Gesichtsmaskenherstellung (06/2020)

Gesichtsmaskenherstellung(06/2020)

Bevor Sie oder wir gleich loslegen, lassen Sie uns doch noch ein paar grundsätzliche Überlegungen anstellen (zumal die jetzige Pandemie gar nicht vorbei ist und nach der Pandemie ist vor der Pandemie):
Natürlich lag es nahe, zunächst die bekannten Masken zu benutzen, die es gab und die wir hatten. Diese Masken sind aber für OP-Personal gedacht. Wir nehmen sie um den Mund, um den infektionsgefährdeten Patienten (und da vor allem die offene Wunde) vor den infektiösen Tropfen des Personals zu schützen. Im OP-Saal muss sie also nur in eine Richtung funktionieren, denn wir als OP-Team bespucken den Patienten, aber er nicht uns. Er liegt ganz still und ausgeliefert und sagt keinen Piep.
Im normalen Leben in der Pandemie muss die Maske aber in beide Richtungen schützen. Sie muss vor den Tröpfchen schützen und wenn möglich vor einzelnen Viren in der Luft. Da aber gibt es offenbar eine Mindestanzahl von Viren, die auf uns treffen müssen, damit wir uns überhaupt anstecken. Einzelne Viren scheinen da nicht so ansteckend zu sein. Wir atmen ja nie sterile Luft und werden trotzdem nicht jeden Tag krank.
Wir brauchen keine Staubschutzmaske. Viren sind zwar klein wie Staub, aber sie haben einen extremen Unterschied: Staub kann nicht lebendig werden, kann nicht infizieren, Viren aber.
Wir brauchen auch keine Gasmasken. Viren sind kein giftiges Gas.
So eine Pandemie dauert nicht ein paar Stunden wie eine Operation oder eine Putzaktion in staubiger Umgebung. Wir müssen also solch eine Maske lange tragen können, ohne dass sie alte Leute, Menschen mit Atembeschwerden, mit Allergien, mit Hautveränderungen im Gesicht oder arbeitende Menschen beeinträchtigt. Operationsmasken sind dafür nur eingeschränkt angemessen.
Solche Masken müssen leicht herstellbar sein, am besten von jedem per Hand oder mit der eigenen Nähmaschine. Maschinell hergestellte müssen Sie nach Gebrauch in den Müll werfen. Das ist anders auch gar nicht sinnvoll. Wenn man Textilmasken richtig herstellt und richtig handhabt, kann man sie abends im kochenden Wasser desinfizieren und jeden Tag aufs neue benutzen. Das spart auch eine Menge Müll.
Wichtiger noch, als dass wir eine Maske haben, ist die angemessene Benutzung. Ab der ersten Benutzung gilt sie als infektiös. Also, an den Flächen nicht mehr berühren, und zwar aussen nicht und innen auch nicht. Nur noch mit den Bändern hinter dem Kopf oder hinter den Ohren zurechtschieben. Die Bänder müssen auch so variabel knotbar sein, dass die Maske auf Ihre Nasenform und Gesichtsgrösse angepasst plaziert werden kann. Eine Maskenform und -Grösse für alle ist nicht optimal.
Benutzte Masken, die als infektiös gelten, zu transportieren, ohne sich von ihnen anzustecken, ist schwierig. Daher am besten die Maske vor dem Gesicht tragen, bis man sie zuhause endgültig abnehmen kann und desinfizieren kann. Auf und ab und auf und ab je nach Personenanzahl in der Umgebung, zusammenfalten, in die Tasche, aus der Tasche und so weiter ist da hochgradig infektionsförderlich, statt schützend.
Noch immer sehe ich in der Pflege Beschäftigte (die es eigentlich wissen müssten), die ihre Maske in der Tasche tragen, dann aufsetzen, wieder abnehmen, wieder in die Tasche stecken und das oft und mehrere Tage lang. Ob diese Beschäftigten mal etwas nachdenken oder zuhören (oder deren Vorgesetzte)?
Vorschlag für die Maskeneigenproduktion:
Bereits Anfang April hatte ich in meinem Beitrag „Pandemieexitstrategie weltweit“ eine einfache Art von Gesichts-Vorhang(-Maske) vorgestellt, damit jeder möglichst einfach und schnell sich mit einer geeigneten Maske versorgen könnte. Sie können dort nachlesen, wie es geht.
Heute stellt Ihnen meine Frau unsere neueste Kollektion vor, die bei der Herstellung etwas aufwändiger ist, aber komfortabler zu tragen.
Falls Sie nicht die von meiner Frau angegebenen Masse nehmen wollen, dann messen Sie von 2 cm vor Ihrem rechten Ohr bis 2 cm vor Ihrem linken Ohr. Die Oberkante sollte etwa auf der Mitte des Nasenrückens liegen. Die Länge nach unten sollte drei Querfinger unter dem Kinn oder etwas mehr betragen. Wir tragen die Maske unten offen, als Vorhang. Wir benutzen die Maske nicht als Gasmaske, sondern als Viren (Tröpfchen)-Fänger. So können Sie die Maske oben locker auf dem Nasenrücken tragen und können völlig frei nach unten atmen. So kann man solch eine Maske den ganzen Tag tragen ohne wesentliche Beeinträchtigung. So können auch Kranke und Schwache solch eine Maske tragen.
Man kann das Band (oder falls oben und unten je eines, dann beide) hinter dem Kopf festbinden oder man kann jeweils ein Band um das jeweilige Ohr legen. Angenehm ist, wenn Sie einen Gummi oder ein Band benutzen, einmal auf die richtige Länge knoten und dann jeweils nur über den Kopf ziehen. Das vereinfacht das Auf- und Abnehmen. Wenn Sie unten auch ein Band haben, lassen Sie es hinten möglichst locker, damit Sie frei nach unten atmen können.
Die Maske muss nicht um das ganze Gesicht herum dicht abschliessen. Das würde das Atmen unnötig erschweren. Wie gesagt, keine Gasmaske, kein Staubschutz, sondern ein Viren-Fänger. Sollte Ihr Band durch den Kanal rutschen und die Maske dadurch zu locker hängen oder über die Nase rutschen, kann man das durch einen einfachen Knoten am oberen oder unteren Ende des Kanales meist verhindern.
Wenn Sie unsicher sind, wie gut Ihre Maske dicht hält, besprühen Sie sie von vorne mit Kaffee. Wenn Sie die Kaffeeflecken auf der anderen Seite durchkommen sehen, dann ist Ihre Maske nicht dicht genug. Bisher empfahl ich vier Stofflagen. Jetzt zeigte dieser Test sogar mit zwei kräftigeren Stofflagen, dass nichts durchkam.

Die Nähanleitung finden Sie hier und das Schnittmuster hier.

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