Aus Geschichte lernen

Aus der Geschichte lernen?

Wollen wir einmal zusammen aus der Geschichte lernen? Wir wagen es erst einmal nur in Gedanken, nicht gleich in der Realität. Dann kann nicht so viel schief gehen.

Toleranz! Toleranz ist etwas, was wir unbedingt brauchen. Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass mehr Toleranz in unserer Welt geübt wird. Da sind wir uns doch einig?
Wie wurde das bisher versucht, mehr Toleranz zu erzeugen? Es gibt viele Beispiele für Ausübung von Druck, von Regeln und Gesetzen. „Seien Sie gefälligst toleranter!“ Was hat es bisher genützt? Da stimme ich Ihnen zu, fast nichts.
Jetzt könnten wir uns fragen und natürlich auch viele Beispiele in der Geschichte anschauen, wie Menschen versuchten, Andere zu mehr Toleranz zu bewegen. Vielleicht finden wir noch irgendwelche Kniffe oder Tricks, wie es besser ginge. Viele Generationen vor uns werden das auch schon so gemacht haben. Da sind wir sicher nicht die ersten. Geändert hat es nichts. Reihen wir uns ein in die Reihe der Erfolglosen.
Könnte die Art und Weise, wie bisher versucht wurde, mehr Toleranz zu erreichen, einen Haken haben, warum es kaum zu mehr Toleranz kam? Das wäre eine Idee. Dann müssten wir also die Geschichte befragen, ob bisher clever gehandelt wurde. Gibt es andere Möglichkeiten?
Dabei bin ich darauf gestossen, dass wer andere zu Toleranz bringen oder gar zu Toleranz zwingen will, sich immer selbst in eine Position bringt, in der er selbst keine Toleranz übt. Dem gegenüber, den wir für zu wenig tolerant halten, sind wir intolerant gegenüber. Das merkt der Andere natürlich. Wir messen jetzt mit zweierlei Mass, spielen mit Doppelmoral. Er soll tolerant werden, ich aber bin es nicht und halte das auch noch für richtig. Erfolgswahrscheinlichkeit? Nahe 0. Er müsste schon sehr dumm sein.
Frieden! Frieden haben wir auch viel zu wenig auf dieser Erde und vor allem um uns herum wollen wir Frieden. Also kämpfen wir für und um den Frieden.
Schauen wir in die Vergangenheit. Wir brauchen gar nicht weit zu gehen. Kämpfe um oder für den Frieden hatten wir in den letzten Jahren in Hülle und Fülle. Wie waren die Erfolge? Spärlich und wo Frieden geschlossen wurde, wurde nicht selten schon der Keim für den nächsten Krieg gelegt, denn jedes Mal werden andere benachteiligt, besiegt, von starkem Leid betroffen. Die müssen natürlich wieder für ihre Freiheit, ihr Recht und ihren Frieden kämpfen.
Könnte der Kampf um den Frieden einen Haken haben? Im Kampf um den Frieden wird man selbst zur Kriegspartei. Im Kampf um den Frieden entstehen neue Benachteiligungen anderer, wenn nicht Schlimmeres. Die werden wieder um ihre Rechte und Wiedergutmachung kämpfen, seien es die Gegner oder Dritte. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Kampf Frieden stiften ist zwar nicht völlig 0, aber doch recht nahe bei 0. Zu empfehlen ist dieser Weg offenbar nicht. Wer um des Friedens willen kämpft, beweist seine Doppelmoral. Vergessen wir es. Also spielen wir doch gar nicht erst den Gutmenschen, kämpfen in Zukunft nicht mehr für den Frieden, sondern gleich um unsere Rechte und unser Wohlergehen. Dann geht es wenigstens uns gut, wenn wir schon den anderen keinen Frieden erkämpfen können.

Wollten wir in beiden Fällen die Doppelmoral und schliesslich das Aufgeben umgehen, gäbe es einen Weg:
Toleranz kann man nicht erzwingen und auch nicht von aussen erzeugen. Tolerant kann man nur selbst werden und sein. Toleranz kann man üben, erst, um darin erfolgreicher zu werden (im Sinne von üben), dann in der Anwendung (damit sie den Anderen auch erreicht).
Frieden kann man stiften. Ich kämpfe nicht, sondern gehe auf die Wünsche, Forderungen, Ängste, Bedürfnisse des Anderen ein und ich selbst verzichte.

Der Beispiele für diese beiden Wege sind noch nicht viele. Ob dieser Weg möglich ist, muss sich in der Realität noch erweisen.
Aus der Geschichte lernen sollen ja immer die Anderen. Die sollen sich ändern. Wir selbst liegen mit unseren Ansichten und unserem Handeln doch richtig, oder? Vielleicht ist das eine menschliche Struktur? Wir können uns gar nicht relevant ändern? Deshalb sollen es immer die Anderen? Nur die können es auch nicht und denken und handeln deshalb umgekehrt genauso? Sie sind ja auch Menschen.
Was wir wohl auch anerkennen müssen: Der Zweck heiligt nicht die Mittel, sondern fast ohne Ausnahme ist es umgekehrt. Wir haben nur nicht genug nachgedacht.
Was nun?

Ein Gedanke zu “Aus Geschichte lernen

  1. Christoph Schenkel

    Sehr geehrter Herr Dr. Flade,

    Ich mache ähnliche Erfahrungen mit
    den Begriffen : Respekt, Vertrauen, Rassismus,
    Global, Multikulturelle.usw

    Ich kann das kaum noch hören wie
    leichtfertig man mit solchen Begriffen umgeht.
    Da hilft mir nur noch die Ruhe und Stille
    einer Meditation.
    Dann lese ich über die Zen Lehre und lese
    die Übungen zur Achtsamkeit von Thich Nhat Than.
    Die Gedanken der Jesuiten sprechen mich auch an. Vielen Dank für für Ihre Beiträge

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