Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)

Nachdenken über den Corona-Virus und uns (VI)(05/2020)

Heute zum letzten Mal(?), bevor wir uns wieder anderen Menschen und Dingen zuwenden:
Theorie und Praxis beim Virenschutz:
Wir bekommen vom Kanton maschinell hergestellte, zertifizierte, funktionierende OP-Masken. Sie sind leicht anzulegen, haben einen Gummi hinter dem Ohr. Zumindest der Theorie nach ist alles fein. So muss das sein.
Die Praxis sieht so aus: Alle Patienten bekommen von uns solch eine Maske, wenn sie die Praxis betreten. Zuerst habe ich sie auch selbst benutzt. Schon nach einem Vormittag merkte ich, dass diese Maske völlig unnütz ist. Sie rutschte mir alle paar Minuten von der Nase, so dass ich sie wieder nach oben schieben musste. Das ging ohne Berührung mit den Fingern nicht. Hätte die Maske Viren abgefangen, hätte ich sie todsicher mit den Fingern verteilt und mich und andere angesteckt. Nach einem halben Tag habe ich unsere eigenen Baumwollmasken wieder benutzt.
Es gab kaum einen Patienten mir gegenüber, dem das nicht genauso ging. Diese Masken haben mit hoher Wahrscheinlichkeit der Verbreitung des Virus gedient, nicht der Eindämmung. Aber sie waren zertifiziert und offiziell für gut befunden und an uns abgegeben. Zertifizierter Müll, sozusagen. Wir hatten Glück. Wir werden wahrscheinlich keinen Corona-Kranken in der Praxis gehabt haben, obwohl wir viele Kranke in der Praxis hatten.
Viele meiner Patienten, die sowieso schon Probleme mit dem Atmen haben, konnten durch solch eine Maske gar nicht lange atmen und mussten sie wieder ablegen. Das Atmen wird auf diese Weise zu schwer.
Wir wollen ausnahmsweise mal niemanden beschuldigen und kritisieren. Sondern wir wollen mal über den Unterschied von Theorie und Praxis nachdenken, denn dieser Unterschied bestimmt sehr vieles in unserem Leben. Offenbar müssten wir uns erst etwas Gedanken machen, was denn solche Masken zur Eindämmung für eine Pandemie für Eigenschaften haben müssten.
Zu Beginn müssen wir wohl mal davon ausgehen, dass zertifizieren nicht so einfach ist. Zertifizieren heisst ja überprüfen. Da gibt es dann bestimmte Standards, die eingehalten werden müssen. Die sind inzwischen bürokratisch beschlossen, vereinheitlicht, für alle zur Pflicht gemacht, DIN-Normen z.B. Dann hat man Mess-Systeme dafür ersonnen, die diese Regeln und ihre Einhaltung überprüfen. Die Durchlässigkeit der Materialien für Viren z.B. Da gibt es inzwischen grosse Firmen, die nur noch so etwas machen, also darauf spezialisiert sind und diese Überprüfung also optimal abwickeln. Die Übereinstimmung von Material und Norm wird sicher damit auch geklärt sein. Aber ist damit die gute Funktionsfähigkeit der Masken in der Praxis sichergestellt? Es scheint eine Distanz zwischen Theorie und Praxis zu geben, die wir nicht so einfach mal eben überbrücken oder auf 0 zusammenschmelzen können?
Wir hatten ja schon früher die Frage gestellt, ob OP-Masken überhaupt gut sind zur breiten Anwendung zur Verhinderung einer Pandemie? Vielleicht sind die bürokratischen Richtlinien für diesen Zweck gar nicht tauglich? Braucht es vielleicht ganz andere Richtlinien? Die werden wir bis zur nächsten Pandemie bekommen. Da bin ich sicher. Ist die Aufstellung von solchen Richtlinien und Zertifizierungssystemen überhaupt sinnvoll? Muss wirklich alles zentral erdacht, beschlossen, festgelegt, zum Gesetz gemacht werden? Ginge das auch anders? Wäre ein menschliches Organisationssystem denkbar, das uns Eigenverantwortung, Freiheit und Individualität belässt und vielleicht sogar die Wirksamkeit erhöhen würde? Oder ist das nur der Wunsch zurück in ein Paradies, in dem noch alles (nach unseren Wünschen) funktionierte, das aber nicht unserer Realität entspricht?
Können wir überhaupt die Übereinstimmung von Theorie mit Praxis durch Optimierungs- und Kontrollsysteme, wie die von uns geschaffenen, sicherstellen? Gibt es da vielleicht ein strukturelles Problem? Ist es nicht nur eine Frage von Messgenauigkeit, von Erbsenzählerei oder Tüpflischisserei? Gibt es da womöglich eine zusätzliche Lücke? Spielt da womöglich Transzendenz eine Rolle?
Wollen wir in Zukunft denn nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Menschen als Dienstleister (in Form von Berufen), nur noch staatlich geprüfte und zertifizierte Produkte und am besten auch noch nur staatlich anerkannte und für gut befundene Wünsche auf dem Markt zulassen? Spontanität, Eigenverantwortung, Freiheit ade? Unser Handeln hat mehr Folgen als uns lieb ist. Bevor wir die Macher an die Regierungen lassen, sollten wir vielleicht doch besser nachdenken und vor allem beim Wählen sehr viel sorgfältiger werden. Wen wir wählen, den bekommen und haben wir danach dann auch.
Bitte lassen Sie uns dabei nicht an irgendeine Schuld denken oder irgend jemanden beschuldigen oder gar dunkler Machenschaften bezichtigen. Wir alle wählen unsere Philosophie, unsere Weltanschauung, unseren Glauben (auch die, die keine wählen) und entsprechend denken und handeln wir dann auch. Das geht gar nicht anders. Das hat nichts mit Schuld zu tun, sondern mit Menschen Sein.

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