Cyberwelt(12/2020)

Cyberwelt (12/2020)

Zwei Meldungen aus der digitalen Welt kamen in der ersten Hälfte des Dezembers. In den USA wurden eine zentrale Firma für Cyber-Sicherheit und eine kleine Software-Firma gehackt, über die den USA sozusagen nicht nur die Hose heruntergezogen wurde, sondern jegliche Kleidung und Unterwäsche in Sachen digitaler Recherche, digitaler Informationsbeschaffung und digitaler Sicherheit gestohlen wurde.
Nun kann man natürlich ganz selbstbewusst und schadenfroh über den grossen Teich hinweg die Nase rümpfen oder mit dem Finger zeigen oder noch Frecheres. Wir sollten uns einmal fragen, was da in diesem Jahr eigentlich mit uns passiert ist.
Ein analoger Virus der Gruppe der Corona-Viren hat unsere Aufmerksamkeit dermassen in Anspruch genommen und unser Leben dermassen verändert, dass wir gar nicht wahrnehmen, dass ausgerechnet ins gleiche Jahr die Verbreitung viel schlimmerer Viren fällt, nun tatsächlich vom Menschen geschaffener, digitaler Viren.
Seit Jahren höre ich, hier in der Schweiz immer noch mit einem Konkurrenzdenken und sportlichen Gefühl „Wir müssen die ersten und die besten sein“ verbunden, dass die Digitalisierung immer weiter vorangetrieben werden müsse. Das Auftreten und der Kampf gegen den analogen Corona-Virus (gegen den wir bekanntlich verloren haben und nur vielleicht Dank einer schnellen Impfung noch etwas Boden wieder gut machen können), dieser Virus hat uns völlig blind gemacht für die Gefahren durch die digitalen Viren. Ja diese Schutz- und Kampfmassnahmen treiben uns geradezu in die Arme der digitalen Viren. Je weiter wir unser Leben in die digitale Welt, in die vom Menschen gemachte virtuelle Welt verlagern, desto verletzlicher, desto anfälliger, desto unsicherer wird unsere Welt und werden wir.
In der analogen Welt boten uns räumliche Distanz und Nichtwissen (ja tatsächlich, auch Nichtwissen) einen gewissen Schutz vor Angriffen aus aller Welt. Der Feind musste physisch, musste real, musste weitgehend sicht- und erkennbar in unserer Nähe auftauchen. Herr Putin hat im Kampf mit der Ukraine um die Krim diese Tatsache sehr erfolgreich umgangen, indem unbekannte grüne Männchen einsickern und schliesslich von innen heraus in der Ukraine den Kampf austragen liess. Es gibt noch weitere Beispiele, wo diese Kampfart auch bewusst oder unbewusst angewandt wurde.
In der digitalen Welt ist jegliche Distanz aufgehoben. Über die Leitungen oder über Wellen sind wir alle auf das Engste miteinander verwoben. Das hat den Vorteil der schnellen Informationsweitergabe, hat aber auch den Nachteil, dass wir jetzt den Krieg in unseren Wohn- und Schlafzimmern sowie in unseren Home-Offices haben und natürlich in allen öffentlichen und gewerblichen Institutionen und Betrieben von Rang und Namen oder besser von strategischer Bedeutung.
Stellen Sie sich vor, wir hätten digital vernetzte Flugzeuge, die über Hard- und Software gesteuert würden, ja die ohne diese technischen Hilfen gar nicht fliegen könnten. Es braucht doch gar keine Flugabwehrraketen mehr, um Flugzeuge anderer Firmen oder Länder vom Himmel zu holen. Es reicht die Einschleusung eines Virus in die Programme der Flugsicherheit und schon landet ein Flugzeug im besten Falle sicher auf einem völlig anderen Flughafen als erwartet. Im etwas schlechteren Falle landet es nicht sicher irgendwo, sondern … Ihre Fantasie wird sich hier lebhaft austoben können.
Stellen Sie sich vor, wir hätten Autos, die völlig digital miteinander vernetzt sind und Sie sitzen nach der Zieleingabe drin und sehen sich einen Film an und wenn der Film zu Ende ist und Sie sich die reale Umgebung um sich herum anschauen, dann sind Sie in einem völlig anderen Land und wundern sich, dass Sie die Sprache nicht verstehen. Es könnte natürlich auch sein, dass Sie gar nicht so weit kommen, dass schon nach zehn Minuten im digitalen Raum ihre analoge Welt völlig zerbeult ist oder Schrott und mit ein bisschen mehr Pech Sie im Spital oder im Jenseits gelandet sind. So schnell kann es gehen.
Vergessen wir nicht, dass wir uns selbst und alle um uns herum auch ihr analoges Sein mit in die digitale Welt nehmen, nicht nur unser Liebsein, sondern auch unsere Abwehr, unsere Intoleranz und unser Feindsein. Ohne die digitale Welt konnten wir noch (und die Schweiz ist da wieder ein wunderbares Beispiel) wenigstens im eigenen Haus und im eigenen Land dafür sorgen, dass Friede, Freude, Eierkuchen herrschten. Alle Selbstsucht, aller Eigennutz, alles Böse vertrieben über die Grenzen oder in die Gefängnisse aller Art. Im normalen Leben nur noch Frieden. Im digitalen Zeitalter gibt es diese Freiräume, diese Friedensräume nicht mehr.
Wer sich diese Räume schaffen will oder es zumindest versuchen will, muss nun mit immensen Kosten und Aufwand und allzeit wachsam für Sicherheit und digitale Waffen sorgen. Die Kosten werden die Corona-Kosten bei Weitem übersteigen (und wir sind ja jetzt schon bis in unendliche Weiten verschuldet). Die Schutzmassnahmen werden unser Leben total verändern. Angst wird unser Leben noch viel mehr durchdringen bei jeder Autofahrt, bei jedem Flug, bei jeder Aktion, die wir nicht selber steuern und bis an alle Grenzen autark ausführen können.
Nicht zuletzt denken Sie daran, dass jede Information, die Andere von Ihnen haben möchten, zu jederzeit unbemerkt über die digitalen Kanäle von Ihnen abgesaugt werden kann. Da helfen keine Gesetze, keine Moral, keine Strafandrohung. Sie merken es gar nicht. Allenfalls die Spitze des Eisberges wird bekannt werden und vor Gerichten landen, die dann nicht einmal die nötige Beweisführung werden liefern können.
Der bisher in Thrillern fantasierte Cyberwar ist ohne Kriegserklärung und völlig unbemerkt angebrochen. Wir sind mitten drin. Viren, die die Corona-Viren und deren Kollegen an Wirkung völlig in den Schatten stellen und die unser Leben viel mehr verändern werden als die analogen Viren. Seien Sie wachsam, denken Sie nach!
Gibt es Menschen, die nicht nur wie vom Teufel getrieben voranstürmen können oder im anderen Falle plötzlich die Notbremse ziehen und ins völlige Gegenteil verkehren wollen, sondern die frei, realitätsnah und dem Leben gemäss einen Weg suchen, der wahrscheinlich irgendwo dazwischen liegen wird, vielleicht aber auch völlig fernab, weil völlig Anderes „sinnvoll“ ist? Ich denke, solche Menschen hätten wir bitter nötig.
 

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