Wenn alle ihre eigenen Interessen (demokratisch) vertreten, dann gelingt das Ganze, dann gewinnen alle!“ nicht so ganz optimal ist? Womöglich ist da ein Denkfehler drin?
An dieser Stelle ist offenbar vertieftes Nachdenken nötig, wenn man angemessen leben will? Zum Nachdenken möchte ich Sie einladen.

Gesichtsmaskenherstellung (06/2020)

Gesichtsmaskenherstellung(06/2020)

Bevor Sie oder wir gleich loslegen, lassen Sie uns doch noch ein paar grundsätzliche Überlegungen anstellen (zumal die jetzige Pandemie gar nicht vorbei ist und nach der Pandemie ist vor der Pandemie):
Natürlich lag es nahe, zunächst die bekannten Masken zu benutzen, die es gab und die wir hatten. Diese Masken sind aber für OP-Personal gedacht. Wir nehmen sie um den Mund, um den infektionsgefährdeten Patienten (und da vor allem die offene Wunde) vor den infektiösen Tropfen des Personals zu schützen. Im OP-Saal muss sie also nur in eine Richtung funktionieren, denn wir als OP-Team bespucken den Patienten, aber er nicht uns. Er liegt ganz still und ausgeliefert und sagt keinen Piep.
Im normalen Leben in der Pandemie muss die Maske aber in beide Richtungen schützen. Sie muss vor den Tröpfchen schützen und wenn möglich vor einzelnen Viren in der Luft. Da aber gibt es offenbar eine Mindestanzahl von Viren, die auf uns treffen müssen, damit wir uns überhaupt anstecken. Einzelne Viren scheinen da nicht so ansteckend zu sein. Wir atmen ja nie sterile Luft und werden trotzdem nicht jeden Tag krank.
Wir brauchen keine Staubschutzmaske. Viren sind zwar klein wie Staub, aber sie haben einen extremen Unterschied: Staub kann nicht lebendig werden, kann nicht infizieren, Viren aber.
Wir brauchen auch keine Gasmasken. Viren sind kein giftiges Gas.
So eine Pandemie dauert nicht ein paar Stunden wie eine Operation oder eine Putzaktion in staubiger Umgebung. Wir müssen also solch eine Maske lange tragen können, ohne dass sie alte Leute, Menschen mit Atembeschwerden, mit Allergien, mit Hautveränderungen im Gesicht oder arbeitende Menschen beeinträchtigt. Operationsmasken sind dafür nur eingeschränkt angemessen.
Solche Masken müssen leicht herstellbar sein, am besten von jedem per Hand oder mit der eigenen Nähmaschine. Maschinell hergestellte müssen Sie nach Gebrauch in den Müll werfen. Das ist anders auch gar nicht sinnvoll. Wenn man Textilmasken richtig herstellt und richtig handhabt, kann man sie abends im kochenden Wasser desinfizieren und jeden Tag aufs neue benutzen. Das spart auch eine Menge Müll.
Wichtiger noch, als dass wir eine Maske haben, ist die angemessene Benutzung. Ab der ersten Benutzung gilt sie als infektiös. Also, an den Flächen nicht mehr berühren, und zwar aussen nicht und innen auch nicht. Nur noch mit den Bändern hinter dem Kopf oder hinter den Ohren zurechtschieben. Die Bänder müssen auch so variabel knotbar sein, dass die Maske auf Ihre Nasenform und Gesichtsgrösse angepasst plaziert werden kann. Eine Maskenform und -Grösse für alle ist nicht optimal.
Benutzte Masken, die als infektiös gelten, zu transportieren, ohne sich von ihnen anzustecken, ist schwierig. Daher am besten die Maske vor dem Gesicht tragen, bis man sie zuhause endgültig abnehmen kann und desinfizieren kann. Auf und ab und auf und ab je nach Personenanzahl in der Umgebung, zusammenfalten, in die Tasche, aus der Tasche und so weiter ist da hochgradig infektionsförderlich, statt schützend.
Noch immer sehe ich in der Pflege Beschäftigte (die es eigentlich wissen müssten), die ihre Maske in der Tasche tragen, dann aufsetzen, wieder abnehmen, wieder in die Tasche stecken und das oft und mehrere Tage lang. Ob diese Beschäftigten mal etwas nachdenken oder zuhören (oder deren Vorgesetzte)?
Vorschlag für die Maskeneigenproduktion:
Bereits Anfang April hatte ich in meinem Beitrag „Pandemieexitstrategie weltweit“ eine einfache Art von Gesichts-Vorhang(-Maske) vorgestellt, damit jeder möglichst einfach und schnell sich mit einer geeigneten Maske versorgen könnte. Sie können dort nachlesen, wie es geht.
Heute stellt Ihnen meine Frau unsere neueste Kollektion vor, die bei der Herstellung etwas aufwändiger ist, aber komfortabler zu tragen.
Falls Sie nicht die von meiner Frau angegebenen Masse nehmen wollen, dann messen Sie von 2 cm vor Ihrem rechten Ohr bis 2 cm vor Ihrem linken Ohr. Die Oberkante sollte etwa auf der Mitte des Nasenrückens liegen. Die Länge nach unten sollte drei Querfinger unter dem Kinn oder etwas mehr betragen. Wir tragen die Maske unten offen, als Vorhang. Wir benutzen die Maske nicht als Gasmaske, sondern als Viren (Tröpfchen)-Fänger. So können Sie die Maske oben locker auf dem Nasenrücken tragen und können völlig frei nach unten atmen. So kann man solch eine Maske den ganzen Tag tragen ohne wesentliche Beeinträchtigung. So können auch Kranke und Schwache solch eine Maske tragen.
Man kann das Band (oder falls oben und unten je eines, dann beide) hinter dem Kopf festbinden oder man kann jeweils ein Band um das jeweilige Ohr legen. Angenehm ist, wenn Sie einen Gummi oder ein Band benutzen, einmal auf die richtige Länge knoten und dann jeweils nur über den Kopf ziehen. Das vereinfacht das Auf- und Abnehmen. Wenn Sie unten auch ein Band haben, lassen Sie es hinten möglichst locker, damit Sie frei nach unten atmen können.
Die Maske muss nicht um das ganze Gesicht herum dicht abschliessen. Das würde das Atmen unnötig erschweren. Wie gesagt, keine Gasmaske, kein Staubschutz, sondern ein Viren-Fänger. Sollte Ihr Band durch den Kanal rutschen und die Maske dadurch zu locker hängen oder über die Nase rutschen, kann man das durch einen einfachen Knoten am oberen oder unteren Ende des Kanales meist verhindern.
Wenn Sie unsicher sind, wie gut Ihre Maske dicht hält, besprühen Sie sie von vorne mit Kaffee. Wenn Sie die Kaffeeflecken auf der anderen Seite durchkommen sehen, dann ist Ihre Maske nicht dicht genug. Bisher empfahl ich vier Stofflagen. Jetzt zeigte dieser Test sogar mit zwei kräftigeren Stofflagen, dass nichts durchkam.

Die Nähanleitung finden Sie hier und das Schnittmuster hier.

Gratulation (06/2020)

Gratulation(06/2020)

Nehmen wir es sportlich. Sie werden sicher die weltweiten Zahlen der EU durchgesehen haben? Es ist völlig klar: Wir können dem Corona-Virus gratulieren. Er hat gewonnen. Die neue Bürgerschaft auf der Erde ist ihm gesichert. Die gegnerischen Armeen ziehen ab oder sind schon abgezogen. Die Menschheit steht schutzlos da und die Menschen schützen sich nicht einmal selbst. Für die Gemeinschaft der Corona-Viren ein leichtes Spiel. Infiltration statt offener Kampf. Da sind Viren stark, Männer (und wie wir in der Politik sahen, Frauen auch) haben dem nicht genug entgegenzusetzen, auch im 21. Jahrhundert nicht.
Das heisst aber auch auf der Gegenseite: Wir, die Menschheit hat verloren. Wieder, nehmen wir es sportlich. Tragen wir es mit Fassung.
Corona-Viren werden also gleichberechtigter Erdenbürger. Was bedeutet das für uns? Wir werden es erleben. Wenn wir im Bild bleiben wollen, dann sind wir mit der ersten Welle wohl im Corona-See gelandet? Nun werden uns wohl immer wieder Wellen treffen, hier und dort, nicht überall gleichzeitig, mal grösser und mal kleiner, aber eben immer wieder und wohl auf Dauer?
Jetzt soll die grosse Aufarbeitung und Kritik und Selbstkritik kommen? Wir sollen etwas lernen:
Natürlich klopfen sich jetzt alle Verantwortlichen selbst auf die Schulter und beglückwünschen sich, wie sie alles richtig gemacht haben. Das kennen wir inzwischen von so vielen Reden der Mächtigen, dass wir uns gewundert hätten, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es geht auch gar nicht darum, jemandem Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. Es geht nur einmal darum, dass wir uns klar machen, dass wir angesichts dessen, dass wir verloren haben, uns jetzt auf die Schulter klopfen und sagen, wir hätten alles richtig gemacht. Wir wollen und sollen das jetzt alle kritisch aufarbeiten, aber bitte keine Kritik an den Entscheidungsträgern. Klar, wir sind alle Menschen, sie und wir und wir mögen keine Kritik. Wir vertragen es nicht, falsch gehandelt zu haben, besonders, wenn wir im Rampenlicht stehen. Wir stehen einer realitätsnahen Aufarbeitung selbst im Wege.
Ich habe bisher ja das Gesichtsmasken Tragen sehr vertreten. Es traf auf viele Schwierigkeiten, das gegen seine eigene Intuition oder gar Überzeugung durchzusetzen. Über seinen eigenen Schatten springen zu wollen, ist selbst für Leistungssportler eine meist unüberwindbare Hürde. Warum ist das eigentlich so? Inzwischen glaube ich, dass es dafür sehr menschliche Strukturen in jedem selbst gibt. Es ist aber möglich, über seinen eigenen Schatten zu springen. Das bedarf einer Reihe Einsichten und zwanzig Jahre Übens, aber es geht. Und Sie werden staunen, was für eine Welt sich Ihnen hinter dieser Hürde auftut.
Ob das Maskentragen uns zum entscheidenden Sieg über die Pandemie des Corona-Virus geholfen hätte, weiss natürlich auch ich nicht. Ohne das konsequente Maskentragen haben wir jedenfalls verloren.
Die Pandemie hat gezeigt: Wir tun nicht das, was sinnvoll ist in einer Situation, sondern das, was uns nützt, was unseren Interessen nützt, was für uns bequem ist, wo wir nicht über den eigenen Schatten springen müssen, … Interessant ist ja, dass die Maske, die ich trage, den gegenüber schützt und seine Maske schützt mich. Das bedeutet, dass jeder, der eine Maske trägt, sich um die anderen sorgt. Wer keine Maske trägt, ist völlig ignorant oder zumindest fahrlässig gegenüber anderen. Wenn man ein bisschen nachdenkt, ist jeder ohne Maske potentiell ein Gefährder für andere. Wir aber denken immer nur an den eigenen Schutz, denn der andere ist ja gefährlich (infektiös), ich selbst dagegen nicht. Das haben alle gedacht, die andere angesteckt haben, denn sonst hätten sie es ja nicht getan. Vorsätzlich wird es ja wohl keiner getan haben?
Auch hier wäre nachdenken sinnvoll. Egoismus und ungerechtfertigtes Selbstbewusstsein gepaart mit Abwertung und Abwehr der/s Anderen (denn nur die oder der steckt an, ich ja nicht).
Liebe Regierungen, diese Pandemie hat gezeigt, dass Sie einfach nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Was machen Sie da eigentlich? Unfähig was? Aber trösten wir uns, das ging allen so, den Regierungen, den Experten, den Ärzten, den einfachen Menschen einschliesslich mir. Wir sitzen alle in einem Boot und so wird es auch beim nächsten Mal sein.
Wenn wir eine Chance hätten haben wollen, die Verbreitung von Corona zu verhindern, dann hätten wir alle unsere „menschliche“ Intelligenz hervorkramen müssen, dann hätten wir über unseren Schatten springen müssen und hätten sinnvoll handeln müssen, nicht nur im eigenen Interesse. Das aber ist von uns Menschen zu viel verlangt.

 

Sie kennen sicher die Geschichte von David und Goliath, auch wenn Sie die Bibel, aus der die Geschichte stammt, gar nicht kennen?
Der junge, unbewaffnete Teenager David wird von seinem Kriegsheer gegen Goliath, den schwerbewaffneten und gerüsteten Gegner in den Zweikampf geschickt. Noch ehe Goliath so richtig seine Waffen in Stellung gebracht hat, schleudert David einen Stein so gut gezielt gegen Goliaths Kopf, dass er diesen an der ungeschützten Stirn den Kopf zertrümmert. Tot!
Immer, wenn wir die Geschichte hören, sind wir natürlich Sympathisanten Davids oder glauben uns sogar an seiner Stelle. Heute stimmt das nur gar nicht. Wir sind an der Position Goliaths. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was das bedeutet? Wir haben die Seiten gewechselt und haben es noch nicht einmal wahrgenommen!

 

Taktik (06/2020)

Taktik(06/2020)

Warum wir uns so schwer tun, Gesichtsmasken zu tragen.

 

Stolze Männer bieten dem Feind die Stirn und zeigen ihr Gesicht, erst recht, wenn der Feind so klein ist, wie Viren, also unsichtbar. Oder Männer ignorieren einen solchen Feind, weil er ihnen doch sowieso nicht gewachsen ist. Frauen folgen dem Beispiel ihrer oder der Männer.
Als der Herrscher über ein Reich im Nordosten Europas seinem Land eine Halbinsel zurückholte, wandte er diese Taktik nicht an, sondern er schickte ungekennzeichnete grüne Männer, die das gegnerische Land und die Halbinsel infiltrierten. Er gewann im Handstreich und alle rieben sich die Augen. Er bot nicht die Stirn, sondern wendete die Virus-Taktik an (schon bevor der Virus kam). Wahrscheinlich ist dieser Herrscher gar kein Mann?
Männer, vielleicht sollten wir doch ab und zu mal nachdenken?

 

Sollten Sie jedoch keine Gesichtsmaske tragen, weil die Ihnen zu unbequem, zu eng, zu luftundurchlässig oder sonst wie hinderlich ist, so wüsste ich Abhilfe. Meine Frau hat eine neue Kollektion kreiert, die für viele Menschen sicher eine sehr komfortable und wirkungsvolle Alternative darstellt. Bei Bedarf melden Sie sich bitte.
Das Maskentragen, wenn immer Sie einen Menschen sehen, mit dem Sie nicht im gleichen Haushalt zusammen wohnen, empfehle ich noch immer. Zumindest in der Schweiz, Österreich und Deutschland hat sich seit Mitte Mai (heute haben wir den 14. Juni) die Infektionsrate bei deutlicher Wellenbewegung im Durchschnitt nicht oder kaum verringert. Wenn das so bleibt, haben wir einen neuen kleinsten Dauerfreund auf dieser Erde, der uns nicht nur beglücken wird. Wir sollten uns bald überlegen, ob wir ihn los werden wollen. Wenn Sie das gar nicht wollen, beklagen Sie sich bitte später nicht.

 

Die Adresse für die Internetseite der EU gebe ich Ihnen hier als link:
https://www.ecdc.europa.eu/en/publications-data/download-todays-data-geographic-distribution-covid-19-cases-worldwide
oder in anderer Form:
https://www.worldometers.info/coronavirus/
Auf den angegebenen Webseiten der EU und von Worldometer bekommen sie schnell und umfassend und auch recht übersichtlich alle nötigen Zahlen, um sich seine Gedanken machen zu können und Schlüsse zu ziehen. Viele der Zahlen, auch wenn sie hier bis auf den Zähler genau angegeben sind, sind natürlich nur mehr oder weniger realitätsnah. Als Faustregel kann wohl gelten: Je mehr getestet wird und je freier Medien in einem Land sind, desto verlässlicher sind die Zahlen. Kaum ein Land wird zu hohe Zahlen angeben. In aller Regel werden realistische Zahlen eher höher liegen als in den Listen angegeben.
Wer in diesem Jahr noch eine Reise planen und erleben will, könnte z.B. an Hand dieser Infektionsraten entscheiden, in welches Land er fährt. 0 ist das Risiko allerdings auch in den deutschsprachigen Ländern bzw. in Ihrer Heimat nicht.

 

Die Militärparade als Siegesfeier, der Umgang mit dem Corona-Virus und die Verfassungsänderung wenige Tage später zeigen doch, dass oben genannter Herrscher männlichen Geschlechtes ist. Er ist genauso egoistischer Mensch wie ich.

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)(05/2020)

Heute zum letzten Mal(?), bevor wir uns wieder anderen Menschen und Dingen zuwenden:
Theorie und Praxis beim Virenschutz:
Wir bekommen vom Kanton maschinell hergestellte, zertifizierte, funktionierende OP-Masken. Sie sind leicht anzulegen, haben einen Gummi hinter dem Ohr. Zumindest der Theorie nach ist alles fein. So muss das sein.
Die Praxis sieht so aus: Alle Patienten bekommen von uns solch eine Maske, wenn sie die Praxis betreten. Zuerst habe ich sie auch selbst benutzt. Schon nach einem Vormittag merkte ich, dass diese Maske völlig unnütz ist. Sie rutschte mir alle paar Minuten von der Nase, so dass ich sie wieder nach oben schieben musste. Das ging ohne Berührung mit den Fingern nicht. Hätte die Maske Viren abgefangen, hätte ich sie todsicher mit den Fingern verteilt und mich und andere angesteckt. Nach einem halben Tag habe ich unsere eigenen Baumwollmasken wieder benutzt.
Es gab kaum einen Patienten mir gegenüber, dem das nicht genauso ging. Diese Masken haben mit hoher Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Virus gedient, nicht der Eindämmung. Aber sie waren zertifiziert und offiziell für gut befunden und an uns abgegeben. Zertifizierter Müll, sozusagen. Wir hatten Glück. Wir werden wahrscheinlich keinen Corona-Kranken in der Praxis gehabt haben, obwohl wir viele Kranke in der Praxis hatten.
Viele meiner Patienten, die sowieso schon Probleme mit dem Atmen haben, konnten durch solch eine Maske gar nicht lange atmen und mussten sie wieder ablegen. Das Atmen wird auf diese Weise zu schwer.
Wir wollen ausnahmsweise mal niemanden beschuldigen und kritisieren. Sondern wir wollen mal über den Unterschied von Theorie und Praxis nachdenken, denn dieser Unterschied bestimmt sehr vieles in unserem Leben. Offenbar müssten wir uns erst etwas Gedanken machen, was denn solche Masken zur Eindämmung für eine Pandemie für Eigenschaften haben müssten.
Zu Beginn müssen wir wohl mal davon ausgehen, dass zertifizieren nicht so einfach ist. Zertifizieren heisst ja überprüfen. Da gibt es dann bestimmte Standards, die eingehalten werden müssen. Die sind inzwischen bürokratisch beschlossen, vereinheitlicht, für alle zur Pflicht gemacht, DIN-Normen z.B. Dann hat man Mess-Systeme dafür ersonnen, die diese Regeln und ihre Einhaltung überprüfen. Die Durchlässigkeit der Materialien für Viren z.B. Da gibt es inzwischen grosse Firmen, die nur noch so etwas machen, also darauf spezialisiert sind und diese Überprüfung also optimal abwickeln. Die Übereinstimmung von Material und Norm wird sicher damit auch geklärt sein. Aber ist damit die gute Funktionsfähigkeit der Masken in der Praxis sichergestellt? Es scheint eine Distanz zwischen Theorie und Praxis zu geben, die wir nicht so einfach mal eben überbrücken oder auf 0 zusammenschmelzen können?
Wir hatten ja schon früher die Frage gestellt, ob OP-Masken überhaupt gut sind zur breiten Anwendung zur Verhinderung einer Pandemie? Vielleicht sind die bürokratischen Richtlinien für diesen Zweck gar nicht tauglich? Braucht es vielleicht ganz andere Richtlinien? Die werden wir bis zur nächsten Pandemie bekommen. Da bin ich sicher. Ist die Aufstellung von solchen Richtlinien und Zertifizierungssystemen überhaupt sinnvoll? Muss wirklich alles zentral erdacht, beschlossen, festgelegt, zum Gesetz gemacht werden? Ginge das auch anders? Wäre ein menschliches Organisationssystem denkbar, das uns Eigenverantwortung, Freiheit und Individualität belässt und vielleicht sogar die Wirksamkeit erhöhen würde? Oder ist das nur der Wunsch zurück in ein Paradies, in dem noch alles (nach unseren Wünschen) funktionierte, das aber nicht unserer Realität entspricht?
Können wir überhaupt die Übereinstimmung von Theorie mit Praxis durch Optimierungs- und Kontrollsysteme, wie die von uns geschaffenen, sicherstellen? Gibt es da vielleicht ein strukturelles Problem? Ist es nicht nur eine Frage von Messgenauigkeit, von Erbsenzählerei oder Tüpflischisserei? Gibt es da womöglich eine zusätzliche Lücke? Spielt da womöglich Transzendenz eine Rolle?
Wollen wir in Zukunft denn nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Menschen als Dienstleister (in Form von Berufen), nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Produkte und am besten auch noch nur staatlich anerkannte und für gut befundene Wünsche auf dem Markt zulassen? Spontanität, Eigenverantwortung, Freiheit ade? Unser Handeln hat mehr Folgen als uns lieb ist. Bevor wir die Macher an die Regierungen lassen, sollten wir vielleicht doch besser nachdenken und vor allem beim Wählen sehr viel sorgfältiger werden. Wen wir wählen, den bekommen und haben wir danach dann auch.
Bitte lassen Sie uns dabei nicht an irgendeine Schuld denken oder irgend jemanden beschuldigen oder gar dunkler Machenschaften bezichtigen. Wir alle wählen unsere Philosophie, unsere Weltanschauung, unseren Glauben (auch die, die keine wählen) und entsprechend denken und handeln wir dann auch. Das geht gar nicht anders. Das hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Menschen Sein.