Inflation(11/2020)

Inflation (11/2020)

Vor nunmehr fast 100 Jahren brachte eine Inflation fast in die ganze Welt eine furchtbare Krise und einen wirtschaftlichen Einschnitt, weil plötzlich das Geld wertlos wurde. Seitdem hat die ganze Welt Angst vor einer solchen Wiederholung. Ich gehöre dazu.
Spätestens seit der letzten Krise 2008 versuchen die Ökonomen und einflussreichen Politiker (stimmt ja eigentlich nicht, eigentlich sind es die Nationalbanker in Abgrenzung zu den Politikern), eine Teuerungsrate von etwa 2 % zu halten, weil das einen gewissen Level von Wachstum am besten unterstützen würde. Eigenartigerweise haben sie das bis heute nicht geschafft, obwohl sie Geld in einer Menge gedruckt haben, dass die damalige Geldmenge überschritten wurde. Nicht nur wir, auch die Banker und andere merken: Da stimmt doch etwas nicht!
Vor 100 Jahren standen die sozialen Sicherungssysteme noch nahe dem Anfang, auf dem aufsteigenden Teil der Gausskurve. Jeder war glücklich, dass er endlich konsumieren konnte und sich um die Sicherung im Alter keine Gedanken machen musste. Die meisten erlebten dieses Alter ja sowieso nur kurz. Das Geld wurde in den Konsum gesteckt, in die goldenen zwanziger Jahre (des letzten Jahrhunderts).
Heute sieht die Welt ganz anders aus. Heute sind die sozialen Sicherungssysteme alle am Anschlag. Wir sind auf dem absteigenden Teil der Gausskurve. Jeder weiss inzwischen, dass die Sicherungssysteme unseren Wohlstand nicht werden erhalten können. Die Vernunft sagt: Sparen, sparen, sparen. So wird Geld in Immobilien, in staatlichen Wertpapieren, in Aktien, Funds, Gold und anderen „Werten“ angelegt. Konsummieren ja gerne, konsummieren wollen wir auch, aber nicht bei steigenden Preisen. Woher das Geld nehmen und nicht stehlen, um die Preise niedrig zu halten? So werden die Preise durch staatliche Subventionen aller Art und andere Förderungen niedrig gehalten. Um diese Programme zu bezahlen und vieles Andere mehr muss der Staat nun Geld aufnehmen, muss Schulden machen, also doch Geld bei unseren Kindern, wenn nicht sogar von uns selbst stehlen. Das erleben wir nun schon seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Der Wert der „Werte“ ist relativ, relativ zu unseren Wertvorstellungen, sicher noch manchem Anderen und auch der Geldmenge, die wir für die „Werte“ hinblättern. Wenn wir für eine bestimmte Anzahl von Immobilien 2 Milliarden einer Währung hinlegen und wenig später ein Anderer Investor das Zehnfache hinlegt, dann ist zwar für den einzelnen Verkäufer der Immobilien mehr Geld herausgesprungen. Im grossen Massstab hat sich aber nicht der Wert der Immobilien gesteigert, sondern der Wert des hingelegten Geldes hat entsprechend abgenommen. Es ist ein qualitativer Unterschied für einen Vorgang, ob der Vorgang selten oder oft passiert. Es ist ein Unterschied, ob wir etwas von der einen oder von der anderen Seite betrachten.
Der Wert der Immobilien in einem Land wächst je nach Veränderung der Bewohnerzahl, je nach Interesse anderer an den Immobilien im Land und weiterer Faktoren. Wenn wir die Entwicklung der Immobilienpreise seit 2008 beobachten (dem Jahr der letzten grossen Krise), dann werden wir von einer Wertsteigerung in vielen Zentren dieser Erde ausgehen können (in abgelegenen Teilen der Erde auch vom Gegenteil). Wenn wir also seit 2008 nominale Steigerungen von 30 % und mehr haben, dann stellt sich die Frage, ob diese 30 % wirklich komplett Wertsteigerungen waren. Natürlich könnten wir jetzt eine Studie in Auftrag geben, die uns am Ende eine Zahl mit mindestens einer Stelle nach dem Komma anzeigen würde. Nur, woher wollen Sie solche schwammigen Prozesse und Entwicklungen mit Zahlen unterlegen und diese dann als realitätsnah schmackhaft machen und wir sollen sie glauben? Sehr wahrscheinlich sind die Zahlen mehr oder weniger fern der Realität. Wir könnten also mal schon die Stelle nach dem Komma weglassen. Wahrscheinlich werden wir grob annehmen dürfen, dass die Hälfte der Wertsteigerung der Inflation zuzuschreiben ist, wenn nicht sogar mehr?
Noch viel ausgeprägter ist diese Entwicklung bei den Aktien, bei den Fonds oder darauf aufbauenden Kombinationspapieren. 2007/8 hatten sie dramatisch an Wert verloren und seitdem haben viele der Aktien bereits wieder weit mehr als 100 % draufgelegt, die einen mehr, die anderen weniger. Bei zuvorkommender Wirtschaftsweise (Wirtschaften nicht als Ausbeutung der Ressourcen, nicht als Ausbeutung der Untergebenen, nicht als Über-das-Ohr-Hauen der Kunden etc.) wird durchschnittlich bei optimaler Performance allenfalls die frühere Zinsrate auf dem Sparbuch von 3 % herausspringen. Möglicherweise ist das unter diesen Umständen schon ambitioniert? Unter jährlich 3 % wären wir heute nach 12 Jahren bei einem Zuwachs von ungefähr 40 %. Wo stehen wir tatsächlich? Da können wir eine 0 anhängen.
Jeder Wert, den wir auf irgendeine Weise bestimmen würden, könnte nur falsch liegen, weil wir gar nicht in der Lage sind, so viele Einflussfaktoren, wie sie in der Realität einwirken, mit zu verarbeiten. Wir werden aber der Realität sicher recht nahe liegen, wenn wir konstatieren, dass die Wertentwicklung der letzten 12 Jahre einen grossen Batzen an Inflation enthält. Diese Inflation wird den Wert unserer aus diesen Werten generierten Renten und Pensionen entsprechend schmälern. Das wird uns natürlich niemand auf den Rappen oder Cent ausrechnen, auch nicht können. Die nominalen Werte sind auch völlig uninteressant, aber wir werden es in reduzierter Kaufkraft merken.
Nun aber kommt der grösste Brocken: Um die Preise niedrig zu halten, an denen die Nationalbanker die Inflation messen, sind in den letzten Jahren (und ganz besonders massiv und enthemmt durch die Corona-Krise) Summen von Geld gedruckt worden (oder anders gesagt, Schulden gemacht worden bei den uns nachfolgenden Generationen), dass wir von Inflation kaum noch reden können. Das ist doch eine Art von Superinflation, wie wir sie noch nie gesehen haben. Nationalbanker, Politiker und Ökonomen sind aber offenbar nicht in der Lage, ihre Messmethoden den geänderten Verhältnissen anzupassen. Scheuklappen, nein, Scheumauern so dick wie Bunkerwände im 2. Weltkrieg… Bloss nicht die Blickwinkel ändern. Erstaunlicherweise hören wir von den heute am Ruder befindlichen Frauen keine gegenteiligen Weichenstellungen. Hätten wir das nicht angesichts der Gleichberechtigung der letzten Jahrzehnte erwartet? (Sorry, meine Damen!) Wie sehr wollen sich unsere heutigen Wirtschafts- und Banklenker und -lenkerinnen denn später rückwirkend schämen, wenn die Situation deutlich und unverkennbar klar geworden ist? Sie sind doch alle Experten (oder etwa nicht?)!
Müssen wir nicht die finanzpolitische Handlungsweise unserer Grossakteure seit 2008 ähnlich beurteilen wie die Handlungen insolventer Menschen oft vor Gericht zum Schluss beurteilt werden, als „Insolvenzverschleppung“?
Wie lange wollen wir diesen Scheumauerführern denn noch glauben, dass unser (gespartes) Geld das Wert sei, was sie uns vormachen? Glauben die das denn überhaupt selbst? Was würde passieren, wenn wir diese Zusammenhänge so nicht mehr glauben würden? Warum ändert das keiner? Warum ändern wir das nicht?
Meine derzeitig wahrscheinlich zutreffendste, aber nicht abschliessende Antwort: Wir würden genau die Entwicklung auslösen, die alle vermeiden wollen und weshalb alle Verantwortlichen das Spiel immer weiter spielen. Die Spieler (Herr Draghi nur als ein Beispiel) wusste das, aber er konnte nicht zur Wahrhaftigkeit zurückkehren, weil er dann der Auslöser der Krise gewesen wäre. Das wollte er natürlich nicht. Er hat es auch tatsächlich geschafft. Seine Nachfolgerin? Mal abwarten.
Wahrscheinlich gibt es gar keine Lösung!!! Die Lösung hiesse, wir müssten uns selbst beherrschen, müssten selbst zurückstecken, müssten raus aus unserer Bequemlichkeit, unserer Freude und dem Spass, dem Luxus und zunächst unsere bisher angehäuften Schulden bezahlen, bevor wir corona-bedingt neue Schulden machen. Bloss das nicht! Wir würden den Crash der Wirtschaft verursachen, den wir immer hinausgeschoben haben, denn mit den aus der Zukunft geborgten Geldern sind ja jeweils Arbeiten, die sonst hätten in der Zukunft gemacht werden sollen, bezahlt worden. Nicht nur negative Zinsen, nein, auch negative Arbeitsplätze…

 

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