Demo(04/2021)

 

Demo (04/2021)

24. April 2021 in Rapperswil, einem kleinen, sehr schmucken Städtchen im Nordosten der Schweiz.
Es versammeln sich Menschen, die gegen die Coronaschutzmassnahmen der Regierung demonstrieren, sich beklagen, anklagen, ihre Wut herauslassen, ihre überschüssige Kraft anwenden wollen. Nichts besonderes. Wir erleben es zunehmend und an vielen Orten dieser Welt. Diese Menschen haben eine Ansicht, eine Sicht der Dinge, wie sie sie sehen und sie wollen dieser Sicht Gehör verschaffen. Sie fühlen sich zu wenig gehört, zu wenig in die Entscheidungen eingebunden, ihre Interessen zu wenig in das System von Gesetz und Ordnung eingebaut. Sie sind Leidtragende einer Situation, einer „Katastrophe“ für uns Menschen.
Wie kam es zu der Katastrophe? Ein Virus und inzwischen eine ganze Familie von Viren fiel über die Menschheit her. Tatsächlich? Vielleicht müssen wir das ein bisschen anders sehen? Wir sind nicht allein auf dieser Welt. Das ist gut so. Wir würden sehr vieles vermissen auf dieser Welt, wenn wir allein wären. So müssen wir jedoch die Welt auch teilen mit anderen. Mit Faktoren, die unseren Wünschen entsprechen, die unserer Vorstellung von Welt, wie wir sie gerne hätten, passt, haben wir unsere helle Freude. Die geniessen wir, gewöhnen uns dran und wollen mehr. Die Faktoren, die gegen unseren Willen sind, gegen unsere Wünsche, gegen unsere Ordnung, Pläne und Träume, die bekämpfen wir, die wollen wir nicht haben, die müssen wir ausmerzen. Diese Faktoren sind oft gar nicht menschlicher Art, sondern einfach unsere Umwelt im weitesten Sinne. Heute haben wir unsere Mittel und Wege dazu, wenn wir nicht selbst Erfolg haben: Regierungen, Versicherungen, Justiz und natürlich so banale Organisationen wie Rettungsdienste, Katastrophenschutz, Rotes Kreuz und Roter Halbmond, WHO, UNO, etc.
Im jetzigen Falle ist der Virus oder die Virusfamilie leider so klein, dass wir ihn/sie nicht sehen, nicht einmal in irgendeiner Weise wahrnehmen. Wenn uns nicht Wissenschaftler gesagt hätten, dass alle die Kranken, die Sterbenden von einem bestimmten Virus infiziert sind und an den Folgen seines Eindringens in unseren Körper sterben, wir wüssten es nicht. Wir stünden da und würden uns nur wundern, was mit uns passiert. Glücklicherweise haben wir Wissenschaft. Aber Wissenschaft und „Wissen“ sind das eine, glauben, für bewiesen halten, ist das Andere. Und da sind wir Menschen auf unsere Umwelt, unsere Körperwahrnehmungen und unser Denken und Kombinieren von als Wissen gespeichertem und Erfahrenem und Erlebtem angewiesen. Der Virus lässt sich schlecht erleben. Wären es russische Soldaten an der Front im Donbass, ist das schon etwas Anderes. Von der Grösse her ist es ein Verhältnis von 1 für die Viren zu 1mit mehreren Nullen für die Soldaten, von der Bedeutung her jedoch genau umgekehrt.
Die Bedeutung des Virus glauben Menschen, die selbst damit zu tun haben, wissenschaftlich, politisch, am eigenen Körper durch Krankheit, in ihrer Familie durch kranke Verwandte oder die Verwandte an der Erkrankung verloren haben. Menschen, die wenig Kontakt in solche Verhältnisse haben (davon gibt es immer weniger, aber es gibt sie) und die in ihren Wünschen, Plänen, Träumen für ihr Leben eingeschränkt sind oder die sogar herbe Verluste durch die Schutzmassnahmen vor dem Virus erlitten, sehen das natürlich ganz anders. Leugnung des Vorhandenseins des Virusses ist eine Möglichkeit, Bekämpfung der Schutzmassnahmen ist eine andere. Gewaltanwendung, wenn man Opfer ist? Für ein Opfer sind alle Kampfmittel geheiligt, denn es ist ihm Unrecht geschehen, jedenfalls zunächst aus eigener Sicht. Dass Männer da Gewalt anwenden, wer will ihnen das verdenken? Männer stammen aus einer grauen Vorzeit, als Kraftanwendung noch das Überleben ermöglichte. Gewaltanwendung bedeutete Leben. Heute müssen sich Männer schon sehr selbstbeherrschen, wenn sie angesichts solcher Situationen nicht ihre Wut und Kraft herauslassen wollten. Selbstbeherrschung ist heute schliesslich nicht Mode, nicht Tugend, es sei denn, für die eigene Karriere.
Da man auf dem Virus nicht herumhauen kann, muss Mann auf Anderem herumschlagen. Da bietet sich doch die Polizei als langer Arm der Regierung an, oder? Die Regierung ist schliesslich Schuld an dem Virus, oder?
Nun, die Frage kann man mit „Ja“ und mit „Nein“ beantworten. Es stellt sich die Frage, ob wir angesichts der Informationen aus China im Winter 2020 wirklich angemessen gehandelt haben. Im Nachhinein muss man das sicher verneinen. China hat (falls die Informationen stimmen) den Krieg gegen den Virus damals bravourös gewonnen. Warum fast die gesamte andere Welt das nicht geschafft hat, ist sehr nachdenkenswert. Da kann China bzw. die chinesische Regierung sich wirklich selber auf die Schultern klopfen. So könnte man natürlich fast alle anderen Regierungen an den Pranger stellen und sagen „Ihr seid Schuld!“. Man wird aber keiner Regierung vorwerfen können, sie habe vorsätzlich den Virus ins Land geholt. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden wir das nicht einmal den Chinesen vorwerfen dürfen, obwohl dort der Virus seine Ausbreitung begann.
Ob die Massnahmen zur Abwehr des Virus, zur Verhinderung seiner weiteren Verbreitung, zum Schutz von Menschenleben angemessen waren, müssen wir heute für die Nicht-China-Welt eigentlich mit „Nein“ beantworten. Da haben unsere Regierungen alle mehr oder weniger versagt. Wir befinden uns im „Coronasee“, der natürlich Wellen hat, wahrscheinlich noch viele. Langsam werden wir uns an den Virus gewöhnen, mit ihm leben, uns auf ihn einstellen müssen. Wir müssen mit ihm leben, krank sein und sterben.
Die Situation ist für uns Menschen in mehrfacher Hinsicht neu. Weder Bewohner noch Regierungen waren darauf vorbereitet.
Krankheiten sind für uns ein Minus, dass es zu bekämpfen gilt. Dazu haben wir Regierungen und Versicherungen. Nur wir selbst, wir müssen nicht für unsere Gesundheit sorgen. Wir selbst dürfen rauchen, Drogen konsumieren nach Belieben, gefährliche Sportarten betreiben, Auto fahren, über die Strasse gehen, uns fett fressen, … Die Regierungen und Versicherungen müssen unsere Gesundheit schützen, koste es was es wolle. Wir brauchen es nicht.
Die Wissenschaft wendete ihre Kenntnisse von anderen Viren an und übertrug diese Erfahrungen auf die jetzige Situation. Das war hilfreich in mancher Hinsicht, aber der Virus war neu und weitgehend unbekannt. Erfahrungen und Wissen sammeln kosten Zeit und sind nicht 1 zu 1 zu gewinnen. Da kommen widersprüchliche Erkenntnisse und erst über längere Zeit, über grössere Zahlen an Erkrankten und angewendeten Schutz-, Diagnose- und Therapiemassnahmen lassen sich realitätsnähere Ansichten gewinnen. Das ist einfach Struktur der Welt, Erde und unserer Gesellschaft. Da kann man Regierungen oder Wissenschaftler beschimpfen. Meistens wird man die Falschen beschuldigen und vor- oder sogar ganz verurteilen. Das Rollen von Köpfen geschieht eher, um die Wut der Bürger zu besänftigen als dass es berechtigt wäre.
Einschub: In den meisten Ländern sind ja die Regierungen mehr oder weniger demokratisch gewählt worden, also Menschen aus dem Volk. Selbst die Diktatoren sind das, auch wenn sie sich selbst für etwas Besseres halten. Ob wir an deren Stelle wirklich angemessener gehandelt hätten, ist doch eher fragwürdig, oder? Ist der Glaube „Ich hätte das besser gemacht!“ nicht eher Selbsttäuschung, eher Selbstüberschätzung?
Anders als sonst bei Krankheit, sind plötzlich wir selbst gefordert. Plötzlich müssen wir Regeln einhalten, müssen uns selbst beschränken, müssen uns selbst beherrschen, müssen verzichten und es kostet viel, viel Geld (oder es kommt kein Geld mehr, was ja nicht wenigen ihr Leben ruiniert hat. Das ist keine Kleinigkeit, darf natürlich auch zu unbeherrschten Reaktionen führen, besonders bei uns vorsintflutlichen, schnell unbeherrschten Männern).
Die Situation ist natürlich auch völlig neu, dass immer Krankheit und Tod um (fast) jeden Preis verhindert werden müssen, jetzt in dieser Situation aber plötzlich nicht. Plötzlich sagen die, die mehr Opfer bringen müssen als Andere, weil das Pech sie einfach in Positionen gebracht hat, die mehr betroffen sind, dass anders zu verfahren sei. Ihre Interessen sollen jetzt höher eingeschätzt werden als die der Kranken und nicht mehr Lebenden oder demnächst Todgeweihten.
Solche Konfliktsituationen gehören zum Leben, zu unserem Dasein auf dieser Erde. Wenn man wie in China oder im Krieg, alles auf eine Karte setzt und gewinnt, dann hat man gewonnen. Wenn man wie im Rest der Welt die entgegengesetzten Interessen der Bürger berücksichtigen muss und abwägen muss und nicht alles auf eine Karte setzen kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit des Sieges deutlich geringer. Das erleben wir derzeit. Dann muss man aber auch in Zukunft im Coronasee schwimmen.
Regierungen und wir Bürger haben die Wahl zwischen diesen beiden, vielleicht ja auch noch einer dritten Variante, die mir jetzt nicht in den Sinn kommt. Auch ich bin ja nur dummer Mensch. Aber wir haben keine Möglichkeit, der Realität aus dem Wege zu gehen. Wir müssen uns ihr stellen, jeder für sich und zusammen, jeder im Kampf ums eigene Leben, so es bedroht ist (tatsächlich oder wirtschaftlich) und in gegenseitiger Rücksichtnahme aufeinander.
Ich will endlich meine Freiheit zurück!“ Junger Mann, ich kann sie gut verstehen. Das ginge mir an Ihrer Stelle genauso und auch ich hätte nichts dagegen, wenn ich mich wieder schrankenlos bewegen könnte. Das Dumme ist, der oder die Viren haben keine Ohren. Freiheit kann man sich nicht erkämpfen. Man kann sie nur geschenkt bekommen. Natürlich kann man darum bitten, aber auch das wird der Virus wahrscheinlich nicht hören. Die Regierung, die Wissenschaftler, wir alle, stehen ja auf Ihrer Seite, der Seite der Geschädigten. Wenn Sie sich gegen uns Mitbeteiligte auflehnen, was ich in Ihrem Schmerz auch verstehen kann, dann kämpfen wir in Zukunft auf unserer Seite gegeneinander. Jede Kampfpartei, jeder Führer einer Kampfpartei im Krieg oder in der Politik weiss, wenn erst in den eigenen Reihen gegeneinander gekämpft wird, dann ist der Kampf bereits vor dem Kampf verloren.
Deshalb meine Bitte: Üben Sie Selbstbeherrschung, haben Sie Geduld und Ausdauer und achten Sie auf die Menschen und deren Wohlergehen um sich herum. Auch wir als Gesellschaft, als Ihre Umwelt wollen Rücksicht auf Sie nehmen!
Danke vielmals!
 
 
 

 

 

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