Gratulation (06/2020)

Gratulation(06/2020)

Nehmen wir es sportlich. Sie werden sicher die weltweiten Zahlen der EU durchgesehen haben? Es ist völlig klar: Wir können dem Corona-Virus gratulieren. Er hat gewonnen. Die neue Bürgerschaft auf der Erde ist ihm gesichert. Die gegnerischen Armeen ziehen ab oder sind schon abgezogen. Die Menschheit steht schutzlos da und die Menschen schützen sich nicht einmal selbst. Für die Gemeinschaft der Corona-Viren ein leichtes Spiel. Infiltration statt offener Kampf. Da sind Viren stark, Männer (und wie wir in der Politik sahen, Frauen auch) haben dem nicht genug entgegenzusetzen, auch im 21. Jahrhundert nicht.
Das heisst aber auch auf der Gegenseite: Wir, die Menschheit hat verloren. Wieder, nehmen wir es sportlich. Tragen wir es mit Fassung.
Corona-Viren werden also gleichberechtigter Erdenbürger. Was bedeutet das für uns? Wir werden es erleben. Wenn wir im Bild bleiben wollen, dann sind wir mit der ersten Welle wohl im Corona-See gelandet? Nun werden uns wohl immer wieder Wellen treffen, hier und dort, nicht überall gleichzeitig, mal grösser und mal kleiner, aber eben immer wieder und wohl auf Dauer?
Jetzt soll die grosse Aufarbeitung und Kritik und Selbstkritik kommen? Wir sollen etwas lernen:
Natürlich klopfen sich jetzt alle Verantwortlichen selbst auf die Schulter und beglückwünschen sich, wie sie alles richtig gemacht haben. Das kennen wir inzwischen von so vielen Reden der Mächtigen, dass wir uns gewundert hätten, wenn es diesmal anders gewesen wäre. Es geht auch gar nicht darum, jemandem Schuld in die Schuhe schieben zu wollen. Es geht nur einmal darum, dass wir uns klar machen, dass wir angesichts dessen, dass wir verloren haben, uns jetzt auf die Schulter klopfen und sagen, wir hätten alles richtig gemacht. Wir wollen und sollen das jetzt alle kritisch aufarbeiten, aber bitte keine Kritik an den Entscheidungsträgern. Klar, wir sind alle Menschen, sie und wir und wir mögen keine Kritik. Wir vertragen es nicht, falsch gehandelt zu haben, besonders, wenn wir im Rampenlicht stehen. Wir stehen einer realitätsnahen Aufarbeitung selbst im Wege.
Ich habe bisher ja das Gesichtsmasken Tragen sehr vertreten. Es traf auf viele Schwierigkeiten, das gegen seine eigene Intuition oder gar Überzeugung durchzusetzen. Über seinen eigenen Schatten springen zu wollen, ist selbst für Leistungssportler eine meist unüberwindbare Hürde. Warum ist das eigentlich so? Inzwischen glaube ich, dass es dafür sehr menschliche Strukturen in jedem selbst gibt. Es ist aber möglich, über seinen eigenen Schatten zu springen. Das bedarf einer Reihe Einsichten und zwanzig Jahre Übens, aber es geht. Und Sie werden staunen, was für eine Welt sich Ihnen hinter dieser Hürde auftut.
Ob das Maskentragen uns zum entscheidenden Sieg über die Pandemie des Corona-Virus geholfen hätte, weiss natürlich auch ich nicht. Ohne das konsequente Maskentragen haben wir jedenfalls verloren.
Die Pandemie hat gezeigt: Wir tun nicht das, was sinnvoll ist in einer Situation, sondern das, was uns nützt, was unseren Interessen nützt, was für uns bequem ist, wo wir nicht über den eigenen Schatten springen müssen, … Interessant ist ja, dass die Maske, die ich trage, den gegenüber schützt und seine Maske schützt mich. Das bedeutet, dass jeder, der eine Maske trägt, sich um die anderen sorgt. Wer keine Maske trägt, ist völlig ignorant oder zumindest fahrlässig gegenüber anderen. Wenn man ein bisschen nachdenkt, ist jeder ohne Maske potentiell ein Gefährder für andere. Wir aber denken immer nur an den eigenen Schutz, denn der andere ist ja gefährlich (infektiös), ich selbst dagegen nicht. Das haben alle gedacht, die andere angesteckt haben, denn sonst hätten sie es ja nicht getan. Vorsätzlich wird es ja wohl keiner getan haben?
Auch hier wäre nachdenken sinnvoll. Egoismus und ungerechtfertigtes Selbstbewusstsein gepaart mit Abwertung und Abwehr der/s Anderen (denn nur die oder der steckt an, ich ja nicht).
Liebe Regierungen, diese Pandemie hat gezeigt, dass Sie einfach nicht auf alle Eventualitäten vorbereitet sind. Was machen Sie da eigentlich? Unfähig was? Aber trösten wir uns, das ging allen so, den Regierungen, den Experten, den Ärzten, den einfachen Menschen einschliesslich mir. Wir sitzen alle in einem Boot und so wird es auch beim nächsten Mal sein.
Wenn wir eine Chance hätten haben wollen, die Verbreitung von Corona zu verhindern, dann hätten wir alle unsere „menschliche“ Intelligenz hervorkramen müssen, dann hätten wir über unseren Schatten springen müssen und hätten sinnvoll handeln müssen, nicht nur im eigenen Interesse. Das aber ist von uns Menschen zu viel verlangt.

 

Sie kennen sicher die Geschichte von David und Goliath, auch wenn Sie die Bibel, aus der die Geschichte stammt, gar nicht kennen?
Der junge, unbewaffnete Teenager David wird von seinem Kriegsheer gegen Goliath, den schwerbewaffneten und gerüsteten Gegner in den Zweikampf geschickt. Noch ehe Goliath so richtig seine Waffen in Stellung gebracht hat, schleudert David einen Stein so gut gezielt gegen Goliaths Kopf, dass er diesen an der ungeschützten Stirn den Kopf zertrümmert. Tot!
Immer, wenn wir die Geschichte hören, sind wir natürlich Sympathisanten Davids oder glauben uns sogar an seiner Stelle. Heute stimmt das nur gar nicht. Wir sind an der Position Goliaths. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, was das bedeutet? Wir haben die Seiten gewechselt und haben es noch nicht einmal wahrgenommen!

 

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