Politik (07/2020)

Politik(07/2020)

Wir hatten es uns doch so behaglich eingerichtet in unserer Welt. Die da oben waren dafür zuständig, dass wir, das Volk, sicher versorgt sind mit allem wünschbaren und darauf haben wir uns auch verlassen. Wenn irgend etwas nicht so klappte, wie wir das wünschten, dann waren die da oben Schuld, wir, das Volk, auf jeden Fall nicht.
Die da oben geben sich alle Mühe, es uns, dem Volk, Recht zu machen, denn wir haben sie ja gewählt und sie wollen auch wieder gewählt werden. Wir wollen keine Götter, keine Kaiser oder Könige da oben, sondern Menschen wie Sie und ich. Dann wundern wir uns, wenn Menschen wie Sie und ich da oben an den Schalthebeln sind. Von „an der Macht sein“ dürfen wir ja kaum sprechen. Mich würde nicht wundern, wenn die da oben oft eher den Eindruck hätten, dass das Volk die Macht über sie hat und dass sie eigentlich die getriebenen und geknechteten sind.
Es wundert mich schon lange, dass es überhaupt noch Männer gibt, die das mit sich machen lassen und ich kann verstehen, dass dann Männer ausrasten und sich benehmen wie die grossen Führer ihrer Nationen derzeit. Da fühlen sich solche Männer wenigstens „an der Macht“.
Noch weniger verstehen kann ich, dass Frauen dann auch noch 30 oder sogar 50 % dieser Schalthebel für sich zum Bedienen haben wollen. Was soll das werden, falls wir eines Tagen bemerken sollten, dass die Frauen gar nicht besser schalten oder womöglich sogar noch schlechter oder gar nicht? Für die dann ausbrechenden Kämpfe sind Frauen viel zu schade. Meine sehr verehrten Damen, wollen Sie sich das nicht ersparen? So dumm sind doch nur Männer, oder?
Dann beschliessen die Menschen an den Schalthebeln gewisse (diesmal sehr einschneidende) Massnahmen zu unserem Schutz und was tun wir? Wir spotten drüber, negieren diese Massnahmen, widersetzen uns und manche greifen sogar zu kräftigeren Mitteln. Wenn die „Regierenden“ diese Massnahmen ohne Corona-Gefahr angeordnet hätten, wären diese Reaktionen angemessen. Aber unter der Corona-Gefahr die erlassenen Massnahmen nicht ernsthaft einzuhalten, zeugt von … (Hier kann jede(r) selbst nachdenken, falls sie/er das kann.)
Wir glauben ernsthaft, die Regierungen seien unsere Gegner? Nein, die neue Herausforderung ist das Zusammenleben mit dem Virus, natürlich auch das Zusammengehen mit unserer Regierung.
Das „der Andere ist Schuld und ich bin unschuldig oder wirksamer noch: Ich bin Opfer“ ist eine eingeübte Sicht- und Lebensweise, die seltsame Blüten treibt. Unter anderem führt das dazu, dass ein kleiner unsichtbarer Gegner mit uns Menschen machen kann, was er will und kann. Ob wir mit dem konsequenten Maskentragen die Ausbreitung hätten stoppen können, wissen wir alle nicht, aber ohne das Maskentragen haben wir jedenfalls verloren. Inzwischen ist ziemlich sicher, dass auch das Maskentragen alleine nicht reichen wird. Verzicht auf Annehmlichkeiten (Ferien, Parties und vieles mehr) ist offenbar zu viel verlangt? Da ist die Selbstbeherrschung schon so in den Hintergrund getreten, dass erst die Fremdbeherrschung (z.B. ein kleiner unscheinbarer, stacheliger Virus) uns den Verzicht aufzwingen wird? Er ist nun mal, wie er ist. Wahrscheinlich kann er selbst nicht mal etwas dafür?
Andere für irgendeine Massnahme oder für irgendeine Unterlassung jetzt anzuschuldigen, ist doch völlig unangemessen. Wir müssen doch eher alle zusammen bekennen, dass wir unangemessen denken, handeln und leben, die einen vielleicht mehr, die anderen weniger. Wir haben den Virus alle nicht erst genommen und wir werden die Folgen zu tragen haben. Da gibt es kein Entrinnen. Eigenartigerweise sind meist die von den Folgen mehr getroffen, die die Situation ernster nehmen und die sind weniger betroffen, die sich um nichts scheren. Ist das wirklich die sinnvolle Begründung dafür, einfach alles ausser Acht zu lassen ausser seinen eigenen Interessen, Gewohnheiten und Vorlieben?
Es hat ja den Anschein, dass unsere Devise „Wenn alle ihre eigenen Interessen (demokratisch) vertreten, dann gelingt das Ganze, dann gewinnen alle!“ nicht so ganz optimal ist? Womöglich ist da ein Denkfehler drin?
An dieser Stelle ist offenbar vertieftes Nachdenken nötig, wenn man angemessen leben will? Zum Nachdenken möchte ich Sie einladen.

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