Sterne(03/2021)

 

Sterne? (03/2021)

Bitte nehmen Sie bequem Platz. Heute wollen wir Ihr Weltbild ändern, erweitern, mal eben schnell und das wird Sie den Rest Ihres Lebens beschäftigen. So schnell ändern wir unser Weltbild nicht.
Wir versetzen uns in die letzte Nacht oder in den letzten Abend, als wir ganz bewusst uns den Sternenhimmel angeschaut haben. Sie haben angefangen zu zählen. Unser Lichtmüll macht viele Sterne unsichtbar. Da kann man wirklich zählen. Sie fanden Sternbilder und Sie waren einfach nur von der Schönheit dieser Sterne begeistert und berührt. Das wollen wir heute nicht ändern und werden es doch ändern.
Sie kennen alle die Masseinheit „Lichtjahr“. Damit messen Astronomen grosse Entfernung im Weltraum. Ohne dass uns das bewusst wurde, haben die Wissenschaftler über die zugrunde liegende Lichtgeschwindigkeit sogar unsere Masseinheit Meter auf der Erde definiert. Was doch so alles auf dieser Erde passiert, ohne dass wir es mitbekommen.

Ein Stern ist z. B. so weit weg, dass das Licht mit seiner Lichtgeschwindigkeit ein Jahr lang brauchte für den Weg vom Stern bis in Ihr Auge. Schon das sich vorzustellen, fordert unsere Fantasie. Die Sonne ist übrigens gut 8 Lichtminuten von uns entfernt. Die Entfernung der Sonne vom Zentrum unserer eigenen Milchstrasse soll übrigens 30000 Lichtjahre betragen und das kürzlich mit einer Abbildung bekanntgewordene berühmte schwarze Loch in der Mitte unserer Milchstrasse SgrA* soll etwa 27000 Lichtjahre von uns entfernt sein.
Was uns überhaupt nicht bewusst ist, ist, dass das „Lichtjahr“ auch eine Zeitangabe ist. Das Licht hat also so und so viel Zeit gebraucht, um bis in Ihr Auge zu kommen. Bei der Sonne waren es gut 8 Minuten (Bitte nicht in die Sonne schauen! Es reicht, auf die sonnenbeschienene Erde zu schauen und sich daran zu freuen.), bei jenem Stern war es 1 Jahr, bei anderen Galaxien viele zehntausende Jahre, bei dem genannten schwarzen Loch eben 27000 Jahre.
Was sehen Sie denn tatsächlich am Himmel? Sehen Sie wirklich Sterne? Müssen wir nicht eigentlich sagen: Wir sehen Lichtpunkte? Über unserem Kopf funkeln viele kleine Lichtpunkte. Wie mögen unsere Vorfahren eigentlich auf die Idee gekommen sein, dass diese Lichtpunkte „Sterne“ sind? Keiner war dort, hat sie angefasst, betreten, bewohnt, … „Sterne“ ist eine Interpretation für die Lichtpunkte, die unser Auge wahrnimmt. Warum sollen sich nicht auch Lichtpunkte am Himmel bewegen? Beweisen Sie mir doch bitte mal, dass diese vielen Lichtpunkte da oben „Sterne“ sind. Und was sind Sterne eigentlich?
Nun, die Astronomie hat uns da in den letzten Jahrhunderten eine Menge Erklärungen gegeben und wir haben sie geglaubt. Das sind viele mehr oder weniger runde Gebilde. Schon, ob die alle feste Körper sind, wie unsere Intuition uns gerne glauben machen mag, ist zweifelhaft. Ja, die Astronomen sind davon überzeugt, dass das bei Weitem nicht bei allen so ist. Vermutlich werden wir nie den „Beweis“ antreten können, es sei denn Herr Einstein und unsere Wissenschaftler hätten sich geirrt. Welcher Mensch wollte schon in ein Raumschiff steigen und hunderte Jahre fliegen, um dann als „Beweis“ seinen Fuss in eine solche Wolke zu setzen und dann festzustellen „Nur kalte Luft“, „Gar nichts!“. Wenn der Mensch Glück hätte, beträte er festen Boden. Keine Sorge, das wüssten unsere Wissenschaftler auch schon im Voraus. Vielleicht würde die Technik des Raumschiffes die Wolke beim Näherkommen nicht einmal finden? Science fiction. Die wollte ich heute eigentlich nicht mit Ihnen betreiben.
Nein, wenn das „Lichtjahr“ auch eine Zeitangabe ist, dann schauen wir in den Himmel und sehen gar keine Realität, keine Sterne, sondern wir sehen nur Vergangenheit. Hundert Jahre, tausend Jahre, ja sogar zehntausende Jahre und noch viel mehr. Wenn uns die Astronomen also von den Sternen erzählen, dann erzählen sie uns also nur alte Märchen. Damals, vor so und so vielen Jahren muss das Licht dort und dort losgeflogen sein, um direkt auf das Teleskop der Wissenschaftler zu fallen oder in Ihr Fernrohr oder sogar in unser Auge. Was wir heute sehen, war damals.
Nun bin ich kein Wissenschaftler, schon gar kein Astronom und daher in der entsprechenden Literatur nicht sehr bewandert. Was mir aber auffiel, dass alle Äusserungen, die ich bisher gelesen oder gehört habe, in der Gegenwart abgefasst sind. „Wir zeigen Ihnen das schwarze Loch.“ „Die Gaswolke füttert das schwarze Loch.“ „Wir sehen zwei Sterne dicht nebeneinander.“ …
Das stimmt nur alles in dieser Weise gar nicht. Wir müssen uns bewusst sein, dass alle diese Vorgänge schon lange Geschichte sind. Wenn wir sie wahrnehmen, dann ist längst nicht klar, ob das, was wir wahrnehmen auch noch an dieser Stelle so vorhanden ist (Zumindest die Ortsangaben werden sich verändert haben). Unsere Astronomen erzählen uns Geschichte des Weltalls. Das, was ist, das was Gegenwart ist, erzählen sie uns nicht. Sie benutzen nur die Grammatik der Gegenwart und wir glauben ihnen auch noch ganz unbekümmert, dass sie uns Gegenwärtiges berichten, das, was jetzt ist.
Wir könnten die Astronomen bitten (das werden die Astronomen längst haben), uns eine Karte ähnlich der Weltkarte oder eines Globus vom Weltraum zu schaffen und für jeden Lichtfleck die Entfernung von der Erde einzutragen. Dann könnten wir einen kleinen Aspekt nachvollziehen, wie sich die Geschichte der letzten soundsovielen Jahre im Weltraum abgespielt hat. Nein, auch das können wir nicht. Wir können nur immer die Lichtpunkte in Abhängigkeit von unserer Zeit wahrnehmen und beobachten und daraus Schlüsse ziehen. Und jeder dieser Lichtpunkte erzählt uns aus einer anderen Zeit und nur aus dieser kurzen Zeit, als das Licht seinen langen Flug startete.
Unsere Gegenwart auf der Erde heute geht also durch die Darstellung dieser Lichtpunkte am Himmel parallel mit vielen geschichtlichen Vorgängen im Universum. Die Gegenwart jedoch, können wir im Universum nicht wahrnehmen. Alles, was wir und auch unsere Wissenschaftler, unsere Astronomen uns aus dem Weltraum berichten, ist Vergangenheit. Natürlich berechnen die Astronomen an Hand von Beobachtungen und Schlussfolgerungen und daraus abgeleiteten Theorien und Formeln die gegenwärtigen Verhältnisse und präsentieren uns die als heutige Verhältnisse. Gesehen, nachgewiesen, bewiesen haben sie diese Verhältnisse jedoch nicht. Ihre Berechnungen und Darlegungen und Anschauungen oder Ansichten sind Theorie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit von Realitätsnähe oder sogar Zutreffen (Richtigkeit, Übereinstimmung mit der Realität).
In unserer Realität stellt sich die Frage, ob eine stimmige Funktion in einer Formel oder Theorie bereits der Beweis im Sinne von Nähe zur oder gar Übereinstimmung mit der Realität ist. Viele Männer (neuerdings auch Frauen), vor allem neuzeitliche, glauben das einfach. Je näher diese Verhältnisse tatsächlich sind, z.B. auf unserer Erde, sodass wir sie anfassen, sehen, messen, riechen, beschreiben können, …, desto sicherer werden wir Realitätsnähe tatsächlich wahrnehmen können (So sagt uns das zumindest unsere Intuition). Alle Informationen, die wir im Raum wahrnehmen, sind umso eher überprüfbar und damit beweisbar, je näher sie uns sind und um so weniger überprüfbar, je weiter weg sie sind. Wenn wir sie überprüfen wollten, müssten wir nicht nur Entfernung überwinden, sondern auch Zeit, müssten in die Vergangenheit reisen.
Unsere Erfahrung ist, dass wir reisen können, dass aber reisen nur in der Gegenwart möglich ist und in die Zukunft reichen kann, aber nicht in die Vergangenheit.
Daraus folgt, dass wir nach menschlichem Ermessen diesbezüglich nie die Übereinstimmung unserer Theorien mit der Realität werden überprüfen können. Wir müssen sie glauben. Und neuzeitliche Menschen, nämlich wir, wollen das glauben. Da sind wir neuzeitlichen Männer (und neuerdings auch Frauen) absolut intolerant. Wir wollen glauben, dass unsere Anschauung von der Welt, unsere „wissenschaftliche“ Anschauung „richtig“ (der Realität entsprechend) ist, die einzig gültige, die mit der Realität übereinstimmende. Wir können zumindest im Weltall genau diese Frage nicht beantworten, weder mit „Ja“, noch mit „Nein“, allenfalls mit einem „Vielleicht“, einem Graubereich (oder viel schöner: einem Farbbereich).
Unsere Weltanschauung von den Dingen und Leben sowie Menschen in Raum und Zeit ist Theorie, mehr oder weniger realitätsnahe Theorie. Von „Wissen“, von mit der Realität übereinstimmender Theorie ausgehen zu wollen, ist verwegen. Das ist schlichtweg Glauben respektive Irrglauben.
Wenn wir nicht nur im Weltraum nachdenken, sondern auch im uns nahen Raum, unserem Körper und seinen geistigen Funktionen, unserer Familie, unserem Freundeskreis, unserem Volk etc., dann müssen wir erstaunt feststellen, dass dort die Relativität unseres „Wissens“ noch weit ausgeprägter ist. Wir neuzeitlichen Menschen machen uns nur allzu gerne immer wieder etwas vor, lieben unsere Selbsttäuschungen über alles und merken gar nicht, wie wir uns eher immer weiter von der Realität entfernen als auf sie zu zu kommen.
Das hat die für uns neuzeitliche Menschen sehr ungeliebte Folge, dass wir mit unseren Ansichten, die wir für „Wissen“ halten, genau auf dem gleichen Niveau wie „Glauben“ stehen, wie die Religionen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir nie darüber hinaus kommen (auch wenn wir genau das für schon erreicht halten). Allerdings lohnte es sich auch, über den Wahrheitsgehalt, über die Übereinstimmung von Theorie und Realität in Religionen nachzudenken. Was uns dort wohl begegnen würde?
Und was ist heute Abend? Heute Abend schauen Sie dort, wo Sie sich gerade befinden gemeinsam mit mir am Ort, wo ich mich gerade befinde in den schwarzen Himmel und wir freuen uns gemeinsam über die vielen schönen Sterne, über ihre Bilder, ihr Funkeln, ihre chaotische Verteilung über die ganze Kuppel und wir denken nach über unser Leben unter den Sternen und über unser Sein und den dazugehörigen Schein. Viel Spass und Freude!
 

 

 

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